Forum: Analoge Elektronik und Schaltungstechnik Kress/AMB Fräsmotor 1050-FME-1 Regelelektronik tauschen


von Chancey (chanceman42069)



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Ich will die interne Reglerplatine an meinem Kress/AMB Fräsmotor (1050 
FME-1) gegen eine externe Reglerplatine tauschen. Ich mag den manuellen 
An-/Aus-Schalter und das starre Anschlußkabel mit Spezialstecker nicht. 
Der tolle 'Sicherheitsschalter' ist bei einem anderen Kress Fräsmotor 
einmal mitten im Betrieb ausgegangen, was ich so noch nie an einem 
Elektrogerät erlebt habe. Kann also weg. Ein billiges, flexibleres 
Anschlußkabel mit Eurostecker, wie an Staubsaugern vergleichbarer 
Leistungsklasse, würde völlig genügen. Der Ersatztreiber sollte neben 
dem obligatorischen Tacho-Eingang auch einen Eingang für ein PWM Signal 
von einem CNC Controller (MESA 7i96S z.B.) besitzen für die automatische 
Drehzahleinstellung.

Leider habe ich bisher nichts fertiges gefunden, das ist das Problem.

Es gab hier im Forum vor einigen Jahren schonmal Überlegungen zu dem 
Thema. Der Nutzer, der hier gepostet hat, hat auch in anderen Foren 
darüber beraten, aber es ist wohl nichts daraus geworden.

Ich habe, auch aus Neugier, beschlossen, erstmal die vorhandene 
Regelelektronik zu untersuchen. Das AMB Marketing behauptet ja 
vollmundig, daß die AMB Fräsmotoren eine ach-so-genaue 'elektronische 
Regelung' verbaut haben, blah, blah, blah, und da war ich natürlich 
gespannt, was sich für tolle Komponenten und Schaltungstricks auf der 
Reglerplatine finden werden.

Erstes Problem war, daß Kress/AMB die Platinen mit irgendeiner grauen 
Vergußmasse zugepappt haben - eine Spezialität deutscher Hersteller. 
Neunzig Prozent meiner Hauselektronik sind sicher rein-chinesisch und 
die Chinesen haben sich diese Unart noch nicht abgeguckt, abgesehen von 
dem obligatorischen 'Reisbrei'. Vergossene Platinen habe ich zuletzt nur 
gehabt von AMB, Velux und Steinbach (elektronisches Vorschaltgerät für 
Pool UV Lampe). Die AMB Vergußmasse ist im Werkszustand elastisch und 
schwer rauszupulen. Nach Erwärmung mit Heißluft (200-300°C) verliert das 
Zeug die Haftung und läßt sich leicht abbröseln. Die netten Fotos mit 
tangentialer Beleuchtung, wo man die Leiterbahnen so schön erkennen 
kann, habe ich in einem tschechischen Forum gefunden bevor ich meine 
Platine gescannt habe.

Nachdem ich die Platine von dem Gelumpe befreit hatte, habe ich den 
anhänglichen Schaltplan gezeichnet. Der Schaltplan ist vorläufig und muß 
noch korrigiert und kommentiert werden. Es geht nur um die Beschaltung, 
nicht die genauen Bauteilbezeichnungen. Insbesondere die Dioden im 
SOD-80/MiniMELF Gehäuse konnte ich nicht eindeutig identifizieren. Es 
gibt keinerlei Bauteilbeschriftung, also muß ich die Dinger noch 
auslöten und prüfen.

Aufgefallen ist mir zunächst, wie sparsam hier mit Filtern und 
Sicherungen umgegangen wurde: kein Snubber Netzwerk am TRIAC, obwohl der 
BTA16 kein 'snubberless' Typ ist, keine Sicherung, kein Varistor, kein 
EMI Filternetzwerk, nur ein X2 Folienkondensator. So eng ist es in dem 
Gehäuse nun auch wieder nicht, daß man nicht noch etwas mehr 
reinbekommen hätte. Oder braucht man das alles gar nicht?

Der Kühlkörper auf dem TRIAC ist auch mehr als winzig.

Die Regelung übernimmt ein PIC12F675.

Es wäre cool gewesen, wenn man die Firmware auslesen könnte, um etwas zu 
lernen, aber Kress/AMB hat es nicht gereicht, die Platine zu vergießen, 
die Lock Bits sind natürlich auch alle gesetzt. Sowas regt mich 
regelrecht auf. Wenn ich dazu komme, schleife ich das Gehäuse auf und 
setze die Lock Bits mit einer UV Lampe zurück. Andrerseits - ein 
chinesischer Hersteller hätte gleich einen IC ohne Beschriftung verbaut, 
da ist das hier schon Luxus. =^p

Ich verstehe die Schaltung nicht vollständig:

1. Was machen R13,R14,D4,D5,C8,R12 an PIC Pin 3?

2. R2, R3, R4,R8, C2, D2 an PIC Pin 4 gehören wohl zur 
Nulldurchgangserkennung (ZCD). Was macht D2? Schutz?

3. Q1,C11,R16,L1,C10,D6,R15,C9 an PIC Pin 5 gehören zur 
Tacho-Kontrollschleife. Wozu dienen D6 und C10?

Abgesehen davon: was ist von so einem Aufbau zu halten? Ein TRIAC 
Phasenanschnittscontroller mit Induktivgeber (Magnetring + Tachospule) 
in der Kontrollschleife, NTC und Drehpoti - ist das denn zeitgemäß? Seit 
20 Jahren oder so habe ich PC Lüfter mit mit Hall Effekt Sensor als 
Drehzahlgeber. Auf mich wirkt das ganze Design primitiv und altbacken. 
Für so eine Platine will AMB aktuell knapp 60€ haben. Gut, daß die ab 
Werk vergossen werden, damit man ja nichts reparieren kann. Aber gut, 
AMB bietet ja für deutlich mehr Geld auch noch andere Steuerungen an, 
vielleicht sind die ja besser/aufwendiger aufgebaut.

In diesem Forum lese ich schon seit über 10 Jahren still mit. Ich habe 
erst heute zum ersten Mal selbst etwas gepostet, weil mich der launige 
Ton und das Gemotze mancher Leute hier total abturnen. Nur so am Rande.

So und nun schon vorab recht schönen Dank für qualifizierte Meinungen 
und bitte, bitte immer schön sprechen und nett zueinander sein!

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