Offsetspannung eines LM741 OPV mittels Poti abgleichen

#5298381
Lesenswert?

Hi!

Geht der Offsetabgleich bei einem OPV in einer z.B. invertierten oder 
nicht invertierten Verstärkerschaltung folgendermaßen?

Ich lege den (-)Eingang und (+)Eingang auf Masse (0V) und drehe das 
Potentiometer (das ich an den Anschlüssen des OPV's anschließe) so lange 
bis die Ausgangsspannung des OPV's 0V ergibt.

Stimmt das so? Ich bin mir leider nicht ganz sicher.

Prinzipiell ist ja die Offsetspannung jene Spannung, die ich am Eingang 
des OPV's anlegen muss(Also zwischen + und -), sodass am Ausgang Null 
Volt rauskommt.

Ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen, ich bin mir gerade echt nicht so 
sicher, da ich auch nichts nützliches im Internet gefunden habe.

LG
Roman
#5298417
Lesenswert?

Warum guckst du nicht einfach ins Datenblatt dieses steinzeitalten 
OpAmps um zu gucken wie man bei ihm mit einem Poti den Offset einstellt 
?

http://www.ti.com/lit/ds/symlink/ua741.pdf

Man stellt den Offset nicht "einfach nur so ein", sondern nur innerhalb 
der gesamten Schaltung.

Die Eingänge sind also bereits beschaltet, und der Ausgang wirkt auf die 
Eingänge zurück. Dann kann man mit dem Offsetpoti den gewünschten 
Nullpunkt einstellen.

Aber nicht und niemals nur bei einem OpAmp an dem nichts angeschlossen 
ist und der keine Gegenkopplung vom Ausgang zum Eingang hat, denn egal 
was man dort einstellt - er driftet sowieso mit der Zeit weider weg von 
diesem Nullpunkt.
#5298504
Lesenswert?

Roman B. schrieb:
> D.h. ich ich lege am Eingang der invertierten oder nicht invertierten
> Verstärkerschaltung (also nicht am OPV selbst) 0V an und werde
> anschließend das Poti solange drehen, bis Ua der jeweiligen
> Verstärkerschaltung auf 0V geht. Stimmts so?

Wie geschrieben: Nur in der Gesamtschaltung. Der Ausgang muss auf den 
Eingang rückwirken, damit das stabil bleibt.

Ein OpAmp Ausgang (von einem mit positiver und negativer 
Versorgungsspannung versorgten OpAmp) wird niemals freiwillig auf 0V 
bleiben, nicht mal nach dem justieren, dafür ist seine Verstärkung des 
Offsetdrifts zu hoch.

Man stellt den Offset ein damit die Differenzspannung beider Eingänge IN 
DER ANWENDUNG bei 0 Millivolt liegt, bzw. falls man den OpAMp als 
Komparator verwendet damit der Umschaltpunkt genau dort liegt.

Man stellt nicht den Ausgang auf 0V ein.


Zudem ist der 741 natürlich uralt. Damals dachte man noch, daß man einen 
Offset abgleichen muss. Heutige OpAmps haben meistens keinen 
Offsetabgleich mehr, selbst dann nicht wenn sie so ungenau sind wie der 
uA741. Denn niemand will was einstellen, was hinterher doch wieder nicht 
stimmt.
#5298540
Lesenswert?

Danke, ich glaube ich verstehe deinen Punkt!

Ich möchte ein Beispiel (Schaltungsaufbau) bringen bitte, das wir in 
einem Praktikum aufbauen sollen.

Bei beiden Schaltungen habe ich also eine Gegenkopplung vom Ausgang zum 
Eingang. Schaltung1 ist ein invertierender Verstärker und Schaltung2 ein 
nicht invertierender Verstärker.

D.h. ich baue z.B. Schaltung1 so auf wie gezeichnet. Ich zitiere kurz:
Michael B. schrieb:
> Man stellt den Offset ein damit die Differenzspannung beider Eingänge IN
> DER ANWENDUNG bei 0 Millivolt liegt.

Nachdem Aufbau kann ich ja z.B. Ue=0V "anlegen", also in der Anwendung, 
wie du gesagt hast. Und dann messe ich die Differenzspannung(also die 
Klemmen des Voltmeters auf den (+)Eingang und (-)Eingang des OPV's) und 
drehe am Poti so lange, bis diese genannte Differenzspannung bei 0 
Millivolt liegt?


Sorry für die Nachfragerei, aber wenn ich es an einem Beispiel wie 
diesen anwende, verstehe ich es besser, denke ich.
Angehängte Dateien:
#5298745
Lesenswert?

Roman B. schrieb:
> Nachdem Aufbau kann ich ja z.B. Ue=0V "anlegen", also in der Anwendung,
> wie du gesagt hast. Und dann messe ich die Differenzspannung(also die
> Klemmen des Voltmeters auf den (+)Eingang und (-)Eingang des OPV's) und
> drehe am Poti so lange, bis diese genannte Differenzspannung bei 0
> Millivolt liegt?

Nein, du legst Ue=0 an und stellst den Ausgang auf 0. Denn auf den kommt 
es an. Der Eingang ist ja gerade vom Offset beeinflusst. Ein OpAmp, der 
5mV Eingangsoffstespannung hat, wird IN- - IN+ von 5mV haben wenn der 
Ausgang 'stabil' ist. Was auch immer stabil wäre, bei dir 0V, in anderen 
Schaltungen kann das anders aussehen, ein aktiver GLeichrichter bei dem 
eine Diode in der Gegenkoplung liegt hätte z.B. ca. 0.7V.

Bei der zweiten Schaltung müsste man den 10000*UD Anschluss auf 0V 
zwingen, um dann mit dem Poti am Ausgang Ua 0V einzustellen. Und dann 
hoffen, daß der erste OpAmp keine Offset hat - den hat er natürlich.

Beide Schaltungen sind gemein: Die verstärken den Offset absichtlich 
immens. Normalerweise baut man keine 100k/100R / 100k/10R 
Spannungsteiler vor den OpAmp Eingang. Aber es sollen ja Lehrbeispiele 
sein.
Gast #5298809
Lesenswert?

> Muss es unbedingt 741 sein? Es gibt jede Menge OpAmps mit 2
> Extra-Eingängen für den Offsetabgleich, Beschaltung nach Datenblatt.

Es dürfte vor allem jede Menge OPs geben die ganz ohne Abgleich einen 
besseren Offset als ein 741 mit abgleich haben.

Ich hoffe der hat wenigstens ein TO-99 Gehaeuse damit das museale 
Feeling besser rueberkommt...

Olaf
(Firma: Schweigstill IT) Persönliche Seite #5300112
Lesenswert?

Klaus R. schrieb:
> Damals war der CA3140 schon wesentlich besser.

CA3130/3140 hatten aber MOSFET-Eingänge ohne ESD-Schutz. Die gingen 
schon vom Hingucken kaputt. Für die Durchführung von allgemeinen 
Praktikumsversuchen o.ä. waren sie also nicht sonderlich gut geeignet.

> In den 90iger waren die TL71, TL72
> und TL74 angesagt. Also ein 741 ist schon lange nicht mehr State of the
> Art.

Genau, sofern mit nicht die "0" weglässt, d.h. TL071 usw. verwendet. 
Mindestens genauso gebräuchlich waren die sehr ähnlichen TL061 und 
TL081. Auch heutzutage findet man sie ja noch zuhauf in Billigelektronik 
fernöstlicher Provenienz.
Gast #5300158
Lesenswert?

Ich hatte damals eine Handwoll LF355 LF356 geerbt. Die waren ein 
Quantensprung gegenüber den 741.
Zwar noch eine recht hohe Offsetspannung aber deutlich 
temperaturstabiler, schneller und auch sonst bessere Eigenschaften. Und 
natürlich Fet Eingänge und dadurch praktisch kein Problem mehr wegen 
input bias current.

Nur die Offsetkompensation war anders als beim 741.
Gast #5300225
Lesenswert?

Das mit dem Offsetabgleich hat bei mir nie geklappt. Ich wusste nie ob 
ich den Schleifer an GND oder -Vcc schalten sollte. Danach habe ich nur 
noch OPVs ohne Abgleichanschlüsse verwendet und den Abgleich, wenn 
überhaupt nötig, nur am Eingang vorgenommen. Mit dieser Methode fahre 
ich bis Heute sehr gut.
Angehängte Dateien:
#5300243
Lesenswert?

Ach Du grüne Neune schrieb:
> Das mit dem Offsetabgleich hat bei mir nie geklappt. Ich wusste nie ob
> ich den Schleifer an GND oder -Vcc schalten sollte.

Stefan U. schrieb:
> Schau Dir die Innenschaltung des IC an. Da siehst du, dass das Poti
> parallel zu zwei internen Widerständen geschaltet wird. Du kannst damit
> die beiden Konstantstromquellen beeinflussen, so dass sie im Idealfall
> den gleichen Strom liefern.
>
> Der Schleifer des Poti muss mit Pin 4 Verbunden werden - ganz unabhängig
> davon, ob die Spannungsversorgung Symmetrisch ist, oder nicht. Denn wenn
> er nicht an Pin 4 wäre, würde er nicht mehr parallel zu den gewünschten
> internen Widerständen liegen.

Wenn schon eine Einstellmöglichkeit geboten wird, sollte man sie auch 
nutzen.
Das war damals halt so üblich. Die 6-Poler-OPV-Vorläufergeneration (z.B. 
TAA762, die ich kenne, hatte diese Möglichkeit nicht (nur 
Frequenzkompensations-Pin.)

ciao
gustav
Gast #5300250
Lesenswert?

Offsetabgleich mit einem POTI? Wir sind im 21. Jahrhundert :-(

Das ist Mist. Da haut man eimal auf die Platine, und das ist weiter 
daneben, als ein halbwegs moderner OPV es jemals sein könnte.

Warum man derartigen Käse zum Lehrinhalt erklärt, verstehe ich nicht. Da 
kommen die Leute heute aus den Schulen mit komplett veraltetem 
"Grundwissen", und wir armen älteren Entwickler dürfen die Versäumnisse 
dann nachholen.

Die wissen dann zwar über den Offsetabgleich eines OPV bescheid (was man 
heute nicht mehr macht *1)), aber nicht über die Eigenheiten von 
Alleweltsdingen wei Trench-FET.

Das ist einfach nur noch traurig.

*1)
Weil es OPVs mit beliebig kleinem Offset direkt zu kaufen gibt.
Schon ein OPA340 kann für normale Alltagsaufgaben als offsetfrei 
angesehen werden. Sonst nimmt man halt einen chopper-OPV.

Naja, Chopper-Amps kennen die armen Absolventen naütrlich nicht. Denn 
die mussten die Zeit mit Offsetabgleich mit einem Poti (Auauauauau!!!!) 
verschwenden.
(Firma: Schweigstill IT) Persönliche Seite #5300405
Lesenswert?

Manfred schrieb:
> Jou, LM709, darf man auch gleich noch die Frequenzkompensation von Hand
> machen.

Alles viel zu neumodischer Kram, genauso wie der 702 oder gar 741. Der 
einzig wahre OP ist der Philbrick K2-W:

http://www.philbrickarchive.org/k2-w_refurbished.pdf
http://1.bp.blogspot.com/-6kjGZpQwnbg/UkkbwZ40TVI/AAAAAAAAAQo/3Gxua1-TkTY/s1600/K2-W.jpg
Gast #5300564
Lesenswert?

EchtJetzt? schrieb:
> Da haut man eimal auf die Platine, und das ist weiter
> daneben, als ein halbwegs moderner OPV es jemals sein könnte.

Nur so lernen die Kids etwas.

Noch mehr würden sie lernen, wenn sie einen 741 diskret aufbauen würden.


Harald W. schrieb:
> Möglichst mit Golddrähten.
Das würde ich nicht tun, die sind nach Praktikumsende alle weg.
(die Drähte, der Rest bleibt wohl da)
;-)

Antwort schreiben

Bitte melde dich an, um einen Beitrag zu schreiben.

oder

Mit Google-Account einloggen

Die Registrierung ist kostenlos und dauert nur eine Minute.

Jetzt registrieren