Moin zusammen. Ich bin im Elektor 3/95 auf diesen HF Verstärker für LW-KW gestoßen und versuche nun diesen im Detail zu verstehen. Die Funktion des Übertragers L4 ist mir nicht ganz klar. Augenscheinlich wird die Impedanz Primärseitig auf die Sekundärseite transformiert. Aber was nützt mir das? Könnte ich das Signal nicht ebenso an R4 kapazitiv auskoppeln? Oder wird dadurch versucht eine Masseschleife (die ich noch nicht sehe) aufzulösen. Viele Grüße
Ole W. schrieb: > Oder wird dadurch versucht eine Masseschleife (die ich noch nicht sehe) > aufzulösen. Es wird keine Masseschleife aufgelöst, sondern es wird die komplette Versorgungsspannung über das Koaxkabel übertragen, deswegen der Aufwand mit dem Übertrager. Ole W. schrieb: > Könnte ich das Signal nicht ebenso an R4 kapazitiv auskoppeln? Wenn der Verstärker eine eigenständige Versorgungsspannung hat, dann geht das, aber dann solltest du für L4 wenigstens eine Drossel vorsehen.
L4 wirkt hier als Gleichtaktdrossel, entkoppelt den Kabelmantel vom E-Feld der Schleife. Eine Drossel alleine unterbände den HF-Transport
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Ole W. schrieb: > Augenscheinlich wird die Impedanz Primärseitig auf die Sekundärseite > transformiert. Aber was nützt mir das? Was er genau macht, erschließt sich erst, wenn man auch die Wickeldaten dazu sieht. Generell: du willst Leistung verstärken. Wenn man diese zwischen verschiedenen Impedanzen anpassen will, dann geht das zwar prinzipiell auch mit Widerstandsnetzwerken, aber diese verheizen ja wieder Leistung – die du gerade mühevoll verstärkt hast. (Die anderen Argumente passen natürlich auch, galvanische Trennung etc.)
Vielen Dank schon einmal für die Erklärungen! Der Trafo wird wie folgt gewickelt: 4 + 4 Wdg. mit 0,3 mm CuL, Bfilar gewickelt auf Ringkern G2-3FT16 Zum Ringekern gibt es leider keine große Infos zur Permeabilität und dem AL-Wert.
Dann ist es in der Tat nur ein Trenntrafo, keine Impedanz-Anpassung. Da passen die Argumente meiner Vorredner.
von Ole W. schrieb: >Die Funktion des Übertragers >L4 ist mir nicht ganz klar. Über das Koax-Kabel wird ja die HF und die Gleichspannung für die Versorgung des Verstärkers übertragen. Das muß ja beim Verstärker irgendwie wieder getrennt werden. Manchmal wird mit den Übertrager auch eine Impedanz transformiert, ist aber in diesen Fall eine 1:1 Übertragung.
Ole W. schrieb: > Zum Ringekern gibt es leider keine große Infos zur Permeabilität und dem > AL-Wert. Ein bisschen was wurde kürzlich hier auf µC gepostet. Aus der Diskussion erscheint folgendes wahrscheinlich: Stephan schrieb: >> - Hersteller: Micrometals >> - Permeabilität: 4300 >> - Al-Wert: 3280 - 5500 >> - Frequenzbereich: 0,1 - 50 MHz >> >> Die Größe, falls von Interesse, habe ich eben mal nachgemessen: >> >> - Außendurchmesser: 17 mm >> - Innendurchmesser: 9 mm >> - Höhe: 7 mm
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Nöö. Man beachte die Punkte an L4, die den Wicklungssinn anzeigen und kann erkennen, dass es hier für die Signalspannung keine transformatorische Wirkung gibt. Differentiell wird sie nur durchgereicht. In der angelsächsischen Lesart bezeichnet man das gerne als Balun, der den Übergang vom symmetrischen zum unsymmetrischen Schaltungsteil ermöglicht. Die Schaltungsteile sind dann durch die Längsinduktivität der L4 entkoppelt, wobei die frequenzabhängigen Eigenschaften des Ferrits eine erhebliche Rolle spielen
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Super! Das erklärt schonmal das meiste. Danke dafür. Die eigentliche Verstärkung des Antennensignals wird ja durch den FET realisiert. Wobei mir diese Art von FET'S mit zwei Gates neu sind. Welchen Zweck hat denn noch der Tranistor T2? Eine Kollektorschaltung hat ja eine Verstärkung von nahezu 1? Was übersehe ich hier? Ich plane den Sender DDH47 bei 147,3 kHz zu empfangen. Gruß
Ole W. schrieb: > Die eigentliche Verstärkung des Antennensignals wird ja durch den FET > realisiert. Wobei mir diese Art von FET'S mit zwei Gates neu sind. Dualgate-FETs gibt es schon lange. Werden/wurden gern auch in Mischern eingesetzt. Hier nutzt man sich die Verstärkungseinstellmöglichkeit über das zweite Gate aus. > Welchen Zweck hat denn noch der Tranistor T2? Eine Kollektorschaltung > hat ja eine Verstärkung von nahezu 1? Was übersehe ich hier? Sie hat eine *Spannungs*-Verstärkung von 1. Leistung verstärkt sie trotzdem. Ganz konkret übernimmt sie hier die Impedanzwandlung, die man für das Kabel braucht.
Diese Schaltung mit der transformatorischen Mitkopplung im Eingang ist besonders im VHF-Bereich üblich und gilt als rauscharm, ist aber in Bezug auf Selbsterregung nicht unkritisch; das nur vorab zur Warnung. Auch sind die Dual-Gate-Fets erst im >100-MHz-Bereich sehr rauscharm; bei niedrigen Frequenzen im kHz-Bereich schwindet der Vorteil. Deren Steilheit ist nun so gering, dass sich mit der Kabelimpedanz als Last kaum Gain ergäbe, so dass man an R6 || (R5 + Drosseln) erst einmal Gain erreicht, um dann mit T2 als Emitterfolger - Innenwiderstand bei dem Strom wenige Ohm - die Anpassung ans Kabel (wahrscheinlich 50 bis 75 Ω) 'erzwingt', indem man zu den wenigen Ω in Reihe AC-mäßig R3 || R4 schaltet (der DC-Arbeitspunkt von T2 wird durch R3 allein definiert). Das Signal halbiert sich dadurch zwar, aber die Teilung ist praktisch frequenzunabhängig linear und das Kabel (halbwegs) reflektionsfrei angepasst. Durch die Arbeitswiderstände im Drain von T1 nimmt das aus dem Feld ausgekoppelte Signal mit steigender Frequenz zu. Da aber die 'Schleife durch den Teil A von L1, zu dem der T1-Eingangswiderstand von ca. 1/S parallel liegt, praktisch kurzgeschlossen ist - der Innenwiderstand der Schleife ist induktiv, ca. 1 nH/mm bei dünnen Leitern - bedeutet das bei z.B. 1 m Schleifenumfang ca. 1 µH und somit Abfall des induzierten Signals, was die Drosselkombination im Drain von T1 kompensieren soll. ---- Als Referenz wäre auch ein Artikel von DB1NV aus den 90ern empfehlenswert, erschienen im cqDL3/97, S.201 ff.
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Es gibt eine Firma micrometals https://www.micrometals.com/ Micrometals, Inc. 5615 E. La Palma Ave., Anaheim CA 92807 USA (© 2023 Micrometals, Inc.) "The company began more than 65 years ago by Dick Barden and he and his family still continue to oversee operations today." Vor 65 Jahren wäre (auf 2023 bezogen) 1958. Ein gesegnetes Alter. Aus Elektor war ich 1995 schon "drausgewachsen", habe das Abo gekündigt und nur noch sporadisch Einzelhefte gekauft. 3/95 ist nicht darunter. Die Elektorhefte gibt es kostenlos hier auf Holländisch als pdf: https://www.elektormagazine.nl/magazine-archive/1995 aber bisher habe ich den Artikel nicht entdeckt. Die Bildersuche hat noch Fundstellen ergeben: https://www.radiocollectie.nl/Schema%27s.htm https://www.jogis-roehrenbude.de/Leserbriefe/Ludger-Kreuz-Loop-Antenne/Loop.htm https://www.radiomuseum.org/forum/richtige_ferritkerne_fuer_loop_antennenverstaerker.html?language_id=1 https://www.elektroda.pl/rtvforum/topic3490038.html daraus die polnische Ausgabe Elektor 4/95: https://archive.org/details/EE1095OCR/EE_04_95_OCR/page/n17/mode/2up
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Im ersten Link ist auch eine Abbildung der Platine mit Wickeldaten: https://www.radiocollectie.nl/images/antennefoto2blad3.jpg Und der Schaltplan wie oben https://www.radiocollectie.nl/images/antennefoto1blad2.jpg
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