Guten Tag,
Ich beschäftige mich gerade mit der Signalaufbereitung in einer
Regelschleife.
Ein gemessenes Signal 20Hz-200Hz mit variabler Amplitude 0-2V soll
linearisiert werden. Die Amplitude halbiert sich pro Oktave. Die höchste
Amplitude ist bei 20Hz vorhanden.
Mein Lösungsansatz ist es einen Filter in die Rückkopplung eines Opamp
einzubinden, wie auch im Schaltplan zu sehen. Laut Simulatin geht das
auch recht ordentlich. (Wie im Anhang/Graph zu sehen ist.)
Wie die Physik ja leider so ist entsteht eine Phasenverschiebung, die
kompensiert werden soll/muss?
Daher ein weiterer Ansatz:
Entwicklung eines Allpass Filters für das Referenzsignal.
Allpass phasenverschiebung = Filter phasenverschiebung .
Wenn Referenz und Messsignal jeweils die gleichen Phasenfehler besitzen
müsste nach meiner Vorstellung eine Regelung der Amplitude möglich
werden.
Bevor ich jetzt wie blöd mit Allpässen simuliere und später feststellen
muss, dass das gar nicht funktioniert möchte ich doch einmal hier
fragen, ob es ein richtiger Weg ist, oder alles einfach nur Quatsch?
Und ich bitte darum, nicht über Sinn und Zweck (Wie hier bestimmt schon
jeder erkannt hat, geht es um Lautsprecher Regelung) dieses Projektes zu
diskutieren.
Wenn es meine Fähigkeiten im Bereich der Regelungstechnik/ analog
Technik erweitert, hat es schon einen enormen Nutzen für mich.
In diesem Sinne, danke!
Sebastian
Willst du die Membranbewegung des Lautsprechers erfassen und mittels
Gegenkopplung korrigieren? oder was hast du vor?
Wenn ja , was für eine Art Sensor willst du benutzen, um die
Membranbewegung zu erfassen?
Ralph Berres
Der Sensor ist ein PSD Sensor Typ: PSD 1L5_CP1
http://www.lasercomponents.com/fileadmin/user_upload/home/Datasheets/lc/kataloge/sitek.pdf
Ist von innen am Schwingspulenträger angeklebt und wird von einer
Laserdiode direkt angestrahlt. Das ganze befindet sich unter der
Dustcap eines 18" Tieftonchassis. Eine kleine Opamp-Schaltung ermittelt
die Differenzspannung der beiden Ausgänge des Sensors. Das Signal ist
entgegen meiner Erwartungen sehr gut, deshalb werde ich auch weiter an
dem Projekt arbeiten.
Es sollen lediglich die machanischen Fehler des chassis kompensiert
werden. Wer weiß, wenn sich dadurch eventuell die Präzision der
Basswiedergabe erhöht wäre es ein riesen Erfolg. Ich erwarte aber keine
Wunder, es zählt nur der Lerneffekt...
Wenn jemand ähnlich Versuche unternimmt oder Interesse hat, kann er sich
gerne mit mir außerhalb des Forums in Verbindung setzen.
bastian-acn äet web . de
Ich habe vor Jahrzehnten mal bei der Firma Backes&Müller gearbeitet.
Da aber das Patent schon lange ausgelaufen ist, denke ich das es kein
Geheimnis ist wenn ich ein wenig aus dem Nähkästchen plaudere.
Dort wurde Anfangs die Membranen der Lautsprecher aus Aluminium
gefertigt, und mit Hilfe einer gleich geformten Gegenelektrode kapazitiv
abgetastet.
Es wurde nicht die Ladung des Kondensators konstant gehalten und amit
die Spannung moduliert, sondern es wurde die Spannung konstant gehalten
und dadurch den Strom moduliert. Die so gewonnene Größe wurde
integriert, um so von einer Auslenkungsproportionale Spannung zu einer
geschwindigkeitsproportionale Spannung zu gelangen. Das Signal von der
Frequenzweiche muss ebenfalls integriert werden, weil für einen linearen
Frequenzgang die Beschleunigung abgestrahlt werden muss.
Allerdings nur wenn die Geschwindigkeit gegengekoppelt wird kann man
sowohl unterhalb als auch oberhalb der Resonanzfrequenz gegenkoppeln
ohne das das System zu schwingen beginnt.
Später ist man dazu übergegangen dem Lautsprecher eine zweite
Schwingspule zu spendieren die als flache Spule auf senkrecht in die
Treiberspule eingebaut wurde. Dadurch wurde das übersprechen zwischen
den Spulen minimiert. Die zweite Spule liefert von sich aus schon ein
geschwindigkeitsabhängiges Signal, so das man nur noch dieses Signal von
dem integrierten Signal aus der Frequenzweiche subtrahieren musste.
Das kapazitiefe Verfahren wird heute noch in den Hochtöner eingesetzt
und das induktive Verfahren bei Tief und Mitteltöner.
Philips hatte in den 60ger Jahren ein Beschleunigungssensor benutztm,
was aber nur leidlich funktioniert hatte und nur geringe
Gegenkopplungsgrade zulies, da die Regelung sonst zu schwingen begann.
Einen Allpassfilter ist bei oben genenannten Verfahren nicht notwendig.
Ralph Berres
Sehr Interessanter Beitrag,
ich werde auch Versuchen die Signale zu integrieren. Ist bislang aber
schwer vorstellbar, dass es funktionieren könnte. Ein reiner Sinus, wie
er im Bassbereich durchaus vorkommt ist integriert ja eigentlich nur um
90° Phasenverschoben.
Sebastian
Bedenke bitte , wenn du die Membranbewegung mit einen optischen Sensor
abtastest, du als Größe die Auslenkung bekommst. Wenn du diese Signal
gegenkoppeln willst bekommst du ein Dynamikproblem.
Die Auslenkung fällt mit der Frequenz gegenüber der Beschleunigung ( die
man ja abstrahlen will ) um 12db/ Oktave ab. Die Geschwindigkeit um 6db/
Oktave. Also must du dein Auslenkungssignal um es in ein
Geschwindigkeitssignal zu überführen differenzieren. 6db/ Oktave über
sagen wir mal 5 Oktaven ( beim Tieftöner ) sind schon 30dB. Hinzu kommt
die Dynamik deiner Musik ( sagen wir mal 60db ). Dein optischer Sensor
muß also eine Dynamik von 90db ohne Störungen verarbeiten können um noch
regeln zu können. Für einen optischen Sensor ist das schon ziemlich
sportlich. Das ist mit einen induktiv abgenommenen Signal wesentlich
einfacher, weil der Sensor schon ein Geschwindigkeitsproportionales
Signal liefert. Somit ist nur die Dynamik der Musik zu beherrchen.
Die Geschwindigkeitsgegenkopplung ist übrigens die einzige Möglichkeit
sowohl unterhalb der Lautsprecherresonanz , als auch oberhalb der
Lautsprecherresonanz zu regeln. Es wir defakto die Resonanzüberhöhung
bedämpft, während sie bei Beschleunigungs und Auslenkungsgegenkopplung
nur verschoben wird, und im extremfalle sogar negativ werden kann, und
somit das System schwingt.
Backes&Müller hat 1974 mal eine theoretische Abhandlung darüber
geschrieben
und Lösungswege aufgezeigt. Diese finden auch heute noch sowohl in der
Backes&Müller Klassikline als auch bei der Fa Silbersand ihre Anwendung.
Phillips hatte Ende der 60ger Jahre sich auch mal an eine
Bewegungsgegenkopplung versucht ( nannte sich MFB ), in dem sie einen
Beschleunigungssensor verwendet haben. Es waren nur geringe
Gegenkopplungsfaktoren möglich ohne das das System zu schwingen begann.
Auch war es nicht möglich Mittel und Hochtöner gegen zu koppeln. Dieses
Verfahren wurde damals auch von Restek und Jamo eine Zeitlang verwendet.
Ralph Berres
dann wird das wohl der Grund sein, dass kein Hersteller mit dieser
Methode arbeitet?
Ich hätte hier noch eine Diplomarbeit über ein Optisches System, wie ich
es machen möchte. Könnte ich bei Interesse schicken...
Falls du noch im Besitz interessanter Schriftstücke bist, hätte ich
natürlich auch jederzeit Interesse.
Sebastian Möller schrieb:> Falls du noch im Besitz interessanter Schriftstücke bist, hätte ich> natürlich auch jederzeit Interesse.
Vielleicht sind diese Links mit Informationen zu den MFB-Lautsprechern
von Philips interessant für dich:
http://www.mfbfreaks.nl/http://www.mfbfreaks.com/
Das meiste ist zwar niederländisch geschrieben, aber trotzdem ganz gut
verständlich. Sehr interessant und mit vielen technischen Details
gespickt ist bspw. dieser Artikel:
http://www.mfbfreaks.nl/artikel/oorsprong/1/index.html
Hier ist noch ein Test aus der Zeitschrift Audio von 1982 in deutscher
Sprache:
http://www.mfbfreaks.com/apparatuur/mfb/587/audio-4-82_58xtest.pdf
Man sieht, dass gegengekoppelte Systeme unter den Aktivlautsprechern
damals keine Exoten waren. Neben Philips hatten auch Backes & Müller (s.
Beitrag von Ralph Berres), Restek, Korn & Macway und Kirksaeter solche
Lautsprecher im Programm.
Ich meine, auch Grundig hätte so um 1978 gegengekoppelte Lautsprecher
mit Piezo-Beschleunigungsaufnehmern gebaut und zusammen mit einer Mini-
anlage verkauft. Das Konzept wurde allerdings nicht weiterverfolgt. So
hatten auch die in obigem Artikel getesteten Boxen keine Gegenkopplung.
Ansonsten gibt es unter dem zweiten Link von oben jede Menge weiterer
Testberichte und vor allem auch Service-Manuals mit Schaltplänen.
sehr nett, dankeschön
soweit ich gesehen habe sind die MFB mit einem Piezo
Beschleunigungsmesser ausgestattet.
Da kann man sich nur Fragen, warum sich selbst auf dem HighEnd Sektor
soetwas nie wirklich durchgesetzt hat.
Zu teuer...zu wenig Nutzen?
Man hört ja eigentlich nur sehr gutes von Backes&Müller LS, liegt das
jetzt an der Regelung, oder sind die verwendeten Chassis, Kontruktionen
ansich schon das Beste auf dem Markt?
(vielleicht kann Ralph da nochmal was zu schreiben?)
Sebastian.
Das liegt an der Art der Regelung.
Während Philips mit dem Beschleunigungssensor ( welches zu dem sehr
unlinear arbeitet ) die Beschleunigung der Membran gegenkoppelt, ( man
hat die wenigsten Dynamikprobleme ) wird bei Backes&Müller die
Geschwindigkeit gegengekoppelt. Backes&Müller hatten in den 70ger Jahren
die tatsächlichen mathematischen Beziehungen als erstes erkannt, und das
Verfahren patentieren lassen. Somit war es den anderen Firmen verwehrt
das nachzubauen.
Die Lautsprecherchassis wurden von Anfang an selbst gefertigt, und sind
eigentlich nicht hochwertiger als handelsübliche Chassis. Nur musste
halt der Sensor integriert werden, und auf dem kommt es an.
Das Gegengekoppelte Chassis verhält sich übrigens wie ein aperiodischer
Strahler. Das heist , es hat deFakto keine Resonanzfrequenz mehr die
stören könnte. Somit feheln die sonst üblichen Ein und
Ausschwingvorgänge des Lautsprechers.
Auf dem High-End Markt läßt sich nun mal das am besten verkaufen,wo für
den Händler vor Ort die größte Verdienstspanne liegt. Dann wird eine
Philosophie für das Produkt entwickelt und dem Kunden verkauft. Es ist
völlig egal ob die Philosophie jeglicher physikalischer Grundlagen
entbehrt oder nicht. Dem Kunden ist im Normalfall pardot nicht klar zu
machen, das man plötzlich auch ein Netzkabel für den Lautsprecher
braucht, der Endverstärker jetzt brach liegt, und allenfalls für seinen
elektrostatischen Kopfhörer Verwendung findet.
Auserdem ist an passiven Lautsprecher die 10000 € und mehr das Stück
kosten, plus den Endverstärker, für den Händler mehr dran verdient als
an eine Backes&Müller Lautsprecher. Deswegen ist die Verbreitung nicht
so, wie es die Technik eigentlich verdient. Meiner Meinung ist die
Technik passive Lautsprecher schon lange nicht mehr zeitgemäß, da es nur
Nachteile bringt und eigentlich hoffnungslos veraltet ist.