Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Wie entwickelt HP, Rhode und Schwarz, Keysight, etc. die Geräte?


von Tom R. (tt_r)


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Hallo,

zur Zeit entwickelt ich hobbymäßig hin und wieder ein paar elektronische 
Geräte. Dabei stößt man natürlich häufig auf Probleme, die gelöst werden 
müssen, damit es am Ende funktioniert. Dabei fällt mir oft auf, dass man 
doch sehr "nah" an der Grenze des machbaren zu sein scheint.

Wie schaffen es dann die Hersteller wie HP, Rhode und Schwarz, Keysight, 
etc. die Messgeräte zu entwickeln? Die Messtechnik muss ja immer besser 
sein als das zu messende Objekt. Und ich fühle mich schon nah an der 
Grenze des machbaren beim zu messenden Objekt.

Ist der Trick, dass sie ASICs verwenden? Wie war das früher, wieso waren 
da die Messgeräte so gut?

von S. R. (svenska)


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Man kann immer bessere Messtechnik entwickeln. Die Technik, mit der man 
ein Highend-Oszilloskop vermessen und kalibrieren kann, muss ja nicht 
mehr transportabel sein.

Irgendwie muss die PTB ja auch ihre Eichgeräte eichen, oder? :-)

von Tom R. (tt_r)


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S. R. schrieb:
> Man kann immer bessere Messtechnik entwickeln. Die Technik, mit der man
> ein Highend-Oszilloskop vermessen und kalibrieren kann, muss ja nicht
> mehr transportabel sein.

Ok, und wie wird so ein Highend-Oszi vermessen? Wie sieht diese Technik 
aus? Genau das interessiert mich....


> Irgendwie muss die PTB ja auch ihre Eichgeräte eichen, oder? :-)

Auch das interessiert mich, wie das so funktioniert.

Leider findet man über diese Themen nicht so viele tiefgehende 
Informationen im Netz.

von ich (Gast)


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von Wolfgang (Gast)


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S. R. schrieb:
> Irgendwie muss die PTB ja auch ihre Eichgeräte eichen, oder? :-)

Die PTB beaufsichtigt nur die für die Eichung zuständigen 
Landeseichämtern und staatlich anerkannten Prüfstellen. Das Eichen ist 
eine hoheitliche Aufgabe. Der PTB reicht es, wenn sie vernünftig messen 
kann, i.e. die eigenen Messfehler ausreichend gut kennt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Eichung

von Peter M. (r2d3)


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Hallo Svenska,

S. R. schrieb:
> Irgendwie muss die PTB ja auch ihre Eichgeräte eichen, oder? :-)

das Verb "eichen" scheint immer nur im Zusammenhang mit Messgeräten 
verwendet zu werden, bei denen aufgrund der Messung bezahlt wird.

Dazu zählt z.B. die Waage auf dem Wochenmarkt aber auch die Messung der 
Leistung an der Stromtankstelle, nicht aber ein Oszilloskop.

Ansonsten ist immer nur von "kalibrieren" die Rede, im Einzelfall auch 
von "justieren".

Intern wird bei den Bewohnern der Bundesallee 100 wohl eher nur 
"kalibriert".

Tom R. schrieb:
> Ist der Trick, dass sie ASICs verwenden? Wie war das früher, wieso waren
> da die Messgeräte so gut?

Bei bestimmten Geräten scheint sich messtechnisch kein Fortschritt trotz 
Vorhandensein besserer Bauteile einzustellen.
Bei hochwertigen Keysight-Multimetern wurde alles weitestmöglich in 
Software gemacht und ein ursprünglich stärker analoglastige Gerät massiv 
verbilligt - trotz des Einsatz von z.B. schicker teurer 
Farbbildschirmtechnik.
Es hat den Anschein, als ob man auch die VW'sche Plattformstrategie auf 
Multimeter portiert hat. Leider hat sich nun herausgestellt, dass der 
Sechszylinder auf der Golf-Plattform Probleme bereitet und auch die 
Kunden das bemerkt haben.

von Wolfgang (Gast)


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Peter M. schrieb:
> trotz des Einsatz von z.B. schicker teurer Farbbildschirmtechnik.

Hast du dir mal die Preisentwicklung bei Farbbildschirmen in den letzten 
Jahrzehnten angeguckt. Selbst Flachbildschirme, die in den 70er Jahren 
des vorigen Jahrhunderts noch Utopie waren, bekommst du heutzutage für 
kleines Geld.

von Jemand (Gast)


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Hallo

schön drum herum  geredet und "Nebenkriegsschauplätze" eröffnet;-)

Aber die Anschlussfrage welche der TO um 20:18 nochmal explizit und 
unmissverständlich gestellt hat wurde nicht beantwortet.
Schade denn genau das ist der Bereich der mich auch mal interessieren 
würde und zu den ich (und wohl die meisten hier)leider eben auch nichts 
sagen kann (können).
Zu den "Nebenkriegsschauplätzen" hingegen kann jeder etwas Interessierte 
irgendwas sagen, ich könnte auch, ist zwar nett, macht Spaß und hält den 
Thread aktiv, aber die wirklich interessanten Informationen (die halt 
auch nicht jeder hat) kommen leider nicht herüber.

Jemand

von Tilo R. (joey5337) Benutzerseite


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Die treiben einfach den notwendigen Aufwand! Wenn es noch 
Verbesserungspotential gibt, dann wird das auch gemacht.

Ein Bekannter wollte mal ein Messgerät bauen und hat sich deswegen 
länger vor Ort mit jemandem in der PTB unterhalten, wie die das so 
machen.

Wenn man dort eine Spannungrefenz braucht, dann kann man die eben mit 
dem Josephson-Effekt realisieren. Dass man dann ggf. einen Raum mit 
Nebenaggregaten braucht, die ihrerseits auch wieder aufwändig und teuer 
sind, wird in Kauf genommen.

Temperaturkompensation muss man ja nicht linear machen, man kann auch 
höhere Terme berücksichtigen. Und trotzdem die Temperatur sehr konstant 
halten.

Nur mal so als Beispiel:
Das neue Referenz-Kilo war ja schon etliche male in den Medien. Im 
Prinzip ist das eine Silizium-Kugel, die halt ein Kilo wiegt.
Das Teil weicht aber nur wenige Atome von der idealen Form ab! Da muss 
man lange polieren und noch genauer messen. Und selbstverständlich hat 
das Rohmaterial keine Lunker oder irgendwelche einlegierten Fremdstoffe. 
Genaugenommen ist es sogar isotopenreines Silizium. (So gut es irgendwie 
technisch möglich ist.)

Wenn man solchen Aufwand treibt (und es richtig macht), dann wird das 
Ergebnis auch genauer als zu hause.

von Wolfgang (Gast)


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Jemand schrieb:
> die Anschlussfrage welche der TO um 20:18 nochmal explizit und
> unmissverständlich gestellt hat

Du weißt schon, dass es in diesem Forum die Möglichkeit gibt, andere 
Beiträge zu zitieren. Die Nutzung dieser Möglichkeit hat den ganz 
entschiedenen Vorteil, dass ein Link angelegt wird und man sich damit 
direkt dort hin bewegen kann, statt wild rumzuscrollen, um einen Beitrag 
zu finden.
z.B.:
Tom R. schrieb:

von S. R. (svenska)


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Tom R. schrieb:
> Ok, und wie wird so ein Highend-Oszi vermessen?
> Wie sieht diese Technik aus? Genau das interessiert mich....

Das hängt davon ab, was man nun besonders genau messen möchte. Außerdem 
müssen solche Messungen nichtmal zuverlässig zerstörungsfrei sein.

Im Endeffekt sind genauere Messungen immer möglich, wenn man Aufwand und 
Kosten beliebig nach oben treiben kann. Die Obergrenze sind dann da, wo 
die Einheiten selbst definiert werden.

Beispiel 1: Man kühlt die messenden Bauteile auf geringe Temperaturen 
(bis nahe 0K) herunter, damit reduziert sich die braunsche 
Molekularbewegung und damit das Rauschen.

Beispiel 2: Man misst in einer besseren Umgebung, z.B. in einer 
abgeschirmten Spezialkammer statt einem normalen Laborarbeitsplatz.

Beispiel 3: Man nimmt andere Verfahren, z.B. kann man Ströme über den 
Spannungsabfall an einem Shunt messen oder über das Magnetfeld um den 
Leiter herum. Oder man misst die eingehenden und ausgehenden Ströme in 
das Mess-System und zieht den Verbrauch des Systems ab.

Irgendwann kommt man dann auf ziemlich exotische Verfahren, die im 
normalen Leben echt unpraktisch wären. Und wenn man dann ein paar 
solcher extrem genauen Geräte hat, dann kann man damit andere Geräte 
kalibrieren und - mit ein bisschen Statistik - diese auch untereinander 
abgleichen.

Tom R. schrieb:
>> Irgendwie muss die PTB ja auch ihre Eichgeräte eichen, oder? :-)
> Auch das interessiert mich, wie das so funktioniert.
>
> Leider findet man über diese Themen nicht so viele tiefgehende
> Informationen im Netz.

Findet man schon, z.B. gibt es einen interessanten Podcast zu den 
Grundlagen für Anfänger hier:
https://resonator-podcast.de/2016/res095-die-ptb-und-die-neuen-einheiten/

von Kai S. (kai1986)


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Hallo Tom,

meine Erfahrung beim Entwickeln ist gerade entgegengesetzt, nämlich das 
technisch heute vieles fix und fertig von der Stange kaufen kann, was 
früher aufwendig ausgeführt werden musste. Vielleicht kannst du hier mal 
Beispiele nennen, wo du den Eindruck hast, das du dich an den Grenzen 
des machbaren bewegst.

Zur Messgeräteentwicklung kann ich soweit ich Einblick habe sagen, das 
eine der großen Aufgaben der heutigen Zeit die ist, die Technik 
preiswerter zu machen, damit sie besser eingesetzt werden kann. So haben 
viele Messgeräte heutzutage eine Ethernetschnittstelle standardmäßig zu 
einem Gerätepreis, was früher alleine die Schnittstellenoption gekostet 
hat. Das die Geräte dabei messtechnisch schlechter geworden sind kann 
ich nicht sagen.

Kannst du etwas genauer definieren, was du mit "Geräte entwickeln" genau 
meinst?
(Gerätekonzeptentwicklung oder Schaltungsaufbauentwicklung oder 
Kalibrierung oder ...)

Für welche Geräte?

Grundsätzlich läuft das immer so ab, das es einen Standard gibt, der die 
Größe genau definiert und das zu vermessende Gerät damit verglichen 
wird. Der Praktikabilität wegen erfolgt dies für den Großteil aller 
Geräte über "Zwischengeräte" und deren jeweiligen Kalibrierung. Da die 
meisten Messgeräte eine Vielzahl von Messbereichen und teils auch 
Messarten haben benötigt man dann mehrere geeignete Highend Messgeräte 
um ein Mittelklassegerät zu kalibrieren. Ein ganz wichtiger Teil dabei 
ist aber auch das Wissen um die korrekte Messung sowie Fehler- und 
Störquellen.

Wenn du ein konkretes Gerät benennst, was dich interessiert kann man es 
daran mal durchsprechen.

Gruß Kai

von Frank D. (Firma: Spezialeinheit) (feuerstein7)


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Die PTB braucht kein Oszi um ein Oszi zu kalibrieren. Dafür braucht es 
zwei Eingangsgrößen:
Die Zeit für die Zeitbasis und die Spannung für die "Spannungsanzeige". 
Dafür gibt es Referenznormale.
Es gibt aber tatsächlich noch Messgrößen die nicht kalibriert sondern 
theoretisch bestimmt werden. Dies ist z.B. bei Kolbenmanometern oder 
auch Druckwaagen der Fall. Dort wird das Normal der PTB gewissermaßen 
rechnerisch bestimmt und gilt dann Primärnormal zur kalibrierung.(mit 
diesen wird dann das Kundengerät kalibriert)

An dieser Stelle möchte ich auch das Thema Messunsicherheit ansprechen, 
die PTB sagt nicht, dass ist ein bar und dein Gerät hat die und die 
Abweichung.
Sondern es gibt ein "Vertrauensbereich um einen Schätzwert" in diesem 
Bereich wird wohl das bar mit einer angegebenen Wahrscheinlichkeit und 
Verteilung sein. Dieser Bereich wird bei der Kalibrierung des 
Kundengerätes weitergegeben.
Momentan wird aber an der Bestimmung des Pascals gearbeitet. Also auch 
wenn die Mühlen der PTB manchmal langsam laufen, sie laufen....

von Helmut S. (helmuts)


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Schau mal hier auf Seite 5.
https://www.keysight.com/de/de/assets/7018-03450/data-sheets/5991-0311.pdf

Man baut sich mit den schnellsten Halbleiterprozessen ICs mit immer 
höheren Bandbreiten(schnelleren Flanken). Am besten noch gleich 
"inhouse". Natürlich wird auch die Ankopplung vom IC zur Signalbuchse 
eine Herausforderung. Insgesamt ist das bestimmt eine teure 
Angelegenheit die nur wenige Firmen finanziell und technisch stemmen 
können. Da ist es kein Wunder, dass die Messgeräte die auch diese 
Technologie beinhalten entsprechend teuer werden.

von Stefan F. (Gast)


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Tom R. schrieb:
> Wie schaffen es dann die Hersteller wie HP, Rhode und Schwarz, Keysight,
> etc. die Messgeräte zu entwickeln?

Sie gucken sich ein paar Youtube Videos an, wo erklärt wird, dass die 
Welt total einfach ist und machen das dann nach.

Spaß bei Seite: Dahinter steckt eine Menge Know-How, das sie ganz sicher 
nicht so offen legen, dass jeder Hobby-Elektroniker ihnen den den Job 
wegnehmen kann. Falls du an so etwas Interesse hast, würde mal mit einer 
Berufsausbildung in diesem Bereich anfangen.

von C. A. Rotwang (Gast)


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Jemand schrieb:

> schön drum herum  geredet und "Nebenkriegsschauplätze" eröffnet;-)
>
> Aber die Anschlussfrage welche der TO um 20:18 nochmal explizit und
> unmissverständlich gestellt hat wurde nicht beantwortet.

Weil:
"Ok, und wie wird so ein Highend-Oszi vermessen? Wie sieht diese Technik
aus?"

trivial zu beantworten ist:

Das scope wird an einen kalibrierten Generator angeschlossen und über 
die Serviceschnittstelle werden die digitalisierten Daten automatisch 
abgegriffen und bewertet. Ebenso werden Diagnoseprogramme 
(Build-In-Self-Test) gestartet.

Unter dem Stichwort "De-embedding" bieten R&S Scopes auch die 
Möglichkeit Messfehler "vor Ort" auszumessen und zu kompensieren.

https://www.rohde-schwarz.com/de/applikationen/echtzeit-deembedding-mit-dem-r-s-rtp-application-card_56279-579971.html

Tipp: bei der Embedded World Messe Ende Februar mal direkt von einem R&S 
Mitarbeiter vorführen lassen.

PS:
Der 'ASIC' ist bei R+S ein FPGA nach Hihg-End AD-Wandlern, der mittels 
altbewährtem Signalprocessing die Gerätespezifischen Messfehler 
rausrechnet. Also nicht wirklich ein ASIC im landläufigen Sinne von 
"handgeschmiedeten IC". Hier im Forum sollte man in das Wittig-Welec 
projekt schauen, um einen Blick hinter die Kulissen des heutigen 
Scope-Entwurfes zu werfen:
Beitrag "Wittig(welec) DSO W20xxA Open Source Firmware (Teil5)"

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