Hallo,
leider bin ich nicht vom Fach und daher fehlt es mir etwas am
Hintergrundwissen - ich erhoffe mir daher eine fachliche Erklärung in
diesem Forum.
Dass der FI RCD Summenstromfehlerschalter auslöst, wenn der Strom
von L1 nicht genau gleich dem von N ist, verstehe ich.
Dass auch ein Leitungsschutzschalter bei Überlast auslöst kapiere ich
auch.
Ebenfalls klar sind mir die Grundlagen zu Spannung, Strom und
Widerstand.
Was ich nun aber überhaupt nicht verstehe...
- wieso bekomme ich eine "gewischt", wenn ich auf meinem Fußboden (sagen
wir mal Kork) stehe und L1 berühre? Wie kann der Strom über meinen
Körper fließen? In Google finde ich nur Erklärungen, wie "über den
Fundamenterder fließt der Strom". Das reicht mir als Erklärung leider
nicht - wenn ich den elektrischen Widerstand meines Bodens messe, kann
da kein Strom (>=30mA bei meinem FI) fließen. Auch kann ich keine
Spannung zw. L1 und meinem Boden messen. Wie geht das also??
Danke euch
Simon
Simon schrieb:> wieso bekomme ich eine "gewischt", wenn ich auf meinem Fußboden (sagen> wir mal Kork) stehe und L1 berühre?
Du bekommst keine "gewischt" in dieser Situation.
Das eigentlich gefährliche daran: wenn du jetzt mit der anderen Hand
versehentlich bspw. das blanke Heizungsrohr berührst: davor merkst du
gar nichts (höchstens ein leichtes Kribbeln am Finger, wenn du den L1
nur ganz sanft berührst), danach ist die Situation aber tödlich.
NB: das soll natürlich jetzt keine Anleitung sein, dass du das mit dem
Anfassen des L1 am "lebenden Objekt" nachvollziehst. :-}
Wenn Du isoliert stehst bekommst Du keine gewischt wenn Du eine Phase
berührst. Deswegen können sich Vögel auf 110kV Leitungen setzen, ohne
gebraten herunterzufallen.
Könnte sein das der FI dann wenn Du auf Deinem Korkboden gar nicht
auslöst, Du auch keine "gewischt" bekommst
Allerdings wirkt Dein Körper auch wie ein TPol eines Kondensators gegen
die Erde
Ben B. schrieb:> Deswegen können sich Vögel auf 110kV Leitungen setzen, ohne gebraten> herunterzufallen.
Nee, die bleiben gebraten drauf sitzen.
Tä tää.
Elektrische Spannungen haben was mit Potential zu zu tun. Der PE ist in
Gebäuden mit TN-C netz mit dem N-Leiter verbunden. Dieses "Potential"
wird auf alle leitenden Teile eines Hauses gelegt (Wasserrohre,
Heizungsrohre). Damit ist quasi auch der Beton auf N- bzw PE-Potential.
Wenn man jeetzt den N-Leiter der Steckdose berührt passiert einem auch
nix. Nur die Phase ist da schlecht...
Gruß
Franko P. schrieb:> Damit ist quasi auch der Beton auf N- bzw PE-Potential.
nach dieser Logik würde die Sicherung auslösen, wenn ich L1 mit dem
Fußboden verbinde
Elektriker schrieb:> nach dieser Logik würde die Sicherung auslösen, wenn ich L1 mit dem> Fußboden verbinde
Sicherungen und FI schalten ab, wenn der Auslösestrom überschritten
wird.
Am empfindlichsten reagiert ein FI. Die Auslöseströme werden bei
trockenem Fußboden nicht erreicht. Anders verhält es bei Geräten der
Schutzklasse 1, wird eine Phase und das Metallgehäuse, z.B. Bügeleisen,
berührt, dann können wesentlich höhere Ströme auftreten.
Elektriker schrieb:> nach dieser Logik würde die Sicherung auslösen, wenn ich L1 mit dem> Fußboden verbinde
Du musst erstmal die Schraubklemme am Betonfußboden finden. :-))
Simon schrieb:> Was ich nun aber überhaupt nicht verstehe...> - wieso bekomme ich eine "gewischt", wenn ich auf meinem Fußboden (sagen> wir mal Kork) stehe und L1 berühre? Wie kann der Strom über meinen> Körper fließen?
Was das betrifft ist vieles eine Frage von Umständen, die man unmöglich
vorhersagen kann.
Du hast gerade ein Beispiel konstruiert, in dem du trotz theoretisch
dargestellter Problemsituation eine dermaßen große
Fehlerschleifenimpedanz hast, daß dir wahrscheinlich nichts passieren
wird.
Allerdings kannst du nicht immer von derartigen Bedingungen ausgehen.
Wenn es dann feucht wird und ein Metallrohr liegt in der Nähe, sieht das
Ganze schon wieder anders aus. Das kannst du beliebig komlex ausweiten:
Was hast du für Schuhwerk an? Stockwerk? Stahlbeton oder Trockenbauwand?
Holzhaus, Lehmhütte? Wenn du richtig pingelig sein willst kannst du auch
noch die Kontaktfläche deiner Sohlen in Betracht ziehen.
Und selbst wenn du alle Daten zum exakten Berechnen hast: Wie willst du
dem armen Elektriker auf dem Bau das jetzt praktisch umsetzen lassen
wann er eine gewischt bekommt und wann er bedenkenlos jeden Draht
befingern kann? Oder gar dem, der in der Wohnung wohnt und Laie ist?
Willst du dem Kleinkind beibringen daß es in seinem Kinderzimmer niemals
mit der Gabel in der Steckdose rumstochern darf, aber im Wohnzimmer ist
das nicht so schlimm?
Also kürzt man das Ganze ab und definiert, daß der Fußboden Erdpotential
hat, du auf Erdpotential stehst, und dich deshalb bitte von den
Außenleitern in ungefährlichem Abstand hältst.
Physikalisch ist das auch nicht falsch, denn wenn du einen
10MΩ-Widerstand mit dem einen Ende an den Außenleiter hängst und das
andere Ende in der Luft baumelt, liegt auch das Luftende auf
Außenleiterpotential. Sei die Fehlerimpedanz, wenn du das luftbaumelnde
Ende auf Erdpotential legst, auch noch so groß.
Mit deinem Korkfußboden ist das nichts anderes. Der hat auch (ok, ok,
annähernd) Erdpotential, ganz unabhängig von der Fehlerschleifenimpedanz
- die eben nicht einfach zu bestimmen ist und selbst wenn, dann ist
damit auch nicht viel gewonnen.
Und das führt dann insgesamt dazu daß viele Menschen bei E-Unfällen oft
mit einem blauen Auge davon kommen, in der Norm und von Fachleuten
trotzdem ein Riesenzirkus veranstaltet wird und sich leider dann hin und
wieder gewisser Leichtsinn einstellt.
Simon schrieb:> ich erhoffe mir daher eine fachliche Erklärung in> diesem Forum.Jörg W. schrieb:> Du musst erstmal die Schraubklemme am Betonfußboden finden. :-))Simon schrieb:> Was ich nun aber überhaupt nicht verstehe...> - wieso bekomme ich eine "gewischt", wenn ich auf meinem Fußboden (sagen> wir mal Kork) stehe und L1 berühre? Wie kann der Strom über meinen> Körper fließen?
Wenn der Kork feucht ist dann kommen auch die Schwammerl
ins Forum...
Fachlich genug?
;-))
Hallo
"Wühlhase" bezieht sich wohl auf die Fachleute die Normen entwickeln und
auf die Fachleute die Erdung und Co bei Bauten und in der Industrie bzw.
am Arbeitsplatz überprüfen (Halt die "Nasen" die ihre Finger - Na ja
eher Messgeräte und Augen überall einstecken und blöd rummäckeln - aber
selbst nichts praktisch es dann nicht "heile" machen müssen oder
wenigstens sagen wie das genau Problem vor Ort gelöst werden kann -
wobei diese Nasen die die Probleme finden, sie aber nicht lösen müssen,
nicht nur im E-Bereich zu finden sind...).
Wobei aber Wühlhase recht und unrecht zugleich hat - ja sie machen einen
Riesenzirkus, aber auch nicht ganz zu unrecht.
Nicht ohne Grund gibt es die verschiedensten Erdungssysteme (und somit
auch PE bzw. gleichartiges) die den jeweiligen besonderen Bedingungen
angepasst sind - teilweise auch historisch in der Region gewachsen ist
(klingt seltsam ist ja nicht irgendein Lebensmittel oder eine Mundart -
aber es ist tatsächlich so...).
Das an der Erdung auch noch so manch andere Leitungen angeschlossen
werden müssen oder gegenteilig nicht sein dürfen, das so manche weiteren
Sicherheitseinrichtungen unbedingt eine eindeutige (das ist oft der
springende Punkt) "Erde" benötigen und sogar bei der EMV von Belang sein
kann macht die Sache auch nicht einfacher.
Und natürlich: Die eine Krähe (das hungrige Ferkel)hackt der anderen
kein Auge aus - wenn es um einen Platz an den Zitzen geht an den gesaugt
werden kann (also der Kunde der eigentlich überhaupt kein Kunde sein
will aber die "Milch" gezwungener Maßen bereitstellen muss) dann halten
auch die gierigen Schweinchen zusammen damit jedes auch schön immer
fetter und noch fetter wird - das die "Melksau" bzw. "Melkkuh" darunter
leidet... egal solange sie noch ihre "Milch" so eben noch abgeben
kann...
Aber wie geschrieben: Diese Masche ist kein Alleinstellungsmerkmal der
E-Technik Branche...
Praktiker
Genau das wollte ich sagen, danke. Die Normen für Elektronikkram und
Installationskram werden ja nicht von denselben Leuten gemacht.
Und Normen kommen ja keineswegs zustande, weil ein paar Ingenieure sich
hinsetzen und sich überlegen, wie man möglichst ungefährlich einen
dauerhaften Betrieb gewährleisten kann.
Das wäre schön, aber dem ist längst nicht so.
Normen sind der Kompromiss, der am Ende herauskommt, wenn sich alle
möglichen Leute (die Arbeit in Normengremien basiert eigentlich auf
freiwilliger Mitarbeit soweit ich weiß, das kann weitgehend jeder sein
der mindestens ein Studium in dem Bereich hat, ich bin mir gerade nicht
sicher ob überhaupt eine formale Ausbildung zwingend erforderlich ist,
man muß halt Mitglied sein in dem Verein sein) zusammensetzen und etwas
ausbaldowert haben.
Und da gibt es weitaus mehr Interessen als nur die Betriebssicherheit.
Soweit ich das mitbekommen habe (ich war selber nie dabei, habe
lediglich mal Beteiligten zugehört), sitzen in solchen Normengremien
hauptsächlich Interessenvertreter von Firmen und evt. ein paar Leute wie
z.B. Hochschuldozenten, die da aus Idealismus mitmachen.
Bei Elektroanlageninstallation sitzen dann da halt auch Firmen wie ABB
oder Siemens die u.a. davon leben, so etwas wie FIs oder
Leitungsschutzschalter zu verkaufen. Da haben Betriebssicherheit und
zumindest Wirtschaftsinteressen nicht selten eine recht große
Schnittmenge. Dagegen sind die, die billiger bauen wollen. Ich denke man
kann durchaus sagen, daß im Installationsbereich die Normen den Fokus
Betriebssicherheit recht gut im Blick haben, auch wenn es hier und da
durchaus Verbesserungspotential gbit.
Bei Normen zu ortsveränderlichen Geräten wie z.B. besagter Netzteile,
sieht es wohl meistens gegenteilig aus. Und ob die Norm dann auch noch
eingehalten wird...wird sowieso viel zu lasch kontrolliert, da müßte man
sehr aufwendige Importkontrollen veranlassen -- für Pfenniggeräte.
Oder (was ich sowieso viel besser finde): man steigt in den Trumpschen
Handelskrieg mit China ein und sorgt dafür, daß auch Elektronikkleinkram
wieder hier produziert wird und import nicht mehr aus China.
Aber das würde sich sowieso nur damit vertragen, wenn man von diesem
Wegwerftum wieder wegkommt, Elektronik wieder langlebiger wird, und eben
auch angemessene Preise bezahlt werden.
Aber krieg das mal in die Köppe der Menschen rein daß sie für ein
einfaches Steckernetzteil 15 Euro bezahlen sollen, das sie vorher für
1,50 bei Ebay geschossen haben.
Praktiker schrieb:> Wobei aber Wühlhase recht und unrecht zugleich hat - ja sie machen einen> Riesenzirkus, aber auch nicht ganz zu unrecht.
Noch ein Nachtrag: Ich wollte ganz gewiss nicht andeuten, daß der
Riesenzirkus zu übertrieben wäre. Nur weil ich es nachvollziehen kann
daß Laien (und teilweise auch Fachmänner) den Eindruck haben, daß es
übertrieben sei weil so selten was passiert und jeder hat ja schon mal
an 230V~ angegriffen...
Ganz im Gegenteil: Es passiert so wenig, gerade weil man den Aufriss
veranstaltet. Das ist mir weitaus lieber als anders herum.