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Forum: Ausbildung, Studium & Beruf Selbständigkeit lohnt sich nicht


Autor: Captain Flucher (Gast)
Datum:

Langsam hasse ich es: Nur noch Sparhansels unterwegs in Deutschland.

Ich verhandle gerade (wieder mal) mit der Hays AG und (wieder mal) ist
es dasselbe Lied: Der Kunde hat einen festen Stundensatz festgelegt, für
den er jemanden haben will.

Zu den Preisen kann man hier aber nicht arbeiten, wegen Wohnung,
Fahrtkosten und allem mehr. Wenn ich mir ausrechne, was am Jahresende
bleibt, rechnet sich das hinten und vorne nicht. Dann lieber für 50.000
bei einer Kleinfirma um die Ecke.

Das Üble ist, daß ICH natürlich als Fachmann fürs Testen und Ausmerzen
DER Fehler ausersonnen wurde, die die lieben Festangestellten verbockt
haben. Die picken sich die Rosinen raus, sind zu faul, sauber zu
arbeiten und bauen Fehler ins Design ein. Statt dass der Kunde mal
durchgreift und die Typen ihren Scheiss selber testen lässt, wird die
Arbeit ausgelagert.

Ran muss dann ein sognenannter "Testingenieur" mit 3 Jahren
Berufserfahrung. Für den sind die 55,- Euro die Stunde super, aber für
mich als fähigen Entwickler nicht angemessen.

Was tun? - Umsattteln?

Würden mich die dummen Firmen mal AM ANFANG eines Projektes holen. Dann
könnte man nch eingreifen. SO bleiben einem nur die Ausputzerstellen.

Gibt es in Deutschland überhaupt noch Stellen für fähige Entwickler, die
sauber, fehlerfrei, ordentlich und gradlinig arbeiten können?

Oder wird überall nur noch auf billig gemacht und gebastel und schnell
was hingeschmiert, was dann mit viel man power repariert wird?
Autor: DrTech (Gast)
Datum:

Captain Flucher schrieb:
> Oder wird überall nur noch auf billig gemacht und gebastel und schnell
> was hingeschmiert, was dann mit viel man power repariert wird?

Du hast es erkannt. Profitgeile Chefs mit gerade mal Abitur glauben halt
dass so eine schnelle hingebastelte Software schon gut genug sei, man
wolle ja Geld machen. Ja nicht zuviel Kosten in Ausbildung neuer
Entwickler stecken.

Aber dann teure Externe ins Boot holen. Oja das hat man gerne. Können
mich alle kreuzweise. Frage mich, wie es so hirnverwichste Idioten es
bis zum Abteilungsleiter bzw Team oder Gruppenleiter bringen können.
Noch nie ne Uni von innen gesehen.

Mann, man ich muss mir das nicht antun. Habe ne Promotion mit Erfolg
abgeschlossen. Ich bin Dr.!
Autor: Loonix (Gast)
Datum:

Captain Flucher schrieb:
> Gibt es in Deutschland überhaupt noch Stellen für fähige Entwickler, die
> sauber, fehlerfrei, ordentlich und gradlinig arbeiten können?

Mit Externen wird in der Regel so verfahren wie du es beschrieben hast,
die Gründe hast du eigentlich auch schon genannt:

Captain Flucher schrieb:
> Die picken sich die Rosinen raus, sind zu faul, sauber zu
> arbeiten und bauen Fehler ins Design ein. Statt dass der Kunde mal
> durchgreift und die Typen ihren Scheiss selber testen lässt, wird die
> Arbeit ausgelagert.

Ich würde es etwas anders formulieren, aber du triffst den Kern. Wie
soll deine ordentlich und gradlinige Entwicklung denn von den
Festangestellten abgenommen werden, wenn diese nicht ausreichend
geschult werden? Das würde bedeuten, dass zu der eigentlichen
Entwicklungsdauer noch Zeit für die Übergabe und gemeinsame Tests
eingerechnet werden muss. Will halt keiner bezahlen. Festangestellte
haben dafür die Bindung an ihre Firmenphilosophie und kennen in der
Regel die Anforderungen an das Produkt, auch wenn es in der Umsetzung
hapert. Ein Externer soll als "Feuerwehrmann" Probleme im Detail lösen
ohne dabei das große Ganze kennen zu müssen.

Captain Flucher schrieb:
> Dann lieber für 50.000
> bei einer Kleinfirma um die Ecke.

Ist allemal erfüllender, als immer nur die Kastanien für Andere aus dem
Feuer zu holen.
Autor: Leo ... (-headtrick-)
Datum:

@DrTech
>Mann, man ich muss mir das nicht antun. Habe ne Promotion mit Erfolg
>abgeschlossen. Ich bin Dr.!
Na und? Das heißt vielleicht das du alles weißt, aber nicht alles
kannst.
Fürs Können gibts dann andere Profis.
@Captain Flucher
>Für den sind die 55,- Euro die Stunde super, aber für
>mich als fähigen Entwickler nicht angemessen.
Das verlangt meine Kfz-Werkstatt, wo der Meister noch nicht mal
bei einem Moped weiß wo der Benzinhahn ist, auch.
Kannst du nicht ein paar Stunden mehr geltend machen oder arbeitest
du mit einer Pauschale?
Das sind nun mal die Schattenseiten der Selbständigkeit, musst zehn
Angebote machen, bekommst vielleicht ein oder zwei Aufträge und
dazwischen haste auch noch Leerlauf. Nicht jeder Ing. ist eben auch
ein cleverer Kaufmann. Aber mal nicht verzweifeln, es geht doch
aufwärts.
Autor: Realist (Gast)
Datum:

Captain Flucher schrieb:
> Ich verhandle gerade (wieder mal) mit der Hays AG und (wieder mal) ist
> es dasselbe Lied: Der Kunde hat einen festen Stundensatz festgelegt, für
> den er jemanden haben will.

Wer zwingt Dich denn, das auch zu dem Preis zu machen?
Autor: Leo ... (-headtrick-)
Datum:

...oder schnell zu arbeiten? Wenn Leiterplattenhersteller Eilzuschläge
verlangen können, kann man das ja wohl auch für andere Arbeiten, oder?
Autor: Peter (Gast)
Datum:

Captain Flucher schrieb:
> Für den sind die 55,- Euro die Stunde super, aber für
> mich als fähigen Entwickler nicht angemessen.
>
> Was tun? - Umsattteln?

Bescheidener werden? Von 55,- Euro die Stunde träumen andere nur...
Autor: jaja (Gast)
Datum:

Na dann ueberleg mal was du als Selbstständiger noch alles bezahlen
musst von den 55EUR. Da verdient ja der Mechaniker in der Opelwerkstatt
noch mehr.
Autor: Halb Oschi (Firma: zurueck aus der Anonymitaet) (hacky)
Datum:

Hays ... die Fragen auch immer wieder an ... fragen was ich denn so
wolle. Jedes Mal ist es mehr, sie zucken nicht mit der Wimper. Die
letzte Zahl, die ich nannte war 150Euro. Das scheint immer noch im
Rahmen zu sein... naja duemmliche Rechtsanwaelte haben eher mehr.
Leider passt mir das Projekt dann doch nicht, oder ich bin ausgebucht -
so ein Pech aber auch.
@Captain Flucher : wenn die dringendes Problem haben, sollen sie satt
loehnen, nicht unter 100 gehen.
Autor: Carsten Sch. (dg3ycs)
Datum:

Hi,

also sobald man wirklich Selbstständig ist und es nicht nur eine
irgendwie geartete Scheinselbstständigkeit ist, greift natürlich VOLL
das Prinzip Angebot und Nachfrage.


Selbstständigkeit hat Vorteile aber auch erhebliche Nachteile.
Insbesondere als Alleinunternehmer. Habe das lange genug gemacht und ja-
Verdienst ist besser. aber planbare "echte" Feizeit war Mangelware.
Selbst ein Sonntag ohne "Handy am Mann" war echter Luxus...
Daher ist jeder der meint die Stundensätze zwischen Angestellt und
Selbstständig seien auch nur halbwegs vergleichbar. Angestellt lebt es
sich auch mit etwas weniger Geld deutlich entspannter als wenn man
Selbstständiger Alleinunternehmer ist.

Captain Flucher schrieb:
> Zu den Preisen kann man hier aber nicht arbeiten, wegen Wohnung,
> Fahrtkosten und allem mehr. Wenn ich mir ausrechne, was am Jahresende
> bleibt, rechnet sich das hinten und vorne nicht. Dann lieber für 50.000
> bei einer Kleinfirma um die Ecke.
>
> Das Üble ist, daß ICH natürlich als Fachmann fürs Testen und Ausmerzen
> DER Fehler ausersonnen wurde, die die lieben Festangestellten verbockt
> haben. Die picken sich die Rosinen raus, sind zu faul, sauber zu
> arbeiten und bauen Fehler ins Design ein. Statt dass der Kunde mal
> durchgreift und die Typen ihren Scheiss selber testen lässt, wird die
> Arbeit ausgelagert.

Wieso ist das "Übel" das du Auserkoren wurdest? Erst einmal ist es doch
gut das sich Nachfrage auf dein Angebot einstellt. Übel wäre es wenn der
Auftrag direkt an deinen Mitbewerber gehen würde.Schließlich zwingt dich
ja niemand den Auftrag zu den Konditionen anzunehmen.
Wenn das Angebot für dich nicht Akzeptabel ist, dann lehne es doch
einfach ab und mache ein Gegenangebot - wo ist das Problem.
Entweder stellt sich dann heraus das dieses Gehaltsangebot nicht zur
"Angebotssituation" passt, dann werden die keinen Ähnlich qualifizierten
zu diesen Bedingungen bekommen und wohl ihren Stundensatz nachbeser.
Oder aber deine Vorstellungen passen nicht zur Nachfragesituation und
jemand anders bekommt den Job. Dann gehst du leer aus. Aber dazu musst
du als Selbstständiger den Mut haben. Wenn du immer nur "Ja" sagst, dann
sinkt dein Wert ganz schnell. (Wenn du aber zu oft "nein" sagst, dann
bist du irgendwann pleite. ISt immer ein schmaler Grad)

Gruß
Carsten

P.S. ich würde jetzt nicht zwangsläufig sagen das 55Eur/std. immer auf
jeden Fall zu wenig sind. In "flauen" Zeiten und für einfachere Aufgaben
mit nicht zu langer vorhersehbarer Bindungsfrist kann das noch OK sein.
Wenn aber schon ein "Rosinenpicken" stattgefunden hat, muss auf jeden
Fall eine andere Vergütung her. Da spielt es dann auch keine Rolle ob es
sich um Dienstleistungen handelt oder aber Material- ein und Verkauf.
Autor: Winfried J. (Firma: Nisch-Aufzüge) (winne)
Datum:

Wenn du das Problem kennst und beherrscht ---> Fixpreis aushandeln.

Wenn das Problem unüberschaubar und deine Konkurrenz überschaubar, dann
legst du den Stundensatz fest.

Auch mal was riskieren.
Ein Auftrag der nichts abwirft ist im günstigsten Fall das Geld
gewechselt.

Sind Arbeiten nicht aussschließlich vor Ort zu erledigen müssen auch
externe Aufwendungen verrechnet werden.

Sei mal ein wenig kreativer.
Und vor allem mehrbeinig aufstellen, dann bist du der Rosinenpicker.

Wenn ein exrterner geholt wird will mann in aller regel die
Verantwortung auslagern auch wenn man es selbst gebacken bekäme und das
musst du dir bezahlen lassen.

Niemals darfst du Dich fürdeine Preise rechtfertigen, du setzt sie fest
und verhandelst sie ohne zu begründen. Der Kunde kann kaufen, wenn er
will tut er's

Mit fixen miesen Stundensätzen und Zeitvorgaben nimmt man die Aufträge
nicht an.
Entweder Fixpreis und Termin oder nach Aufwand und mein Stundensatz,
alternativlos. Ich koste.... .

Wenn du dir gan sicher bist das der Kunde Dich will, dann kannst sagen
was bin ich dir Wert, vergleichst das mit dem was du dir wert bist und
danach triffst du die entscheidung wieviel du dafür leistest.

Namaste
Autor: Gästchen (Gast)
Datum:

Ja, oft lohnt sich die Selbstständigkeit nicht, das ist richtig. Aber...
Wenn du rechtzeitig den Absprung in die besagte Selbständigkeit
glücklich vollzogen hast, lebst du dann anständig in unserem Lande und
musst nicht wie ein Schwein leiden (normaler Arbeitnehmer). Viele die
mit ihrem Geschäft pleite gegangen sind, haben sich einfach erhängt.
Nicht weil es so schlimm ist Schulden zu haben sondern weil es in
Deutschland so schlimm ist Arbeitnehmer zu sein bzw. der Unterschied in
Lebensqualität so groß ist.
Autor: MaWin (Gast)
Datum:

> Was tun?

Lehn ab und nimm einfach einen anderen Job.

> ICH als Fachmann fürs Testen

Du wirst doch sicherlich viele Angebot haben,
so gut wie du bist.

Was jammerst du ?

> als fähigen Entwickler

Oder vielleicht doch besser entwickeln statt testen ?
Schliesslich ist testen der bekannt niedrigste Level
der entsprechend bezahlt wird weil ihn fast jeder
machen kann, auch Menschen ohne Ideen und ohne Grips.

> für fähige Entwickler

Gibt es, aber was kannst du nachweisen ?
Welchen Blockbuster hast du entwickelt ?
Und warum suchst du danach immer noch einen Job und
liegst nicht längst als Rentner am Strand der Malediven ?

Du überschätzt dich masslos.
Autor: Bürovorsteher (Gast)
Datum:

Was manche Leute heutzutage so alles unter Selbständigkeit verstehen...
Captain Flucher (Gast) ist ein scheinselbständiger Wanderarbeiter.

Meine Definition der Selbständigkeit:
1. Du hast einen eigenen Firmensitz, der nicht mit deiner Wohnadresse
identisch ist, es sei denn, du lebst auf eigenem Anwesen.
2. Du bist Eigentümer (mittelbar als GmbH-Gesellschafter oder
unmittelbar als Person) der Produktionsmittel (CAD, Bürotechnik,
Messmittel, Produktionsgeräte, Maschinen, Anlagen).
3. Du sitzt nicht hinter dem Schreibtisch beim Arbeitnehmerentleiher,
sondern hinter deinem eigenen.
4. Du bist ortsfest und reist nicht ständig deiner Arbeit hinterher.
5. Du wickelst deine Verträge/Aufträge direkt mit deinem Endkunden ohne
Zwischenschaltung von Sklavenhändlern ab.
6. Stundensätze sind die Ausnahme und dienen nur deiner internen
Überschlagsrechnung. Ansonsten machst du Werkverträge und sonst nichts.

Oder verstehe ich hier was falsch?
Autor: Loonix (Gast)
Datum:

Bürovorsteher schrieb:
> Meine Definition der Selbständigkeit:

Deine ur-Eigene könnte man sogar sagen.

Bürovorsteher schrieb:
> Oder verstehe ich hier was falsch?

Du idealisierst ohne jegliche Rücksicht auf die Realität, aber sonst
liest sich das Alles ganz schlüssig.
Autor: Chris D. (myfairtux) (Moderator)
Datum:

Bürovorsteher schrieb:
> Was manche Leute heutzutage so alles unter Selbständigkeit verstehen...
> Captain Flucher (Gast) ist ein scheinselbständiger Wanderarbeiter.

Ja, das sehe ich ähnlich.

> Meine Definition der Selbständigkeit:
> 1. Du hast einen eigenen Firmensitz, der nicht mit deiner Wohnadresse
> identisch ist, es sei denn, du lebst auf eigenem Anwesen.

:-)

> 2. Du bist Eigentümer (mittelbar als GmbH-Gesellschafter oder
> unmittelbar als Person) der Produktionsmittel (CAD, Bürotechnik,
> Messmittel, Produktionsgeräte, Maschinen, Anlagen).
> 3. Du sitzt nicht hinter dem Schreibtisch beim Arbeitnehmerentleiher,
> sondern hinter deinem eigenen.
> 4. Du bist ortsfest und reist nicht ständig deiner Arbeit hinterher.
> 5. Du wickelst deine Verträge/Aufträge direkt mit deinem Endkunden ohne
> Zwischenschaltung von Sklavenhändlern ab.
> 6. Stundensätze sind die Ausnahme und dienen nur deiner internen
> Überschlagsrechnung. Ansonsten machst du Werkverträge und sonst nichts.
>
> Oder verstehe ich hier was falsch?

Nein, das siehst Du schon ganz richtig.

Ich würde dem OP dringend empfehlen, eigene Produkte zu entwickeln und
sich so ein zweites Standbein aufzubauen.

Wenn man zu einem Angebot gelassen "Nö - bei der Bezahlung kein
Interesse" sagen kann, weil man nicht unbedingt darauf angewiesen ist,
dann hilft das sehr (auch bei der Kundenerziehung).
Man muss sich rar machen.

Bei eigenen Produkten kann man auch selbst entscheiden, wann es
ausgereift ist und auf den Markt kommt. Hier gehen z.B. nur ausgereifte
Produkte raus. Kein Zeitdruck - kein Pfusch ...

Wenn man dann noch Termine setzt, die auch realistisch sind, eingehalten
und am besten noch übertroffen werden, ist man Kundenliebling ;-)

Man muss auch nicht immer erreichbar sein. Mobiltelefon bleibt abends
grundsätzlich im Büro liegen, ab Samstagmittag bis zum Montagmorgen
sowieso.

Chris D.
Autor: Captain Flucher ( (Gast)
Datum:

>Bürovorsteher
Du hast vollkommen Recht. Aber leider ist es heute so, daß viele Firmen
zu dumm und zu faul sind

a) sich jemanden zu suchen
b) ein ordentliches PH vorzulegen

Sie stellen aber auch niemanden über 40 mehr ein, weil der vollkommen
überqualifiziert ist. Also bleibt vielen nur die Selbständigkeit, die in
Wahrheit keine ist. Dieses Sklavenhaltertum hat sich nun mal etabliert,
warum auch immer. Es ist für die Firmen offenbar billiger, oder sie
denken, daß es billiger sit.

>Bescheidener werden? Von 55,- Euro die Stunde träumen andere nur..

Bei dem Aufwand, den man zusätzlich hat, kommt man mit dem
Arbeitseinsatz eines Angestellten (1700) bestenfalls auf 1500 bezahlte
Stunden im Jahr. Bei 3000,- bis 4000,- Euro mehr Fixkosten und
Steuernachteil der eigenen Vorsrge und Sozialbeiträge.

1500 x 55,- EUR - 4000 = 78000!

Dann muss man oft noch Unterkünfte bezahlen -> 70000.

Ein Angestellter hat bei 60k Brutto inklusive der Sozialleistungen
dasselbe, aber viel weniger Aufwand und Fahrtkosten.

Da müssen mindestens 10k im Jahr mehr abfallen, besser 15k. -> 65,- die
Stunde.


55,- EUR
Autor: Bürovorsteher (Gast)
Datum:

> Du idealisierst ohne jegliche Rücksicht auf die Realität, aber sonst
> liest sich das Alles ganz schlüssig.

Das  i s t  meine Realität.

> Ich würde dem OP dringend empfehlen, eigene Produkte zu entwickeln und
> sich so ein zweites Standbein aufzubauen.

Das sehe ich auch so. Captain Flucher sollte von seinen Arbeitseinsätzen
beim Entleiher wissen, was welche Kunden so benötigen und dann (der
Konkurrenz vllt) ähnliche Produkte anbieten. Aber bitte so, dass der
Sklavenhalter keinen Verdacht schöpfen kann und dir eins überbraten
lässt. Ansonsten - nur keine Skrupel, an den Wegesrändern erfolgreicher
Unternehmer liegen zuweilen Leichen.

> Wenn man zu einem Angebot gelassen "Nö - bei der Bezahlung kein
> Interesse" sagen kann, weil man nicht unbedingt darauf angewiesen ist,
> dann hilft das sehr (auch bei der Kundenerziehung).
> Man muss sich rar machen.

Full ACK!

> Man muss auch nicht immer erreichbar sein. Mobiltelefon bleibt abends
> grundsätzlich im Büro liegen, ab Samstagmittag bis zum Montagmorgen
> sowieso.

Ich habe erst gar keines angeschafft. Wenn ich zu Bürozeiten erreichbar
bin, sollte das reichen. Alles andere erzieht die Kunden nur zur
Disziplinlosigkeit, Sorglosigkeit und Schlendrian.

Mein bisheriger Extremfall war ein Kunde, der mir am zweiten
Weihnachtsfeiertag irgendwelche Teile zu Hause vorbeigebracht hat, damit
ich bis Neujahr noch irgendwas zusammenbauen konnte...
Autor: Loonix (Gast)
Datum:

Bürovorsteher schrieb:
>> Du idealisierst ohne jegliche Rücksicht auf die Realität, aber sonst
>> liest sich das Alles ganz schlüssig.
>
> Das  i s t  meine Realität.

Deine Ansichten, auch die von Chris D., sind idealisierte Vorstellungen,
die ihr scheinbar eurem Unternehmen und euren Kunden überstülpen
konntet. Das setzt ein gewisses Polster voraus, das nicht jedem gegeben
ist. Ich hoffe, jetzt kommt nicht gleich der Einwand, dass man ohne
Vermögen gar nicht selbständig werden sollte. Chancengleichheit heisst
für mich nämlich was anderes.
Autor: Bürovorsteher (Gast)
Datum:

> Das setzt ein gewisses Polster voraus, das nicht jedem gegeben
> ist. Ich hoffe, jetzt kommt nicht gleich der Einwand, dass man ohne
> Vermögen gar nicht selbständig werden sollte.

Ohne Geldeinsatz dürfte es sehr schwer sein. Ich habe die 25 k€
GmbH-Stammkapital voll gebraucht. Die meisten Messmittel und ein
professionelles CAD-System hatte ich schon vorher, komplette
Büroausstattung auch.
Ich würde auch nie behaupten, dass ich nur fette Jahre hinter mir habe.
Am Anfang gab es sehr steinige Strecken. Jetzt kann ich mich aber schon
manchmal entspannt zurücklehnen und brauche keine Angst mehr vor dem
Morgen zu haben.

> Chancengleichheit heisst für mich nämlich was anderes.

Davon war nie die Rede, allerdings hat mir nie jemand etwas geschenkt,
weder Geld noch Geschäftsausstattung. Ist alles auf meinen eigenen Mist
gewachsen - ohne Vermögen zu besitzen.

> Deine Ansichten, auch die von Chris D., sind idealisierte Vorstellungen,
> die ihr scheinbar eurem Unternehmen und euren Kunden überstülpen
> konntet.

Da gab es bei mir nichts überzustülpen - ich bin eine Einmannkapelle und
was die Kunden betrifft, die sind froh und glücklich, dass sie die
benötigten Erzeugnisse bei mir zu kaufen bekommen und ich ihnen das
entwickle, was sie brauchen.
Autor: Loonix (Gast)
Datum:

Bürovorsteher schrieb:
> Ich würde auch nie behaupten, dass ich nur fette Jahre hinter mir habe.
> Am Anfang gab es sehr steinige Strecken. Jetzt kann ich mich aber schon
> manchmal entspannt zurücklehnen und brauche keine Angst mehr vor dem
> Morgen zu haben.

Das klingt für mich realistisch und deckt sich auch mit meinen
Erfahrungen. Ich gönne dir den Erfolg von ganzem Herzen.

Bürovorsteher schrieb:
> Ist alles auf meinen eigenen Mist
> gewachsen - ohne Vermögen zu besitzen.

So habe ich auch angefangen, mittlerweile bin ich allerdings wieder fest
angestellt und kann mein ehemaliges Büro als Home-Office nutzen.
Für meinen jetzigen Arbeitgeber würde ich als Externer nicht arbeiten
wollen, da kaum Entwicklungserfahrungen vorhanden sind. Jetzt baue ich
diesen Bereich auf und kann so verhindern, dass wir überhaupt einen
Feuerwehrmann brauchen.

Mein Fazit: Selbständig im Wortsinne sollte man als Entwickler immer
sein, sonst kommt man nicht vom Fleck - egal ob Unternehmer oder
Arbeitnehmer.
Autor: Chris D. (myfairtux) (Moderator)
Datum:

Loonix schrieb:

> Deine Ansichten, auch die von Chris D., sind idealisierte Vorstellungen,
> die ihr scheinbar eurem Unternehmen und euren Kunden überstülpen
> konntet. Das setzt ein gewisses Polster voraus, das nicht jedem gegeben
> ist.

Das war bei mir nicht immer so. Natürlich fängt jeder mal klein an und
ich hatte anfangs sehr wenig Geld zur Verfügung.
Man muss sich das Unternehmen auch aufbauen und weiterentwickeln, immer
wieder neue Ideen einbringen, getroffene Entscheidungen reflektieren
usw.

Und eben zügig dafür sorgen, dass man nicht nur von wenigen abhängig ist
(anfangs lässt sich das meist nicht vermeiden). Daher mein Rat an den
OP, zügig eigene Produkte zu entwickeln.

> Ich hoffe, jetzt kommt nicht gleich der Einwand, dass man ohne
> Vermögen gar nicht selbständig werden sollte.

Nein :-)
Wie gesagt: ich hatte auch nicht viel, aber einen Plan, ein Produkt und
den Willen.

Es war bei mir wie beim Bürovorsteher: man geht einige steinige Wege,
bevor man aus dem Gröbsten raus ist.

> Chancengleichheit heisst für mich nämlich was anderes.

Chancengleichheit hat es nie gegeben und wird es auch nicht geben. Jeder
hat andere Talente, Eltern, genetische Wurzeln usw.

Wichtig ist deswegen nicht, was man hat, sondern was man aus dem
Gegebenen macht.

Chris D.
Autor: Bürovorsteher (Gast)
Datum:

> So habe ich auch angefangen, mittlerweile bin ich allerdings wieder fest
> angestellt und kann mein ehemaliges Büro als Home-Office nutzen.

Wart's nur ab. Diese Phase mit zwischendurch mal angestellt sein habe
ich hinter mir. Irgendwann gehst du dann an einem Bürogebäude vorbei
oder du bist in einem Gewerbegebiet und ein Schild im Fenster schreit
dir entgegen:
"Büro- und Gewerbeflächen ab 4 €/m² zu vermieten. 30 - 10.000 m²"
Der Text wird dir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Irgendetwas wird dir
sagen, dass du eigentlich gar keinen Chef brauchst und die Sache sowieso
alleine viel besser hinbekommst. Du wirst dir Gedanken machen, wie der
Grundriss deines Labors aussehen könnte und welchen Reflow-Ofen du
eigentlich schon immer haben wolltest.
Wer einmal damit angefangen hat und dem es beim ersten Versuch nicht
komplett die Beine weggehauen hat, der wird es wieder tun.:-))
Autor: Loonix (Gast)
Datum:

Chris D. schrieb:
> Das war bei mir nicht immer so. Natürlich fängt jeder mal klein an und
> ich hatte anfangs sehr wenig Geld zur Verfügung.

Genau das meinte ich vorhin mit "idealisiert". Ich freue mich für jeden,
der sich da nicht vom Weg abbringen lässt.

> Man muss sich das Unternehmen auch aufbauen und weiterentwickeln, immer
> wieder neue Ideen einbringen, getroffene Entscheidungen reflektieren
> usw.

Das ist meinem derzeitigen Chef bewusst, die Ideen und das reflektieren
der Entscheidungen sind (m)ein (Teil-)Beitrag zum gemeinsamen Erfolg.

Bürovorsteher schrieb:
> Wer einmal damit angefangen hat und dem es beim ersten Versuch nicht
> komplett die Beine weggehauen hat, der wird es wieder tun.:-))

Da könntest du recht haben, momentan bin ich aber froh dass ich einfach
nur Entwickler sein kann ohne permanente Aquise betreiben zu müssen.

In Zukunft kann sich das wieder ändern - - ohje, ich glaube du hast
wirklich recht... ;)
Autor: Zitatemensch (Gast)
Datum:

>Am Anfang gab es sehr steinige Strecken.

>man geht einige steinige Wege, bevor man aus dem Gröbsten raus ist.


"Auch aus Steinen, die dir in den Weg gelegt werden, kannst du etwas
Schönes bauen."
Erich Kästner
Autor: Chris D. (myfairtux) (Moderator)
Datum:

Bürovorsteher schrieb:
>> So habe ich auch angefangen, mittlerweile bin ich allerdings wieder fest
>> angestellt und kann mein ehemaliges Büro als Home-Office nutzen.
>
> Wart's nur ab. Diese Phase mit zwischendurch mal angestellt sein habe
> ich hinter mir. Irgendwann gehst du dann an einem Bürogebäude vorbei
> oder du bist in einem Gewerbegebiet und ein Schild im Fenster schreit
> dir entgegen:
> "Büro- und Gewerbeflächen ab 4 €/m² zu vermieten. 30 - 10.000 m²"
> Der Text wird dir nicht mehr aus dem Kopf gehen.

Jaaaa, genau :-)

Nur dass hier 2€ pro m² stehen.

Ich freue mich schon auf meine eigene Halle, kann es eigentlihc kaum
noch erwarten :-)

> Du wirst dir Gedanken machen, wie der
> Grundriss deines Labors aussehen könnte und welchen Reflow-Ofen du
> eigentlich schon immer haben wolltest.
> Wer einmal damit angefangen hat und dem es beim ersten Versuch nicht
> komplett die Beine weggehauen hat, der wird es wieder tun.:-))

Ja, das denke ich auch (obwohl mein erster Versuch gerade sehr gut läuft
;-)

Ich finde es auch gar nicht schlimm, wenn jemand eine Pleite erlebt hat
- solange er daraus lernt. In Gesprächen mit solchen Leuten kann man
sehr viel Wertvolles erfahren.

Jeder macht Fehler - wichtig ist, sie nicht zweimal zu machen.

Chris D.
Autor: Winfried J. (Firma: Nisch-Aufzüge) (winne)
Datum:

@ bürovorsteher

Anfänglich meinte ich ja du übertreibst, zumal ich erst mit 50 den
Sprung ins kalte Wasser gemacht habe und auch an einem Hauptkunden
hänge, da ich Aufzüge schlecht in der Werkstattaus aufbauen kann und
deren Montage mein Brot ist komme ich nicht umhin zu wandern allerdings
habe von Anfang an gut kalkuliert und dem Kunden meinen Standortvorteil
klargemacht so das ich nur in 20-50 Km Umkreis montiere das genügt mir
mehr brauche ich nicht abzudecken und ich habe Zeit für Kleinkunden.

Aber in einem Punkt hast du Recht wenn man Blut geleckt hat, dann will
man nie wieder Scheiße fressn, auch wenn man weiß, dass man sie runter
bekommt.
Als Saisonüberbrückung mal kurz eine Anstellung o.k. aber wenn der erste
lukrative Auftrag da ist gehts wieder ans eigene Rechnung schreiben ;-)

Namaste
Autor: Loonix (Gast)
Datum:

Winfried J. schrieb:
> Als Saisonüberbrückung mal kurz eine Anstellung o.k.

Naja, Entwickler und Saisonarbeiter kommt aber selten gut zusammen.
Autor: Juri Parallelowitsch (Gast)
Datum:

Captain Flucher schrieb:
> Das Üble ist, daß ICH natürlich als Fachmann fürs Testen und Ausmerzen
> DER Fehler ausersonnen wurde, ...

So alles gelesen und Zustimmung zu dem was so geschrieben wurde.


Aber etwas bleibt offen.

Meine Aufgaben liegen teilweise ähnlich wie von dir beschrieben.
Wenn die Säge klemmt fragt man um Hilfe.

Man liest sich in die Docu ein, isoliert das Problem und durchdenkt
Lösungsstrategien. Dann entscheidet man nach Meinungsbildung und
verteilt die Arbeitspakete.
(Meist dauert es länger und kostet mehr und/oder reduziert die
Performance)

Das ist eigentlich der Teil meiner Arbeit der am meissten Spass macht.

Schreib doch mal ein Beispiel was du so als Entwicklungsprofi machst -
vielleicht machst du irgendwas grundlegendes falsch?
Autor: J. S. (Firma: Selbstständig) (engineer) Benutzerseite
Datum:

Bei den meisten Projekten dieser Art läuft es so, daß man Feuerwehr
spielen muss. Man muss die Situation eben nur gut für sich nutzen. Und
ja, es kommt darauf an, sich teuer zu verkaufen.

Ja, Produkte verkaufen kann effektiver sein, aber wenn das Produkt
Lösungsintelligenz ist, Methodenkompetenz und nicht einfach Application
Engineering, dann wird es schwer mit den Produkten. Über dies erfordern
die mehr Einsatz an Kaptital.

Ein Büro zu unterhalten ist ja nur aus steuerlichen Gründen notwendig,
um einen Arbeitsplatz zu haben, von dem man aus zu den Kunden startet,
damit es Dienstreisen sind und keine Zweitwohnungen. Das Büro kann ein
einzelnes Zimmer sein, für das man Möbel kaufen, Miete anrechnen und
Strom/Wasser/Gas anteilig absetzen kann. Das sind im Jahr 2500-3000 Euro
mit allen Abschreibungen. Die Hälfte hat man also wieder "drin".

>Re: Selbständigkeit lohnt sich nicht
Bei 55,- die Stunde lohnt es sich in der Tat nur, wenn der Job um die
Ecke ist.

Pauschal kann man rechnen, daß man 1000stel einen Angestelltengehaltes
die Stunde benötigt. In dieser Rechnung ist einkalkuliert, daß höhere
Stundensätze schlechter verhandelbar sind und mehr Suchaufwand entsteht,
damit also weniger Stunden bezahlt werden. Ich kalkuliere ungefähr so:

1400h  €71,-   99400,-
1500h  €68,-  102000,-
1600h  €65,-  104000,-
1700h  €62,-  105400,-
1800h  €59,-  106200,-

D.h. ein Vollprojekt auf 1J muss bei 40h garantierter Auslastung 59 Euro
bringen, das 1400er verdient relativ mehr und absolut weniger, lässt
also noch Luft für etwas zwischendurch. Dann hat man in etwa das, was
man als Angestellter auch hätte. (inklusive 10% Zuschlag für
Selbständigkeit, 10% Reserve für miese Marktlage und vor allem mit allen
Sozialleistungen, die man hätte).

Zu den 59,- kommen dann gfs Reisekosten und Hotelkosten hinzu und auch
ein Aufschlag für die Reisezeiten hinzu. Da ist man schnell bei 69,-!
Wenn man das am Markt nicht durchsetzen kann, ist Angestelltentum das
Bessere.
Autor: J. S. (Firma: Selbstständig) (engineer) Benutzerseite
Datum:

So ein typischer Fall sind 1700 geleistete und bezahlte Stunden im Jahr
bei 62,- + 5,- wegen vorort. Das sind auf den ersten Blick gigantische
114k, bei real 1850h Aufwand fürs Arbeiten, Suchen, Zusatzaufwand für
Steuer, Abrechnung, Rechtliches - ohne Lücke oder Leerlauf zum nächsten
Projekt zu rechnen. So bleibt einem am Ende dieselbe Zeit für Urlaub,
wie ein Angestellter.

Die 5 Tage im Hotel kosten in den 11 Monaten 10.000, das Auto, dessen
Abschreibung, Reparaturen und Treibstoff weitere 5,000 sowie Geräte,
Laptop und Büro nochmal 5000,-. Bleiben weniger gigantische 94.000.
Schwankungen über die Jahre führen dann im Mittel eher zu 90k.

Ein Angestellter erhält bei 70k brutto nochmal über 11k an
Sozialleistungen steuerfrei ausgezahlt, von denen nur 1000,- nutzlos an
die ALV fliessen. Er hat als 80k von denen er nur für 70k Steuern zahlt.
Die 10k Differenz muss der Selbständige komplett selber erwirtschaften,
nur ein geringer Teil kommt über die Vorsorgeaufwendungen indirekt
wieder rein. Man gelangt dann ca zu 15k. Die beiden stehen also:

70k zu virtuell 80k beim Selbständigen. Die 10k bleibende Differenz ist
der Ausgleich fürs Umhervagabundieren und bezahlt ferner die vielen
Stunden Anreisen auf der Autobahn.
Autor: Andreas (Gast)
Datum:

Ich bin zur Abwechslung mal in der ANÜ und rechne wie folgt:

67.500,- Brutto
 2.500,- Gewinnbeteiligung
-------
70.000,- brutto

 6.000,- Wohnungsbeihilfe steuerfrei
-5.000,- Wohnung real
 3.500,- Fahrtkostenerstattung steuerfrei
-3.000,- Autokosten real
 2.000,- Verpflegungsmehraufwand steuerfrei
11.500,- Sozialzulagen steuerfrei
------
15.000,- steuerfrei

Bruttowert der steuerfreien Leistungen *1/(1-maxSteuersatz) = 1,9
29.000,- brutto zu erwirtschaften

100.000 zu erwirtschaften  1750  Jahr = 57,- die Stunde als Minumim.

Wenn ich mir dann vorstelle, ich rechne noch die wöchentliche Anfahrt
rein (10%!!) und habe noch Kosten als Selbständiger - nein Danke!
Autor: MaWin (Gast)
Datum:

> und rechne wie folgt:

WIE rechnest du ?

Sieht aus wie eine Zufallszahlenliste.

Oder dein Weihnachtswunschzettel.

> Ich bin zur Abwechslung mal in der ANÜ

Da hätte ich erwartet, du schreibst, was deine
Firma an den Skalventreiber zahlt, was der
dir zahlt, und zeigst auf, wo das Restgeld bleibt.
Autor: Für (Gast)
Datum:

wen, lohnt sich Selbständigkeit nicht ?
Aber sicher doch , lohnt sich das: Hochmotivierte 12 - 18 h/ Tag und
ohne Urlaub Malocher,
die meist weit über 65 arbeiten (müssen)mit überdurchschnittliche
Steuersatz, keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, Rente (nur wenn extra
bezahlt) , keine Zeit für Castor-
Heiligendamm -, Stuttgart21 - u.a. Demos oder sonstiges
contraproduktives pol. Engagement  etc. etc.etc.
Wünsche mir noch viel, viel mehr von denen !

Eure

Angela Merkel
Autor: Andreas (Gast)
Datum:

>Da hätte ich erwartet, du schreibst, was deine
>Firma an den Skalventreiber zahlt
Ich weiss leider nicht, was die an meinen AG zahlen. Ich habe nur etwas
von 20.000 gehört im Monat, die ich koste. Da sind alle Betriebskosten
mit drin. Zu jedem Ingenieurs-Euro gibt es hier nämlich noch einen
pauschalierten Aufschlag fürs Marketing, Vertrieb und Produktion, die
man den Auftraggebern im Konzern berechnet. Die Internen kosten hier in
der Abteilung insgesamt wohl 120,- die Stunde, habe ich erfahren. Das
wären ja so um die 20.000 im Monat. Das wie gesagt ist der Satz, der für
die Abteilung gerechnet wird, wenn sie einen Auftrag nimmt, bzw erteilt
bekommt.

Der reale Satz pro Mann ist von der Auslastung abhängig und liegt bei
etwa 80,-, weil es angeblich 50% sind, die draufgehauen werden (s.o).
Was ich natürlich nicht weiss, ist, wieviel ich teurer bin, als die
Internen, aber so arg viel kann es nicht sein, weil für mich fast
dieselben Aufschläge gelten. Vielleicht sind es 90,- oder maximal 100,-.
Wenn ich die teuren Lizenzen berechne und davon ausgehe, daß die
Abteilung noch was an mir verdienen will, kann der Verleiher nicht viel
mehr bekommen, als 70,- würde ich mal so sagen. Wieviel es wirklich
sind, rücken die aber nicht raus. Teuerer bin ich auf jeden Fall.
Autor: Andreas (Gast)
Datum:

Ach so: Mit "meiner Abteilung" meine ich die Abteilung beim Endkunden,
in der ich zur Zeit bin. Diese ist so eine Art Mädchen für alles im
Konzern und nimmt Aufträge aller Art an. Da sie oft zu wenige sind,
holen sie sich dann Externe ins Boot.
Autor: Andreas (Gast)
Datum:

>Sieht aus wie eine Zufallszahlenliste.
Nein, ich versuche nur umzurechnen, wieviel mein Gehalt tatsächlicht
wert ist und was ich an Stundensatz bekommen müsste. So ganz sicher bin
ich mir mit den steuerfreien Leistungen nicht. Die müssen ja erst beim
FA gegengerechnet werden, bevor man weitere Kosten absetzen kann. Wäre
man selbstständig könnte man sie gleich vom Bruttoumsatz abziehen,
bleibt sich also Jacke wie Hose. Nur die Rentenversicherung, die hat man
wirklich steuerfrei denke ich, und damit einen Vorteil, da ein
Selbständiger dasselbe Geld erstmal netto erwirtschaften müsste, also
NACH Steuern.

Mein AG hat mir übrigens für 2011 sogar 75k in Aussicht gestellt. :-)
Autor: Chris D. (myfairtux) (Moderator)
Datum:

Andreas schrieb:

> Nur die Rentenversicherung, die hat man
> wirklich steuerfrei denke ich, und damit einen Vorteil, da ein
> Selbständiger dasselbe Geld erstmal netto erwirtschaften müsste, also
> NACH Steuern.

Dafür gibt es z.B. Rürup. Das Geld kannst Du steuerlich geltend machen -
insbesondere ist das interessant, weil die Ansparquote variabel ist. In
fetten Jahren kann man also richtig viel einzahlen, in mageren z.B. die
Zahlungen aussetzen. Zusammen mit einer BU-Versicherung kann das sehr
interessant sein. Das Ganze ist auch mündelsicher, also auch nach einer
Pleite vorhanden.

> Mein AG hat mir übrigens für 2011 sogar 75k in Aussicht gestellt. :-)

Wenn ich die Diskussion verfolge, fällt mir auf, dass hauptsächlich auf
das Einkommen geschielt wird.
Ich sage da ganz klar: wer sich nur selbstständig macht, um mehr zu
verdienen, wird nicht glücklich werden (bzw. scheitern).
Mein Beweggrund war das z.B. nie. Dass das Geld jetzt reichlich fliesst,
ist zwar schön, aber nur ein Nebeneffekt der Freude, Dir mir die
Entwicklung unserer Produkte macht. Dazu kommt das schöne Gefühl, tun
und lassen zu können, was man will.

Und natürlich gibt es in der Selbstständigkeit viele Facetten. Es ist
nicht so, dass man ständig zu Kundenprojekten unterwegs oder gar auf
diese angewiesen ist. Wenn ich wirklich mal zu einem Kunden
fahre/fliege, dann lasse ich mir das sehr gut bezahlen.
Wir agieren hauptsächlich (wortwörtlich) "von zu hause" aus und
vertreiben von hier aus unsere Entwicklungen.

Wer ständig gegenrechnet, wieviel er jetzt nicht verdient, weil er die
Stunden am WE nicht bezahlt bekommt, ist als Unternehmer sicher nicht
geeignet - zumal sich das alles eben erst später auszahlt.

Die ersten Jahre waren auch hier nicht einfach - dafür ging es stetig
bergauf und jetzt, wo ich 40 werde, beginnt es so richtig zu brummen.
Also zu einem Zeitpunkt, wo andere meinen, zum alten Eisen zu gehören
(und das ja leider auch oft "von oben" kommuniziert wird).

Das Wichtigste ist und war für mich immer: es gab bisher keinen einzigen
Tag, wo ich morgens lustlos/genervt oder gar angstvoll in unser
Büro/Labor gekommen bin. Ich freue mich jeden Tag sehr auf meine Arbeit.

All das ist - für mich - mit Geld nicht aufzuwiegen (auch wenn es daran
nicht mehr mangelt ;-)

Chris D.
Autor: Claudio H. (bastelfinger)
Datum:

Doch, es lohnt sich :-)
+ Keiner, der den Chef raushängen lässt
+ Man kann sich die Projekte aussuchen
+ Überstunden werden direkt bezahlt
+ Fortbildung nimmt man selbst in die Hand
+ Keine Feilschereien um Weihnachtsgeld, Gewinnbeteiligung, Gehalt
+ Keine aufgezwungenen Dienstwagen

=> schöneres Leben, so kommt es mir zumindest vor. Aber es sollte sich
nur der selbständig machen, der von der Persönlichkeit auch selbständig
ist.
Autor: Klaus (Gast)
Datum:

Mein alter Herr ist selbständig und ich kenne es etwas anders:

Claudio H. schrieb:
> + Keiner, der den Chef raushängen lässt
Dafür ständig Stress mit den Banken dank Basel I-III. Und die
Angestellten wissen es eh immer besser und haben deutlich mehr
Durchblick als der Chef. Siehe dieses Forum z.B. Die auf Linie zu halten
kostet deutlich mehr Energie, als sich auf Linie bringen zu lassen.

> + Man kann sich die Projekte aussuchen
In guten Zeiten ja, ansonsten nimmt man was man bekommen kann. Auch im
Mittelstand ist eine Reduzierung der Lieferantenzahl an der
Tagesordnung. Also entweder übernimmt man sog. "Kümmererfunktionen" für
andere Warengruppen und Dienstleistungen oder man ist wegen zu geringem
Bestellvolumen raus. Einfach das Produktspektrum erweitern ist leider
sehr schwierig. Oder noch besser: Ein anderer "kümmert" sich um Dein
Produkt und Du bist nur noch Sub-Lieferant.

> + Überstunden werden direkt bezahlt
Ich höre von meinem Alten nur, dass man die eigenen Stunden auf keinen
Fall ausrechnen dürfte, sonst würde man depressiv.

> + Fortbildung nimmt man selbst in die Hand
Klar, wenn man Zeit dafür hat. Wenn allerdings Zeit vorhanden ist, dann
fehlt es meist an Geld. Ist Geld vorhanden, fehlt es meist an Zeit. Da
scheint es irgendeinen Zusammenhang zu geben.

> + Keine Feilschereien um Weihnachtsgeld, Gewinnbeteiligung, Gehalt
Nur wenn man alleine im Keller sitzt und Unternehmer spielt. Ändert sich
sofort, wenn man auch nur eine einzige Aushilfskraft hat.

> + Keine aufgezwungenen Dienstwagen
Das stimmt. Dafür darf man sich mit Cross-Selling von Banken
rumschlagen. Sprich: Wenn man trotz guter Jahreszahlen (auch in 2009)
durch das Kennzahlensystem der Bank fällt und sich der Bankberater so
lange weigert seine Arbeit zu machen bis man sich über die neusten
Versicherungsprodukte o.ä. informieren lässt.

Ich werde noch einige ruhige Jahre als Angestellter verbringen bevor ich
mir das antue - falls ich es mir antuen werden. Mein alter Herr würde es
verstehen, obwohl er recht gut verdient.
Autor: Chris D. (myfairtux) (Moderator)
Datum:

Klaus schrieb:

> Claudio H. schrieb:
>> + Keiner, der den Chef raushängen lässt
> Dafür ständig Stress mit den Banken dank Basel I-III. Und die
> Angestellten wissen es eh immer besser und haben deutlich mehr
> Durchblick als der Chef. Siehe dieses Forum z.B. Die auf Linie zu halten
> kostet deutlich mehr Energie, als sich auf Linie bringen zu lassen.

Der Chef muss ja auch nicht alles wissen - ein guter Chef zeichnet sich
auch dadurch aus, dass er sich auch mal etwas sagen lässt. Ist natürlich
auch eine Charakterfrage.

Zu den Banken: am besten gar keine benötigen :-)

>> + Man kann sich die Projekte aussuchen
> In guten Zeiten ja, ansonsten nimmt man was man bekommen kann. Auch im
> Mittelstand ist eine Reduzierung der Lieferantenzahl an der
> Tagesordnung. Also entweder übernimmt man sog. "Kümmererfunktionen" für
> andere Warengruppen und Dienstleistungen oder man ist wegen zu geringem
> Bestellvolumen raus. Einfach das Produktspektrum erweitern ist leider
> sehr schwierig. Oder noch besser: Ein anderer "kümmert" sich um Dein
> Produkt und Du bist nur noch Sub-Lieferant.

Daher: selbst Produkte entwickeln - wer sich nur auf Projektarbeit
beschränkt, ist natürlich sehr abhängig -> böse Sache!

>> + Überstunden werden direkt bezahlt
> Ich höre von meinem Alten nur, dass man die eigenen Stunden auf keinen
> Fall ausrechnen dürfte, sonst würde man depressiv.

Anfangs sicher nicht - wenn es aber Freude macht, wird das
nebensächlich.
Und wenn die Arbeit in mein neues Produkt fließt, gibt es das Geld
natürlich erst später.
Man muss einfach Geduld mitbringen und nachhaltig wirtschaften.

>> + Fortbildung nimmt man selbst in die Hand
> Klar, wenn man Zeit dafür hat. Wenn allerdings Zeit vorhanden ist, dann

Die Frage stellt sich bei mir z.B. gar nicht. Ich musste mich schon in
so viele neue Sachen einarbeiten - mir fällt es schon gar nicht mehr
auf. Außerdem empfinde ich das als dankbare Aufgabe - ich habe schon
immer gerne gelernt und mich in Neues eingelesen.

> fehlt es meist an Geld. Ist Geld vorhanden, fehlt es meist an Zeit. Da
> scheint es irgendeinen Zusammenhang zu geben.


>> + Keine Feilschereien um Weihnachtsgeld, Gewinnbeteiligung, Gehalt
> Nur wenn man alleine im Keller sitzt und Unternehmer spielt. Ändert sich
> sofort, wenn man auch nur eine einzige Aushilfskraft hat.

Fand ich bisher absolut problemlos - allerdings arbeiten wir auch als
echtes Team.

>> + Keine aufgezwungenen Dienstwagen
> Das stimmt. Dafür darf man sich mit Cross-Selling von Banken
> rumschlagen. Sprich: Wenn man trotz guter Jahreszahlen (auch in 2009)
> durch das Kennzahlensystem der Bank fällt und sich der Bankberater so
> lange weigert seine Arbeit zu machen bis man sich über die neusten
> Versicherungsprodukte o.ä. informieren lässt.

Finger weg von Banken!

Lieber kleiner anfangen und selbst ansparen (so wie hier).
Das gibt maximale Freiheit bei Entscheidungen.
Wenn ich bisher zur Bank gegangen bin, dann nur, um Kontoauszüge oder
Geld zu holen.

> Ich werde noch einige ruhige Jahre als Angestellter verbringen bevor ich
> mir das antue - falls ich es mir antuen werden. Mein alter Herr würde es
> verstehen, obwohl er recht gut verdient.

Wie Du siehst, geht es auch anders - wobei auch meine Erfahrungen
natürlich nicht repräsentativ sind.

Chris D.
Autor: Bürovorsteher (Gast)
Datum:

Genau: Finger weg von Banken!
Kredite sind ganz nett, aber 1. musst du sie zurückzahlen und 2. hat die
Bank dich beim Kredit garantiert knallhart über den Nuckel gezogen.
Die Bank dient bei mir nur zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs.
Autor: Klaus (Gast)
Datum:

Und wie finanziert ihr eure Projekte?

Kunde sagt Zahlungsziel 40 Tage. Man selber sagt seinen Lieferanten
Zahlungsziel 40 Tage. Leider zahlt der Kunde ja erst nach
Fertigstellung, der Lieferant will sein Geld aber nachdem er geliefert
hat. Das ist die erste Finanzierungslücke. Die zweite Finanzierungslücke
tut sich dadurch auf, dass die Gemeinkosten kontinuierlich anfallen, die
Erträge allerdings nur vereinzelt reinkommen. Maschinensteuerung für die
Umrüstung zweier Abfüllanlagen entwickelt und gebaut, danach erstmal
eine Woche lang geschraubt und Strippen im Kundenbetrieb gezogen. Geld
kommt aber erst über einen Monat später - natürlich abzüglich Skonto.

Wer nur einen auf klein-klein macht hat damit natürlich kein Problem.
Alle anderen werden Aufträge entweder privat, durch einen
Lieferantenkredit oder durch die Bank vorfinanzieren müssen. Ich glaube
nicht, dass alle die hier behaupten, sie könnten ihre Aufträge aus dem
Cashflow bezahlen in einer lukrativen Marktnische sitzen.
Autor: Chris D. (myfairtux) (Moderator)
Datum:

Klaus schrieb:
> Und wie finanziert ihr eure Projekte?

Durch eigene Rücklagen.

> Kunde sagt Zahlungsziel 40 Tage.

Interessiert mich wenig. Hier ist Zahlungsziel 30 Tage.
Genausowenig akzeptieren wir allgemeine Einkaufsbedingungen. Besonders
schön sind sechs Seiten Fax in kaum lesbarer Winzschrift. Glauben die
ernsthaft, ich würde das alles durchlesen?
Also anrufen/zurückfaxen, dass man die nicht akzeptiert und siehe da:
plötzlich geht es auch ohne.

Leute, wir sind doch keine Bittsteller unserer Kunden!

> Man selber sagt seinen Lieferanten Zahlungsziel 40 Tage.

Wir produzieren hier zum größten Teil selbst mit entsprechender
Lagerhaltung.

> Leider zahlt der Kunde ja erst nach
> Fertigstellung

Bei größeren Projekten gibt es entsprechende Abschlagszahlungen.
Aufteilung in entsprechende Teilleistungen hilft.

> der Lieferant will sein Geld aber nachdem er geliefert
> hat. Das ist die erste Finanzierungslücke. Die zweite Finanzierungslücke
> tut sich dadurch auf, dass die Gemeinkosten kontinuierlich anfallen, die
> Erträge allerdings nur vereinzelt reinkommen.

Es ist TÖDLICH, sich nur auf solche großen Projekte einzulassen. Das
kann nur in einer Katastrophe münden, wenn dann ein Kunde nicht zahlt
(warum auch immer).
Deswegen: eigene (zuerst durchaus kleine) Produkte entwickeln - deren
Verkauf läuft dann schön als "Grundrauschen" und lässt sich deutlich
besser kalkulieren. Lieber 100 kleine Kunden als ein großer!

> Maschinensteuerung für die
> Umrüstung zweier Abfüllanlagen entwickelt und gebaut, danach erstmal
> eine Woche lang geschraubt und Strippen im Kundenbetrieb gezogen. Geld
> kommt aber erst über einen Monat später - natürlich abzüglich Skonto.

Wenn es dann bereits eng wird, sind Deine Rücklagen allerdings viel zu
gering.

> Wer nur einen auf klein-klein macht hat damit natürlich kein Problem.

Natürlich entstehen Rücklagen nicht von heute auf morgen und auch das
Stemmen größerer Projekte geht nicht sofort. Deswegen: schön klein
anfangen, eigene Produkte entwickeln, davon wieder einen Teil
reinvestieren usw.
Ja, das dauert einige Jahre. Man muss einfach Geduld haben.

> Alle anderen werden Aufträge entweder privat, durch einen.
> Lieferantenkredit oder durch die Bank vorfinanzieren müssen. Ich glaube
> nicht, dass alle die hier behaupten, sie könnten ihre Aufträge aus dem
> Cashflow bezahlen in einer lukrativen Marktnische sitzen.

Wir zumindest tun das - aber: wir diversifizieren auch. Mir war es schon
damals zu riskant, nur von Projekten anderer zu leben. Ich habe direkt
eigene Produkte entwickelt. Mittlerweile stellen diese den Großteil der
Einnahmen dar und bald werden wir gar nichts mehr für andere machen,
weil uns dafür einfach die Zeit fehlt.

Um bzgl. Rücklagen eine Hausnummer zu nennen: es wäre für mich kein
Problem, wenn ich ein Jahr gar keine Einnahmen hätte. Ich müsste weder
meinen Mitarbeiter entlassen noch mich einschränken.
So etwas gibt Sicherheit und erhöht die Bereitschaft, auch mal Riskantes
zu versuchen.

Davon abgesehen gibt mir das etwas sehr Wertvolles, das man nicht
unterschätzen sollte: ruhigen Schlaf!

Chris D.
Autor: Bürovorsteher (Gast)
Datum:

> Und wie finanziert ihr eure Projekte?

Aus dem Cash-Flow.

Dazu muss gesagt werden, dass ich OEM-Produkte für einige Kunden
herstelle und verkaufe. Das bringt etwa 70% des Jahresumsatzes. Der
Material- und Fremdleistungseinsatz liegt hierbei bei ca. 30% des
Umsatzes. Mit steigender Kundenzahl verbessert sich natürlich die
Kontinuität der Zahlungseingänge.
Entwicklungsarbeiten und Einzelstücke rentieren sich in der Regel bei
mir nicht, deshalb wird nur entwickelt, wenn ich die Gewissheit habe,
dass der Kunde anschließend auch die Serie bei mir kauft.
Leiterplattenentflechtung allein z.B. lohnt nicht, da sind die Preise
derzeit an der unteren Kotzgrenze und man legt bei jeder Scheiße neue
Bibliothekselemente an.
Die Entwicklungsleistung wird nicht auf die Stückzahl umgelegt, sondern
als Einzelleistung mit 50% Anzahlung bei Auftragserteilung verkauft.
Zahlungsfrist ist 30 Tage. Im Zweifelsfalle kläre ich mit dem Kunden,
dass meine Geschäftsbedingungen gelten; hat bisher immer geklappt,
jedenfalls bei Mittelstandskunden.
Meine Rücklagen reichen für ca. 6 total auftragsfreie Monate. Daran wird
aber noch gearbeitet.
Autor: Arc Net (arc)
Datum:

Chris D. schrieb:
> Andreas schrieb:
>
>> Nur die Rentenversicherung, die hat man
>> wirklich steuerfrei denke ich, und damit einen Vorteil, da ein
>> Selbständiger dasselbe Geld erstmal netto erwirtschaften müsste, also
>> NACH Steuern.
>
> Dafür gibt es z.B. Rürup. Das Geld kannst Du steuerlich geltend machen -
> insbesondere ist das interessant, weil die Ansparquote variabel ist. In
> fetten Jahren kann man also richtig viel einzahlen, in mageren z.B. die
> Zahlungen aussetzen. Zusammen mit einer BU-Versicherung kann das sehr
> interessant sein. Das Ganze ist auch mündelsicher, also auch nach einer
> Pleite vorhanden.

Vorsicht vor Versicherungsvertretern die so was behaupten.
Das Geld ist zwar noch vorhanden, aber im Falle einer Insolvenz des
Selbständigen/FBlers ganz normal bis aufs Minimum pfändbar.
Zum einen gelten immer noch einige BGH-Urteile u.a.
http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtspr...
bzw. 851c ZPO
Zum anderen hat das BMF dies auch noch Anfang des Jahres bestätigt
http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/privat...
Autor: Chris D. (myfairtux) (Moderator)
Datum:

Arc Net schrieb:

>> Dafür gibt es z.B. Rürup. Das Geld kannst Du steuerlich geltend machen -
>> insbesondere ist das interessant, weil die Ansparquote variabel ist. In
>> fetten Jahren kann man also richtig viel einzahlen, in mageren z.B. die
>> Zahlungen aussetzen. Zusammen mit einer BU-Versicherung kann das sehr
>> interessant sein. Das Ganze ist auch mündelsicher, also auch nach einer
>> Pleite vorhanden.
>
> Vorsicht vor Versicherungsvertretern die so was behaupten.
> Das Geld ist zwar noch vorhanden, aber im Falle einer Insolvenz des
> Selbständigen/FBlers ganz normal bis aufs Minimum pfändbar.
> Zum einen gelten immer noch einige BGH-Urteile u.a.
>
http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtspr...
> bzw. 851c ZPO
> Zum anderen hat das BMF dies auch noch Anfang des Jahres bestätigt
>
http://www.focus.de/finanzen/altersvorsorge/privat...

Stimmt, das war von mir mißverständlich ausgedrückt. An der Rente später
können sie natürlich knabbern.

Aber das gilt selbstverständlich auch für die gesetzliche Rente und
Arbeitnehmer, ist also kein Nachteil zu dieser.

Haben mir aber bisher auch alle Vertreter so mitgeteilt - da kann ich
(ausnahmsweise) nichts Schlechtes berichten ;-)

Für mich ergibt sich ein sehr großer Vorteil daraus, dass man die
Zahlungen sehr flexibel handhaben kann.

Chris D.
Autor: Thomas (Gast)
Datum:

Ich bin auch Selbi, mache aber (noch) nichts mit eigenen Produkten.

Das hier, trifft auf mich aber sicher zu:
>Ich freue mich jeden Tag sehr auf meine Arbeit.

>Keiner, der den Chef raushängen lässt
Nun, der Kunde schon, soweit er Ersatz für mich hat.

>Man kann sich die Projekte aussuchen
zu 90%, ja.

>Überstunden werden direkt bezahlt
ja!

>Fortbildung nimmt man selbst in die Hand
Nein, bezahlt der Kunde komplett. Ich lasse mich komplett schulen, bei
bezahlter Zeit versteht sich. Ist Bestandteil des Projektes.

>Keine Feilschereien um Weihnachtsgeld, Gewinnbeteiligung, Gehalt
Dafür Feilschereien um die Vollständigkeit, Grantie und Gewährleistung.
Ich schalte das wie gesagt aus, in dem ich nur mein Knowhow verkaufe.

>Keine aufgezwungenen Dienstwagen
Was ist an denen schlimm?
Autor: Oliver Wachter (Gast)
Datum:

Zitat aus Xing / Freiberuflerbereich, Gruppe Freelancer:

--------------------------------------------

Faustformel:  Stundensatz = Gehalt / 1000

Für die Ingenieure habe ich berechnet, dass die Formel i.d.R. bei ca 60k
in etwa stimmt. Eingerechnet sind alle Sozialleistungen, Steuernachteile
diesbezüglich, 10% Zuschlag für Projektausfälle, 10% für Leerlauf vor
dem Projekt und die Aquise, sowie die typischen Kosten eines freelancers
für Versicherungen und sonstiges, bei minimaler Labor- und
Büroausstattung.

Insgesamt gelange ich bei einem Projekt von 1700 Arbeitsstunden (ca. ein
Angestelltenjahr mit 40h Woche und 30 Tage Urlaub) zu folgender Tabelle:

Gehalt :    Satz :     Beispielfunktion :

€40.000   €45,-  Ingenieur - Anfänger
€50.000   €52,-  Ingenieur ca. 2 Jahre BE
€60.000   €60,-  Ingenieur ca. 5 Jahre BE
€70.000   €66,-  Ingenieur ca. 7 Jahre BE
€80.000   €71,-  10 Jahre / Projektleiter
€90.000   €75,-  z.B. Projektleiter

Dazu kommen Kosten für die Fahrten zum Kunden und den dortigen
Auffenthalt von €30,- bis € 70,- am Tag und somit €150,- bis €490,- die
Woche. Das sind zwischen €4,- und € 10,- Aufschlag auf den Stundensatz.
Wer kürzere Projekte macht, weit fährt etc. muss anteilig mehr Leerlauf
rechnen und aufschlagen.

Wenn also eine Firman einen Soft- oder Hardwareentwickler sucht, der
wenigstens 5 Jahre BE hat, muss sie ihn i.d.R. mit einem internen
Festangestellten vergleichen, der bei 40h mindestens 60k hat. (Das haben
sogar einige schon mit 35h!)

Der freelancer, der 200k entfernt arbeitet, dort die Woche verbringt, zu
€200,- netto die Woche wohnt und nebst dem Arbeitsweg noch 4h = 10%
zusätzlich hat, wird also mindestens kosten: €60,- + €5,- + Zuschlag für
den Zeitaufwand. €70,- wären für ein solches Projekt ein guter Wert, der
es rechtfertigt, so zu leben und die Unsicherheit der Selbstständigkeit
in Kauf zu nehmen.

Problem:

Bei €65,- sind viele schon am Jammern, obwohl sie insgeheim jemanden,
der eher 10 Jahre Erfahrung besitzt. Jüngstes Beispiel:

Ein großer Messtechnikhersteller am Ostbahnhof im teueren München will
über einen ortsansässigen Dienstleister maximal €60,- ausgeben. Laut der
Tabelle (€60,-  - €8,- Tagesaufwandsersatz  = 52,- )  steht ihnen da ein
Ingenieur mit 2 Jahren Berufserfahrung zu. Andersherum gesehen muss man
sagen, daß der, der bereit ist zu den Konditionen zu arbeiten, täte
besser daran, sich irgendwo bei einem Mittelständler anstellen zu
lassen.


--------------------------------------------
Autor: Winfried J. (Firma: Nisch-Aufzüge) (winne)
Datum:

Claudio H. schrieb:
> Doch, es lohnt sich :-)
> + Keiner, der den Chef raushängen lässt
> + Man kann sich die Projekte aussuchen
> + Überstunden werden direkt bezahlt
> + Fortbildung nimmt man selbst in die Hand
> + Keine Feilschereien um Weihnachtsgeld, Gewinnbeteiligung, Gehalt
> + Keine aufgezwungenen Dienstwagen
>
> => schöneres Leben, so kommt es mir zumindest vor. Aber es sollte sich
> nur der selbständig machen, der von der Persönlichkeit auch selbständig
> ist.

100 % Acknowledge
Autor: Winfried J. (Firma: Nisch-Aufzüge) (winne)
Datum:

@ Klaus

Kleppern gehört zum Handwerk wies Jämmere zu Gschäft.

> Beitrag "Re: Selbständigkeit lohnt sich nicht"

Dazu kann ich nur sagen man sollte nur die Brötle backe die ma och
futtere koa,

Woa maa feicht n Hals nie voll kriega tut denn hat ma gut zu schlucke.
wer  selboa de Chef rushänge muas, de muss och die lüt atroge kenne.

Nur Zuckrle jibet der net. Wer nua schaffe lasse moag, musset oh zoahle
kenne.

Namaste
Autor: Auch selbständig (Gast)
Datum:

Hallo zusammen

Also ich habe mich seit zwei Jahren auch in die Selbständigkeit gewagt.

Wenn ich die Antwort von dir Chris D. lese, dann könnte ich es gerade
selber geschrieben haben:)

Gut, ich bin noch ein Ein-Mann-Unternehmen und es ist in bestimmten
Belangen etwas einfacher.

Ich mache es u.a. so:

- Keine Abhängigkeit von einer Bank
Nur jene Anschaffungen tätigen, die man auch selbst bezahlen kann


- Wenn ich eine Arbeit für einen Kunden erledige, dann versuche ich die
ganze Sache möglichst fachlich professionell abzuwickeln und beim Kunden
auch diesen Eindruck zu hinterlassen. ..und das bereits in der
Angebotsphase, dann kann man auch mit lebenswürdigen Stundensätzen
kalkulieren. Sollte man mal zu teuer sein, dann hat man entweder den
Kundenwunsch falsch verstanden und muss nochmal nacharbeiten oder dem
Kunde ist diese Arbeit nicht so viel Wert. In zweiten Fall das Projekt
nicht durchführen.

- Ich versuche nach und nach eigene Produkte zu entwickeln. Seien es
Dienstleistungen oder physische Sachen, das ist egal (Beratungen leben
ja auch gut). Das wesentlich ist, dass man etwas auf Lager arbeitet -
und seien es nur Konzepte, Formulare etc., die man beim nächsten Auftrag
wieder nutzen kann.

- Wenn ich mal 1 Jahr keine Arbeit hätte, dann würde ich auch nicht
zittern(Habe das halt zuvor angespart) Diese Unabhängigkeit überträgt
sich positiv auf die Psyche und damit auf die mentale Stärke:)

- Fahrten zum Kunden, Schulungen lasse ich mir grossteils auch bezahlen.
Vielleicht dann mal zu einem besseren Stundensatz. Aber nicht in der
Grössenordnung wie hier oft diskutiert wird.


- Und nochmal, keine Abhängigkeit von einer Bank

Beste Grüsse

Frank
Autor: Halb Oschi (Firma: zurueck aus der Anonymitaet) (hacky)
Datum:

Man sollte Selbstaendigkeit nicht zu verbissen sehen. Man kann sich
sofort wieder anstellen lassen wenn die Bedingungen es erfordern oder
erlauben. Auf keinen Fall was mit Banken unternehmen. die haben keine
Ahnung vom Business. Da muss man nie was erzaehlen von Halbleiter
Lieferfristen, oder Verzoegerungen in der Entwicklung.
Ja, es gibt Ruestungsunternehmen, die wollen einem irgendwelche
Kaufbedingungen aufdruecken. Wollen ein Skonto durchdruecken. Darauf
erwidert man dann, dass es wenig Sinn mach als Kleiner, die
Ruestungsindustrie zu subventionieren.
Ich hat auch schon aml einen prospektiven Kunden, der wollte eine
Bonitaetsuntersuchung vor der Bestellung. Ich erwiderte dann, dass die
Rechnung 30 Tage nach Lieferung zu bezahlen sei, und wenn das Prdukt
nicht gut sei, duerf er es in dieser Zeitspanne auch zuruecksenden. Und
dass ich mir ueberlegen muesse ihn auf Vorauszahlung zu setzten. dh erst
das Geld, dann die Ware. Dann war ploetzlich alles in Ordnung.
Autor: Leo ... (-headtrick-)
Datum:

Und wenn man als Selbständiger eine Zeitlang keine Einnahmen hat
kann man auch Hartz 4 beantragen. Verhungern muss also keiner.
Problem ist dann, wenn die letzten Aufträge viel Gewinn gebracht
haben, so das man Rücklagen bilden konnte. Dann muss man die
erst aufbrauchen. Aber das ist ja nur eine Zahlengeschichte
die Clevere auch so drehen können das sie arm sind. Ist aber
nicht jedermanns Sache.
Autor: Argo (Gast)
Datum:

> Dann muss man die erst aufbrauchen.
Das ist genau das Problem! Damit wird die eigene Rente verzehrt. Wenn es
erstmal soweit ist, hat man eh verschissen.

Im Gegenteil: Man muss enorm viel verdienen, um dann im Alter noch etwas
zu haben. Viele "Freelancer" die heute dumping betreiben, steuern in die
Altersarmut.

> Woa maa feicht n Hals nie voll kriega tut
Leicht gesagt. Es ging dem OP um den Vergleich Selbständigkeit und
Angestelltenfunktion.

Und wenn man Ingenieuren nur 50,- die Stunde zahlen will, dann zahlt man
ein Anfängergehalt. Das ist so.
Autor: lach (Gast)
Datum:

> + Man kann sich die Projekte aussuchen

Guter Witz. Dazu muss es erstmal eine Auswahl geben, aus der man
auswählen kann
Autor: Chris D. (myfairtux) (Moderator)
Datum:

Argo schrieb:
>> Dann muss man die erst aufbrauchen.
> Das ist genau das Problem! Damit wird die eigene Rente verzehrt. Wenn es
> erstmal soweit ist, hat man eh verschissen.

Dafür gibt es entsprechend staatlich geförderte Vorsorgemaßnahmen
(Riester, Rürup). Die sind mündelsicher (können einem also nicht wieder
weggenommen werden), so wie die gesetzliche Rente auch.

> Im Gegenteil: Man muss enorm viel verdienen, um dann im Alter noch etwas
> zu haben. Viele "Freelancer" die heute dumping betreiben, steuern in die
> Altersarmut.

Nicht, wenn sie sich informieren.
Tun leider die wenigsten.

Chris D.
Autor: maik (Gast)
Datum:

chris mit der Rente wäre ich mir nicht sicher, in Ungarn werden alle
privaten Renten in die gesetzliche zwangseingegliedert !

http://www.faz.net/s/Rub09A305833E12405A808EF01024...
Autor: lucky (Gast)
Datum:

in Ungarn, Ungarn ist nicht Deutschland. Das was Chris geschrieben hat
stimmt schon. Die Riester, Rürup sind sicher. Fragt sich nur wie
lohnenswert diese Renten sind wenn man recht viel verdient. Meine da mal
was gehört zu haben, dass diese Art Rente sich ab einem bestimmtem
Einkommen nicht mehr Rentiert.
Autor: wolfram (Gast)
Datum:

Hallo zusammen,

DrTech schrieb:
> Können
> mich alle kreuzweise. Frage mich, wie es so hirnverwichste Idioten es
> bis zum Abteilungsleiter bzw Team oder Gruppenleiter bringen können.
> Noch nie ne Uni von innen gesehen.
>
> Mann, man ich muss mir das nicht antun. Habe ne Promotion mit Erfolg
> abgeschlossen. Ich bin Dr.!

An Dr.Tech
Bei dem sprachlichen Niveau kann ich mir nicht vorstellen, dass dies ein
Dr. geschrieben hat. Normalerweise geben die nicht mit Ihrem Titel
an...und treten dann auch noch so arrogant auf...

Musst ich loswerden!

Wolfram
Autor: Paul (Gast)
Datum:

>> Das ist genau das Problem! Damit wird die eigene Rente verzehrt. Wenn es
>> erstmal soweit ist, hat man eh verschissen.

>Dafür gibt es entsprechend staatlich geförderte Vorsorgemaßnahmen
>(Riester, Rürup). Die sind mündelsicher (können einem also nicht wieder
>weggenommen werden), so wie die gesetzliche Rente auch.

Dazu mußt Du den Rentenfall erst mal erleben. Heute Rente mit 67, morgen
mit 72 und übermorgen mit 79. Ach ja, die durchschnittliche
Lebenserwartung eines Mannes liegt bei 76!

Falls man doch das Alter erreicht, ist die gesetzliche Rente so niedrig,
daß man Anrecht auf einen Aufstockungsbetrag auf H4 hat. Dieser wird
dann großzügig mit Riester oder Rürup verrechnet. Viele Riestersparer
werden dann entsetzt aufwachen, wie sie um ihr Geld betrogen wurden.
Also schaut Euch Riester- und v. a. Rüruprente mal genau an und laßt die
Finger davon.
Autor: Chris D. (myfairtux) (Moderator)
Datum:

Paul schrieb:
>>> Das ist genau das Problem! Damit wird die eigene Rente verzehrt. Wenn es
>>> erstmal soweit ist, hat man eh verschissen.
>
>>Dafür gibt es entsprechend staatlich geförderte Vorsorgemaßnahmen
>>(Riester, Rürup). Die sind mündelsicher (können einem also nicht wieder
>>weggenommen werden), so wie die gesetzliche Rente auch.
>
> Dazu mußt Du den Rentenfall erst mal erleben. Heute Rente mit 67, morgen
> mit 72 und übermorgen mit 79. Ach ja, die durchschnittliche
> Lebenserwartung eines Mannes liegt bei 76!

Na bitte - dann erreichst Du sie doch mit hoher Wahrscheinlichkeit.

Und trotz der unglaublich schweren Arbeit, die wir alle verrichten
müssen (denn natürlich war es nie so schwer wie heute), steigt die
Lebenserwartung weiter munter an.

Ich begreife nicht, wo bei den Leuten das Problem liegt. Die Leute
werden immer älter, die Einzahler werden weniger. Glaubt ernsthaft
jemand, der der Mathematik mächtig ist, dass das ohne Einschnitte oder
Anpassung des Eintrittsalters abläuft?

Bei den Rürup/Riester-Modellen ist das übrigens bereits bei Beginnt der
Laufzeit fix und ab 60.(!) Lebensjahr möglich- es kann einem also egal
sein, wo die gesetzliche Rente den Strich zieht.

> Falls man doch das Alter erreicht, ist die gesetzliche Rente so niedrig,
> daß man Anrecht auf einen Aufstockungsbetrag auf H4 hat. Dieser wird
> dann großzügig mit Riester oder Rürup verrechnet. Viele Riestersparer
> werden dann entsetzt aufwachen, wie sie um ihr Geld betrogen wurden.
> Also schaut Euch Riester- und v. a. Rüruprente mal genau an und laßt die
> Finger davon.

Sorry, aber das ist Blödsinn. Wer so wenig einzahlt, dass er nicht
einmal auf den H4-Satz kommt, ist selbst Schuld.

Es wird auch niemand um sein Geld "betrogen": Du weisst von Anfang an,
was Du als Auszahlung mindestens erwarten kannst und ab wann Du es
bekommst.

Und: natürlich ist Riester/Rürup nur eine Säule, auf der man die
Vorsorge aufbauen sollte.

Chris D.
Autor: MaWin (Gast)
Datum:

> Sorry, aber das ist Blödsinn. Wer so wenig einzahlt, dass er
> nicht einmal auf den H4-Satz kommt, ist selbst Schuld.

Natürlich, kann dir ja nicht passieren, glaubst du.

Aber: Wie hoch ist H4 wenn du 80 bist ?
Die Vermutungen schwanken zwischen 0 und 20000 EUR.

Und: Die neue Generation der Niedrigverdiener seit Genossem der
Bosse Schröder, weil entweder unter dem Existenzminimum bezahlt
und H4 Aufstockung, oder per Skalventreiber zu einem richtigen
Job zum halben Lohn getrieben, werden Rentenansprüche über H4
nicht erreichen, selbst wenn sie ihr Leben lang arbeiten.
Und das ist selbst bei Akademikern inzwischen unwahrscheinlich,
wie berechnet kann der durchschnittliche Ingenieuer sich nach
der Uni (40000 Absolventen pro Jahr) auf 17 Jahre Arbeitsleben
(650000 als Ing beschäftigte) freuen. Da kommt auch nicht mal
H4 Rente bei raus.

Was mich immer verblüfft: Wie das Volk mit dem Geld um sich
schmeisst. Die Geschäfte sind rammelvoll, es wird alles gekauft
was nicht festgenagelt ist. Zum SUV gegört das iPhone, zum
Plasmefernseher der Steinweg-Flügel, jeden Tag neue Klamotten
und beim Einkaufen noch 3 Hamburger. Wer so lebt und jeden Monat
alles ausgibt was er bekommt, muß sich nicht wundern, wenn am
Ende vom Leben nur Armut da ist. Schon staatlich werden 20% in
die Rentenkasse gezahlt, private Vorsorge muß 33% zurückbehalten,
aber das tut kein einziger. Lieber noch einen Zweitwagen...
Autor: Loonix (Gast)
Datum:

MaWin schrieb:
> Aber: Wie hoch ist H4 wenn du 80 bist ?
> Die Vermutungen schwanken zwischen 0 und 20000 EUR.

YMMD
Autor: Chris D. (myfairtux) (Moderator)
Datum:

MaWin schrieb:

> Aber: Wie hoch ist H4 wenn du 80 bist ?
> Die Vermutungen schwanken zwischen 0 und 20000 EUR.

Sicherlich. Bloß kommt man mit Vermutungen im Leben nicht weiter.

> Und: Die neue Generation der Niedrigverdiener seit Genossem der
> Bosse Schröder, weil entweder unter dem Existenzminimum bezahlt
> und H4 Aufstockung, oder per Skalventreiber zu einem richtigen
> Job zum halben Lohn getrieben, werden Rentenansprüche über H4
> nicht erreichen, selbst wenn sie ihr Leben lang arbeiten.
> Und das ist selbst bei Akademikern inzwischen unwahrscheinlich,
> wie berechnet kann der durchschnittliche Ingenieuer sich nach
> der Uni (40000 Absolventen pro Jahr) auf 17 Jahre Arbeitsleben
> (650000 als Ing beschäftigte) freuen. Da kommt auch nicht mal
> H4 Rente bei raus.

Deswegen plädiere ich ja auch für Selbstständigkeit.
Zumal schon die wenigen jungen Ingenieure dafür sorgen werden, dass
ältere auch noch deutlich über 40 beschäftigt werden.

> Was mich immer verblüfft: Wie das Volk mit dem Geld um sich
> schmeisst. Die Geschäfte sind rammelvoll, es wird alles gekauft
> was nicht festgenagelt ist. Zum SUV gegört das iPhone, zum
> Plasmefernseher der Steinweg-Flügel, jeden Tag neue Klamotten
> und beim Einkaufen noch 3 Hamburger. Wer so lebt und jeden Monat
> alles ausgibt was er bekommt, muß sich nicht wundern, wenn am
> Ende vom Leben nur Armut da ist.

Mit Verallgemeinerungen hilfst Du niemandem.

> Schon staatlich werden 20% in
> die Rentenkasse gezahlt, private Vorsorge muß 33% zurückbehalten,

Nö - wieviel man prozentual zurücklegt hängt vor allem vom Einkommen ab.

> aber das tut kein einziger. Lieber noch einen Zweitwagen...

Dann kennst Du ganz eindeutig die falschen Leute. Die, die ich kenne,
haben alle sehr vernünftige finanzielle Verhältnisse aufgebaut und
lehnen auch diesen Konsumrausch ab.

Im übrigen werde ich mir einen Flügel kaufen (allerdings sicher keinen
Steinway - der Klang überzeugt mich nicht) - ich habe dafür lange
gearbeitet und kann ihn mir mittlerweile leisten, ohne auch nur mit der
Wimper zu zucken.
Zumal das eine Anschaffung für's Leben ist und man auch schon sehr gute
Flügel für wenig Geld (ab 20.000 Euro) bekommt.

Aber wer sich dafür ein schickes Auto kaufen möchte und das Geld hat -
warum nicht? Viele haben eben Spaß daran - mir war das Auto nie wichtig,
eher ein Mittel, um trocken und halbwegs flott von A nach B zu gelangen,
möglichst mit Option, viel transportieren zu können.

Und wer sich ein iPad kaufen möchte, soll es tun. Solange er vernünftig
wirtschaftet (wie viele) ist das doch ok.

Wir in DE haben die letzte Wirtschaftskrise unter anderem deswegen so
gut überstanden, weil die Leute hier deutlich mehr sparen und eben nicht
über ihre verhältnisse leben als anderswo.

Ausnahmen gibt es natürlich immer.

Chris D.
Autor: Paul (Gast)
Datum:

>Ich begreife nicht, wo bei den Leuten das Problem liegt. Die Leute>
>werden immer älter, die Einzahler werden weniger. Glaubt ernsthaft
>jemand, der der Mathematik mächtig ist, dass das ohne Einschnitte oder
>Anpassung des Eintrittsalters abläuft?

Das Problem liegt darin, daß nicht nur der Rentenbeginn für die zu
erzielende Rente ausschlaggebend ist, sondern auch die Rentenbezugsdauer
bis zum Tod!
Man zahlt ein Leben lang ein, hat aber statistisch gesehen nur ein 1-4
Jahr(e), um die Rente auszuschöpfen. Gerecht geht anders.

Hinzu kommt, daß es die Arbeit für alte Menschen gar nicht gibt. Nur
noch 15% aller über 60jährigen haben heute einen
sozialversicherungspflichtigen Job. Für alle anderen ist die Anhebung
des Renteneintrittsalters eine Rentenkürzung.

Das Problem an der gesetzlichen Rente sind nicht (nur) die schwindende
Bevölkerungszahl, sondern viel mehr hohe Arbeitslosigkeit und geringe
Löhne und damit gar keine oder geringe Rentenbeiträge. Dem Volk wird
dann vorgegaugelt, man bräuchte eine private Zusatzverscherung. Das Volk
braucht Arbeit und gerechte Löhne, Einzahlen für alle, dann klappt's
auch mit der Rente

>Sorry, aber das ist Blödsinn.

Das ist schon jetzt Realität.

>Wer so wenig einzahlt, dass er nicht
>einmal auf den H4-Satz kommt, ist selbst Schuld.

Wer so wenig einzahlen kann!

>Es wird auch niemand um sein Geld "betrogen": Du weisst von Anfang an,
>was Du als Auszahlung mindestens erwarten kannst und ab wann Du es
>bekommst.

Es werden Rentenpunkte vergeben und keine Beträge. Wie diese
Rentenpunkte tatsächlich bewertet werden, wirst auch Du erst bei
Renteneintritt merken. Die Rente wird nämlich angepaßt. Was nützen 10000
Rentenpunkte zum Wert von 0€? Ist so wie Forumcheck in Intershop.

>Wer so lebt und jeden Monat
>alles ausgibt was er bekommt, muß sich nicht wundern, wenn am
>Ende vom Leben nur Armut da ist. Schon staatlich werden 20% in
>die Rentenkasse gezahlt, private Vorsorge muß 33% zurückbehalten,
>aber das tut kein einziger. Lieber noch einen Zweitwagen...

Erstens ist das nicht die Regel. Viele sind froh, die lebensnotwendigen
Besorgungen machen zu können (v. a. Alleinerziehende).

Zweitens: Welche Chance hat man noch, sein Geld zu sichern für den
H4-Fall? Wird ja alles verrechnet! Und Riester/Rürup ist ein ziemlich
billiger Trick, das Geld der Bürger gewinnbringend anzulegen und von der
wahren Rentenmisere (Arveitislosigkeit, Niedriglohn) abzulenken. Die
schleichende Abkehr vom Solidarsystem, wie es jetzt auch bei der
Krankenversicherung versucht wird. Sorry, meine Anlegeform zu meinen
Konditionen suche ich mir immer noch selber aus, da brauche ich den vom
Staat verordneten Kredit nicht.
Autor: Paul (Gast)
Datum:

>Wir in DE haben die letzte Wirtschaftskrise unter anderem deswegen so
>gut überstanden, weil die Leute hier deutlich mehr sparen und eben nicht
>über ihre verhältnisse leben als anderswo.

Die Wahrheit:

Im Osten konnte nicht viel den Bach runtergehen: Es war schon alles
abgebrannt.
Im Westen wurden Firmen mit riesigen Beträgen (staatl. Aufträge an
Bauunternehmen, Handwerker) und Kurzarbeitergeld unterstützt. Der
Arbeitnehmer hat über seine Steuern sich selber im
Kurzarbeiterverhältnis bezahlt!

Dabei finde ich die staatl. Auftragsvergabe an KMU in der Rezension als
richtig.
Autor: Chris D. (myfairtux) (Moderator)
Datum:

Paul schrieb:

> Hinzu kommt, daß es die Arbeit für alte Menschen gar nicht gibt. Nur
> noch 15% aller über 60jährigen haben heute einen
> sozialversicherungspflichtigen Job. Für alle anderen ist die Anhebung
> des Renteneintrittsalters eine Rentenkürzung.

> Das Problem an der gesetzlichen Rente sind nicht (nur) die schwindende
> Bevölkerungszahl, sondern viel mehr hohe Arbeitslosigkeit und geringe
> Löhne und damit gar keine oder geringe Rentenbeiträge. Dem Volk wird
> dann vorgegaugelt, man bräuchte eine private Zusatzverscherung. Das Volk
> braucht Arbeit und gerechte Löhne, Einzahlen für alle, dann klappt's
> auch mit der Rente

Das wird nicht funktionieren, weil es eben immer weniger Einzahler gibt.

Du zahlst eben nicht für Dich, sondern für die, die jetzt in Rente
gehen.

Bei den verschieden starken Jahrgängen kann das nicht auf Dauer
gutgehen.

Leider hat die Politik es in 60 Jahren nicht geschafft, den
generationenvertrag (der ja in den Nachkriegsjahren durchaus sinnvoll
war) langsam so zu verschieben, dass jede Generation jetzt nur noch für
sich selbst einzahlt.

Dass es Ausgleich geben muss und höhere Einkommen mehr einzahlen müssen
- da stimme ich voll zu. Auch eine Zwangseinzahlung für Selbstständige
fände ich richtig (ebenso wie Pflichtmitgliedschaft bei der GKV - ohne
Deckelung nach unten und oben).

> Es werden Rentenpunkte vergeben und keine Beträge.

Nicht bei Rürup.

> Zweitens: Welche Chance hat man noch, sein Geld zu sichern für den
> H4-Fall? Wird ja alles verrechnet! Und Riester/Rürup ist ein ziemlich
> billiger Trick, das Geld der Bürger gewinnbringend anzulegen und von der
> wahren Rentenmisere (Arveitislosigkeit, Niedriglohn) abzulenken.

Für mich als Selbstständiger ist Rürup eine interessante Option, die ich
auch gerne nutze.

> Die schleichende Abkehr vom Solidarsystem, wie es jetzt auch bei der
> Krankenversicherung versucht wird. Sorry, meine Anlegeform zu meinen
> Konditionen suche ich mir immer noch selber aus, da brauche ich den vom
> Staat verordneten Kredit nicht.

Musst Du ja auch nicht nutzen - ich habe auch geschaut und Rürup
zusammen mit entsprechenden Versicherungen für zweckdienlich befunden.
Daneben laufen natürlich andere Sachen.

Chris D.
Autor: MaWin (Gast)
Datum:

> Dabei finde ich die staatl. Auftragsvergabe an KMU in der
> Rezension als richtig.

Andere finden es eher in der Rezession richtig,
aber nur wenn in den guten Zeiten vorher auch das angespart wurde,
was dann ausgegeben wird,
und das ist ja bei unserem Politikergesocks erkennbar nicht der Fall.

Die versuchen ja jahrzehntelang die Wirtschaft (ihre Amigos)
aufzublasen,
und wundern sich dann über platzende Blasen,
oder wenn ihnen wie Irland die Luft ausgeht,
weil der Ballon schon lange ein Loch hat.
Autor: Chris D. (myfairtux) (Moderator)
Datum:

Paul schrieb:
>>Wir in DE haben die letzte Wirtschaftskrise unter anderem deswegen so
>>gut überstanden, weil die Leute hier deutlich mehr sparen und eben nicht
>>über ihre verhältnisse leben als anderswo.
>
> Die Wahrheit:

Deine Wahrheit

> Im Osten konnte nicht viel den Bach runtergehen: Es war schon alles
> abgebrannt.
> Im Westen wurden Firmen mit riesigen Beträgen (staatl. Aufträge an
> Bauunternehmen, Handwerker) und Kurzarbeitergeld unterstützt. Der
> Arbeitnehmer hat über seine Steuern sich selber im
> Kurzarbeiterverhältnis bezahlt!

Davon abgesehen, dass nur ein Bruchteil der Unternehmen das
Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen haben, gab es da auch nicht die
"riesigen Beträge". Die Betriebe haben einfach gut gewirtschaftet.

Aber es ging hier um die Privathaushalte - und da gab es z.B. eben keine
großen Versteigerungswellen bei Häusern.

Man sollte andere nicht immer für dümmer als man selbst sehen. Viele
Leute können durchaus rechnen.

Die, die es nicht können, haben allerdings ein Problem - und das ist
ganz unabhängig vom Einkommen.

Chris D.
Autor: Paul (Gast)
Datum:

@Chris D. Gehe doch nicht immer von Dir aus. Es gibt soviele Leute, die
einfa ch kein Geld haben. Die können rechnen wie sie wollen, es reicht
einfach nicht.

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