Lors schrieb:> Warum ist die Soundqualität meines Mikrofons aus dem 20€ Headset so viel> besser als das, was die NASA benutzt?
Poste mal ein paar Marsböen, die du mit deinem Headset aufgenommen hast.
Hallo
Ohne es jetzt in diesen Einzelfall genau zu wissen kann man von
Allgemeinen in diesen Umfeld ausgehen:
1- Nischenprodukt - fast Einzelanfertigung bei gleichzeitig hohen
Anforderungen.
2- Hoher Werkzeugaufwand und Handarbeitsanteil für geringe Stückzahl -
siehe auch Punkt 1
3- 1001 Test und Zertifizierungen sind vorgeschrieben - Avionik "alles
was in fliegende Mann*innen ;-) tragende Objekte" verbaut wird ist schon
schlimm - jetzt geht es ab in den Weltraum und einen anderen Planeten
-zugriff zusätzlich noch unmöglich...
4- Es ist soweit irgendwie möglich garantiert das das Produkt (Mikrofon)
funktioniert.
5- Auf dem Mars ist es "unwesentlich" anders als hier auf der Erde...
6- Bei der NASA wohl Made in USA - und zwar in zertifizierte
Ingenieursbüros oder gar bei Rüstungsfirmen... den Rest darf sich jeder
denken - Wobei es bei der ESA auch nicht anders aussehen wird...
7- Der Steuerzahler bezahlt es letztendlich...
Jemand schrieb:> [man] kann von> Allgemeinen in diesen Umfeld ausgehen:> […]
Ist denn das Mikro des Geräts auf dem Mars gemeint, oder meint der TE
vielleicht die Sprachqualität der Mitschnitte aus dem Kontrollzentrum?
Wenn ich mir mal ein Stück im O-Ton anschaue, etwa
https://www.youtube.com/watch?v=lFiTjZDOekg, und mit bedenke, dass mit
einem Headset verglichen wurde, würde eher das Zweite annehmen.
Wobei ich die Ursache da nicht bei den Mikrofonen suchen würde, sondern
bei der weiteren Verarbeitung des Tonsignals.
Edit: zu langsam. Lasse es jetzt trotzdem stehen, weil’s bei dem
verlinkten Video vielleicht besser zu hören ist – ich kann das ntv-Video
nicht anschauen.
Das Mikrophon ist die ganze Zeit aussen ? Es wird ja nicht fuer die
Landung speziell aus dem Inneren ausgefahren. Beim Start ist der Lärm
dermassen laut, da waere ein normales Mikrophon schon lange zerfetzt.
Bei der Landung dasselbe nochmals. Die Windgeräusche und das Triebwerk
werden so laut sein, dass ein normales Mikrophon schon lange zerfetzt
wäre.
Die Headsets sind ja nicht auf hohe Übertragungsqualität konzipiert,
sondern auf beste Sprachverständlichkeit. Dabei wird alles unter
100-200Hz abgeschnitten und oberhalb von 3-4 kHz auch. Das spart
Bandbreite, wenns um Fernübertragung geht und verbessert die
Sprachverständlichkeit, weil Plopps und Zischeln gar nicht erst
verstärkt werden.
Die alten Posttelefone waren oft besser zu verstehen als ein heutiges
iPhone (wobei ich die besonders schlecht finde).
Marsmikrofone sind übrigens ein alter Hut. Auf beiden Vikingsonden waren
welche, wobei eines nicht spielte.
Matthias S. schrieb:> Dabei wird alles unter 100-200Hz abgeschnitten und oberhalb von 3-4 kHz auch.
Hast Du das gemessen oder grob geschätzt? Was heißt "abgeschnitten"
(6dB/Oct, 12, ...)?
Matthias S. schrieb:> verbessert die Sprachverständlichkeit, weil Plopps und Zischeln gar nicht erst
verstärkt werden.
Plopps sind ja wohl eher breitbandig. Zischeln ist da, wo auch Frikative
sind. Dass man bei alten Telefonen f und s nicht unterscheiden
konnte, ist hinlänglich bekannt, aber es gab noch viele dieser Fehler
durch die begrenzte Bandbreite, die nicht wegen der "besseren"
Sprachverständlichkeit gewählt wurde, sondern weil es das minimale
Frequenzband war, um Sprache überhaupt noch nach einigen zig-Kilomentern
Analogkabel verstehen zu können.
Matthias S. schrieb:> Marsmikrofone sind übrigens ein alter Hut. Auf beiden Vikingsonden waren> welche, wobei eines nicht spielte.
Jetzt wirds ja noch bunter ...
Lors schrieb:> Leider wahr: mikrofonkapseln für 50Cent sind oftmals besser als Headsets> für über 200€.
Ganz bestimmt. Schon mal ein richtiges Headheadset mit Phantomspeisung
und Kondensatorkapsel (nicht Elektret!) besessen?
Das sind ganz moderne genderkonforme Mikrofone. Es kann durch diese
High-Tech der Tonqualitätsminderung bei guter Sprachverständlichkeit
nicht mehr die Stimme zu m/w/d zugeordnet werden.
Woran das aber wirklich liegt, empfehle ich nach Housten zu reisen, dort
die Tour der Nasa im Museum zu buchen und bei der Technik im
Kontrollraum genau hinzusehen.
Elektry schrieb:> Plopps sind ja wohl eher breitbandig.
Nö. Schau dir so einen Plopp mal auf dem Analyzer an und du wirst sehen,
das der Löwenanteil der Energie unter 100Hz ist und sowieso keine
Information trägt. Das muss nicht übertragen werden. Ebenso ist das mit
Wind- oder Pustegeräusschen.
Vor vielen Jahren hatte ich mir mal einen Vorverstärker für Elektret
Mikrofone gebaut und dabei mit der Begrenzung des Frequenzbereiches
experimentiert. Ich kam zu dem Schluss, das ich alles unter 200Hz
ausblenden sollte.
Ansonsten übertragt man viele unnötige Störgeräusche (z.B. wenn man das
Mikrofon anfasst, dessen Kabel bewegt oder jemand durch den Raum läuft).
Die Sprachqualität und auch der subjektive Klang der Stimme werden
dadurch nicht beeinträchtigt.
http://stefanfrings.de/mikrofon_vorverstaerker/index.html
Um Musik und Gesang aufzuzeichnen, würde ich die Grenzfrequenz jedoch
weiter unten ansetzen und dazu passend gelagerte Mikrofone verwenden.
Aber ich bin kein Musiker, keine Ahnung, wie die das machen.
Stefan ⛄ F. schrieb:> Um Musik und Gesang aufzuzeichnen, würde ich die Grenzfrequenz jedoch> weiter unten ansetzen...
Unter 150 Hz passiert da jedoch nicht mehr viel (Sänger mit Qualitäten
eines I.Rebroff mal ausgenommen); insofern ist es sinnvoll, frühestens
ab hier zu übertragen.
> Aber ich bin kein Musiker, keine Ahnung, wie die das machen.
Wie wäre es mit Equalizer? HP-Filter? U.U. Notch? ;-)
Stefan ⛄ F. schrieb:> Um Musik und Gesang aufzuzeichnen, würde ich die Grenzfrequenz jedoch> weiter unten ansetzen und dazu passend gelagerte Mikrofone verwenden.
Bei Gesang brauchst du keine Anstrengung für Frequenzen unter 100Hz zu
unternehmen, bei Musik schon (z.B. Base, Klavier, Orgel, Kontrabass
u.a.).
Bei der Stimme ist schon einiges an Einfluss vorhanden: Nahbesprechung,
Stimmlage, Mikrofontyp. Um das auszugleichen, hat man parametrische
Equalizer erfunden.
Beim verlinkten Video fehlt einfach etwas Bandbreite, das hat sehr viel
mehr mit der Nachbearbeitung zu tun als mit dem Mikrofon selber.
Typische Intercom-Qualität - Sprechfunk hört sich auch nicht besser an,
ob im Flugfunk, bei der Feuerwehr oder den PRM-Geräten. Es sind halt nur
schmale Übertragungskanäle vorhanden.
Man sollte beide Anwendungen jedoch nicht in einen Topf werfen.
Matthias S. schrieb:> Die alten Posttelefone waren oft besser zu verstehen als ein heutiges> iPhone (wobei ich die besonders schlecht finde).
Beim Mobilfunk ist die Sprachqualität wirklich unterirdisch schlecht -
ich selber vermeide es, damit zu telefonieren. Das hat aber eher nichts
mit dem iPhone zu tun als generell mit der Komprimierung auf niedrige
Bitraten. Die Mikros in den Geräten sind sehr viel besser als die alten
Kohlemikros im Posttelefon.
Lors schrieb:> 20€ Headset so viel> besser als das, was die NASA benutzt?
Wieso glaubst du, dass die teurere Headsets verwenden?
Schau mal ins Mission Control, das ist ganz normalen PC-Hardware, wie
wohl auch in jeder anderen Bundesbehörde in den USA.
Logitech/HP Maus und Tastatur und wohl eben auch die entsprechenden
Headsets.
Der andere Teil der Großbestellung bei HP steht im
Landwirtschafstministerium und bei der CIA.
Im Video ist es denke ich eher ein Render/Schnitt Problem, darum klingt
es so abgehackt, aber die Stimme ist leicht verstädndlich, also was ist
dein Problem?
Generell werden Raumfahrtagenturen gerne überschätzt, dort kocht man
auch nur mit Wasser und so steht in manchen JPL Laboren auch Rigol usw.
herum.
Das stellen sich viele zu romantisch vor. Wieso sollte es dort auch
anders sein als überall sonst?
Das ist wieder so dermaßen typisch Deutsch, da landen die einen 1t
schweren Rover am Mars, und hier beschwert man sich über die
Audioqualität von mission control.
Böse:
Die ESA hatte bei Schiaparelli bessere Headsets, sind aber leider am
Mars zerschellt weil man bei der Flugsoftware gepfuscht hat...
Aber der Lander war eh ein Witz gegenüber diesem Rover.
Sei froh, dass es überhaupt was gibt, von den Russen und Chinesen gibt
es sowieso fast keine Informationen oder gar Livestreams/Intervies uÄ.
Michael M. schrieb:> Stefan ⛄ F. schrieb:>> Um Musik und Gesang aufzuzeichnen, würde ich die Grenzfrequenz jedoch>> weiter unten ansetzen...> Unter 150 Hz passiert da jedoch nicht mehr viel (Sänger mit Qualitäten> eines I.Rebroff mal ausgenommen); insofern ist es sinnvoll, frühestens> ab hier zu übertragen.
Hmmm, Ivan ist nicht allein, es gibt auch Taties... :D
>> Aber ich bin kein Musiker, keine Ahnung, wie die das machen.> Wie wäre es mit Equalizer? HP-Filter? U.U. Notch? ;-)
Am Mike selbst (und wegen Übersteuerung genau dort richtig) die
sogenannte Spinne, ein elastisch zum Stativ entkoppelndes Konstrukt aus
Gummi"fäden".
Schön anzusehen zB hier:
JINJER - Judgement (& Punishment) - Tatiana Shmayluk - One Take Vocal
Performance
https://www.youtube.com/watch?v=Q5rg_63Shqg
HTH, leider OT
Elektry schrieb:> Matthias S. schrieb:>> Marsmikrofone sind übrigens ein alter Hut. Auf beiden Vikingsonden waren>> welche, wobei eines nicht spielte.>> Jetzt wirds ja noch bunter ...
Wie meinen? Oder wusstest du nicht, das im Jahre 1975 zwei Sonden,
jeweils bestehend aus Orbiter und Lander, zum Mars geflogen sind? Das
waren Viking 1 und Viking 2, die 1976 landeten und dann jahrelang Daten
vom Mars zur Erde gefunkt haben.
https://en.wikipedia.org/wiki/Viking_program
Man war damals recht optimistisch bzgl. Leben auf dem Mars - Carl Sagan
schlug sogar vor, Köder auszulegen :-P
>Wie meinen? Oder wusstest du nicht, das im Jahre 1975 zwei Sonden,>jeweils bestehend aus Orbiter und Lander, zum Mars geflogen sind? Das>waren Viking 1 und Viking 2, die 1976 landeten und dann jahrelang Daten>vom Mars zur Erde gefunkt haben.
In der Tagesschau (vorgestern?) war halt von der ersten Tonaufnahme die
Rede. Haben die wohl ein bisschen geschummelt :)
>Man war damals recht optimistisch bzgl. Leben auf dem Mars - Carl Sagan>schlug sogar vor, Köder auszulegen :-P
Hehe :D
Matthias S. schrieb:> Marsmikrofone sind übrigens ein alter Hut. Auf beiden Vikingsonden waren> welche
Davon hätte ich noch nichts gehört, konnte auch jetzt nichts dazu
finden.
Laut NASA gab es bisher zwei Versuche Mikrofone auf den Mars zu bringen:
Mars Polar Lander, Fehlschlag
Phönix Lander, Mikrofon wurde nie aktiviert
Zitat aus der NY Times:
The two Viking landers that NASA sent to Mars in 1976 also carried
seismometers that captured some wind noise. But Dr. Banerdt said those
recordings were at much lower sampling rates and did not pick up
anything at audible frequencies.
Mikrofon kann man das wohl nicht nennen.