Treiber für High-Side N-FET (single-shot)

OP #7546662
Lesenswert?

Hallo Elektronikgemeinde,

ich bin eigentlich fachfremd, aber kam privat und beruflich zu Elektronik habe schon die eine oder andere Schaltung entwickelt. Zur Frage: Man setzt bei höheren Spannungen in Brückenschaltungen gerne N-Kanal-FETs ein, sowohl im low-side Zweig, als auch im high-side Zweig. Ich kenne es, dass diese high-side Schalter mittels Ladungspumpe/Bootstrapping geschaltet werden, um das angehobene Potential zu erzeugen. Viele Schaltregler-ICs arbeiten so. Problem: Das low-side FET muss auch zyklisch geschaltet werden, damit das funktioniert. Wie könnte man einen high-side Treiber für ein N-FET als single-shot Lösung realisieren, sodass man z.b. mit dem N-FET gegen 200V schalten könnte, ausgelöst durch ein 5V TTL-Signal?

Viele Grüße und vielen Dank!

OP #7546676
Lesenswert?

Ok, ich konkretisiere: Wenn das N-FET mit Drain an 200V DC hinge und eine Kapazität an Source auf diese 200V aufgeladen werden soll, dann muss die entsprechende Ansteuerung des Gates ebenfalls mit dem Potential von Source auf 200V floaten. Sie könnte also z.B. potentialfrei von GND sein. Wie geht das am einfachsten, wenn die Schaltereignisse sehr selten auftreten?

Oder ist dei Frage nicht relevant, weil man dazu doch eher einen P-FET nutzen würde?

#7546689
Lesenswert?

Xx X. schrieb:

Wie könnte man einen high-side Treiber für ein N-FET als single-shot Lösung realisieren,

Was meinst du damit GENAU?

Einen Einzelpuls bestimmter Länge kann man mit der normalen Bootstrapschaltung erreichen, man muss nur den Speicherkondensator groß genug machen. Wenn man aber dauerhaft HIGH schalten will, braucht man eine galvanisch getrennte Versorgung mit wenigen mA.

#7546694
Lesenswert?

Xx X. schrieb:

Ok, ich konkretisiere: Wenn das N-FET mit Drain an 200V DC hinge und eine Kapazität an Source auf diese 200V aufgeladen werden soll,

bist du in Begriff, SEHR große Ströme zu schalten und den FET zu sprengen. Ohne Strombegrenzung geht das nicht wirklich, es sein denn, der Kondensator ist wiklich klein (paar Dutzen nF) und damit die Ladezeit kurz. Denn der Ladevorgang schickt den FET, egal wie kräftig, in den Linearbetrieb. Siehe SOA.

https://www.mikrocontroller.net/articles/FET#SOA_Diagramm

dann muss die entsprechende Ansteuerung des Gates ebenfalls mit dem Potential von Source auf 200V floaten. Sie könnte also z.B. potentialfrei von GND sein. Wie geht das am einfachsten, wenn die Schaltereignisse sehr selten auftreten?

Siehe oben. Oder mit Batterie.

Oder ist dei Frage nicht relevant, weil man dazu doch eher einen P-FET nutzen würde?

Nö, N-Fet ist schon der Standard.

OP #7546954
Lesenswert?

Danke Falk, das stimmt natürlich, dass hier große Ströme fließen. Es geht aber auch wirklich um kleine Kapazitäten im einstelligen nF-Bereich (Piezo-stack). Zur Begrenzung des Stromanstiegs käme noch eine Induktivität in Reihe zum Piezo. Ich würde diesen dann gerne mit einem FET laden und mit dem anderen mittels Halbbrücke entladen. Ich beschäftige mich mal mit den Vorschlägen und komme mit einem Vorschlag wieder zurück :)

#7547089
Lesenswert?

Xx X. schrieb:

Danke Falk, das stimmt natürlich, dass hier große Ströme fließen. Es geht aber auch wirklich um kleine Kapazitäten im einstelligen nF-Bereich (Piezo-stack). Zur Begrenzung des Stromanstiegs käme noch eine Induktivität in Reihe zum Piezo.

Damit das Ganze schön schwingt? Besser nicht.

Ich würde diesen dann gerne mit einem FET laden und mit dem anderen mittels Halbbrücke entladen.

Kann man machen, ist eine Standardschaltung.

#7547104
Lesenswert?

Es gibt Treiber-ICs für 100% ein, die haben intern einen Oszillator für die Ladungspumpe.

Muß man nicht so schnell schalten, gibt es Optokoppler-ICs mit Fotozelle, d.h. die liefern etwa 8V Spannung. Man verwendet sie z.B. für Lautsprecherrelais mit antiseriellen FETs.

Bis 600V kann man aber auch P-FETs nehmen.

OP #7548189
Lesenswert?

(Piezo-stack). Zur Begrenzung des Stromanstiegs käme noch eine Induktivität in Reihe zum Piezo.

Damit das Ganze schön schwingt? Besser nicht.

Hm, da hast du schon Recht, das riecht nach Reihenschwingkreis. Habe ich so aber schon gesehen, z.b. an einem Forschungssteuergerät für Piezoinjektoren, wo die Induktivität den Stromanstieg begrenzt hat, um der Stromregelung eine Chance zu geben, rechtzeitig anzusprechen.

#7548323
Lesenswert?

Hallo, dafür gibt es galvanisch getrennte Gate-Treiber mit integrierter Spannungsversorgung

https://www.ti.com/product/TPSI3050

Alternativ verwendet man:

  • einen passenden High-Side-Gate-Treiber und eine galvanisch getrennte Spannungsversorgung, z. B. einen fertigen DC-DC, oder eine Ladungspumpe, die dann aber keine galvanische Trennung der Spannungsversorgung ermöglicht
  • einen Optokoppler mit Fotozelle auf der Sekundärseite

Es gibt bestimmt noch andere Lösungen, aber die fallen mir sofort ein. Wenn man nur selten schaltet und keine besonderen Anforderungen an die Schaltgeschwindigkeit hat, ist der Optokoppler mit Fotozelle sicher keine schlechte Lösung.

LG Simon

#7549777
Lesenswert?

Hier ein Vorschlag von Murata mit einem DC-DC Wandler und Optokoppler. Damit ist die hohe Gleichspannung auf der Schaltseite kein Problem.

Ist eine sehr solide und High-Speed / PWM-taugliche Lösung; auch für kräftige MOSFETs mit hohem Gate-Charge Wert geeignet.

Wahrscheinlich aber für die Anforderung des TO überdimensioniert.

Angehängte Dateien:

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren