Forum: Mechanik, Gehäuse, Werkzeug Reparatur Schweissgerät- wozu ist dieser Schaltungsteil?


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von Heinz R. (heijz)


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Jemand bat mich um Hilfe bei der Reparatur eines alten Alko MIG/MAG 
-Schweissgeräts

Problem: Beim ersten Einschalten ist alles ok, aber sobald 1 x der 
Taster am Handgriff betätigt wird liegt die Schweissspannung dauerhaft 
an, Schutzgaszufuhr bleibt dauerhaft geöffnet
Sobald das Gerät abgekühlt ist passt wieder alles, bis zum ersten 
betätigen des Tasters

Zum Glück ist ein Schaltplan vorhanden
(Sorry, habe hier keinen Scanner, deshalb nur ein Handyfoto)

Mir ist die Funktion der Schaltung so einigermaßen klar - ich habe es 
mal beschriftet

Das Problem liegt wohl im oberen rechten Viertel

Ich verstehe nur nicht warum da so ein Aufwand getrieben wird?
Was ist der Sinn der Schaltung?

Zeitsteuerung auf aus - der Transistor TR9 ist leitend
Damit liegt im gesamten oberen rechten Teil Spannung an

Wozu dient der LM339 hier?  wieso die Hilfsspannung VZ? Was macht Poti 
P3?

Die ganze Aufgabe dieses Schaltungsteils ist nach meinem Verständnis nur 
- sobald der Taster gedrückt wird schaltet der TIC206 den Schütz für den 
Schweisstrafo?

Was übersehe ich?

Wie wird P3 abgeglichen?

Viele Grüße

von Ben B. (Firma: Funkenflug Industries) (stromkraft)


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Der Teil ist eine Abschaltverzögerung,
P3 bestimmt die Dauer der Abschaltverzögerung.

Wenn P3 defekt ist, erhält man eine Selbstverriegelung
bzw. der Kondensator wird dann nur sehr langsam über
parasitäre Ströme entladen.

> Wie wird P3 abgeglichen?
Steht dazu nichts im Manual, hast Du
(oder wer anders) schon dran herumgekurbelt?

Hast Du mal das Schütz selber geprüft?
Das klebt bei Schweißgeräten gerne mal.

: Bearbeitet durch User
von Heinz R. (heijz)


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Hallo Ben,

vielen Dank, dann wird es etwas klarer

Ich habe zugegeben keine AHnung vom schweissen - das heisst nach 
loslassen des Tasters liegt der Schweißstrom kurzzeitig weiter an?

Am Poti habe ich bislang nichts verstellt, das Schweissgerät hat 
plötzlich diesen Fehler

Der Schütz klebt nicht, schaltet man das Gerät ein passt erst mal alles 
- nach erstem betätigen der Taste bleibt halt der Schütz angezogen, das 
Gasventil geöffnet


Werde mir mal einen 24V-Trafo besorgen und die Platine auf der Werkbank 
testen

Viele Grüße

von Ben B. (Firma: Funkenflug Industries) (stromkraft)


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> das heisst nach loslassen des Tasters liegt
> der Schweißstrom kurzzeitig weiter an?
Ja.

Miss doch mal bitte den Widerstand von P3 und R16, das sollte recht 
einfach machbar sein.

von Hubert H. (huhu)


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Hallo Heinz,
meiner Meinung ist der Defekt entweder bei den Transistoren Tr1 bzw Tr6, 
oder beim Lm 339, wenn sowohl der Drahtvorschub und das Schütz angezogen 
wird, nach Drücken vom Taster.
Was macht der P4 ?

von Heinz R. (heijz)


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P3 und R16 sind schon mal in Ordnung

baue gerade eine kleine Testschaltung mit der Platine auf

War gerade etwas verwirrt über den Anschluss - im Schaltplan ist VCC und 
Gnd vom LM339 falsch rum beschriftet :-)

von Heinz R. (heijz)


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jetzt wird es merkwürdig:

Im Testaufbau mit Trafo und Glühbirnen am Ausgang ließ sich der Fehler 
nachvollziehen

Poti P3 steht in Mittelstellung, ca. 10 kOhm

Zwischen Masse und Pin8 des LM339 ca. 12 KOhm- also dort kein Fehler

Wie von Ben angedeutet- entlade ich C3 bleibn die Glühbirnen beim 
nächsten einstecken der Schaltung aus

Ich habe dann an Pin 8 rum gemessen - auf ein Mal tut die Schaltung 
wieder wie sie soll?

Evtl. lag dort ein Span / Dreck zwischen Pin 8 und 9?
schlechte Lötstellen sind keine zu sehen

Würdet Ihr die Platine wieder einbauen oder prophylaktisch irgendwelche 
Teile tauschen?

: Bearbeitet durch User
von Ben B. (Firma: Funkenflug Industries) (stromkraft)


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Was nicht defekt ist, braucht man auch nicht auszutauschen.

von Wollvieh W. (wollvieh)


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Vielleicht ein leitfähiger Schmutzfilm, der jetzt nach drei Tagen in der 
trockenen Wohnung nicht mehr leitet. Schweißgerät und Flex saugen 
zuverlässig ihren eigenen Rauch an.

Das Poti kann es sich durch die mechanische Anregung beim Messen auch 
anders überlegt haben. Das sollte man mehrmals hin- und herdrehen, damit 
sich der Schmutz löst.

Ich hatte mal einen Siemens-Staubsauger, der beim Testsaugen nach dem 
Nachhausetragen eine Viertelstunde tadellos funktionierte und dann nie 
wieder. Da hatte sich die Kohleschicht bzw. Kontaktierung auf einem 
1M-Widerstand verabschiedet. Durch die Wärme während des Testlaufs wurde 
wohl die Feuchtigkeit ausgetrieben, oder der Wackelkontakt final 
getrennt.

Bei einem Schweißgerät mit den ganzen Temperaturwechseln und 
Werkstattbedingungen kann da auch viel passiert sein was man den 
Bauteilen nicht von außen ansieht.

: Bearbeitet durch User
von Stefan L. (stefan_l134)


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Weiß jemand wofür diese Abschaltverzögerung gut ist? Beim Schutzgas wäre 
es für mich einleuchtend, aber beim Schweißstrom?

von Ben B. (Firma: Funkenflug Industries) (stromkraft)


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Das sorgt dafür, daß der Schweißdraht noch sauber verschweißt wird 
während man den Knopf loslässt. Sonst kann es passieren, daß der Draht 
kleben bleibt.

von Thomas F. (igel)


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Stefan L. schrieb:
> Weiß jemand wofür diese Abschaltverzögerung gut ist?

Ohne Abschaltverzögerung:
Lässt man den Taster los verlöscht der Lichtbogen sofort. Der 
Vorschubmotor hat aber eine Trägheit und läuft deshalb einige 
Sekundenbruchteile nach bis er komplett steht. Durch diesen Nachlauf 
taucht der Draht nun ohne Lichtbogen in das noch flüssige Metallbad und 
erstarrt dort. Dann klebt die Pistole am Werkstück - extrem lästig.

Deshalb lässt man den Lichtbogen noch kurze Zeit länger brennen als den 
Vorschub. Mit der Einstellung lässt sich so auch der Draht-Rückbrand 
einstellen.

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