Hallo,
ich arbeite als Ingenieur in einem großen europäischen Konzern. Wir
erhalten hier IG-Metall Verträge was mir generell ein sicheres Gefühl
gibt, was die Jobsicherheit angeht. Auch die Arbeit ist sehr
interessant.
In den letzten Jahren jedoch, wurden immer mehr spanische Mitarbeiter an
unseren Standort versetzt. Die höheren Managementposten sind auch fast
ausschließlich mit Spaniern besetzt.
Ich habe generell kein Problem mit einem internationalen Arbeitsumfeld.
Jedoch mache ich mir sorgen um meine Jobsicherheit. Wenn immer mehr
Know-how abgezogen wird und die spanischen Arbeiter die gleiche Arbeit
für weniger Geld (spanische Verträge) verrichten.
Kennt ihr evtl. vergleichbare Situationen? Oder ging es euch schon mal
ähnlich?
Danke
KonDor schrieb:> Wir erhalten hier IG-Metall Verträge
Was ist ein IG-Metall Vertrag? Meinst du deinen Arbeitsvertrag?
Bei so einer großen Klitsche sollte es doch einen Betriebsrat geben. Geh
doch mal zu dem und stell da die Fragen. Die Antwort dort wird
sicherlich besser sein als hier wo keiner den Laden kennt.
Tja billige Arbeitskräfte sind immer gern gesehen :-) Ob die Rechnung
aber aufgeht, wird sich zeigen. In unserem Unternehmen werden in der IT
bevorzugt Leute aus Billiglohnländern eingestellt, besonders bei den
Senior-Positionen. Es wurden aber auch schon einigen wieder gekündigt
:-). Und anstatt dass die erfahrenen Mitarbeiter gefördert werden, kauft
man lieber neue billig ein. Das verkauft man dann nach außen hin als
"Diversity". Siehst du für dich keine Entwicklungsmöglichkeiten, hau ab.
Plötzlich fällt jedem nämlich nach deiner Kündigung auf, dass du gar
nicht so ersetzlich bist und du kannst dich zurückwerben lassen. Selbst
erlebt :-)
KonDor schrieb:> Ich habe generell kein Problem mit einem internationalen Arbeitsumfeld.> Jedoch mache ich mir sorgen um meine Jobsicherheit. Wenn immer mehr> Know-how abgezogen wird und die spanischen Arbeiter die gleiche Arbeit> für weniger Geld (spanische Verträge) verrichten.
Da hätt ich gern mal konkrete Belege, Zahlen dafür, so pauschal kann man
sicher nicht sagen das Spanischstämmitger Mitarbeiter == Spanischer
Vertrag == weniger Geld. Das kommt mir doch reichlich Spanisch vor. ;-)
> Ah, unser Soziologiestudent hält mal wieder sein Stöckchen hin.
Ja das meine ich auch. Beißen wir mal zur Abwechslung mal nicht in den
hingehaltenen Stock sondern in die Finger die den Stock halten.
KonDor schrieb:> In den letzten Jahren jedoch, wurden immer mehr spanische Mitarbeiter an> unseren Standort versetzt. Die höheren Managementposten sind auch fast> ausschließlich mit Spaniern besetzt.
Und das kommt dir nicht spanisch vor?
Tori schrieb:> Und anstatt dass die erfahrenen Mitarbeiter gefördert werden, kauft> man lieber neue billig ein. Das verkauft man dann nach außen hin als> "Diversity".
Nicht in die langfristige Entwicklung der vorhandenen Mitarbeiter zu
investieren fuehrt fast zwangslaeufig zu hohen Fluktuationsraten, damit
verbunden Knowhow-Abwanderung zu Konkurrenzunternehmen und
Qualitaetsproblemen.
Entwicklungsmoeglichkeiten vorzugaukeln, die es in Wirklichkeit gar
nicht gibt verschlimmert die Lage eher noch.
Das kann man einige Zeit so machen, nur irgendwann raecht sich das. Das
Unternehmen wird zum Durchlauferhitzer.
Ich verweise auf dieses Thema hier, wo die Gründe und Auswirkungen sehr
gut beschrieben sind:
Beitrag "Die Spanier kommen - und die Geier mit ihnen"
und füge noch meine Erfahrungen hinzu:
Es macht durchaus Sinn, spanische Ingenieure in der Firma zu haben, weil
viele Firmen in Mexico eine Fabrik haben oder aufbauen, was sich
aufgrund der Trump'schen Blockadepolitik sogar noch verstärken wird,
weil Mexico schon in den 90ern ihre Ingenieursausbildung hochgefahren
hat, aber keine Industrie, die sie braucht, also gibt es dort technische
Spezialisten ohne Ende, die gut konstruieren und produzieren kann, das
aber zum Billigtarif machen.
Mit denen muss jemand kooperrieren und das können Spanier am Besten.
Das Ganze lohnt sich halt nur für Firma und nicht für die Mitarbeiter,
weil so vermehrt Spanier ins Management befördert werden und man als
Ingenier mit nur DE-Wurzeln keine Chance hat. Als Ossi bist Du sowie
total abgemeldet.
Hinzu kommt, dass Firmen wie Rücker z.B. stark in Spanien investieren,
weil sie sich so günstig mit Ingenieuren versorgen können und deren
Situation ausnutzend kaum was dafür zahlen müssen.
Meine Lösung des Problems war, solche Firmen zu umgehen, mich
selbständig zu machen und das Geld in die eigene Tasche zu wirtschaften,
statt in die der Zeitarbeitsgeber und Ich kann nur jedem raten, DASSELBE
zu tun!
KonDor schrieb:> Ich habe generell kein Problem mit einem internationalen Arbeitsumfeld.> Jedoch mache ich mir sorgen um meine Jobsicherheit. Wenn immer mehr> Know-how abgezogen wird und die spanischen Arbeiter die gleiche Arbeit> für weniger Geld (spanische Verträge) verrichten.
Eigentlich ist das Problem nur die penetrante IGM. Denn im Mittelstand
kann man die Gehälter mit Ausnahme von Stellen, die wirklich seltene
Naturtalente erfordern, durch die Fachkräfteoffensiven mittlerweile sehr
weit nach unten skalieren. Konzerne müssen nur in den günstigen
Mittelstand auslagern, was sie ja eh in der Vergangenheit getan haben.
Und billiger gehts dann in Spanien auch nicht mehr, gut bei den
Lohnnebenkosten haben die einen Vorteil und mehr netto vom brutto, aber
auch nur möglich, weil der Nettozahler der EU - Insassen von Dummland -
dafür zur Kasse gebeten werden. Der Mittelstand übertreibts auf die eine
Weise, die IGM auf die andere.
Und ne Industrie/Wirtschaft, die sich an China von A bis Z anbiedert
wegen der schnellen Mark, die hat auch keine Bedenken mit Know-how-Klau.
in der Firma wo ich früher tätig war, hatte man sehr gut ausgebildetes
leistungsfähiges Personal, aber halt auch mit entsprechenden Gehältern,
die meiner Meinung nach, auch angemessen waren.
Irgendwann kam einer der "Herren" auf die Idee, mit ausländischen
Mitarbeitern doch viel mehr an Personalkosten einsparen zu können.
Leute aus Billiglohnländern wie Chile, Indien, China, waren schnell
gefunden... Nachdem man es nach ca. einem 3/4 Jahr geschafft hatte alle
Stellen mit Billigkräften zu besetzen, fing das Chaos an. Es traten
Probleme auf, die es schon seit mehreren Jahren nicht mehr gab. Viele
Kunden wanderten ab und letztendlich wurde die komplette Abteilung in
andere Hand gegeben, wo zum Glück die Qualität wieder hergestellt werden
konnte.
Das Ganze hat nicht nur viel Geld gekostet sondern war auch ein dermaßen
großer Flopp!
Ich hatte damals 5kg abgenommen, weil ich mir dermaßen den Bauch vor
lachen über soviel Unfähigkeit habe halten müssen. :-)