Mysteriöses Leuchten in Quarzoszillator

OP #5987440
Lesenswert?

Ich habe vor einiger Zeit ein sehr interssantes Bauteil ersteigert:
https://www.ebay.de/itm/1x-Quartz-Resonator-1000-kHz-Crystal-oscillator-gold-Sonoluminescence-effect/113874435589

Ein alter Soviet-Quarz mit 1 MHz in Glasgehäuse. Das verrückte an dem 
Ding ist, dass es bei Kontakt mit Wechselspannung im Bereich von 100o V 
aufwärts anfängt zu leuchten. Das Leuchten ist blassblau, erinnert also 
an ionisiertes Argon. Das ganze Gas im Inneren leuchtet, ohne dass man 
eine Konzentration an den Zuleitungen beobachten könnte. Es sieht 
unglaublich gespenstisch und schön aus.
Der Verkäufer meint, es sei Sonoluminszenz. Das halte ich für eher 
unwahrscheinlich, da a) keine Flüssigkeit im Inneren ist und b) man 
keine Banden durch die Wellenlänge des Schalls sieht. Auch scheint das 
ganze mit einem 40 kHz CCFL Inverter zu gehen, bei dem der 1 MHz 
Kristall ja kaum resoniert.

Was meint Ihr geht hier vor sich?
Gast #5987448
Lesenswert?

Sogenanntes Leuchtquarz..Die Gasfüllung leuchtet auf, wenn der Quarz 
schwingt da bei Parallelresonanz die Spannung an den Anschlüssen über 
die Zündspannung hoch geht. Vorteil: Man sieht das der Oszillator 
arbeitet. Nachteil: beschissene Güte für einen Quarz. war früher 
üblich..heute ist das eher Blödsinn.

Gruß,

Holm
Gast #5987456
Lesenswert?

Holm T. schrieb:
> Sogenanntes Leuchtquarz..Die Gasfüllung leuchtet auf, wenn der Quarz
> schwingt da bei Parallelresonanz die Spannung an den Anschlüssen über
> die Zündspannung hoch geht. Vorteil: Man sieht das der Oszillator
> arbeitet. Nachteil: beschissene Güte für einen Quarz. war früher
> üblich..heute ist das eher Blödsinn.
>
> Gruß,
>
> Holm

Das stimmt. Diese Quarze waren in militärischen Geräten oft verwendet, 
da es da unter Anderem auf eine schnelle Fehlersuche ankam. Da machte 
sich ein im Betrieb leuchtender Quarz wunderbar, weil für ihn im Gehäuse 
extra Sichtfenster existierten.
OP #5987461
Lesenswert?

Ich habe keine kleinere Spannung getestet und verwende ihn völlig 
verstimmt. Ich denke, dass man bei 1 MHz vielleicht eine viel niedrigere 
Spanung braucht. Vielen Dank für den Tipp mit dem Leuchtquarz! Das 
dürfte es sein. Super genial, wusste nicht, dass es sowas überhaupt je 
gab. Hab ihn nur für den Leuchteffekt gekauft. Hier gibt es einen Link 
zu einem Dokument mit Erklärungen:
https://www.radiomuseum.org/forumdata/upload/Leuchtquarz%2EPDF
#5987602
Lesenswert?

Jemin K. schrieb:

> Ich habe vor einiger Zeit ein sehr interssantes Bauteil ersteigert:
> 
https://www.ebay.de/itm/1x-Quartz-Resonator-1000-kHz-Crystal-oscillator-gold-Sonoluminescence-effect/113874435589
>
> Ein alter Soviet-Quarz mit 1 MHz in Glasgehäuse. Das verrückte an dem
> Ding ist, dass es bei Kontakt mit Wechselspannung im Bereich von 100o V
> aufwärts anfängt zu leuchten.

Das ist wohl ein Leuchtquarz. Siehe auch hier:
https://www.radiomuseum.org/forum/leuchtquarz.html
Gast #5988004
Lesenswert?

Die Idee mit dem Leuchtquarz war nicht daß der in einem Oszilator 
schwingt, sondern daß der aufleuchtet wenn nebenan ein Sender auf seiner 
Resonanzfrequenz schwingt.

Damit haben die Braunen damals die Militärfunkgeräte mit LC-Oszilatoren 
im Feld neu abgeglichen, Zeiger auf Skalenmarke, Trimemr gedreht bis der 
Quarz leuchtet und die Frequenzen waren wieder kalibiriert.
Gast #5988013
Lesenswert?

jemand anderes schrieb:
> Die Idee mit dem Leuchtquarz war nicht daß der in einem Oszilator
> schwingt, sondern daß der aufleuchtet wenn nebenan ein Sender auf seiner
> Resonanzfrequenz schwingt.
>
> Damit haben die Braunen damals die Militärfunkgeräte mit LC-Oszilatoren
> im Feld neu abgeglichen, Zeiger auf Skalenmarke, Trimemr gedreht bis der
> Quarz leuchtet und die Frequenzen waren wieder kalibiriert.

Völliger Blödsinn.

Siehe hier:
Beitrag "Re: Was ist das?"
Gast #5988075
Lesenswert?

Soo, jetzt habe ich auch meine Originalquelle wieder: 
http://www.cdvandt.org/luminous_quartz.htm

> They were not excited and their signals used as a signal source, but they were 
excited by means of an external signal which has to have a relatively high power 
level, thus mostly originating from transmitters.

Auf der Seite sind auch verstreut Anleitungen von WW2-Sendern die danach 
abgestimmt wurden
#5988076
Lesenswert?

Das vom TO gezeigte Leuchten hat mit Sicherheit nix mit einem 
Leuchtquarz in dem Sinne zu tun, denn der Leuchtquarz soll ja nur 
leuchten, wenn er in Resonanz ist. Der TO hat ihn aber einfach nur an 
40kHz gelegt, und es leuchtet nicht einfach der direkte Bereich des 
Quarzplättchens, sondern der ganze Innenraum. Hat also wohl nix mit 
Sonoluminszenz zu tun, sondern der Quarz fungiert hier wie eine simple 
Glimmlampe.
Beitrag #5988091 wurde von einem Moderator gelöscht.
Beitrag #5988111 wurde von einem Moderator gelöscht.
Gast #5988119
Lesenswert?

MaWin schrieb im Beitrag #5988111:
> Werner H. schrieb:
>> Americium ist garantiert NICHT in den alten Quarzen.
>> Das war erst ab 1960 in Kleinmengen verfügbar.
>
> Das ist falsch! Das Metall wurde bereits 1951 dargestellt. Die Oxide gab
> es schon viel früher

1944


Für den WW2 etwas zu spät.
#5988123
Lesenswert?

Jemin K. schrieb:
> Was ich etwas ulkig finde ist, dass das ganze so hellblau leuchtet.
> Passt nicht so wirklich zu Argon, Neon oder Helium und auch nicht zu
> Luft. Hat jemand eine Idee, was die Soviets da in die Dinger reingefüllt
> haben könnten?

Hätte er Luft gezogen, würde er durch den Stickstoff orange leuchten. 
Sauersoff leuchtet blaßblau, wird durch den Stickstoffanteil in der Luft 
aber überstrahlt.
Ich habe in der Halbleiterei gearbeitet und ehe ich zur Lecksuche einen 
Heliumlecksucher angeschlossen habe, habe ich an einer mir suspekten 
Kammer erstmal ein Sauerstoffplasma gezündet. Bei einem Leck sah man 
wunderbar eine Orangefärbung ;-)
#5988165
Lesenswert?

jemand anderes schrieb:
> Die Idee mit dem Leuchtquarz war nicht daß der in einem Oszilator
> schwingt, sondern daß der aufleuchtet wenn nebenan ein Sender auf seiner
> Resonanzfrequenz schwingt.
>
> Damit haben die Braunen damals die Militärfunkgeräte mit LC-Oszilatoren
> im Feld neu abgeglichen, Zeiger auf Skalenmarke, Trimemr gedreht bis der
> Quarz leuchtet und die Frequenzen waren wieder kalibiriert.

Eine Möglichkeit.

Ich erinnere mich aber auch an ein ein Gerät zur Messung der 
Dielektrizitätskonstante von Flüssigkeiten, bei dem das (Ne-orange) 
Leuchten des Quarzes das Erreichen der Resonanzfrequenz anzeigte.
Ablesen des Kapazitätswertes dann an der Skala des Drehkos.

P.S.:
Ich sehe gerade, dass der Herr Schulte bei Radiomuseum.org sogar den 
richtigen Namen und die Bedienungsanleitung dieses Dekameters noch 
kennt!
Gast #5988504
Lesenswert?

Jens G. schrieb:
> Das vom TO gezeigte Leuchten hat mit Sicherheit nix mit einem
> Leuchtquarz in dem Sinne zu tun, denn der Leuchtquarz soll ja nur
> leuchten, wenn er in Resonanz ist. Der TO hat ihn aber einfach nur an
> 40kHz gelegt, und es leuchtet nicht einfach der direkte Bereich des
> Quarzplättchens, sondern der ganze Innenraum. Hat also wohl nix mit
> Sonoluminszenz zu tun, sondern der Quarz fungiert hier wie eine simple
> Glimmlampe.

Jaein. Es ist sicherlich falsch Spannungen um 100V an einen Quarz 
anzulegen um ihn zum Leuchten zu bringen.. und das macht auch das 
Schwingquarz da drin kaputt.
In einem Röhren-Quarzoszillator sind aber im Resonanzfall 
Wechselspannugnen dieser Größenordnung über einem Quarz nicht unbedingt 
unmöglich, aber selbst
dann leuchtet das Ding nicht wie im Bild zu sehen, aber 
Leuchterscheinungen werden nachweisbar sein.

Gruß,

Holm
Gast #5992471
Lesenswert?

Max D. schrieb:
> Je nach Situation gibt es ein schwaches gelbes "Nachglühen" (wenn man
> eine Glühbirne mit Stickstofffüllung als Plasmakugel missbraucht ist das
> relativ gut zu sehen)

Dabei dürfte sich sich um "Air Afterglow" handeln.
Das kann man manchmal auch bei  Sternschnuppen beobachten, - oder wenn 
man entsprechende Experimente zur Reaktionskinetik macht.

https://royalsocietypublishing.org/doi/abs/10.1098/rspa.1958.0173
https://ntrs.nasa.gov/archive/nasa/casi.ntrs.nasa.gov/19730005656.pdf

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren