Guten Morgen,
ich bin Anfänger in Sachen Elektronik und habe da eine Frage. Kann man
das Lesen von Datenblättern eigentlich lernen? Ich habe da so meine
Schwierigkeiten mit vielen Begriffen.
Gibt es dafür Kurse oder so?
MfG
8Ball schrieb:> Ich habe da so meine> Schwierigkeiten mit vielen Begriffen.
Wie mit jeder Fachliteratur: Einfach alles nachschlagen. Irgendwann
kennt man sie alle.
Wenn man es nicht lernen könnte, wer würde Datenblätter schreiben ?
Die meisten Begriffe sind einem mit den Elektrotechnik-Grundlagen
vertrauten bekannt. S-Parameter lernt man im E-Technik Studium der
Hf-Technik.
Interessanter ist, was NICHT in den Datenblättern steht, das erfährt man
nur im Vergleich mit vielen unterschiedlichen Datenblättern. Was an
Daten fehlt, ist nämlich normalerweise schlecht, schliesslich sind
Datenblätter auch bloss Werbebroschüren. Und manchmal muss man im
Datenblatt beim Konkurrenten guken, um zu erfahren, welche Eigenschaften
ein Bauteil vemutlich hat, weil die Marketingfuzzies jede nützliche
Aussage entfernt haben.
Üben :P
Datenblätter können einem am Anfang sehr schnell erschlagen. Du musst
halt genau wissen, welche Daten für dich nun relevant sind (oder eher
welche vernachlässigbar sind).
Das kann ich dir aber keiner hier oder in einem Kurs beibringen, weil es
bei jeder Anwendung unterschiedlich ist.
Also ist der erste Schritt sich Gedanken zu machen, was man genau bauen
möchte. Daraus kannst du ermitteln, was du brauchst. Dann kann dir
geholfen werden, wo man das entsprechende im Datenblatt findet (wenn du
es dann nicht eh schon kannst)
8Ball schrieb:> ich bin Anfänger in Sachen Elektronik und habe da eine Frage. Kann man> das Lesen von Datenblättern eigentlich lernen?
Ja, z.B. idem man eine einschlägige Ausbildung in einem
Elektronikberuf macht. Grundkenntnisse in der englischen
Sprache sind auch sinnvoll. :-)
Hääh ?
Mawin und ZurProbe haben es in etwa schon erklärt, oder eben auch nicht
weil man Datenblätter allgemein einfach nicht erklären kann.
Man kann eventuell ein bestimmtes Datenblatt erklären, bzw. sagen was
man wissen muss um das Datenblatt zu verstehen.
Aber selbst dann wird es immer angaben geben die so speziell sind das
man sie nicht benötigt oder wirklich versteht.
"Lustig" wird es wenn noch wenn besondere Formelzeichen oder Abkürzungen
genutzt werden - warum das manche Hersteller bzw. der Datenblattautoren
machen... ?
Wahrscheinlich sind E-Techniker (im weitesten Sinne) tatsächlich zu eine
hohen Anteil speziell und Nerdig - auch außerhalb von Foren und den
Hobbybereich...
Jemand
8Ball schrieb:> Wie lernt man Datenblätter zu lesen?
In dem man es tut.
Nennt sich auch "üben".
Auch wenn man sie nicht vollständig versteht, ist doch auch die Arbeit
mit unvollständiger Information des übens wert.
Erstmal lernen, die wichtigsten Dinge herauszuholen.
Am Beispiel eines Transistors/FET:
- Anschlußbelegung, P/N-Typ
- Maximalwerte für Strom und Spannung (C/E bzw. D/S)
- Maximalwerte des Gehäuses bei Leistungstransistoren
(da kann der Die oft deutlich mehr als die Anschlussbeinchen)
Daß die Dinger nicht überhitzen dürfen ist klar, also beim Design die zu
erwartende Verlustleistung berechnen, dazu Rds(on) (in Verbindung mit
Vgs) bei FETs beachten (Schaltbetrieb), Sättigungsspannung bei bipolaren
Typen, maximale Verlustleistung Ptot bei Linearbetrieb. Der BWLer
beachtet auch die maximale Temperatur damit ein möglichst winziger
Kühlkörper "reicht" um knapp über die Garantiezeit zu kommen, der
Heimwerker baut so kalt wie's die Platzverhältnisse zulassen.
Wenn Du mit hoher Frequenz schalten willst, werden noch andere Dinge
wichtig wie die Gate-Charge bei FETs, Sperrzeit bei bipolaren Typen (ich
habe z.B. auch auf die harte Tour gelernt, daß eine 1N4007-Diode
verdammt langsam ist), ggf. Miller-Charge.
Bei Frequenzbereichen wie MW/KW-Sendern kommen noch so Dinge wie die
Induktivität der Anschlüsse, die kann man bei 50kHz-Schaltreglern fast
immer ignorieren...
Was wirklich wichtig ist kommt immer drauf an was Du brauchst, wo die
Dinger eingesetzt werden sollen.
Hier im Forum werden immer wieder Verständnisfragen zu DB geklärt und es
wird darauf hingewiesen, welche Absätze für konkrete Probleme relevant
sind.
Es kann schon sehr lehrreich sein, diese Diskussionen über Jahre hinweg
einfach mit zu verfolgen.
Stefanus F. schrieb:> Hier im Forum werden immer wieder Verständnisfragen zu DB geklärt und es> wird darauf hingewiesen, welche Absätze für konkrete Probleme relevant> sind.
Natürlich musste man als Elektroniker immer wieder
Datenblattbegriffe von neuen Bauelementen lernen,
allerdings wäre das nicht mäglich gewesen, wenn man
vorher nicht die entsprechenden Grundlagen gelernt
hätte.
8Ball schrieb:> Gibt es dafür Kurse oder so?
Die meisten Datenblätter sind unvollständig und fehlerhaft.
Seite 1 von den Datenblätter ist normalerweise zu ignorieren..
Die Design-Fehler des Bauteiles werden meist in einem extra .pdf
versteckt das sie 'Errata' nennen.
Das mit den Datenblättern ist so eine Sache...
Grundsätzlich sollte man sich zuerst in der Materie auskennen bevor das
Datenblatt von Nutzen ist.
Einfaches Beispiel: Wenn du nicht ahnst, dass ein Opamp einen Offset
haben kann, wir dir der entsprechende Eintrag im Datenblatt nichts
sagen. Umgekehrt wird man recht schnell fündig, wenn man die typischen
Kenngrössen eines Bauteils kennt, und gezielt nach dem enstprechenden
Parameter suchen kann.
Zu Lernzwecken kann man natürlich gerne auch jeden Begriff mal
nachschlagen und erkennt langsam, welche Effekte existieren und in der
Praxis auch noch eine Rolle spielen etc...
Es läuft aber in jedem Fall darauf hinaus, dass Datenblätter "lesen
lernen" automatisch mit Vertiefen der Elektrotechnik-Kenntnisse
verknüpft ist.
Es gibt aber ein paar kleine Dinge, die man "lernen" kann, um die
Datenblätter schneller zu lesen: Hersteller-spezifisch, aber auch
herstellerübergreifnend haben die Datenblätter oft eine ähnliche
Struktur.
Übersicht am Anfang, Wichtigste Kenndaten und Plots, danach Pinout und
Pinbeschrieb, wenn du Glück hast ein Kapitel mit Detailbeschrieb und
Theorie einzelner Funktionen und Hilfe beim Dimensionieren,
Registermaps, schliesslich mechanische Abmessungen, Ordering-infos,
Suffix-erklärungen.
8Ball schrieb:> Kann man das Lesen von Datenblättern eigentlich lernen?
Sieht wohl so aus. Keiner kommt damit von Geburt an zurecht.
Du solltest vielleicht nicht mit einem 1500-Seiten Wälzer eines ARM
Cortex M3 Mikrocontrollers oder eines noch größeren Chips anfangen.
Es gibt - Gerüchten zufolge - Dinge, die sich Buch nennen, so ist es für
das Verständnis analoger Bauteile wie auch einfacher Digitaltechnik (vom
Gatter bis zum 8-bit µC) sicher nicht verkehrt, z.B. den Tietze-Schenk
mal diagonal gelesen und das Geschriebene halbwegs verstanden zu haben,
um das dort Geschriebene mit den Angaben im Datenblatt korrelieren zu
können.
* Der sollte bei jedem Elektronik-Interessierten in Regal stehen, dabei
reichen auch die alten Auflagen, die man ev. günstig bekommt.
Bei den Datenblaettern - wie bei allem - klein anfangen. Z.B. mit
Logik-ICs. Dass man nach der Anschlussbelegung schauen muss, ist
intuitiv. Dass Spannungsgrenzen eingehalten werden muessen, wird
spaetestens dann klar, wenn es das erste Mal raucht, genauso Stroeme,
Verlustleistungen usw.
Transistordatenblaetter sind durch das Analogverhalten schon etwas
komplizierter.
Bei Mikrocontrollern und hoch integrierten Schaltungen sind die
Datenblaetter dann auch nicht mehr komplizierter, aber allein durch den
Umfang schon schwieriger zu lesen.
zu den anderen Sachen.
Was ich so mit der Zeit festgestellt habe. Fußnoten lesen ist immens
wichtig. Dort sind gerne mal Informationen versteckt, die über geht und
geht nicht entscheiden.
Arno H. schrieb:> Da sind alle Begriffe noch auf Deutsch erklärt und die Datenblätter> haben auch mehrere Seiten.
Hilfreich fand ich dort auch immer die gezeigten Diagramme.
Schreiberling schrieb:> Die meisten Datenblätter sind unvollständig und fehlerhaft.GHz-Nerd schrieb:> Das mit den Datenblättern ist so eine Sache...
Ich habe ein paar DVM-Modulchen aus China bekommen, die von 3..30 Volt
funktionieren sollen und es auch tun. Da ist ein Längsregler drauf, ich
schaue mal nach dem Datenblatt:
LDO Regulator mit min. 7V Eingang für 3,3V Out?
Output Voltage min. 0.975V / max. 1.025V für alle drei Spannungen?
Ich glaube, ich fühle mich verscheißert! Mal gut, dass die verbauten
Reglerchen ihr Datenblatt nicht lesen können und funktionieren.
Hi
>LDO Regulator mit min. 7V Eingang für 3,3V Out?>Output Voltage min. 0.975V / max. 1.025V für alle drei Spannungen?
Blöd ausgedrückt: 0,975+Unenn .... 1,025*Unenn (Unenn= 3, 3,3, 5V).
MfG Spess