Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik H-Brücke 48V, PWM 50kHz, Möglichkeit 100% Duty Cycle on


von Simon (sim21)


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Hallo Zusammen,

Ich möchte eine Spule (Induktivität aktuell noch unbekannt) über eine 
H-Brücke ansteuern. Die Lastspannung soll je nach Betriebszustand 
zwischen 24V und 48V variieren können. Der Laststrom liegt bei bis zu 7A 
RMS.

Die H-Brücke soll über einen H-Brückentreiber angesteuert werden, die 
PWM-Frequenz beträgt 50kHz. Zusätzlich muss es möglich sein, die 
H-Brücke auch mit 100% Duty Cycle (dauerhaft eingeschaltet) zu 
betreiben.

Frage: Kennt jemand einen geeigneten H-Brückentreiber für diese 
Anforderungen?
Am besten wäre eine Lösung ohne integrierte MOSFETs, um möglichst 
flexibel zu bleiben.

Die MOSFETs habe ich noch nicht final ausgewählt, vermutlich N-MOSFETs 
mit VDS ~200V und möglichst kleiner Gate-Ladung (Qg).

Aktuell habe ich den MP6528 im Blick. Der integrierte Gate-Treiberstrom 
von 1A könnte allerdings knapp sein, und ich bin unsicher, ob es bei 
50kHz PWM noch funktioniert.
Hat jemand damit Erfahrung oder eine alternative Empfehlung? Was sind 
eure Gedanken dazu?

Beste Grüsse und Danke.

von Falk B. (falk)


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von Michael B. (laberkopp)


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von Simon (sim21)


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Danke euch für die Rückmeldungen. Ich werde mir den genauer anschauen.

von Uwe B. (uwebre)


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Michael B. schrieb:
> Simon schrieb:
>> Kennt jemand einen geeigneten H-Brückentreiber
>
> https://cdn-reichelt.de/documents/datenblatt/A200/CSHIP-4080AXX_E.pdf ?

Wie funktioniert die Ladungspumpe bei Betriebsart 100% Duty Cycle?

Uwe

von Falk B. (falk)


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Uwe B. schrieb:
> Wie funktioniert die Ladungspumpe bei Betriebsart 100% Duty Cycle?

Sie versorgt den Treiber der High Side dauerhaft mit Strom. Quasi wie 
ein eingebauter DC/DC Wandler.

von Uwe B. (uwebre)


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Falk B. schrieb:
> Uwe B. schrieb:
>> Wie funktioniert die Ladungspumpe bei Betriebsart 100% Duty Cycle?
>
> Sie versorgt den Treiber der High Side dauerhaft mit Strom. Quasi wie
> ein eingebauter DC/DC Wandler.

Schon, eigentlich. Aber wenn bei 100% Duty Cycle der Schwengel oben 
festgehalten wird pumpt da imho nichts.

Uwe

von Falk B. (falk)


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Uwe B. schrieb:
> Schon, eigentlich. Aber wenn bei 100% Duty Cycle der Schwengel oben
> festgehalten wird pumpt da imho nichts.

Mensch, die Ladungspumpe ist EXTRA! Es ist nicht nur eine 
Bootstrapschaltung wie bei den meisten einfachen Treibern!

"On-Chip Charge-Pump and Bootstrap Upper Bias Supplies"

Siehe Blockdiagramm Seite 2

https://www.youtube.com/watch?v=aoqORos_1WA#t=20s

;-)

von Uwe B. (uwebre)


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Falk B. schrieb:
> Uwe B. schrieb:
>> Schon, eigentlich. Aber wenn bei 100% Duty Cycle der Schwengel oben
>> festgehalten wird pumpt da imho nichts.
>
> Mensch, die Ladungspumpe ist EXTRA! Es ist nicht nur eine
> Bootstrapschaltung wie bei den meisten einfachen Treibern!

Okay, aber dann ist der Begriff Ladungspumpe (Charge-Pump) im Datenblatt 
eigentlich nicht korrekt...

Aber gut daß wir über diesen Treiber gesprochen haben ;-)

Uwe

von Falk B. (falk)


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Uwe B. schrieb:
> Okay, aber dann ist der Begriff Ladungspumpe (Charge-Pump) im Datenblatt
> eigentlich nicht korrekt...

DOCH! Du hast nur deinen Tunnelblick, der dich glauben läßt, daß nur die 
Bootstrapschaltung mit der externen Diode + Kondensator eine 
Ladungspumpe ist. Sowas kann man auch vollständig IM IC bauen, natürlich 
mit deutlich kleineren Kondensatoren und sehr wenig Strom (ein paar 
Dutzend uA). Reicht aber, um den sehr sparsamen High Side Treiber (CMOS) 
sowie das Gate des MOSFET dauerhaft zu versorgen.

von Simon (sim21)


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Dann verstehe ich das richtig, dass bei dem Treiber durch die 
zusätzliche Ladungspumpe (Charge-Pump) die High Side auch bei 100 % Duty 
Cycle dauerhaft offen gehalten werden kann, im Gegensatz zu einer reinen 
Bootstrap-Lösung?

von H. H. (Gast)


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Uwe B. schrieb:
> Okay, aber dann ist der Begriff Ladungspumpe (Charge-Pump) im Datenblatt
> eigentlich nicht korrekt...

Ist völlig korrekt, oder gibts etwa einen Trafo?

von Falk B. (falk)


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Simon schrieb:
> Dann verstehe ich das richtig, dass bei dem Treiber durch die
> zusätzliche Ladungspumpe (Charge-Pump) die High Side auch bei 100 % Duty
> Cycle dauerhaft offen gehalten werden kann, im Gegensatz zu einer reinen
> Bootstrap-Lösung?

BINGO! Die Ladungspumpe bringt laut Datenblatt min. 10uA, max. 60uA. 
Also darf dein Gate max. 10uA Leckstrom haben, incl. eines evt. 
zusätzlichen Pull-Down Widerstands.

: Bearbeitet durch User
von Simon (sim21)


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Super, vielen Dank für die Hilfe und die Erklärungen. Dann mache ich 
mich auf die Suche nach einem passenden MOSFET.

von Uwe B. (uwebre)


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H. H. schrieb:
> Uwe B. schrieb:
>> Okay, aber dann ist der Begriff Ladungspumpe (Charge-Pump) im Datenblatt
>> eigentlich nicht korrekt...
>
> Ist völlig korrekt, oder gibts etwa einen Trafo?

Okay, die im Datenblatt erwähnte AN9325 bringt Licht ans Fahrrad:
https://static5.arrow.com/pdfs/2014/11/20/18/13/55/436/nts_/auto/637an9325.pdf

Es wird da zwischen Bootstrap und Charge-pump unterschieden.
Bootstrap meint eine Ladungspumpe die durch die main switching devices 
getrieben wird.
Mit Charge-pump ist eine eigenständiger Pumpe gemeint, mit eigenem Takt.

Zitat:
The bootstrap technique supplies the high
instantaneous current needed for turning on the power devices,
while the charge pump provides enough current to “maintain”
bias voltage on the upper driver sections and MOSFETs.

Uwe

von Mi. W. (mikuwi)


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Simon schrieb:
> Super, vielen Dank für die Hilfe und die Erklärungen. Dann mache ich
> mich auf die Suche nach einem passenden MOSFET.

Hm.

Und Du bist Dir sicher das Du so eine Schaltung mit diesem Chip 
entwickeln kannst wenn Du schon beim Verständnis der Ladungspumpe solche 
Schwierigkeiten hast? Denn... der Chip ist nicht ohne und Du solltest 
**DRINGEND** die entsprechende Begleitliteratur in Form der ANs lesen. 
Vor allem solltest Du darüber nachdenken was die Ausgangsleitung *HS 
macht wenn die Reversedioden (egal ob FET oder eigene) leiten und wie 
das mit den Abs Max Ratings zusammenpaßt...

Abgesehen davon... 50kHz sind durchaus sportlich wenn die Gatekapazität 
bissi höher ist, ich würd mir das mehr als 3x durchrechnen ob sich das 
thermisch mit dem nötigen Gatestrom ausgeht. Auch Datenblattpapier ist 
geduldig.

von Simon (sim21)


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Mi. W. schrieb:
>
> Und Du bist Dir sicher das Du so eine Schaltung mit diesem Chip
> entwickeln kannst wenn Du schon beim Verständnis der Ladungspumpe solche
> Schwierigkeiten hast? Denn... der Chip ist nicht ohne und Du solltest
> **DRINGEND** die entsprechende Begleitliteratur in Form der ANs lesen.
> Vor allem solltest Du darüber nachdenken was die Ausgangsleitung *HS
> macht wenn die Reversedioden (egal ob FET oder eigene) leiten und wie
> das mit den Abs Max Ratings zusammenpaßt...


Was wäre den dein Vorschlag?
Klar wird die Begleitliteratur nochmals ganz genau analysiert.

> Abgesehen davon... 50kHz sind durchaus sportlich wenn die Gatekapazität
> bissi höher ist, ich würd mir das mehr als 3x durchrechnen ob sich das
> thermisch mit dem nötigen Gatestrom ausgeht. Auch Datenblattpapier ist
> geduldig.

Was heisst für dich "bissi" höher?

Danke für deine Inputs.

von Wastl (hartundweichware)


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Simon schrieb:
> die PWM-Frequenz beträgt 50kHz.

Wozu so hohe Frequenz für "Starkstrom"?

Mi. W. schrieb:
> 50kHz sind durchaus sportlich

von Uwe B. (uwebre)


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Simon schrieb:
> Die H-Brücke soll über einen H-Brückentreiber angesteuert werden, die
> PWM-Frequenz beträgt 50kHz. Zusätzlich muss es möglich sein, die
> H-Brücke auch mit 100% Duty Cycle (dauerhaft eingeschaltet) zu
> betreiben.

Mal dumm gefragt, warum soll die PWM-Frequenz jetzt schon mal 50kHz 
betragen wo doch die Daten der Spule noch garnicht bekannt sind?
Warum muß 100% Duty Cycle möglich sein? Die Auswahl an - leichter zu 
handlenden - Treibern wäre viel größer, das Layout weniger sportlich.
Man muß sich das Leben nicht unnötig schwer machen..

Uwe

von Carsten-Peter C. (carsten-p)


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Moin,
für meine Schrittmotore habe ich H-Brücken gebastelt, die gut 
funktionieren.
Beitrag "Spielerei mit einem 5-Phasen-Schrittmotor"  (In der 
Beschreibung.pdf).
Ob die 50KHz mitmachen, kann ich nicht sagen, vielleicht mit anderen OK. 
Bei höheren Frequenzen wird die Spule schnell hochohmiger und Du 
brauchst mehr Spannung, um den Strom zu halten. Vor einem anderen Motor 
(2x 10A) werde ich vor der H-Brücke eine einfache getaktete KSQ bauen. 
Vielleicht ist es eine Anregung für Dein Projekt.
Gruß
 Carsten

von Mi. W. (mikuwi)


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Simon schrieb:
> Mi. W. schrieb:
>>
>> Und Du bist Dir sicher das Du so eine Schaltung mit diesem Chip
>> entwickeln kannst wenn Du schon beim Verständnis der Ladungspumpe solche
>> Schwierigkeiten hast? Denn... der Chip ist nicht ohne und Du solltest
>> **DRINGEND** die entsprechende Begleitliteratur in Form der ANs lesen.
>> Vor allem solltest Du darüber nachdenken was die Ausgangsleitung *HS
>> macht wenn die Reversedioden (egal ob FET oder eigene) leiten und wie
>> das mit den Abs Max Ratings zusammenpaßt...
>
>
> Was wäre den dein Vorschlag?
> Klar wird die Begleitliteratur nochmals ganz genau analysiert.

Was hindert Dich daran einen gängigen SIC/IGBT/FET-Treiber zu verwenden 
(der zB. 5A ins Gate treiben kann ohne das er rot wird) der über einen 
kleinen DCDC-Wandler entsprechend versorgt wird? Dann kannst Du 
Gatetreiber verwenden die dem Stand der Technik entsprechen und nicht so 
wie die HIPx mindestens ca. 30Jahre alt sind (erstes Datenblatt ist von 
Harris von 1995), hast das *HS-Problem nicht und 50kHz sind dann auch 
kein Thema (bedenke Ptot am Gatewiderstand bei 50khz, egal wie das 
Dutycycle aussieht)

>
>> Abgesehen davon... 50kHz sind durchaus sportlich wenn die Gatekapazität
>> bissi höher ist, ich würd mir das mehr als 3x durchrechnen ob sich das
>> thermisch mit dem nötigen Gatestrom ausgeht. Auch Datenblattpapier ist
>> geduldig.
>
> Was heisst für dich "bissi" höher?

Alles was in der Abschätzung dazu führt das irgendein Ptot überschritten 
wird. Gates wollen geladen und entladen werden, der Rdson der 
Treibertransistoren im Gatetreiber ist endlich, I²xR macht dann oft sehr 
heiß...
Von TI gabs mal so einen Treiber von 2012.  5A konnte der lt. 
Datenblatt, sollte ja passen, nur wurde der bei 25kHz schon ziemlich 
heiß... wtf. TI dann auf Nachfrage: Ja aber nur max. 10us oder 0,2% vom 
dutycycle, also ca. 40ns pro Flanke. Diese Information wurde aber erst 
in einer weiteren Revision, vermutlich nach unserer Intervention 
hinzugefügt.

Wie ist das beim HIP definiert, falls überhaupt?

Ah ja, und wenn Du eine 50V Versorgung hast die 7A liefern kann werden 
da ein paar Kondensatoren da sein die Energie lokal puffern können. Du 
mußt also unter allen (und ich meine wirklich unter allen) Umständen 
verhindern das es einen Brückendurchschlag gibt, Deadtime ist also 
wichtig. Sonst knallt es. Das ist Laut. Und wenn's blöd hergeht mit 
einhergehender Splitterwirkung. Also Kopfhörer und Schutzbrille nicht 
vergessen.

Wenn Du Spulen testen willst... was machen die Ströme über den 
Freilaufdioden wenn gerade Deadtime in der Brücke angesagt ist... wie 
lang muß die Deadtime sein damit ein Brückendurchschlag sicher vermieden 
wird...

iaW: Du mußt(!) vor allem nach Infos forschen die nicht im Datenblatt 
stehen. Ich weiß, das ist mühsam und braucht Erfahrung den Leerraum zu 
finden, darum fragte ich nach ob Du weißt was Du tust.

Wenn es läuft ist's eh logisch aber bis dahin ist's als Neuling doch ein 
interessanter Weg...


Die Materialkosten kannst Du ignorieren, ein günstiger Chip der Dir 5x 
durchgeht bevor Du verstanden hast warum ist teurer als einer der auf 
Anhieb funktioniert. BTDT.

> Danke für deine Inputs.

Viel Vergnügen beim Entwickeln und Nachdenken.
Falls Du detailierte Fragen hast oder Schaltplanreview brauchst: PM, 
sowas diskutiere ich nicht mehr hier im Forum.

von Mi. W. (mikuwi)


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Wastl schrieb:
> Simon schrieb:
>> die PWM-Frequenz beträgt 50kHz.
>
> Wozu so hohe Frequenz für "Starkstrom"?
>
weil vielleicht manche Objekte nur dann sinnvoll messbar sind?

Naja.... da spielen dann schon wieder so viele Nebeneffekte herein das 
es trotzdem sportlich und interessant bleibt... nicht nur der Skineffekt 
und sein implziter Anhang freut sich über die verdatterten Gesichter an 
den Messgeräten.

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