Gast
#6397736
Hallo! Nachdem ich bereits erfolgreich Gammaspektroskopie betreiben kann (sowohl mit kommerziellen als auch selbst gebauten Multichannel-Analyzer) habe ich mich an eines der letzten noch ausständigen Projekte zum Thema Radioaktivität gewagt und zwar ein Betaspektroskop. Mit Spektroskop ist hier nicht wie beim optischen Vertreter die Bestimmung der Lichtintensität in Abhängigkeit von der Wellenlänge gemeint, sondern die Anzahl an Teilchen (z.B. bei Betastrahlen eben Elektronen oder Positronen) in Abhängigkeit von deren Energie. Hier gibt es übrigens einen sehr guten Artikel zum Thema Alphaspektroskopie: Beitrag "Alpha-Spektrometer für Soundkarte/Mikrophoneingang (DIY Particle Detector)" Das Alphaspektrum besteht eigentlich nur aus einer einzelnen "Linie", da sämtliche von einem Atom emittierten Heliumkerne diesselbe Energie besitzen. Zum Beispiel besitzen die Alphateilchen von Americium-241 eine Energie von 5,49 MeV. Da sie alle die selbe Energie besitzen und zum Abstoppen an Luft viele Stöße notwendig sind (Stichwort Gesetz der großen Zahl), kommen Alphastrahlen abhängig vom Isotop immer gleich weit. In Luft nur wenige Zentimeter. Dadurch ergibt sich bei Aufnahmen eines Alphastrahlers in einer Nebelkammer das Bild eines Rasierpinsels (siehe Abbildung). Bei Betastrahlen ist dies anders. Betrachten wir zum Beispiel den Beta-plus-Zerfall: Dabei wandelt sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron um. Die Energie des Elektrons ist aber nicht immer gleich und reicht von 0 bis zu einem bestimmten Maximalwert abhängig vom radioaktiven Element (kontinuierliches Spektrum). Dies konnte man zwecks Energieerhaltung nur so erklären, dass hier ein weiteres Teilchen entstehen muss. Wolfgang Pauli (NP Physik 1932) postulierte 1930 die Existenz eines weiteren, beim Betazerfall entstehenden Teilchens, dem Neutrino (genau Anti-Elektron-Neutrino). Dieses und das Elektron teilen sich die beim Zerfall frei werdende Energie. Diese Energieverteilung des Elektrons möchte ich mit meinem Versuch gerne bestimmen. Dabei mache ich mir den Umstand zunutze, dass auf bewegte Elektronen in einem Magnetfeld eine Kraft senkrecht auf seine Geschwindigkeit v und senkrecht auf das Magnetfeld B wirkt. Schießt man Elektronen also senkrecht in ein homogenes Magnetfeld, so bewegt sich das Elektron auf einer Kreisbahn. Dessen Radius hängt nun von der Energie des Elektrons und der Stärke des Magnetfelds ab. Je stärker das Magnetfeld, desto kleiner wird der Bahnradius. Und je höher die Energie des Elektrons (Anm.: Hier muss man schon relativistisch rechnen), desto größer ist der Bahnradius. Als Betastrahler verwende ich Strontium-90 (maximale Elektronenenergie = 546 keV), welches in den Betastrahler Yttrium-90 (max. Elektronenenergie = 2282 keV) zerfällt. Zwei Ferrit-Scheibenmagnete mit 70mm Durchmesser sorgen für die notwendige, energieabhängige Ablenkung der Elektronen. Am Rand der Magnete wird nun der Geigerzähler bei einem bestimmten Ablenkwinkel alpha postiert und die Zählrate gemessen. Dies wiederholt man nun für sämtliche Ablenkwinkel [0°,180°]. Auf diese Weise erhält man also die Teilchenintensität in Abhängigkeit vom Ablenkwinkel, der wiederum ein Maß für die Elektronenenergie ist. Die Flussdichte im Zwischenraum der beiden Magnete habe ich mit meinem Teslameter zu 0.15T bestimmt. Demnach müssten die Elektronen von Yttrium-90 einen minimalen Ablenkwinkel von ca. 60° aufweisen. Mal schauen, was das Experiment liefert...



























