Hallo zusammen,
Ich experimentiere zurzeit mit Leiterplattenkondensatoren zwecks
Bodenfeuchtemessung. Ich möchte auf einer Platine zwei
Leiterplattenkondensatoren anordnen mit unterschiedlichen Längen.
Nun zur eigentlichen Frage: Benötigen derartige
Leiterplattenkondensatoren eine flächige GND-Plane auf der
Platinenrückseite, um vernünftig zu funktionieren? Dann müsste ich die
beiden Elemente nebeneinander anordnen (in rot s. Bild, grün hier
ignorieren). Auf der Rückseite wäre dann wie gesagt flächig GND.
Oder kann ich auch einen von beiden "Wirkflächen" auf die Rückseite
legen (grün im Bild)? Dann könnte ich die Platine insgesamt viel
schmaler machen, aber die Kondensatorplatten der Messelemente liegen
dann halt genau gegenüber und beeinflussen sich vielleicht ungünstig???
Hat da jemand Erfahrungen oder Vorschläge?
Danke und LG
FLXN schrieb:> Oder kann ich auch einen von beiden "Wirkflächen" auf die Rückseite> legen (grün im Bild)?
Nein, das verschlechtert nur die Empfindlichkeit.
Die Kapazität zwischen den beiden Flächen, getrennt durch das
Platinenmaterial, ist wesentlich höher als über die feuchte/trockne
Erde.
Das eigentliche Problem an den Teilen ist, man misst nur "Punktuell".
Taugt also nur für kleine Pötte.
Ich kann dein Messprinzip im Detail nicht erkennen, aber mit den Flächen
gegenüber liegend baust du einen Kondensator, der parallel zu deinen
Eingängen liegt. Vermutlich reduziert das die Empfindlichkeit
wesentlich.
Die Kapazität soll ja durch den Boden geändert werden, also außerhalb
der Platine. Da ist die Platine als Dielektrikum unerwünscht, d.h. die
Rückseite bleibt frei. Optimal ist der Kondensator, wenn die beiden
Elektroden kammartig ineinander greifen.
Damit der Kondensator nicht schnell verrottet, nimm eine 4-lagen
Platine. Eine Innenlage bildet den Kondensator, die anderen 3 Lagen
bleiben bis zu den Anschlüssen leer. Lötstopplack hilft nicht.
Peter D. schrieb:> Da ist die Platine als Dielektrikum unerwünscht, d.h. die> Rückseite bleibt frei.
Habe leider gerade keinen Sensor Life vor Ort, aber ich glaube, dass die
Kaufversion eine Lage auf der Rückseite hat.
Peter D. schrieb:> Optimal ist der Kondensator, wenn die beiden> Elektroden kammartig ineinander greifen.
Stichwort kammartig: Kann ich wenigstens dies Mittelstück GND-Plate
entfernen, um bisschen Breite zu sparen (s. Bild), oder braucht es das
auch für verbesserte Funktionalität?
FLXN schrieb:> oder braucht es das> auch für verbesserte Funktionalität?
Jedes Stückchen GND verschlechtert die Funktion - es soll ja möglichst
nur ein Streufeld gemessen werden, das in die Erde hineinreicht. Auch
die Leiterplatte selbst (das FR4) ist schon unerwünscht und verringert
die Empfindlichkeit.
Georg
FLXN schrieb:> Stichwort kammartig: Kann ich wenigstens dies Mittelstück GND-Plate> entfernen, um bisschen Breite zu sparen (s. Bild), oder braucht es das> auch für verbesserte Funktionalität?
Nein, jede Kapazität die direkt zwischen den Flächen entsteht, also ohne
das Dielektrikum feuchte/trockene-Erde, verschlechtert das Verhalten.
Bei vielen solcher Sensoren, ist das Stück LP zwischen den Flächen
herausgeschnitten. Sieht zwar nicht so aus, aber das bischen Erde mehr
zwischen den Flächen, bringt schon eine merkliche Verbesserung. Hat auch
weniger Einfluss auf die Verteilung der Feuchtigkeit und
zerstörte/behindert das Wurzelweg weniger.
Wenn du die auch noch um 90° drehen könntest...... :)))
Georg schrieb:> Jedes Stückchen GND verschlechtert die Funktion - es soll ja möglichst> nur ein Streufeld gemessen werden, das in die Erde hineinreicht
Ok also die GND-Planes wenn möglich komplett von der Vorderseite (und
Hinterseite??) entfernen? So wie im ersten Bild?
Teo D. schrieb:> Nein, jede Kapazität die direkt zwischen den Flächen entsteht, also ohne> das Dielektrikum feuchte/trockene-Erde, verschlechtert das Verhalten.> Bei vielen solcher Sensoren, ist das Stück LP zwischen den Flächen> herausgeschnitten. Sieht zwar nicht so aus, aber das bischen Erde mehr> zwischen den Flächen, bringt schon eine merkliche Verbesserung.
Du meinst richtig so mit zwei separaten "Nadeln" wie im zweiten Bild?
Teo D. schrieb:> das bischen Erde mehr> zwischen den Flächen, bringt schon eine merkliche Verbesserung
Nicht nur die Anwesenheit von Erde, sondern auch das Fehlen des
LP-Materials, weil das eine viel höhere Dielektrizitätskonstante hat als
die Erde (glaube ich jedenfalls), und daher die Messung verfälscht. Das
lässt sich natürlich wegkalibrieren, aber auf Kosten der
Empfindlichkeit.
Georg
Hab gerade noch eine Funktionsskizze von industriellen kapazitiven
Näherungssensoren gefunden (s. Bild). Demnach scheint man die GND-Bahnen
an den Seiten der Kondensatorflächen doch zu brauchen.
FLXN schrieb:> Demnach scheint man die GND-Bahnen> an den Seiten der Kondensatorflächen doch zu brauchen.
Falsch hingeschaut. Das sind 2 Anschlüsse für die Elektroden, der in der
Mitte und GND. Deine Schaltung hätte 3: 2 Anschlüsse von der Elektronik
und GND. Hat nichts, aber auch garnichts miteinander zu tun.
Aber mach halt was in deinem Verständnis nötig ist, funktioniert schon
irgendwie wenn auch schlechter als nötig. Sinnlos weiter drüber zu
diskutieren, du siehst es ja sowieso nicht ein.
Georg
Hallo zusammen,
Ich habe zu dem Thema noch etwas Grundlagenforschung betrieben und dann
einen bereits funktionierenden Sensor fertigen lassen. Für Alle, die mal
eine ähnliche Frage haben, wollte ich meine Erkenntnisse teilen.
Um die ideale Form der Leiterbahnen zu bestimmen, habe ich einfach mal
einen der gekauften kapazitiven Feuchtigkeitssensoren genommen und mit
dem Dremel die Leiterbahnen verkleinert und geschaut, ob und wenn ja
welchen Effekt das hat. Nach jeder Änderung an den Wirkflächen, habe ich
wieder Feuchtigkeitsmessungen in reinem Wasser und feuchter Erde
gemacht. Auch habe ich das ganze mit drei Sensoren wiederholt um
Zufallseffekte auszuschließen.
Die Erkenntnisse waren nicht besonders überraschend, aber ich wollte das
schwarz auf weiß haben:
1. Der Sensormesswert ändert sich erst, wenn ein Objekt sich direkt an
der inneren Wirkfläche befindet. Wasserkontakt einzig an der äußeren
GND-Schleife hat keinerlei Effekt.
2. Selbst wenn man eine Seite der äußeren GND-Schleife komplett entfernt
und die innere Fläche auch noch halbiert, bleiben Messbereich und
Reaktionsgeschwindigkeit auf Wasserkontakt komplett identisch (s. Foto).
3. Selbst wenn man die äußere Schleife komplett entfernt (s. Foto),
fällt der Sensorwert bei Wasserkontakt noch ab, allerdings mit stark
reduziertem Messbreich (Vorher ca. 180 - 550 nachher 420 - 570 vgl.
reines Wasser/Luft).
4. Wasserkontakt auf der freien Rückseite des Sensors ist kaum messbar.
5. Wenn man Wirkflächen auf beiden Seiten des Sensors vorsieht (s.
Foto), verkleinert sich der Messbereich leicht (vorher 200-550, nachher
200-460). Dafür hat man auf beiden Seiten des Sensors die gleiche
Empfindlichkeit. Muss dann jeder selbst entscheiden, was für die
Anwendung am sinnvollsten ist.
Wenn man die durchs Schleifen entstandenen offenen Stellen mit Lack
abdichtet, sind die Ergebnisse übrigens Identisch, also keinerlei
Kurzschlusseffekte im Wasser.
Abschließend habe ich dann einen eigenen kompletten Feuchtigkeitssensor
in China ätzen und bestücken lassen. Dieser hat zwei Kondensatorflächen,
die in unterschiedliche Tiefe reichen und kammartig um eine GND-Schleife
angeordnet sind (s. Screenshot). Die Tests haben ja gezeigt, dass nur
Kontakt mit einer Seite der Kondensatorschleifen ein nennenswertes
Messignal erzeugt, und so sind jetzt größere Teile der Sensorbreite als
bei den Kaufteilen abgedeckt. Außerdem sind die Schleifen jeweils auf
Ober- UND Unterseite vorgesehen. Der Messbereich (300-620) ist
vergleichbar mit den quick-and-dirty gelöteten Testaufbauten. Ein
Langzeittest im Pflanzentopf mit neuen und alten Sensoren sowie dem
gelöteten Prototypen läuft bereits und sieht sehr vielversprechend aus.
Vielleicht hilft das ja dem ein oder anderen,
Viele Grüße,
Felix