News Renesas offeriert 5V-fähigen ARM-Mikrocontroller, Funkmodulmarkt im Umbruch


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von Tam H. (Firma: Tamoggemon Holding k.s.) (tamhanna)


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Renesas erweitert die RX-Familie um eine Gruppe leistungsstarker 32bit-Mikrocontrollern, die mit 5V Signalspannung umgehen können – ein Feld, das bisher Achtbittern, dem RX210 und Produkten aus dem Hause NuvoTon überlassen blieb. Im Bereich der Funktechnologien spielt es derweil große Politik: Telit und SemTech kaufen zu, während der neue SigFox-Eigentümer interessante Meldungen zum Besten gibt.

(Bildquelle: Renesas)

Telit kauft Cinterion von Thales

Gemaltos Funkmodulsparte kommt nicht zur Ruhe: das nicht nur durch die Malversationen um Oozi Cats bekannt gewordene Unternehmen Telit kauft die Sparte nun aus den Beständen von Thales.

(Bildquelle: Wikimedia Commons)

Das neue Unternehmen – Thales hält 25% der Anteile – wird in Kalifornia domiziliert und hört auf den Namen Telit Cinterion. Die Automotive IoT-Sparte soll nach der Übernahme ausgegliedert werden, Ziel ist die Einbehaltung folgender Sparten:

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The intended transaction includes Thales portfolio of cellular wireless communication modules, gateways, and data (modem) cards, ranging from 4G LTE, LPWAN to 5G. 

Interessant ist, dass sich im Titel der offiziellen Pressemeldung ein expliziter Verweis auf die nicht-chinesische Abstammung des Unternehmens findet:

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Telit and Thales Announce the Creation of the Leading Western IoT Solutions Provider: Telit Cinterion
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3
. . .
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Combined company, to be called Telit Cinterion, is leading Western IoT provider, . . .

SemTech evaluiert Kauf von Sierra Wireless

Die Kombination aus lizenzfreien (LoRA und/oder SigFox) und lizenzbehafteten (NBIoT, etc) Funksystemen ist nicht nur auf Kundensicht beliebt. Das hinter LoRA stehende Halbleiterunternehmen SemTech soll laut Bloomberg (https://www.bloomberg.com/news/articles/2022-08-01/semtech-said-in-advanced-talks-to-buy-sierra-wireless) knapp davor stehen, Sierra Wireless aufzukaufen. Eine öffentliche Bestätigung soll “innerhalb von Tagen” erfolgen – interessant vor allem, weil Sierra Wireless einer der traditionsstärksten Anbieter von Funkmodulen ist.

SigFox-Eigentümer UnaBiz spricht über Zukunftspläne

Die Übernahme von SigFox durch UnaBiz hat uns im Laufe der letzten sechs Monate gut mit News versorgt. Der im Allgemeinen gut informierte Branchennewsdienst Enterprise Iot Insights traf die Eigentümer von UnaBiz nun auf einem Kongress der LoRA-Anwender (kein Scherz), und nutzte die Gelegenheit für ein Interview. Grundtenor ist dabei der Wille zur Zusammenarbeit, auch in vertikaler Ebene – die Integration lizenzfreier und lizenzbehafteter Funksysteme auf der einen Seite und das Anbieten einer “einheitlichen, sauberen Kundenerfahrung” sind erklärte Ziele der SigFox-Chefs. Interessant war auch die Frage, wann UnaBiz der LoRaWAN-Allianz beitreten will:

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Will Unabiz be at the next LoRaWAN expo as an alliance member? It is not a question of if; it is just a question of when,  . . .

Weitere Informationen finden sich unter https://enterpriseiotinsights.com/20220728/internet-of-things/sigfox-is-the-future-unabiz-has-to-avoid-unabiz-seeks-to-unite-broken-iot-market.

Renesas: RX660 mit CAN FD und 5V-Toleranz

Mit dem RX660 schickt Renesas eine neue Variante der RX-Familie ins Rennen, die neben 5V Signalspannung auch Unterstützung für CAN FD mitbringt. Gleich zu Beginn die Feststellung, dass alle Familienmitglieder den gleichen RAM-Ausbau aufweisen – die Unterschiede liegen “nur” in den verwendeten Gehäusen und der Anzahl der exponierten Pins und der Größe des Programmspeichers.

(Bildquelle: Renesas, via https://www.renesas.com/eu/en/document/dst/rx660-group-datasheet?language=en&r=1618106)

Gegenüber dem bisherigen 5V-Flaggschiff RX210 verspricht Renesas erstens einen wesentlich schnelleren Rechenkern und zweitens 10% mehr IO-Pins. Für Entwickler gibt es unter https://www.renesas.com/rx660 weitere Informationen, zwei Evaluationsboards stehen ebenfalls zur Verfügung. Interessant war in der Ankündigung auch die Auswahl von Daikin als Referenzkunde. Als spezifischer Vorteil des Chips wurde die höhere Störimmunität angeführt:

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At Daikin, we have been using Renesas RX MCUs in our main air conditioner products for over 10 years, and we welcome the new RX660 MCUs with superior noise tolerance,

Infineon: HyperRAM jetzt mit 16 Bit Busbreite

Infineon bietet mit HyperRAM (siehe https://www.infineon.com/hyperram) seit 2017 einen an SPI angelehnten Speicherbus an, der beispielsweise als RAM-Erweiterung für FPGAs vorgesehen ist. Mit HyperRAM 3.0 steht nun eine neue Version des Busses zur Verfügung – die im BGA49-Gehäuse vorliegenden Speicherchips verwenden nun 16 Busleitungen und erreichen Bandbreiten von bis zu 800 Mbps. Derzeit gibt es die Bauteile allerdings nur mit 256 MBit Kapazität.

(Bildquelle: Infineon)


: Bearbeitet durch NewsPoster
von Petr T. (ptr)


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5V ARM? Dann fehlt nur noch eins in DIP/DIL-Package...

von Marc X. (marc_x)


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Petr T. schrieb:
> 5V ARM? Dann fehlt nur noch eins in DIP/DIL-Package...

Das meiste an Peripherie kriegt man heute doch sowieso nicht mehr für 
5V, es gibt aber tatsächlich eine Hand voll Cortex-M Controller in DIP, 
zum Beispiel der LPC1114FN28/102.

von Ron T. (rontem)


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Petr T. schrieb:
> 5V ARM? Dann fehlt nur noch eins in DIP/DIL-Package...

Du meinst wohl AVRs 😉

Marc X. schrieb:
> Das meiste an Peripherie kriegt man heute doch sowieso nicht mehr für
> 5V

Das ist doch Unsinn.
Davon abgesehen ist ein auf 5V erweiterter Versorgungsbereich nur von 
Vorteil.

: Bearbeitet durch User
von Rudolph R. (rudolph)


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Mich wundert mehr wie die mit nur 60MHz den CAN-FD bis 8MBit/s betreiben 
wollen. Und dann hat der nur 1x CAN-FD.

von Mi N. (msx)


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Renesas offeriert 5V-fähigen ARM-Mikrocontroller.

Mit ARM hat das Teil nichts am Hut!

von Steffen H. (Firma: www.shotech.de) (mc_sho) Benutzerseite


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die MB9B500B ( ARM Cortex M3 ) von Fujitsu ( Spanison, Cypress ) und 
jetzt Infineon konnten das schon vor Jahren ( 2013 ). VCC 2,7V bis 5V. 
Ist also nichts neues und der RX660 ist ein RXv3 core. Kein ARM wie oben 
schon geschrieben.

von Soul E. (soul_eye)


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32bit 5 V-Controller ohne ARM baut Renesas schon lange. Man denke an die 
im Automotive-Bereich gängigen V850 und RH850.

Wenn es ARM sein soll, dann gibt es z.B. die S32K-Familie von NXP. 
Ebenfalls Automotive und zum Betrieb an 5 V geeignet.

von Mi N. (msx)


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Soul E. schrieb:
> Wenn es ARM sein soll, dann gibt es z.B. die S32K-Familie von NXP.
> Ebenfalls Automotive und zum Betrieb an 5 V geeignet.

Bei Hitachi/Renesas hat mir die Peripherie immer gut gefallen. Da hätte 
mich ein ARM-Kern (mit einigen 100 MHz) schon interessiert.

Nach Ansicht des Datenblattes verwundert mich aber, wie der TO auf die 
Idee kommt, den RX660 in den gleichen Topf zu stecken wie den RX210. Die 
maximale Versorgungsspannung beträgt nämlich nur 4,6 V. Das ist zwar 
einen Tick besser als zum Beispiel die STM32-Teile und reicht damit auch 
für den direkten Betrieb mit einen LiIon-Zelle, aber 5 V sind es 
definitiv nicht.

Da war heute im Fernsehen von einer weiblichen Köchin die Rede und in 
Neukölln hat ein junger Mann mit einer Luftpistole auf Passanten 
gefeuert.
So ist das heute mit der Genauigkeit von Berichten. Hauptsache eine 
fette Überschrift.

von Rudolph R. (rudolph)


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Mi N. schrieb:
> Nach Ansicht des Datenblattes verwundert mich aber, wie der TO auf die
> Idee kommt, den RX660 in den gleichen Topf zu stecken wie den RX210. Die
> maximale Versorgungsspannung beträgt nämlich nur 4,6 V.

Wo genau findet sich das?

https://www.renesas.com/us/en/products/microcontrollers-microprocessors/rx-32-bit-performance-efficiency-mcus/rx660-32-bit-microcontrollers-high-performance-and-excellent-noise-tolerance-5v-power-supply

"Operation from a single 2.7- to 5.5-V supply"
Und das steht nicht nur auf Seite 1, das steht auch unter "Recommended 
Operating Conditions".

von Mi N. (msx)


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Rudolph R. schrieb:
> "Operation from a single 2.7- to 5.5-V supply"

Stimmt und danke für den Hinweis!
Gestern war einer der obigen Links "kaputt" und ein anderer Link hatte 
mich auf das Datenblatt zum RX630 geführt, was mir nicht aufgefallen 
war. Dort waren auch nur 100 MHz angegeben, wobei die 120 MHz beim RX660 
auch nicht so zündend sind.

Den RX210 fand ich vor 10 Jahren sehr interessant, wenn auch nicht 
sonderlich schnell: Beitrag "Verlosung RX210 Promo-Board"
Und trotz der von Renesas so beworbenen Eigenschaften (no wait-states 
Flash, dynamische Befehlslänge) waren auch die großen Brüder RX610, RX61 
und RX62 gegenüber einem STM32F407 deutlich langsamer. Hinzu kommt, daß 
es weniger Distibutoren gibt, die Preise im oberen Bereich liegen (RX660 
bei DK rund 30 € netto) und Einzelstücke oder kleinere Stückzahlen 
schlecht oder nur mit langer Lieferzeit erhältlich waren. (Zur 
Liefersicherheit hatte ich immer einen Tray auf Lager.)

Für die Software gab es damals HEW und Erweiterungen von KPIT. Damit 
ließ sich gut arbeiten. Heute heißt das wohl E2 (Eclipse) und ist für 
mich ein deutlicher Rückschritt gewesen - nur Bäume und kein Wald in 
Sicht.
Das Renesas-Forum war (ist?) mager und man muß ein großer Fan sein, um 
dort bei der Stange zu bleiben. In dem Punkt habe ich versagt ;-)

von Michael F. (Firma: IAR Systems) (michael_iar)


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Mi N. schrieb:
> Den RX210 fand ich vor 10 Jahren sehr interessant, wenn auch nicht
> sonderlich schnell: Beitrag "Verlosung RX210 Promo-Board"
> Und trotz der von Renesas so beworbenen Eigenschaften (no wait-states
> Flash, dynamische Befehlslänge) waren auch die großen Brüder RX610, RX61
> und RX62 gegenüber einem STM32F407 deutlich langsamer.

Moin,

der RX660 basiert auf der RXv3 Architektur und die sollte auf dem Papier 
(= CoreMark Benchmark) eigentlich ein ganzes Stück schneller sein, als 
ein Arm Cortex-M4. Die von Dir genannten R6x Familien und der RX210 
basieren noch auf RXv1 und die Architektur war deutlich langsamer, was 
CoreMark/MHz angeht.

Wie viel das für eine konkrete Applikation ausmacht muss sich natürlich 
am Ende zeigen :-)

Gruß,
Michael

von Mi N. (msx)


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Michael F. schrieb:
> der RX660 basiert auf der RXv3 Architektur und die sollte auf dem Papier
> (= CoreMark Benchmark) eigentlich ein ganzes Stück schneller sein, als
> ein Arm Cortex-M4. Die von Dir genannten R6x Familien und der RX210
> basieren noch auf RXv1 und die Architektur war deutlich langsamer, was
> CoreMark/MHz angeht.

Mein Erfahrungswert von RX610 und STM32F407 ist zehn Jahre alt.
Heute muß sich ein RX660 mit zum Beispiel einem preislich günstigeren 
STM32H730 vergleichen lassen, dem er bezüglich der 
Ausführungsgeschwindigkeit nicht das Wasser reichen kann. Auch ein 
STM32Fxxx ist schon schneller.
Die schnellen Zugriffszeiten auf das interne Flash haben heutzutage 
(vermutlich) nur minimalen Nutzen und bremsen diese RXe auf 100 - 120 
MHz aus.

Aber lass den RX660 gut verfügbar sein und für - sagen wir - fünf Euro 
das Stück. Das würde ihn interessanter machen. Gut, die Hauptabnehmer 
werden wohl auch nicht mehr dafür bezahlen?

Schön sind die Teile ja schon. Ein oberflächlicher Blick ins Datenblatt 
zeigt beispielweise 16 Registerbänke, die eine sehr kurze 
Interruptlatenz ermöglichen. Das kenne ich noch vom SH7211, wo es ca. 60 
ns gedauert hat, die ISR mit einem komplett neuen Registersatz 
anzuspringen. Und auch andere Eigenschaften gefallen mir sehr gut.

Aber in der heutigen Arduinowelt geht soetwas wohl komplett unter.

von Mi N. (msx)


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Merkwürdig bzw. erfreulich.
Wurde mir anfangs der Woche bei DigiKey ein Stückpreis von etwas über 30 
Euro angezeigt, waren es heute für ein Einzelstück noch 11,80 (LQFP100) 
ohne näheren Liefertermin.
Mal sehen, wann das Demoboard dazu lieferbar ist.

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