Hallo
in diesen Thread Beitrag "Steigt der Innenwiderstand bei sinkender Akkuladung?" gab es
eine schöne, verständliche und einfache Erklärung die leider aber
letztendlich doch sehr vereinfachend bis sogar verfälschend ist.
"Am Einfachsten ist wohl die bildliche Vorstellung mit "Ladungsdruck".
Erst gedrängelt voll, am Ende dann einfach weniger Gedrängel, weniger
Geschubse, Ladungen müssen sich weiter bewegen. Also alles langsamer,
mit weniger Druck - entsprechend höherem Widerstand."
Der Autor hat das ja sogar selbstironisch kommentiert.
Wenn man jetzt aber einen Laien oder auch einen Vorgebildeten
tiefergehene, komplizierte Vorgänge erklären will ohne zu sehr zu
vereinfachen oder sogar zu verfälschen:
Wie macht man das am besten?
"Die Sendung mit der Maus" ist je einerseits ein gutes Beispiel wie
sowas gut gemacht werden kann, andererseits merkt man aber das auch dort
(für Jugendliche und Erwachsene) oft zu sehr vereinfacht wird und
wichtige, nicht so leicht in einfachen Bildern erklärbare Tatsachen
einfach fallen gelassen werden.
Übertrieben gesehen suche ich nach einen neuen oder anderen Weg sich und
jemand anderen, einfacher und mit weniger Anstrengung neues, abstraktes
und eigentlich Vorwissen erfoderliche Tatsachen, Vorgänge usw.
beizubringen.
mfg
Simpel
Nach zigtausenden von Jahren hat die Menschheit nur 2 Wege gefunden.
Bildliche Vorstellungen. Je mehr Beobachtungen die korrekt wiedergeben,
desto aufwendiger werden sie.
Mathematische Modelle. Je mehr Beobachtungen sich korrekt berechnen
lassen, desto aufwendiger werden sie.
Schwer vorstellbar, dass sich noch eine dritte Möglichkeit findet.
Die Bilder und Modelle werden ja einfacher. Z.B. war Einsteins
Beschreibung, wie der Magnetismus aus der Zeitdilatation entsteht,
vollkommen unverstehbar. Inzwischen wurden einfache Bilder und
übersichtliche Gleichungen gefunden.
Leider ist es sehr mühsam, für Unverständliches einfache Darstellungen
zu finden. Bis einer eine gute Erklärung befunden hat, haben andere
schon 10 neue unverständliche Theorien aufgestellt und eine noch
unverständlichere Technologie entwickelt.
Simplizisimus schrieb:> Leider ist es sehr mühsam, für Unverständliches einfache> Darstellungen zu finden.
Das ist richtig, aber wohl nur ein Teil der Wahrheit. Dazu
kommt noch: Sowohl bildliche als auch mathematische Modelle
kommen nicht ohne Umgangssprache aus. Die Kunst, sich kurz,
klar und korrekt auszudrücken, ist mühsam zu erlernen.
Zudem: Niemand schätzt einen guten Lehrer, während er lehrt.
Dreißig Jahre nach der Schule oder zwanzig Jahre nach dem
Studium denkt man mit Wehmut an die Lehrer und Dozenten und
erkennt auch ihre Qualitäten, aber während der Ausbildung?!
Und schließlich: Warum sollte ein ausgewiesener Spezialist
es seinem nachwachsenden Konkurrenten leicht machen, ihn
von seinem Platz zu verdängen? "Ich musste mich auch quälen,
alse quäl' Du Dich gefälligst genauso!"
Die Segnungen der Leistungsgesellschaft...
> Sowohl bildliche als auch mathematische Modelle> kommen nicht ohne Umgangssprache aus.
Hm...wenn ich mir so die diversen Wikipedia Seiten zu mathematischen
Dingen anschaue dann habe ich zumindest den Eindruck das es fuer die
Mathematik ein erstrebenswertes Ziel ist vollkommen ohne Umgangssprache
auszukommen.
Ich habe zumindest bei deutschsprachiger technischer Fachliteratur den
Eindruck als wenn es dem Autor nicht darauf ankommt Wissen zu vermitteln
sondern sein eigenes narzisstisch zu beweisen. Das halte ich fuer ein
ziemliches Armutszeugnis deutscher Kultur&Wissenschaft und bevorzuge
meinerseits wo immer es geht englischsprachige Fachbuecher.
Olaf
Olaf schrieb:> Ich habe zumindest bei deutschsprachiger technischer Fachliteratur den> Eindruck als wenn es dem Autor nicht darauf ankommt Wissen zu vermitteln> sondern sein eigenes narzisstisch zu beweisen. Das halte ich fuer ein> ziemliches Armutszeugnis deutscher Kultur&Wissenschaft und bevorzuge> meinerseits wo immer es geht englischsprachige Fachbuecher.
Sprache prägt das Denken. Es ist zu einfach den Autoren vorzuwerfen dass
sie so schreiben wie sie schreiben. Ihr Denken ist durch die Sprache,
die sie zur Verfügung haben beeinflusst, besonders natürlich wenn es die
Muttersprache ist die (mittels Studium) um eine Fachsprache für ein
Fachgebiet ergänzt wurde.
Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen, Deutsch ist, wenn es um
Wissenschaft geht, gar nicht mal so schlecht. Es war eine der ersten
neuzeitlichen Wissenschaftssprachen und gehört zu einer Gruppe von nur
ca. 30 Sprachen weltweit, die sprachwissenschaftlich so vollständig
sind, dass man damit "alles" ausdrücken kann.
Wenn du mal 1:45 Stunde Zeit hast:
http://forschergeist.de/podcast/fg007-die-deutsche-sprache-und-die-wissenschaften/
Mann kann jetzt drüber streiten, warum Mathe-Artikel in der Wikipedia
überhaupt auf Wissenschaftsniveau geschrieben werden müssen. Jedes
Rechenbuch in Deutschland zeigt, dass man Mathe für Schüler auch anders
ausdrücken kann. Bei der Wikipedia ist es nun mal so, dass sie im
Bereich Mathematik (Pseudo)Wissenschaftler anzieht, denen es gelungen
ist ihre Dominanz in der Wikipedia durchzusetzen. Das ist eher ein
Problem der Wikipedia in Deutschland, und wie sie geführt wird, als von
der Sprache.
Oft sind die Leute, die besonders gut darin sind, etwas zu verstehen und
darauf aufbauend auch neues zu (er)finden, nicht gleichzeitig auch
besonders gut darin, dieses Verständnis weiter zu vermitteln. Umgekehrt
sind oft diejenigen, die etwas besonders gut erklären können, nicht die,
die auch das ganz besonders tiefgreifende Verständnis haben.
Wenn also jemand, der auf einem bestimmten Fachgebiet eine Koryphäe ist,
ein Buch schreibt, mag dabei etwas herauskommen, das nicht so leicht
verständlich ist oder "abgehoben" erscheint. Das kommt dann einfach
daher, daß derjenige sozusagen auf einer anderen Ebene unterwegs ist,
die dem Lernenden (noch) fehlt und es ihm daher erschwert, das ganze zu
verstehen.
Der Schreiber merkt dabei gar nicht, daß bestimmte Dinge nicht erklärt
werden, die für ihn praktisch ganz selbstverständlich sind, die der
Lernende aber noch nicht wissen kann.
Simplizisimus schrieb:> Die Bilder und Modelle werden ja einfacher. Z.B. war Einsteins> Beschreibung, wie der Magnetismus aus der Zeitdilatation entsteht,> vollkommen unverstehbar. Inzwischen wurden einfache Bilder und> übersichtliche Gleichungen gefunden.
Gerade Einstein ist für meine obige Aussage ein gutes Beispiel. Er war
ein brillianter Wissenschaftler, aber ihm wird nachgesagt, eher ein
schlechter Professor gewesen zu sein, da die Studenten ihn einfach nicht
verstanden haben.
Es gibt wenige, die sowohl ein extrem tiefgreifendes Verständnis haben,
als auch in der Lage sind, dies auf einfache, leicht verständiche Weise
zu vermitteln. Ich glaube, daß Stephen Hawking einer der wenigen ist,
die diesen Spagat schaffen.