Man kann, ob Du kannst, weiß man nicht.
Nimm gleich noch ein einzelnes Ceranfeld mit - dann hast Du
Ober-/Unterhitze.
Man kann auch mit einem Nagel, einer Zange und einer Kerze defekte
Lötstellen in einem Computer reparieren.
Nein. So ein Ding ist zu heiß und bewegt viel zu viel Luft.
Zwar mag man da irgendwie eine Temperatur "einstellen" können, aber das
ist keine Regelung, sondern nur eine grobe Vorgabe.
Die Chance, daß Du damit die Platine delaminierst (wird Blasen) ist viel
zu groß, und die Chance, daß Du beliebige andere Bauteile einfach
wegpustest, auch.
Mach's nicht.
Erzänzend um die Baugruppe von unten vorzuwärmen, wie bei einer
Rework-Station.
Um den TQFP abzulöten ist das Teil zu klotzig, auch mit den
mitgelieferten Düsen wird das nichts. Da fliegen andere SMD-
Bauteile in der Nähe gleich mit weg. Da braucht man etwas
subtileres feineres und natürlich Fingerspitzengefühl und
Erfahrung.
Du brauchst eine Heißluftpistole mit Aufsatzdüsen (4 bis 6 mm). Die
Temperatur muss einstellbar sein (3 Stufen sind zu wenig). Was du
natürlich noch haben musst ist Übung (ein paar alte Platinen). Ein paar
Filmchen vorab auf youtube anschauen, ist auch keine schlechte Idee.
Och ihr macht das alle viel zu kompliziert. Der TO will doch nur einen
TQFP32 zerstörungsfrei runterbekommen. Natürlich geht das mit einem
Heißluftgebläse wie dem genannten problemlos: Platine mit dem zu
rettenden Bauteil nach unten zeigend in horizontaler Lage einspannen
(Tischkante +Schraubzwinge bieten sich hier an sofern die Baugruppe
hinreichend groß ist, sonst seitlich aus dem Schraubstock rausstehen
lassen), von oben per Heißluft ordentlich erhitzen, gelegentlich
vorsichtig auf die Platine klopfen sodass die Bauteile von der
Unterseite runterfallen. Das ganze vorzugsweise im Freien und mit
adäquater Unterlagen und Fallhöhe.
Ein TQFP32 ist sowohl groß genug, um beim Klopfen problemlos
runterzufallen, als auch leicht genug, um keine
noch-nicht-ganz-aufgeschmolzenen Lötstellen und die zugehörigen Pins zu
beschädigen, sowie die nachfolgende Landung zu überstehen.
Dass das Board dabei die Grätsche macht ist offenkundig, aber darum
gehts dem TO ebenso offenkundig nicht.
Das kriegt man damit schon hin, auch wenn es nicht optimal ist. Es
braucht halt, wie so oft, etwas Übung. Das Ding hat auch ein halbwegs
"kleine" Reduzierdüse, die Temperatur kann man auch einstellen. Mann
muss die Platine auch nicht kopfüber einspannen, das geht auch in
Normallage. Man sollte sie aber hohl auf zwei Streifen aus Metall oder
so auflegen, damit beim Erwärmen die Unterlage nicht als Kühlung wirkt.
Dann langsam erwärmen und mit einer Pinzette versuchen, den IC zu
bewegen. Irgendwann geht das, dauert vielleicht 2-3 Minuten. Die Platine
überlebt das auch.
Nimm beim Aldi nebenan noch eine Rolle Alufolie mit.
Dann hast die PCB eine Überlebenschance.
*
Ich habe dem Eingangspost entnommen, dass es dringend ist.
Bitte glaubt jetzt nicht, dass ich immer so löte.
Aber manchmal steht man halt in der Pampa unter Druck, hat den heißen
Atem des verzweifelten Kunden im Nacken und muss kreativ werden.
Ansonsten - es gibt billige Heißluftstationen bei Reichelt etc. - die
sind der Baumarktpistole gegenüber vorzuziehen.
Der Hinweis auf die Alufolie und das Ceranfeld bleibt aber aktuell.
Marcus H. schrieb:> Der Hinweis auf die Alufolie
die behindert aber massiv den Einsatz von Lötklinge und Lötkolben
Marcus H. schrieb:> Ich habe dem Eingangspost entnommen, dass es dringend ist.
ich nicht
Er muss halt abwägen zwischen größtem Risiko oder zeitaufwändige
Durchführung
Der Einsatz eines Baumarkt-Heißluftföns kann durchaus sinnvoll sein,
vorausgesetzt, man verwendet den richtigen:
http://www.wolfgangrobel.de/arcadetech/loet.htm
Es muss temperaturgeregelt und von der Luftmenge her regelbar sein. Dann
geht das ohne rumfliegende Teile und ohne delaminieren der Platine.
Einfach mal meinen Artikel lesen und seine Entscheidung selber treffen.
Cyborg schrieb:> Womit wieder mal ein Thread durch unterschiedliche Meinungen> völlig Aussagefrei und Sinnlos geworden ist.
Ooch, man sieht doch einfach nur, dass nicht jeder alles kann.
Aber wenn man's drauf hat, kommt man mit einfachen Mitteln gelegentlich
auch zu einer Lösung.
Das mit dem Entlöten ist so ein schönes Beispiel, weil im dazugehörigen
Wiki die Alufolie so schlecht gemacht wird. Ich buche das unter "Meinung
des Wiki-Erstellers".
Hier sind noch zwei Beispiele:
-> mit Unterhitze und Heißluft gelötet:
http://harerod.de/applications_ger.html#HFA1
-> im Pizzaofen, a.k.a. Beta-Reflow-Kit, gelötet:
http://harerod.de/applications_ger.html#allTimer
Und ja, ich habe das Reflow-Kit gerade zum Verkauf angeboten, weil diese
Technik nicht meinen Ansprüchen genügt:
Beitrag "[V] Beta Reflow Kit"
Schönes Wochenende noch und Danke an den TO für die Rückmeldung.
@Marcus H. (Firma: www.harerod.de) (lungfish) Benutzerseite
>Nimm beim Aldi nebenan noch eine Rolle Alufolie mit.>Dann hast die PCB eine Überlebenschance.
Die braucht man nur bei SEHR empfindlichen Bauteilen.
Zur Erinnerung. Beim Reflowlöten wird die GESAMTE Platine incl. Bauteile
und Lot auf ca. 250 °C erhitzt und bleibt dort mindestens 30s. Wenn die
Heißluft halbwegs per Düse fokusiert wird, sieht der Rest drum herum
mindestens 50°C weniger.
Heisse Luft schrieb:> wie der Titel schon sagt ;-)> Ich hab in 15km entfernung einen Hornbach,
Laß das mit der Heißluft lieber bleiben. Bei den heutigen bleifreien
Loten müßtest du so heftig erhitzen, daß du dir damit die LP versaust.
Fahr zum Hornbach und kauf dir dort ein Stück frisches
Installationskabel. Davon nimmst du ein Stück Kupferdraht (sollte
wirklich frisch und blank sein) und biegst dir daraus ein Quadrat, was
genau um deinen Chip paßt. Das verzinnst du vollständig, schmierst rings
um deinen Chip reichlich Kolophonium, tust dieses Quadrat mit
reichlich Zinn drauf und erwärmst damit alle Pins, bis du den Chip
vorsichtigst abheben kannst.
Das ist durch das Kolo natürlich ein Geschmadder, aber das kriegst du
mit Spiritus, Zahnbürste und Papiertaschentuch auch wieder weg.
W.S.
Heisse Luft schrieb:> die anderen bauteile sind mir egal,
Wir scheinen sehr unterschiedliche Vorstellungen von der Bedeutung des
Worts "zerstörungsfrei" zu haben.
W.S. schrieb:> Laß das mit der Heißluft lieber bleiben.
Dürfte wohl ein bisschen zu spät kommen...
Heisse Luft schrieb:> Na geht doch ;-)
Auch viel zu spät hier aber persönlich finde ich finde eine Kombination
aus Draht und Heißluft unschlagbar
https://www.mikrocontroller.net/articles/SMD_L%C3%B6ten#Mit_Draht
Nimmt man anstelle des Lötkolbens eine Heißluftstation funktioniert das
fantastisch ;-)
W.S. schrieb:> Laß das mit der Heißluft lieber bleiben. Bei den heutigen bleifreien> Loten müßtest du so heftig erhitzen, daß du dir damit die LP versaust.
Etwas wahres ist da schon dran.
Ich habe auch schon etwas Erfahrung mit solchen Sachen.
Leider bin ich an alten Platinen, welche neu mit bleifrei gelötet
wurden, gescheitert.
So 8032, 54256, 27C256, Standard-TTL ....
Alles DIP.
W.S. schrieb:> Laß das mit der Heißluft lieber bleiben. Bei den heutigen bleifreien> Loten müßtest du so heftig erhitzen, daß du dir damit die LP versaust.
Ich gebe die heiße Luft von unten: geringe Luftströmung und geregelte
Temperatur, Feindosierung über den Abstand.
Das geht mit bleifreien Loten und man versaut auch nichts.
m.n. schrieb:> Ich gebe die heiße Luft von unten
Kenne ich auch, ist aber hochgradig LP-gefährdend. Man müßte die
BE-Seite abdecken, so daß sie nicht durch den Luftzug gekühlt wird.
Sowohl ich als auch Kollegen haben da schon öfter Brandblasen auf die LP
gekriegt, bevor sich bei bleifereiem Lot was gelöst hat.
Daheim hatte ich mal BE von einer auf der Hamradio im Flohmarkt
gekauften LP so rückgewonnen: eine dicke Alu-Platte auf den Küchenherd,
dezent Gas gegeben, LP drauf, langsam warm weren lassen, bis man das
Aufschmelzen sehen konnte. Dann per Pinzette die interessanten Teile
abgehoben. Das hinterläßt aber ein Wrack.
Und gibt Schelte von der besseren Hälfte.
W.S.
W.S. schrieb:> Sowohl ich als auch Kollegen haben da schon öfter Brandblasen auf die LP> gekriegt, bevor sich bei bleifereiem Lot was gelöst hat.
Ihr seid einfach zu unsensibel ;-)
Man muß sich Zeit nehmen (>= 1 Minute) bis die Leiterplatte heiß
geworden ist. Dann gibt es weder Blasen noch Verfärbungen.