Hallo, ich wünsche allen ein gutes neues Jahr. Ich interessiere mich für Daten- und Energieübertragung über zwei Leitungen und bin am Überlegen, ob ich mir dazu Evalkits bastle. Rausgesucht hab ich mir den DCB1M der Fa. Yamar. https://yamar.com/product/dcb1m/ Deren Evalkits sind doch recht happig im Preis, daher möchte ich eigene aufbauen. Das Yamar-Kit entspricht der Referenzschaltung aus dem Datenblatt plus einem nicht galvanisch getrennten Schaltregler (angeblich ein LM2594, m.E. laut Schaltplansymbol eher ein LM2674 o.ä. wegen dem Bootstrap-Kondensator - den hat der LM2594 soweit ich sehen kann nicht). Die Hauptanwendung oder zumindest der Ursprung der Yamar-Produkte ist wohl das Auto, in der Grundschaltung also DC und Batteriebetrieb. Im Datenblatt und auf der Webseite sind aber auch Schaltungen für AC angegeben, wobei ich der Schaltung von der Website mehr traue. https://yamar.com/ac-powerline-communication/ Ich hab keinen konkreten Anwendungsfall, daher würde ich ein Evalkit möglichst flexibel auslegen wollen und habe ein bisschen gegrübelt, wie ein Kit und das Versorgungskonzept aussehen könnte: 1) Ein AC/DC-Steckernetzteil 48V als Spannungsquelle. Gewählt hab ich diese relativ hohe Spannung, um den Leitungsquerschnitt niedrig zu halten. Der Strom hängt natürlich von der Anzahl der Teilnehmer und deren Stromverbrauch ab. 2) Den Signalpfad würde ich trotz DC-Versorgung als AC-Schaltung implementieren. Aufgrund des zusätzlichen Kondensators im Rückleiter wäre dieser Pfad galvanisch getrennt. 3) Der nicht isolierte Schaltregler wird durch einen isolierten DC/DC-Wandler ersetzt. Somit ist das Kit komplett galvanisch getrennt. Ausgangsspannung 5V, -strom 400mA. 3.3V für den DCB1M über einen LDO. Beide Spannungen werden zusammen mit den restlichen Daten-/Steuersignalen über Stiftleisten zur Verfügung gestellt. 4) Vor den DC/DC-Wandler kommt ein Gleichrichter plus Siebelko. Das ermöglicht es später mit AC-Versorgung zu experimentieren, vielleicht reicht dann ein einfacher Trafo als Spannungsquelle aus. Außerdem hätte es den Vorteil, dass man trotz DC-Versorgung nicht auf die Kabelbelegung achten muss. Der Bus wird dem Gleichrichter über Spulen an beiden AC-Anschlüssen zugeführt. 5) Ein NTC zwischen Gleichrichter und Siebelko, um den Einschaltstrom zu begrenzen - ebenfalls ein Grund für die hohe Eingangsspannung. Das ist bei nur einer Handvoll Teilnehmern vielleicht nicht so kritisch, aber wenn's mal mehr werden ist es denke ich sinnvoll. Damit der NTC im laufenden Betrieb nicht weiter vor sich hin kochen muss evtl ein 3V-Relais, um den NTC zu überbrücken. Das wär so mal das gröbste, ich hoffe ich hab nichts wichtiges vergessen. Nun zu den Fragen. Die allgemeine Frage ist, ob das ganze halbwegs plausibel klingt oder ob ich irgendwas übersehen habe bzw so nicht tun sollte. Und natürlich die Detailfragen: 1) Im Datenblatt ist von "100m Kabellänge ist praktikabel" die Rede. Leider fehlt die Angabe, ob sich das nur auf die Datenübertragung oder auch die Spannungsversorgung bezieht bzw. ob damit die Gesamtlänge oder die Distanz zwischen zwei Teilnehmern gemeint ist. DC-Versorgung über 100m Kabellänge kann ich mir nicht so recht vorstellen, erst recht nicht mit mehreren Teilnehmern - ich gehe daher davon aus dass es auf die Datenübertragung bezogen ist. Ich hab's noch nicht durchgerechnet, aber ich unterstelle jetzt einfach mal: zumindest die ersten paar Segmente werden doch einen höheren Querschnitt brauchen, um den Widerstand so gering wie möglich zu halten. Unter 1,0mm² braucht man glaub ich nicht anfangen. Sollte man dann nicht gleich zur AC-Versorgung übergehen? Wie seht ihr das? 2) Wie schaut's mit Störabstrahlung aus? Funk ist nicht so meins. Muss ich hinsichtlich Leitungslänge zwischen den Teilnehmern und der Trägerfrequenz (5-30MHz) etwas beachten? Absichtlich will ich ja nicht funken und unbeabsichtigt schon gar nicht. Zwischen den Teilnehmern würde ich verdrillte Leitungen vorsehen. Gibt's sonst noch etwas das ich tun kann/sollte? Die Hersteller der DC/DC-Wandler geben mitunter Schaltungsempfehlungen für Eingangsfilter an, um bestimmte Normen zu erfüllen. Das würde ich natürlich soweit möglich auch abbilden. 3) Im Normalbetrieb besteht keine galvanische Verbindung zwischen den Teilnehmern oder einem Teilnehmer und der Spannungsversorgung. Wie ist das aber während der Softwareentwicklung? Ich nehm jetzt mal den klassischen RS485-Bus als Beispiel: da hätte man vermutlich zwei bis vier Microcontrollerkits auf dem Schreibtisch, deren RS-485-Bus untereinander verbunden ist, aber nur über 10-20cm. Spannungsversorgung sowie Debug-/Programmierschnittstelle ist USB, wie es eben bei Microcontrollerkits üblich ist. Das ist das, was der Software-Entwickler vmtl tun würde, während der Hardware-Entwickler noch am Layouten ist (und dessen Schaltung vielleicht einen DC/DC-Wandler und eine isolierte RS-485-Schnittstelle vorsieht). Jedenfalls eben nirgends eine galvanische Trennung. Da alles quasi an einem Punkt ist gibt's auch keinen Potentialunterschied und die Trennung ist hier auch nicht nötig, richtig? D.h. ich könnte das reine Microcontrollerkit (ohne Debug-/Programmierschnittstelle) mit den 5V aus meiner Schaltung versorgen und trenne die 5V von USB nach der Debug-/Programmierschnittstelle auf. Würde es dann so auch mit dem o.g. Konzept funktionieren oder fliegt mir da trotzdem alles um die Ohren? Wirklich galvanisch getrennt wäre in dem Fall dann nur der Bus selbst, also von AC/DC-Netzteil zu den DC/DC-Wandlern. PC und AC/DC-Netzteil "sehen" sich ja über die Steckdose und soweit ich weiß entspricht die PC-Masse (und USB-GND) dem Erdleiter. Ich wäre mindestens untröstlich, wenn wegen einer fehlenden galvanischen Trennung der Debug-/Programmierschnittstelle der Rechner ein verspätetes Feuerwerk abgibt. Ganz ehrlich... ich hab zwar relativ viel Neuronen in das Konzept gesteckt und versucht, alles was mir so eingefallen ist zu beachten. Aber irgendwie beschleicht mich nun der Eindruck, dass diese "Zwei-Strippen-Für-Alles"-Lösungen wirklich nur im Auto/Flugzeug etc Sinn machen, weil man sich damit viel Kupfer spart, aber auch nur dann, wenn der Verbraucher hinten dran nicht wirklich viel Strom braucht. So richtig allgemein bewusst geworden ist mir das erst beim Formulieren der Fragen, speziell #1. Kann aber auch sein dass ich mich täusche... jedenfalls allein für die Erkenntnis hat sich die Tipperei schon gelohnt :) Dass das ganze recht teuer werden würde ist mir bewusst. Alternativ könnte ich wirklich nur den DCB1M in der Grundschaltung vorsehen, die ganze Mimik "vorne dran" weglassen und den Bus ohne Spannung betreiben. Die "Schreibtischvariante mit USB-Versorgung" und ohne galvanische Trennung zum Ausprobieren müsste trotzdem funktionieren soweit ich es verstanden habe (außer es spricht was dagegen, die GNDs am USB-Hub miteinander zu verbinden). Und wenn man dann doch einen Anwendungsfall hat macht man sich (erneut) Gedanken um die Spannungsversorgung. Ich bin gerade hin- und hergerissen ob, und wenn ja welche Variante ich aufbauen soll... Wie lautet eure Meinung zu dem Thema? Grüße
Moin, Ralf A. schrieb: > Ich bin gerade hin- und hergerissen ob, und wenn ja welche Variante ich > aufbauen soll... Wie lautet eure Meinung zu dem Thema? Hoert sich fuer mich an wie: Habe vermeintliche Loesung, suche Problem... Ich wuerde da erst Zeit/Geld/Gehirnschmalz reinstecken, wenn ich einen konkreten Fall haette. Gruss WK
Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.