Auslöten Chip

OP #4844448
Hallo, bräuchte mal wieder eure Hilfe und Tipps.
Auf der Plantine (Bild) ist der große Chip (Prozessor)
Defekt. Habe nun ein neuen Chip bestellt.
Meine frage ist nun wie ich den am besten auslöten kann ohne die anderen 
kleine Bauteile zu beschädigen?
Ein Heißluftlötkolben mit verschiedenen Düsen und temperatureinstellung 
habe ich.
Habe irgendwo mal gelesen das es von Vorteil ist die ganze Platine 
vorher zu erwärmen. Geht das nicht zB auf einer alten einzelnen 
Kochplatte wenn man zB eine aluplatte drauflegt und dann die Platine?
Wäre für jeden Tipp dankbar und bitte nicht schimpfen;-)
Angehängte Dateien:
Gast #4844464
> Meine frage ist nun wie ich den am besten auslöten kann ohne die anderen
> kleine Bauteile zu beschädigen?

Mit Alufolie und einem Loch an der passenden Stelle. Genau wie bei einer 
Blinddarm-OP.

Allerdings braucht man dafuer wirklich etwas Erfahrung. Ohne Uebung wird 
das nichts.

Olaf
Gast #4844501
Bestücker können diese Teile aus- und einlöten.

Das Auslöten selbst geht noch recht einfach, wenn man die Platine von 
unten erhitzt, bis sich der Chip bewegen und letztlich abheben läßt.
Auch beim erneuten Bestücken, gibt man die Wärme am besten von unten.
Gast #4844523
Woher weisst Du denn, das wirklich die CPU defekt ist und nicht 
irgendwas anderes (oder auch CPU und zusätzlich noch irgendwas anderes - 
z.B. externer Speicher oder Stromversorgung...)?
#4844581
Heizt du zu wenig, ist der BGA-Chip sehr schwer zu entfernen, heizt du 
zu viel, fallen andere Bauteile runter oder verrutschen. Das ist 
besonders kritisch,wenn auch die Unterseite bestückt ist.
Nimm den Rat von weiter oben an und übe an Schrott Platinen, mehrfach. 
Das Verfahren ist im Prinzip simpel. Man braucht nur viel Übung.
Dein nächstes Problem ist dann, den neuen Chip auf zu löten, ohne dass 
es an der Unterseite zu Kurzschlüssen kommt und ohne dass einige 
Anschlüsse nicht kontaktieren. Du hast nur einen Versuch. Ein Auslöten, 
Re-Balling und neuer Versuch ist dann nämlich schon der schwarze Gürtel.
Ich würde ins Nachbardorf zu einem Bestücker fahren und das für einen 
Zehner in die Kaffeekasse von einer seiner Damen erledigen lassen. Die 
machen das täglich, unterhalten sich noch dabei und es funktioniert.
(Firma: matzetronics) #4844639
Um die Temperatur einschätzen zu können, kann man auf den Chip 
Lötzinnstückchen legen. Wenn die schmelzen, bis du kurz davor. Wichtig 
ist das Abdecken aller anderen Bauteile mit Alufolie, sonst pustest du 
die mit der HL Pistole weg.

Die ganze Aktion lohnt nur, wenn du nichts zu verlieren hast. Genausogut 
ist es möglich, das du der Kiste den Rest gibst.
Gast #4844763
Claudio S. schrieb:
> Ich würde es schon gerne selbst machen, aber wenn die Gefahr zu
> groß ist
> etwas zu beschädigen würde ich es auch einem bestücker geben.
> Daher bin ich für jeden Tipp dankbar

Der Bestücker wird der Bestatter...

Wetten?!
Gast #4844765
Claudio S. schrieb:
> Ne unten sind auch viele andere teile verlötet und darum denke ich ist
> es besser nur von oben zu arbeiten

Dann lass es lieber.
Wie schon vorgeschlagen, nimm ein altes Motherboard und mach einen 
Probelauf. Die Ernüchterung folgt sofort.
Gast #4844769
hp-freund schrieb:
> Claudio S. schrieb:
>> Ne unten sind auch viele andere teile verlötet und darum denke ich ist
>> es besser nur von oben zu arbeiten
>
> Dann lass es lieber.

So ist es!
Es kann sein, daß der µC auch noch festgeklebt ist.
Gast #4844803
Wären unten keine Bauteile, so wäre das Auslöten sicherlich kein 
Problem.
Die kommen erst beim Auflöten des neuen Prozessors. Experimentieren, 
führt hier sicher zum Elektronikgrab.
Persönliche Seite #4844834
Claudio S. schrieb:
> Ist es so kompliziert den Chip auszulöten? Geht es nicht mit meiner
> Heißluftlötstadion?

Warum wohl haben wir hier geschrieben, daß das sehr, sehr viel Übung und 
Erfahrung braucht?

Auch wenn Deine Heißluftlötstation geeignet sein sollte, ist um die 
erforderliche Übung und Erfahrung nicht herumzukommen.

Sonst passiert beispielsweise sowas hier:
Beitrag "Lötaugenablösung BGA"

> Ein altes Motherboard habe ich nur leider sind alle teile mit Füßchen
> versehen

Das muss dann aber schon sehr alt sein; BGAs werden dort schon seit gut 
20 Jahren verwendet ...

Egal; eine alte Graphikkarte, kaputte Fritzbox oder was auch sonst immer 
tuts auch, sofern da irgendwas im BGA drauf ist. Und üben, üben, üben!

Mit dem Auslöten ist die Angelegenheit übrigens nicht erledigt; das 
Einlöten des Ersatz-ICs ist auch alles andere als trivial, denn Du 
kannst die Qualität der Lötstellen nur mit einem Röntgengerät prüfen.
Gast #4844941
Claudio S. schrieb:
> Ein Heißluftlötkolben mit verschiedenen Düsen und temperatureinstellung
> habe ich.

Der Chip ist wahrscheinlich selbst nicht kaputt.
Sondern die Kontaktierungen.
Wenn du sowas hast, versuche es doch mal mit "Backen".
Mehr als 5min und 280° vorwärmen und dann nochmal paar Minuten mit 350°C 
(?).
Und mit einem Holzstab draufdrücken.
Verlieren tust du da nichts.
Bei mir haben dann 2 von 3 Grafikkarten wieder funktioniert.

Wenn du wechseln willst, evtl. gibt es eine elektrisch Hochschule in der 
Nähe.
Die helfen oft für lau.
Gast #4845028
Weil die mehrere Minuten bei 350°C normalerweise der Tod der Elektronik 
ist.

Und das Backen ist normalerweise nur eine Kurzzeit-Besserung.
Die Intervalle in denen das Backen notwendig ist wird immer kürzer bis 
das Zeil gar nicht mehr funktioniert.


Einmal eine andere Frage:
Ist es sicher das der Chip defekt ist?
Sind das Netzteil und die Kondensatoren in Ordnung?
Kann man Korossion (Weiße Flecken) auf der Platine sehen?
Gibt es feine Risse in Bauteilen in Widerständen  Kondensatoren  
Leiterbahnen / . . . ?
OP #4845038
;o) schrieb:
> Weil die mehrere Minuten bei 350°C normalerweise der Tod der
> Elektronik
> ist.
>
> Und das Backen ist normalerweise nur eine Kurzzeit-Besserung.
> Die Intervalle in denen das Backen notwendig ist wird immer kürzer bis
> das Zeil gar nicht mehr funktioniert.
>
> Einmal eine andere Frage:
> Ist es sicher das der Chip defekt ist?
> Sind das Netzteil und die Kondensatoren in Ordnung?
> Kann man Korossion (Weiße Flecken) auf der Platine sehen?
> Gibt es feine Risse in Bauteilen in Widerständen  Kondensatoren
> Leiterbahnen / . . . ?

Also der es geprüft hat meinte der Chip ist defekt. Kondensatoren auf 
dem Netzteil wurden alle getauscht. Ne flecken sind nirgends zu sehen.
Auf feine Risse wurde jetzt nicht so geachtet

In dem Video sieht man auch das nach dem Tausch des Chip das Radio/Navi 
wieder ganz normal hochfährt
Gast #4845045
Richard B. schrieb:
> michael_ schrieb:
>> Mehr als 5min und 280° vorwärmen und dann nochmal paar Minuten mit 350°C
>
> Michael, muss das sein?

Ach, eine mögliche Lösung, welche dir nicht passt?

;o) schrieb:
> Weil die mehrere Minuten bei 350°C normalerweise der Tod der Elektronik
> ist.

Quatsch.

;o) schrieb:
> Und das Backen ist normalerweise nur eine Kurzzeit-Besserung.

Natürlich keine Industrieanwendung.
Wie gesagt, 2 von 3 Grafikkarten funktionieren im Dauerbetrieb.
Nicht zu vergleichen mit "Backen" bei 250° im Backofen.
#4845052
michael_ schrieb:
> Natürlich keine Industrieanwendung.

Wenn ich es richtig verstehe  ist ein nochmaliges reflow Löten der 
Leiterplatte. Behebt mit Sicherheit einige kalte Lötstellen. Ein paar 
unsichere bleiben bestimmt erhalten. Ich habe mir mal die Arbeit mit 
einer bedrahteten Leiterplatte gemacht. Schön mit Flussmittel arbeiten.
(Firma: matzetronics) #4845151
michael_ schrieb:
> Wenn du sowas hast, versuche es doch mal mit "Backen".
> Mehr als 5min und 280° vorwärmen und dann nochmal paar Minuten mit 350°C

Das ist viel zu heiss. Meinen LG Fernseher habe ich bei 200°C und 10 
min. im Backofen wieder 'reballed' - funktioniert jetzt schon ein paar 
Monate. Die Schmelztemperatur von Zinn liegt bei etwa 205-215°C und viel 
dadrüber darf man nicht gehen und auch nicht zu lange.

Wichtig ist vor allem die Abkühlphase. Da heisst es Geduld bewahren und 
abwarten. Backofen einfach ausschalten und nichts weiter tun, jedenfalls 
auf keinen Fall das Board bewegen. Wenn die Temperatur auf unter 60°C 
gefallen ist, kann man es rausholen und ausprobieren.

Mehr Infos gibt es hier:
http://zedic.com/lg-42dl550-fix-repair/

Hier geht es hauptsächlich um die LG Glotzen, aber das Prinzip bleibt 
das gleiche.
Gast #4845315
Claudio S. schrieb:
> Ich hab hier einen Minibackofen/Pizzaofen.
> Wäre der geeignet und wie am besten einstellen? Ober-oder
> Unterhitze/Umluft?

Ein Ofen eignet sich zum Löten, aber nicht zum Entlöten. Zum
Reparieren braucht man eine Rework-Station mit der man den Prozess
präzise steuern kann.
Das Handlimg mit BGA ist die Königsklasse der Bestückungstechnik
und so ein Bastler wie du, will das mit dem Wissen und ohne Erfahrung
in den Griff bekommen? Vergiss es. Die Warnungen von vielen Usern
hier willst du offensichtlich ungeachtet lassen? Es gibt Fachfirmen
die so was machen und auch gerechtfertigt viel Geld kosten.
Google doch einfach mal nach Navi-Reparatur.

michael_ schrieb:
> Der Chip ist wahrscheinlich selbst nicht kaputt.
> Sondern die Kontaktierungen.

Das sehe ich auch so. Die Erkenntnis wird dem TO aber nichts nützen,
mal ganz abgesehen davon, dass ihm so ziemlich alles fehlt, was dafür
nötig ist.
#4845408
Claudio S. schrieb:
> Ich hab hier einen Minibackofen/Pizzaofen.
> Wäre der geeignet und wie am besten einstellen? Ober-oder
> Unterhitze/Umluft?

Ach, das wussten wir nicht das hast Du bisher nicht gesagt dass Du so 
einen Minibackofen hast, mit dem gehts bestimmt. Probiers doch einfach 
aus, ist doch eh schon kaputt.

Erfolg kommt von TUN, mach es endlich und berichte uns dann.

Genügend Ratschläge hast Du ja bekommen ...
Gast #4845434
Offensichtlich bist Du nicht von deinem Vorhaben abzubringen.
Dann mach es.

Wärme im Miniofen für ein paar Minuten bei 200°C vor und gehe dann mit 
Heißluft an der Außenseite über den Chip, denn da sind die 5 Ball 
Reihen.
Flußmittel nicht vergessen.
Wenn er sich dann bewegt (vorsichtig!) wird es wieder, oder auch nicht.
Gast #4845442
Claudio S. schrieb:
> Hier mal ein Video von genau der selben Platte. Dann seht ihr genau um
> was es sich handelt. Hier lötet der Typ den Chip auch aus.

Das Equipment was er da verwendet kostet mehr als die 350 Euro für die 
Reparatur...

Aber wie schon oft gesagt wurde - der erste Versuch mit Werkzeug was Du 
nie dafür getestet hast geht sicher schief.
Gast #4845494
Allein das ESD-Armband, was der da um hatte...

Aber ok, das reballing war schon krass mitm Pinsel und Schablone.

Ich glaube jedoch auch nicht, das die Chips tatsächlich kaputt sind.

StromTuner
Gast #4845549
Axel R. schrieb:
> Allein das ESD-Armband, was der da um hatte...

Ja um ESD hat er sich nen Dreck geschert (siehe Plastiktüte mit den BGA 
Chips... das alleine kann die Teile schon killen) - aber die Rework 
Station die er da hatte und das sonstige Werkzeug waren schon OK.
Gast #4846209
Axel R. schrieb:
> Er hat die ja auch nicht getauscht, NUR NEU ANGELÖTET, wenn mich mein
> russisch nicht täuscht...

Das Video hat sowieso keine Aussagekraft, weil das anscheinend
eine Profiwerkstatt ist und der Reparateur eine entsprechende
Ausbildung hat. Nach meinem Geschmack hat der auch ziemlich viele
Bauteile ausgewechselt, von dem man gar nicht weiß, ob das überhaupt
nötig war. Da das Video geschnitten ist, kann man auch nicht davon
ausgehen, dass es da nach rechten Dingen vorgeht. Für den TO ist
das Video mangels Equipment und Ausbildung nutzlos.
Beitrag #5368760 wurde von einem Moderator gelöscht.
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