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Forum: HF, Funk und Felder Was macht einen Empfänger Großsignalfest


Autor: Stefan M. (derwisch)
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Hallo,

angeregt durch ein Gespräch mit einem Bekannten, stelle ich hier einmal 
allgemein ( zur sachlichen Diskussion ) die Frage, welche 
schaltungstechnischen Massnahmen die Großsignalfestigkeit eines 
Empfängers bestimmen, bzw. verbessern.
Das Thema entstand durch die Tatsache, dass z.B. breitbandige 
Scannerempfänger häufig bei der Großsignalfestigkeit sehr schlecht 
abschneiden.
Es gibt aber trotzdem Unterschiede, auch wenn keine mitlaufenden Filter 
im Eingangsteil verbaut sind. Das wäre bei einem Scanner ja auch schon 
teurer Luxus.
Dennoch können einige Scanner an einer Aussenantenne betrieben werden ( 
Discone Antenne z.B. ) ohne komplett überfordert zu sein.
Andere ( teure ) Scanner wie der ICOM IC-R20 z.B. sind schon bei einer 
Teleskopantenne kaum noch benutzbar.
Was meint Ihr? Welche Erfahrungen habt Ihr?

Autor: Marc Oni (Gast)
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Ganz einfach:
Alle Funktionsbaugruppen im Signalweg,aktive wie passive, müssen lineare 
Übertragungskennlinien aufweisen.

Vorselektion - Bandschalter - Vorverstärker - Mischer - ZF - Demodulator 
usw.

Autor: herbert (Gast)
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Bei einem "fertigen" RX helfen mehrkreisige schmalbandige Filterim 
Signalweg Antenne /Rx Eingang. Konzepte dafür kann man auf der Seite von 
Wippermann finden. Ebenso Hilfreich sind Magnetantennnen. Du merkst 
schon, dass alles in Richtung schmale Bandbreite hinausläuft. 
Breitbandige Lösungen ist ein 50 Ohm Dämpfungsglied schaltbar. Das auch 
kombiniert mit dem Filter. Dreck den ein schlechter Empfänger über 
Mischprodudukte sich selber erzeugt, kann man damit auch nicht 
bekämpfen.Bei Eigenbaukonzepten analoger Bauweise nutzt man 
großsignalfeste Mischer ,Verstärker mit schmalen Filtern,und eben 
schmale schaltbare Bandpässe.

Autor: Egon D. (egon_d)
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Stefan M. schrieb:

> angeregt durch ein Gespräch mit einem Bekannten, stelle
> ich hier einmal allgemein ( zur sachlichen Diskussion )
> die Frage, welche schaltungstechnischen Massnahmen die
> Großsignalfestigkeit eines Empfängers bestimmen, bzw.
> verbessern.

Hmm.
Naja, ganz allgemein würde ich sagen: Der Dreh- und Angel-
punkt ist die Linearität der Mischerbaugruppe (incl.
Oszillator).

Das Ziel ist ja letztlich, dass keine Frequenzumsetzungen
stattfinden, die nicht stattfinden sollen. Bedeutet konkret:
- Mischer verwenden, der mit großen Signalen klarkommt,
- sauberes Oszillatorsignal, Pegel so groß wie erlaubt,
- Antennensignal nicht größer als erlaubt.

Möglichkeiten für den letzten Punkt wurden ja schon
genannt: Dämpfungsglied, schaltbare, separat abstim-
bare oder mitlaufende Vorkreise, schmalbandige Antennen,
Richtantennen.

Sinnvoller Frequenzfahrplan und ausreichende Abschirmung
natürlich vorausgesetzt.

Autor: Ralf Rosche (Gast)
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Grosssignalfeste Empfänger sind meist 3-fach Super mit sehr 
schmalbandigen Filtern. Die alten Yaesus FRGs sind so aufgebaut 
54Mhz/11Mhz/455khz z.B. Und mit dem eingebauten manuellen Preselektor 
ist das Großsignalverhalten schon einzigartig.

Das kannst Du beim ICOM natürlich nicht mehr ändern. Man kann vielleicht 
noch die Keramikfilter tauschen das hat aber in anderen Betriebsarten 
wieder Nachteile.

Das einzige was man bei einem Handscanner machen kann ist ein 
Preselektor zu verwenden, das bringt schon deutlich Vorteile. Dieser 
sollte aber auch sehr spitz sein. Man muss auch nichts teueres kaufen, 
da gibt es viele Bauanleitungen und mit 20 Euro bist Du dabei.
Mit der eingebauten RF Gain und dem Attenuator muss man auch arbeiten.

Ich hatte den Icom ICR20 auch mal und war extrem enttäuscht. Im HF band 
ging nix so richtig. Eine Magnetic Loop half auch nicht so wie erhofft.

Ich habe den dann verkauft.

Es gibt aber m.W. keine guten Handscanner die im HF Band ordentlich 
arbeiten.
Vielleicht noch der alte Yupiteru MVT 7100.

Gruss Ralf

Autor: Ralph B. (rberres)
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Großsignalfeste Empfänger ohne Vorselektion sind im Prinzip aufgebaut 
wie Spektrumanalyzer.

Sie haben Mischer am Eingang welche extrem hoch aussteuerbar sind. 
Entweder aktive Ringmischer mit Leistungsmosfets oder doppelt bzw 
Tripple balangierte Diodenringmischer mit möglichst hohen 
Oszillatorleistungen. Diese können +13dbm oder sogar im extremfall 
+27dbm betragen.

Hinter dem Mischer folgt direkt ein Diplexer zum breitbandigen Abschluss 
des Ausganges mit 50 Ohm.
Vor dem Mischer befindet sich ein steilflankiges Tiefpass zur Begrenzung 
des Empfangsbereiches . damit kein Spiegelempfang möglich ist.

Der Oszillator muss sehr rauscharm sein Stichwort reziproges Mischen.

Hinter dem Diplexer sitzt das Bandfilter für die erste ZF.

Die darauf folgenden Stufen sind jetzt schon unkritischer.

Als Verstärkungsregelung kann man hinter dem Tiefpass am Eingang ein 
Pindiodenabschwächer setzen. Weit besser sind aber mit Relais 
geschaltete Stufenabschwächer.

Ralph Berres

Autor: B e r n d W. (smiley46)
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IMO sieht ein großsignalfester Empfänger so aus:

Vorselektion
Dämpfungsglied (Schaltbar)
Vorverstärker (hoher Ruhestrom)
Mischer (Schaltmischer)
Roofing-Filter

Nach dem Roofing-Filter ist idealerweise nur noch das Nutzsignal 
vorhanden.

Die Verstärkung des Vorverstärkers sollte nicht übertrieben groß sein. 
Zumindest beim Vorverstärker schließen sich Großsignalfestigkeit und 
Rauscharmmut gegenseitig aus.

Autor: Marc Oni (Gast)
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herbert schrieb:
> Bei einem "fertigen" RX helfen mehrkreisige schmalbandige Filterim
> Signalweg Antenne /Rx Eingang.

So hat man es früher gemacht. Ja, Filter helfen, bekämpfen aber nur die 
Symptome und beseitigen nicht die Ursache, nämlich die unlinearen 
Übertragunskennlinien im Signalweg.

Was macht denn ein Filter: es entlastet die Baugruppe nach dem Filter 
von Summensignalen, so dass dessen Unlinearität weniger Auswirkungen 
hat. Dennoch sind die Unlinearitäten weiterhing vorhanden. Starke 
Nachbar-Signale die innerhalb der Filterbandbreite durchkommen führen 
nach wie vor zu Intermuodulation. Also achtet man beim Schaltungsdesign 
beser auf die Großsignalfestigkeit jeder einzelnen Stufe und verlässt 
sich nicht auf Filter.

Dazu gehört ein durchdachter Pegelplan, der jegliche unnötige 
Verstärkung vermeidet, denn die schränkt die Dynamik unnötig ein.


Auch bei direktsampelnden SDR sind schmale Filter im Frontend nicht 
angesagt, schließlich solle es ja ein Bretibandempfänger sein. 
Allenfalls Sub-Oktavfilter zur Entlastung des ADC. Und die Wandler 
müssen auch sehr linear arbeiten.

Letztendlich sind bei einem guten Empfänger alle Stufen konsequent auf 
Linearität ausgericht. Einen großsignalfesten Empfänger gibt es nicht 
für billiges Geld und er braucht Strom#

Autor: Ralph B. (rberres)
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Marc Oni schrieb:
> Einen großsignalfesten Empfänger gibt es nicht
> für billiges Geld und er braucht Strom#

dem kann ich nur beipflichten.

Ralph Berres

Autor: W.S. (Gast)
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Stefan M. schrieb:
> angeregt durch ein Gespräch mit einem Bekannten, stelle ich hier einmal
> allgemein ( zur sachlichen Diskussion ) die Frage, welche
> schaltungstechnischen Massnahmen die Großsignalfestigkeit eines
> Empfängers bestimmen, bzw. verbessern.

Denke lieber nach über den erzielbaren Dynamikbereich. Entweder schafft 
man oben oder unten, aber wenn man beides will, ist guter Rat bzw. gute 
BE teuer.

Alle Vorredner haben es ja schon gesagt: Nach oben hin ist man begrenzt 
durch  die Nichtlinearität und die begrenzte Aussteuerbarkeit der 
Stufen im Empfangstrakt.

Und nach unten hin ist man begrenzt durch das Rauschen. Mischer im 
allgemeinen haben entweder ne deutliche Mischer-Dämpfung wenn sie passiv 
sind (wenigstens 3 dB, zumeist mind. 6 dB) oder ein relativ hohes 
Rauschmaß, wenn sie aktiv sind.

Deshalb setze man davor gern einen LNA (rauscharmer Vorverstärker), aber 
der verstärkt eben alles, was er vor die Nase kriegt und das auch noch 
pegelabhängig, denn seine Eingangskenlinie ist eine e Funktion. Also 
verzerrt er das Nutzsignal in Anwesenheit eines hochpegligen 
Störsignals.
Das ist noch lange nicht die Aussteuerbarkeit des LNA, denn die geht 
noch viel höher, bevor der LNA an die Rails der Versorgung anstößt. Aber 
es ist ein Effekt, der kleine Signale in Anwesenheit eines großen 
anderen Signals mit diesem moduliert.

In niederfrequentem Bereich kann man gegen so etwas etwas per 
Gegenkopplung tun, aber bei echter HF ist das weniger funktionabel. 
Wirklich empfindliche und rauscharme Verstärker mit zugleich hoher 
Linearität sind zwar wünschenswert, aber eher Wunschträume. Wenn ich 
mich nicht irre, dann verbrät allein die Vorstufe im Hilberling mehr 
Watt zu Wärme als übliche QRP-Sende-Endstufen an HF erzeugen können, um 
mal bloß hochpegelfest zu werden.

Da hast du nun das Problem: Entweder ist dein Empfänger so empfindlich, 
daß er Signale noch zu erkennen erlaubt, die nur wenig über der 
physikalischen Rauschgrenze liegen - oder du hast einen großsignalfesten 
Empfänger, der dafür aber - salopp gesagt - ein bissel taub ist - oder 
Strom ohne Ende schluckt.

W.S.

Autor: Maik .. (basteling)
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Einge der hier gegebenen Tipps kannst Du live und in Farbe z.B. in einer 
ehamilgen GSM Basisstationplatine besichtigen.

Meist ein balanced LNA mit 90° Hybriden - bringt schonmal 3dB mehr 
Linearität. Dazu Hochpegelmischer, die wie Ralph schrieb mit 10dBm und 
mehr aus dem Lokaloszillator angesteuert werden.

Autor: Marc Oni (Gast)
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W.S. schrieb:
> Deshalb setze man davor gern einen LNA (rauscharmer Vorverstärker), aber
> der verstärkt eben alles

Vor einen übersteuerten Empfänger schaltet man einen Abschwächer und 
keinen Vorvestärker.

Vor einen Empfänger mit geringer Großsignalfestigkeit einen 
Vorverstärker zu setzen ist so ziemlich das Dummste was man tun kann. 
Damit verschlimmert man die Krankheit und heilt sie nicht.


Mangelnde Großsignalfestigkeit ist ein genereller Designmangel. Das 
lässt sich nicht durch Modifikation von einzelnen Baugruppen wie z.B. 
dem Mischer beheben. Es ist wie mit einer Kette, das schwächste Glied 
bestimmt die Gesamtperformance.

Autor: Stefan M. (derwisch)
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Danke schonmal für die Beiträge.

Es ist schon schade, dass viele Gerätehersteller das Thema nur sehr 
spärlich behandeln.
Ich würde sehr gern mehr Geld ausgeben für einen Empfänger mit guter 
Großsignalfestigkeit, als für irgendwelchwe ( nach meiner Meinung ) 
sinnlosen Gadgets wie tausende von Speicherplätzen, die keiner braucht 
o.ä.

Marc Oni schrieb:
> Mangelnde Großsignalfestigkeit ist ein genereller Designmangel. Das
> lässt sich nicht durch Modifikation von einzelnen Baugruppen wie z.B.
> dem Mischer beheben. Es ist wie mit einer Kette, das schwächste Glied
> bestimmt die Gesamtperformance.

Genau das ist das Problem.
Meinen Handscanner kann ich in vielen Frequenzbereichen nur mit 
vorgeschalteten Filtern oder einer Loopantenne betreiben.

Es ist klar, dass ein Handscanner nur begrenzte Energiereserven hat, die 
bei der Verwendung von Hochpegelmischern etc. schnell an ihre Grenzen 
kämem.

Aber es gibt leider auch genug Stationsgeräte, die in dem Punkt 
versagen.
Da gibt es ein echtes Verbesserungspotentzial, für das es sicher auch 
Kunden gäbe.

Autor: Ralph B. (rberres)
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Stefan M. schrieb:
> Aber es gibt leider auch genug Stationsgeräte, die in dem Punkt
> versagen.
> Da gibt es ein echtes Verbesserungspotentzial, für das es sicher auch
> Kunden gäbe.

Heute erhältliche Afunk Kurzwellentransceiver sind  was 
Grossognalfestigkeit betrifft schon um Klassen besser als in den 80ger 
Jahren.

100db IM freien Dynamikbereich ist heute schon fast Standart.

Wo es immer noch hapert, sind rauscharme Lokaloszillatoren für den 
ersten Mischer.

Aber Eingangsempfindlichkeiten von 0,3uV und weniger braucht kein 
Kurzwellenempfänger. Es sei denn man benutzt einen Schraubenzieher im 
Blumentopf als Antenne. Dann braucht man aber auch keine 
Grossignalfestigkeit, wie sie heutige moderne Afunk-KW-Empfänger 
aufweisen.

Bei 0,3uV Eingangsempfindlichkeit kann man getrost den 20db Abschwächer 
immer drin lassen, und gewinnt dadurch an Aussteuerbarkeit nach oben.

Das atmosphärische Rauschen und das Umgebungsrauschen in der 
Zivilisation ist garantiert um Größenordnungen stärker.

Ralph Berres

Autor: Sven L. (svenl)
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Hallo zusammen,

Die Aussage, dass heutige Empfänger in der Regel deutlich besser sind 
als Geräte von vor 30 Jahren möchte ich mal nicht so stehen lassen! :)

Teilweise sind die LO-Oszillatoren richtig schlecht...

Ich habe eine sehr sehr laute Conteststation in unmittelbarer 
Nachbarschaft und wenn die Multi-Multi-Betrieb machen, dann sind die 
Pegel an meiner 35 m langen L-Antenne nicht mehr feierlich, selbst im 
abgestimmten Zustand...

Unter diesen Bedingungen lassen sich aber auch sehr super Empfänger 
testen! :)

So ziemlich jedes Gerät gibt in dieser Situation auf. Mein Elecraft KX3 
meldet "High Sig" und schaltet die Bandfilter zur Sicherheit frei. 
Kompaktgeräte wie IC-706, FT-8x7 kann ich gar nicht betreiben, weil da 
nur noch Intermodulationsprodukte zu hören sind. Der Empfangspegel lässt 
sich mit den eingebauten Abschwächern bzw. Abschalten des VV nicht in 
einen für den Empfänger verwertbaren Bereich bringen. Erst bei externer 
Abschwächung mit Hilfe einer Eichleitung (Schlumberger BMD-505) von über 
60 db kann man wieder etwas empfangen. Leise Signale hört man da aber 
nicht mehr!

Die einzigen Geräte, die sich in dieser Situation völlig unbeeindruckt 
zeigen, sind zwei Geräte eines US-amerikanischen Herstellers:
- Ten-Tec Corsair II
- Ten-Tec Omni VI Plus

Beides Doppelsuper 9 MHz / 6.3 MHz mit Diodenringmischern, korrektem 
Mischerabschluss, großsignalfestem Vorverstärker (Quad-JFET in 
Gate-Schaltung) und kaskadierten ZF-Quarzfiltern. Beim Corsair II 
lediglich ein 2.4 kHz in der ersten ZF, die schmaleren Filter in der 2. 
ZF. LO ist ein freilaufender PTO (permeabilitätsabgestimmter VFO) mit 
extrem niedrigem Phasenrauschen.

Beim Omni VI Plus habe 3 (!) wählbare Filter in der ersten ZF 
(2.4/1.8/0.4 kHz) und 4 wählbare Filter in der zweiten ZF 
(2.4/1.8/0.5/0.25 kHz). Zusätzlich ist ein Inrad-Roofingfilter von 250 
Hz auf der ersten ZF verbaut. Also im Schmalband-CW-Betrieb sind dann 3 
Quarzfilter kaskadiert, was eine traumhafte Weitabselektion möglich 
macht. Ich kann an die Signale der Conteststation bis auf 600 Hz 
herandrehen, ohne dass ich irgendetwas bemerke. DAS ist 
Großsignalfestigkeit! - Der LO, eine schnelle PLL angebunden an einen 20 
MHz-OCXO, ist gut, aber nicht so rauscharm wie der freilaufende VFO des 
anderes Geräts.

Beide Geräte sind Bandempfänger mit entsprechenden Bandfiltern und der 
LO wird als Super-VFO aus einem XO und dem VFO-Signal gebildet. Die 
Empfänger sind mit einem MDS um -130 db nicht übertrieben empfindlich. 
Ich hatte da schon ganz andere Kisten (IC-745), der einen guten aber 
heißen Empfänger hat (MDS -147 db !!). Da kann man den Abschwächer quasi 
dauernd eingeschaltet lassen...

73!

Sven

: Bearbeitet durch User
Autor: Ralph B. (rberres)
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Sven L. schrieb:
> Teilweise sind die LO-Oszillatoren richtig schlecht...

habe ich bereits geschrieben.

Sven L. schrieb:
> Kompaktgeräte wie IC-706, FT-8x7 kann ich gar nicht betreiben, weil da
> nur noch Intermodulationsprodukte zu hören sind.

Das sind ca 30 Jahre alte Geräte welches mit billigen Dioden ( 1N4148 
oder ähnliches ) geschaltete Bandfilterblöcke besitzen. Einen Austausch 
der Dioden gegen Reedrelais verbessert das Verhalten sehr stark.

Sven L. schrieb:
> Ich habe eine sehr sehr laute Conteststation in unmittelbarer
> Nachbarschaft und wenn die Multi-Multi-Betrieb machen, dann sind die
> Pegel an meiner 35 m langen L-Antenne nicht mehr feierlich, selbst im
> abgestimmten Zustand...

Das sind extrembedingungen wie sie selten auftreten. Wäre der Hilperling 
oder Rohde&Schwarz hier nicht das richtige?

Sven L. schrieb:
> Erst bei externer
> Abschwächung mit Hilfe einer Eichleitung (Schlumberger BMD-505) von über
> 60 db kann man wieder etwas empfangen.

Kommt mir sehr extrem vor. Liegt da noch ein anderes Problem vor? So 
schlecht kann ein Rx fast nicht sein. Oder hast du Summenpegel im 
Voltbereich? 60db würde ja 1V auf 1mV abschwächen. Vielleicht waren 60db 
doch etwas übertrieben?

Das würde bei den heutigen Empfindlichkeiten einen IM-freien 
Dynamikbereich von weit über 120db erfordern oder entsprechende 
Selektion direkt am Antenneneingang. Wobei hier aber keine 
Ferritmaterialien mehr verwendet werden dürfen, weil diese bei den hohen 
Pegeln selbst IM verursachen.

Sven L. schrieb:
> Beides Doppelsuper 9 MHz / 6.3 MHz mit Diodenringmischern, korrektem
> Mischerabschluss, großsignalfestem Vorverstärker (Quad-JFET in
> Gate-Schaltung) und kaskadierten ZF-Quarzfiltern. Beim Corsair II
> lediglich ein 2.4 kHz in der ersten ZF, die schmaleren Filter in der 2.
> ZF. LO ist ein freilaufender PTO (permeabilitätsabgestimmter VFO) mit
> extrem niedrigem Phasenrauschen.

Heutige TRX haben alle DDS Synthesizer welches schlechtes Phasenrauschen 
haben ( warum auch immer ). Fraktional/N Synthesizer würden hier besser 
abschneiden. Nicht umsonst sind bei EHF Amateure der IC402 bzw IC202 von 
Icom immer noch angesagte Steuertranceiver . Sie haben einen gezogenen 
Quarz als Lokaloszillator.

Heute werden keine passiven Diodenringmischer mit den irrsinnig hohen LO 
Leistungen verwendet sondern aktive Fet-Ringmischer.Vomn der 
Signalverarbeitung sind heutige RX nicht schlechter als dein Ten-Tec.

Der Schwachpunkt sind die DDS Synthesizer.

Schaue dir mal die modernen SDR TRX an. Z.B. den Icom 7610.


Transceiver wie der TS820 TS510 TS120 und wie sie alle hiesen, waren 
wirklich schlecht. Es gab aber zu dieser Zeit einen TRX der seiner Zeit 
vorraus war. Das war der Atlas. Der hatte direkt am Eingang einen 
Diodenringmischer, wenn auch nur mit +7dbm Lokaloszillator.

Ralph Berres

Autor: Marc Oni (Gast)
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Ralph B. schrieb:
> Heutige TRX haben alle DDS Synthesizer welches schlechtes Phasenrauschen
> haben ( warum auch immer )

Heutige TRX haben immer häufiger einen Analog-Digital-Wandler im 
Frontend. Und das Phasenrauschen eines guten TCXO als Abtast-Clock des 
ADC ist exzellent.

Nicht umsonst laufen in der aktuellen Sherwood Vergleichsliste 
(absteigend sortiert nach Schmalband-Dynamik) die neuen RX auf 
SDR-Direct-Sampling Basis sowohl bezüglich Grenzempfindlichkeit als auch 
Gesamtdynamik (IMD 20kHz Abstand, IMD2kHZ Abstand) den bisherigen 
analogen Platzhirschen wie dem K3S den Rang ab.

Die im Vorpost hochgelobten betagten Omni und TenTec Geräte mögen 
vielleicht gefühlt gute Eigenschaften aufweisen. Messtechnisch sind sie 
gegenüber den neuen Spitzenreceivern nur Mittelmaß.

Autor: Marc Oni (Gast)
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Nachtrag: Sherwood Receiver Test Data Liste:
http://www.sherweng.com/table.html

Autor: Sven L. (svenl)
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Hallo Ralph,

Das Phasenrauschen eines DDS-IC ist gar nicht so schlecht! Das Gegenteil 
ist der Fall: Das Phasenrauschen ist sogar ziemlich gut! Es hängt vom 
verwendeten Oszillator ab!

Wird da ein einfacher Quarz benützt und die interne PLL zur 
Vervielfachung eingesetzt, ist das Rauschverhalten miserabel, was man 
beim überwiegenden Teil der Implementationen beobachten kann.

Ist der Ausgangsoszillator jedoch von hoher Güte und der DDS wird mit 
seiner Samplefrequenz unter Umgehung der PLL direkt versorgt, bekommt 
man auch exzellente Ausgangssignale, auf das Phasenrauschen bezogen.

Google mal nach PA3AKE und H-Mode mixer. Der zeigt wie es richtig 
gemacht wird!

73!

Sven

Autor: Sven L. (svenl)
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Marc Oni schrieb:
> Nachtrag: Sherwood Receiver Test Data Liste:
> http://www.sherweng.com/table.html

Diese Liste gilt für klassische Superhet-RX und bezieht sich lediglich 
auf einen Wert: Den Close-In Dynamikbereich eines Empfängers.

Gerade bei älteren Geräten spielt die Filterausstattung und auch der 
Abgleich eine sehr starke Rolle! Ein voll befiltertes Gerät verhält sich 
völlig anders als ein leeres "Basismodell". Wenn der Abgleich nicht 
stimmt, dann sind die Werte auch miserabel...

SDR-RX kann man nach diesen Kriterien nicht prüfen...

Der IC-7300 von Icom hat sein oberes Ende des Dynamikbereiches bei -10 
dbm Eingangsleistung am RX, danach kann man nur Abschwächen und verliert 
dadurch Dynamik. In einer Empfangssituation wie der meinen absolut nicht 
brauchbar...

Ich habe trotzdem einen am (ruhigen) Zweit-QTH. :)

73!

Sven

Autor: Marc Oni (Gast)
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Sven L. schrieb:
> Diese Liste gilt für klassische Superhet-RX und bezieht sich lediglich
> auf einen Wert: Den Close-In Dynamikbereich eines Empfängers.

Das stimmt nicht.Diese Liste gilt generell für Empfänger. Denn wie man 
sieht sind einige "nicht klassische Emfpfänger" vertreten.

Denn auch SDR lassen sich nach diesen Messwerten beurteilen. Sie zeigen 
zwar nicht den herkömmlichen Zusammenhang zwischen Signalpegel und 
Intermodulationsabstand (IP2, IP3), aber die Dynamik beginnt auch beim 
SDR mit dem MDS und endet da, wo der ADC clippt. Sämtliche anderen 
Messwerte wie MDS, LO-Phasenrauschen, und Dynamikumfang sind genauso 
gültig.

Die Liste ist zwar nach dem Close-In Dynamikbereich absteigend sortiert. 
Jeder kann sie nach Gusto nach anderen Messwerten sortieren. Die 
Sortierung ist zweitrangig.

Autor: Ralph B. (rberres)
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Sven L. schrieb:
> danach kann man nur Abschwächen und verliert
> dadurch Dynamik. In einer Empfangssituation wie der meinen absolut nicht
> brauchbar...

Das ist nur teilweise richtig.

Man kann sehr wohl mit dem Abschwächer gewinnen, weil im 
Empfindlichkeitsbereich unterhalb 10uV sowieso nur atmosphärisches 
Rauschen und Zivilationsqrm empfangen wird. Es bringt also nichts, wenn 
man auf KW so hohe Empfindlichkeiten hat.

Wenn man durch einen Eingangsabschwächer ( der hoffentlich nicht mit 
Dioden eingeschleift wird ) die Empfindlichkeit um 20db verringert, 
gewinnt man stattdessen an maximal zuläsigen Eingangspegel.

Im Fall des ICOM 7300 würde sich der maximal zulässige Pegel von -10dbm 
auf +10dbm erhöhen. das sind 0,7V !!!

Ralph Berres

Autor: Marc Oni (Gast)
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Ralph B. schrieb:
> Man kann sehr wohl mit dem Abschwächer gewinnen, weil im
> Empfindlichkeitsbereich unterhalb 10uV sowieso nur atmosphärisches
> Rauschen und Zivilationsqrm empfangen wird. Es bringt also nichts, wenn
> man auf KW so hohe Empfindlichkeiten hat.

Das ist Fakt, aber anscheindend nur schwer in die Köpfe zu bekommen. 
Jedes dB Empfindlichkeit (MDS) über dem beträchtlichen externen Rauschen 
bedeutet verschenkte Dynamik, die oben fehlt. Ein Abschwächer ist 
zumindest unterhalb von 20 MHz viel wichtiger als ein Vorverstärker.

Offensichtlich ist es schwer begreiflich zu machen,  dass es nicht auf 
einen möglichst hohen Zeigerausschlag des S-Meters ankommt, sondern auf 
den optimalen Signal-Rauschabstand.

Autor: Sven L. (svenl)
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Hallo Ralph,

Ich messe teilweise deutlich mehr als 1 V Antennenspannung und wenn ich 
den (stufenlosen) Abschwächer des IC-7300 soweit zudrehe, dass der ADC 
nicht in's Limit kommt, dann ist das atmosphärische Rauschen auch fast 
weg bzw. der Empfänger nicht mehr empfindlich genug, um leise CW-Signale 
mit vielleicht 6 db S/N noch zu hören.

Alles in allem in dieser Preisklasse ein brauchbares Gerät, aber an den 
Dynamikbereich eines ordentlichen Superhets mit schmalen Filtern kommt 
es nicht heran.

Das ist ja das schöne: Mit den Ten-Tecs habe ich spätestens 2 kHz von 
lauten Inband-Signalen die volle Empfängerdynamik verfügbar. Beim 
IC-7300 ist das nicht der Fall, da helfen selbst 20 oder 50 kHz nichts.

73!

Sven

Autor: Ralph B. (rberres)
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Sven L. schrieb:
> Ich messe teilweise deutlich mehr als 1 V Antennenspannung

Sven L. schrieb:
> Das ist ja das schöne: Mit den Ten-Tecs habe ich spätestens 2 kHz von
> lauten Inband-Signalen die volle Empfängerdynamik verfügbar.

Also 1 V /  ca. 0,03uV entspricht 150db Pegelunterschied. Bei 6db SN bei 
CW ( also sagen wir mal 1KHz Bandbreite wäre ein Pegel von -138dbm

Muss ein toller Empfänger sein der bei gleichzeitigen Empfang eines ca 
0,1uV lauten Signales sich von einen mehr als 150db lauteren Signal 
nicht beeinflussen lässt.Und das in nur 2KHz Abstand.

Rohde&Schwarz erreicht das jedenfalls nicht.

Hast du mal ein 1,5V Glühlämpchen an deine Antenne geklemmt? Das müsste 
unter diesen Umständen ja schon leuchten.

Ralph Berres

Autor: Sven L. (svenl)
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Hallo Ralph,

Die 1 V sind Summenspannung, nicht auf das Inband-Signal allein bezogen. 
Eine Glühlampe habe ich noch nicht ausprobiert, Glimmlämpchen gehen bei 
Gewitter gut! ;) Aber ziehe es vor die Antenne zu erden.

Das CW-Signal ist lauter, da auch der Man-made Noise deutlich höher ist. 
Ich rede von S/N und das nicht unter Laborbedingungen. In der Tat sieht 
es so aus, dass wir von Eingangspegeln von -10 dbm bis +10 dbm des 
Inband-Signals ausgehen können, je nach Band, Leistung und 
Antennendrehrichtung der Gegenstation.

Das CW-Signal ist dabei auf den Low-Bands vielleicht 100 db leiser. Und 
ja, den Dynamikumfang bekommt der Empfänger hin, sobald das 
Inband-Signal nicht mehr in die ZF kommt und der Sender der 
Gegenstation kein auffällig hohes Phasenrauschen hat.

> 100 db Dynamik bei 2 kHz ist eine Ansage, was die meisten Geräte nicht 
erreichen, sondern nur bei 5, 10 oder 20 kHz.

73!

Sven

Autor: Marc Oni (Gast)
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Sven L. schrieb:
> Die 1 V sind Summenspannung, nicht auf das Inband-Signal allein bezogen.

Ja und?
Das geht doch trotzedem in die Dynamikberwertung eines Empfängers ein.

Jedenfalls erscheint mir das alles reichlich unrealistisch und in sich 
widersprüchlich. 1V Summenspannung entsprechen +13dBm Leistung. Da 
könnte man schon Energieharvesting damit machen. Wie wurden denn diese 
exorbitanten Werte ermittelt?


Mit objektiven Messwerten eines Ten-Tec OrionII (siehe die Links, die 
ganz ordentlich aber nicht außergewöhnlich sind, sind diese Behauptungen 
jedenfalls nicht begründbar.


http://www.dj0ip.de/sherwood-forest/sherwood-xcvr-tests/ten-tec-orion-2/

https://www.remeeus.eu/hamradio/pa1hr/productreview.pdf (Zeile 29)

Autor: Arno K. (Firma: OE2) (radiosonde)
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Tolll, endlich mal ein Thread mit Expertise
Deshalb gleich eine Frage:
Was müsste man unternehmen um einen in euren (geschulten) Augen guten KW 
Empfänger zu bauen? Ich bin nämlich selbst gerade dabei ein 
Blockschaltbild für ein brauchbares Gerät zu zeichnen...leider gibt es 
aber relativ wenig Informationen bzw. es gibt anscheinend zu viele Wege 
es richtig (oder falsch) zu machen.Selbst Nobelhersteller wie Racall 
oder RuS scheinen sich nicht wirklich einig zu sein was bestimmte 
Konzepte und Lösungswege angeht.

"Mein" Entwurf für eine Empfänger (nicht vollständig) 0.1-30 Mhz sieht 
so aus:

Antennebuchse
30Mhz Tiefpass
Stufenabschwächer 2,4,8,16 dB
Vorselektion (Bandfilter)
1. Mischer auf irgendwas bei 80Mhz
Roofingfilter
ZF-Verstärker
Mischer
ZF-Quarzfilter usw.

Sicherf nichts neues oder besonderes, trotzdem fände ich eine 
Expertenmeinung dazu interessant (bitte nicht zerreißen.:))

Nun..wo gibt es jetzt Anhaltspunkte für zB. die 1.ZF Frequenz?
Natürlich--am besten so hoch,dass der LO  nicht direkt im KW Bereich 
liegt..aber wie kommt man auf zB: 82,2Mhz oder 74,6?
Es kann doch nicht sein,dass man die 1. ZF Frequenz nach den Verfügbaren 
Roofingfiltern bei Mouser auswählt? Oder doch?

Verwendet man besser einen "analogen" Ringmischer mit hohem LO Pegel 
oder doch lieber einen Chip ala AD831?
Baut man die ZF Quarzfilter am besten selbst..oder ist es sinnvoller zB. 
CMAC Filter wie in den EK9xx zu verwenden?

Tut mir leid wenn das absolut dumme Fragen sind, vlt. ist es für viele 
ja absolut klar.


LG

Autor: Ralph B. (rberres)
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von Eric Tard Red gibt es ein Buch aus dem Franzis Verlag

Arbeitsbuch für den HF Techniker. ISBN 3-7723-8151-0

Der Mensch arbeitet oder hat bei R&S gearbeitet und hat einen kompletten 
Vehrkehrsfunkempfänger für KW veröffentlicht. Mit Synthesizer und allen 
drum und dran. Er hat auch viele Grundlagen und praktische Tips darin 
veröffentlicht.

Leider ist das Buch vergriffen. Vielleicht findet man es in der einen 
oder anderen Bibliothek noch.

Der Weg den du beschrieben hast ist grundsätzlich schon mal richtig, 
doch steckt der Teufel im Detail.

Achte besonders auf die Dimensionierung des Frontends. Hochpegelmischer, 
extrem rauscharme und Oberwellenarme Lokaloszillator. Sauberer Abschluss 
aller drei Ports des Mischers für sämtliche vorkommende Frequenzen, also 
breitbandig.

Mischer entweder passive Diodenringmischer mit LO Pegeln 13dbm und 
größer

oder alternativ gibt es aktive Mischer mit Fets im Ring geschaltet. 
Diese benötigen weniger LO Pegel.

SA612 und wie die Gilbertzellen sonst noch alle heisen, würde ich hier 
nicht einsetzen wollen.

Vorverstärker ist ein kritischer Punkt. Er muss bei hohen Pegel extrem 
intermodulationsarm sein und sollte in der Rauschzahl besser als 2db 
sein.

Verstärkung maximal 20db eher weniger.

Direkt hinter dem Mischer einen Diplexer und Gute intermodulationsarme 
Quarzfilter zumindest für die breiteste geplante Bandbreite.

Wenn der Mischer in die Regelung mit einbezogen werden soll dann 
verzögert ( also erst dann wenn die ZF schon ein gutes Stück runter 
geregelt hat.

Als ALC Stellglied entweder Pindiodenabschwächer Was bei 1MHz schon 
schwierig ist oder noch besser mit Relais geschalteter Stufenabschwächer 
in 1db Stufen. Genauso sollte der zuschaltbare feste Abschwächer mit 
Relais eingeschleift werden. Schaltdioden sind problematisch bei hohen 
Pegel.

Ebenso sollten Oktavbandfilter am Eingang mit Relais eingeschleift 
werden.

Bei den Bandfiltern ist den Induktivitäten besonderer Augenmerk zu 
schenken. Die Kerne können Intermodulationen bei hohen Pegel erzeugen.

Kammerbauweise der einzelnen Stufen die jeweils 50 Ohm Schnittstellen 
beinhalten haben sich sehr bewehrt. Insbesonders bei Fehlersuche 
inbetriebnahme und Abgleich.


Der ZF Verstärker  hinter dem ersten Quarzfilter ist schon unkritischer.

Hilfsmittel für sowas zu messen sind zwei gute Signalgeneratoren einen 
Combiner aufgebaut mit 3 16,66 Ohm Widerstände in Stern einen extrem 
intermodulationsarmen Verstärker und einen Guten Spektrumanalyzer welche 
idealerweise für kleine Spans auch eine FFT Funktion hat.
Sonst wartet man bei Auflösungsbandbreiten von 100Hz für 1KHz 
Trägerabstand ewig bis der Sweep durch ist.

Ralph Berres

: Bearbeitet durch User
Autor: Marc Oni (Gast)
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Arno K. schrieb:
> Was müsste man unternehmen um einen in euren (geschulten) Augen guten KW
> Empfänger zu bauen?

Hier hat das jemand als Selbstbauprojekt versucht und jeden Schritt 
detailliert dokumentiert und mit Messungen unterlegt:

https://www.bartelsos.de/dk7jb.php/projekte/selbstbau-trx-2012/


Abgesehen davon, so aufwändig wie es Ralph beschrieben hat, wird heute 
kein professioneller Hersteller mehr einen Empfänger konzipieren. Nahezu 
alle kommerziellen und militärischen Empfänger sind heute Software 
basiert. Die empfangenen Signale werden möglichst früh digitalisiert. 
Schmalband-Filterung und Demodulation erfolgt durch digitales 
Signalprozessing.

https://www.rohde-schwarz.com/de/produkte/aerospace-defense-security/softwarebasierte-funkgeraete/pg-softwarebasierte-funkgeraete_64225.html

Autor: Ralph B. (rberres)
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Marc Oni schrieb:
> Abgesehen davon, so aufwändig wie es Ralph beschrieben hat, wird heute
> kein professioneller Hersteller mehr einen Empfänger konzipieren. Nahezu
> alle kommerziellen und militärischen Empfänger sind heute Software

Das ist richtig

Moderne RX sind heute SDR Empfänger die möglichst nahe an der Antenne 
mit einen 16Bit oder mehr AD-Wandler direkt das HF Signal samplen.

Aber das ist vom Aufwand auch nicht ohne. Es erfordert extrem jitterarme 
Taktgeneratoren sehr schnelle DSPs, weil eine Datenrate von an die 
100Msamples/Sek wollen auch verarbeitet sein. Icom hat unter den 
Stand-Alone Afunk TRX den Vorreiter gespielt. IC7300 IC7610 aber andere 
Firmen wie Flexradio haben da auch einiges im Programm. Ob sowas zum 
Selbstbau sich eignet? hmm Mag sein das es hier Leute gibt die solche 
Projekte erfolgreich stemmen.

Fakt ist jedenfalls das sie die analogen Konzepte locker übertrumpfen.

Aber der Fragesteller will wohl eher das analoge Konzept ausreizen.

Mit entsprechenden Aufwand kann man auch hier sehr weit kommen.

Ralph Berres

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Autor: W.S. (Gast)
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Arno K. schrieb:
> "Mein" Entwurf für eine Empfänger (nicht vollständig) 0.1-30 Mhz sieht
> so aus:
>
> Antennebuchse
> 30Mhz Tiefpass
> Stufenabschwächer 2,4,8,16 dB
> Vorselektion (Bandfilter)
> 1. Mischer auf irgendwas bei 80Mhz
> Roofingfilter
> ZF-Verstärker
> Mischer
> ZF-Quarzfilter usw.

Na dann wollen wir mal:

1. Der Stufenabschwächer ist Quatsch, viel zu fein. Mache ihn lieber 
10dB, 20dB, 30dB.

2. Wie willst du die Vorselektion machen? Sag jetzt nicht "per Varicap". 
Dieses Detail dürfte haarig werden. Entweder du teilst den 
Empfangsbereich in mehrere Bänder auf und schaltest den jeweils dafür 
passenden Band-Filter in den Empfangstrakt (per Relais) oder du 
probierst, ob du mittels motorgetriebenem Drehko zu Potte kommst. Wie 
gesagt, ne haarige Sache.

3. Laß die allzu hohen Frequenzen als 2. ZF lieber sein und suche dir 
was im Bereich um 32 MHz bis 45 MHz.

Ich selber bin grad dabei, ein vierpoliges 58.1125 MHz Quarzfilter 
(noname, ähnlich denen von Golledge) impedanzmäßig anzupassen. Ist nicht 
wirklich lustig, guck dir das angehängte Bild mal an. Das war das 
Ergebnis mehrstündigen Rechnens und Fummelns und Wobbelns. Ieks bäh.

Also, je höher die 1. ZF ist, desto mehr Probleme mit der 
Filteranpassung und dem Übersprechen kriegst du. Von wegen "irgend etwas 
bei 80 MHz".

Aber das eigentliche Problem ist die Beschaffbarkeit. Filter aus 
Einzelquarzen per DISHAL scheidet aus, wenn man eine wirklich 
hochliegende 1. ZF damit machen will. Also ist das Beschaffen von echten 
Quarzfiltern für diese Frequenzen angesagt - aber woher? OK, vielleicht 
versuchst du ja mal, mit Golledge handelseinig zu werden:
https://www.golledge.com/products/crystal-filters-from-golledge-electronics/c-26/c-85?otherValues[0].Key=frequency&otherValues[0].Value=&FrequencyUnit=MHz&facetselections=prodtype|Crystal%20Filter&CurrentPage=1

Das blöde ist, daß diese Filter hochohmig sind. So im Bereich 2k..4k 
Ohm. Und das bei 50 MHz oder so.

4. Ob du nun von der 1. ZF auf eine 2. ZF mischst und alles analog 
machst, oder ob du dort mit einem I/Q-Mischer auf 0 herunter mischst und 
dann mit einer friedlichen Samplerate digital weitermachst, ist deine 
Sache. Ich bin momentan beim Ausloten, ob und wie man mit so einer 1. ZF 
zu Potte kommt.

W.S.

Autor: W.S. (Gast)
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Nachtrag: ...als 1. ZF..

Autor: NL (Gast)
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Hi,

als weitere Anregung:
http://www.expressreceiver.com/

... verwendet zwei AD831 als aktive Mischer und zwei Si570 als LO.
Das 70 Mhz Inrad-Filter für die 1.ZF kostet natürlich ... (um die 200€)

Grüße
Nils

Autor: Arno K. (Firma: OE2) (radiosonde)
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Vielen Dank!
Die Seite vom "Express" Empfänger kannte ich  noch nicht..scheint sber 
sehr gut zu sein.

LG

Autor: B e r n d W. (smiley46)
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Es gibt diese 70,2 MHz Quarzfilter vom EKD300:
Ebay-Artikel Nr. 252544042731

Die Bandbreite beträgt 16kHz. Manchmal gibt es auch den passenden Quarz 
mit 80,9 MHz dazu, um das Signal von der 1.ZF auf 10,7 MHz umzusetzen:
Ebay-Artikel Nr. 253831474413

Das Roofing-Filter hat in diesem Fall eine Bandbreite von 16 kHz. 
Deshalb werden die Dynamikmessungen mit 20 kHz Abstand angegeben, weil 
dann das zweite Signal nicht mehr durchs 1. ZF-Filter kommt.

Autor: Arno K. (Firma: OE2) (radiosonde)
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Gibt es eigentlich Quarzfilter mit integrierter Anpassung auf 50 Ohm?

Autor: NL (Gast)
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Hi Arno,

ja gibt es, z.B. Quarzfilter von Rohde & Schwarz für 1.44 Mhz Zf. Siehe 
z.B. hier:
Ebay-Artikel Nr. 222934458577

Die gab es mal gesammelt bei H.Singer von ca. 3Khz bis 150Hz Bandbreite 
abwärts zu kaufen.

Vom in diesem Tread bereits erwähneten Eric T. Red gibt es ein ganzes 
Buch zu diesem Thema: HF-Module in 50-Ohm-Technik.

Grüße
Nils

Autor: Fridolin H. (hebu)
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Hallo zusammen

Hier noch zum besser suchen:

Red, Eric Tart: Arbeitsbuch für den HF-Techniker
ISBN 3-7723-8151-0
1986 Franzis-Verlag

Red, Eric Tart: Funkempfänger-Schaltungstechnik praxisorientiert.
ISBN 3-7723-7981-8
1985 Franzis-Verlag

Gruss von Frido HB9...

: Bearbeitet durch User
Autor: W.S. (Gast)
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Arno K. schrieb:
> Gibt es eigentlich Quarzfilter mit integrierter Anpassung auf 50 Ohm?

Nein. Gibt's nicht - es sei denn, jemand hat eine Anpaßschaltung 
drumherum gebaut und das Ganze in eine Blechbüchse gepackt - so wie 
vermutlich die angegebenen Filter von CMAC. Aber für ein 1.44 MHz Filter 
ist das auch keine Kunst.

Da ist nochwas: Allein das "für 50 Ohm" ist zuwenig bzw. zu kurz 
gesprungen. Denn egal wie man's anstellt, braucht so ein Quarzfilter 
nicht nur genau die reellen 50 Ohm am Ein- und Ausgang, die man per 
Anpaßschaltung zurechtgemacht hat, sondern auch die Schaltung, wo es 
hinein soll, will ihrerseits das Filter als reelle 50 Ohm sehen. Sobald 
eines von beiden nur ein paar % abweicht, sieht man das an der 
Filterkurve. Entweder schief oder höckerig oder krumm usw.

W.S.

Autor: Arno K. (Firma: OE2) (radiosonde)
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Ich werde mich bemühen alles strikt in 50 Ohm Technik aufzubauen.

Autor: herbert (Gast)
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W.S. schrieb:
> Da ist nochwas: Allein das "für 50 Ohm" ist zuwenig bzw. zu kurz
> gesprungen. Denn egal wie man's anstellt, braucht so ein Quarzfilter
> nicht nur genau die reellen 50 Ohm am Ein- und Ausgang, die man per
> Anpaßschaltung zurechtgemacht hat, sondern auch die Schaltung, wo es
> hinein soll, will ihrerseits das Filter als reelle 50 Ohm sehen. Sobald
> eines von beiden nur ein paar % abweicht, sieht man das an der
> Filterkurve. Entweder schief oder höckerig oder krumm usw.

Ein kommerzielles Quarzfilter wie etwa das XF-9E wird innerhalb der 
Schaltung eines Verstärker Eingangs und Ausgangsseitig mit 1,2k an die 
Schaltung angepasst. Will man vor dem Filter und nach dem Filter 50 Ohm 
haben , dann ist das kein Problem,das lässt sich machen. 50 Ohm Technik 
heißt ja, dass ich die einzelnen Baugruppen eines Empfängers ein und 
Ausgangsseitig mit einer Schnittstelle von 50 Ohm versehe. Das Filter 
innerhalb eines Zf-Verstärkers mit In/out 50 Ohm muss separat nach 
Datenblatt angepasst werden.

Autor: herbert (Gast)
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Arno K. schrieb:
> Ich werde mich bemühen alles strikt in 50 Ohm Technik aufzubauen.

Sehr gute Idee weil dann kann man mit den einzelnen Baugruppen beliebig 
experimentieren. SMA Amaturen zb. und man hat ein HF-Lego... :)Spielzeug 
für große...

Autor: Ralph B. (rberres)
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herbert schrieb:
> Das Filter
> innerhalb eines Zf-Verstärkers mit In/out 50 Ohm muss separat nach
> Datenblatt angepasst werden.

Das ist alles richtig

Aber sowohl der Mischer will breitbandig 50 Ohm reell sehen. Das 
Quarzfilter will irgendwas mit 1,2Kohm plus eine Kapazität nach Masse 
sehen. Die Kapazität sollte abgleichbar sein.

Man muss also die 1,2Kohm parallel 10-30pF nach 50 Ohm transformieren.

Das ist passiv nicht so ganz einfach.

Ralph Berres

Autor: Arno K. (Firma: OE2) (radiosonde)
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Ralph B. schrieb:
> herbert schrieb:
>> Das Filter
>> innerhalb eines Zf-Verstärkers mit In/out 50 Ohm muss separat nach
>> Datenblatt angepasst werden.
>
> Das ist alles richtig
>
> Aber sowohl der Mischer will breitbandig 50 Ohm reell sehen. Das
> Quarzfilter will irgendwas mit 1,2Kohm plus eine Kapazität nach Masse
> sehen. Die Kapazität sollte abgleichbar sein.
>
> Man muss also die 1,2Kohm parallel 10-30pF nach 50 Ohm transformieren.
>
> Das ist passiv nicht so ganz einfach.
>
> Ralph Berres

Mit einem VNA und er "Linien folgen bis auf 50 Ohm" Technik sollte es 
aber möglich sein...bis auf einen VNA habe ich eh alles daheim.



Ich habe aber bisher auch alle Schaltungen in Teile aufgeteilt und extra 
Platinen geätzt...so werde ich auch hier vorgehen.
Ich habe einfach nicht genug Erfahrung um einen Empfänger einfach sol 
aufs Papier/ Layoutprogramm zu malen.Mit der Stückelmethode bin ich aber 
zuversichtlich
Immerhin das Eingangsfilter ist schon fertig:)--von jetzt an gehts immer 
weiter nach vorne, bis ich beim Lautsprecher angelangt bin.
Wenn ich einmal einige Module habe werde ich diese auf eine Leiterplatte 
zusammenfassen und umfassend testen.

LG und Danke für die vielen Antworten

: Bearbeitet durch User
Autor: herbert (Gast)
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Ralph B. schrieb:
> Aber sowohl der Mischer will breitbandig 50 Ohm reell sehen.

Das erreicht man am einfachsten mit einem Diplexer...der ist wie du 
weist kein "Hexenwerk"... Ich meine, es gibt genug fertige Schaltungen 
in 50 Ohm Technik im Netz, da muss man nicht zwangsläufig bei "Adam und 
Eva" anfangen...außer man ist besonders ehrgeizig...:)

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