Hallo,
man sieht ja heute viele Schaltungen die in erster Linie
aus ICs bestehen. Gibt es noch Bereiche in denen
eine Schaltung weitestgehend diskret aufgebaut wird?
Ich denke da an Leistungselektronik? Bei den Strömen und Spannungen ist
es schwer die Schaltung in einen IC zu bringen. Audio-Verstärker?
Jonathan schrieb:> Hallo,>> man sieht ja heute viele Schaltungen die in erster Linie> aus ICs bestehen. Gibt es noch Bereiche in denen> eine Schaltung weitestgehend diskret aufgebaut wird?> Ich denke da an Leistungselektronik? Bei den Strömen und Spannungen ist> es schwer die Schaltung in einen IC zu bringen. Audio-Verstärker?
Gerade bei letzteren zieht die Integration ein, und das macht auch Sinn.
Was wohl noch länger diskret bleiben wird sind einige Bereiche
vorzugsweise auf der Primärseite von Schaltnetzteilen.
Jonathan schrieb:> Gibt es noch Bereiche in denen> eine Schaltung weitestgehend diskret aufgebaut wird?
Hausinstallation, Eisenbahn. Mach die Augen auf und GuckstDu!
Frohes Aufwachen!
Jonathan schrieb:> Gibt es noch Bereiche in denen> eine Schaltung weitestgehend diskret aufgebaut wird?
Definiere mal "weitestgehend" genauer?
Was du am ehesten noch findest sind "gemischte" Schaltungen. Die ganze
Ansteuerung usw. soweit wie möglich als IC und die Leistungstransistoren
dann daran angebunden.
Gerade der Audio-Bereich war mit einer der ersten wo IC eingesetzt
wurden. Operationsverstärker im Vorverstärkern diskret aufzubauen hat
man schon aufgegeben bevor die Röhren überhaupt großflächig durch
Transistoren ersetzt wurden:-) Bei den Verstärkern, höchstens noch bei
A/B-Verstärkern der Preisklasse unendlich. Im Consumer Bereich (fast)
nur noch so hochintegriert wie irgendwie verfügbar.
Nur mal so als Beispiele:
- https://www.ti.com/product/TAS6584-Q1
-
https://www.ti.com/de-de/audio-ic/amplifiers/speaker-amplifiers/products.html
Jonathan schrieb:> Gibt es noch Bereiche in denen> eine Schaltung weitestgehend diskret aufgebaut wird?
Gibt es.
Gerade heute in Zeiten der Chipkrise freut sich jede Firma, deren Design
auf Einzeltransistoren statt IC aufgebaut war.
Es werden immer mehr, es wird flugs umkonstruiert.
Es gibt z.B. LED Lampen mit Spezial-IC oder simplen Transistoren, es
gibt Toaster mit IC, gar mit uC, oder simpel mit Transistoren in UJT
Schaltung, es gibt Netzteile mit IC, gar spezielleren als UC3845, und
nur aus Transistoren (und dem obligatorischen TL431, weltweit
meistgebauter IC).
Ich hab grad wieder eine Platine zurück designen müssen von High-Side
Schalter zu P-FET. Grund war die schlechte Verfügbarkeit (ab 2023/2024).
Bei P-FETs findet man schnell Ersatz, aber bei High-Side Schaltern
bastelt jeder Hersteller seinen eigenen Footprint. Und sollte der
Footprint dochmal passen, stimmt die Pinbelegung oder der Pegel nicht
überein. High-Side Schalter lassen sich daher unmöglich ersetzen.
Vielen Dank auch an die Hersteller, stopft euch doch eure High-Side
Schalter sonstwo hin.
Austauschbarkeit, wie früher z.B. beim 7805, wird heute absichtlich
unmöglich gemacht.
Letztes Jahr habe ich eine Mikrowelle mit mechanischem Schaltwerk
gekauft - hatte nicht gedacht, dass es diese Bauform überhaupt noch
gibt.
Ich habe ebenfalls letztes Jahr ein Orientierungslicht mit
Dämmerungsschalter gekauft, das wurde auch diskret aufgebaut.
LED Lichterketten bestehen oft aus diskreten Bauteilen :-)
MaWin schrieb:> Gerade heute in Zeiten der Chipkrise freut sich jede Firma, deren Design> auf Einzeltransistoren statt IC aufgebaut war.
Das mit den inkompatiblen Chips, Footprint, Anschlussbelegungen usw. kam
nicht nur aus der Feder der Chiphersteller, sondern ist auch der Wunsch
einiger Hersteller, die diese verbauen. Es soll damit verhindert werden,
dass die Teile repariert werden, weil man neue Produkte verkaufen will.
Vor einigen Jahren war ich auf der Produktronika, wo ein asiatischer
Hersteller das als neuen Service auf Wunsch vieler Kunden anpries.
Spezialität war das Bonden von Chips so das Pins vertauscht werden
konnten.
Dieter schrieb:> Spezialität war das Bonden von Chips so das Pins vertauscht werden> konnten.
Damit wollen die die Leiterplatten-Designer-Deppen adressieren, deren
Autorouter (und die Deppen selbst) es sonst nicht auf die Reihe
bekommen, eine ordentliche Verdrahtung auf dem Board zu erreichen.
MaWin schrieb:> ... und dem obligatorischen TL431, weltweit> meistgebauter IC ...
Äh,
wie kommst du da drauf ???
Denke doch, dieser Titel gebührt dem NE555 .
Ist allerdings ein Bauteil das man eher nicht diskret nach baut, wurde
ja nicht ohne Grund erfunden und erfolgreich.
Gruss
Jonathan schrieb:> Bei den Strömen und Spannungen ist> es schwer die Schaltung in einen IC zu bringen.
Wenn sich GaN und SiC basierte Halbleiter so schnell breit machen, wie
es derzeit scheint, dann wird wohl auch immer mehr Leistung in
vergleichsweise kleinen ICs geschaltet werden, da weniger
Verlustleistung anfällt und die Abwärme bei höheren
Temperaturdifferenzen vom Bauteil zur Umgebung leichter wegzukühlen ist.
Peter D. schrieb:> Austauschbarkeit, wie früher z.B. beim 7805, wird heute absichtlich> unmöglich gemacht.
Nicht zwangsläufig, es gibt viele ICs, welche zueinander pinkompatibel
sind, viele Hersteller wollen aber einfach nicht offensichtlich durch
gleiche Benamung austauschbar sein. Klar kann es von Vorteil sein
offensichtlich kompatibel zu sein um einen Teil des Kuchens zu bekommen,
es ist aber ebenfalls ein großer Nachteil. Mit der Vergleichbarkeit und
Austauschbarkeit entsteht ein Preiskampf, die Hersteller müssen sich
immer weiter unterbieten und dies frisst die Marge auf.
Erich schrieb:> Äh,> wie kommst du da drauf ???
Weil ich es weiss.
> Denke doch, dieser Titel gebührt dem NE555
Das letzte Mal hast du in vorherigen Jahrhundert gedacht, seit dem bist
du in Rente ?
Der TL431 ist praktisch in jedem Steckernetzteil/Handylader. Der NE555
auf praktisch jedem Steckbrett von Elektronik-Bastlern. Kommerziell
eindesigned habe ich den zuletzt in den 80er-Jahren als Pulsgeber für
TRIAC-Ansteuerung.
Es gibt durchaus noch Geräte, die mit diskreten Bauteilen gebaut werden,
das ist aber schon selten- ich kenne z. B. Geräte in Kosmetiksalons,
Ultraschall-Generatoren, recht große Kisten, die aber nur mit einem
einfachen 1- Transistor- Oszillator (!) arbeiten.
Hier mal ein Vergleich von Meßgeräten älterer Baujahre.
1. Voltmeter "V524", Polen, 1970:
50 cm breit, 20 cm hoch, 40 cm tief, wiegt 25 Kg !
Preis nicht bekannt, soll über 8000 DDR- Mark gelegen haben (ein PKW
"Trabant" in der Grundvariante kostete 8000 DDR- Mark)
5 Ziffern, 2 Eingangs- Elektrometerröhren, 2 mechanische "Zerhacker"
(!), ca. 300 Germanium- Transistoren, ca 110 Germanium- Dioden, 60
Anzeigelämpchen.
Kein einziger IC ! Alles "zu Fuß", dafür aber sicher noch viele
Jahrzehnte reparabel, eben solange es noch Bestände an Bauteilen gibt,
der Austausch gegen modernere Halbleiter, selbst Si- Bauelemente, ist
meist unkritisch.
Sehr genau, Anzeige sehr stabil, enthält ein Weston- Normalelement,
welches nach über 50 Jahren immer noch seine Normalspannung (1,01921 V)
liefert.
2. Voltmeter "DM2010", DDR, 1975/76:
25,5 cm breit, 14,5 cm hoch, 310 mm tief, 6 Kg.
5150 DDR- Mark (ein PKW "Trabant" in der Grundvariante kostete 8000 DDR-
Mark)
4 Ziffern, 5 Anzeigeröhren, ca. 135 Si. Transistoren, ca 150 Si- Dioden,
10 TTL-ICs (9 x NAND- Gatter D100 entspr. SN7400, 1 x D110, entspr.
SN7410), 6 Analog- ICs (Operationsverstärker A109, entspr. µA709), 2
Netzteil- Regel- ICs (MAA723, entspr. µA723).
Gute Genauigkeit und Stabilität. Normalspannungs- Baugruppe 2,000 V,
basierend auf konstantstrombetriebener Z- Diode.
Mein Eigenbau- Voltmeter, 1983:
20 cm breit, 5 cm hoch, 15cm tief, 500g. Preis der Einzelteile unter 100
DDR- Mark.
3 Ziffern, 2 IC (1 x 3 Digit A/D Wandler C520, entspr. AD2020, 1 BCD-zu
7-Segment-Decoder D147, entspr. SN 7447), 3 Germanium-Transistoren, 4
Dioden (Netzteil). 4 LED- Lichtschacht- Anzeigen.
Genauigkeit und Stabilität gering, aber ausreichend. Keine eigene
Normalspannung.
Dafür klein und leicht.
Es gibt sicher bessere Beispiel- Geräte, besser wäre ein Vergleich
dreier Geräte mit gleicher Stellenzahl, solche habe ich leider nicht,
diese drei zeigen aber den Trend ihrer Zeit.
Foto: V524 und Eigenbau messen die 2,000 V Normalspannung eines anderen
DM2010, das DM2010 in der Mitte zeigt seine eigene Normalspannung.
Stefan ⛄ F. schrieb:> Er fragte nach aktuellen Beispielen, nicht nach 40-50 Jahre alten.
Nannte ich ja auch- die Kosmetik- Kisten.
Der Unterschied in der Teilezahl und im Aufwand, also diskret vs. IC,
wird aber so richtig sichtbar bei älteren und anspruchsvolleren Geräten,
darum diese Beispiele. Ein Präzisions- Meßgerät wird wohl nicht mehr so
gebaut werden, wie 1970.
Edi M. schrieb:> (ein PKW "Trabant" in der Grundvariante kostete 8000 DDR- Mark)
Wobei man auch heute den Preis eines Kleinwagens für ein Tischmultimeter
ausgeben kann (nicht muß :-)
https://www.datatec.eu/keysight-3458a-dmm
Bernd schrieb:> Edi M. schrieb:>> (ein PKW "Trabant" in der Grundvariante kostete 8000 DDR- Mark)> Wobei man auch heute den Preis eines Kleinwagens für ein Tischmultimeter> ausgeben kann (nicht muß :-)> https://www.datatec.eu/keysight-3458a-dmm
Nun ja... das Ding wird sicher viel können, und top genau sein.
Aber was die alten Dinger können... bei einer Sache kommt das Teuerzeug
kaum mit, und das war schon in den 70er/ 80er Jahren so: Beim, Messen an
hohen Spannungen, speziell in Fernsehern, verreckten oft die FETs in der
Eingangsstufe. Da werkeln ja Stufen mit einigen Hunderten oder Tausenden
Volt. Da reichte aber manchmal schon, die Tastspitze in der Nähe der
Zeilenendstufe reinzuhalten- die statische Ladung der Farbgeräte, z. b.
die guten "Raduga" und "Rubin" unserer Freunde in der kalten Heimat,
killte mühelos auch FETs mit Eingangsdioden, Stückzahlen an
Fernseh-Service- Oszis EO174 gingen damals in die Werkstatt, und eben
auch Voltmeter mit FETs, ich habe hier noch 4 Tischmultimeter mit einem
russischen OP- Amp mit FET- Eingang, die sind wahrscheinlich alle so
verreckt.
Das Uralt- Ziffernvoltmeter von 1970 ist sozusagen die Komfort- Variante
der alten Röhrenvoltmeter mit Zeiger, und irre zäh- das kann man mit
statischen und anderen hohen Ladungen nicht beeindrucken- das Ding hat 2
Elektrometerröhren im Eingang, die machen nicht mal dicke Backen dabei,
selbst wenn die voll aufsteuern, begrenzt der Anodenstrom die Power, und
die nachfolgenden Stufen bleiben heil.
Und ein Russenoszi steht noch bei mir, mit Nuvistor im Eingang, das ist
eine Subminiaturröhre.
Auch wenn diskret aufgebaute Geräte in Sachen Aufwand in keiner Weise
mithalten können- das, was einst diskret gebaut wurde, ist oft sehr
haltbar, gut bis sehr gut instandsetzbar, und damit -im Gegensatz zu dem
modernen Zeug- wirklich und wörtlich "nachhaltig".
Edi M. schrieb:> ein Russenoszi steht noch bei mir, mit Nuvistor im Eingang, das ist eine> Subminiaturröhre.
Nuvistoren gab es auch bis in die 80er bei Tektronix. Die Eingangsstufen
waren praktisch nicht kaputt zu bekommen.
Christian M. schrieb:> Wer hat heute noch Röhrengeräte? Richtig, der Nostalgiker mit uralt> Messgeräten ;-)
Richtig. Der Edi z. b.
Oder Militärs- die benutzten noch bis vor kurzem Röhren, wahrscheinlich
tun sie es noch.
Den Lampen kann nämlich -im Gegensatz zu Halbleitern- ein starker
elektromagnetischer Impuls (EMP), wie er bei Atomschlägen zu erwarten
ist, oder auch mit speziellen Geräten erzeugt werden kann, nichts
anhaben.
Röhren verwenden auch eine Gruppe der HiFi- Freaks, die auf bestimmte
klangliche Eigenschaften schwören. Und die teuersten dieser
Röhrenverstärker kosten 5- 6- stellige Beträge.
Das ist nicht nur Zeugs von Voodoo- Firmen- es gibt. z. B. einen irre
teuren Kopfhörerverstärker mit Röhren, von Sennheiser, HE1, früher der
berühmte "Orpheus".
Röhrentechnik ist nicht nur Nostalgie von Edi.
Mark S. schrieb:> Der NE555 auf praktisch jedem Steckbrett von Elektronik-Bastlern.
Glaube ich kaum. Für Bastler spielt es keine Rolle, ob man ein paar Euro
mit einer ollen NE555-Gurke spart. Das einfachere Handling bei einem
Controller wie dem ESP ist viel wichtiger.
Frequenz ändern? Beim NE555 darfst du losdackeln und nach
Kondensatoren/Widerständen wühlen. Plus 20% Toleranz beim Kondensator.
Beim ESP änderst du die Zahl in der Firmware und gut ist.
NE555 hat seine Berechtigung m.E. noch an Stellen, an denen es wirklich
auf den Hundertstel Cent ankommt und bei denen im System nicht sowieso
ein Controller drin ist.
Wo ein Controller drin ist braucht man keinen NE555 mehr.
Mark S. schrieb aber von Steckbrettern von Bastlern im Allgemeinen.
Absolut nicht von denen von µC-net nutzenden Bastlern.
Und von "Euren" schon mal überhaupt nicht. :-)
pegelwendler schrieb:> Mark S. schrieb:>> Der NE555 auf praktisch jedem Steckbrett von Elektronik-Bastlern.>> Glaube ich kaum. Für Bastler spielt es keine Rolle, ob man ein paar Euro> mit einer ollen NE555-Gurke spart. (etc.)
Hmmm... mag dem so sein. Nur:
https://www.google.com/search?client=opera&q=schematic+555
Faktoren: Anzahl Auffindbarkeit Bekanntheitsgrad = Ergebnis
Und dieses ist, daß (noch) sehr, sehr viele 555er eingesetzt werden.
(Also gerade im Bastlerbereich vgl. m. dem Profibereich.)
Ob wirklich "auf praktisch jedem S." wage ich auch zu bezweifeln -
aber auf extrem vielen (und das bleibt wohl noch länger so).
Logischerweise gäbs (v.a. heutzutage) meist eine bessere Lösung.
Noch dazu geistern so dermaßen viele Schaltungen von Laien im Netz
rum (nicht nur bzgl. 555, aber doch besonders damit), wo ICs nicht
ihren Vorzügen entspr. sondern "murksig" eingesetzt werden.
Trotz der Chipkrise ist das zuallermeist Quatsch, und "wir" dürfen
uns mit den zahllosen "genialen Erfindungen" von Laien rumschlagen,
wenn wieder mal jemand eine solche im Netz aufgefunden habend diese
ganz begeistert nachbauen will.
Stefan ⛄ F. schrieb:> Ich habe schon lange keine NE555 mehr in meiner Bastelkiste. Stattdessen> nutze ich ATtinies.
Und der läuft bei 12V und kann +/- 200mA schalten?
Falk B. schrieb:> Und der läuft bei 12V und kann +/- 200mA schalten?
Irgendwas ist immer. Der NE555 ist ohne weitere Bauteile drumherum auch
unnütz. Dafür kann der ATtiny unendlich viele andere Dinge, die der
NE555 nicht kann. Ein Relais schalten schafft der ATtiny sogar ganz
alleine, wenn ich mehrere Ausgänge parallel schalte.
Stefan ⛄ F. schrieb:> Irgendwas ist immer.
Ja, irgendwas ist immer. Der ATtiny muß auch noch programmiert werden
während der vielgescholtene NE555 sogar ganz ohne PC in Betrieb genommen
werden kann.
(Und natürlich hat ein uC ganz andere Vorteile).
claw/finger schrieb:> Noch dazu geistern so dermaßen viele Schaltungen von Laien im Netz> rum (nicht nur bzgl. 555, aber doch besonders damit), wo ICs nicht> ihren Vorzügen entspr. sondern "murksig" eingesetzt werden.
Ich habe inzwischen erschreckend viele Schaltungen von Profis gesehen,
wo das auch der Fall ist...
Ich habe in einem aktuellen Design auch eine kleine Zeitschaltung mit
einem RC-Glied diskret aufgebaut.
Die Aufgabe war, einen Überstrom abzuleiten in dem ein Transistor
geschaltet wird.
Wenn ein (recht schneller) Analogkomparator einen kurzen Überstrompuls
detektiert, soll der Transistor ein paar Sekunden durchgeschaltet
bleiben. Wenn zwischendurch ein neuer Überstrompuls reinkommt, soll die
Wartezeit verlängert werden.
Neben dem RC-Glied noch ein ODER-Gatter für die Selbsthaltung und ein
Entladetransistor um die Wartezeit zurückzusetzen - fertig. Ein
Mikrocontroller ist zumindest auf der Platine nicht vorgesehen,
ODER-Gatter brauchte ich sowieso. Gut, man könnte jetzt trefflich
diskutieren ob die Verwendung eines ODER-Gatters als diskrete Bauweise
zählt oder nicht...
Als ich in der Firma angefangen habe, hat mein Chef mich mal nach einer
Idee für eine möglichst einfache Ladeschaltung eines Pufferkondensators
gefragt. Der Kondensator sollte einen Mikrocontroller noch lang genug am
Leben erhalten, wenn der Benutzer aus Ungeduld beim Boorvorgang die
Spannungsversorgung unterbricht. Z-Diode, Vorwiderstand, Transistor,
Widerstand zur Ladestrombegrenzung – fertig.
Einen zusätzlichen Schaltregler hätte das nicht gerechtfertigt, der
Kondensator sollte aber möglichst rasch voll sein und hätte die normale
Spannungsversorgung überlastet. Und die normale Spannungsversorgung
ausreichend überzudimensionieren, nur weil die ersten paar
Betriebssekunden ein paar Ampere gezogen werden, wäre auch keine geile
Lösung gewesen. Dann lieber einen Drahtwiderstand gehörig überlasten für
eine kurze Zeit.
Mein Chef hat beim Durchrechnen dann zwar festgestellt daß ihm der
Widerstand auch zu groß geworden wäre, es war vorrangig ein
Platzproblem, die Kondensatoren wurden dann ein Kompromiss aus mittlerer
Spannung und mittlerer Kapazität (vorher war 2V und, keine Ahnung 1F
oder so angedacht), aber die Ladeschaltung blieb im Prinzip diesselbe.