Was wurde "früher" als Referenz-Spannungsquelle benutzt?

Gast #4791129
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Moin moin,

ich habe in diversen "älteren" Veröffentlichungen (so 20-35 Jahre alte) 
immer wieder von 6,4V Referenzspannungsquellen gelesen - meist 
schematisch auch nur als Zenerdiode dargestellt.

Eine kurze Suche bei den größeren Distributoren ergab irgendwie bis auf 
eben sehr ungenaue Zenerdioden keinen Treffer.

Was hat man den "früher" als Referenz benutzt.
Klar - man könnte einen TL431 o.Ä. mit Einstellung heute drauf 
hinbiegen, mich würde aber einfach aus Interesse interessieren, was 
früher gängig war - zumal ich immer wieder von 6,4V in verschiedenen 
Quellen lass.

Vielen Dank
Gast #4791138
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Ah okay, also wirklich "einfache" Zenerdioden.
War mir so nicht bekannt - ich dachte die wären als Referenz für 
Netzteile einfach zu ungenau. Selbst wenn man da einen Abgleich macht, 
wären diese ja noch extrem temperaturabhängig.
Gast #4791151
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Hallo,

die 1N82x hat nominal 6.2 V (5.9-6.5) bei 7.5mA.
Bei dieser Spannung ist auch wegen Übergang Avalanche und Zener-Effekt 
der dynamische Widerstand am kleinsten.
Der Temperaturkoeffizient bei temperaturkompensierten Dioden wird bei 
einem bestimmten Strom in einem begrenzten Temperaturbereich nahezu 0. 
(zero T.C. current)

Es gibt aber auch andere Spannungen (2 Dioden in Reihe mit einer Z-Diode 
ca 9V). Allerdings wird dort der dynamische Widerstand dann deutlich 
höher.

Eine Weiterentwicklung sind die sogenannten Ref-Amps. (Diode + 
B-E-Strecke in Reihe) (z.B. SZA263 oder LTFLU-1).
Es gibt heute noch Meßgeräte / Kalibratoren die diese Referenzen als 
Basis nutzen.

Die 6.95V sind eher der LM399 geschuldet.

Gruß Anja
#4791171
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Anja schrieb:
> Eine Weiterentwicklung sind die sogenannten Ref-Amps. (Diode +
> B-E-Strecke in Reihe) (z.B. SZA263 oder LTFLU-1).
> Es gibt heute noch Meßgeräte / Kalibratoren die diese Referenzen als
> Basis nutzen.
>
> Die 6.95V sind eher der LM399 geschuldet.
>
> Gruß Anja

...wobei damals (1989) die Referenzverstärker noch nicht so weit waren:

kompensierte Zenerdiode: TC: 1ppm/K   Drift: 2 bis 10ppm/a
*****Referenzverstärker: TC: 0,2ppm/K Drift: 20ppm/a
Gast #4791294
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> Es gab auch sehr stabile Schaltungen mit einer 5,6V-Zener und einem
> Transistor dran.

Genau so wurden wir Ende '80er in der Berufslehre unterrichtet: egal 
wieviel Auswahl an Zenerspannungen erhältlich sind, man sucht sich jenen 
Spannungswert aus der den niedrigste TC (und/oder Alterung) hat. 
Und/oder man fügt ein Bauteil hinzu, dessen TC (und/oder Alterung) 
entgegengesetzt ist.
--> 5Z6 + Si-Diode (BE-Strecke eines Si-Transistors)

Noch mehr Aufwand: Isolationshäuschen drum mit Temperaturregelung auf 
den vorteilhaftesten Wert laut Datenblatt der Bauteile.
Diese Idealtemperaur ist dann hoffentlich ein paar 'C über der 
höchsten zu erwartende Umgebungstemperatur, sodass man mit nur heizen 
auskommt. Falls nicht muss auch noch eine Kühlung dazu...

Man könnte also auch ein "nahezu beliebig Schlechtes" Bauteil nehmen und 
mit entsprechendem Aufwand drumherum die Umgebungsbedingungen geregelt 
stabilisieren (z.B. Eiswasser) sodass die Schaltungswerte von Interesse 
am Bauteil nicht davonlaufen.
Gast #4791426
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the Equalizer schrieb:
>> Es gab auch sehr stabile Schaltungen mit einer 5,6V-Zener und einem
>> Transistor dran.
> Genau so wurden wir Ende '80er in der Berufslehre unterrichtet: egal
> wieviel Auswahl an Zenerspannungen erhältlich sind, man sucht sich jenen
> Spannungswert aus der den niedrigste TC (und/oder Alterung) hat.

Soweit ich weiß, beruht die 5,6 Volt wirklich auf dem Zener-Effekt und 
hat physikalisch bedingt eine sehr geringe Drift.
Gast #4791456
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R. M. schrieb:
> Christoph K. schrieb:
>> Ohm benutzte ein Thermoelement zum Nachweise seines Gesetzes. Andere
>> Spannungsquellen waren nicht niederohmig genug oder hatten keine
>> konstante Spannung.
>
> Wolltest sicher schreiben: galvanisches Element.
1
Thermoelemente wurden auch als besonders konstante Stromquellen
2
verwendet; G. S. Ohm hat damit das Ohm'sche Gesetz entdeckt.
8.3.2 Thermoelektizität S. 531
Lehrbuch der Experimentalphysik Bd. 2 - Elektromagnetismus; L. Bergmann, 
C. Schaefer; 9. Auflage, de Gruyter, 2006
Gast #4791645
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MM schrieb:
> Ich selbst habe damals auch gern den 723er genommen wenn es etwas
> stabiler als normal sein musste.

Das Labornetzteil nach Bauanleitung Funkschau und anderen :-) Irgendwie 
aus dem 723 einen Konstantstrom über's Poti für den Sollwert ... ich 
hab's vergessen.
#4791647
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Wumpus schrieb:
> Was hat man den "früher" als Referenz benutzt.

Falls du mit "früher" meinst "vor der Erfindung der Bandgap-Referenz", 
dann ist die Antwort: Z-Dioden. Allerdings ist das Bandgap-Prinzip schon 
recht alt: Wikipedia [1] nennt 1971 für die erste Veröffentlichung.

Wumpus schrieb:
> ich dachte die wären als Referenz für
> Netzteile einfach zu ungenau. Selbst wenn man da einen Abgleich macht,
> wären diese ja noch extrem temperaturabhängig.

Du denkst falsch.

Zum einen gibt es zwei Effekte, die in Z-Dioden ausgenutzt werden. Der 
Zener-Effekt bis ca. 5V und der Avalanche-Effekt für höhere Spannungen. 
Bei Z-Dioden knapp über besagten 5V treten beide Effekte gemischt auf. 
Allerdings haben sie entgegengesetzte Temperaturkoeffizienten und bei 
geeigneter Wahl der Z-Spannung kompensieren sie sich. Das ist bei einer 
Spannung von ca. 6 .. 8V der Fall. Aus diesem Grund haben Referenz- 
elemente für hohe Temperaturstabilität Spannungen in diesem Bereich.

Zum zweiten kann man den Temperaturkoeffizient einer Z-Diode natürlich 
auch kompensieren. Und man kann sie drittens auch thermostatieren.


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Bandabstandsreferenz
Gast #4791685
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LEDs sind mehr so eine neu-modischer Ersatz für Zenerdioden im 1,4-3 V 
Bereich. Beide sind nicht gut, aber manchmal ist die LED besser. Relativ 
oft findet man die bei einfachen Stromquellen - da kompensiert der 
Transistor dann einen Teil des TKs.

So lange gibt es auch noch keine LEDs, und anfangs waren sie auch noch 
relativ teuer.
Gast #4791726
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Huhu,
da habe ich in meine Bastelkiste geschaut und einen LM399 gefunden.
Das ist eine beheizte Zenerdiode.
2 Anschlüsse für die Heizung und dann 2 Anschlüsse für die Diode und 
dann ein Gehäuse für die Isolierung. Einfach nur schön!
Angehängte Dateien:
#4791733
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Lurchi schrieb:
> LEDs sind mehr so eine neu-modischer Ersatz für Zenerdioden im 1,4-3 V
> Bereich. Beide sind nicht gut, aber manchmal ist die LED besser.

Z-Dioden unter 3.9V haben eine unbefriedigende Stabilisierungswirkung. 
Der Kennlinienknick ist kein Knick, sondern eher rund, respektive ist 
der differentielle Widerstand recht hoch.

> Relativ
> oft findet man die bei einfachen Stromquellen - da kompensiert der
> Transistor dann einen Teil des TKs.

Genau das ist der Grund. Alte rote LED auf Basis von GaAsP haben eine 
recht stabile Flußspannung von ca. 1.7V und den gleichen TempCo von 
-2mV/K wie ein Silizium-pn-Übergang. Deswegen sieht man sie in älteren 
Schaltungen öfter mal als Referenz für eine U_be-Stromquelle - 
insbesondere wenn der LED-Strom an sich schon ziemlich konstant ist.

Moderne high-efficiency oder auch "super-Rot" LED verhalten sich anders 
und sind für diese Anwendung dann nicht geeignet.
Gast #4791737
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Peter M. schrieb:
> ...wobei damals (1989) die Referenzverstärker noch nicht so weit waren:
>
> kompensierte Zenerdiode: TC: 1ppm/K   Drift: 2 bis 10ppm/a
> *****Referenzverstärker: TC: 0,2ppm/K Drift: 20ppm/a

Zumindest was die jährliche Drift angeht würde ich das so nicht 
unterschreiben.

Fluke 5440B (Einführung ca. 1981, mit 2x SZA263) 3,5ppm/Jahr (alles 
zusammen nicht nur die Referenz)

Auch die bis heute genutzten Geräte nutzen zum Teil die SZA263:

Fluke 5700A kam auch vor 1989 raus und ist mit 7ppm/Jahr spezifiziert

Fluke 732A mit 6ppm/Jahr spezifiziert


Das alle diese Geräte für gewöhnlich noch weniger driften kommt noch 
hinzu.
#4791858
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steht auch in dem zitierten Wikipediaartikel:

Die reproduzierbare Temperaturdifferenz von ca. 100 °C zwischen den 
Schenkeln des Bügels erzeugt eine reproduzierbare „erregende Kraft“, die 
nicht unkontrolliert „wogt“, weil hier keine chemischen Reaktionen 
ablaufen. Laut heutigen Definitionen entspricht diese „erregende Kraft“ 
einer Leerlaufspannung von ca. 7,9 mV.

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