Hi,
wie würdet ihr gefälschte Goldmünzen erkennen? Gute Fälschungen bestehen
aus einem Wolframkern mit einem Überzug aus echtem Gold. Da Wolfram die
gleiche Dichte wie Gold hat, entfallen also Wägemethoden und Kontrolle
der Abmessungen.
Was z.B. bleibt, wäre die Bestimmung des spezifischen Widerstandes. Aber
wie macht man das zweckmäßig? Misst man nur den Widerstand, so hängt
dieser ja von der Kontaktfläche Prüfspitze zu Münze ab.
Oder man bestimmt irgendwie den magnetischen Widerstand. Solche
Testgeräte kann man sogar kaufen. Allerdings muss man da schon einen
5-stelligen Betrag für hinlegen.
https://www.kruegerrand.de/faelschungen/
mya schrieb:> Misst man nur den Widerstand, so hängt> dieser ja von der Kontaktfläche Prüfspitze zu Münze ab.
Dann guck dir mal an, wie die Widerstandsmessung mit der 4-Leiter
Kontaktierung funktioniert. Dann geht der Kontaktwiderstand nicht in die
Messung ein.
Sven B. schrieb:> In einem CT-Scan würdest du es auch sehen, wenn du sowas irgendwie> machen oder machen lassen kannst ;)
Was soll man im CT sehen können?
Es gibt standardisierte Unzen-Größen für die im Handel erhältlichen
Barren und Münzen. Diese haben ein ganz spezifisches Gewicht. Das kann
man aufs Hunderstel Gramm genau nachmessen und checken. Im Zweifelsfall
muss man 10 Stk gleichzeitig messen.
Hi.
Münzen mit Wolfram-Kern lassen sich mit einem starken Magneten erkennen.
Wolfram ist ein wenig magnetisierbar, Gold nicht.
Gibt's Videos im Netz, finde ich ad hoc aber nicht.
Jemand schrieb:> Auf Styroporboot in eine Wasserschale legen und einen starken Magneten> ranhalten, Wolfram wird angezogen, Gold abgestoßen.
Ach so!
Wie ist das physikalisch zu erklären?
Mani W. schrieb:> Wie ist das physikalisch zu erklären?
Gold hat eine Magnetische Suszeptibilität von -36e-6 und ist somit
Diamagnetisch. Wolfram hingegen hat eine Magnetische Suszeptibilität von
68e-6 und ist damit Paramagnetisch.
Du könntest mit einem straken magnetischen Puls die Münze magnetisieren
und anschließend die Remanenz messen. Allerdings wirst du da schon ganz
ordentliche Feldstärke brauchen. Ich würde aus dem Bauch heraus mal
sagen 2T+.
Ping-Test!
Es gibt Apps dafür, die dir das Frequenzspektrum des Klangs darstellen
und die Resonanzfrequenzen (meist 3 Stück) vergleichen. Die sind um
wenige (1-2)% gleich, da Münzen je Typ ja jeweils eine identische
Geometrie und Legierung haben.
Wenn die Maße stimmen und das Gewicht und die Frequenzen, kannst du dir
sicher sein.
> Wolfram hingegen hat eine Magnetische Suszeptibilität von> 68e-6 und ist damit Paramagnetisch.
Das muesste man doch in Gegenwart eines Oszillators ausnutzen koennen
dessen Frequenz dadurch verstimmt wird?
Olaf
Sepp schrieb:> Es gibt Apps dafür
Nur so zur Erinnerung, dass während des 2.WK Gold in den USA abgegeben
werden mußte gegen Papier-Dollars. Deine App könnte bald sehr
"hilfreich" werden, es wieder einzusammeln? 8-) Da prüfe ich doch lieber
mit Magnet.
Olaf schrieb:>> Wolfram hingegen hat eine Magnetische Suszeptibilität von>> 68e-6 und ist damit Paramagnetisch.>> Das muesste man doch in Gegenwart eines Oszillators ausnutzen koennen> dessen Frequenz dadurch verstimmt wird?
Wurde m.E. früher in den Münzfernsprechern der DBP so gemacht.
Sowas geht ganz einfach per Ultraschall, denn Wolfram hat eine deutlich
andere Schallgeschwindigkeit als Gold. Bei bekannter Dicke (lässt sich
mechanisch ja gut bestimmen) ist das schnell ermittelt. Auch bei Wolfram
Kern mit bissl Gold drum herum sieht man im Ultraschall Bild sofort die
Interface Echos von den Grenzflächen Gold/Wolfram. Wird seit Jahrzehnten
so gemacht. Umso erstaunlicher dass selbst Banken immer wieder mal
reingelegt werden.
Selbst die Bundesbank schmilzt Goldbarren um, wenn die vom Ausland
zurückgeholt werden. Wenn es eine einfache Methode gäbe, den realen Wert
und die Echtheit zu bestimmen, würden die das bestimmt tun.
Jemand schrieb:> Auf Styroporboot in eine Wasserschale legen und einen starken Magneten> ranhalten, Wolfram wird angezogen, Gold abgestoßen.
Oder die Münze an einem dünnen Faden aufhängen, wie hier beschrieben
(zusammen mit ein paar weiteren Tipps):
Beitrag "Re: Alibaba: Goldmünzen mit Wolframkern"
Wenn der Goldanteil in der Münze mehr als etwa 70% beträgt, klappt die
Prüfung mit solchen einfachen Verfahren nicht mehr. Allerdings lohnt
sich dann bei kleinen Münzen auch die Fälschung nicht mehr. Um das
Risiko zu mindern, kauft man also statt einer großen Münze besser
mehrere kleine.
Volker S. schrieb:> Wurde m.E. früher in den Münzfernsprechern der DBP so gemacht.
Das war wohl nicht sehr erfolgreich. In den Orten in D, wo Fähren
aus GB ankamen, hat man billige Schillingmünzen statt 1DM-Münzen
in den Münzfernsprechern gefunden.
Volker S. schrieb:>> Das muesste man doch in Gegenwart eines Oszillators ausnutzen koennen>> dessen Frequenz dadurch verstimmt wird?>> Wurde m.E. früher in den Münzfernsprechern der DBP so gemacht.
Die Telefongebühren waren ja hoch damals, aber daß man sogar Goldmünzen
einwerfen konnte... :)
Also die meisten Fälschungen bzw. die eher schlechten, die aber eine
hohe Reichweite mit vielen Geschädigten haben, bestehen aus vergoldetem
Kupfer. Solche "Goldbarren" sind deutlich dicker als echte Goldbarren,
aber dem Laien fällt das oft nicht auf, vor allem wenn man noch nie
echte Goldbarren in der Hand hatte.
Erkennen kann man probieren über die Dichtebestimmung, Strichprobe oder
Anfeilen und Kontrolle der Stelle. Bestimmt geht auch was mit starker
Röntgen- oder Gammastrahlung, da dürfte jedes Element ein eigenes
Spektrum emittieren, was man messen kann.
Ben B. schrieb:> Bestimmt geht auch was mit starker> Röntgen- oder Gammastrahlung, da dürfte jedes Element ein eigenes> Spektrum emittieren, was man messen kann.
Röntgen (in "Reflexion", also die typische Röntgenfluoreszenzmessung)
ist da nicht soo prickelnd, da Gold als Element hoher Ordnungszahl für
solches "Licht" schon ziemlich schwarz [0] ist und entsprechend in
erster Linie ein paar Atomschichten an der Oberfläche analysiert
werden.[1]
Probe nehmen und analysieren geht natürklich perfekt - die meisten haben
aber was dagegen, wenn man ihre Goldmünzen durchbohrt.
Mehr Energie geht natürlich - im Sinne von "pro Photon" - also
Gammaspektroskopie mit höherer Eindringtiefe.
Aber das magnetische Verhalten zu untersuchen ist tatsächlich die
einfachste und die Leitfähigkeit für Strom und Wärme die schnellste
Lösung.[2]
Beim Röntgen (mit mehr Energie im Sinne von recht hoher Dosis und
laaaaanger Messzeit) ist wichtig, dass das komplette zu untersuchende
Objekt (irgendwann mal) durchstrahlt wird, denn dann ist es möglich,
eventuelle Wolframkerne zuverlässig zu finden.
Röntgentomographie (gerne mit Strahlung von einem Linearbeschleuniger
bis Synchrotron - kein Hosentaschenequipment) wird da tatsächlich
manchmal angewandt (historische Münzen, Kunstwerke etc.). [3,4]
Und dazu ein bisschen spannenden Kram zum Weiterlesen
[0] Gold als "Röntgenkontrastmittel":
https://microscopy-analysis.com/editorials/editorial-listings/gold-coating-breakthrough-x-ray-tomography
[1] Beispiel für so ein handheld-Gerät (willkürlich gewählt, weil ich
Bruker kenne):
https://www.bruker.com/products/x-ray-diffraction-and-elemental-analysis/handheld-xrf/gold-spectrometer.html
[2] Leitfähigkeitsanalysator (und Röntgen mit wenig Eindringtiefe):
https://www.fischer-technology.com/fileadmin/documents/broc/EN/BROC_SIGMASCOPE_GOLD_912-026_en.pdf
[3] Aufwand zum Durchleuchten von "nur" Stahl:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6266800/
[4] Bond-Drähte etc. in einem Chip:
https://www.nature.com/articles/nature21698
Ein Arbeitskollege vertreibt im Nebengewerbe Geräte für das Prüfen von
Goldmünzen. Zu seinem Kundenkreis zählen viele Goldhändler... Bei
Interesse frage ich Ihn nach seiner Homepage bzw. seinem
Vertriebskollegen.