Ich habe einer praktisch unbekannten sitel/dialog CPU im toten Fritz!Fon
MT-F (Bild: http://www.wehavemorefun.de/fritzbox/File:SC14450.jpg,
"Untersuchung": Beitrag "AVM FRITZ!Fon MT-F Ladeschale öffnen?") ihren
6x3.5 mm Keramik-SMD-Quarz getohlen, weil ich dachte, er schwingt nicht
an (Gerät tot nach leichtem Sturz, Spannungen scheinen i.O.). Es könnte
aber auch ein Messfehler gewesen sein (Kapazität des Tastkopfes).
Nun würde ich als Letzte-Hilfe-Maßnahme trotzdem gerne versuchen, einen
externen Takt einzuspeisen. Im Bild ist der vergoldete Quarz-Deckel
unten rechts noch zu sehen: der linke Kontakt geht an die CPU, die
anderen drei auf GND.
Dort sind bei Einlegen des Akkus für etwa 75 ms etwa 0.8 V zu messen.
Die Frage ist nun, ob und wie man dem Oszillator seine 10.368 MHz
unterjubeln könnte.
Die Kondensatoren sind offenbar für Versorgungsspannungen. Die
unbestückten Bauteile könnten das Quarzsignal spannungsteilen, und
wieder in den IC führen.
1 Vpp über 1 nF bewirken nichts, die LED geht weiterhin nur kurz an und
der Pegel wird etwas angehoben.
Vielleicht schlägt irgendeine Prüfung fehl, und die CPU läuft noch mit
internem Oszillator.
Zeit aufzugeben.
Fritz schrieb:> (...) Im Bild ist der vergoldete Quarz-Deckel> unten rechts noch zu sehen: der linke Kontakt geht an die CPU, die> anderen drei auf GND.
Bist Du Dir sicher? Wenn nur eine Signalleitung zur CPU führt kann das
kein Quarz sein, sondern nur ein Oszillator. Dann müsste aber min. einer
der drei restlichen Anschlüsse Versorgungsspannung führen. Wie hast Du
denn GND gemessen?
> Die Frage ist nun, ob und wie man dem Oszillator seine 10.368 MHz> unterjubeln könnte.
Den MCU-Pin mit dem Mittelabgriff eines Spannungsteilers aus
100kOhm-Widerständen verbinden, von denen einer auf Masse und der andere
auf der Versorgungsspannung liegt. Dann das Taktsignal über einen
Kondensator in der Größenordung von 1nF auf den MCU-Pin bzw. den
Mittelabgriff des Spannungsteilers legen.
Grüßle,
Volker.
Volker B. schrieb:> Bist Du Dir sicher?
Ziemlich:
> Wie hast Du denn GND gemessen?
Durchgangsprüfer, in alle Richtungen. Auch mit ausgelötetem Bauteil. Man
sieht auch die Anbindung der Pads an die Massefläche.
Spannungsteiler habe ich nicht versucht, allerdings hat die CPU das
Signal "hochgezogen".
Ich leg' das Ding aber erstmal beiseite, evtl. versuche ich mal, das
Display anzusteuern.
Danke dir.
Fritz schrieb:>> Wie hast Du denn GND gemessen?> Durchgangsprüfer, in alle Richtungen. Auch mit ausgelötetem Bauteil. Man> sieht auch die Anbindung der Pads an die Massefläche.
Aufgrund der Elkos, die die Versorgungsspannung stützen, kann der
Durchgangsprüfer durchaus einige Sekunden piepsen, wenn man damit
zwischen Masse und Versorgungsspannung misst. Aussagekräftiger wäre es,
die Schaltung zu bestromen und dann mit dem Voltmeter die Spannung gegen
Masse zu messen.
Wenn das Bauteil ein Oszillator wäre, dann sollte der Pin, der auf dem
Bild unterhalb des Ausgangs liegt (aber abgeschnitten ist), die
Versorgungsspannung sein.
> Spannungsteiler habe ich nicht versucht, allerdings hat die CPU das> Signal "hochgezogen".
Erstaunlich, darauf kann ich mir auch keinen Reim machen...
Danke, das sind gute Hinweise. Trotz dem eindeutigen Layout: auch mit
Dauerpiepen oder mit laufenden Versorgungsspannung(en) kann ich dort
nichts anderes feststellen.
Man müsste am funktionierenden Exemplar messen und/oder ein Datenblatt
haben, aber so wird es leider nichts.
PS:
> This configuration is useful because only one pin is required to connect the
external crystal to the device. The other terminal of the crystal is grounded.
Fritz schrieb:> Vielleicht ein Colpitts Oscillator? S.9
OK, das könnte passen! Einen MCU-Pin einsparen zu können, wäre
vermutlich schon ein Anreiz für den Chip-Hersteller.
Fritz schrieb:> Im Bild ist der vergoldete Quarz-Deckel> unten rechts noch zu sehen: der linke Kontakt geht an die CPU, die> anderen drei auf GND.
Miss nochmal. Bei SMD Quarzen liegen die "aktiven" Pins gegenüber (Pad 1
und Pad 3). Oder schau Dir die Leiterbahnen mal genauer an.
Quarzoszillator würde mich extrem überraschen, da viel teurer als
Kristall. Und der braucht Betriebsspannung. Gutes hochaufgelöstes Foto
reicht mitunter um den Quarz zu identifizieren.
Aber bei abgeschalteter Spannung misst man an dem Ausgangspin der
Quarzschaltung eventuell ebenfalls Durchgang nach Masse
(Ausgangstransistor).
Also weisst Du vermutlich schon welches der Eingang ist, den man mit
externem Taktsignal versorgen könnte.
Ohne Datenblatt des Chips wird das aber nix mit externem Takt. Viele
moderne Quarzoszillatoren vertragen keine 3V Spannung. Im NXP LPC1768
Manual war z.B. eine kapazitive Spannungsteiler Schaltung - lies 2
Kondensatoren in Reihe - vorgeschlagen, damit der Oszillator keine
Überspannung sieht. Solche Details muss man dann dem Datenblatt
entnehmen.
Fritz schrieb:> Gerät tot nach leichtem Sturz
Da könnten irgendwo schwer sichtbar Lötstellen oder Leiterbahnen
gerissen sein. Schlecht wenn BGA Komponenten verbaut sind, denn die
Lötbälle drunter können auch reißen.
Ha!
Die FCC hat einen Schaltplan mit grober Pinbelegung des SC14450 in einem
"XBOX360 WIRELESS HEADSET" von Datel:
https://fccid.io/document.php?id=1321538https://apps.fcc.gov/eas/GetApplicationAttachment.html?calledFromFrame=Y&id=1321538
Es passt mit dem Quarz: Pin 24 ist XTAL, Pin 23 CAP (hier offenbar
genutzt mit je 22pF).
OT:
Interessant sind evtl. die Anschlüsse für die integrierten
Schalt/Spannungsregler.
Ob 42 und 43 als TX und RX Standard sind?
Am 128-Pinner sind sie also auf der rechten Seite (relativ 10 und 11),
haben 2 Pull-Downs und sind zusammen mit 41 ("JTAG") auch auf den
Akkufachkontakten zugänglich (sprechen jedoch nicht freiwillig).
Der etwas separate, obere Kontakt auf der linken Seite geht zu Pin 8
"PON" und wird im Schaltplan per Taster auf BAT+ gezogen (gegen 100k
pulldown). Am Telefon ist es auch so, ich messe 250k.
Nützt aber alles nichts :-)
Jim M. schrieb:> Miss nochmal. Bei SMD Quarzen liegen die "aktiven" Pins gegenüber (Pad 1> und Pad 3). Oder schau Dir die Leiterbahnen mal genauer an.
Das passt alles zusammen: "links" ist 3, 1 und 4 sind nicht auf dem
Foto. Zu den Leiterbahnen hatte ich schon geschrieben.
Danke trotzdem!
Jim M. schrieb:> Da könnten irgendwo schwer sichtbar Lötstellen oder Leiterbahnen> gerissen sein. Schlecht wenn BGA Komponenten verbaut sind, denn die> Lötbälle drunter können auch reißen.
Ja, eines der BGAs sitzt m.M. an einer ungünstigen Stelle: an der
Ausfräsung für den "Ohrhöhrer", und just dort setzt auch eine Abstützung
der Gehäuserückseite auf. Etwas Heißluft hat nichts gebracht (außer den
abgedeckten Displayrahmen anzuschmelzen), weitergehende Möglichkeiten
habe ich nicht.