Ich möchte einen PLL Synthesizer in einem Ausgangsbereich von 4 bis 5
GHz betreiben. Die Referenz ist 50MHz. Konkret geht es um den MAX2871.
Wo finde ich generell mal eine schöne Erklärung wie die Berechnung
dieses Filters 3. Ordnung vonstatten geht und auf was ich achten muss?
Julian F. schrieb:> Wo finde ich generell mal eine schöne Erklärung
In einem Buch, einer Vorlesung oder einem Vortrag über PLLs.
Julian F. schrieb:> wie die Berechnung dieses Filters 3. Ordnung vonstatten geht
Das kannst du haben indem du ein vorgefertigtes Programm
von Maxim / Analog Devices anwendest, vermutlich dieses
welches auf der MAX2871-Produkt-Seite als "PLL Phase Noise
Calculator" ausgewiesen ist:
https://www.maximintegrated.com/en/products/comms/wireless-rf/MAX2871.html
Julian F. schrieb:> Wo finde ich generell mal eine schöne Erklärung wie die Berechnung> dieses Filters 3. Ordnung vonstatten geht und auf was ich achten muss?
Die Auslegung von Filtern bis vierter Ordnung wird in Dean Banerjees
umfassendem Werk zum Thema PLL-Design abgehandelt; es sind auch
explizite Formeln für die Berechnung der Filterkomponenten zu gegebener
Bandbreite, Phasenreserve, etc., angegeben:
https://www.ti.com/lit/ml/snaa106c/snaa106c.pdf.
Siehe auch diese Application Notes:
https://www.changpuak.ch/electronics/pll/an-1001.pdf,
https://www.nxp.com/files-static/rf_if/doc/app_note/AN535.pdf.
Außerdem gibt es in neueren Auflagen des Tietze-Schenk ein ganz gutes
einführendes Kapitel zum Thema PLL, das auch die Auslegung des
Loop-Filters im Hinblick auf Stabilität, Phasenrauschen und
Einschwingzeit recht ausführlich behandelt.
Christoph db1uq K. schrieb:> Die hier von mir noch erwähnte ACE-Software gilt anscheinend nur für> originale AD-Produkte
Die PLL-Bausteine und Synthesizer-Chips von Analog Devices lassen sich
mit ADIsimPLL simulieren:
https://www.analog.com/en/design-center/adisimpll.htm.
Der Download geht netterweise ohne Anmeldung. Die Software kennt alle
PLL-Bausteine von Analog Devices, und kann Lock-Zeiten, Phasenrauschen,
Loop-Filter-Komponenten, usw., berechnen. Vermutlich kann man sie über
gewisse Strecken auch für PLLs anderer Hersteller zweckentfremden, das
habe ich aber nie ausprobiert.
Mario H. schrieb:> Vermutlich kann man sie über> gewisse Strecken auch für PLLs anderer Hersteller zweckentfremden, das> habe ich aber nie ausprobiert.
Ja natürlich geht das. Man muss nur alle Schleifenparameter kennen
und die wissentlich richtig einstellen. Was oft schon mal etwas
schwierig sein kann. Aber in ADIsimPLL lässt sich sehr vieles
einstellen, daher recht universell einsetzbar.
Was passiert denn bei falscher Auslegung? Lockt die PLL dann nur nicht
oder kann man den Chip dauerhaft zerstören. Was ich bei plls bisher nie
ganz verstanden habe wie klein n werden kann. Sagen wir mal ich will
3Ghz am Ausgang dann wird n ja immer kleiner und die VCO Frequenz liegt
am phasendetektor? Kann der solch hohe Frequenzen ab?
Julian F. schrieb:> Was passiert denn bei falscher Auslegung? Lockt die PLL dann nur nicht
Bei kleiner Verstimmung hängt sie im Impedanzfeld mehr am Rand und ist
sogar stabiler - regelt aber Änderungen und Rauschen nicht gut aus, weil
sie an Toleranz verliert.
Wenn sie sich ausklinkt weil zuviel kann alles passieren. Es werden
grundsätlzich zwei Oszillatoren gekoppelt.
> oder kann man den Chip dauerhaft zerstören.
Das würde ich nicht erwarten. Die Auslegung muss nach meiner Vorstellung
so sein, dass irgendwelche Phasenbedingungen vertragen werden -
zumindest eine gewisse Zeit. Gegenteilige Erfahrungen?
Julian F. schrieb:> Was passiert denn bei falscher Auslegung?
Kann vieles passieren. Im besten Fall kommt ein HF-Signal
irgendeiner Frequenz.
Julian F. schrieb:> Lockt die PLL dann nur nicht
Ja, das auch.
Julian F. schrieb:> kann man den Chip dauerhaft zerstören
Nein.
Julian F. schrieb:> Was ich bei plls bisher nie> ganz verstanden habe wie klein n werden kann.
Dann musst du dich wohl oder übel mit Grundlagen beschäftigen.
Auch Datenblatt und Blockschaltbilder lesen und verstehen
hilft. Wenn du diese Frage klar ausführst (was du meinst) dann
kann man dir vielleicht eine bessere Antwort geben.
Julian F. schrieb:> ich will 3Ghz am Ausgang dann wird n ja immer kleiner
Nein für eine feste Frequenz bleibt N immer gleich.
"immer kleiner" geht nicht.
Julian F. schrieb:> Kann der solch hohe Frequenzen ab?
Nein, der Phasendetektor kann bei dieser Art von Chips je
nach Ausführung 100 bis 250 MHz. Steht übrigens auch in
jedem Datenblatt eines PLL Chips.
Nachdem deine Fragen doch recht naiv klingen darf ich
nochmal wiederholen: Dann musst du dich wohl oder übel
detaillierter mit den Grundlagen beschäftigen.
Mario H. schrieb:> https://www.analog.com/en/design-center/adisimpll.htm.
Der Link ist kaputt:
https://www.analog.com/en/design-center/adisimpll.html.
jo mei schrieb:> Ja natürlich geht das. Man muss nur alle Schleifenparameter kennen> und die wissentlich richtig einstellen.
Ist das so? Was ich auch versuche, ich werde gezwungen, einen PLL-Chip
von Analog Devices zu wählen. Und dann bin ich auf dessen Parameter
festgelegt. Z.B. kann ich grundlegende Dinge wie die PFD-Konstante nicht
frei wählen. Bei einer PLL mit Ladungspumpe ist die bekanntlich I_0/2π,
und für I_0 kann ich in Stufen nur die Ströme einstellen, die der
jeweilige Chip anbietet. Dinge wie maximale PFD-Frequenz oder den
Phasenrauschflur kann ich gar nicht verstellen.
Die Bibliothek, die die Daten der PLL-Bausteine enthält, ist eine
Binärdatei unbekannten Formats. Daran kann ich auch nichts drehen. Ein
universelles PLL-Designtool bekommt man hier leider nicht geschenkt.
Auch wenn man vielleicht im Einzelfall für eine PLL mit einem
Nicht-ADI-Baustein eine Berechnung passend hinbiegen kann.
jo mei schrieb:> Dann musst du dich wohl oder übel> detaillierter mit den Grundlagen beschäftigen.
Ja. Ich würde für den Anfang empfehlen, das Kapitel im Tietze-Schenk in
einer der neueren Auflagen (>= 14. Auflage) durchzuarbeiten. Da bekommt
man auf ca. 80 Seiten einen guten grundlegenden Überblick.
Christoph db1uq K. schrieb:> ADRF6755
Für den kann ADIsimPLL die PLL berechnen und simulieren, und das
Loop-Filter auslegen.
Ich habs mal unter Wine installiert, scheint aber nicht so recht zu
laufen.
> ADRF6755
Den sehe ich in der Liste nicht, es gibt nur ADF und HMC (Hittite) und
einige Eval-Boards dazu. Den IQ-Modulator mit integrierter PLL haben sie
vergessen.
Maxim ist erst seit 2021 Teil von Analog Devices, vielleicht kommt da
noch was. Hittite wurde schon 2014 einverleibt.
>Der Link ist kaputt
da fehlt nur das l von html
Die PLL sind nicht so kritisch. Im einfachsten Fall verwendet man ein RC
filter. Gehen tun sie.
Die grossen Simulationen benoetigt man erst wenn man die Dinger auf
Low-irgendwas (Phasenoise, Spurs, ..) und schnell tunen moechte.
Der genannte ADRF6755 hat ja den VCO eingebaut, ist also gutmuetig.
Mehsam wird's erst wenn man externe VCO's verwendet mit unguenstigem
Verhalten.
Christoph db1uq K. schrieb:>> ADRF6755> Den sehe ich in der Liste nicht, es gibt nur ADF und HMC (Hittite) und> einige Eval-Boards dazu. Den IQ-Modulator mit integrierter PLL haben sie> vergessen.
Bei mir (Version 5.60.05 unter Windows 10) ist der mit dabei, siehe
Anhang. Überhaupt kennt ADIsimPLL deutlich mehr Bausteine als in der
Liste in Deinem Screenshot. Wahrscheinlich hast Du in dem Wizard die
Auswahl durch Eingaben zuvor schon eingeschränkt.
>Version 5.60.05
Ich habe genau diese Version vom September installiert, aber mit
Wine/Ubuntu funktioniert vieles nicht, auch die Help-Funktion nicht
richtig. Einen Wizard sehe ich nirgends. Ich werde es doch unter Windows
7 oder 8.1 versuchen müssen.
>Der genannte ADRF6755
Eigentlich ging es um einen MAX2871, den anderen hatte nur ich erwähnt.
Aber Maxim ist bei AD noch nicht eingepflegt. Und da das Datenblatt
schon von 2014 (Initial release) stammt, wird das vielleicht nie
passieren.
Von Maxim gibt es wie gesagt eine Appnote
https://pdfserv.maximintegrated.com/en/an/AN5498.pdf
wo ab Seite 7 die Bauteilewerte des Loopfilters für MAX2870 und ADF4350
nebeneinander verglichen werden. Die unterschiedichen VCO-Steilheiten
KVCO (MHz/V) bedingen auch unterschiedliche Bauteilwerte.