Forum: Offtopic Physik Experiment


von Daisy D. (daisywarlordduke)


Lesenswert?

Hallo,

ich habe zusammen mit meinem Sohn ein Physikprojekt aufgebaut, bei dem 
wir die Schallgeschwindigkeit in Abhängigkeit von der Lufttemperatur 
messen möchten.

Der Aufbau sieht so aus:

lange Röhre, ca. 90 mm Durchmesser
Buzzer als Schallquelle (Position 0)
zwei Mikrofone mit Gate-Ausgang (50cm und 2.25m von Position 0)
Erwärmung der Röhre mit Föhnluft vier Temperatursensoren, um eine 
möglichst gleichmäßige Temperatur entlang der Röhre sicherzustellen die 
Zeitmessung erfolgt mit einem Arduino

Grundsätzlich funktioniert der Aufbau schon recht gut. Das Problem ist 
jedoch, dass wir bei niedrigen Temperaturen um etwa 20 °C keine 
plausiblen bzw. erwarteten Messwerte erhalten. Erst ab ungefähr 45 °C 
bekommen wir Ergebnisse, die halbwegs zu den theoretischen Werten 
passen.

Jetzt stellt sich für uns die Frage, woran das liegen könnte. Hat jemand 
eine Idee, ob das Problem eher an den Mikrofonmodulen bzw. deren 
Schaltschwelle, der Signalverarbeitung, Störungen durch den Aufbau,
oder vielleicht an der Temperaturverteilung in der Röhre liegen könnte?

Verwendete Module:
https://www.jaycar.com.au/arduino-compatible-audio-amplifier-with-speaker-module/p/XC3744
https://core-electronics.com.au/sound-detector.html

Vielen Dank schon einmal für jeden Hinweis.

: Verschoben durch Moderator
von Bruno V. (bruno_v)


Lesenswert?

Daisy D. schrieb:
> Erst ab ungefähr 45 °C
> bekommen wir Ergebnisse, die halbwegs zu den theoretischen Werten
> passen.

Größenordnung? Also was messt Ihr bei 20°, was messt Ihr bei 50°?

Bei den erwarteten 5ms und angenommenen 2kHz hast Du schon 10% 
Abweichung, wenn die Mikrofone phasenverdreht angeschlossen sind.

Wenn Du ein Oszi hast, hier ein Bild der beiden Mikrofone einstellen.

: Bearbeitet durch User
von Henrik V. (henrik_v)


Lesenswert?

Chirp/Sweep senden und Korrelation rechnen?
Da geht dann natürlich der Sounddetektor nicht, sondern die Soundkarte 
eines PCs

: Bearbeitet durch User
von Henrik V. (henrik_v)


Lesenswert?

Ein anschaulicher Test:
Einen Empfänger im Rohr um bekannte Distanzen verschieben und messen.
(Bei gleicher Temperatur)
Ergebnisse in ein Gleichungssystem, damit dann den Offset durch die 
Messeinrichtung bestimmen.

von Chris V. (nagut)


Lesenswert?

Daisy D. schrieb:
> Hat jemand
> eine Idee, ob das Problem eher an den Mikrofonmodulen bzw. deren
> Schaltschwelle, der Signalverarbeitung, Störungen durch den Aufbau,
> oder vielleicht an der Temperaturverteilung in der Röhre liegen könnte?

Alles gute Ideen. Beim Aufbau könnte Körperschallübertragung an der 
Röhre auch eine Rolle spielen.

Um das Problem zu finden, könntet ihr den Aufbau zunächst maximal 
vereinfachen: Statt dem Buzzer in die Hände klatschen, die Röhre braucht 
es bei Raumtemperatur gar nicht, und statt einem möglicherweise 
fehlerhaften bzw. suboptimalen Arduino-Programm den Abstand der Flanken 
mit einem Speicheroszilloskop messen.

Dann zunächst Vertrauen in euer Equipment gewinnen: beide Mikrofone am 
selben Ort sollte identische Gate-Signale ohne Versatz von beiden 
liefern. Da kann man auch gleich die Schaltschwellen abgleichen und 
herausfinden, welchen Einfluss eher unempfindliche oder überempfindliche 
Einstellung hat. Dann Mikrofonpositionen verändern/vertauschen und 
jeweils auf Plausibilität prüfen.

Dann nach und nach jeweils eine Komponente ersetzen und schauen, wo 
unerwartete Effekte hinzukommen.


Meine Glaskugel sagt: Probleme mit dem Röhrenaufbau plus suboptimale 
Programmierung des Arduinos. ;)

von Cyblord -. (cyblord)


Lesenswert?

Daisy D. schrieb:
> Grundsätzlich funktioniert der Aufbau schon recht gut. Das Problem ist
> jedoch, dass wir bei niedrigen Temperaturen um etwa 20 °C keine
> plausiblen bzw. erwarteten Messwerte erhalten. Erst ab ungefähr 45 °C
> bekommen wir Ergebnisse, die halbwegs zu den theoretischen Werten
> passen.

Ein Aufbau der bei 20°C nicht korrekt funktioniert kann man schlecht als 
"funktioniert schon recht gut" bezeichnen. Er ist schlicht kaputt.
Ich würde vermuten die Messung klappt grundsätzlich gar nicht, nur bei 
45°C stimmts zufällig ungefähr. Wie eine kaputte Uhr.

Wahrscheinlich ist der ganze Aufbau am Ende auch Temperaturanfälliger 
als die Schallgeschwindigkeit selbst.

: Bearbeitet durch User
von Torsten B. (butterbrotstern)


Lesenswert?

In der Linear Technologies Application Note 131 kann man sich ein paar 
Anregungen holen: Jim Williams verwendet einen Ultraschall-Wandler aus 
einer Polaroid-Sofortbild-Kamera als Geber und als Empfänger.
An Introduction to Acoustic Thermometry
An Air Filled Olive Jar Teaches Signal Conditioning
Jim Williams and Omar Sanchez-Felipe
http://cds.linear.com/docs/en/application-note/an131f.pdf

von Sinus T. (micha_micha)


Lesenswert?

Vielleicht Resonanzeffekte?
In einer Röhre, egal ob geschlossen oder offen, hat die Luftsäule eine 
bestimmte Resonanzfrequenz.
Möglicherweise ist es so, dass bei 20 Grd C diese Effekte deine 
Messwerte vollkommen verfälschen und eben ab 45 Grd die Resonanzfrequenz 
so verschoben ist, dass deine Werte plausibel erscheinen.
Nicht vergessen: Orgelpfeifen sind auch lange Röhren, offen und 
geschlossen

von Bruno V. (bruno_v)


Lesenswert?

Henrik V. schrieb:
> Einen Empfänger im Rohr um bekannte Distanzen verschieben und messen.
> (Bei gleicher Temperatur)
> Ergebnisse in ein Gleichungssystem, damit dann den Offset durch die
> Messeinrichtung bestimmen.

das Problem behandelt er m.E. durch die 2 Empfänger.

Das Analogon wäre, beide Empfänger nebeneinander zu setzen und zu 
schauen, ob sie auch wirklich 0 Versatz haben (bzw. nur wenige µs).

Bitte melde dich an um einen Beitrag zu schreiben. Anmeldung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.
Bestehender Account
Schon ein Account bei Google/GoogleMail? Keine Anmeldung erforderlich!
Mit Google-Account einloggen
Noch kein Account? Hier anmelden.