Anstiegszeit RC-Glied 5RC

OP #7475228
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Hallo, ich schreibe gerade eine Projektarbeit, in welcher ich auch einen RC-Filter thematisiere. Dabei möchte ich eine Rechnung zu den Ripple und der Einschwingzeit aufstellen. Ich habe oft gesehen (beispielsweise hier: https://www.mikrocontroller.net/articles/Pulsweitenmodulation), dass dfür die Formel 5RC verwendet wird. Da ich meine Rechnung mit wissenschaftlichen Quellen belegen muss, suche ich daher nach Literatur, in der dies beschrieben wird. Jedoch wurde ich bisher noch nicht fündig. Habt ihr Ideen wonach ich suchen muss? Danke schonmal!

Moderator (Firma: Titel) Persönliche Seite #7475238
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Adrian A. schrieb:

Ich habe oft gesehen (beispielsweise hier: https://www.mikrocontroller.net/articles/Pulsweitenmodulation), dass dfür die Formel 5RC verwendet wird.

Das ist eine Faustformel, denn nach t=5RC ist die Ausgangsspannung entsprechend der e-Funktion auf über 99% angestiegen:

Dabei möchte ich eine Rechnung zu den Ripple und der Einschwingzeit aufstellen.

Passive RC-Filter haben keine "Einschwingzeit", weil sie nicht schwingfähig sind. Und den Ripple berechnet man über die Filterfrequenz und den Abstand zur PWM-Frequenz. In der einfachsten Form so wie dort:

Adrian A. schrieb:

Habt ihr Ideen wonach ich suchen muss?

In jedem etwas theorielastigeren Buch zum Thema analoge Elektronik findest du das.

OP #7475243
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Lothar M. schrieb:

Passive RC-Filter haben keine "Einschwingzeit", weil sie nicht schwingfähig sind. Und den Ripple berechnet man über die Filterfrequenz und den Abstand zur PWM-Frequenz. In der einfachsten Form so wie dort:

Danke für deine Antwort. Ich möchte eine Rechnung mit einer 12 bit auflösung machen. Also nutze ich hier dann nicht 5RC sondern 8,..RC?

Beitrag #7475245 wurde von einem Moderator gelöscht.
#7475264
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Moin,

Adrian A. schrieb:

Klaus R. schrieb:

5RC bedeutet 99%. Wenn Du 8RC nimmst, dann wird es schon schwierig diesen Wert nachzuweisen.

Natuerlich kann das "etwas schwierig" werden, sowas messtechnisch nachzuweisen, vor allem per Multimeter.

Alles klar, danke. Ich habe mich an der Tabelle von Lothar orientiert, weshalb ich dachte, dass ich be einer Auflösung von 12 Bit T*8,... rechnen muss.

Das wuerde ich auch so machen. Wenn du 12 Bit Aufloesung haben willst, ist's ja etwas doof, wenn dein Signal immer um mehrere Bit hinundher zuppelt.

Klar ist 8.317766RC ein etwas unhandlicher Wert. Ein simples RC-Filter 1. Ordung ist halt auch keine Raketenwissenschaft. Es hat schon Gruende, warum man auch Filter hoeherer Ordnung bauen kann.

Gruss WK

Moderator (Firma: Titel) Persönliche Seite #7475267
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Adrian A. schrieb:

Ich möchte eine Rechnung mit einer 12 bit auflösung machen. Also nutze ich hier dann nicht 5RC sondern 8,..RC?

Du musst 8,31RC abwarten, bis der Kondensatorspannung nur noch 1/4096 zum Endwert fehlt.

Der Witz ist aber, dass du wegen der 12Bit eine 4096 fach höhere PWM-Frequenz brauchst als deine Filterfrequenz ist.

Wenn du also eine 1kHz-PWM mit 12 Bit Auflösung hast, dann

  1. brauchst du für diese PWM eine Taktfrequenz von 4,096 MHz und es
  2. braucht das nötige RC-Glied 4096/1kHz * 8,31 = 33 Sekunden(!!) um den ausgegebenen Analogwert auf das letzte LSB auszuregeln

In der Praxis wirst du könntest du jetzt noch mit der PWM-Frequenz ein wenig hoch, aber mit üblichen µC ist bei 20MHz dann Schluss. Damit kommst du dann auf eine "Reaktionszeit" von ca. 7 Sekunden.

Adrian A. schrieb:

Spannungsteiler mit Digitalpotentiometer

Das macht ja zum Glück niemand. Obwohl sich da sicher einige Gedanken machen, dass man "zur Erhöhung der Auflösung" zwei solcher Potis hintereinander schalten könnte.

OP #7475270
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Dergute W. schrieb:

Das wuerde ich auch so machen. Wenn du 12 Bit Aufloesung haben willst, ist's ja etwas doof, wenn dein Signal immer um mehrere Bit hinundher zuppelt.

Danke für deine Antwort. Ich habe mich in meinem Vergleich auf einen einfachen RC-Filter beschränkt, da ich in meiner Schaltung 8 solcher analogen Signale erzeugen wollte und Filter höherer Ordnung natürlich zu einer höheren Komplexität und Anzahl an Bauteilen führt, was ab einem Punkt dann keinen Sinn mehr macht im Vergleich zu einem DAC mit 8 Kanälen

#7475282
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Moin,

Adrian A. schrieb:

Ich habe mich in meinem Vergleich auf einen einfachen RC-Filter beschränkt, da ich in meiner Schaltung 8 solcher analogen Signale erzeugen wollte und Filter höherer Ordnung natürlich zu einer höheren Komplexität und Anzahl an Bauteilen führt, was ab einem Punkt dann keinen Sinn mehr macht im Vergleich zu einem DAC mit 8 Kanälen

Ist schon klar. Aber die Einfachheit der Schaltung bedeutet fuer dich dann halt, dass du lange warten musst, bis sich dein Wert eingestellt hat. Zumindest in der Theorie. In der Praxis wird's eh ungenauer, weil natuerlich aus einem µController Pin niemals eine Spannung mit der entsprechenden Genauigkeit rauskommt.

Gruss WK

Moderator (Firma: Titel) Persönliche Seite #7475318
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Adrian A. schrieb:

woher die Formel Tau * ln(2^n) kommt?

Der ln ist die Kehrfunktion der (Kondensatorlade-) e-Funktion.

Wenn du sagst: "ich möchte warten bis 99% des Endwerts erreicht sind, so dass Fehler also nur noch 1/100stel ist", dann ist ln(100) = 4.605, was sich (zur Sicherheit aufgerundet) gut mit der Faustformel 5RC deckt.

Moderator #7475683
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Adrian A. schrieb:

Lothar M. schrieb:

  1. braucht das nötige RC-Glied 4096/1kHz * 8,31 = 33 Sekunden(!!) um den

Nochmal eine kurze Nachfrage: Müssten die 4096 nicht noch durch 4 geteilt werden?

Das kommt darauf an, auf wie viele LSB du den durch den Ripple entstehende Fehler reduzieren möchtest.

Allgemein ist die die Ripple-Amplitude bei einem Rechtecksignal mit 50% Tastverhältnis (also da, wo der Ripple am größten ist)

$$a_\text{ripple}=\frac{U_0}2\cdot\tanh\frac{T_\text{PWM}}{4\tau} \approx\frac{U_0\cdot T_\text{PWM}}{8\tau}$$

Die Näherung ganz rechts gilt für τ >> T_PWM. Dann wird aus dem exponentiellen Lade-/Entladeverlauf näherungsweise ein Dreieckssignal, das die Berechnung etwas vereinfacht.

In dem von dir verlinkten Artikel ist V_ripple nicht die Amplitude, sonderen der Spitze-Spitze-Wert, weswegen dort im Nenner statt der 8 eine 4 steht.

Damit sich für benachbarte PWM-Stufen (also Stufen mit 1 LSB Differenz) die geglätteten Ausgangssignale pegelmäßig durch den Ripple nicht überlappen, darf die Ripple-Amplitude maximal ½ LSB betragen, also

$$a_\text{ripple}\le\frac 12\,\text{LSB}\quad\Rightarrow\quad \tau\ge\frac{U_0\cdot T_\text{PWM}}{4\,\text{LSB}}$$

Bei einer n-Bit-PWM ist

$$1\,\text{LSB}=\frac{U_0}{2^n}$$

Damit lautet die obige Bedingung

$$\tau\ge2^{n-2}\cdot T_\text{PWM}$$

Natürlich darf τ auch gerne größer sein, bspw. – wie von Lothar vorgeschlagen – viermal so groß, um zu erreichen, dass der Ripple-Fehler weitgehend im Quantisierungfehler untergeht.

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