Forum: Mikrocontroller und Digitale Elektronik Welches Oszilloskop


von Robert B. (robertoneu_95)


Lesenswert?

Hi zusammen,

ich stehe aktuell vor der Entscheidung, mir ein neues Oszilloskop 
zuzulegen, und würde gerne eure Erfahrungen hören.

Kurz zu mir:
Ich arbeite als Embedded-Entwickler und möchte das Oszilloskop 
langfristig (5–10 Jahre) für eigene Projekte nutzen. Dabei geht es nicht 
nur um einfache Mikrocontroller-Themen, sondern auch um komplexere 
Systeme mit mehreren Komponenten, Kommunikation (SPI, I²C, UART, CAN) 
und perspektivisch auch FPGA-Projekte.

Ich suche also ein Gerät, das:

* für Embedded-Systeme gut geeignet ist
* auch bei komplexeren Debugging-Szenarien nicht schnell an seine 
Grenzen kommt
* möglichst zukunftssicher ist

Aktuell schwanke ich zwischen zwei Geräten:

* Siglent SDS2104X Plus
* Siglent SDS1204X HD

Meine Überlegungen dazu:

* SDS2104X Plus: mehr Speicher (200 Mpts), vermutlich stärker im 
Debugging
* SDS1204X HD: 12-bit und 200 MHz, dafür bessere Signalqualität

Was mich konkret interessiert:

* Wie relevant ist 12-bit in der Praxis für Embedded/FPGA wirklich?
* Merkt man den Unterschied zwischen 100 Mpts und 200 Mpts im Alltag 
deutlich?
* Welches Gerät ist eurer Meinung nach langfristig die bessere Wahl für 
System- und Debugging-orientierte Arbeit?
* Gibt es Situationen, in denen ihr euch für eines der beiden Geräte 
„geärgert“ habt?

Falls jemand eines der Geräte im Einsatz hat (oder beide kennt), würde 
ich mich sehr über ein paar Einschätzungen aus der Praxis freuen.

Danke euch!

Gruß
Robert

von Mi N. (msx)


Lesenswert?

Für mich ist bei solchen Sachen eine hohe Abtastrate sinnvoll, 12 Bit 
sehen vielleicht nett aus, aber Geschwindigkeit ist mir wichtiger. 
(Über-)große Speichertiefe nutzt nur dann etwas, wenn man sie auch 
handhaben kann. Manuell eine solche Datenmenge zu durchsuchen, ist kaum 
möglich.

Komplexes Debugging: Da sind vielleicht separate Logikanalysatoren 
angesagt.
Die von Dir ausgesuchten Teile würden mich kalt lassen. Oder soll es 
sehr günstig in der Anschaffung sein?
Dies nur als spontane Antwort.

von Robert B. (robertoneu_95)


Lesenswert?

Ich wollte nicht mehr als 1500 € ausgeben.

von Falk B. (falk)


Lesenswert?

Robert B. schrieb:
> Systeme mit mehreren Komponenten, Kommunikation (SPI, I²C, UART, CAN)

Wenn gleich viele moderne Oszilloskope das heute dekodieren können, ist 
ein Logicanalyzer für sowas oft die bessere Wahl.

> * Siglent SDS2104X Plus
> * Siglent SDS1204X HD
>
> Meine Überlegungen dazu:
>
> * SDS2104X Plus: mehr Speicher (200 Mpts), vermutlich stärker im
> Debugging
> * SDS1204X HD: 12-bit und 200 MHz, dafür bessere Signalqualität
>
> Was mich konkret interessiert:
>
> * Wie relevant ist 12-bit in der Praxis für Embedded/FPGA wirklich?

So gut wie gar nicht.

> * Merkt man den Unterschied zwischen 100 Mpts und 200 Mpts im Alltag
> deutlich?

Vermutlich nein.

> * Welches Gerät ist eurer Meinung nach langfristig die bessere Wahl für
> System- und Debugging-orientierte Arbeit?

Das erste mit den Dekodern

> * Gibt es Situationen, in denen ihr euch für eines der beiden Geräte
> „geärgert“ habt?

Nö.

von Mi N. (msx)


Lesenswert?

Robert B. schrieb:
> Ich wollte nicht mehr als 1500 € ausgeben.

Vor ein paar Jahren hatte ich mir ein ähnliches Teil besorgt: 
https://www.batronix.com/versand/oszilloskope/Rigol-MSO5074.html Damals 
noch mit zwei Kanälen und noch preiswerter. Die Hardware hatte schon 
alle Kanäle bestückt.

Neben den derzeit angebotenen Zusatzoptionen findet man im Netz auch 
Programme zum Freischalten aller Kanäle, der beiden Genatoren und 
höherer Bandbreite. Einfach auf EEVblog suchen.
Andere Kollegen hier werden andere Ansprüche und Empfehlungen haben - 
die sicher noch kommen werden ;-)

von Carsten S. (dg3ycs)


Lesenswert?

Robert B. schrieb:
>Wie relevant ist 12-bit in der Praxis für Embedded/FPGA wirklich?

Solange du nicht viel mit entsprechend sensitiven Analogsignalen machst, 
wo schon Spannungsschwankungen deutlich unter 1 % relevant sind, ist der 
Nutzen in diesem Bereich eher beschränkt.
Man kann sich mal anschauen, ob Eingangs- oder Ausgangssignale der 
Baugruppe vielleicht von schwachen hochfrequenten Störsignalen 
überlagert sind, die später EMV-Probleme machen könnten – aber dafür 
arbeitet man eigentlich mit anderen Geräten (Spektrumanalysator).

>Merkt man den Unterschied zwischen 100 Mpts und 200 Mpts im Alltag
>deutlich?

Nein, normalerweise nicht.
Viel Speicher braucht man für zwei Dinge:

1.)Damit man in eine gespeicherte Wellenform sehr weit hineinzoomen 
kann, ohne Informationen zu verlieren (z. B. Speichern mit Einstellung 1 
ms/div, aber dann bei interessanten Stellen bis zu 1 µs/div in der 
gespeicherten Wellenform zoomen). Dafür sind 100 Mpts in der täglichen 
Arbeit aber sehr gut ausreichend. Zoomen um Faktor 1000 ist schon sehr 
speziell, höhere Faktoren noch mehr. Und die Verdopplung des Speichers 
bringt ja gerade mal eine Stufe … Bis vor sehr kurzem waren einstellige 
Mpts noch State of the Art für die untere Mittelklasse bei DSOs (darüber 
reden wir hier ja).

2.)Für die nachträgliche Fehlersuche bei sehr langen Datenstreams, wo 
man nicht auf den Fehler (zeitnah) selbst triggern kann oder einen 
Zusammenhang mit einem zeitlich deutlich entfernten Ereignis vermutet.

Das müssen schon sehr spezielle Konstellationen sein, wo das eine Rolle 
spielt.
Die Dekodierfunktion eines Skops ist durchaus praktisch. Aber zur 
Fehlersuche in komplexen Szenarien will man die eigentlich nur nutzen, 
wenn man ein Layer-1-Problem bei der Datenübertragung vermutet.
Nur in wirklich einfachen Szenarien kann man damit auch mal bei 
höherschichtigen Problemen ganz auf einen externen Logicanalyzer 
verzichten, ohne masochistisch veranlagt zu sein.

Eine andere Variante ist, wenn man ein Problem eines Analogsignals 
vermutet, daraus aber kein digitales Triggersignal ableiten kann. Aber 
da braucht es wiederum in 99,9x % der Fälle nicht so viel Speicher, da 
man dort ja gut triggern kann.
Man darf zudem nicht vergessen, dass (fast?) alle moderneren Skops – und 
auch bessere ältere – einen digitalen Trigger-Out-Ausgang haben, mit dem 
man einen Logicanalyzer triggern kann und somit einen Zeitbezug zwischen 
den mit zwei Geräten aufgezeichneten Signalen herstellen kann, sodass 
man mit der jeweils bequemeren Umgebung weiterarbeiten kann.
Auch haben eine Reihe von LAs ihrerseits einen Trigger-Out, mit dem das 
Skop getriggert werden kann.

>Gibt es Situationen, in denen ihr euch für eines der beiden Geräte
>„geärgert" habt?

Ich nutze (auch) ein SDS2104X Plus beruflich. Wenn ich mich da über 
etwas ärgere, dann ist es (nur) die Bedienungsphilosophie. Ich mag die 
nicht.
Aber das ist hochgradig geschmacksabhängig und dürfte bei allen Siglent 
relativ ähnlich sein – andere lieben die!

Privat habe ich ein MSO5000 (350 MHz, 8 GS/s) und ein HDO1000 (12 Bit) 
von Rigol. Für die meisten meiner Anwendungen ist die hohe Abtastrate 
wesentlich entscheidender als die Auflösung, wenngleich die hohe 
Auflösung beim HDO mir auch schon manches Mal geholfen hat. (Ich mache 
Digital und Analog. FPGA aber nur Hobbymäßig/aus Interesse, beruflich 
habe ich früher öfter CPLD eingesetzt, aber durch anderes 
Tätigkeitsgebiert und da die Entwicklungen in µC Bereich das selbst in 
meinem alten Tätigkeitsgebiet meist überflüssig machen ist das auch 
schon lange nicht mehr der Fall gewesen)

Leider gibt es immer noch keine günstigen Geräte, die beides 
gleichzeitig in sich vereinen. Geräte, die 12 Bit und sehr hohe 
Abtastraten können, kosten selbst gebraucht ein Vielfaches dessen, was 
man zahlt, wenn man zwei Geräte, die jeweils eines können, gleichzeitig 
neu kauft.

von Harry L. (mysth)


Lesenswert?

Mi N. schrieb:
> Robert B. schrieb:
>> Ich wollte nicht mehr als 1500 € ausgeben.
>
> Vor ein paar Jahren hatte ich mir ein ähnliches Teil besorgt:
> https://www.batronix.com/versand/oszilloskope/Rigol-MSO5074.html Damals
> noch mit zwei Kanälen und noch preiswerter. Die Hardware hatte schon
> alle Kanäle bestückt.
>
> Neben den derzeit angebotenen Zusatzoptionen findet man im Netz auch
> Programme zum Freischalten aller Kanäle, der beiden Genatoren und
> höherer Bandbreite. Einfach auf EEVblog suchen.
> Andere Kollegen hier werden andere Ansprüche und Empfehlungen haben -
> die sicher noch kommen werden ;-)

Das wäre auch meine Empfehlung gewesen.
Ich verwende das auch seit knapp 3J und das Freischalten aller Optionen 
war gar kein Problem.
Genau diese Möglichkeit war für mich der ausschlaggebende Punkt.

von Mi N. (msx)


Lesenswert?

Harry L. schrieb:
> Ich verwende das auch seit knapp 3J und das Freischalten aller Optionen
> war gar kein Problem.
> Genau diese Möglichkeit war für mich der ausschlaggebende Punkt.

... und rückblickend war es eine gute Entscheidung ;-)

Noch ein Punkt zu diesem Gerät: Der Lüfter bläst nach hinten aus, 
wodurch es nicht so laut ist wie ein 'Seitenpuster'. Nach kurzem 
Funktionstest habe ich den Lüfter auf Gummipuffer gesetzt, wodurch auch 
dessen 'Körperschall' deutlich gesenkt wurde.
Es gäbe auch ein paar Kritikpunkte bei der Bedienung aber man gewöhnt 
sich daran und kann damit klarkommen.

von Nick (b620ys)


Lesenswert?

Ist QSPI auch eine Forderung?
Welches 4-Kanal-scope kann denn das? ;-))

Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.