Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik log-Frequenzregler und Temperaturstabilisierung


von Roland D. (roland_d284)


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Moin,

ich möchte einen kleinen Oszillator bauen (auf Basis von einem NE555), 
bei dem ich die Frequenz logarithmisch mit einem Poti regeln kann. Die 
Idee ist, dass wenn das Poti ganz nach links gedreht ist, die 
Transistoren Q1 und Q3 einen Stromspiegel bilden. Drehe ich das Poti 
nach rechts, bilden Q2 und Q3 einen Stromspiegel. Der Strom durch Q2 ist 
dabei erheblich kleiner, als der durch Q1. Der Widerstand des Potis 
definiert mir die Spreizung der Frequenz, welche proportional zum Strom 
durch Q3 sein soll.

Ziel soll sein, Frequenzen von 100Hz bis 20kHz einstellen zu können und 
das einigermaßen gleichmäßig. Und ohne all zu große Temperaturdrift, 
also ich will eine Frequenz einstellen (mit Oszi o.Ä.) und mit darauf 
verlassen können, dass sie in den nächsten Minuten nicht all zu weit 
wegdriftet.

Dass ich Q2 doppelt ausgeführt habe, ist nur so eine Idee, weil ich dann 
mit einem gängigen 10k-Poti hinkomme. Ich könnte Q2 auch einfach 
ausführen, dann müsste ich für die gleiche Frequenzspreizung aber einen 
20k-Poti verwenden - gibt es, ist aber eher unüblich.

Die 4 Spannungsquellen in Reihe zu den Basen sind nur zu testzwecken 
(flat(2m) bedeutet, dass bei jedem Simulationslauf die Spannung zufällig 
gleichverteilt zwischen -2mV und +2mV festgelegt wird) um 
nachzuvollziehen, wie groß die Abweichungen werden, wenn die 
Transistoren nicht exakt gleich sind oder nicht die gleiche Temperatur 
haben. Ohne diese zusätzlichen Spannungen bei perfektem 
Temperaturabgleich ist der Temperatureinfluss übrigens sehr klein.

Die leichte S-förmige Abweichung des Stroms vom Poti-Wert resultiert aus 
der Tatsache, dass der Poti ein belasteter Spannungsteiler ist.

Nun zur Frage: Bekommt man 3 oder 4 Transistoren thermisch so gut 
gekoppelt? Ist 2mV also rund 1K Temperaturunterschied realistisch?

Sind die Bauteiltoleranzen in der Praxis vielleicht so groß, dass meine 
Gedanken eigentlich nur ein kleines Randproblem adressieren und die 
Sache aus ganz anderen Gründen nicht funktionieren wird?

Gibt es andere Tricks, die Temperaturen gleich zu machen (aktiv 
regeln/heizen)? Es gibt Transistorarrays mit 4 Transistoren in einem 
Case, die sind dann aber entweder nicht besonders thermisch gekoppelt 
oder aber ziemlich teuer. Zwei Transistoren mit guter Kopplung gibt es 
dagegen relativ gut und preiswert. Aber bei der Schaltung brauche ich ja 
nicht nur zwei. Kann man zwei Pärchen irgendwie trickreich verschalten?

Übrigens wird über diese Schaltung der Timing-Kondensator am NE555 
entladen. Anstatt dieser Schaltung ein log Poti ist daher schwierig, 
weil ich den Poti ja als regelbaren Widerstand und nicht als 
Spannungsteiler brauche.

Gruß, Roland

von Arno R. (arnor)


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Es gibt die 4-fach Transitorarrays B315, B325, B340, B341, B360, B380 
aus DDR-Beständen, die wurden genau für sowas gebaut.

Die Frequenz ist aber nur dann proportional zum Entladestrom, wenn die 
Aufladezeit vernachlässigbar gegen die Periodendauer ist.

Es heißt übrigens "das Poti", nicht "der Poti".

: Bearbeitet durch User
von Roland D. (roland_d284)


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Moin,

Arno R. schrieb:
> Es gibt die 4-fach Transitorarrays B315, B325, B340, B341, B360, B380
> aus DDR-Beständen, die wurden genau für sowas gebaut.

Hmm, aus DDR-Beständen klingt jetzt nicht gerade nach einfacher 
Verfügbarkeit.
Die Frage ist, ob diese Teile besser wären, als ein aktueller MMPQ3904.

> Die Frequenz ist aber nur dann proportional zum Entladestrom, wenn die
> Aufladezeit vernachlässigbar gegen die Periodendauer ist.

Das Problem ist mir bewusst, vor allem bei großen Frequenzen. Macht aber 
nichts, es geht darum einen Wert einzustellen und der soll dann 
anschließend bei Temperaturänderungen nicht wandern. Das eine Skala am 
Poti nicht exakt die Frequenz darstellen kann, ist mir klar. Muss auch 
gar nicht.

Gruß, Roland

von Arno R. (arnor)


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Roland D. schrieb:
> Hmm, aus DDR-Beständen klingt jetzt nicht gerade nach einfacher
> Verfügbarkeit.

Die Dinger gibt es problemlos zu kaufen.

> Die Frage ist, ob diese Teile besser wären, als ein aktueller MMPQ3904.

Wenn die MMPQ3904 so aufgebaut sind wie die MPQ3904, dann sind die B3xx 
um Klassen besser, da 4 Transistoren auf einem Chip mit sehr gutem 
Gleichlauf und thermischer Kopplung.

Die MPQ enthalten zwar 4 Transistoren, aber davon sind nur jeweils 2 
(die an den Enden) leicht thermisch gekoppelt. Es sind getrennte Chips 
auf jeweils eigenem Chipträger. Die Kopplung von Ende zu Ende ist nicht 
der Rede wert.

von H. H. (hhinz)


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Arno R. schrieb:
> Es gibt die 4-fach Transitorarrays B315, B325, B340, B341, B360, B380
> aus DDR-Beständen, die wurden genau für sowas gebaut.

Gabs im Westen auch, z.B. TPQ... von Sprague.

von Roland D. (roland_d284)


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Arno R. schrieb:

> Die MPQ enthalten zwar 4 Transistoren, aber davon sind nur jeweils 2
> (die an den Enden) leicht thermisch gekoppelt. Es sind getrennte Chips
> auf jeweils eigenem Chipträger. Die Kopplung von Ende zu Ende ist nicht
> der Rede wert.

In teuer gibt's dem MAT14, aber im Datenblatt steht genau genommen auch 
nichts über die thermische Kopplung untereinander:

Da steht:
"The MAT14 also features a low offset voltage of 100 µV typical and 
tight current gain matching to within 4%. Each transistor of the MAT14 
is individually tested to data sheet specifications. For matching 
parameters (offset voltage, input offset current, and gain match), each 
of the dual transistor combinations are verified to meet stated limits. 
"

was sich so anhört, als ob darin auch zwei separate Doppeltransistoren 
sind. Immerhin gibt es zwei Pins mit "substrate", was darauf hindeutet, 
dass die thermischen Eigenschaften dem Konstruktör wichtig waren.

Die Frage wäre, ob das nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen ist.

Gruß, Roland

von Helmut K. (hk_book)


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Es gab/gibt ja noch den 3086, ich glaube ursprünglich von RCA:

https://www.microelectronicash.com/downloads/CA3086E.pdf

Da steht zumindest im Datenblatt etwas von "The CA3086 consists of five 
general-purpose silicon NPN transistors on a common monolithic 
substrate", "thermal matching" und "Temperature Compensated Amplifiers".

Scheint problemlos beschaffbar.

von Wolf17 (wolf17)


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Roland D. schrieb:
> ohne all zu große Temperaturdrift
Wie viel ist das in %?
Für hohe Frequenzstabilität empfehle ich ein DDS Modul.

Und diese Stromspiegellösung funktioniert am 555 auch praktisch, oder 
nur theoretisch?

von Dergute W. (derguteweka)


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Moin,

Also bevor ich mir da irgendwelche wilden Konzepte aus dem Kreuz leiere, 
die dann bestenfalls aehnlich gut/schlecht sind, wie die von vor 40..50 
Jahren verwendeten - musses wirklich heutzutage noch analog sein? Mit 
irgendeinem popeligen <=8 pin µController kriegt man das doch prima hin, 
ohne Temperatur- oder Bauteiltoleranzen, ohne DDR-Chipse, etc.
Oder ist das so ein religioeses/ueberzeugungs/Glaubens-Ding und muss 
daher mit Transistoren gemacht werden?

Gruss
WK

von Mi N. (msx)


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Roland D. schrieb:
> Ziel soll sein, Frequenzen von 100Hz bis 20kHz einstellen zu können und
> das einigermaßen gleichmäßig. Und ohne all zu große Temperaturdrift,
> also ich will eine Frequenz einstellen (mit Oszi o.Ä.) und mit darauf
> verlassen können, dass sie in den nächsten Minuten nicht all zu weit
> wegdriftet.

Sieh Dir mal uralte Schaltungen von analogen Synthis an - namentlich vom 
mini-Moog. Die sind richtig gut!
Meinetwegen kann man da auch noch einen 555 verwurschteln, der aber eher 
störend sein wird ;-)

von Roland D. (roland_d284)


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Moin,

Dergute W. schrieb:

> Also bevor ich mir da irgendwelche wilden Konzepte aus dem Kreuz leiere,
> die dann bestenfalls aehnlich gut/schlecht sind, wie die von vor 40..50
> Jahren verwendeten - musses wirklich heutzutage noch analog sein? Mit
> irgendeinem popeligen <=8 pin µController kriegt man das doch prima hin,
> ohne Temperatur- oder Bauteiltoleranzen, ohne DDR-Chipse, etc.
> Oder ist das so ein religioeses/ueberzeugungs/Glaubens-Ding und muss
> daher mit Transistoren gemacht werden?

Guter Einwand. Mein Gedanke dabei ist, dass dieses Gerät nur zu 
Testzwecken dienen soll, sollte daraus mal ein Seriengerät werden, wird 
es diesen Frequenzregler nicht mehr brauchen. Dann wird die Schaltung 
tatsächlich aus nicht mehr als einem NE555 und Hühnerfutter bestehen.

Was kostet ein minimaler µC, der auf 200ns genau mit nicht mehr als 5% 
Temperaturdrift timen kann? Inclusive der Spannungsversorgung mit 5V, 
die ich bei der NE555-Lösung nicht brauche?

Also richtig, wenn es nur um genau dieses Gerät ginge, wäre die Lösung 
mir einem Arduino-Nano huckepack sicherlich die viel einfachere.

Gruß, Roland

von Roland D. (roland_d284)


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Wolf17 schrieb:
> Roland D. schrieb:
>> ohne all zu große Temperaturdrift
> Wie viel ist das in %?

In meiner Simulation habe ich den Transistoren zufällige Basisspannungen 
mit +/- 2mV verpasst. Was wohl rund +/-1K Temperaturunterschied 
bedeutet. Das führt zu einen Variation im Strom von +/- 15%.

+/- 5% fände ich schöner, dazu muss die Temperatur also grob gerechnet 
auf +/- 0,3K begrenzt werden. Ist das schwierig? Ich weis nicht, 
deswegen frage ich ja.

> Und diese Stromspiegellösung funktioniert am 555 auch praktisch, oder
> nur theoretisch?

In der Simulation funktioniert es.

Gruß, Roland

von H. H. (hhinz)


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Helmut K. schrieb:
> Es gab/gibt ja noch den 3086, ich glaube ursprünglich von RCA:

Wird auch längst nicht mehr hergestellt.

von Michael B. (laberkopp)


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Roland D. schrieb:
> Die Frage ist, ob diese Teile besser wären, als ein aktueller MMPQ3904.

Ja.

Die alten waren auf einem Chip, daher thermisch gut verbunden, 
elektrisch leider auch, aber man musste nehmen, was bei raus kam.

Die modernen sind 2 Transistorchips in einem Gehäuse, schlechter 
gekoppelt  teils komplett isolier aber vorher nach gleicher 
Stromverstärkung selektiert 'gepaart'.

Insbesondere der Effekt durch Eigenerwarmung ist ab 1mA massiv und 
verhindert jede Nutzung als Stromspiegel.

von Dergute W. (derguteweka)


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Moin,

Roland D. schrieb:
> sollte daraus mal ein Seriengerät werden, wird
> es diesen Frequenzregler nicht mehr brauchen.
> Dann wird die Schaltung
> tatsächlich aus nicht mehr als einem NE555 und Hühnerfutter bestehen.
>
> Was kostet ein minimaler µC, der auf 200ns genau mit nicht mehr als 5%
> Temperaturdrift timen kann? Inclusive der Spannungsversorgung mit 5V,
> die ich bei der NE555-Lösung nicht brauche?

aehhh - da steh' ich jetzt etwas auf der Leitung. Braucht dein 
Seriengeraet jetzt noch das Poti mit der exponentiellen und driftfreien 
Frequenzeinstellung oder ist da die Frequenz fix? Bei Fixfrequenz waer's 
doch fast voellig wurst, was dein einzelnes Engineeringsample mit µC und 
"teurem" 78L05 drauf kostet, wenns in der Serie dann eh wieder ein 555 
auf Festfrequenz ist.

Gruss
WK

von Wolf17 (wolf17)


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Roland D. schrieb:
> +/- 5% fände ich schöner
Ich verstehe nicht, was dieser Stromspiegel bringen soll, also wo der 
Vorteil gegenüber einem logarithmischen Poti direkt am 555 ist.

Piher nennt für sein T-21 Potis unter 100k einen Temperaturkoeffizienten 
von +-300ppm/K. Dazu einen PP Folienkondensator am 555, fertig.
Damit bleibt man unter 0,05%/K Temperaturgang.

von Arno R. (arnor)


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Wolf17 schrieb:
> Ich verstehe nicht, was dieser Stromspiegel bringen soll, also wo der
> Vorteil gegenüber einem logarithmischen Poti direkt am 555 ist.

Wenn du dir die Kennlinie eines log-Potis ansiehst, kommst du ganz 
allein drauf.

von Cartman E. (cartmaneric)


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Wenn Mann es analog richtig machen will, macht Mann es wie früher(TM).
Mit 2 OPVs, der eine integriert die Steuerspannung auf, und der Zweite,
als Komparator, "polt" die Steuerspannung für den Integrator um.
Das ergibt neben einem ordentlichen Dreieck, auch ein brauchbares
Rechteck.

Aber doch nicht mit dem Universalnichtskönner 555...

Wenn man sowieso nur ein Rechteck im Auge hat, wäre der NCO eines
PICs (12F1501, 16F1503, 16F1507-9) einen Blick wert.

: Bearbeitet durch User
von Roland D. (roland_d284)


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Wolf17 schrieb:
> Roland D. schrieb:
>> +/- 5% fände ich schöner
> Ich verstehe nicht, was dieser Stromspiegel bringen soll, also wo der
> Vorteil gegenüber einem logarithmischen Poti direkt am 555 ist.
>
> Piher nennt für sein T-21 Potis unter 100k einen Temperaturkoeffizienten
> von +-300ppm/K. Dazu einen PP Folienkondensator am 555, fertig.
> Damit bleibt man unter 0,05%/K Temperaturgang.

Bei 10nF muss das Poti schon mindestens 1MOhm haben. Und Antilog sollte 
es auch noch sein (gut, da kann man sich umgewöhnen).
Bei 20kHz ist das aber schon ein Entladestrom von 100mA - was auch schon 
wieder Grenzwertig für den DIS-Pin von NE555 ist. Sprich größer kann ich 
den Kondensator auch nicht machen.

Es gibt ja noch den Trick, den Kondensator über ein Poti zu entladen und 
dabei ständig über einen Festwiderstand auf Vcc zu legen. Ist das Poti 
sehr groß, dann verschiebt sich der Zeitpunkt, wo die untere 
Schaltschwelle unterschritten wird ins unendlich. Also mit gängigen 
Poti-Werten beliebig kleine Frequenzen machbar. Das ist aber aus dem 
Bauch heraus geschätzt eine ganz schön wacklige Angelegenheit.

Ein Umschalten zwischen zwei Frequenzbereichen wäre auch noch 
akzeptabel.

Gruß, Roland

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