Hallo, Of hört man im Bereich Platinen von Design-Regeln wie z.b. das ein Quarz nach bestimmten Regeln plaziert und angebunden sein sollte, oder man Spannungsregler weit von analogteilen setzen sollte. Gibt es irgenwo eine Literatur welche so eine Art "Quick-Start-Guide" fürs Layouten ist? Also wo die wichtigsten Komponenten aufgeführt sind und mit was sie sich vertragen und was nicht. Auch wären wirklich aussagekräftige Angaben wichtig. Und was am wichtigsten ist. Zurück zum Quarz gesehen wird oft geraten "möglichst nahe am Bauteil". Was ist "nah" in einer physischen Masseinheit. Wie wird "möglichst" definiert bzw. was soll alternativ anderst platziert werden. Wenn man z.B. eine fixe Grösse der Platine hat und nicht alle Bauteile "optimal" platzieren kann, wo soll man zu erst abstriche machen. Schaut man sich z.b. moderne Smartphones an, wird da alles vom Spannungsregler über den Prozessor bis zum Funkmodul auf engstem Raum zusammengepfercht und funktioniert immernoch super. Wer kann mir hier etwas empfehlen?
Was ich dir empfehlen kann, sind Grundlagen die es dir ermöglichen, vieles selber abzuschätzen und die Sinnhaftigkeit so mancher "Regel" zu hinterfragen. Da wären: EMV - Störungssicherer Aufbau elektronischer Schaltungen von Joachim Franz First The Right Time von Lee Ritchey (gibts als Download) Digital Signal Propagation - A Handbook of Black Magic von Howard Johnson Letzteres hab ich noch nicht gelesen, soll aber gut sein.
Hannes schrieb: > Zurück zum Quarz gesehen wird oft geraten "möglichst nahe am Bauteil". > Was ist "nah" in einer physischen Masseinheit. Wie wird "möglichst" > definiert bzw. was soll alternativ anderst platziert werden. Viele Datenblätter solcher Bausteine geben explizite Instruktionen und Ratschläge zum Layout der Quarzschaltung und anderer Teile die eine gewisse Berücksichtigung erfordern. Z.B. möchte ich nur sachgerechte Abblockung der Vdd Pins oder Entkopplung von AVCC, was bei der Plazierung dieser Komponenten zu beachten ist, erwähnen und man tut gut diese Information zu berücksichtigen. Auch immer nach App Notes der Hersteller suchen. Viele Hersteller geben App Notes heraus die sich mit dem korrekten Design solcher Peripherie spezialisieren. Beim Layout lernt man auch oft nur durch Fehler und da hilft nichts außer Erfahrungen in der Praxis zu sammeln, sich gute Arbeit anderer anzusehen und systematisch versuchen die Fehler Ursachen zu verstehen. Ein Lehrbuch kann auch nur generelle Ratschläge geben. Jede Firma hat andere Layout Vorgaben. Frühere R&S Baugruppen der 70er und 80er Jahre hatten hauptsächlich Leiterbahnen mit 90 Grad Ecken. Heutzutage schreit man Zeter und Mordio darüber. Auch sind Designs der Jetztzeit meist sehr viel anspruchsvoller. MAnche Gepflogenheiten werden mit der Zeit veraendert oder aufgegeben. Dann kommt noch dazu, daß es auch sehr auf die Schaltung ankommt. Wer PCs entwirft muß wissen wie man phasengleich ultraschnelle Differenziale Transmission lines mit einigen Gb an Geschwindigkeit zwischen den Chips verbindet, oder Display Port, Sata u.ae. Sachen wo die Toleranzen bezüglich Laufzeit zwischen Clock und Datenverbindungen und Impedanzen sehr kritisch sind. Hier wird die Leiterplatte zur Komponente und integraler Bestandteil der Schaltung. Bei embedded gemischten Designs muß man sich immer Gedanken bezüglich Masseschleifen und Entkopplung zwischen Analog und Digital Funktionsgruppen machen. Mehrlagige LP sind diesbezueglich vorzuziehen weil sich nur da idealnahe Masse und Versorgungs Strukturen erzielen lassen. Das heisst natuerlich nicht, dass es nicht mit ein oder zweiseitigen LP geht. Die Mehrzahl der Konsumerelektronik beweis, dass viele Geraete auch so funktionieren koennen. Es es bedarf sehr grosser Erfahrung dort erfolgreich zu sein. Man muss mit der Zeit die Faehigkeit bekommen elektrische Verbindungen nicht nur als Verbindung zwischen A und B zu sehen sondern mit dem geistigen Auge die HF technischen und Transmission Line Implikationen und parasitaeren Kapazitaeten und Induktivitaten zu erkennen und dann die Erfahrung zu haben wo es da moeglicherweise Komplikationen geben koennte und wo man die Regeln ohne grosses Risiko und Gefahr biegen kann. Erfahrung bedeutet in diesem Kontext zu wissen wo man sich strikt an Massregeln halten muss und dort wo man man bis zum Aeusserstenn die Massregeln stressen darf. EMV Verträglichkeit ist ein anderes großes Thema. Da braucht man viel Erfahrung die man nicht Übernacht bekommt. Bücher helfen hier. Erfahrung und viel theoretisches Praxisverständnis ist unabkömmlich und natürlich dürfen die erforderlichen (teuren) Meßmittel nicht fehlen und das Wissen sie richtig anzuwenden. Ich kann Dir nur raten, lerne mit der Praxis, lesen von Fachbüchern hilft Dir nur zum Teil. Erfahrungen müssen gut oder schlecht gemacht werden. Und wenn Du das große Glück hast mit erfahrenen Kollegen zusammenarbeiten zu können, die auch ihr Wissen weiterzugeben willig sind, kann man auch dort sehr viel Relevantes dazu lernen und sich glücklich schätzen. Und dann brauchst Du auch noch einen Chef, der versteht, daß beim Hobeln, Späne abfallen und ab und zu ein Design in die Hosen geht. Manchmal ist es besser sein Hausaufgabe zu machen und den ersten Prototypen ohne Analyseparalyse zu erstellen, Testen und Vermessen und dann die nächste Bord entsprechend zu verbessern. Das geht meistens schneller als 500% mehr Zeit am Anfang reinzustecken und dann doch noch einige Sachen verbessern zu müssen. Um dieses Lehrgeld kommt kein Designer herum, ganz gleich wie hochtrabend und perfekt sie sich geben:-) *) *) Das ist jetzt wirklich nicht Böse gemeint
Wühlhase schrieb: > Digital Signal Propagation - A Handbook of Black Magic von Howard > Johnson > > Letzteres hab ich noch nicht gelesen, soll aber gut sein. Das heisst "High Speed Digital Design - A Handbook of Black Magic" von Howard Johnson und Martin Graham. Das ist gut, aber nur wenn man sich mit wirklich schnellen Signalen befassen muss. Also wenigstens einige zig MHz. Georg
georg schrieb: > Das heisst "High Speed Digital Design - A Handbook of Black Magic" von > Howard Johnson und Martin Graham. > > Das ist gut, aber nur wenn man sich mit wirklich schnellen Signalen > befassen muss. Also wenigstens einige zig MHz. Naja, heutzutage ist es eher unwahrscheinlich, dass man sich nicht mit High-Speed beschäftigen muss. 0815-CMOS-Ausgänge schalten mittlerweile so schnell, dass man schon in den High-Speed-Bereich kommt, wenn die Leitungen mal ein paar cm länger sind. Irgendeine SPI oder so, wo das sehr schnell wichtig wird, hat man leicht mal auf dem Board.
Hannes schrieb: > Zurück zum Quarz gesehen wird oft geraten "möglichst nahe am Bauteil". > Was ist "nah" in einer physischen Masseinheit. Wie wird "möglichst" > definiert bzw. was soll alternativ anderst platziert werden. Etwas dazu gibt es hier http://www.lothar-miller.de/s9y/categories/33-Quarz
Hannes schrieb: > Wer kann mir hier etwas empfehlen? https://docs.toradex.com/102492-layout-design-guide.pdf mfg klaus
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