Ich hab ja Verständnis, wenn ein Deich bricht. Der ist 100e km lang und
sobald der großflächig überströmt wird, kann er halt brechen.
Aber warum gibt es diese Gefahr bei Talsperren? Dass sie bei starkem
Regen voll- und überlaufen, sollte doch prinzipiell kein Problem
darstellen sondern Use-Case sein.
Tja, meist ist ja für Überprüfung, Reparatur und Neuberechnung so einer
alten Staumauer erst dann Geld da, wenn das Kind im Brunnen liegt. Da
die Dinger oft Jahre oder Jahrzehnte brachliegen oder nur mit geringer
Kapazität benutzt wurden, kommt dann plötzlich das grosse Erwachen, wenn
sie mal zu 110% vollaufen.
Hier gibts interessante Simulationen zu alten Talsperren oder
Staumauern, die oft nach überholten Verfahren berechnet wurden:
http://www.talsperren.info/assets/applets/standsicherheitvonstaumauern.pdf
Die Jungs haben es damals oft nicht besser gewusst oder mit anderen
Bedingungen gerechnet.
A. S. schrieb:> Aber warum gibt es diese Gefahr bei Talsperren? Dass sie bei starkem> Regen voll- und überlaufen, sollte doch prinzipiell kein Problem> darstellen sondern Use-Case sein.
Volllaufen nur bis zu einem gewissen Grad. Überlaufen eigentlich
garnicht, höchstens bis zu entsprechenden Überlaufkanälen.
Problem ist die Mange die man ablaufen lassen kann.
- Der Flusslauf unterhalb verträgt in der Regel nur eine gewisse Menge
an Wasser ohne das es dort zu Überschwemmungen kommt. Gerade beim
Überlaufen wäre diese Menge nicht mehr kontrollierbar.
- Dazu kommt noch das man in der Regel nicht von einer Füllhöhe
"Oberkante" ausgeht und einige cm mehr an Wasser bedeuten halt auch zig
Tonnen mehr Belastung.
- Die Menge die durch die Notablässe pro Zeiteinheit abgelassen werden
kann ist beschränkt.
- Und wie die Tage Teilweise passiert können die Abläufe auch mal
verstopfen und nicht die berechnetet Menge durchlassen. Bei dem vielen
Treibgut das so ein Hochwasser mitschleppt steigt die Wahrscheinlichkeit
dafür natürlich.
Das Ganze ist am Ende ein Teufelskreis, auf der einen Seite versucht man
so viel wie möglich zurückzuhalten um den Bereich unterhalb zu schützen.
Und wenn die dann evakuiert sind bekommt man das Wasser unter Umständen
nicht schnell genug abgelassen und der Wasserspiegel steigt immer weiter
an.
Und als viele von den Dingern geplant worden sind hat man an so Sachen
wie Flächenversieglung, Abholzungen, "Abschaffung" von ehemaligen
Flutfläschen, Feld-Dränagen, Fluss Begradigungen usw. die dafür Sorgen
was das Wasser nach einem Regen immer schneller in die großen Flüsse
geleitet wird, noch garnicht in dem Heutigen Ausmaßen gedacht.
Vieles ist hier ganz unabhängig vom Thema Klima von Menschen
hausgemacht...
A. S. schrieb:> Aber warum gibt es diese Gefahr bei Talsperren? Dass sie bei starkem> Regen voll- und überlaufen, sollte doch prinzipiell kein Problem> darstellen sondern Use-Case sein.
Das frage ich mich besonders bei der Steinbachtalsperre. Das ist die
Talsperre, bei der die Rückseite der Staumauer, die nicht mal eine
richtige Mauer ist, vom übergelaufenen Wasser ausgewaschen wurde.
Da scheint es überhaupt kein Konzept für einen Überlauf über die Mauer
zu geben. Das war einfach nicht vorgesehen. Der
Hochwasserentlastungskanal, obwohl schon mal vergrößert, stellte sich
als zu klein heraus. Der Grundablasskanal war verstopft. Das nenne ich
mal richtig verkackt.
Gerade an dieser Talsperre zeigt sich die derzeitige Sondersituation.
Erst hat es ja immer wieder geregnet was zu einem wünschenswerten
Vollzustand mit evtl schon einer geringen Überlaufsituation geführt hat
um die nächste Trockenzeit problemlos mit immer noch reichlich Reserven
zu überstehen.
Nur kam dann eben, anstelle einer Trockenheit diese Jahrhundertflut die
die Überlaufmöglichkeiten um ein Vielfaches überstieg.
Ohne die Talsperre wären wahrscheinlich die im Flußverlauf befindlichen
Ortschaften erheblich katastrophaler überschwemmt worden.
Hallo Armin.
Armin X. schrieb:> Gerade an dieser Talsperre zeigt sich die derzeitige Sondersituation.> Erst hat es ja immer wieder geregnet was zu einem wünschenswerten> Vollzustand mit evtl schon einer geringen Überlaufsituation geführt hat> um die nächste Trockenzeit problemlos mit immer noch reichlich Reserven> zu überstehen.
Tatsächlich hat man das Stauziel, also der Wert, wo man einen Stausee
als "voll" bezeichnet, vor etlichen Jahren allgemein deutlich gesenkt,
um mehr Reserven und Puffer für Starkregenereignisse über zu haben.*)
Dann existieren aber weniger Reserven für Trockenperioden und ebenfalls:
Was machst Du, wenn eine vorhergehende Situation Deinen Pufferspeicher
schon gefüllt hat?
> Nur kam dann eben, anstelle einer Trockenheit diese Jahrhundertflut die> die Überlaufmöglichkeiten um ein Vielfaches überstieg.
Das Problem war ja dass der normale Überlauf zusammen mit dem
verstopften Ablass nicht genügend Wasser abführen konnte, so dass Wasser
unkontrolliert über die Krone lief und die Luftseite des Dammes
wegspülte. Ein weggespülter Damm kann aber weniger Druck abfangen.....
Ganz vage erinnert das Szenario an den Oroville Damm Vorfall
(
https://de.wikipedia.org/wiki/Oroville_Dam#Versagen_der_Hochwasserentlastung_2017
)
Der normale Überlauf hatte ein Problem und wurde geschlossen, der
Not-Überlauf begann den Damm von der Luftseite auszuwaschen. Er war
allerdings wohl auch darum eine Fehlkonstruktion.
> Ohne die Talsperre wären wahrscheinlich die im Flußverlauf befindlichen> Ortschaften erheblich katastrophaler überschwemmt worden.
Richtig. Der Hochwasserwelle wird die Spitze genommen, aber sie wird
dadurch auch in die Länge gezogen. Typischer Tiefpass. Allerdings hätte
ein Bruch des Dammes für eine klospülungsähnliche Spitze in der
Hochwasserwelle geführt.
*) Näheres dazu, wieviel gesenkt wurde, und wann das eingeführt wurde,
weiss ich nicht. Auch nicht, ob es nicht vielleicht etwas mit diesem
Bericht aus 2013 zu tun haben könnte:
https://dserver.bundestag.de/btd/17/120/1712051.pdf
Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de
Vielen Dank für die vielen Einblicke und Links.
Ich persönlich hab für Fehler absolutes Verständnis. Irgendein Effekt
noch nicht bekannt, irgendein Gelände falsch eingeschätzt. Selbst wenn
plötzlich alle Schieber ausfallen durch CC.
Weniger Verständnis habe ich, wenn so eine Talsperre nicht überlaufen
können kann. Oder Starkregen nicht abkann. 200l sind zwar selten an
einem Ort, aber weder Jahrhundertereignis noch Klimawandel.
Und eine Talsperre ist meist doch ein kritisches Bauteil, anders als
z.B. umknickende Strommasten vor ein paar Jahren.
Hallo A. s.
A. S. schrieb:> Weniger Verständnis habe ich, wenn so eine Talsperre nicht überlaufen> können kann. Oder Starkregen nicht abkann. 200l sind zwar selten an> einem Ort, aber weder Jahrhundertereignis noch Klimawandel.
Na, das "an einem Ort" ist jetzt zum Problem geworden, weil das jetzt
nicht nur lokal an einem Ort beschränkt war, sondern sich das ganze auf
großer Fläche mehr oder weniger parallel abspielte.
Das war der nicht berücksichtigte Punkt.
Über das Überlaufen von Staudämmen wird man sich wegen schlechter
Erfahrung schon Gedanken gemacht haben, solange die Menschheit Staudämme
baut.
> Und eine Talsperre ist meist doch ein kritisches Bauteil, anders als> z.B. umknickende Strommasten vor ein paar Jahren.
Da unsere Gesellschaft auf der Infrastruktur eines funktionierenden
Stromnetztes aufbaut, sind beschädigte Stromversorgungstrassen letztlich
ähnlich problematisch. Auch wenn es etwas länger dauert, und die Wirkung
etwas "abstrakter" ist. verglichen mit einer Hochwasserwelle.
Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de
In unserer Gegend an der Donau gibt es z.B. drei Staudämme mit diversen
Auslaufflächen. Die waren irgendwann 2013 alle voll, man musste wegen
Bruchgefahr Wasser aus den ersten beiden ablassen, die Dritte lief dann
über, alle Häuser in dieser Gegend waren mindestens 1m unter Wasser. Ich
erinnere mich dunkel hier auch etwas von einem Dammbruch gehört zu
haben. Bei einem solchen Szenario ist der letzte immer der Dumme, der
kriegt alles ab. Bei uns verlief es relativ glimpflich da Flachland. In
NRW sehe ich nur Täler und Berge und da man gern in Täler baut sind die
Probleme "hausgemacht". Hier wird nicht langsam geflutet, hier wird mit
hoher Fließgeschwindigkeit einfach alles weggespült denn es gibt keine
Auslaufflächen von immensen Ausmaßen. Die Sperren sind armierte /
verstärkte Erdhaufen und die weichen langsam auf, die halten nur kurz
der Last Stand.
...gewissermaßen Fortsetzung:
Der Bayerische Staatsminister Hubert Aiwanger wehrt sich mit Zähnen und
Klauen gegen Flutpolder an der Donau, weil da einer in seinem Wahlkreis
liegen würde.
Gewerbegebiete werden in ehemaligen Überschwemmungsgebieten ausgewiesen,
weil die Gewerbesteuer neue Einnahmequellen für die Gemeinde darstellt.
Sogar Wohnsiedlungen werden werden in hochwassergefährdeten Gebieten
errichtet. Daß frühere Überschwemmungsgebiete auch zukünftig welche
sind, wird verdrängt. Die Behörden machen nahezu definitionsgemäß keine
Fehler, und wenn was passiert, sind andere dran schuld.
Die tiefe Kiesgrube bei Erftstadt war viel zu nahe am Siedlungsrand
genehmigt worden und viel zu tief. Mit Kies kann man gerade bei
Baustoffmangel eine Menge Kies machen.
kann beliebig fortgesetzt werden und wird auch so bleiben, solange die
Geldgier die überwiegende Motivation für alle Handlungen darstellt...
Werner H. schrieb:> Die tiefe Kiesgrube bei Erftstadt war viel zu nahe am Siedlungsrand> genehmigt worden und viel zu tief.
Ja gut, da hat man sich verzockt. Wobei ich mich Frage, ob die Anwohner
(der Pferdehof) bei so eindeutiger Wirkung auch entsprechend entschädigt
werden. Die Erft hatte dort sicher keine Reithalle weggeschwemmt.
Zu der Zeit, als ich noch in solchen Talsperren gearbeitet habe, hat es
eine eigene Abteilung gegeben welche Modelle gebaut hat um solche
Situationen auszubrobieren.
Zum Simulieren am Computer hat einfach die Rechenleistung gefehlt.
walta
A. S. schrieb:>> Aber warum gibt es diese Gefahr bei Talsperren? Dass sie bei starkem> Regen voll- und überlaufen, sollte doch prinzipiell kein Problem> darstellen sondern Use-Case sein.
Rechne mal die gespeicherte Energie aus und rechne dann um in kt TNT.
Das dürfte reichen.
Walta S. schrieb:> Zu der Zeit, als ich noch in solchen Talsperren gearbeitet habe, hat es> eine eigene Abteilung gegeben welche Modelle gebaut hat um solche> Situationen auszubrobieren.> Zum Simulieren am Computer hat einfach die Rechenleistung gefehlt.
Oft tut es auch ein riesiger Sandkasten... ;-)
Soweit ich mitbekommen habe, sollte die Kiesgrube in Erftstadt ja einen
neuen Damm/Deich bekommen. Aber manchmal dauert sowas in Deutschland
halt ein bißchen länger und wenn man lange genug wartet dann lösen sich
solche Probleme von ganz alleine.
Ben B. schrieb:> Aber manchmal dauert sowas in Deutschland> halt ein bißchen länger und wenn man lange genug wartet dann lösen sich> solche Probleme von ganz alleine.
Das liegt zum einen daran, dass öffentliche Gelder für sowas
normalerweise nicht sofort ausgeschüttet werden und dann liegt das oft
genug daran, dass es immer mindestens einen gibt, der gegen so etwas
klagt. Im Nachbarort sollte nach dem Hochwasser 2012 eine
Hochwasserschutzwand gebaut werden. Dort fließt der Fluss, daneben ist
ein ca. 5-20m breiter Streifen, dann folgt eine Böschung, auf dieser
verläuft eine Bundesstraße und auf der anderen Seite ebendieser stehen
Häuser. im Bereich zwischen Fluss und Straße gibt es ein paar
Kleingärten. Eben die Pächter dieser Gärten haben sich mit allen
juristischen Mitteln gegen den Bau der Wand zwischen ihren Gärten und
der Straße gewehrt. Warum? Keine Ahnung, die saufen sowieso bei jedem
Hochwasser ab, ob mit oder ohne Wand. Aber ihnen wird dadurch der Zugang
zu den Gärten erschwert. Und wegen solcher Spirenzchen dauert solch ein
Bau dann eben statt 1 eher 4Jahre. Mittlerweile ist die Mauer fertig und
wurde seither noch nicht gebraucht.
Da müsste man aber auch ein wenig konsequenter auftreten. Ich wüßte z.B.
auch nicht wieso die Allgemeinheit für die Absicherung einer kommerziell
betriebenen Kiesgrube der Firma XYZ aufkommen soll. Wenns nach mir
ginge, bekäme die Firma ein Schreiben "Tach auch, ihr habt bis zum
x.y.zzzz eine bessere Absicherung eurer Grube, sonst Entzug der
Betriebserlaubnis weil gefährlich" und dann hat sich das. Das war ja
auch kein direktes Versagen des Grubenrandes wie das manchmal "als
Erdrutsch" rüberkommt, sondern das war eine fortschreitende Bodenerosion
durch das fließende Wasser. Das macht jeder Fluss wenn er irgendwo eine
so einfach abzutragende Abbruchkante findet. Die Kiesgrube ist jetzt
auch bei weitem nicht mehr so tief, die dürfte randvoll mit frischem
Schlamm und einigem Zeug aus den flußaufwärts gelegenen Ortschaften
sein. Wahrscheinlich wird sie deswegen nun sowieso geschlossen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rollbombe
Edertalsperre:
"In der Folge ergoss sich eine 6 bis 8 m hohe Flutwelle durch das untere
Edertal
...zwischen 47 und 68 Todesopfern"
Möhnetalsperre:
"zuletzt eine trapezförmige Lücke mit 77 m Breite und 22 m Tiefe"
"kamen mindestens 1284 oder sogar über 1600 Menschen ums Leben"
Das war natürlich absichtlich auf maximale Zerstörung ausgelegt.
A. S. schrieb:> Aber warum gibt es diese Gefahr bei Talsperren? Dass sie bei starkem> Regen voll- und überlaufen, sollte doch prinzipiell kein Problem> darstellen sondern Use-Case sein.
Ist es auch nicht, aber der Ablauf der Steinbachtalsperre war verstopft,
daher lief sie über eine Kante die gar nicht als Überlauf gedacht war
und wurde teilweise weggespült.
Nun ist der ABlauf wieder frei, der Damm zwar beschädigt aber nicht
gebrochen.
Esmeralda P. schrieb:> Rechne mal die gespeicherte Energie aus und rechne dann um in kt TNT.
die gespeicherte Energie ist gewaltig. Der Staumauer dürfte es aber egal
sein, wie tief es unten weitergeht oder welche Wassermenge gespeichert
ist. Und Überlaufen muss auch nur das, was zuströmt, also ein paar m³
pro Sekunde, notfalls verteilt auf die ganze Länge.
Christian M. schrieb:> Walta S. schrieb:>> Zu der Zeit, als ich noch in solchen Talsperren gearbeitet habe, hat es>> eine eigene Abteilung gegeben welche Modelle gebaut hat um solche>> Situationen auszubrobieren.>> Zum Simulieren am Computer hat einfach die Rechenleistung gefehlt.>> Oft tut es auch ein riesiger Sandkasten... ;-)
Trifft es ganz gut. Hat halt Wochen gedauert das Ganze aufzubauen und
innerhalb ein paar Minuten war alles wieder weg.
walta
Ich finde solche Modellversuche aber generell nicht schlecht, weil man
daran wirklich sieht, welche Schäden im Falle eines Bruches auftreten,
die sich evtl. rechtzeitig erkennen lassen, um entweder den Damm noch zu
retten oder zumindest eine frühzeitige Warnung abgeben zu können, wenn
der Damm tatsächlich bricht. Oder welche Maßnahmen man beim Bau treffen
muß, damit so ein Damm eben nicht bricht.
Was mich in dem Zusammenhang auch immer wundert, warum gibt es bei
solchen Anlagen kein ausreichend wirksames Überlaufbauwerk? Oder wieso
ist eine 2..3tägige Überspülung nicht konstruktiv vorgesehen, so daß
dabei am Bauwerk kein Schaden entsteht? Nur damit das Ding schön grün
aussieht oder billig ist wenn es nur aus Sand besteht, oder was?
Michael B. schrieb:> Ist es auch nicht, aber der Ablauf der Steinbachtalsperre war verstopft,
Dann stellen wir die Frage warum kann der Ablauf gerade in einer
Gefahrensituation verstopfen?
> daher lief sie über eine Kante die gar nicht als Überlauf gedacht war
Warum wurde das nicht berücksichtigt? Warum hat keiner an "was wäre wenn
doch?" gedacht?
Der Knaller ist ja der, die Talsperre stammt zwar aus den 1930ern, und
war damals ein Billig-Schnellschuss, aber wurde von 1988 bis 1990
saniert. Dabei wurde der Überlauf komplett ersetzt und der Grundablass
renoviert.
Also die zwei Dinge, die jetzt versagt haben, sind mit modernen Mitteln,
nicht mit Verfahren von 1930, gebaut worden. Die Aussage dass man es
früher nicht besser wusste zählt nicht. Dass nenne ich es gründlich
verkacken.
Hannes J. schrieb:> Warum hat keiner an "was wäre wenn> doch?" gedacht?
"weil was wäre wenn" bei Chefs die bestimmen nie gut ankommt!
Einer meinte sogar mal, manchmal muss man den Entwicklern auch mal das
aus der Hand reissen, oder bei Bauvorhaben will niemand was von
Schwierigkeiten hören die es verteuert oder verlängert!
Das Warten des Grundablassses kostet ordentlich Geld. Dabei muß der
Schlamm vom Boden beseitigt werden, sonst schwemmt es den Grundablass
gleich wieder zu und das kostet nochmal Geld. All das schmälert den
Profit des Betreibers, also wartet man mit der Wartung...
Hannes J. schrieb:> Michael B. schrieb:>> Ist es auch nicht, aber der Ablauf der Steinbachtalsperre war verstopft,>> Dann stellen wir die Frage warum kann der Ablauf gerade in einer> Gefahrensituation verstopfen?
Vielleicht wird es Dir verständlicher, wenn Du einfach mal die Berichte
darüber liest?
Eine Kurzfassung gibt es auch bei Wiki:
https://de.wikipedia.org/wiki/Steinbachtalsperre_(Nordrhein-Westfalen)#Hochwasser_2021
Alle vorgesehenen Abläufe und Überläufe zusammen reichten nicht aus, die
zufliessenden Wassermassen zu bewältigen, also wurde die Dammkrone
überspült und der talseitige Erdwall ausgespült.
Dieser "Dreck" verschloss dann den Bodenabfluss von aussen zusätzlich.
>> daher lief sie über eine Kante die gar nicht als Überlauf gedacht war>> Warum wurde das nicht berücksichtigt? Warum hat keiner an "was wäre wenn> doch?" gedacht?>> Der Knaller ist ja der, die Talsperre stammt zwar aus den 1930ern, und> war damals ein Billig-Schnellschuss, aber wurde von 1988 bis 1990> saniert. Dabei wurde der Überlauf komplett ersetzt und der Grundablass> renoviert.>> Also die zwei Dinge, die jetzt versagt haben, sind mit modernen Mitteln,> nicht mit Verfahren von 1930, gebaut worden. Die Aussage dass man es> früher nicht besser wusste zählt nicht. Dass nenne ich es gründlich> verkacken.
Du hast Dir scheinbar allerhand Infos von der Talsperre besorgt, aber
dennoch wohl nichts darüber, was nun wirklich zur Notlage der letzten
Tage wichtig ist.
Nicht einmal der zeitliche Ablauf ist Dir geläufig.
Hauptsache, Du kannst über "die da" Deinen Quark verbreiten.
Werner H. schrieb:> Quatsch!> Gegen den inneren Wasserdruck von außen verstopft?
Nach den unterschiedlichsten Medienberichten der ÖR und Privaten und
Belobigung durch Laschet hat ein ortansässiger 70-jähriger
Bauunternehmer den lebensgefährlichen Einsatz gemacht, den Abfluss von
aussen freizubaggern.
Ich glaube nicht, dass der sich mal eben mittels Bagger einen Tunnel
durch den aufgeweichten Damm zum "Stöpsel" innerhalb der vollen
Talsperre gebuddelt hat. :-)
Er soll das nämlich überlebt haben..
Percy N. schrieb:> Ralf X. schrieb:>> unterschiedlichsten Medienberichten>> So richtig informativ ist>> https://m.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/steinbachtalsperre-baggerfahrer-nach-seinem-einsatz-am-damm-17444654.amp.html>> eher nicht.
Naja, besser wäre es natürlich gewesen, man hätte da auch gleichzeitig
einen Live-Reporter mit Kameramann, Mikrohalter und einen Alleswisser
wie Lesch, alternativ Yogeshwar mit runter geschickt.
Allerdings hätte das die Chose doch eher behindert und verzögert.
PS: Man sollte einen Dreck wie FAZ nicht verlinken, wo man jedes
einzelne Cookie einzeln abwählen und dazu bis wirklich bis zum
Unterseiten Seitenende durchscrollen muss.
Einfach widerlich...
Ralf X. schrieb:> PS: Man sollte einen Dreck wie FAZ nicht verlinken, wo man jedes> einzelne Cookie einzeln abwählen und dazu bis wirklich bis zum> Unterseiten Seitenende durchscrollen muss.> Einfach widerlich...
stimmt wenn auch OT
Ralf X. schrieb:> Naja, besser wäre es natürlich gewesen, man hätte da auch gleichzeitig> einen Live-Reporter mit Kameramann, Mikrohalter und einen Alleswisser> wie Lesch, alternativ Yogeshwar mit runter geschickt.
Zumindest hätte die Geschichte mit den im Text genannten Schiebern
erläutert werden können. Dannn wäre möglicherweise nachvollziehbar
gewesen, wieso der Abfluss "von unten her" vertopfen konnte.
> Allerdings hätte das die Chose doch eher behindert und verzögert.
Da bringt es sicherlich mehr, in einem Elektronok-Forum zu granteln.
Aber zunächst galt es sicherlich, suf eine Verlinkung zu
Ralf X. schrieb:> den unterschiedlichsten Medienberichten der ÖR und Privaten
zu verzichten und stattdessen der eigenen Weisheit Raum zu geben.
Percy N. schrieb:> Ralf X. schrieb:>> Naja, besser wäre es natürlich gewesen, man hätte da auch gleichzeitig>> einen Live-Reporter mit Kameramann, Mikrohalter und einen Alleswisser>> wie Lesch, alternativ Yogeshwar mit runter geschickt.>> Zumindest hätte die Geschichte mit den im Text genannten Schiebern> erläutert werden können. Dannn wäre möglicherweise nachvollziehbar> gewesen, wieso der Abfluss "von unten her" vertopfen konnte.
Viele Unfalluntersuchungen dauern Wochen, Monate oder auch Jahre, aber
der "Otto Normaluser" fordert am liebsten, dass ihm alles live
übertragen wird und innerhalb Minuten erklärt wird.
Und wehe, da entdeckt er einen Widerspruch zwischen zwei Berichten.
Schon ist von Lügenpresse, Zensur oder ähnlichem Unsinn die Rede.
Aber für Dich eine Erklärungsmööglichkeit, die aber nicht stimmen
muss:
Schieber ist offen, aber Auslass verstopft.
Jeder weiss oder sich vorstellen können, was passiert, wenn dann einer
den Auslauf frei macht und dabei mitten drin ist.
Also muss der Schieber erst zu gemacht werden, egal ob mittels
Strom/Motor, oder per Hand.
Was ist, wenn Strom schon ausgefallen/abgestellt ist oder schon Schlamm
im Schieber steht und der Schieber dadurch nicht mehr motorisch
geschlossen werden kann?
Oder eine genaue Positionierung des Schiebers nach Bedarf von aussen
nicht möglich ist, wenn die weiter nachgelagerte Blockade langsam oder
schnell frei wird?
Als Baggerfahrer, der mitten im Ausflussbereich steht, hätte ich selber
auch liebend gern mein Gegenpart mit Ohr am Schieber und keinen
Tastendrücker in einer Fernwarte.
>> Allerdings hätte das die Chose doch eher behindert und verzögert.>> Da bringt es sicherlich mehr, in einem Elektronok-Forum zu granteln.
Machst Du jemals etwas anderes? :-)
Mit dem Thema des Forums hast Du doch so gut wie Null zu tun, nur
scheinen Dir Juristenportale zu hoch zu sein?
Oder warum bist Du hier?
Ralf X. schrieb:> Viele Unfalluntersuchungen dauern Wochen, Monate oder auch Jahre
was aber nicht jeden daran zu hindern scheint, sich vorab in epischer
Breite über Ursachen und Wirkungszusammenhänge auszulassen.
Irgend W. schrieb:> A. S. schrieb:>> Aber warum gibt es diese Gefahr bei Talsperren? Dass sie bei starkem>> Regen voll- und überlaufen, sollte doch prinzipiell kein Problem>> darstellen sondern Use-Case sein.>> Volllaufen nur bis zu einem gewissen Grad. Überlaufen eigentlich> garnicht, höchstens bis zu entsprechenden Überlaufkanälen.
Ich kenns eigentlich nur so, das es entsprechende Kanäle/Öffnungen gibt.
Ohne zutun von außen.
> Problem ist die Mange die man ablaufen lassen kann.> - Der Flusslauf unterhalb verträgt in der Regel nur eine gewisse Menge> an Wasser ohne das es dort zu Überschwemmungen kommt. Gerade beim> Überlaufen wäre diese Menge nicht mehr kontrollierbar.
Das ist aber in so einem Fall recht egal und besser als eine berstende
Staumauer.
Percy N. schrieb:> Ralf X. schrieb:>> Viele Unfalluntersuchungen dauern Wochen, Monate oder auch Jahre>> was aber nicht jeden daran zu hindern scheint, sich vorab in epischer> Breite über Ursachen und Wirkungszusammenhänge auszulassen.
Dir fehlte eine geistige Erleuchtung, die einem Wissenschaftsbericht
gleichgekommen wäre und ich habe versucht, Dir mit rund 750 Zeichen (mit
Satz- und Leerzeichen) auf die Sprünge zu helfen.
Und das stellt sich Dir schon als epische Breite dar?
Und das von einem angeblichen Jurist? *hihi
Ben B. schrieb:> Wenns nach mir> ginge, bekäme die Firma ein Schreiben "Tach auch, ihr habt bis zum> x.y.zzzz eine bessere Absicherung eurer Grube, sonst Entzug der> Betriebserlaubnis weil gefährlich" und dann hat sich das.
Das wird niemals passieren.
So eine Kiesgrube ist eine Goldgrube, und zwar für den Eigentümer und
auch die Gemeinde, auf dessen Gemarkung die Grube steht. Die Gemeinden
nehmen sehr große Summen u.a. über die Gewerbesteuer von den Kiesgruben
ein.
Daher gibt es auch ständig an den abenteuerlichsten Stellen
Genehmigungen für Kiesgruben. Da werden politisch alle Hebel in Bewegung
gesetzt, denn mit Kiesgruben kommt die Kohle für Beide, Eigentümer und
Gemeinde.
Prima. Dann möchte ich mal sehen wie der Eigentümer der Kiesgrube und
die Gemeinde Erftstadt jetzt vollumfänglich für die Schadensbeseitigung
bei Blessem zahlen. Das wird nämlich bestimmt auch niemals passieren.
Ben B. schrieb:> Dann möchte ich mal sehen wie der Eigentümer der Kiesgrube und> die Gemeinde Erftstadt jetzt vollumfänglich für die Schadensbeseitigung> bei Blessem zahlen. Das wird nämlich bestimmt auch niemals passieren.
Das ist genau das: Wenn ein Haus weggespült wurde und Land/Bund das
nicht wieder großzügig ausbügeln (wozu noch versichern?), dann sagen
Stadt / Betreiber:
Starkregen? Achwo! Das war Klimawandel, da können wir nix für.
Wobei ich schon erschrocken war: das Foto vom weggespülten Feld zeigt,
dass unter einem Meter Humus anscheinend komplett nur Kies/Sand liegt.
A. S. schrieb:> Wobei ich schon erschrocken war: das Foto vom weggespülten Feld zeigt,> dass unter einem Meter Humus anscheinend komplett nur Kies/Sand liegt.
Wenn man über Jahrzehnte immer alles voll aberntet, nur mineralisch oder
bestenfalls gelegentlich mit Gülle düngt und nichts kompostiert, dann
ist irgendwann Schicht im Schacht mit dem Humus. Ein voller Meter
Mutterboden ist aber noch ganz gut.
Vielleicht sollte in Betracht gezogen werden, wem die Kraftwerke und
damit meist verbundenen Talsperren in 1990 gehörten und wer diese nun
besitzt und betreibt. Dabei könnte sich der eine odere andere Nebel
lichten.
A. S. schrieb:> Aber warum gibt es diese Gefahr bei Talsperren?
Weil die teilweise über 100 Jahre alt sind.
> Dass sie bei starkem> Regen voll- und überlaufen, sollte doch prinzipiell kein Problem> darstellen sondern Use-Case sein.
Man kann ja "nachrüsten".
Dafür gibt`s die Wasserwirtschaftsämter ja!
Die können ja vom Betreiber sowas verlangen.
Oft kommt in der Technik mit der Zeit das Wissen um spez. Gefahrenlagen
erst im laufe der Zeit zu stande.
Percy N. schrieb:> A. S. schrieb:>> Wobei ich schon erschrocken war: das Foto vom weggespülten Feld zeigt,>> dass unter einem Meter Humus anscheinend komplett nur Kies/Sand liegt.
Nennt sich die "Rheinische Tiefebene", dort ist es halt so.
Aber im Gäuboden gibt`s unterm 0,5m Lössboden auch Sand und Kies, was
oft dann abgebaut wird und zu einer "Grube" führt.
> Wenn man über Jahrzehnte immer alles voll aberntet, nur mineralisch oder> bestenfalls gelegentlich mit Gülle düngt und nichts kompostiert, dann> ist irgendwann Schicht im Schacht mit dem Humus. Ein voller Meter> Mutterboden ist aber noch ganz gut.
Du hast keine Ahnung von Ackerbau und Viehzucht!
Der Humus "wächst" bis zu einer bestimmten "Dicke" an, dann ist Schluß.
Daher kommen anscheinend die Bauern, die hier helfen, vom Landvolk
Niedersachsen Kreisverband Mittelweser e.V. Die scheint man
fälschlicherweise auf den Index gesetzt zu haben.
Hallo Percy.
Percy N. schrieb:> Wenn man über Jahrzehnte immer alles voll aberntet, nur mineralisch oder> bestenfalls gelegentlich mit Gülle düngt und nichts kompostiert, dann> ist irgendwann Schicht im Schacht mit dem Humus. Ein voller Meter> Mutterboden ist aber noch ganz gut.
Na, hier geht es nicht um Versteppung und Heidebildung. Der Sand ist
"Natur" und durchaus in der Begehrlichkeit kommerziellen Abbaus.
Es gibt von dieser Szene mehrere Abbildungen zu Unterschiedlichen
Zeiten.
Dabei ist zu erkennen, dass das der Wasserspiegel zu Anfangs noch 6-10m
unter Strassenniveau lag, und dann Anstieg, bis er das jetzige Niveau
auf Kanalrohrhöhe der Strasse erreichte.
Dabei ist sowohl an Textur/Farbe als auch am Erosionsverhalten zu
erkennen, das dort verschiedenen Sandsorten übereinander liegen.
Nach meiner Vermutung hat der Zulauf aus dem (überfluteten) Kanal
zumindest am Anfang des Vorkommnisses eine große Rolle gespielt.
Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de
A. S. schrieb:> Und Überlaufen muss auch nur das, was zuströmt, also ein paar m³> pro Sekunde, notfalls verteilt auf die ganze Länge.
Hm. "paar m³" ..
Also bei 200l/m² Regen würden sich alleine durch mein Dach 30m³ Wasser
in die Kanalisation ergießen (Getrenntes Kanalsystem). Die versigelten
Flächen auf dem Grundstück die auch über Zisterne und letztlich die
Kanalisation geleitet werden, rechne nwir da jetzt nichtmal mit rein.
Alleine für unser kleines Wohngebiet (~80 EFH/MFH) wären das also
~2400m³ an Wasser das nur über die Dächer abfließt. Nun ist es aber auch
so das bei Starkregen diese Menge nicht pro Stunde fällt, sondern gerne
auch mal "in kurzer Zeit".
Betrachtet man nun die Fläche des Einzugsgebietes eines Stausee, so
kommt man leicht drauf das "die paar m³" durchaus sehr zügig mehr werden
können als die ~20m³/s die der Überlauf der Steinbachtalsperre schaffen
kann. Den Grundablass mit seinen 4,5m³/s lassen wir jetzt einfach mal
außen vor, der war ja eh nach dem ersten Überlaufen verstopft.
Da bei viel Regen in kurzer Zeit der Boden das Wasser sowieso nicht
aufnehmen kann und daher das meiste oberirdisch abfließt, kommen noch
ein par Faktoren dazu. Wenn es dann vorher anhaltend geregnet hat und
der Boden sowieso gesättigt ist, naja, Katastrophe pur.
Dieter D. schrieb:> Noch mehr Wasser mit noch höherer Geschwindigkeit fließt an der> Oberfläche des Bodens ab, wenn eine Wiese mit so etwas bestückt wurde:> https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/a/a6/Solarfeld_G%C3%A4nsdorf_vom_Aussichtsh%C3%BCgel_2.jpg
Woran und unter welchen weiteren Bedingungen machst Du das fest?
Die schlechteste Wasseraufnahme bietet ein völlig gesättigter oder
getrockneter Boden.
Eine völlige Austrocknung einer Wiese wird durch die PV-Module zumindest
verzögert.
Ralf X. schrieb:> Woran und unter welchen weiteren Bedingungen machst Du das fest?
Das Wasser läuft an einer Seite herunter und bildet Abflussrinnen. Der
Großteil der Flächen unter den Platten bleibt weitestgehend außen vor.
Der Boden wird darunter entweder auch nahezu gleich trocken oder unter
dem Solarfeld bildet sich eine Vegetation, die noch weniger
schwemmresistent ist.