Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Computer Kondensatoren Anno 1970+


von Gerhard O. (gerhard_)


Lesenswert?

In früheren Computer Netzteilen (z.B. PDP-11) findet man die physisch 
sehr großen Elkos. Sie wurden bei uns auch offiziell als "Computer 
Capacitor" (CC) bezeichnet. Ich nehme an, sie zeichneten sich durch 
extreme Langlebigkeit und große Zuverläßigkeit aus. In 5V Versorgungen 
gab es sie mit enorm großen C Werten im 5-6 Stelligen Bereich.

Was mich nun interessiert ist, haben die Fortschritte in der 
Bauteilfertigung solche Elkos total obsolet gemacht oder haben diese 
alten Typen doch noch Vorteile in Spezialanwendungen wo es auf 
überdurchschnittliche Zuverläßigkeit ankommt? Ich begrenze diese Frage 
auf konventionelle Wechselstrom Niederfrequenz Netzteile.

Kann ein moderner Äquivalenter Miniatur Elko mit ähnlichen Kennwerten 
von C und Betriebspannung in Bezug auf Langlebigkeit und Arbeitsstrom 
mithalten? Man sollte meinen, durch das enorm kleinere Volumen müßten 
die modernen Typen viel fragiler sein und sich viel schneller bei Ripple 
Strom erwärmen.

Ich nehme an, solche CCs haben enorme Robustheit, Können praktisch 
unbegrenzt hohe Ripple Ströme vertragen, gute ESR Werte usw.

Wer von Euch "alten Hasen" kennt sich mit diesen Teilen noch gut aus?

Der Grund für diese Frage ist, Ich habe noch einen Karton solcher Teile 
und frage mich ob es Sinn hat sie noch aufzubewahren oder einfach zu 
entsorgen. Ich habe ein paar getestet und sie benehmen sich trotz des 
Betagten Alters noch normal. In Miniaturgeräten tut man sich natürlich 
schwer mit solchen Übergewichtlern. Aber bei Hochleistungs Netzteilen 
spielt die Größe weniger eine Rolle.

Normalerweise nehme ich heutzutage für hohe Leistungen natürlich SNTs.

Grüße,
Gerhard

von Hp M. (nachtmix)


Lesenswert?

Da sie noch hergestellt werden, wird es wohl auch noch Kundschaft dafür 
geben: http://www.mouser.com/ds/2/88/CG-23208.pdf
Nicht jeder mag Schaltnetzteile, und manch einer baut sich derartige 
Elkos in sein Tumbmobil ein um die Autobatterie zu stützen.

Aktuell könnte ich mir vorstellen, dass Röhrenverstärker-Freaks, die 
überflüssiger Weise die Endröhren mit Gleichstrom heizen, Verwendung 
dafür haben.
Diese Dinger mit Schraubanschlüssen machen ja auch optisch einigen 
Eindruck.

von Gerhard O. (gerhard_)


Lesenswert?

Hp M. schrieb:
> Da sie noch hergestellt werden, wird es wohl auch noch Kundschaft dafür
> geben: http://www.mouser.com/ds/2/88/CG-23208.pdf
> Nicht jeder mag Schaltnetzteile, und manch einer baut sich derartige
> Elkos in sein Tumbmobil ein um die Autobatterie zu stützen.
>
> Aktuell könnte ich mir vorstellen, dass Röhrenverstärker-Freaks, die
> überflüssiger Weise die Endröhren mit Gleichstrom heizen, Verwendung
> dafür haben.
> Diese Dinger mit Schraubanschlüssen machen ja auch optisch einigen
> Eindruck.

Danke für Deine Infos. Dann entsorge ich sie besser nicht. Wäre vll. 
doch schade.

Gerhard

von Andrew T. (marsufant)


Lesenswert?

Gerhard O. schrieb:
> Was mich nun interessiert ist, haben die Fortschritte in der
> Bauteilfertigung solche Elkos total obsolet gemacht oder haben diese
> alten Typen doch noch Vorteile in Spezialanwendungen wo es auf
> überdurchschnittliche Zuverläßigkeit ankommt? Ich begrenze diese Frage
> auf konventionelle Wechselstrom Niederfrequenz Netzteile.

Also Elkos von Produktionsdatum  1970: Eher nein.
Aber es gibt durchaus aktuell produzierte, die Langlebensdauer haben und 
gut in 50/60 Hz NT Anwendungen arbeiten.
Gute Erfahrung habe ich z.B. hiermit gemacht:
ebay 171840856312
als Beispiel für den Typ.


>
> Kann ein moderner Äquivalenter Miniatur Elko mit ähnlichen Kennwerten
> von C und Betriebspannung in Bezug auf Langlebigkeit und Arbeitsstrom
> mithalten?


Ja. Wobei mein Beispiel nicht extrem Miniatur ist. Die Datenblätter muß 
man schon ansehen, und da halten (gleicher Ripplestrom vorausgesetzt) 
moderne Typen mit deutlich kleineren Abmessungen  mit (als die 
Abmessungen von 1970..1980).

> Man sollte meinen, durch das enorm kleinere Volumen müßten
> die modernen Typen viel fragiler sein und sich viel schneller bei Ripple
> Strom erwärmen.

Wenn Du extrem miniatur Elkos nimmst, mußt Du natürlich runtergehen mit 
dem Strom...

>
> Ich nehme an, solche CCs haben enorme Robustheit, Können praktisch
> unbegrenzt hohe Ripple Ströme vertragen, gute ESR Werte usw.

Nein, unbegrenzt definitv nicht. Ich habe hier einen "alten" Cornell 
Elko von 1973, da sind explizit 8,8A Ripple@60Hz angegeben (2200 uF 63V 
Dc Typ Elko).
Schon "damals" war es nicht unbegrenzt .-)
Eingesetzt wurde der Elko in einem 2A NT, und hat nach 30 Jahren noch 
immer Funktion.

>
> Wer von Euch "alten Hasen" kennt sich mit diesen Teilen noch gut aus?

Gut : na ja.
a bisserl Erfahrung aus 40 Jahren Elektronik  halt .-)

von G. H. (schufti)


Lesenswert?

Na irgendwie müssen die Dinger früher schon besser gewesen sein, denn 
die 2000h bei nur max. Voltage kommen mir doch eher wie Chinakracher 
vor; und nennt sich "long life".

Und auch nach 40J sollten die Teile nach einigermassen vorsichtiger 
Formierung (die auch heute bei etwas längerer Lagerung von Herstellern 
für Erreichen der specs vorgeschrieben wird) durchaus einsatzfähig sein.

von Peter D. (peda)


Lesenswert?

Wenn Du keine konkreten Anwendungen dafür planst, entsorgen.

von Автомат К. (dermeckrige)


Lesenswert?

Peter D. schrieb:
> Wenn Du keine konkreten Anwendungen dafür planst, entsorgen.

Warum sollte jemand Teile seines Hobbys entsorgen?

von MaWin (Gast)


Angehängte Dateien:

Lesenswert?

Gerhard O. schrieb:
> Kann ein moderner Äquivalenter Miniatur Elko mit ähnlichen Kennwerten
> von C und Betriebspannung in Bezug auf Langlebigkeit und Arbeitsstrom
> mithalten?

Ja,
es hat sich schon was getan bei Kondensatoren,
nicht bloss bei Kaeramikkondensatoren
die es heute im Mikrofaradbereich gibt,
sondern auch bei Elkos durch aufgerauhte Folie

Der abgebildete von Plessey 1966 hat gerade mal
15000uF/16V in 115mm x 64mm,
das gibt es heute in 18mm Durchmesser bei 35mm Höhe
http://uk.farnell.com/panasonic-electronic-components/ecos1cp153el/cap-alu-elec-15000uf-16v-snap/dp/1198570

ABER: In einem Netzteil fliessen hohe Ripple-Ströme
und diese kleinen halten die nicht unbedingt aus,
Der genannte hält gerade mal 2.21A (2000h bei 105GradC) durch
http://www.farnell.com/datasheets/1446031.pdf?_ga=1.231202271.1514039271.1467372973
etwas grössere (22 x 35) schon 5.26A (3000h bei 85GradC)
http://www.farnell.com/datasheets/738785.pdf?_ga=1.226859485.1514039271.1467372973

Bei einem 5V (Computernetzteil) verwendet man knappste Spannung weil 
alles über 5V bloss Verluste sind. Üblich sind magnetisch stabilisierte 
7.5V Trafos mit Mittelanzapfung, also kaum ein Einbruch bei 
Netzspannungsschwankungen und bloss 1 Diodenverlust, also ca. 9V Spitze 
am Ladeelko, die dann auf 7.5V absacken dürfeen bevor die 7805 
Spannungsregler kommen (damals gab es noch keine low drop).

2.5V Ripple bedeutet 4000uF/A, ein 15000uF Elko war also für 3.75A gut. 
Der kleine moderne Elko hält das nicht aus, der geringfügig grössere 
schon.

Achte also beim Netzteilbau auf ausreichend ripplestrombelastbare Elkos, 
bei grösseren Kapazitäten reichen dann die dünne Drähte nicht mehr um 
den Strom zu transportieren, daher haben die meisten 100000uF Elkos dann 
Schraubterminals für 10A Ripplestrom und mehr.

von MaWin (Gast)


Lesenswert?

Oh, tschuldung, 35V, entsprechendes umrechnen left as an exercise to the 
reader.

von Gerhard O. (gerhard_)


Lesenswert?

Kam gerade zurück. Danke für Eure Kommentare. Es wird wieder mal Zeit 
Datenblätter und App Notes zu studieren.

Noch etwas Anderes. Bei uns wird in der Stadt schon seit einiger Zeit 
die Strassenbeleuchtung auf LED umgestellt. Was mich interessiert, wie 
sorgfältig die Stadtingenieure waren die Lebensdauer der zugehörigen SNT 
Netzteile zu spezifizieren, sowohl als auch zu analysieren? Wenn man da 
nicht aufpasst, könnte man unliebsame Überraschungen erleben. Ich kann 
mir sonst gut vorstellen, daß nach einigen Jahren Betriebszeit die SNTs 
massenhaft ausfallen. Wenn man nicht regelmäßig nachprüft ob die Teile 
die geforderte Qualität bleibend haben, dann kann es brenzlig werden. 
Man weiß ja nie ob die SNT eines Tages mit einem "günstigeren" Model 
ersetzt werden, das minderwertige Zuverläßigkeit aufweist - Kann ja 
leicht passieren wenn man im Ankauf kein misstrauischer Hund ist. 
Manchmaal gibt es Angebote denen ein Käufer leicht erliegt:-)

von Mark S. (voltwide)


Lesenswert?

Zu den alten Kondensatoren wäre noch anzumerken, dass diese vorzugsweise 
in 100Hz-Gleichrichterschaltungen werkelten, wo die 
Wechselstrombelastung eher moderat war.
Inzwischen dominieren Schaltnetzteile, wobei vor allem die 
weitverbreiteten Sperrwandler die Sekundärelkos mit hohen ripple-Strömen 
belasten.
Es hat in den letzten Jahren eine deutliche Weiterentwicklung der Elkos 
stattgefunden in Bezug auf die Strombelastbarkeit.
Angefangen mit den Low-ESR-Typen ist man inzwischen bei den noch 
stärkeren polymer-Kondensatoren angelangt. Bei Gehäusedurchmessern von 
10mm sind 2Aeff und mehr spezifiziert - da hat sich also seit 1970 
durchaus was getan.

von Werner F. (Gast)


Lesenswert?

G. H. schrieb:
> Na irgendwie müssen die Dinger früher schon besser gewesen sein,

Hallo,
das stimmt ohne Zweifel.

Denn das liegt an der Art und Weise wie die Elkos hergestellt werden.
Ein befreundeter Radio- und Fernsehtechniker und ich, konnten mal "live" 
die Herstellung von "alten" und "neuen" Elkos miterleben.
Seither ist mir klar, warum die neuen Elkos schneller kaputt gehen, wie 
die alten Elkos.
Falls sich jemand dafür interessiert, so möge er das hier bitte 
schreiben.
Ich werde dann aus dem Gedächtnis die Art und Weise der Herstellung 
beschreiben.

MfG. Zeinerling

von MM (Gast)


Lesenswert?

Gerhard O. schrieb:
> Was mich interessiert, wie
> sorgfältig die Stadtingenieure waren die Lebensdauer der zugehörigen SNT
> Netzteile zu spezifizieren, sowohl als auch zu analysieren?

Der tagtägliche Irrsinn zeigt, daß außer dem Preis alles andere egal ist 
und keine Berücksichtigung findet.

von SoEinSchmarrn (Gast)


Lesenswert?

Werner F. schrieb:
> G. H. schrieb:
>> Na irgendwie müssen die Dinger früher schon besser gewesen sein,
>
> Hallo,
> das stimmt ohne Zweifel.
>
> Denn das liegt an der Art und Weise wie die Elkos hergestellt werden.
> Ein befreundeter Radio- und Fernsehtechniker und ich, konnten mal "live"
> die Herstellung von "alten" und "neuen" Elkos miterleben.
> Seither ist mir klar, warum die neuen Elkos schneller kaputt gehen, wie
> die alten Elkos.
> Falls sich jemand dafür interessiert, so möge er das hier bitte
> schreiben.
> Ich werde dann aus dem Gedächtnis die Art und Weise der Herstellung
> beschreiben.
>
> MfG. Zeinerling

Sowas klingt nach Opa vor dem Kamin, der der die "heutigen Jugend" über 
"besseren Zeiten" belehrt. Mit erhobenem Zeigefinger.
Das trifft bestimmt auf manches zu, aber sicher NICHT auf die 
Elektronik, und insbesondere nicht auf Elkos.

Ich bin schon >25 Jahre im Geschäft, drum traue ich mich das zu sagen.

Moderne Elkos sind um Größenordnungen besser, als der alte Mist. In 
folgenden Punkten, üblicherweise:
- Temperaturbereich, speziell unter 0°, speziell unter -20°C
- Lebensdauer - 8kh sind kein Problem mehr
- ESR, ESL, Rippelstrombelastbarkeit
- Kapazität pro Volumen
- Zuverlässigkeit

Mag sein, dass modernere Baureihen nicht mit "Liebe" (TM) hergestellt 
werden, aber wir reden hier von Elektronik, nicht Rüschenkissen :-(

von Zeno (Gast)


Lesenswert?

MaWin schrieb:
> ....Elkos durch aufgerauhte Folie

Das ist nun wirklich nichts Neues. Elkos mit aufgerauhter Folie gibt es 
seit wenigstens 45 Jahren.

Zeno

von batman (Gast)


Lesenswert?

Wer weiß ob die überhaupt noch funktionieren. Was bei der Lagerzeit 
nicht halb ausgetrocknet ist, hat oft ne geschwächte Isolation und macht 
beim Einschalten Knack.

von Werner F. (Gast)


Lesenswert?

SoEinSchmarrn schrieb:
> Sowas klingt nach Opa vor dem Kamin, der der die "heutigen Jugend" über
> "besseren Zeiten" belehrt. Mit erhobenem Zeigefinger.
> Das trifft bestimmt auf manches zu, aber sicher NICHT auf die
> Elektronik, und insbesondere nicht auf Elkos.

also wenn Du schon so schlau bist, dann weißt Du sicherlich auch wie die 
Elkos hergestellt werden bzw. hergestellt wurden, und warum vor allem 
die neuen Elkos schneller kaputt gehen wie die Alten.
Stichwort:
Aluminiumoxyd kontra Papierisolierung. Stumpfe Werkzeuge beim Schneiden 
der Aluminiumfolie...
Hauptsache Chinaböller, oberbillig und zu Lasten der Endverbraucher. DAS 
IST DER HAUPTGRUND!!

Ich höre bzw. lese...

Ich bin übrigens schon 45 Jahre in dem Geschäft tätig.

MfG. Zeinerling

von MiWi (Gast)


Lesenswert?

Werner F. schrieb:
> SoEinSchmarrn schrieb:
>> Sowas klingt nach Opa vor dem Kamin, der der die "heutigen Jugend" über
>> "besseren Zeiten" belehrt. Mit erhobenem Zeigefinger.
>> Das trifft bestimmt auf manches zu, aber sicher NICHT auf die
>> Elektronik, und insbesondere nicht auf Elkos.
>
> also wenn Du schon so schlau bist, dann weißt Du sicherlich auch wie die
> Elkos hergestellt werden bzw. hergestellt wurden, und warum vor allem
> die neuen Elkos schneller kaputt gehen wie die Alten.
> Stichwort:
> Aluminiumoxyd kontra Papierisolierung. Stumpfe Werkzeuge beim Schneiden
> der Aluminiumfolie...
> Hauptsache Chinaböller, oberbillig und zu Lasten der Endverbraucher. DAS
> IST DER HAUPTGRUND!!
>
> Ich höre bzw. lese...
>
> Ich bin übrigens schon 45 Jahre in dem Geschäft tätig.
>
> MfG. Zeinerling

die damaligen China(*)böller... (gelbe Wima, deren Ende oft mit einem 
Feuerwehreinsatz begleitet wurde, kennt die noch wer?) sind halt alle 
schon entsorgt.

Das was davon übriggeblieben ist ist quasi die dünne Spitze des 
damaligen Eisbergs...

Vor 3 Wochen ist ein ach so hochgelobtes Schaffner-Filter mit Abblasen 
des magischen Rauchs gestorben. eine kurze Suche zeigt, daß das gar 
nicht soooo unüblich für diese Teile ist

Und wenn man heute gute Elkos einsetzt dann halten die auch relativ ewig 
(ich rede hier von Teilen mit in Summme 80A Ripple und 10 Jahren 
Dauereinsatz, 50° Arbeitstemperatur und ohne nennenswerten Ausfall)

(*)wer auch immer damals Chinas heutige Rolle innehatte


MiWi

von Codix (Gast)


Lesenswert?

Nachdem ich diesen Thread gelesen habe, habe ich mir bei einem meiner 
Kunden die Kondenstatoren in einem Netzteil (48V/200A) aus dem Jahr 1978 
angeschaut und die Kapzität gemessen.
Die haben noch alle ihre Kapazität +-20%. Jeder der acht Kondensatoren 
ist so groß wie ein 5l Farbeimer. Die Ausgangskondensatoren, alle 
parallel, haben jeweils 0,750F/100V.
Das Netzteil ist im Dauerbetrieb, bei einer durchschnittlichen Last von 
120A.
Restbrumm, gemessen im Betrieb, 100 mVss. Ausgangsspannung bei 120A: 
47,2V
Aus meiner Sicht sind das für ein magnetisch stabilisiertes Netzteil ein 
sehr gute Werte.
Die Kondensatoren sind Fertigungsdatum 09/77. Hersteller: Siemens.

Das sollen die heutigen Chinakracher einmal nachmachen.

Ein modernes SNT macht das mit 100%iger Sicherheit nicht so lange mit!

Ok, das og. Netzteil wiegt 300 kg.

von batman (Gast)


Lesenswert?

Wenn ich mir heute 8 beliebige "Chinakracher" irgendwo rausziehe, muß 
davon auch nicht einer nach 50 Jahren defekt sein. Solche "früher war 
alles besser"-Beweise würde ich eher zwischen Illusion und Spekulation 
ansiedeln.

Ja ich seh schon, das wird wieder ein langer Thread.

von MaWin (Gast)


Lesenswert?

MiWi schrieb:
> Und wenn man heute gute Elkos einsetzt dann halten die auch relativ ewig

Dummerweise weiss man das erst hinterher, welche gut waren.

Man denke an Capacitor Plague der Mainboards 2000-2005, an alle defekten 
Tektronics Oszis deren SMD Elkos nach 10 Jahren genau so leer waren wie 
bei Sony Walkmans.

von Werner F. (Gast)


Lesenswert?

Hallo,
meine Antwort hierzu:
Irgendwann ist die Miniaturisierung der Bauteile am Ende.
Will man och kleiner als klein bauen, geht das nur noch auf Kosten der 
Halbarkeit.

Bei den neuen Elkos besteht die Isolationsschicht aus Aluminiumoxyd. Da 
wird das Wickelgut bestehend aus Aluminiumfolie einseitig verbrannt. Das 
daduch entstehende Aluminiumoxyd leitet nicht. Diese Isolationsschicht 
ist nur einige µ dick. Durch das ständige Umladen des Elkos bewegen dich 
diese Aluminiumfolien im µ-Bereich und reiben im Laufe der Zeit die 
Isolationsschicht ab. Dann gibt es einen Kuzschluss.
Früher hat man Papier als Isolator verwendet. Das Papier ist ca. 200 mal 
dicker als das Aluminiumoxyd. Da kommt es so schnell nicht zu einem 
Kurzschluss.
Wenn ich Lust und Laune habe, erzähle ich Euch noch, welche negativen 
Einflüsse die stumpfen Schneidwerzeuge für die Aluminiumfolie in einem 
Elko haben.

Jetzt gehe ich erst mal schlafen.

MfG. Zeinerling

von Gerhard O. (gerhard_)


Lesenswert?

Vor Jahren reparierte ich meinen alten R&S SMFS2 Mobile Tester. Ich 
musste praktisch alle orangen Roederstein Elkos auswechseln. Speziell 
die in der 5V Versorgung; da waren einige 1000er die sich wie ein Stueck 
Draht verhielten (Nach Masse;-) )

Nostalgie ein:

Dabei sahen sie so schoen 1980er "Deutsch" aus. Die damaligen Teile 
hatten wirklich einen Made in Germany Look. Wie sich die Zeiten wohl 
geaendert haben.

Beitrag "Re: Elko Deckel des Alu-Bechers leitend?"

Nostalgie aus

von SoEinSchmarrn (Gast)


Lesenswert?

MiWi schrieb:
> Werner F. schrieb:
>> SoEinSchmarrn schrieb:
>>> Sowas klingt nach Opa vor dem Kamin, der der die "heutigen Jugend" über
>>> "besseren Zeiten" belehrt. Mit erhobenem Zeigefinger.
>>> Das trifft bestimmt auf manches zu, aber sicher NICHT auf die
>>> Elektronik, und insbesondere nicht auf Elkos.
>>
>> also wenn Du schon so schlau bist, dann weißt Du sicherlich auch wie die
>> Elkos hergestellt werden bzw. hergestellt wurden, und warum vor allem
>> die neuen Elkos schneller kaputt gehen wie die Alten.
>> Stichwort:
>> Aluminiumoxyd kontra Papierisolierung. Stumpfe Werkzeuge beim Schneiden
>> der Aluminiumfolie...
>> Hauptsache Chinaböller, oberbillig und zu Lasten der Endverbraucher. DAS
>> IST DER HAUPTGRUND!!
>>
>> Ich höre bzw. lese...
>>
>> Ich bin übrigens schon 45 Jahre in dem Geschäft tätig.
>>
>> MfG. Zeinerling
>
> die damaligen China(*)böller... (gelbe Wima, deren Ende oft mit einem
> Feuerwehreinsatz begleitet wurde, kennt die noch wer?) sind halt alle
> schon entsorgt.
>
> Das was davon übriggeblieben ist ist quasi die dünne Spitze des
> damaligen Eisbergs...
>
> Vor 3 Wochen ist ein ach so hochgelobtes Schaffner-Filter mit Abblasen
> des magischen Rauchs gestorben. eine kurze Suche zeigt, daß das gar
> nicht soooo unüblich für diese Teile ist
>
> Und wenn man heute gute Elkos einsetzt dann halten die auch relativ ewig
> (ich rede hier von Teilen mit in Summme 80A Ripple und 10 Jahren
> Dauereinsatz, 50° Arbeitstemperatur und ohne nennenswerten Ausfall)
>
> (*)wer auch immer damals Chinas heutige Rolle innehatte
>
>
> MiWi

Wahre Worte.

Der wahre Trugschluss aller Nostalgiker ist es, von der Qualität der 
übriggebliebenen Geräte von früher auf die allgemeine Qualität schließen 
zu wollen.
Die übrigen Geräte sind aber eine Auslese - die besten, teuersten, die 
pfleglich behandelt wurden und qualitativ hochwertigere Bauteile 
enthielten.

Früher wie heute gilt meistens:
You get what you pay for.
Insbesondere gilt das für Elkos.

PS: Computernetzteil 1970 klingt nach Industrieelektronik. Damals wie 
heute eine Stufe über Consumerelektronik, was Qualität angeht.

von Mark S. (voltwide)


Lesenswert?

Sehr guter Hinweis. Ne, früher war nicht alles besser, und auch nicht 
beliebig haltbar (s. Röderstein-Elkos, Wima-Bolchen etc).
Ja, hier werden ständig Äpfel mit Birnen verglichen.
Elkos in 100Hz-Netzteilen mit Elkos in Schaltnetzteilen oder auf 
PC-Mainboards.
Elkos mit Schraubanschluss aus Computernetzteilen, von denen einer zu 
seiner Zeit 100DM und mehr gekostet hat mit der heutigen Ware - zu 
heutigen
Preisen.
usw usf.

von Klaus R. (klara)


Lesenswert?

Gerhard O. schrieb:
> Ich nehme an, solche CCs haben enorme Robustheit, Können praktisch
> unbegrenzt hohe Ripple Ströme vertragen, gute ESR Werte usw.
>
Schau Dir das Datenblatt an. Die Ripple Ströme sind auch begrenzt und 
die ESR-Werte sind heute auch nicht etwas besonderes.

> Der Grund für diese Frage ist, Ich habe noch einen Karton solcher Teile
> und frage mich ob es Sinn hat sie noch aufzubewahren oder einfach zu
> entsorgen.

Wenn die Elkos über 30 Jahre alt sind sollte man sie vor einem Einsatz 
überprüfen. Dazu kommt noch, heutige Elkos der selben Qualität sind um 
einiges kompakter.
mfg Klaus

Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.