Forum: Platinen Wie gesundheitsschädlich ist bleihaltiges Lötzinn?


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von Markus L. (mlindb)


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Hallo Leute,

Wie gesundheitsschädlich ist eigentlich bleihaltiges Lötzinn beim 
Handlöten? Grundsätzlich hat die Lötkolbenspitze ja max 400°C, und Blei 
hat einen Siedepunkt von 1740°C. Eigentlich kann da ja nicht viel davon 
verdampfen oder? Im Gegenzug habe ich schon öfters gehört, dass beim 
bleifreien Lötzinn das Flussmittel giftiger ist als das Kolophonium beim 
verbleiten Zinn?
Gibt es da ein paar Hinweise zu diesem Thema?
Absaugung bzw. gute Belüftung des Arbeitsplatzes ist natürlich immer 
sinnvoll - mir würde es um den direkten Vergleich gehen...

Viele Grüße,

Max

von Gerhard O. (gerhard_)


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Markus L. schrieb:
> Hallo Leute,
>
> Wie gesundheitsschädlich ist eigentlich bleihaltiges Lötzinn beim
> Handlöten? Grundsätzlich hat die Lötkolbenspitze ja max 400°C, und Blei
> hat einen Siedepunkt von 1740°C. Eigentlich kann da ja nicht viel davon
> verdampfen oder? Im Gegenzug habe ich schon öfters gehört, dass beim
> bleifreien Lötzinn das Flussmittel giftiger ist als das Kolophonium beim
> verbleiten Zinn?
> Gibt es da ein paar Hinweise zu diesem Thema?
> Absaugung bzw. gute Belüftung des Arbeitsplatzes ist natürlich immer
> sinnvoll - mir würde es um den direkten Vergleich gehen...
>
> Viele Grüße,
>
> Max

Wichtig ist wegen der Flussmitteldämpfe gute Ventilation und sich vor 
dem Essen die Hände gut abwaschen, damit nicht auf der Haut haftender 
Bleiabrieb ins Essen gelangt. In meinen jüngeren Jahren war ich da 
relativ sorglos. Ob es mir geschadet hat, kann ich nicht wirklich 
beurteilen. Aber, es gibt mich noch:-)

von Helmut -. (dc3yc)


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Gestern stand bei uns im Internetauftritt unserer Zeitung, dass die WHO 
festgestellt hat, dass man/frau vom Bleigießen an Silvester dumm wird! 
Deswegen wurde es verboten. Da fragt man sich, wie oft hat der/die/das 
Redakteur schon Blei gegossen und ob er/sie/es der WHO als Beispiel 
diente?

von Tilo R. (joey5337) Benutzerseite


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Blei ist gefährlich, wenn man es isst.
Bleihaltige Elektronik demzufolge nicht abschlecken und nach dem Umgang 
damit  Hände waschen.
Fertig.

von Michael B. (laberkopp)


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Markus L. schrieb:
> Wie gesundheitsschädlich ist eigentlich bleihaltiges Lötzinn beim
> Handlöten?

Es geht nicht um Dämpfe, es geht um Abrieb, und nach dem Löten bzw. 
Anfassen bleihaltig gelötet Platinen wird munter mit den Fingern 
gegessen, natürlich ohne sich die Hände zu waschen.

Damit ist die Bleiaufnahme potentiell höher als bei Industriearbeitern, 
die sich natürlich die Finger wuschen und nicht am Arbeitsplatz essen.

Allerdings über viele Jahre hinweg. Wer wirklich 
Vergiftungserscheinungen hatte, hat vermutlich am Lötzinn genuckelt.

von Michael H. (micha_22)


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Gar nicht.

So lange du es nicht isst. Normale Hygiene (Händewaschen) nach der 
Arbeit vorausgesetzt und nicht 24/7/365 am Lötkolben.

Als Kind habe ich sogar Lötzinn als weichen und flexiblen Draht bei 
meinen Basteleien verwendet. Damals hat danach niemand geschrien und am 
Leben bin ich auch noch.

von Hannes J. (Firma: _⌨_) (pnuebergang)


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Helmut -. schrieb:
> Gestern stand bei uns im Internetauftritt unserer Zeitung, dass die WHO
> festgestellt hat, dass man/frau vom Bleigießen an Silvester dumm wird!

Das macht gerade bei diversen Zeitungen die Runde. War wahrscheinlich 
eine Agenturmeldung, die die dummen Journalisten der Art "In 
Naturwissenschaften war ich schon immer schlecht <kicher> <gacker>" 
abgeschrieben und "verbessert" haben.

Ja, es gibt wohl eine WHO-Studie, und andere Studien, die zeigen dass 
die Aufnahme von Blei dumm macht. Das weiß man schon lange.

> Deswegen wurde es verboten. Da fragt man sich, wie oft hat der/die/das
> Redakteur schon Blei gegossen und ob er/sie/es der WHO als Beispiel
> diente?

Was willst'e machen? Journalisten eben. Zu blöd was anständiges zu 
lernen und zu dumm WHO und EU auseinander zu halten.

Die EU hat Grenzwerte für Blei festgelegt um die schleichende Vergiftung 
unserer Umwelt durch Blei zu reduzieren. Bleigießen mit echtem Bei ist 
davon betroffen. Problem ist nicht irgend ein Rauch, sondern das Blei 
selber, dass die Leute nach dem Bleigießen im Müll entsorgen.

Beitrag #7567749 wurde von einem Moderator gelöscht.
von (prx) A. K. (prx)


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Michael H. schrieb:
> und am Leben bin ich auch noch.

Zu Erfahrungen mit Vergiftung sollte man auch die Toten fragen. ;)

Blei in Produkten kann im weiteren Verlauf gefährlich sein. Wenn es etwa 
nach dessen Lebensende über Müll langfristig in die Nahrung gelangt.

Die Gefahr ist langfristig und nicht binär ja/nein. Soll heissen, ein 
Schaden kann sich aufbauen, ohne dass man es merkt. Zunehmende Dummheit 
hilft dabei nicht wirklich. :)

: Bearbeitet durch User
von Frank E. (ffje)


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Dort:
https://www.seilnacht.com/Lexikon/82Blei.htm
wird einer/m geholfen, die allgemeine bzw. individuelle Gefährdung durch 
Blei einzuschätzen.            mfG  fE

: Bearbeitet durch User
von Norbert (der_norbert)


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(prx) A. K. schrieb:
> Blei in Produkten kann im weiteren Verlauf gefährlich sein. Wenn es etwa
> nach dessen Lebensende über Müll langfristig in die Nahrung gelangt.

Um nun den Bogen zur eigentlichen Frage zu schlagen, wenn man einen 
Schinken kauft und darin eine Rolle Lötzinn findet, da wäre der Verzehr 
gesundheitlich dann wohl eher suboptimal?

Wie sieht's denn aus wenn man während dessen lötet? ;-)

von Hannes J. (Firma: _⌨_) (pnuebergang)


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Das Gerücht über böse Bleidämpfe beim Elektroniklöten hält sich 
hartnäckig. Das geht so weit, dass die Berufsgenossenschaft in einer 
Studie

"Lötrauchemissionen beim Einsatz von Absauggeräten - Weichlöten"

https://www.bgetem.de/redaktion/arbeitssicherheit-gesundheitsschutz/dokumente-und-dateien/themen-von-a-z/gefahrstoffe/fachveroeffentlichungen/loetrauch-emissionen-beim-einsatz-von-absauggeraeten-weichloeten-bgia-projekt-3060

es in der Einleitung selbst verbockt. Dort lässt man folgendes 
verlauten, weil kann ja nicht anders sein:

> Die beim Weichlöten entstehenden Lötrauche können bedingt durch ihre
> Zusammensetzung (u.a. Zinn, Blei, Kolophonium, Amine, Formaldehyd,
> Phenol, Chlorwasserstoff und Kohlenmonoxid) eine Reizung der
> Atmungsorgane und Augen verursachen. Dies stellt eine
> Gesundheitsgefährdung dar.

Ist dann natürlich blöd wenn man bei den Ergebnissen eingestehen muss 
(Seite 16):

> Bei den Versuchen mit bleihaltigem Lötdraht wurde eine Bleianalyse des
> auf dem Filter abgeschiedenen Rauches durchgeführt. Hierfür wurde das
> Filter mit der größten Belegung (eines von drei Filtern, Versuch Nr. 5)
> verwendet. Die Bleianalyse blieb trotz der hohen Filterbelegung von
> 110,86 mg und der hohen Lottemperatur von 450 °C unter der
> Bestimmungsgrenze von 0,066 mg, so dass der Bleigehalt des Rauches
> weniger als 0,06 Prozent beträgt. Somit ist eine gesundheitliche
> Gefährdung durch Blei beim Kolbenlöten weniger durch Aufnahme über die
> Atemluft, sondern mehr durch Hautkontakt in Kombination mit z.B.
> mangelnder Hygiene bei der Aufnahme von Nahrung gegeben.

Beitrag #7567758 wurde von einem Moderator gelöscht.
von Gunnar F. (gufi36)


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Tilo R. schrieb:
> Blei ist gefährlich, wenn man es isst.
> Bleihaltige Elektronik demzufolge nicht abschlecken und nach dem Umgang
> damit  Hände waschen.
> Fertig.

Möge dir dein einfaches Weltbild lange erhalten bleiben!

Markus L. schrieb:
> Eigentlich kann da ja nicht viel davon verdampfen oder?

Was ist viel? Und ich wäre überrascht, wenn am aufsteigenden Rauch nicht 
auch Blei enthalten wäre. Das kommt in die Bronchien, und dann? Wenn 
Tilo Recht hat, nichts.

Aber was soll das ganze Ratespiel? Wir kennen keinen genauen 
Zusammenhang zwischen Aufnahme und Schädigung. Ich nehme auch an dass 
hier niemand mal gemessen hat, wie viel Blei am Monatsende im Filter der 
Absaugung war. Als tun wir alle das, was schon genannt wurde, Hände 
Waschen, im rechten Moment mal den Rüssel zur Seite hängen und ich 
persönlich mache dann kurze Atempausen. So gehen wir doch letztendlich 
mit allen Risiken um. Genaue Zahlen fehlen, man macht einfach das was 
ein gutes Bauchgefühl gibt. Am Ende lacht der Sensenmann sowieso...

von (prx) A. K. (prx)


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Norbert schrieb:
> Um nun den Bogen zur eigentlichen Frage zu schlagen, wenn man einen
> Schinken kauft und darin eine Rolle Lötzinn findet, da wäre der Verzehr
> gesundheitlich dann wohl eher suboptimal?

So in der Art, aber konsequenter. Hier wäre zu erforschen, in welcher 
Umgebung das Schwein gelebt hat. Und woher das Futter des Schweins kam. 
Etwa von einer alten und längst nicht mehr erkennbaren Müllkippe, auf 
der es wuchs.

Wie oben angedeutet, sollte man bei Antworten wie deiner die Möglichkeit 
einrechnen, dass man selbst vielleicht bereits geschädigt ist. ;-)

: Bearbeitet durch User
von Steve van de Grens (roehrmond)


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Gunnar F. schrieb:
> Ich nehme auch an dass hier niemand mal gemessen hat,
> wie viel Blei am Monatsende im Filter der Absaugung war.

Hast du Gunnars Zitat von Seite 16 übersehen?
Beitrag "Re: Wie gesundheitsschädlich ist bleihaltiges Lötzinn?"

: Bearbeitet durch User
von Andreas B. (bitverdreher)


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Die Verwendung von Blei wurde deshalb begrenzt, damit es nicht in die 
Umwelt gelangt. Gefaehrlich sind naemlich die Bleisalze, die sich 
irgendwann einmal bilden wenn Elektronik mit verbleiten Loetzinn auf 
irgendwelchen Muellkippen der 3. Welt landet.
Bei Loeten mit Blei passiert gar nichts wenn man sich hinterher die 
Haende waescht.
Das bleifreie Loeten ist sogar eher gesundheitsschaedlich, weil die 
dafuer notwendigen Flussmittel hier aggressiver sind.

von Gerhard H. (hauptmann)


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Michael B. schrieb:
> Damit ist die Bleiaufnahme potentiell höher als bei Industriearbeitern

Ein Bekannter hat früher Jahre in der Cloralkali-Elektrolyse mit 
Quecksilber gearbeitet, da galt es öfter mal diverse Apparaturen zu 
reinigen und da ging es nicht um Winzig-Mengen wie in alten 
Fieberthermometern. Er ist heute 60 und pumperlgesund.
Das ganze Schwermetall Absorptions-Geschwafel ist dermaßen was von 
übertrieben- aber so ist das eben in der überdreht hysterischen Zeit 
heute- und EU Brüssel kann sich wieder mal symbolpolitisch rühmen was 
für die Gesundheit getan zu haben.

: Bearbeitet durch User
von Rudi K. (ykabel)


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im Februar 2024 werde ich 82.  Ich löte dann seit 70 Jahren mit 
bleihaltigem Zinn.  Ab 12 hobbymässig, ab 16 in der Lehre und im Beruf 
als Fernmeldetechniker. Wer noch die Relaisschränke mit ihren unzähligen 
Relais und Hebdrehwählern kennt weiss, was es da alles zu Löten gab.
Auch im Hobby ständig gelötet. Röhrenradios, unzählige Bausätze von z.B. 
RIM oder nach Büchern von Heinz Richter, mehrere Orgeln bis zu 65.000 
Lötstellen, zig Platinen für Modellbahnzwecke, als Musiker viele 
Verstärker, Effektgeräte usw.
Die Hände habe ich auch nicht ständig gewaschen, nebenher auch öfter mal 
´nen Apfel gegessen.
Auch heute löte ich nur bleihaltig an Arduino, LEDs, SMD und was man als 
Bastler halt so zusammenbaut.
Mein Vorrat wird mich wohl überleben.
Vor einer Woche hat der Arzt einen umfassenden TÜV an mir gemacht. Wurde 
ohne Mängel und ohne zerfressene Innereien überstanden.
Und nun heize ich meinen Lötkolben an, ich muss noch was fertig löten.

Ich wünsche allen einen guten Rutsch, bleibt gesund und lasst euch nicht 
von der allgemeinen Weltuntergangsstimmung und deren Verkünder 
einlullen.

Grüssle
Rudi

von Michael O. (michael_o)


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Ein Teil meiner Familie hat sich mit der Entsorgung von Asbesthaltigen 
Abfällen eine goldene Nase verdient. Das Problem war dann nur das die 
ganzen Familien nie Rente bezogen hat und niemand eines natürlichen 
Todes gestorben ist, das Durchschnittsalt bei den Bedingungen lag 
deutlich unter 50 Jahre.
Ich löte auch seit 58 Jahren und besitze bis heute keinen 
Lötdampfabsauger ohne eine gesundheitliche Wirkung zu kennen, so etwas 
ist wohl eher ohne Evidenz.

mfG
Michael

von Steve van de Grens (roehrmond)


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Rudi K. schrieb:
> Wer noch die Relaisschränke mit ihren unzähligen
> Relais und Hebdrehwählern kennt weiss, was es da alles zu Löten gab.

Die Hauptverteiler waren auch toll. Ich erinnere mich noch an blutige 
Hände, weil ich mich wegen einem Stromschlag erschreckte und die Hand 
hastig aus einem schmalen Spalt voller spitzer Lötstellen heraus zog.

: Bearbeitet durch User
von (prx) A. K. (prx)


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Steve van de Grens schrieb:
> Ich erinnere mich noch an blutige Hände, weil ich mich wegen einem
> Stromschlag erschreckte und die Hand hastig aus dem Schmalen Spalt
> heraus zog. Ich glaube das ist mit mindestens 10x passiert, bis ich den
> Reflex unterdrücken konnte.

Die meisten Menschen würden wohl versuchen, lieber den Stromschlag zu 
vermeiden, als den Reflex. ;-)

von (prx) A. K. (prx)


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Gerhard H. schrieb:
> ganze Schwermetall Absorptions-Geschwafel ist dermaßen was von
> übertrieben

Mit Quecksilber ist es wie mit Blei. Es akkumuliert in der Umwelt, 
weshalb die Zeitspanne bis zu ernsten Problemen Jahrhunderte betragen 
kann. Es kann also durchaus sinnvoll sein, das frühzeitig anzugehen.

von Jens G. (jensig)


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(prx) A. K. schrieb:
> Steve van de Grens schrieb:
>> Ich erinnere mich noch an blutige Hände, weil ich mich wegen einem
>> Stromschlag erschreckte und die Hand hastig aus dem Schmalen Spalt
>> heraus zog. Ich glaube das ist mit mindestens 10x passiert, bis ich den
>> Reflex unterdrücken konnte.
>
> Die meisten Menschen würden wohl versuchen, lieber den Stromschlag zu
> vermeiden, als den Reflex. ;-)

Warmduscher ... ;-)

von Hmmm (hmmm)


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Gerhard H. schrieb:
> Das ganze Schwermetall Absorptions-Geschwafel ist dermaßen was von
> übertrieben

Bei den unschönen Folgen, die bei einer Bleivergiftung rauskommen 
können, kann Vorsicht trotzdem nicht schaden:

https://www.welt.de/regionales/nrw/article223361272/Wie-eine-Studentin-fuer-ihren-Traum-von-den-Paralympics-kaempft.html

Dürfte zwar deutlich mehr als das gewesen sein, was man aufnimmt, wenn 
man beim Löten nebenbei Fingerfood isst, aber laut einem anderen Artikel 
waren ihre ersten Symptome schon nach 3 Monaten da.

Das ändert natürlich nichts an der Idiotie, dass bleihaltiges Lötzinn 
schon lange weitestgehend verboten ist, während noch immer Bleischrot in 
die Natur geballert werden darf und mitunter auch mal von Wildbraten 
umhüllt auf dem Teller landet.

von Steve van de Grens (roehrmond)


Angehängte Dateien:

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(prx) A. K. schrieb:
> Die meisten Menschen würden wohl versuchen, lieber den Stromschlag zu
> vermeiden, als den Reflex

Geht nicht, man konnte ja schlecht die Vermittlungsstelle abschalten.

SO ähnlich sah es dort aus. In dem Verteiler, wo ich arbeiten musste, 
gab es allerdings diese schwarzen Abstandshalter hinter den Lötstellen 
nicht, wo die Drähte durch gefädelt wurden.

: Bearbeitet durch User
von Rainer Z. (netzbeschmutzer)


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Hmmm schrieb:
> Bei den unschönen Folgen, die bei einer Bleivergiftung rauskommen
> können, kann Vorsicht trotzdem nicht schaden:
>
> 
https://www.welt.de/regionales/nrw/article223361272/Wie-eine-Studentin-fuer-ihren-Traum-von-den-Paralympics-kaempft.html
>
> Dürfte zwar deutlich mehr als das gewesen sein, was man aufnimmt, wenn
> man beim Löten nebenbei Fingerfood isst, aber laut einem anderen Artikel
> waren ihre ersten Symptome schon nach 3 Monaten da.
>
> Das ändert natürlich nichts an der Idiotie, dass bleihaltiges Lötzinn
> schon lange weitestgehend verboten ist, während noch immer Bleischrot in
> die Natur geballert werden darf und mitunter auch mal von Wildbraten
> umhüllt auf dem Teller landet.

FULL ACK. +1

Witzig, ich wollte gerade selber (wiederholt in diesem Forum) auf das 
Schicksal von Fr. Sedlmayr hinweisen.

Dass bei der Jagd noch Bleimunition verwendet wird, ist ebenso ein 
Unding.

Man muss verdammt nochmal das Risiko nicht höher als nötig halten. Es 
gibt - z.B. von Felder - hervorragend verwendbares bleifreies Lötzinn. 
Auch wenn ich selber noch Bleilot habe, es aber nur noch selten in 
Uraltgeräten benutze (und selbst dann nicht in jedem Fall).

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

von Tim 🔆 (solarlicht)


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Hmmm schrieb:
> 
https://www.welt.de/regionales/nrw/article223361272/Wie-eine-Studentin-fuer-ihren-Traum-von-den-Paralympics-kaempft.html

Wie dumm muss man sein irgendeinen Schrott vom Flohmarkt in sein 
Trinkwasser zu legen? Ein Schicksal wäre es ohne eigenes Zutun, aber 
diese Frau hat alles dafür getan sich zu vergiften.

Ich fasse bleihaltiges Lötzinn seit über 30 Jahren jeden Tag an und habe 
noch keine negativen Auswirkungen bemerkt. Danach Hände waschen und gut. 
Außer man knetet es den ganzen Tag aus Langeweile mit verschwitzten 
Händen.

: Bearbeitet durch User
von Carsten S. (dg3ycs)


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Gerhard H. schrieb:
> Ein Bekannter hat früher Jahre in der Cloralkali-Elektrolyse mit
> Quecksilber gearbeitet, da galt es öfter mal diverse Apparaturen zu
> reinigen und da ging es nicht um Winzig-Mengen wie in alten
> Fieberthermometern. Er ist heute 60 und pumperlgesund.
> Das ganze Schwermetall Absorptions-Geschwafel ist dermaßen was von
> übertrieben- aber so ist das eben in der überdreht hysterischen Zeit
> heute- und EU Brüssel kann sich wieder mal symbolpolitisch rühmen was
> für die Gesundheit getan zu haben.

Wenn er heute 60 ist, also noch im Berufsleben steht, dann hat er seine 
Berufslaufbahn vermutlich ende der 70er, Anfang der 80 Jahre begonnen.

Da gab es zwar (auch) noch Fieberthermometer mit Quecksilber zu kaufen, 
aber trotzdem wusste man um die Gefahren durch Quecksilber, gerade bei 
großen Mengen, schon recht gut Bescheid. Und auch der Arbeitsschutz 
wurde in den 80ern, zumindest in der Industrie, schon deutlich ernster 
genommen.

Und auch wenn manches heute bizarre Züge annimmt wie Anrücken der 
Gefahrguteinheit der Feuerwehr wegen eines zerbrochenen 
Quecksilber-Fieberthermometers, Evakuierung von Schulen mit Sprengung 
vor Ort durch SEK wegen alter an/bzw eingetrockneter Pikrinsäuregefässe 
(-Die von allen Sachkundigen Stellen dazu gegebenen Anweisungen lauten: 
In Wassereimer stellen, nach zwei Tagen Deckel anstechen und Gefahrlos 
zur Entsorgung geben) So ist die vermeidung von Schmermetallaufnahmen an 
sich definitv eine wichtige Sache. Besonders bei Quecksilber, aber auch 
bei Blei sollte man nicht zu leichtfertig damit umgehen.
Der Spruch "verrückt wie ein Hutmacher" kommt nicht von ungefähr und 
auch in den Anfängen der Funktechnik gab es nicht wenige Techniker in 
den Sendeanlagen die schon nach Wochen erste Gesundheitliche 
Beeinträchtigungen hatten (offene Unterbrecher) weshalb dann auch 
relativ schnell Maßnahme zur Reduzierung der Quecksilberbelastung wie 
Abdeckung mit Ölschicht getroffen wurden.

Dennoch sollte man die Relationen im Auge behalten!
Und die Menge die jemand aufnimmt der nach dem Löten die Hände wäscht 
mit der Menge vergleichen die jemand aufgenommen hat der in den 70er 
Jahren auch nur eine Stunde durch die Essener Innenstadt gelaufen ist 
(TEL im Benzin). Oder Jemand der ein Glas Leitungswasser in einem Neubau 
mit mit Bleirohren im Haus getrunken hat. Und auf längere Zeit 
hochgerechnet sind das mehrere Zehnerpotenzen. Selbst wenn man in 
seltenen Fällen mal das Händewaschen vergisst (Blei wird im Magen/Darm 
nur schlecht resorbiert)

Und es wird auch immer noch viel durcheinandergeworfen.
ROHS und das daher einhergehende Verwendungsverbot für Bleilot bei der 
kommerziellen Produktion hat NICHTS mit dem Gesundheitsschutz der 
Anwender zu tun. Da geht es rein um die Bleibelastung von Abfällen wenn 
die Produzierten Geräte halt nicht im Elektronikschrott sondern z.B. 
über Export in der Umwelt landen.

Das Verbot der Abgabe von Bleilot an Privatpersonen über den 
Versandhandel bzw. die Erfordernis der Sachkunde beim Thekenverkauf hat 
nichts mit Elektronik zu tun sondern das Blei als Feststoff generell als 
Fruchtschädigend eingestuft wurde. Z.b. für den Fall das eine schwangere 
Raumausstatterin täglich Bleigewichte in die Gardinen Stopft.

Andreas B. schrieb:
> Das bleifreie Loeten ist sogar eher gesundheitsschaedlich, weil die
> dafuer notwendigen Flussmittel hier aggressiver sind.

Es sind nicht einmal unbedingt andere/aggresivere Flussmittel. Es gibt 
auch Bleifrei mit denselben Flussmitteln.
Aber es wird halt heisser gelötet und öfter auch mal mit 
mehr/zusätzlichem Flussmittel beim NAcharbeiten gearbeitet was dann 
durch die höhere TEmperatur zu einer anderen Zusammensetzung des Dampfes 
und bei zusätzlichen Flussmittel zu allgemein mehr Dampf führt.

Rainer Z. schrieb:
> Man muss verdammt nochmal das Risiko nicht höher als nötig halten. Es
> gibt - z.B. von Felder - hervorragend verwendbares bleifreies Lötzinn.
Tja, nur gibt es nicht nur ein potentielles Risiko für die langfristige 
Gesundheit sondern mindestens zwei beim Löten.
Das Risiko der Schwermetallaufnahme bei fehlendem Händewaschen und das 
Risiko durch Mögliche Atemgifte durch verdampfendes Flussmittel.
Das Risiko das man überhaupt durch das Bleihaltige Löten zusätzlich Blei 
aufnimmt kann man durch Händewaschen zuverlässig auf NULL,NULL 
reduzieren.

Ob und wie hoch ein zusätzliche Risiko durch mehr/andere Atemgifte bei 
der Bleifreiverarbeitung durch höhere Löttemperaturen und/oder andere 
Flussmittel besteht kann man hingegen nicht selbst einschätzen...
Natürlich kann man mit Filtern arbeiten, aber ohne echte und sehr 
kräftige Absaugung filtern diese zum einen ja lange nicht alles sondern 
reduzieren nur und zum anderen gilt dasselbe Maß an Reduzierung auch bei 
Bleihaltigen Lot. (eher mehr Reduzierung da dort weniger Dampf entsteht 
und somit Anteilig noch mehr gefiltert wird)

> Auch wenn ich selber noch Bleilot habe, es aber nur noch selten in
> Uraltgeräten benutze (und selbst dann nicht in jedem Fall).
Da kann ja jeder selbst entscheiden wie er das Handhabt...

von Peter D. (peda)


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Als Kind hatte mir meine Oma im Spielzeugladen ein Lötset gekauft, 
ähnlich diesem:
https://recherche.smb.museum/detail/1920679/hobby-set
Für Kinder ab 6 Jahre. Den Lötkolben mußte man auf dem Gasherd erhitzen 
und konnte dann ganz kurz löten. Schnell habe ich gemerkt, daß das nix 
taugt und habe einen 60W Lötkolben für die Steckdose bekommen. Den gab 
es allerdings nicht mehr im Spielzeugladen.
Ich war damals noch nicht so geübt und eine dritte Hand gab es nicht zu 
kaufen. Da habe ich beim Löten das Lot einfach mit dem Mund gehalten.
Das Lötfett hat allerdings alles grün gefärbt. Ein Bastler hatte mir 
dann den Tip gegeben, Kolofonium in der Musikalienhandlung zu kaufen. 
Ich hab dann ehrlich gesagt, zum Löten, da hat mich der Händler 
rausgejagt. Dann habe ich einen Mitschüler in den Laden geschickt und er 
hat es mir dann gekauft.

: Bearbeitet durch User
von Harald W. (wilhelms)


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Helmut -. schrieb:

> Gestern stand bei uns im Internetauftritt unserer Zeitung, dass die WHO
> festgestellt hat, dass man/frau vom Bleigießen an Silvester dumm wird!
> Deswegen wurde es verboten. Da fragt man sich, wie oft hat der/die/das
> Redakteur schon Blei gegossen und ob er/sie/es der WHO als Beispiel
> diente?

Nunja, gerade an Sylvester mit erhöhtem Alkokolspiegel wird man
leicht vergessen, sich nach dem Bleigiessen die Hände zu waschen.
Seit ein paar Jahren kann man aber m.W. schon keine Bleifiguren
mehr im freien Handel kaufen.

von Tim 🔆 (solarlicht)


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Harald W. schrieb:
> Helmut -. schrieb:
>
>> Gestern stand bei uns im Internetauftritt unserer Zeitung, dass die WHO
>> festgestellt hat, dass man/frau vom Bleigießen an Silvester dumm wird!
>
> Nunja, gerade an Sylvester mit erhöhtem Alkokolspiegel wird man
> leicht vergessen, sich nach dem Bleigiessen die Hände zu waschen.

Die Menge macht's. Wer sich Blei in Wasser auflöst um es zu trinken, wie 
die Frau aus dem verlinkten Artikel, muss sich nicht wundern. Das regt 
mich voll auf.

Ein Problem sehe ich eher darin, dass das Bleigieß-Zeug irgendwann in 
den Restmüll geworfen wurde.

von Helmut L. (helmi1)


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Harald W. schrieb:
> Nunja, gerade an Sylvester mit erhöhtem Alkokolspiegel wird man
> leicht vergessen, sich nach dem Bleigiessen die Hände zu waschen.

Hmm, ob da nicht der Alkohol groesseren Schaden im Koerper anrichtet?

von Tim 🔆 (solarlicht)


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Zur Zeit bereitet mir das Arbeiten mit Pertinax-Platinen mehr Sorgen. 
Das die bei der Bearbeitung riechen und Phenol abgeben kenne ich ja.

Aber selbst Platinen die ich hier schon 20 Jahre lagere, strömen immer 
noch einen unerträglich starken Geruch aus. Wenn ich die eine Weile auf 
dem Tisch liegen habe, stinkt der ganze Raum.

Geben Pertinax-Platinen aus aktueller Produktion eigentlich weniger 
weniger gesundheitsgefährdende Stoffe ab oder gibt es andere 
Materialien, die sich auch gut bearbeiten lassen?

Und wie schädlich sind die abgegebenen Mengen überhaupt? Ich konnte 
nicht wirklich was verlässliches oder ausführlicheres dazu finden.

: Bearbeitet durch User
von Harald W. (wilhelms)


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Tim 🔆 schrieb:

> Ein Problem sehe ich eher darin, dass das Bleigieß-Zeug irgendwann in
> den Restmüll geworfen wurde.

Da heutzutage Mülldeponien gegen das Grundwasser abgedichtet sein
müssen, ist das nicht ganz so kritisch.

: Bearbeitet durch User
von Michael B. (laberkopp)


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Tim 🔆 schrieb:
> oder gibt es andere Materialien, die sich auch gut bearbeiten lassen?

FR2 statt FR1.

Ist nicht Papier mit Phenolharztränkung,
sondern Papier mit Epoxidharztränkung.

Ob jetzt die riechenden Phenole oder neutralen Epoxide schädlicher sind, 
wer weiss.

von Gunnar F. (gufi36)


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Tim 🔆 schrieb:
> Und wie schädlich sind die abgegebenen Mengen überhaupt? Ich konnte
> nicht wirklich was verlässliches oder ausführlicheres dazu finden

Na das ist es ja immer: Belastbare Zahlen gibt es nur bei Studien mit 
sehr vielen Probanden. Die bezahlt nur hier niemand. Und es ist auch 
eher schwierig, die Probanden einzuteilen: Wie viel hast du gelötet, wie 
oft nicht die Hände gewaschen, wie oft am Daumen genuckelt? Dies hier 
nur als Platzhalter für die diversen Belastungen.
Was dann geht, ist dem Toten Knochenproben zu nehmen und das mit seiner 
Krankengeschichte abgleichen. Aber jetzt sind wir nicht alle gleich und 
jeder reagiert anders. Jeder lebt anders. Deswegen sind auch die 
hunderten Geschichten "mein Opa hat geraucht wie ein Schlot und ist über 
90 geworden" Nonsens.
Ebenso meines Erachtens die ganze Homöopathie: Tausende labern daher, 
dass sie ihnen geholfen hat. Die haben aber zumeist eine Stichprobe von 
Eins gezogen, die bekanntermaßen nicht aussagekräftig ist.
Deswegen denke ich, vermeide was vermeidbar ist, bilde deine Meinung und 
leb damit. Wenn du dann irgendeinen Krebs hast, sagt dir eh keiner mehr, 
wovon der jetzt gekommen ist. Und vielleicht wird ja der Bleilöter auch 
hundert bei bester Gesundheit!

von Gerhard H. (hauptmann)


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Gunnar F. schrieb:
> Wenn du dann irgendeinen Krebs hast

... der sich zwar durch (extensiv) ungesunde Dinge provozieren lässt- 
das aber meist in engster Verflechtung mit individuellen Anlagen. In der 
Mehrzahl der Fälle soll schlicht Kommissar Zufall sein Zepter schwingen- 
mit einem Risiko das mit dem Alter steigt.

Risiko-Reduzierung selber ist groß in Mode und die Tendenz, dabei maßlos 
zu übertreiben derzeit ausgeprägt wie nie. Typisch für satte 
Wohlstands-Gesellschaften: Zum einen gibts viel zu verlieren, zum 
anderen macht man sich da gerne Probleme wenns sonst keine größeren 
gibt.

: Bearbeitet durch User
von Harald W. (wilhelms)


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Gunnar F. schrieb:

> Wie viel hast du gelötet,

Jaja, "Kinder betet, Vater lötet"

von Hmmm (hmmm)


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Gerhard H. schrieb:
> Risiko-Reduzierung ist groß in Mode und die Tendenz, dabei maßlos zu
> übertreiben derzeit ausgeprägt wie nie.

Klingt ähnlich wie die Argumente gegen Kopfstützen, Sicherheitsgurte, 
Airbags und jegliche Assistenzsysteme.

Wenn man die Statistik mit wenig Aufwand (Händewaschen nach dem Löten, 
ggf. Verzicht auf Bleilot) zu seinen Gunsten verschieben kann, spricht 
doch nichts dagegen, das zu tun.

von H. H. (Gast)


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von Gerhard H. (hauptmann)


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Hmmm schrieb:
> Wenn man die Statistik mit wenig Aufwand (Händewaschen nach dem Löten,
> ggf. Verzicht auf Bleilot) zu seinen Gunsten verschieben kann, spricht
> doch nichts dagegen, das zu tun.

Sicherlich. Alles eine Frage des Aufwands. Dabei macht viel Kleinvieh 
allerdings auch Mist (Aufwand). Aber um beim Thema und dem Kleinvieh 
Bleilot zu bleiben: Das bleibt mir in Verwendung solang die Vorräte 
reichen. Das Argument mit der Umweltbelastung zieht/zöge dann nicht wenn 
denn das EGeräte-Recycling klappt. Tut es das nicht in ausreichendem 
Maße? Und wenn nicht: Warum setzt man den Hebel nicht erst mal dort an? 
Verzicht/Verbot von immer mehr Substanzen schränkt die Auswahl und 
unternehmerische Freiheit immer weiter ein, treibt ohne gleichwertigen 
Ersatz die Kosten, ist letztlich ein Schaden für die Wirtschaft. Zumal 
das im Nicht-EU Ausland schon wieder ganz anders beurteilt/gehandhabt 
wird.

von Rolf (rolf22)


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Rudi K. schrieb:
> im Februar 2024 werde ich 82.  Ich löte dann seit 70 Jahren mit
> bleihaltigem Zinn. (...)
> Vor einer Woche hat der Arzt einen umfassenden TÜV an mir gemacht. Wurde
> ohne Mängel und ohne zerfressene Innereien überstanden.

Mein Vater hat von Jugend an bis zum Alter von 96 täglich etliche 
Zigaretten geraucht, war bis zum letzten Tag gesund und ist bei einem 
Unfall gestorben.

So viel zum Thema Argumentationslogik.

von (prx) A. K. (prx)


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Ist hier jemand dabei, der Russisches Roulette überlebt hat? :-))

von Harald W. (wilhelms)


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Rolf schrieb:

> ist bei einem Unfall gestorben.

Ja, Rauchen erhöht die Unfallgefahr.

von Helmut L. (helmi1)


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Und warum werden nicht Kriege verboten? Da sterben doch die meisten an 
"Bleivergiftung".

von Wilhelm S. (wilhelmdk4tj)


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Habt ihr euch bei all eurem '..ja aber..' mal Gedanken dazu gemacht, wie 
es die Menschheit bis in das Jahr 2023 geschafft hat?

Selbst die Pest, andere Seuchen, Naturkatastrophen, der Mensch selbst 
(Kriege, Atombombe) und viele andere (lebens)ungünstige Umstände (z.B 
keine Antibiotika) haben die Menschheit nicht ausgerottet. Wein wurde 
mit 'Bleiweiss', 'Bleizucker' gesüsst (wenig bekömmlich, letal), und das 
Glykol im Wein wurde auch überlebt.
...und dann soll es meiner Gesundheit abträglich sein, wenn ich in 
meiner Freizeit ein paar Platinen mit Bleilot! löte? Es gibt natürlich 
Ausnahmen -> Knollenblätterpilz, 1TL Zyankali und einiges andere mehr.
Einige Beiträge in diesem Beitrag (Forum) beschreien förmlich die 
Apokalypse; dazu dann diese '..ja aber..' Beiträge '..wenn der Wind aber 
aus südost kommt..., ..mittags um 1/2 12.., ...bei Vollmond, oohh...'
Meist nur 'worst case' Szenarien. Dass einen der Blitz bei ka.. 
erschlägt? Kennt jemand einen realen Fall?

Das ist hier ein Technikforum!
Ich denke, dass 'Techniker' naturwissentschaftlich geprägte Zeitgenossen 
sind.  Dann sollte man auch so denken und schreiben. Der Rest gehört 
nach 'Off Topic'.

Allen ein gutes, Neues Jahr!
(...ja aber, wer weiss..)  ;-)

73
Wilhelm

von Hmmm (hmmm)


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Wilhelm S. schrieb:
> Wein wurde
> mit 'Bleiweiss', 'Bleizucker' gesüsst (wenig bekömmlich, letal), und das
> Glykol im Wein wurde auch überlebt.

Dass die Menschheit an sich überlebt hat, hilft bloss denjenigen nicht, 
die weniger Glück hatten. Ich hätte z.B. nicht mit Eben Byers tauschen 
wollen, der seinerzeit der Anlass war, Radithor vom Markt zu nehmen:

https://content.time.com/time/subscriber/article/0,33009,743525,00.html

Wilhelm S. schrieb:
> ...und dann soll es meiner Gesundheit abträglich sein, wenn ich in
> meiner Freizeit ein paar Platinen mit Bleilot! löte?

Das Löten an sich nicht, weil es dabei nicht verdampft. Aufnahme über 
die Haut ist auch zu vernachlässigen, also Hände waschen und nicht 
nervös auf dem Lötzinn herumkauen.

Wilhelm S. schrieb:
> Es gibt natürlich
> Ausnahmen -> Knollenblätterpilz, 1TL Zyankali und einiges andere mehr.

Das ist der Unterschied zwischen akuter und chronischer Toxizität. Nach 
ein paar Minuten tot umzukippen, ist greifbarer als ein langsamer und 
qualvoller Tod, der erst Jahre später und nur mit genug Pech eintritt.

Wenn man z.B. kurz nach einer Zigarette tot umkippen würde, würden 
deutlich weniger Leute anfangen zu rauchen.

von Zero V. (Firma: Freelancer) (gnd)


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"The Man Who Accidentally Killed The Most People In History"
https://youtu.be/IV3dnLzthDA?si=lZazqbso_9-l1Bum

von Joe (Firma: Wessibisser) (joe_l794)


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Hannes J. schrieb:
> Das macht gerade bei diversen Zeitungen die Runde. War wahrscheinlich
> eine Agenturmeldung, die die dummen Journalisten der Art "In
> Naturwissenschaften war ich schon immer schlecht <kicher> <gacker>"
> abgeschrieben und "verbessert" haben.

Was sich heutzutage alles Journalist schimpft ist schon krass. Die 
meisten J's können nicht mal eine Schlagzeile in fehlerfreiem Deutsch 
schreiben, geschweige denn einen ganzen Artikel. Dann sind die Artikel 
hudelig recherchiert oder einfach aus dem Anglersächsischen schlecht 
übersetzt abgeschrieben. Und die Krönung kommt wenn du da draufklickst. 
Erst greifen Sie die Zustimmung für die Cookies ab, um dich 
weiterverschachern zu können und dann lassen die dich eiskalt gegen eine 
Paywall laufen, wo du dann noch mehrere Euro für diesen Mist zahlen 
sollst. Das i-Tüpfelchen ist dann noch die oberdumme 
Klickbait-Formulierung der "Schlagzeile".
Da bleibt nichts gutes mehr übrig. Das ist superschlecht und wird immer 
noch schlimmer. Komme mir vor, wie in dem Film "Idiocrazy".

von Rainer Z. (netzbeschmutzer)


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Wilhelm S. schrieb:
> und das Glykol im Wein wurde auch überlebt.

Führte aber dazu, dass ich in meinem gesamten Leben keinen 
österreichischen Wein getrunken habe und es auch künftig nicht tun 
werde.

Gibt es überhaupt noch österreichischen Wein in Deutschland zu kaufen? 
Sieht so aus, als wenn österreichische Winzer für immer verschissen 
haben.

von Josef G. (0123456789)


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Irrtum, man ist auf qualitativ hochwertigen Wein umgestiegen und hat die 
Massenware deutlich zurückgedrängt.
Kannst also ruhig trinken.

von Wladimir (vril_2023)


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Womit wir wieder beim Thema Blei sind!
Bei der Weinfälschung wird nämlich auch Blei(II)-acetat zur Erhöhung der 
Süße eingesetzt.
Weinskandale gab es übrigens nicht nur in Ö … Italien, Frankreich - und 
nicht zu vergessen: die auch so  „liebliche Mosel“ ;-)

von Rainer Z. (netzbeschmutzer)


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Josef G. schrieb:
> Irrtum, man ist auf qualitativ hochwertigen Wein umgestiegen und hat die
> Massenware deutlich zurückgedrängt.
> Kannst also ruhig trinken.

Nö.

von Hmmm (hmmm)


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Wladimir schrieb:
> Bei der Weinfälschung wird nämlich auch Blei(II)-acetat zur Erhöhung der
> Süße eingesetzt.

Wurde, im 19. Jahrhundert hatte sich das durch erschwinglichen Rohr- und 
Rübenzucker erledigt.

von Gerald K. (geku)


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Rainer Z. schrieb:
> Wilhelm S. schrieb:
>> und das Glykol im Wein wurde auch überlebt.
>
> Führte aber dazu, dass ich in meinem gesamten Leben keinen
> österreichischen Wein getrunken habe und es auch künftig nicht tun
> werde.
> Gibt es überhaupt noch österreichischen Wein in Deutschland zu kaufen?
> Sieht so aus, als wenn österreichische Winzer für immer verschissen
> haben.

Gleiches gilt für deutsche Autos in der Welt. Mit dem Dieselabgasskandal 
hat die deutsche Autoindustrie ihre Glaubwürdigkeit verspielt.

Auto mit neuer Technologie kommen jetzt aus China.

von (prx) A. K. (prx)


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Gerald K. schrieb:
> Gleiches gilt für deutsche Autos in der Welt. Mit dem Dieselabgasskandal
> hat die deutsche Autoindustrie ihre Glaubwürdigkeit verspielt.

Toyota/Daihatsu gibt sich dahingehend auch einige Mühe:
https://www.golem.de/news/crashtests-und-verbrauch-manipuliert-daihatsu-stoppt-produktion-nach-aufdeckung-von-betrug-2312-180675.html

Und zur strikten Ehrlichkeit der Chinesen kennt man gerade hier im Forum 
wohl auch schon ein paar kleine Geschichtchen. Ob deren Autohersteller 
wohl eine Ausnahme machen?

von Kurt (heliosh)


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Markus L. schrieb:
> Grundsätzlich hat die Lötkolbenspitze ja max 400°C, und Blei
> hat einen Siedepunkt von 1740°C. Eigentlich kann da ja nicht viel davon
> verdampfen oder?

Wasser hat einen Siedepunkt von 100°C und trotzdem verdampft es bei 
Raumtemperatur.

von Daniel D. (danielduese)


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Schon witzig das hier alle Jahre wieder die selben Themen mit den selben 
Argumenten durchgespielt werden. Beweist, wie schlecht die Suchfunktion 
im forum ist.

von (prx) A. K. (prx)


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Gerald K. schrieb:
> Auto mit neuer Technologie kommen jetzt aus China.

Die Chinesen wiederum füttern ihren Nachwuchs lieber mit deutschem 
Milchpulver, statt chinesischem Kunststoff.
https://de.wikipedia.org/wiki/Chinesischer_Milchskandal

von (prx) A. K. (prx)


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Daniel D. schrieb:
> Beweist, wie schlecht die Suchfunktion im forum ist.

Eine manuell anzustossende Suchfunktion hilft nicht dagegen, egal wie 
gut sie ist. Das wäre aber die Chance für eine am Foreninhalt 
trainierte KI, die beim Versuch, den Beitrag abzuschicken, daran 
erinnert, dass das nicht nur bereits hunderte Male geschrieben wurde, 
sondern einem auch gleich die aberhundert Reaktionen um die Ohren haut.

: Bearbeitet durch User
von Daniel D. (danielduese)


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(prx) A. K. schrieb:
> Das wäre aber die Chance für eine am Foreninhalt
> trainierte KI

Diese KI wäre auf jeden Fall mal verhaltensauffällig.

von Manfred P. (pruckelfred)


Angehängte Dateien:

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Harald W. schrieb:
> gerade an Sylvester

Helmut L. schrieb:
> Und warum werden nicht Kriege verboten? Da sterben doch die meisten an
> "Bleivergiftung".

Gemäß REACH-Verordnung der EU sind Bleigeschosse nicht mehr zulässig.

von Daniel D. (danielduese)


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Kurt schrieb:
> Markus L. schrieb:
>> Grundsätzlich hat die Lötkolbenspitze ja max 400°C, und Blei
>> hat einen Siedepunkt von 1740°C. Eigentlich kann da ja nicht viel davon
>> verdampfen oder?
>
> Wasser hat einen Siedepunkt von 100°C und trotzdem verdampft es bei
> Raumtemperatur.

[ Beitrag "Re: Löten: Einatmen von Zinn-Dampf gesundheitsschädigend?" ]

von Jörg W. (dl8dtl) (Moderator) Benutzerseite


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Carsten S. schrieb:
> Es sind nicht einmal unbedingt andere/aggresivere Flussmittel.

Aggressiver müssten sie ja gar nicht sein, denn durch die höhere 
Temperatur würden sogar mildere Flussmittel genügen. Aber wie du schon 
schreibst:

> Es gibt
> auch Bleifrei mit denselben Flussmitteln.

Oft sind es eh die gleichen.

> Aber es wird halt heisser gelötet

Diese (wie die vermeintlichen Bleidämpfe ;-) immer wiederkehrende 
Diskussion erinnert mich ein wenig an die Diskussion um das gefährliche 
Quecksilber in den Kompaktleuchtstofflampen seinerzeit. Jahrzehntelang 
wurden überall die üblichen großen Leuchtstofflampen verbaut und kein 
Schwein hat sich ernsthaft eine Rübe gemacht, so ein Ding zu zerbrechen, 
um es in den Müll zu werfen. In denen war deutlich mehr Quecksilber drin 
als in den kleinen Kompaktleuchtstofflampen – aber bei letzteren wurde 
es plötzlich als Problem wahrgenommen. (Dass man darüber, dass die 
Dinger technologisch nur ein sehr kurzes Leben hatten, anderweitig froh 
sein darf, ist natürlich unbestritten.)

Beim Flussmitteldampf genauso: jahrzehntelang hat die Welt mit völlig 
ungeregelten Lötkolben, die sich im Leerlauf wohl locker auf mehr als 
400 °C aufgeheizt haben, ihr Kolophonium verdampft. Das war ganz sicher 
ungesund, aber bei den bleifreien Loten wird die höhere Temperatur und 
der entsprechende Flussmitteldampf plötzlich ein Problem. Dabei haben 
wir heute viel bessere Lötstationen mit ihren guten 
Temperaturregelungen, und die eingestellten Temperaturen sind oft die 
gleichen wie noch vor 20 Jahren beim Löten mit bleihaltigen Loten …

Ein wenig erscheint mir diese Flussmitteldiskussion eher eine Begründung 
zu sein für Leute, die sich noch paar Gründe mehr innerlich zurecht 
legen müssen, weil sie gern weiter mit bleihaltigem Lot arbeiten wollen.

Mag das doch jeder für sich entscheiden. Dass Blei giftig ist, wissen 
wir nicht erst seit gestern, das Risiko ist also klar. Auf der anderen 
Seite steht, dass man besseres Werkzeug braucht, um ordentlich mit 
bleifreien Loten arbeiten zu können, damit man den Wärmefluss vernünftig 
hinbekommt. Wer seine Lötstation auf deutlich über 350 °C einstellen 
muss, um mit bleifreien Loten hantieren zu können, der sollte lieber 
doch bleihaltiges Lot benutzen. Wer gutes Werkzeug mit ausreichend 
Wärmezufuhr hat, der kann sich auch genauso gut  an bleifreies Lot 
gewöhnen, so er auch den Willen dazu hat. Wer das nicht will, der wird 
sowieso immer wieder Gründe zum Herummäkeln finden, dann soll er doch 
lieber gleich weiter sein bleihaltiges Lot benutzen.

von J. S. (pbr85)


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Kurt schrieb:
> Markus L. schrieb:
>> Grundsätzlich hat die Lötkolbenspitze ja max 400°C, und Blei
>> hat einen Siedepunkt von 1740°C. Eigentlich kann da ja nicht viel davon
>> verdampfen oder?
>
> Wasser hat einen Siedepunkt von 100°C und trotzdem verdampft es bei
> Raumtemperatur.
Schaue dir mal den Dampfdruck von flüssigem Blei an und wie solche 
Kurven aussehen. Also erstmal seehr flach anfangend und dann immer 
steiler.

https://www.chemie.de/lexikon/Blei.html

4 Zehnmillionstel Pa bei 600K. Das ist ein Dampfdruck der Ultahochvakuum 
entspricht.

: Bearbeitet durch User
von (prx) A. K. (prx)


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Daniel D. schrieb:
> Diese KI wäre auf jeden Fall mal verhaltensauffällig.

War das der Versuch einer leisen Selbstkritik? :)

von Tim 🔆 (solarlicht)


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(prx) A. K. schrieb:
> Die Chinesen wiederum füttern ihren Nachwuchs lieber mit deutschem
> Milchpulver, statt chinesischem Kunststoff.
> https://de.wikipedia.org/wiki/Chinesischer_Milchskandal

Und in den 1990ern mischten in Ungarn Händler Bleimennige in 
Paprikapulver. Ich habe das noch gut in Erinnerung, weil wir welches von 
Verwandten mitgebracht bekamen, die es dort auf einem Markt gekauft 
hatten. Wir haben es argwöhnisch betrachtet und dann doch benutzt. War 
wohl nichts drinnen, sonst würde ich hier heute nicht so einen Mist ins 
Forum schreiben ;-)

Überblick über die wichtigsten Katastrophen und Skandale auf dem Gebiet 
der Lebensmittel
http://ernaehrungsdenkwerkstatt.de/fileadmin/user_upload/EDWText/TextElemente/Lebensmittel/LM-Skandalenchronik_Walker_03_06_04.pdf

: Bearbeitet durch User
von Harald W. (wilhelms)


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Wilhelm S. schrieb:

> Das Glykol im Wein wurde auch überlebt.

Naja, für den Eiswein benötigte man natürlich Frostschutzmittel.

Beitrag #7568869 wurde von einem Moderator gelöscht.
von Gerald K. (geku)


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(prx) A. K. schrieb:
> Und zur strikten Ehrlichkeit der Chinesen kennt man gerade hier im Forum
> wohl auch schon ein paar kleine Geschichtchen. Ob deren Autohersteller
> wohl eine Ausnahme machen?

Das habe ich erst kürzlich mit Lithiumprimärzellen erfahren, die nahezu 
leer angeliefert wurden.

von Christian M. (likeme)


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Rudi K. schrieb:
> ab 16 in der Lehre und im Beruf

> Und nun heize ich meinen Lötkolben an, ich muss noch was fertig löten.

Wenn du damals nicht mit Blei gelötet hättest währst du heute Doktor! 
;-) Wobei ein inselbegabter Doktor prinzipiell auch ziemlich blöd sein 
kann.

Beitrag #7590422 wurde von einem Moderator gelöscht.
von Tim 🔆 (solarlicht)


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Michael B. schrieb:
> Tim 🔆 schrieb:
>> oder gibt es andere Materialien, die sich auch gut bearbeiten lassen?
>
> FR2 statt FR1.
>
> Ist nicht Papier mit Phenolharztränkung,
> sondern Papier mit Epoxidharztränkung.
>
> Ob jetzt die riechenden Phenole oder neutralen Epoxide schädlicher sind,
> wer weiss.

Das wären dann also FR3 statt FR1/FR2, wie ich jetzt herausgefunden 
habe. Nicht so einfach zu finden.

Ich weiß ja nicht, was in meinen 160x100 FR2 steckt, aber die stinken 
extrem. Ich habe das Gefühl, dass das mit den Jahren schlimmer geworden 
ist. Vielleicht reicht es schon aus neue FR2 zu kaufen und den alten 
Mist wegzuwerfen. Da alles den Geruch angenommen hat, lässt sich nicht 
mehr unterscheiden welche Platinen welches Lieferanten riechen und 
welche nicht. Am besten tausche ich alle aus.

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