Forum: Offtopic Qualität der Hameg-Oszilloskope in der R&S-Ära


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von Michael W. (Gast)


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Kann jemand etwas zu einer eventuellen Veränderung der Qualität der 
Hameg-Oszilloskope sagen, wie sie sich unter R&S entwickelt (hat)?

Hameg war mit aller Vorsicht ein Anbieter im unteren Marktsegment und 
die Geräte ja eher auf günstig getrimmt. Zuletzt konnte man gegen die 
Asiaten und ihre günstige, aber z.T. sogar bessere Qualität nicht mehr 
konkurrieren.

Haben die Hamegs von R&S-Technologie profitiert? Oder hat man da weiter 
runtergespart?

: Verschoben durch User
von Bürovorsteher (Gast)


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> Zuletzt konnte man gegen die
> Asiaten und ihre günstige, aber z.T. sogar bessere Qualität nicht mehr
> konkurrieren.

Hä, was?

von Chris E. (chris_el)


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Geräte mit der aufschrift Hameg Instruments stammen alle von R&S, 
mittlerweile läuft alles unter R&S. Der Vergleich mit den Asiaten ist 
aber voll daneben, woher hast du dieses Infos?

Beitrag #5103995 wurde von einem Moderator gelöscht.
von Michael W. (Gast)


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Chris E. schrieb:
> Geräte mit der aufschrift Hameg Instruments stammen alle von R&S,
Ja, das meine Ich, nur was bedeutet es für den Benutzer? Wurden Hamegs 
dadurch besser?

>Vergleich mit den Asiaten
Also wenn Ich mir die Hamegs von vor 5 Jahren so ansehe, dann lagen die 
wohl schon eher hinter solchen Geräten wie Rigol (als Beispiel).

von Simpel (Gast)


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Habe mir vor einigen Jahren ein HM 1008-2 Combiscope
angeschafft. 100 MHz / 2 Kanäle.

Sehr gutes Preis- Leistungsverhältnis für Messungen im
Audio- bis KW-Bereich und µC-Schaltungen samt 74HCxxxx-
Peripherie.

Es hat keine hervorstechenden Eigenschaften - aber es macht
alles, was im Prospekt versprochen wird. Keine wackligen
Schalter und sonstiges Ungemach, das man von Philips-, oder
auch HP-Produkten (als HP noch gute Messtechnik baute!)
aus der Analogzeit kennt.

Besonders die Möglichkeit, mir Signale auch mal analog, also
ohne irgendwelche Sample-Artefakte anzusehen war für mich DAS
KAUFARGUMENT. Stichworte: Amplitudenmodulation und Eye-Pattern.
Bin sehr zufrieden!

Buntes Display und minutenlanges Warten auf den Unix-Boot
brauche ich nicht. - OK, die Röhre braucht auch eine Minute...

von Jochen F. (jamesy)


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Als ehemaliger Hameg-Entwickler und Prüfmittelbauer möchte ich gerne 
etwas mehr Licht in diesen Thread bringen.
R&S hat Hameg vor allem wegen der Kompetenz in der 
Oszilloskopentwicklung gekauft im Jahr 2005. Damals gab es noch kein 
reines Digitalscope von Hameg. Wie schon richtig angemerkt gab es die 
Kombiscopes bis 200 MHz, die das Beste aus 2 Welten darstellten, aber 
gefühlt "nicht modern" waren - ich setze sie sehr gerne ein!
Dann gab es das erste digitale Scope mit LCD, bis 350 MHz, die Software 
wurde in den kommenden Jahren erweitert, es kam eine Serie bis 500 MHz, 
die schon 2010 als R&S-Gerät vermarktet wurde, dann kam die 
Low-Cost-Serie von 50 bis 100 MHz, und eine neue Serie HMO bis 500 MHz 
und 2 Low-Cost-Serien, eine R&S, eine noch Hameg mit unterschiedlichen 
Leistungsmerkmalen.
Alle diese Geräte werden und wurden in Chemnitz entwickelt, und ich 
hatte das Glück, mit diesen sehr kompetenten - und netten - Entwicklern 
zusammenzuarbeiten im Prüfmittelbau. Die Geräte sind nicht schlecht 
gebaut. Auch mit einem 2 GHz R&S-Scope haben nach 3 Jahren die Drehgeber 
angefangen, Aussetzer zu zeigen (eventuell wegen zu geringer Benutzung - 
Fett wird hart). Das Gerät kostet 10 mal so viel wie ein R&S/Hameg.
Aber ich kenne auch die Teardowns von Geräten von Dave. Rigol, Hameg, 
Uni-T und so weiter.
Da kann ich nur sagen: Die sind ähnlich gut entwickelt, auch dort sind 
exzellente Entwickler am arbeiten. Ich kaufe dienstlich derzeit eher ein 
100 MHz-Scope von Uni-T anstatt von Hameg/R&S, da diese nur ein Drittel 
des Preises kosten. Ein Softwarefehler ist mir bisher bei den Uni-T 
aufgefallen, aber das ist nicht kritisch, und die Kollegen (Chemiker und 
Physiker) nutzen die recht gerne!

: Bearbeitet durch User
von HM1508 (Gast)


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Jochen F. schrieb:
> Wie schon richtig angemerkt gab es die
> Kombiscopes bis 200 MHz, die das Beste aus 2 Welten darstellten, aber
> gefühlt "nicht modern" waren - ich setze sie sehr gerne ein!

Da schliesse ich mich an, allerdings rauschen die im Digitalbetrieb 
massiv, so dass man schon deshalb oft in den Analogmodus schaltet. Aber 
die kleinen Teks haben sich in der Hinsicht ja auch nicht gerade mit 
Ruhm bekleckert.

von Michael W. (Gast)


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@Jochen Fe
Das ist doch schon mal eine ordentliche Aussage!

@HM Hinsichtlich der Teks schließe Ich mich an.

von Marek N. (Gast)



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Jochen F. schrieb:
> Als ehemaliger Hameg-Entwickler

Warum um alles in der Welt habt ihr Kunststoff-Kupplungen für die Wellen 
verwendet???
Das Ausbauen der Y-Kassette beim HM408 hat mich fast 2 Stunden gekostet, 
da man dazu die gesamte Frontplatte ausbauen muss, die zudem auch noch 
mit der Y-Kassette verlötet ist!
Erstaunlicherweise sind in der Horizontall-Ablenkung schon 
Metall-Kupplungen eingebaut (oder der Vorbesitzer hat es nachgerüstet).

von Jochen F. (jamesy)


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Hallo,
früher, in der Welt der Hm 312, 412 und 512 war das mal Messing.
Da man aber die Wellenkupplung mit einem Teil, das aus Delrin gespritzt 
wird, flexibler und preiswerter machen kann, hat man umgestellt.
Auch bei meinem 408 hatte ich praktisch alle  Wellenkupplungen defekt. 
Dabei ist aber auch ein Faktor, wie stark die Madenschrauben in der 
Produktion angezogen wurden - beim 408 ist die Ausfallquote besonders 
hoch, das gebe ich gerne zu. Aber ein Bruch nach 25 Jahren..... mancher 
Autohersteller ist froh, wenn seine Kunststoffteile 10 Jahre halten.
Allerdings ist der Wechsel des Teilerschalters eine Sache von max. 10 
Minuten, da ist wohl etwas übersehen worden....

von Ingo H. (80ingo80)


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gibt es eigentlich prinzipiell noch Service Manuals zu den neueren 
(letzten) Hameg-Oszilloskopen?

z.B. HM2008?
Im Netz ist da leider nix zu finden.

von Tobi T. (chaoselektroniker)


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@Ingo
Zumindest zum HM1507-2 habe ich ein Service-Manual hier.

@HM1508
Bei meinem HM1507-3 habe ich 200µV Rauschen bei 1mV/DIV, das finde ich 
schon sehr gut. Die Tek die ich kenne sind da um den Faktor 15-20 
schlechter, da sehe ich auch den Sinn bei 2mV/DIV Ablenkung nicht mehr..

@Topic
Ich kann Jochen nur zustimmen, die HAMEG sind gut gebaut und nahezu 
unzerstörbar. Ich habe aufgrund einer falschen Einstellung mal 12V auf 
die RS232-Schnittstelle gelegt. Das Gerät schaltete sofort ab und 
seitdem ich den SP232 getauscht habe funktioniert es wieder wie vorher.

von Jochen F. (jamesy)


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Ingo H. schrieb:
> gibt es eigentlich prinzipiell noch Service Manuals zu den neueren
> (letzten) Hameg-Oszilloskopen?
>
> z.B. HM2008?

Hallo,
es existieren Servicemanuals zu den Geräten, allerdings nur für das 
Unternehmen und autorisierte Servicepartner. Außerdem wird bei diesen 
Geräten Service auf Baugruppenebene vorgegeben. Die Reparatur einzelner 
Leiterplatten ist nicht vorgesehen.

: Bearbeitet durch User
von -gb- (Gast)


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Kleine Zwischenfrage:

Richtige Hameg-Oszis gibt es ja nun nicht mehr. Ist bekannt, ob die 
Technologie in der R&S Geräten weiterlebt? Weil dies wäre ja der Zweck 
des Kaufs, oder hat man das nun alles ersetzt?

Ist jemandem bekannt, ob an dem ehemaligen Hameg-Standort(en) noch 
produziert wird?

von Jochen F. (jamesy)


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Das ist nur bedingt korrekt.
Es gibt nunmehr nur die R&S-Modelle, die preiswerteren (Familie bis 500 
MHz, evtl. nun auch 1 GHz) werden immer noch von dem Entwicklerteam von 
ex-Hameg in Chemnitz entwickelt. Alles, was darüber hinausgeht, ist 
R&S-Eigenentwicklung. Auch vor der Umbenennung ist nur noch im 
tschechischen Werk von R&S gefertigt worden, ich gehe davon aus, daß 
dies heute auch noch so ist.
Anmerkung: Der Leiter Oszilloskopentwicklung von R&S liest hier mit und 
hat des öfteren auch zum Thema Posts beigetragen.

von Michael W. (Gast)


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Jochen F. schrieb:
> früher, in der Welt der Hm 312, 412 und 512 war das mal Messing.
> Da man aber die Wellenkupplung mit einem Teil, das aus Delrin gespritzt
> wird, flexibler und preiswerter machen kann, hat man umgestellt.
> Auch bei meinem 408 hatte ich praktisch alle  Wellenkupplungen defekt.

Wie man an solchen Detail sieht, ist meine ursprünglich gestellte Frage 
so sinnfrei nicht, oder?

von Jochen F. (jamesy)


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Naja, es ging um R&S.
Der Hameg 408 war anderthalb Jahrzehnte vor R&S.

von Michael W. (Gast)


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Eben, die Frage war, wird es unter R&S wieder besser oder weiter 
schlechter. Nun hat sich die Frage ja ein wenig erübrigt, weil die 
eigentlichen Modelle von Hameg wohl vom Markt verschwunden sind.

von Ralph B. (rberres)


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Markus W. schrieb:
> Nun hat sich die Frage ja ein wenig erübrigt, weil die
> eigentlichen Modelle von Hameg wohl vom Markt verschwunden sind.

Das liegt nicht nur daran das LCD Displays heute nun mal modern sind.

Hameg hat zum Schluss schlicht und einfach Probleme bekommen, überhaupt 
noch Kathodenstrahlröhren zu bekommen. Mal abgesehen das diese um ein 
vielfaches teurer war als LCD Displays und auch die Ansteuerung viel 
aufwendiger war.
Man benötigte Hochspannung und hohe Ablenkspannungen.

Ralph Berres

von Achim B. (bobdylan)


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Mal nur ne Frage: Hat R&S eigentlich irgendwann eigene Scopes gebaut, 
oder kamen die immer von Tektronix?

von Ralph B. (rberres)


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Achim B. schrieb:
> Hat R&S eigentlich irgendwann eigene Scopes gebaut,
> oder kamen die immer von Tektronix?

in den 70ger kamen die Oszis von Tektronix
später waren auch mal japanische Modelle im Angebot Bob und Bol

Ausnahme waren die Oszillographen für Viedeoanwendungen in der 
Sendertechnik.

Nach der Übernahme von Hameg war das erste eigene Scop das RTO

Ralph Berres

von Dirk D. (dicky_d)


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Simpel schrieb:
> Buntes Display und minutenlanges Warten auf den Unix-Boot
> brauche ich nicht. - OK, die Röhre braucht auch eine Minute...

Ich glaub du hast da ne etwas verschobene Wahrnehmung.
Wenn deine Röhre ne Minute braucht bis sie nutzbar ist, hab ich mit 
meinem China-Scope schon >30 Sekunden gemessen bis deine Röhre läuft.

Man kann über die China-scopes viel negatives sagen, das meiste stimmt 
dann auch, Ne Bootzeit <30 Sekunden finde ich aber nun wirklich nicht 
schlimm, vor allem verglichen mit ner Röhre die ne Minute braucht.

Um konkret zu werden, ich hab das Rigol DS1054Z. Vom Tastendruck bis zur 
Welle auf dem Bildschirm vergehen ca 24 Sekunden.

von Ralph B. (rberres)


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Simpel schrieb:
> OK, die Röhre braucht auch eine Minute...

welcher benötigt eine Minute?

Der HM1005 und auch der HM205 haben nicht mal 20 sek gebraucht.

Ralph Berres

von Johnny B. (johnnyb)


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Ralph B. schrieb:
> Simpel schrieb:
>> OK, die Röhre braucht auch eine Minute...
>
> welcher benötigt eine Minute?
>
> Der HM1005 und auch der HM205 haben nicht mal 20 sek gebraucht.

Ich denke nach 20s haben die schon was angezeigt, aber vielleicht hat 
sich dann die Skalierung noch etwas verändert bis alles schön warm war.
Aber in der Praxis wird das ja wohl kaum wirklich relevant gewesen sein, 
ob man nach 20s oder erst nach 60s eine genaue Messung machen konnte.

von Michael W. (Gast)


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Hab noch ein altes analoges von HM, keine Rede von 60s Aufwärmzeit. Der 
Strahl ist nach 10sec da!

von Achim B. (bobdylan)


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Markus W. schrieb:
> Der
> Strahl ist nach 10sec da!

Dann komm du mal in mein Alter! Es dauert geschätzte 30sec bis zum 
ersten Strahl, und wenn der durch ist, dauert es ca. 60sec bis zum 
Zweiten!

Gut, dass ich keinen Vierstrahler habe!

von -gb- (Gast)


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Ralph B. schrieb:
> Nach der Übernahme von Hameg war das erste eigene Scop das RTO

Ist bekannt, wo und von wem die aktuellen Serien entwickelt werden?

von Thomas W. (goaty)


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RTB2004 ist in zehn Sekunden bereit und wirklich ein schickes Gerät.

von Max P. (hilfsarbeiter)


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Michael W. schrieb:
> Haben die Hamegs von R&S-Technologie profitiert?

R&S hatte vor der Übernahme von Hameg keine Oszis im Programm.
Die Uralt-Oszis, die man manchmal mit R&S-Aufschrift in der Bucht 
findet,
sind nur umgelabelt.


Michael W. schrieb:
> Kann jemand etwas zu einer eventuellen Veränderung der Qualität der
> Hameg-Oszilloskope sagen, wie sie sich unter R&S entwickelt (hat)?
> Haben die Hamegs von R&S-Technologie profitiert? Oder hat man da weiter
> runtergespart?

Qualität und Funktionsumfang haben sich nach unten entwickelt,
der Preis nach oben. Da mir ersteres wichtiger ist, greife ich lieber zu 
den Asiaten. Es gibt einen Thread dazu

Beitrag "Rohde Schwarz RTM3004 - merken, wollen oder können die das nicht?"

Wenn ich mich recht erinnere, wurde ein Hameg Scope mit einem R&S Scope 
in den beiden Videos verglichen

https://www.youtube.com/watch?v=IZoqLLesr1s
https://www.youtube.com/watch?v=mBWvClG1cZg


Jochen F. schrieb:
> Anmerkung: Der Leiter Oszilloskopentwicklung von R&S liest hier mit und
> hat des öfteren auch zum Thema Posts beigetragen.

Und? Deshalb verkneife ich mir nichts
Hat der nichts besseres zu tun als im Internet zu surfen?

von -gb- (Gast)


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Max P. schrieb:
> Jochen F. schrieb:
>> Anmerkung: Der Leiter Oszilloskopentwicklung von R&S liest hier mit und
>> hat des öfteren auch zum Thema Posts beigetragen.
>
> Und? Deshalb verkneife ich mir nichts
> Hat der nichts besseres zu tun als im Internet zu surfen?

Wenn der Name bekannt ist, könnte man ihn doch direkt darauf ansprechen 
und auf Probleme hinweisen?

Das wäre ein Pluspunkt für die Firma fände ich. Wobei ich mir bewusst 
bin, dass unsere Chefs etwas bei uns nicht toll finden würden. Auch weil 
wir etwas bauen, was nicht für den zivilen Nutzer interesant ist.

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