Hallo zusammen! Ich habe ein Projekt, bei dem ich eine variable Spule permanent vermessen muss, um den aktuellen Wert zu bestimmen. Genau ist es die Frequenzeinstellung bei einem Autoradio (ist eine Mechanik bei der ein metallstift in einen Spulenkörper eingeführt wird). Zur Messung habe ich den üblichen LC Meter Aufbau hergenommen, allerdings mit einem LM393LVPWR. Das Relais zur Umschaltung ist nicht drauf, da ich im Betrieb nichts umschalten muss, die Auswahl zwischen L/C kann über Lötjumper gemacht werden. s. lc_meter.png Eingesetzter uC ist ein ESP32, der mit einem Pulszähler die Frequenz bestimmt. Der gezählte Wert wird mit der Zykluszeit normiert und die Frequenz berechnet. Mich interessiert nicht der Spulenwert ansich, die Frequenz ist für die weitere Verarbeitung ausreichend. Prinzipiell tut die Schaltung was sie soll, die Frequenz stimmt auch mit der berechneten (fast) überein. Die Abweichung schiebe ich einmal auf Bauteiltoleranzen, die stört mich aber nicht. Was ich allerdings beobachte ist, dass die Frequenz über Zeit bzw steigt. Geplottet kann man eine Aufladekurve erkennen, von daher gehe ich davon aus, dass sich etwas auflädt bzw. in Sättigung geht. Der Verlauf in frequenzmessung_68uH.png ist über ca. 1h aufgenommen. Es war keine ext. Spule angehängt, es ist lediglich die Messung mit den verbauten Komponenten. Für die Applikation ist das aber nicht OK und muss unterbunden werden. Hat jemand eine Idee wie?
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X7R Keramik ist für frequenzbestimmende Bauteile wegen des relativ starken Temperaturkoeffizienten denkbar ungeeignet. Versuche mal C603 mit C0G Keramik. Auch die Spule bzw. ihr Kern hat einen TK. In rein analogen Radios mit Spulenabstimmumg (viele Autoradios) wurden deshalb teilweise Kondensatoren mit speziell ausgesuchtem TK eingesetzt, z.B. N150, N330 oder N750.
Dieter W. schrieb: > Versuche mal C603 mit C0G Keramik. Falls kein 1nF mit Kennzeichnung für C0G zu bekommen ist (TK +-30ppm/K, meist schwarze Markierung am Kopf), dann geht auch einer aus Styroflex. Die sind auch sehr temperaturstabil. Noch besser wäre Glimmer. Selbst ein beliebiger Folienkondensator ist noch viel besser als X7R.
Florian schrieb: > Geplottet kann man eine Aufladekurve erkennen, von daher gehe ich davon > aus, dass sich etwas auflädt bzw. in Sättigung geht. Du redest über 0,4 %. Eine Aufladekurve würde über 100% laufen. Mit welcher Genauigkeit hast du bei deinem Aufbau die Temperatur kontrolliert?
Wolf17 schrieb: > Dieter W. schrieb: >> Versuche mal C603 mit C0G Keramik. > Falls kein 1nF mit Kennzeichnung für C0G zu bekommen ist (TK +-30ppm/K, > meist schwarze Markierung am Kopf), dann geht auch einer aus Styroflex. > Die sind auch sehr temperaturstabil. Noch besser wäre Glimmer. > Selbst ein beliebiger Folienkondensator ist noch viel besser als X7R. Danke für den Hinweis. Ich habe in meinem Fundus erstmal nur so einen KerKo gefunden, der um die 1nF hatte. Damit wird's aber eher noch schlimmer. > Du redest über 0,4 %. Eine Aufladekurve würde über 100% laufen. > Mit welcher Genauigkeit hast du bei deinem Aufbau die Temperatur kontrolliert? Das ist korrekt, eine Abweichung über Temperatur ist eher vorstellbar. Überwacht wir die Temperatur nicht. Der Aufbau rennt am Schreibtisch.
Wenn Du die alten Stationstasten verwenden möchtest incl der alten Dreheinsteller, warum nicht ein Spindelstrimmer an die Mechanik? Oder, da ein µC verwendet wird, nur die Änderung ab einer Schwelle detektieren und als Frequenzänderung auswerten (war nicht eh immer eine Hysterese drin?), Stationsfrequenz dann in den Speicher? Wenn es dumm läuft, landet man irgendwann am Anschlag, dann müsste man das Radio ausschalten , Spindel in die Mitte drehen , Radio einschalten .. Leichte Driften wurden ja mit AFC ausgeglichen ;)
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Florian schrieb: > Danke für den Hinweis. Ich habe in meinem Fundus erstmal nur so einen > KerKo gefunden, der um die 1nF hatte. > > Damit wird's aber eher noch schlimmer. Wie oben schon jemand schrieb. Entweder Styroflex, oder noch besser Glimmer. https://www.reichelt.de/de/de/shop/produkt/glimmer-kondensator_1_0nf_100v_-_1_-42441
Ich hab mal eine Auswahl an Glimmer/MICA und C0G Kondensatoren bestellt. Sollte Anfang nächster Woche da sein.
Florian schrieb: > Ich habe ein Projekt, bei dem ich eine variable Spule permanent > vermessen muss, um den aktuellen Wert zu bestimmen. Genau ist es die > Frequenzeinstellung bei einem Autoradio (ist eine Mechanik bei der ein > metallstift in einen Spulenkörper eingeführt wird) (...) > Was ich allerdings beobachte ist, dass die Frequenz über Zeit bzw > steigt (...) Ich habe diese Schaltung vor vielen Jahren verwendet, um mir ein Induktivitätsmessgerät zu bauen – verwendet habe ich die Schaltung, die A. Reinert inspiriert durch „Sprut” auf seiner Homepage präsentiert hat, bis auf den LM311 ist diese quasi gleich. Verwendet habe ich einen Folien- bzw. Kunstoffkondensator (rot WIMA MKS4) – eine ganz kleine Drift (im nH-Bereich und in beide Richtungen) ist aber trotzdem noch vorhanden, allerdings nicht so wie bei Dir hier dargestellt. Es gibt auch immer einen Offset, den ich aber mit einem Knopfdruck und kurzgeschlossenen Messleitungen sofort (wieder) nullen kann – für die Frequenzmessung habe ich einen ATMEGA168A-PU mit eigener Assemblerprogrammierung verwendet, mit dem ich den Offsetfehler jederzeit mit Knopfdruck herausrechnen kann, insofern spielt die Drift oder der Offset keine Rolle. Eine Langzeitdrift habe ich natürlich nicht gemessen, da eine Spulenmessung innerhalb von Sekunden erledigt ist – die wäre aber auch egal, wenn man es jederzeit nullen kann. Ich werde von dem Ding irgendwann mal eine Neufassung machen – nicht mehr in Assembler und auch nicht mehr mit einem AVR, sondern mit einem STM32 und in C-Sprache, weil die Schreiberei samt Rechnerei damit viel bequemer wird. Es ist ja auch nicht so ganz simpel, es so zu schreiben, dass der Messbereich (nH, µH, mH) sich automatisch einstellt, egal welchen Induktivitätswert man messen möchte, wenn man es in AVR-Assembler mit 32- und 64-Bit-Integern macht.
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Die Widerstände sind hoffentlich Metallfilm 1%. Sonst macht das ja alles keinen Sinn.
Thomas B. schrieb: > Die Widerstände sind hoffentlich Metallfilm 1%. > Sonst macht das ja alles keinen Sinn. Die Toleranzen der Widerstände spielen hier kaum oder nur eine untergeordnete Rolle, wichtig sind primär nur die Bauteile des LC-Schwingkreises – die Referenzspule und der ominöse Kondensator, mit dem der Schwingkreis gebildet wird. Die Teile sollten vor allem temperaturstabil sein, deren absolute Werte sollte man aber auch kennen oder – wie in diesem Fall – zumindest den des Kondensators, weil der Wert der Spule ja herausgerechnet werden kann bzw. sogar soll, um an den Wert der gemessenen Spule zu gelangen. 1%-Widerstände sind aber heutzutage kaum teurer als 5%-Widerstände – die kann man dann für den Spannungsteiler der virtuellen Masse verwenden, weil das bei sehr großen Abweichungen und Wahl des OP-Amps bzw. Komparators zu neuen Problemen führen kann. Die Schaltung ist vermutlich auch für den alten LM311 optimiert – mit der Wahl eines anderen Komparators kann man sich einen schwerauffindbaren Fehler einbauen, sofern man sich nicht vergewissert, indem z.B. Vergleiche mit dem Auge anhand der Oszilloskopbilder gemacht werden. ____________ Florian schrieb: > Mich interessiert nicht der Spulenwert ansich, die Frequenz ist für die > weitere Verarbeitung ausreichend. Ohne die Berechnung des Spulenwertes kann man den Fehler nicht (richtig) subtrahieren – genau das ist ja auch der Witz an der Geschichte, denn man hat zwei Spulen bzw. Induktivitäten, die vermessen werden müssen, um an das bereinigte Ergebnis zu kommen – einmal die Referenzspule und ein anderes mal die Gesamtinduktivität, von der dann der (vorher gemessene) Referenzwert abgezogen werden kann. Außer der kleinen Drift gibt es ja noch die Zuleitungen (egal ob Leiterbahnen oder Kabel mit Krokoklemmen), die immer auch eine parasitäre Induktivität bedeuten und das Ergebnis signifikant verfälschen (können und auch werden). Wenn man sich stupide nur mit der Frequenzmessung befasst, wird man den Fehler nicht rausrechnen können. Ein spannungs- und temperaturstabiler Kondensator (ein X7R oder X5R sind es in diesem Fall nicht) und eine temperaturstabile Referenzspule sind aber Voraussetzung, damit die Rechnerei selbst nicht zum Fehler wird. Wenn man die Berechnungen richtig anstellt, kann man durchaus auch relativ kleine Induktivitätswerte, z.B. 20nH, messen, bzw. auch Änderungen über die Zeit feststellen – man muss dann aber auch ab und zu mal 'umschalten', um die „Referenzspule” zu messen und sich so wieder neuzukalibrieren. Bei so kleinen Werten, wie eben erwähnt worden ist, können aber auch schon die Lage der Zuleitungen zueinander, der Kontakt der Messleitungen zum Objekt oder elektromagnetische Einflüsse von außen (z.B. ein Schaltregler in der Nähe) darüber entscheiden, ob man ein Phantom messen wird oder nicht, denn der Fehler kann dann größer sein als die Induktivität, die es zu vermessen gilt. Ab 500 nH bis in den mehrstelligen µH-Bereich werden solche Aspekte dann immer weniger relevant – das Messergebnis oder den Messfehler kann man dann als 'gut genug' bzw. 'akzeptabel' bezeichnen.
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Vor 10 Jahren habe ich auch so ein LC-Messgerät gebaut. Mich wundert, dass bei allen Beispielen, die ich sehe, der Kollektor des LM311 als Ausgang genommen wird. Das ist für hohe Frequenzen (kleine Messwerte) sehr ungünstig. Der Emitter als Ausgang hat eine 200-fach höhere Flankensteilheit (siehe Datenblatt von Texas). Ich komme damit auf einen Messbereich bis herunter auf 1pF und 1µH (ca. 510kHz). Der Messbereich ist jetzt 1pF...4,7µF und 1µH...500mH. Als Kondensator C0 habe ich einen 1nF Glimmer mit 0,25% genommen. Damit bestimme ich bei jedem Einschalten die Induktivität L0, da sie nicht temperaturstabil ist. Das geschieht bei L-Messung mit geschlossenen und bei C-Messung mit offenen Klemmen.
Hermann W. schrieb: > Mich wundert, dass bei allen Beispielen, die ich sehe, der Kollektor des > LM311 als Ausgang genommen wird. Das ist für hohe Frequenzen (kleine > Messwerte) sehr ungünstig (...) > Ich komme damit auf einen Messbereich bis herunter auf 1pF und 1µH > (ca.510kHz). Der Messbereich ist jetzt 1pF...4,7µF und 1µH...500mH. > Als Kondensator C0 habe ich einen 1nF Glimmer mit 0,25% genommen. Der LM311 schafft die 500 KHz eigentlich problemlos – Foto im Anhang mit geschlossenen Klemmen, also der höchsten Arbeitsfrequenz bei mir mit L=10µH und C=10nF (Kunststoff). Ich komme damit in den einstelligen nH-Bereich, um auch solche Spulen zu messen – in meinem Fall habe ich mich aber primär weitgehend auf Spulen im Bereich zwischen 500 nH bis 500 µH konzentriert, weil ich hier die meisten Spulen vermessen muss; für die Kapazitätsmessung werde ich mir ein separates Gerät bauen. Die Grenzfrequenz des LM311 ist aber auch gar nicht das Problem hier im Thread, denn einerseits ist es der falsche Kondensator, den man verwendet, andererseits wird anscheinend einfach nur die Gesamtinduktivität (eine oder zwei Spulen samt Leitungen) gemessen, ohne dass die Fehler herausgenommen werden, weil man einfach nur stupide die Frequenz misst. Hat die Autoradio-Spule beispielsweise eine relativ kleine Induktivität, z.B. 450nH, dann überwiegt bei jeder solchen falschen Messmethode mehr der Anteil der 68µH-Spule und der Zuleitungen, denn die 450nH sind nur ein Bruchteil dessen, d.h. man misst dann eigentlich gar nicht die kleine Spule, sondern eher die große Induktivität (68µH) des Systems mit dessen ganzen Fehlern, die aus Erwärmung und Drift entstehen. Der Hauptfehler ist halt, dass man – aus Unwissenheit, Bequemlichkeit, Faulheit etc. – einfach nur die Frequenz misst, ohne dabei die eigentliche Umrechnung, Kalibrierung und Fehlerbereinigung zu machen. Hinzukommt noch die Unstabilität des Kondensators – möglicherweise hilft am Ende des Tages der richtige Kondensator etwas, um das Driften abzumildern, vom Ansatz her ist das aber trotzdem alles falsch.
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