Hannes schrieb:
> Zurück zum Quarz gesehen wird oft geraten "möglichst nahe am Bauteil".
> Was ist "nah" in einer physischen Masseinheit. Wie wird "möglichst"
> definiert bzw. was soll alternativ anderst platziert werden.
Viele Datenblätter solcher Bausteine geben explizite Instruktionen und
Ratschläge zum Layout der Quarzschaltung und anderer Teile die eine
gewisse Berücksichtigung erfordern. Z.B. möchte ich nur sachgerechte
Abblockung der Vdd Pins oder Entkopplung von AVCC, was bei der
Plazierung dieser Komponenten zu beachten ist, erwähnen und man tut gut
diese Information zu berücksichtigen. Auch immer nach App Notes der
Hersteller suchen. Viele Hersteller geben App Notes heraus die sich mit
dem korrekten Design solcher Peripherie spezialisieren.
Beim Layout lernt man auch oft nur durch Fehler und da hilft nichts
außer Erfahrungen in der Praxis zu sammeln, sich gute Arbeit anderer
anzusehen und systematisch versuchen die Fehler Ursachen zu verstehen.
Ein Lehrbuch kann auch nur generelle Ratschläge geben.
Jede Firma hat andere Layout Vorgaben. Frühere R&S Baugruppen der 70er
und 80er Jahre hatten hauptsächlich Leiterbahnen mit 90 Grad Ecken.
Heutzutage schreit man Zeter und Mordio darüber. Auch sind Designs der
Jetztzeit meist sehr viel anspruchsvoller. MAnche Gepflogenheiten werden
mit der Zeit veraendert oder aufgegeben.
Dann kommt noch dazu, daß es auch sehr auf die Schaltung ankommt. Wer
PCs entwirft muß wissen wie man phasengleich ultraschnelle Differenziale
Transmission lines mit einigen Gb an Geschwindigkeit zwischen den Chips
verbindet, oder Display Port, Sata u.ae. Sachen wo die Toleranzen
bezüglich Laufzeit zwischen Clock und Datenverbindungen und Impedanzen
sehr kritisch sind. Hier wird die Leiterplatte zur Komponente und
integraler Bestandteil der Schaltung.
Bei embedded gemischten Designs muß man sich immer Gedanken bezüglich
Masseschleifen und Entkopplung zwischen Analog und Digital
Funktionsgruppen machen. Mehrlagige LP sind diesbezueglich vorzuziehen
weil sich nur da idealnahe Masse und Versorgungs Strukturen erzielen
lassen. Das heisst natuerlich nicht, dass es nicht mit ein oder
zweiseitigen LP geht. Die Mehrzahl der Konsumerelektronik beweis, dass
viele Geraete auch so funktionieren koennen. Es es bedarf sehr grosser
Erfahrung dort erfolgreich zu sein.
Man muss mit der Zeit die Faehigkeit bekommen elektrische Verbindungen
nicht nur als Verbindung zwischen A und B zu sehen sondern mit dem
geistigen Auge die HF technischen und Transmission Line Implikationen
und parasitaeren Kapazitaeten und Induktivitaten zu erkennen und dann
die Erfahrung zu haben wo es da moeglicherweise Komplikationen geben
koennte und wo man die Regeln ohne grosses Risiko und Gefahr biegen
kann. Erfahrung bedeutet in diesem Kontext zu wissen wo man sich strikt
an Massregeln halten muss und dort wo man man bis zum Aeusserstenn die
Massregeln stressen darf.
EMV Verträglichkeit ist ein anderes großes Thema. Da braucht man viel
Erfahrung die man nicht Übernacht bekommt. Bücher helfen hier. Erfahrung
und viel theoretisches Praxisverständnis ist unabkömmlich und natürlich
dürfen die erforderlichen (teuren) Meßmittel nicht fehlen und das Wissen
sie richtig anzuwenden.
Ich kann Dir nur raten, lerne mit der Praxis, lesen von Fachbüchern
hilft Dir nur zum Teil. Erfahrungen müssen gut oder schlecht gemacht
werden. Und wenn Du das große Glück hast mit erfahrenen Kollegen
zusammenarbeiten zu können, die auch ihr Wissen weiterzugeben willig
sind, kann man auch dort sehr viel Relevantes dazu lernen und sich
glücklich schätzen. Und dann brauchst Du auch noch einen Chef, der
versteht, daß beim Hobeln, Späne abfallen und ab und zu ein Design in
die Hosen geht. Manchmal ist es besser sein Hausaufgabe zu machen und
den ersten Prototypen ohne Analyseparalyse zu erstellen, Testen und
Vermessen und dann die nächste Bord entsprechend zu verbessern. Das geht
meistens schneller als 500% mehr Zeit am Anfang reinzustecken und dann
doch noch einige Sachen verbessern zu müssen.
Um dieses Lehrgeld kommt kein Designer herum, ganz gleich wie
hochtrabend und perfekt sie sich geben:-) *)
*) Das ist jetzt wirklich nicht Böse gemeint