Forum: Ausbildung, Studium & Beruf SCRUM und die Arbeitsweise von Selbständigen


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von Michael B. (laberkopp)


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Wegstaben V. schrieb:
> Kontest du da ein Muster identifizieren?

Im Endeffekt schon die Kompetenz der Leute in dem was sie tun.

Es hilft, wenn jemand etwas nicht zum ersten Mal tun soll, sondern in 
dem Erfahren ist was er tut. Klar, irgendwann muss man immer zum ersten 
Mal ran,aber nicht zu 100%.

Es hilft, die Leute nicht zu überfordern. Und dazu gehört, sie nicht 
neben ihrer Arbeit noch Stuss wie User Stories in lachhafter 
Formulierung und abstruser Vergabe von Story Points schreiben zu lassen. 
Der Mann ist (wasauchimmer: Programmierer, Softwaretester, 
Dokumentationsschreiber) und nicht Märchenerzähler.

Klar: gute Leute sind schwer zu finden und teuer zu bezahlen. Aber 
lieber mehr billige Leute zu nehmen löst das Problem nicht.

Bruno V. schrieb:
> Der veraltete und naive Ansatz

Oje.

Bruno V. schrieb:
> Agil in diesem Sinne ist heute jede SW-Entwicklung.

Ojeoje.

Bruno V. schrieb:
> Das Gegenteil von Hierarchie ist Anarchie

Ojeojeoje.

Du wirst eines Tages noch ganz gross rauskommen mit deinem Geschwärz.

von Bernd G. (Gast)


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Ein T. schrieb:
> geniale Allrounder, der ein Projekt ganz
> alleine und nur mit seinem Lasten- und Pflichtenheft bewaffnet
> durchziehen kann

Langsam, langsam - hier sind schon die nächsten Denkfehler:

1. Allrounder (als Gegenentwurf zum Spezialisten) ist nicht zwangsläufig 
mit "alleine" = "nicht im Team" zu assoziieren!  Gerade die Umsetzung 
eines Konzeptes erfolgt meistens durch Spezialisten. Nehmen wir einen 
Layouter, der nur PCBs macht, oder einen der nur simuliert.

2. Allein/Team besagt wiederum nicht, dass das an Lastenhefte geknüpft 
ist. Das ist ein hinreichender Schluss und auch kein Gegensatz. Sowohl 
der Allrounder/der Spezialist  als  Alleinumsetzer oder im Team 
brauchen irgendwelche Vorgaben. Wie man die gibt oder nennt, ist dabei 
erst einmal egal.

Der Knackpunkt beim Scrum ist, dass es a) ändernde Vorgaben abfangen 
soll und b) ein Teamwork ermöglichen soll.

Jetzt kommen wir mal zum Kernpunkt: "Selbständigkeit"

abseits der allgemeinen Diskussion um Scrum ist ein Punkt klar:

Ein Selbständiger, der allein oder in einem Team (es gibt auch in 
Gruippen arbeitende Selbständige - siehe "Layouter") etwas machen soll, 
braucht ebenso genaue Vorgaben, wie der Angestellte. Da gibt es erst 
einmal keinen Unterschied.  Wenn die Firma keinen Werkvertrag mit 
definiertem Ergbenis haben will, sondern nach Zeit bezahlt, ist es auf 
den ersten Blick Wurscht. Dann könnte man auch mit einem Teamsystem wie 
Scrum arbeiten.

Es gibt aber rechtliche Randbedingungen, die definieren, was ein 
wirtschafltich Selbständiger ist und wie er arbeitet und diese 
widersprechen einer flexiblen, tageweisen Vergabe von Aufgaben und einem 
Teamentscheid, wer etwas tun soll. Das geht eben rechtlich nicht, auch 
wenn es praktisch möglich ist und gemacht wird.

Hinzu kommt, dass eben Firmen sehr gerne die Kosten dadurch 
kontrollieren wollen, dass sie für eine Leistung eine feste Summe 
zahlen. Der Selbständige arbeitet dann solange er muss und berechnet 
nach Werkvertrag. Das aber erfordert eine genaue Vorgabe des 
Ergebnisses.

Heißt für mich: Manche Aufgaben, die ein offenes Ergebnis mit offenen 
Kosten haben, lassen sich nicht an einen Selbständigen auslagern. Das 
geht dann einfach nicht.

Die Aufgaben, bei denen das möglich ist, brauchen ein trotzdem ein 
genaues Arbeitsziel. Wenn man nun der Ansicht ist, dass eine Aufgabe 
unbedingt nach Scrum gemacht werden muss, dann kann der Grund nur sein, 
daß es unbedingt von einer Gruppe gemacht werden muss - meinetwegen 
wegen der Zeit. Dann braucht das Scrumteam eben diese Definition des 
Aufgabenziels.

Wenn man aber der Meinung ist, dass das von einem Selbständigen gemacht 
werden kann, oder einer Einzelperson in der Firma, dann braucht es nur 
das Aufgabenziel - aber kein Scrum.

Scrum und Selbständigkeit haben also keine Überschneidung. Sie schließen 
sich praktisch und rechtlich aus.

Wenn ich als Projektleiter Arbeitsziele definiere, dann schiebe ich das 
entweder nach intern (da können die dann Scrummen, bis sie schwarz 
werden) oder nach extern und lasse es da machen. In beiden Fällen ist 
der technische Aufwand, die Ziele zu definieren, der gleiche. Bei den 
Selbständigen muss aber vertraglich noch was gemacht werden, was die 
Sache nochmal teuerer macht.

Allerdings kriege ich von denen nach meiner Erfahrung auch sehr schnell 
und gute Ergebnisse, während das Scrum Team viel am Diskutieren und 
Verteilen ist und sich die einzelnen Teilnehmer hinter der Gruppe 
verstecken. Alles in allem habe ich sowohl IM Scrum team als Mitglied, 
als auch als Projektleiter, der das Team beauftragt, keine guten 
Erfahrungen gemacht, als Effizienz angeht. Die Teams wechseln auch zu 
schnell ihre Struktur, d.h. da kündigt einer und die Aufgabe bleibt 
liegen, bis ein neuer gefunden ist, weil das eben auch alles 
Spezialisten sind.

Da ist mir der Selbständige lieber: Der muss bis zum Projektende mit im 
Boot bleiben und die Arbeit abgeben. Ich habe per Vertrag genau diese 
Person an der Angel.

von Bruno V. (bruno_v)


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Michael B. schrieb:
> Bruno V. schrieb:
>> Der veraltete und naive Ansatz
>
> Oje.
>
> Bruno V. schrieb:
>> Agil in diesem Sinne ist heute jede SW-Entwicklung.
>
> Ojeoje.

SW-Entwicklung wo Anforderungen und die Wege zur Umsetzung von 
vornherein bekannt sind, gibt es natürlich auch heute noch, in Summe 
vielleicht sogar überwiegend. Vom SPS-Programmierer, der die hundertste 
Automation mit kleinen Abweichungen irgendwo hinzaubert bis zur 
Functional-Safety-Programmierung, wo dies eine Grundforderung ist.

Ich will mich auch nicht darüber erheben, doch das wird treffend mit 
"Programmierung" bzw. "Programmierer" bezeichnet.

Wenn bei Dir zu Projektbeginn alle SW-Anforderungen bekannt und fix sind 
(oder zumindest sein könnten), dann arbeitest Du vielleicht in so einer 
Branche oder in Automotive (also nicht in deren Vorentwicklung). Dann 
hast Du natürlich Recht.

von Ein T. (ein_typ)


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Michael B. schrieb:
> Ein T. schrieb:
>> Meine Erfahrungen sind aber gänzlich andere
>
> Wohl noch wenig Erfahrung.

Dreißig Jahre Berufserfahrung sind wenig, aber ich bin ja auch erst 52. 
:-)

von Ein T. (ein_typ)


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Bernd schrieb:
> Da ist mir der Selbständige lieber: Der muss bis zum Projektende mit im
> Boot bleiben und die Arbeit abgeben. Ich habe per Vertrag genau diese
> Person an der Angel.

Dann geht es bei Deiner Kritik an Scrum aber gar nicht an Scrum, sondern 
vielmehr darum, wieviel Kontrolle zu ausüben kannst. Und dann verstehe 
ich auch, warum Du Scrum nicht magst, denn dessen Idee ist ja gerade, 
daß die Teams aus Menschen bestehen, die sich selbst organisieren 
können.

von Bernd G. (Gast)


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Erstens geht es mir als PL nicht um die Art von Kontrolle der Personen 
und deren Abläufe, sondern um die Einhaltung der Projektzeiten und der 
Ziele und diese Kontrolle ist nötig und berechtigt!

Zweitens widerspricht Kontrolle aus üben nicht dem sich organisieren. Wo 
ist da der Widerspruch? Im Gegenteil, je besser die sich organisieren, 
desto besser fürs Projekt.

Soweit der erste Blick. Aber:

Aus deiner Darstellung "selber Organisieren" kann man messerschaft 
schlussfolgern, dass es in Srum-Teams keinen Teamleiter gibt. Den 
braucht es dann ja nicht, weil man sich selber einteilt.

Problem 1: Wer übt die disziplinarische Funktion aus und kann 
beurteilen, was jeder leistet? Wer bewertet wen? Geht das dann noch?

Problem 2: Was passiert, wenn Grüppchen entstehen, die Einzelne in die 
Ecke drängen? Beim Verteilen der Aufgaben gibt es immer 1-2 Deppen, die 
den Dreck machen dürfen. Wer verhindert das?

Problem 3:
Als Projektleiter bin ich zwar in erster Linie an Ergebnissen 
orientiert, bin mir aber bewusst, dass es in der Gruppe menschlich 
stimmen muss. Da wird es schwer, wenn sich einzelen vorne hindrängen 
wollen, um in der Karriere hoch zu kommen. Daher bin ich auch an einem 
guten Umgang und Wohlbefinden interessiert! Wer sorgt im Team dafür?

Problem 4: Wenn doch ein Teamleiter exisitert, wie verhält er sich? In 
welchem Verhältnis steht er zum Srum Master?

Oft genug ist der Teamleiter der ScrumMaster, der ProductOwner oder 
beides.

Dann gibt es Hickhack!

von Bernd G. (Gast)


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Und noch eine Schlussfolgerung:

Wenn die idee die ist, ...
> daß die Teams aus Menschen bestehen, die sich selbst organisieren
> können.
... dann wäre eine Gruppe von Selbständigen auch ein Scrum-Team. Oder 
zumindest wäre das theoretisch in einer solchen Konstellation möglich. 
Soweit auch gut. Aber auch hier schlägt die Realität zu:

So funktioniert das leider nicht!

Den Selbständigen darf man nicht dem disziplinarischen Teamleiter 
unterordnen, denn er darf nicht in die Kunden-Orga eingebunden sein. Das 
wird zwar oft so gemacht, ist aber rechtlich kritisch. Musste ich schon 
unerfahrenen Teamleitern stecken, die die Externen mitsteuern wollten.

Man kann ihn rechtlich nur dem Scrum Master unterordnen, hat aber nichts 
davon, weil der keine Aufgaben verteilen soll und darüber hinaus auch 
sofort wieder das Problem, der Organisation untereinander: Der 
Selbständige darf keine Weisungen entgegennehmen, also kann das Team in 
seiner Gesamtheit ihm nichts zuteilen. Weder die Internen, noch andere 
Externe. Das wird zwar auch oft so gemacht, ist aber rechtlich noch 
kritischer!

Es muss also doch wieder einen geben, der für Ordnung sorgt und die 
Aufgabenpakete definiert. Das kann aber nur ein Projektleiter sein. Das 
ist rechtlich in Ordnung und funktioniert auch bei einer Gruppe von 
Selbständigen, hat aber mit Scrum nichts mehr zu tun, weil die 
weitgehend unabhängig voneinander arbeiten.

Da es sich nicht lohnt, jeden Krümel als Aufgabe auszulagern, kriegen 
die Selbständigen ein großes Paket von sagen wir einer 3MM-Arbeit mit 3M 
Zeit und klarem Ergebnis. Das geht, wenn die Aufgabe schmal genug 
geschnitten ist, dass die Person es leisten kann.

Das Team bekommt auch eine 3MM-Arbeit, benötigt dafür mit Orgaaufwand 
4MM Zeit und macht es dann in 2x 2W-Sprints in insgesamt 4 Wochen mit 4 
Personen parallel. Fein!

Ergebnis: Selbständige und Team arbeiten parallel. Der Selbständige 
effektiver, das Team mit hoher Geschwindigkeit > 100%. Organisiert vom 
PL.

Und jetzt kommt der Trick:

Man nehme kein Scrum, elimiere das viele Synchronisieren und spalte die 
Arbeit von vorn herein gleichmäßig und gut verteilt auf die 4 Personen 
auf. Ohne das Scrum-BlahBlah brauchen die Internen dann keine 4 sondern 
nur 3 Wochen und dann sind sie auch billiger, als der Selbständige!

Das Scrum selber verbraucht nämlich auch noch Verwaltung, (z.B. für 
seine eigene Berurteilung des Scrums selber).

Fazit: Mit einem guten Scrum braucht man keinen Teamleiter, aber einen 
Scrum-Master!

Mit einem guten Projektleiter braucht man weder Scrum, noch Teamleiter 
noch Scrum-Master, noch Scrum-Gurus, die Scrum-Master ausbilden und den 
anderen Kram drum herum!

Wenn mit ganz viel Geschick verteilt man die Aufgaben einfach parallel 
an 4 Selbständige! Ist immer noch sicherer und besser, als es in das 
große Teamchaos der Internen reinzuschmeißen und sich dann erklären zu 
lassen, dass dies und das nicht geht und länger dauer und Tralala ...

Scrum funktioniert nur in der Theorie!

von Sheeva P. (sheevaplug)


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Bernd schrieb:
> Es muss also doch wieder einen geben, der für Ordnung sorgt und die
> Aufgabenpakete definiert. Das kann aber nur ein Projektleiter sein.

Pardon, aber mit so einem Projektleiter würden meine Teammates und ich 
bald damit beginnen, uns neue Arbeit zu suchen. Aber wenn Du im echten 
Leben so auftrittst wie hier im Forum, wärst Du bei uns schneller wieder 
weg, als Du "Projektleiter" sagen kannst.

Wir brauchen nämlich niemanden, der für Ordnung sorgt. Das können wir 
selbst. Wir brauchen auch niemanden, der uns Aufgabenpäckchen schürt. 
Das können wir nämlich auch selbst. Wir brauchen ganz gewiss auch 
niemanden, der nachschaut, ob wir brav unsere Hausaufgaben gemacht haben 
und uns dann Noten dafür gibt.

Was wir hin und wieder brauchen, ist Input von "der Front", also von 
unseren Vertrieblern und Beratern bezüglich der Bedarfe, Ideen und 
Wünsche unserer Kunden, und bei strategischen Themen, langfristiger 
Planungen und unlösbaren Konflikten auch von unserem Chef und unseren 
Abteilungsleitern.

Aber vielleicht hat das auch mit dem Arbeitsumfeld und der 
Unternehmenskultur zu tun. Ich habe das riesige Glück, dass ich mit 
erfahrenen und motivierten Vollprofis zusammenarbeiten darf. Dieses 
Glück hat sicherlich nicht jeder. Aber wer braucht einen Projektleiter 
um des Projektleiters willen? Nur die, mit denen man ohnehin nicht 
zusammenarbeiten möchte.

von Michael B. (laberkopp)


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Sheeva P. schrieb:
> Aber wer braucht einen Projektleiter

Es gibt ganze Firmen (oder zumindest Abteilungen darin) die bestehen nur 
aus (Möchtegern) Projektleitern, alle Arbeit ist ausgelagert da keiner 
in der Firma in der Lage ist, sie zu tun. Aber fleissig Pflichtenhefte 
für die Zulieferer schreiben, darin sind sie erfahren.

von Uwe D. (monkye)


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Michael B. schrieb:
> Uwe D. schrieb:
>> Es sind weder Idioten noch Pfeifen:
>> weil zu dem Zeitpunkt nicht an alles gedacht und geprüft wurde.
> Es sind also Idioten und Pfeifen die nicht an alles denken und nicht
> ausreichend prüfen.
>
> Danke der Bestätigung.

Lies es noch einmal: *Es sind weder Idioten noch Pfeifen:*

> Uwe D. schrieb:
>> Das ist Deine Erfahrung
>
> Richtig.
>
> ERFAHRUNG, nicht religiöses Wunschdenken.

Ja, aber nicht meine. Was Du machst ist DEUTEN.

> Uwe D. schrieb:
>> weil schnelle und/oder große Projekte i.d.R. die hierarchische Pyramide
>> überfordert
>
> Welche Pyramide ? Du hast offenkundig was an meiner Beschreibung nicht
> verstanden oder redest von irgendwas anderem.

Du verstehst den Unterschied zwischen hierarchischer Führung (=Pyramide) 
und SCRUM (Teamverantwortung) sehr wohl, also lass den Quatsch jedes 
Wort auf die Goldwaage zu legen.

> Offensichtlich kennst du nur Scheiss-Firmen.

Nö, es macht halt einen Unterschied, ob ständig „von oben nach unten 
geschissen“ wird oder ob es Wertschätzung gibt.

Was die Projektgrößen angeht: von 500h zu Zweit bis >100.000h mit 50 
Leuten alles. Und auch große Migrationen mit laufender Produktion in 
mehreren Zeitzonen über 3-5 Tage am Stück.

von Uwe D. (monkye)


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Bernd schrieb:
> Erstens geht es mir als PL nicht um die Art von Kontrolle der Personen
> Ziele und diese Kontrolle ist nötig und berechtigt!
> Zweitens widerspricht Kontrolle aus üben nicht dem sich organisieren. Wo
> ist da der Widerspruch?
Kontrolle heißt zu allererst nicht vertrauen.

Du hast SCRUM nicht verstanden.

> Aus deiner Darstellung "selber Organisieren" kann man messerschaft
> schlussfolgern, dass es in Srum-Teams keinen Teamleiter gibt. Den
> braucht es dann ja nicht, weil man sich selber einteilt.
> Problem 1: Wer übt die disziplinarische Funktion aus und kann
> beurteilen, was jeder leistet? Wer bewertet wen? Geht das dann noch?

Disziplinarische Verantwortung spielt gar keine Rolle. Wozu sollte das 
gut sein?
Was heißt denn „was jeder leistet“? Bezahlt Deine Firma im Akkord pro 
Zeile oder Methode oder Codeblock?
Der Kunde bewertet, denn er nimmt Dir das Produktinkrement ab oder 
User Stories/Features/Epics oder, oder, oder.

> Problem 2: Was passiert, wenn Grüppchen entstehen, die Einzelne in die
> Ecke drängen? Beim Verteilen der Aufgaben gibt es immer 1-2 Deppen, die
> den Dreck machen dürfen. Wer verhindert das?
In nicht ständig neu zusammengewürfelten Teams passiert das nicht, wer 
mobbt fliegt raus.
Und den Scheiß hast Du auch ohne SCRUM.

> Problem 3:
> Als Projektleiter bin ich zwar in erster Linie an Ergebnissen
> orientiert, bin mir aber bewusst, dass es in der Gruppe menschlich
> stimmen muss. Da wird es schwer, wenn sich einzelen vorne hindrängen
Sehe Punkt 2.

> Problem 4: Wenn doch ein Teamleiter exisitert, wie verhält er sich? In
> welchem Verhältnis steht er zum Srum Master?
In gar keinem. Er hat nix zu melden in Sachen Projektarbeit. Nochmal: 
Management hat im Team nichts verloren, außer Glückwünsche u.ä. 
Positives

> Oft genug ist der Teamleiter der ScrumMaster, der ProductOwner oder
> beides.
Dann hat die Firma SCRUM nicht verstanden. Ein guter Teamleiter oder 
Geschäftsführer kann auch bewusst die Rolle wechseln.

Du bist sehr Problemorientiert, Chancen kommen in Deinen Worten nicht 
vor - so mal als Feedback - schließlich magst Du ja die harte Ansprache.

> Es muss also doch wieder einen geben, der für Ordnung sorgt und die
> Aufgabenpakete definiert. Das kann aber nur ein Projektleiter sein.
Du nimmst Dich zu wichtig.


> Das Team bekommt auch eine 3MM-Arbeit, benötigt dafür mit Orgaaufwand
> 4MM Zeit und macht es dann in 2x 2W-Sprints in insgesamt 4 Wochen mit 4
> Personen parallel. Fein!
Und woher nimmst Du Deine Anforderungen und Arbeitspakete? Fallen die 
vom Himmel? Willst Du mir jetzt erzählen, dass die Lastenhefte Deiner 
Kunden 100% Abdeckung haben und so verständlich sind, dass jeder im Team 
das deuten kann?

> Und jetzt kommt der Trick:
>
> Man nehme kein Scrum, elimiere das viele Synchronisieren und spalte die
> Arbeit von vorn herein gleichmäßig und gut verteilt auf die 4 Personen
> auf.
Du redest dann wie oft mit den Leuten und verteilst welche Arbeit die wo 
genau beschrieben ist? Das heißt, jeder arbeitet für sich - 
synchronisieren ist ja unnötig.
Komplex können Deine Projekte nicht sein.

> Ohne das Scrum-BlahBlah brauchen die Internen dann keine 4 sondern
> nur 3 Wochen und dann sind sie auch billiger, als der Selbständige!

SCRUM hat nichts mit den Fähigkeiten Deiner Belegschaft zu tun.

> Das Scrum selber verbraucht nämlich auch noch Verwaltung, (z.B. für
> seine eigene Berurteilung des Scrums selber).

Wofür genau? Meinst Du eine Retrospektive? Die gibts in nicht-agilen 
Organisationen auch, heißt dann „Best Practice“ oder „Wissensmanagement“ 
oder „Aussprache beim Chef“…

> Mit einem guten Projektleiter braucht man weder Scrum, noch Teamleiter
> noch Scrum-Master, noch Scrum-Gurus, die Scrum-Master ausbilden und den
> anderen Kram drum herum!
Der Projektleiter ist ohne Team - ja genau: nichts.

> Scrum funktioniert nur in der Theorie!
Für Dich stimmt das absolut.

: Bearbeitet durch User
von Uwe D. (monkye)


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Bernd schrieb:
> Uwe D. schrieb:
>> Aus dem gleichen Grund werden Brücken, Flughäfen usw.mit 3-fach höheren
>> Kosten mit 8 Jahren Verspätung gebaut - weil Menschen wie Du behaupten
>> alles berechnen und vorhersehen zu können.
>
> Du machst einen Denkfehler: Als noch nicht alles in Teams entschieden
> und weitergetreten wurde, wodurch dann jeder die Verantwortung auf
> andere schieben konnte, gab es solche Auswüchse wie BER nicht.
>
> Diese Negativbeispiele verplanter Projekt sind jügeren Datum, seit der
> Scrum-Mist eingeführt wurde.

Ist mir leider durchgerutscht: In welchem Facebook Post hast Du denn das 
gelesen? SORRY, was für‘n Schrott. Die Ausschreibungen dazu haben ganz 
klar klassisches Baurecht festgeschrieben, Wasserfall und den allseits 
bekannten Leistungsphasen.

Und schon vor ca. 150 Jahren lagen erfahrene Ingenieure ordentlich 
daneben - ganz ohne Feinbild SCRUM. siehe hier —> 
https://de.wikipedia.org/wiki/Eiffelturm

von Uwe D. (monkye)


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Michael B. schrieb:
> Sheeva P. schrieb:
>> Aber wer braucht einen Projektleiter
>
> Es gibt ganze Firmen (oder zumindest Abteilungen darin) die bestehen nur
> aus (Möchtegern) Projektleitern, alle Arbeit ist ausgelagert da keiner
> in der Firma in der Lage ist, sie zu tun. Aber fleissig Pflichtenhefte
> für die Zulieferer schreiben, darin sind sie erfahren.

Ja, die Welt ist echt Scheiße.

Nein im Ernst. Wer schreibt denn die User Stories? In Projekten die ich 
mache oder machte ist mindestens der PO dabei, dazu fachkundige Leute, 
denn nur die wissen genau, was sie brauchen. Was die Leute meist nicht 
gut können, das Ganze in technische Worte zu packen (Lastenheft). Aber 
das sollen sie im SCRUM gar nicht, denn sie sollen beschreiben was sie 
brauchen und warum - in „Benutzersprache“ (umgangssprachlich), dazu die 
Bedingungen, was die Anforderung erfüllen muss, damit sie das Ergebnis 
akzeptieren.
Das es auch technische Stories/Aufgaben gibt, bleibt unbenommen.

: Bearbeitet durch User
von Bernd G. (Gast)


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Sheeva P. schrieb:
> Aber wer braucht einen Projektleiter
Firmen, die die zeitlichen Abläufe nicht einfach nur den Entwicklern 
überlassen möchten, die allenthalben neue Ideen haben und Sachen 
einbauen, die niemand braucht und den Projektrahmen sprengen.

Wenn man nur die Anforderungen reinwirft und nicht kontrolliert = 
steuert, was davon wann realisiert wird, kann es nicht mit den 
zugelieferten Teilen externer Projektpartner synchronisiert werden.

Die einfache Welt, die du da zeichnest (das können wir alles selber und 
brauchen nur ab und zu Infos aus dem PM) das funktioniert nur für eine 
Software, die ihr ausschließlich selber schreibt und organisiert.

Bei einer vollständigen Geräteentwicklung müssen Mechanik, Elektronik 
und Software mit einander im Bunde voranschreiten und da braucht es 
einen engen Zeittakt und auch der Verzicht auf Module zu bestimmten 
Zeitpunkten, wenn die Termine nicht gehalten werden.

Das aber ist die Regel bei Softwareentwicklern: Die teilen sich die 
Arbeit ein und schieben die Termine.

Uwe D. schrieb:
> Der Kunde bewertet, denn er nimmt Dir das Produktinkrement ab
richtig und der Kunde der Abteilungen bin ich.

Michael B. schrieb:
> alle Arbeit ist ausgelagert da keiner
> in der Firma in der Lage ist, sie zu tun.
Es gibt Dinge die eine Firma selber nicht tun kann, wie spezielle Chips 
bauen, feinmechanische und optische Hardware entwickeln. Die werden im 
Auftrag entwickelt und das muss mit der Elektronik und der firmware 
aligend sein. Um diese Komponenten muss sich jemand kümmern. Das hat 
nichts damit zu tun, dass die eigenen Entwickler untauglich wären.

Du lebst ein einer sehr eng begrenzten Welt mit Kleinkarosicht.:-)

Und: Die Abteilungen die das liefern, müssen gesynched werden. Damit 
kann nicht einfach jede Abteilung die Aufgaben und Reihenfolgen 
definieren, auf der Basis dessen, was sie in ihren Teams lokal 
überblicken.

von Sheeva P. (sheevaplug)


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Bernd schrieb:
> Sheeva P. schrieb:
>> Aber wer braucht einen Projektleiter
>
> Firmen, die die zeitlichen Abläufe nicht einfach nur den Entwicklern
> überlassen möchten, die allenthalben neue Ideen haben und Sachen
> einbauen, die niemand braucht und den Projektrahmen sprengen.
> [...]
> Das aber ist die Regel bei Softwareentwicklern: Die teilen sich die
> Arbeit ein und schieben die Termine.

Vielleicht gilt das für die Softwareentwickler, mit denen Du zu tun 
hast, aber für meine Kollegen gilt das nicht. Bei uns entwickelt niemand 
etwas, das nicht gebraucht wird, und wir kennen unsere Prioritäten und 
Deadlines. Da sich alle Beteiligten eigenverantwortlich auf die 
Verantwortlichkeiten, Prioritäten und Deadlines verpflichtet haben, 
passiert es sehr selten, daß es dabei knirscht. Nach meiner Erfahrung 
jedenfalls seltener als mit Projektleiter.

Beim Lesen Deiner Aussagen und Formulieren meiner Antwort ist mir aber 
etwas aufgefallen, nämlich, daß es ja immer solche und andere gibt. 
Vielleicht ist das, was Du aus Deiner Erfahrung beschreibst, nur eine 
Art selbsterfüllender Prophezeiung: wenn Leute, die sich nicht so 
gerne... kontrollieren, gängeln, bevormunden und wie unreife Kinder 
behandeln lassen wollen, einfach weggehen und sich ein neues 
Wirkungsfeld suchen, dann bleiben am Ende bei Dir nurmehr jene übrig, 
die Deine Führung und Anleitung brauchen.

> Wenn man nur die Anforderungen reinwirft und nicht kontrolliert =
> steuert, was davon wann realisiert wird, kann es nicht mit den
> zugelieferten Teilen externer Projektpartner synchronisiert werden.
>
> Die einfache Welt, die du da zeichnest (das können wir alles selber und
> brauchen nur ab und zu Infos aus dem PM) das funktioniert nur für eine
> Software, die ihr ausschließlich selber schreibt und organisiert.

Wir brauchen keine "Infos aus dem PM", weil es bei uns keines gibt. Aber 
wir tauschen uns natürlich trotzdem mit den anderen Teams aus, denn sie 
sind auf unsere und wir auf ihre Zuarbeit angewiesen. Dafür bietet Scrum 
sogar ein eigenes Format an, das Scrum of Scrums, bei denen Vertreter 
der Teams, und häufig auch des Kunden und externer Partner, zusammen und 
eigenverantwortlich für den nötigen Austausch und die Synchronisation 
untereinander sorgen.

> Du lebst ein einer sehr eng begrenzten Welt mit Kleinkarosicht.:-)

Ich fürchte, das tun wir alle -- und womöglich auch Du. :-)

von Martin K. (mkmannheim) Benutzerseite


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Stefan F. schrieb:
> Das schließt doch nicht aus, für mehrere Kunden tätig zu sein.

Dass man für mehrere Kunden tätig ist, heißt nicht, dass man automatisch 
die Kriterien für Selbständigkeit erfüllt!

Eine der Stellen kann auch eine Angestelltenposition sein. Das war bei 
mir anfänglich der Fall

Und es kann sein, dass eine vermeintliche selbständige Tätigkeit nachher 
anders gewertet wird.

Darum geht es ja hier.

----------------------------------------------------------

Jetzt eine einfache Überlegung, die auch mein derzeitiger PG verfolgt:

Da Scrum das Zusammenarbeiten von Personen organisieren soll, ist die 
Mitwirkung in einem Scrum-Team automatisch ein Hinweis auf einen 
bestehende Zusammenarbeit in einem Team und nicht auf Eigenständigkeit. 
Scrum ist noch kein Beleg für Unselbständigkeit, aber es deutet eher in 
diese Richtung. Es ist sogar mehr Hinweis auf Arbeiten in der Gruppe, 
als z.B. mit den anderen zusammen in einem Büro zu sitzen.

Es sind deshalb auch schon angebliche Selbständige abkassiert worden, 
obwohl sie nicht in der Gruppe mit anderen sassen, kaum anwesend waren, 
aber online eng am Team dran waren.

Ist man stattdessen als Selbständiger in einer Firma tätig und nimmt 
ausdrücklich nicht an Scrum teil, obwohl es das dort gibt und gelebt 
wird, unterstreicht es die Sonderstellung. Das Fähnchen weht also in 
Richtung Eigenständiges Arbeiten.

Aus den Reihen der Berater hört mal deshalb auch ganz klar die Vorgabe, 
am Besten nicht in Scrum mit zu wirken.

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