Mein eigenes Kernkraftwerk

Gast #6371539
Lesenswert?

Hallo!

Man kann in der Tat sein eigenes, kleines, äußerst leistungsschwaches 
Kernkraftwerk/Atomkraftwerk basteln. Man benötigt dazu lediglich einige 
Tritiumlichter und Solarzellen.
Die Tritiumlichter 
(https://www.aliexpress.com/item/32787555219.html?spm=a2g0s.9042311.0.0.5af24c4dlMJeBh) 
umhüllt man mit 2 kleinen Solarzellen 
(https://www.amazon.de/gp/product/B0009FHRQG/). Das durch die 
Betastrahlen erzeugte Fluoreszenzlicht der Tritiumlichter ergibt an den 
Solarzellen eine Spannung bzw. einen zu entnehmenden Strom.

Im Moment habe ich 3 Stück der 3x22.5mm Lichter. Der Kurzschlussstrom 
beträgt 0.24µA.
Die Quellspannung direkt gemessen mit einem Multimeter rund 1.0V. Da 
habe ich aber bereits Messungen mit einem höheren Lastwiderstand 
(300MOhm bis 1 GOhm) in Serie zum Multimeter unternommen bzw. werde 
aufgrund eigenartiger Ergebnisse (ermittelte Quellspannung bei 
geringerem Messstrom kleiner anstatt größer) noch machen.

Mit 1V Quellspannung und 0.24µA Kurzschlussstrom erhalte ich eine 
maximale Leistung von 0.06µW. Damit kann ich leider meinen 
Taschenrechner nicht betreiben. Dieser benötigt rund 10µW (6µA bei 
1.5V).

Vielleicht hat ja jemand von euch noch eine Idee für ein Gerät mit 
extrem geringer Leistung, welches ich an meine Solarzellen hängen 
kann...
Angehängte Dateien:
Gast #6371664
Lesenswert?

Ich habe noch ein LCD thermometer bestellt, das rennt auch nur mit einer 
Knopfzelle und ist sehr sparsam. Aber damit es mit der jetzigen 
Anordnung läuft, dürfte es eben nur nA ziehen...
Denn ehrlich gesagt möchte ich nicht noch weitere 30 Tritiumlichter 
kaufen. Es gibt auch kommerzielle tritiumbatterien 
(https://citylabs.net/products/) mit bis zu 100 uW, welche aber ein 
kleines Vermögen kosten...

Schön wäre es eben, wenn ich ein Thermometer oder einen taschenrechner 
damit betreiben könnte und nicht etwa eine LED alle 10 Sekunden kurz 
aufblitzen lassen kann. Denn die Umwandlung von Licht in Licht finde ich 
jetzt nicht so spannend. Ein Gerät damit betreiben zu können wäre das 
Ziel...
#6371803
Lesenswert?

Christoph E. schrieb:
> Mit 1V Quellspannung und 0.24µA Kurzschlussstrom erhalte ich eine
> maximale Leistung von 0.06µW. Damit kann ich leider meinen
> Taschenrechner nicht betreiben. Dieser benötigt rund 10µW (6µA bei
> 1.5V).

Kernkraft ist Mist, das Zeug muss man doch entsorgen. Für den 
Anwendungszweck wurden doch die Zitronenbatterien erfunden, die man 
völlig bedenkenlos alle paar Tage auf den Müll werfen kann, weil sie 
verschimmelt sind.
#6371832
Lesenswert?

Oliver S. schrieb:
> Aber Obacht, wenn es hochgeht kann man immerhin einige Jahre einfahren:

Du hast den falschen Absatz markiert. Absatz I erfordert Vorsatz 
hinsichtlich Explosion und Schaden. Dafür braucht aber überhaupt keine 
Explosion stattzufinden und auch keine Gefährdung einzutreten.

Absatz II erfordert imnerhin  noch Vorsatz hinsichtlich der Explosion, 
nicht jedoch hinsichtlich der Gefahr.

Einschlägig wäre hier wohl hoffentlich zumeist Absatz IV; das reicht 
imnerhin bis max 3 Jahre, kann aber auch mit Geldstrafe sein Bewenden 
haben.

Einfacher Diebstahl bringt nach § 242 StGB bis zu fünf Jahre ein. 
Kernkraft ust eben doch nicht so teuer, wie immer behauptet wird ...
Gast #6371918
Lesenswert?

Über konstruktive Antworten würde ich mich ehrlich gesagt mehr freuen, 
denn unnötigen Senf gibt es hier im Forum leider schon in Hülle und 
Fülle...

Habe gerade noch einmal eine Messung mit einem 320MOhm Widerstand in 
Reihe mit dem Multimeter gemacht.

Bei 10V am Netzgerät gab das Multimeter 0.346V aus, was einem Faktor von 
28.9 entspricht.

Schließe ich mein "Kernkraftwerk" an, so erhalte ich 0.04V, was einer 
Quellspannung von 1.156V entspricht. Somit liefert es sogar eine 
maximale Leistung von fast 0.07 µW...

David Hahn alias the atomic scout boy hat auch ähnliches in seinem 
Gartenhäuschen probiert 
(https://de.wikipedia.org/wiki/David_Charles_Hahn).
Angehängte Dateien:
#6371937
Lesenswert?

Gerald B. schrieb:
> Siehe "Weihnachten bei Hoppenstedts".

Das ist aber nicht so gefährlich wie das von Chtistoph:
"es enthält gas leuchtet. so dass sie zerstören einzelteil, wenn sie 
brechen oder drop es oder schneiden sie es. seine die gas, das schießen 
strahlung und interne schicht von phosphor, die wandelt gas atome in 
licht. so können Sie nicht geschnitten oder brechen. sonst werden sie 
verlieren."
(Firma: Funkenflug Industries) #6372015
Lesenswert?

Man müsste direkt mal nachlesen, wieviel radioaktives Gesamtinventar man 
haben darf. Ich denke aber, daß das bei Tritium noch geht, die 4% 
Thorium in manchen WIG-Elektroden dürften weit mehr Aktivität haben. 
Dazu ist Tritium ein Betastrahler, ein Teil der Strahlung könnte es 
durchaus aus dem Glas heraus schaffen. Und zerbrechen sollte man die 
Dinger wirklich nicht, wenn man das Gas einatmet, ist das echt 
gefährlich für die Schleimhäute. Der radioaktive Staub, der beim 
Nachschleifen thoriumhaltiger WIG-Elektroden entsteht, dürfte ebenfalls 
ziemlich ungesund sein.

Die Idee ist übrigens auch nicht neu, ich habe irgendwo mal gelesen, daß 
Armbanduhren gibt, die auf diese Weise betrieben werden.
#6372279
Lesenswert?

youtube nurd rage: Make a Tritium Nuclear Battery or Radioisotope 
Photovoltaic Generator
https://www.youtube.com/watch?v=KKdzhPiOqqg

DIY Nuclear Generator - Radioisotope Photovoltaic Tritium Power
lasersaber
Next step is powering a small EZ-Spin motor with tritium. Thanks to Nurd 
Rage for the inspiration to try building this. See his video ...
https://www.youtube.com/watch?v=Os2T0vZGs_E

Gab es nicht auch Radionuklidbatterien für Herzschrittmacher?
Gast #6372409
Lesenswert?

Vorn N. schrieb:

> Gab es nicht auch Radionuklidbatterien für Herzschrittmacher?

Ja, Stichwort ist Betavoltaik. Prinzipiell ne (Solar)zelle für 
Betastrahlung. Das Prinzip krankt aber an schlechten Wirkungsgraden.

Wobei mich ja doch der Wirkungsgrad der Konstruktion vom TE 
interessieren würde; gibt es irgendeine Information zu der Menge an 
Tritium?
#6372640
Lesenswert?

Karl K. schrieb:
> Percy N. schrieb:
>> In den 60er Jahren gerieten Armbanduhren in Verruf wegen der
>> gefährlichen Leuchtzifferblätter ...

Da wurde Radium auf die Zeiger und Indizes gepinselt. Heute gibt es 
Uhren mit H3-"Leuchtstoffröhren" a miniature auf Zeiger und Indizes.
Der Vortei: Sie leuchten immer. Nachteil: Die Halbwertszeit von Tritium 
ca.12 Jahre, d.h. innerhalb dieser Zeit halbiert sich die Helligkeit.
Das ist immer noch hell genug Nachts die Zeit abzulesen.
Gurgel mal nach Tritium oder H3-Ühren.
Gast #6376613
Lesenswert?

Gehen wir einmal von 1 mCi Aktivität aus. Dann sind das 10^-3 * 3.7 * 
10^10 = 3.7 * 10^7 Zerfälle pro Sekunde. Selbst wenn man diesen gesamten 
Elektronenstrom bündeln könnte, würde dies nur einer Stromstärke von 3.7 
* 10^7 * 1.6 * 10^-19 = 5.92 pA entsprechen. Dies ist deutlich weniger 
als der durch die Solarzelle erzeugte (Kurzschluss)Strom von 240 nA.

Habe nochmals die benötigte Stromstärke für meinen Taschenrechner 
bestimmt. Sind rund 2 µA. Ich bräuchte also schon noch einige 
Tritiumlichter mehr als meine 3 Stück...
Angehängte Dateien:
Gast #6376654
Lesenswert?

@stoppi:
Stimmt, der Strom von so nem Direct-Charger ist lächerlich gering, aber 
man könnte damit Spannungen erreichen, die theoretisch dem eV-Äquivalent 
der Betateilchen entsprechen. Ich meine, es gab mal Nachtsichtgeräte 
oder Röntgengeräte, die auf diesem Prinzip arbeiteten. Muss mal daheim 
mein Technik-Lexikon bemühen.
(Firma: Spezialeinheit) #6377398
Lesenswert?

Bei Digikey geht es mit Solarenergiereglern unter dem Begriff Energy 
Harvesting mit 325nA im Suchfilter los, aber ob so ein Energieregler 
geeignet ist um den Effekt zu demonstrieren, naja. Vielleicht lässt sich 
beim Taschenrechner noch was optimieren, zur Solarzelle haben die 
parallel eine LED, als Ersatz für eine Z-Diode. Möglicherweise läuft der 
auch mit weniger Strom??
(Firma: FULL PALATINSK) Persönliche Seite #6377735
Lesenswert?

Karl K. schrieb:
> Sebastian S. schrieb:
>> Kann es sein, dass hier Aufwand und Nutzen Lichtjahre voneinander
>> entfernt sind?
>
> Auf jeden Fall. Eine gute Li-Primärzelle liefert jahrelang zuverlässig
> mehr Strom für weniger Geld, Aufwand und Platzbedarf.

kannst genauso gut einen PC-Lüfter in den Wind hängen.
Dessen Ansteuer-Elektronik raus und direkt an den Spulen den Strom 
abgreifen.
Also im Bereich "Kleinstrom" geht vieles.
Gast #6378015
Lesenswert?

>Eine gute Li-Primärzelle liefert jahrelang zuverlässig
>mehr Strom für weniger Geld, Aufwand und Platzbedarf.

Ihr habt scheinbar überhaupt nicht verstanden, worum es mir bei diesen 
Versuch gegangen ist. Ich wollte in erster Linie Radioaktivität in 
Energie umwandeln, so wie dies eben in den Kernkraftwerken (wenn auch 
auf andere Art) prinzipiell auch erfolgt. Die erzielbare Leistung war 
völlig sekundär. Schön wäre es wie schon gesagt gewesen, wenn ich den 
Taschenrechner damit zum Laufen gebracht hätte. So blieb es zunächst 
einfach bei der Bestimmung der maximalen Leistung.

Vielleicht kaufe ich mir auch noch 10 weitere Tritiumlichter, um dies 
dennoch umzusetzen. Aber die Hauptintention habe ich bereits erfüllt.

Es ist lustig immer wieder zu beobachten, dass jene am lautesten 
nörgeln, welche selbst am wenigsten zustande bringen bzw. vorzuweisen 
haben. Denn jene die selbst auch etwas experimentell umzusetzen 
versuchen wissen genau, dass vieles nicht so einfach ist, wie es 
zunächst erscheint...
(Firma: FULL PALATINSK) Persönliche Seite #6378182
Lesenswert?

Also ich fand den Ansatz super.

schon mal geschaut,
ob man mit farblich passenden LEDs nicht auf etwas mehr Strom kommen 
kann?
mit Licht bestrahlte LEDs geben bekanntlich auch Elektronen ab.

Si-Solarzellen haben wimre irgendwo im gelblichen Licht ihr Optimum.
Wenn man die nun mit Grün bescheint, nun ja,
das ist dann halt bei dem Wenigen, das ohnehin schon nur ankommt,
nicht gerade optimal.
(Firma: Funkenflug Industries) #6378712
Lesenswert?

Die Dinger funktionieren aber nicht wegen der Strahlung sondern wegen 
der Temperaturdifferenz an den Peltierelementen sag ich mal dazu. Das 
radioaktive Material ist da nur drin, weil das durch die Zerfallswärme 
sehr lange die nötige Temperatur bereitstellt. Würde das ohne 
radioaktives Zeug gehen, würde man da auch keines reinbauen.
#6378869
Lesenswert?

Christoph E. schrieb:
> Ihr habt scheinbar überhaupt nicht verstanden, worum es mir bei diesen
> Versuch gegangen ist. Ich wollte in erster Linie Radioaktivität in
> Energie umwandeln, so wie dies eben in den Kernkraftwerken (wenn auch
> auf andere Art) prinzipiell auch erfolgt.

Naja, du zumindest hast schonmal nicht das Prinzip verstanden.

AKW kochen mit Wärme Wasser. Die halt zufällig bei Zerfallsprozessen 
frei wird. Das ist ein ziemlich anderes Prinzip.

Christoph E. schrieb:
> Denn jene die selbst auch etwas experimentell umzusetzen
> versuchen wissen genau, dass vieles nicht so einfach ist, wie es
> zunächst erscheint...

Die auch mal was experimentell umsetzen wissen zumindest, wann es 
aufhört sinnvoll zu sein.

Natürlich ist das ein netter Versuch, ungefähr so wie mit 
Reibungselektrizität Funken zu machen oder mit Zucker Triboluminiszenz 
zu zeigen.

Praktisch keine Bedeutung.

● Des I. schrieb:
> ob man mit farblich passenden LEDs nicht auf etwas mehr Strom kommen
> kann?

Da LED nun nicht gerade Wirkungsgradmonster bei umgekehrten Betrieb 
sind: Eher nicht.

● Des I. schrieb:
> Si-Solarzellen haben wimre irgendwo im gelblichen Licht ihr Optimum.
> Wenn man die nun mit Grün bescheint, nun ja,
> das ist dann halt bei dem Wenigen, das ohnehin schon nur ankommt,
> nicht gerade optimal.

Ähm: Doch. Si-Zellen haben über den interessierenden Spektralbereich 
eine Quantenausbeute nahe 1. Oberhalb 1100nm bricht es ein, weil Si dann 
durchlässig wird. Unter 300-350nm bricht es ein, weil Deckglas und 
Eindringtiefe die Ausbeute beschränken, mit speziellen Deckgläsern 
(UV-Quarz, Saphir) und Dünnschliff kommt man auf 190nm runter.

Das "Dach" im VIS-Bereich entsteht schlichtweg dadurch, dass Licht mit 
kürzerer Wellenlänge höhere Energie enthält. Ein Photon mit 400nm hat 
doppelt soviel Energie wie eines mit 800nm. Demzufolge braucht es für 
die gleiche Leistung nur die Hälfte Photonen. Die demzufolge auch nur 
die Hälfte Elektronen erzeugen. Gibt man die Ausbeute nicht in A/W an, 
sondern in e/q sieht man dass die Quantenausbeute über den nutzbaren 
Bereich nahe 1 liegt.

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren