Forum: HF, Funk und Felder Ziehen von Quarzen


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von B e r n d W. (smiley46)


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Nach einiger Zeit möchte hier mal wieder eine Idee beisteuern.
Es geht um das Thema: "Ziehen von Quarzen".

Typische Tricks, die der Oszillatorbauer aus der Schublade zieht, sind 
parallelgeschaltete Quarze, eine oder mehrere Induktivitäten plus eine 
variable Kapazität in Reihe.

Seiten zu diesem Thema:
http://www.norcalqrp.org/nb6mvxo.htm
https://kc9on.com/ham-radio/crystals/svxo/
https://www.qrpforum.de/forum/index.php?thread/1912-vxo-mit-gro%C3%9Fem-ziehbereich-der-doppelquarz-vxo/&postID=12805#post12805

Speziell bei den letzten beiden Links fällt ein kleiner Kondensator auf, 
welcher von den Quarzen nach Ground geschaltet ist. Ich hab das 
gelegentlich schon probiert, mal funktionierts und mal gar nicht. Was 
hat es mit diesem C auf sich und warum lassen sich Quarze mit Hilfe 
mehrer kleiner Induktivitäten weiter ziehen, als mit nur einer großen?

Fortsetzung folgt...

von Michael M. (michaelm)


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Hallo Bernd,

konnte dir das https://www.axtal.com/Deutsch/TechnInfo/Quarzkochbuch/ an 
der Stelle nicht weiterhelfen?

Michael

von B e r n d W. (smiley46)


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@Michael
Danke, ich kenne das Quarzkochbuch. Bin noch nicht fertig.

Teil2:
Nach dem Ableiten eines Ersatzschaltbildes und dem Auswerten des 
Frequenzgangs/Phase konnten die Varianten besser verglichen werden.
Die unterschiedlichen Varianten 1..4 erlauben es, die Frequenz immer 
weiter nach unten zu ziehen. Jedoch ist hier nach ca. 10kHz bei 3,5MHz 
Schluß. Wird ein kleiner Kondensator nach GND geführt, geht es noch ein 
wenig besser, ebenso wenn man ihn parallel zur Induktivität schaltet.

Nach unzähligen Simulationen an einer Oszillatorschaltung mit LtSpice 
stellte sich heraus, daß sich aus der Induktivität und der anliegenden 
Gesamtkapazität ein Schwingkreis bildet (Variante 6+7).

Fortsetzung folgt...

von B e r n d W. (smiley46)


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Teil3:
... ein Schwingkreis bildet. Hat dieser Schwingkreis seine Resonanz bei 
der Quarzfrequenz, geht das "Ziehen" am Besten. Die Schaltung oben wurde 
mit den kompletten Quarzparametern simuliert, die untere nur mit den 
Parallelkapazitäten. Man sieht, dass die Schwingkreisresonanz auf der 
Quarzfrequenz liegt. Anscheinend läßt sich so ein NTSC-Bildträgerquarz 
von 3579kHz mindestens bis runter auf 3540kHz ziehen.

Fortsetzung folgt...

von B e r n d W. (smiley46)


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Teil4:
Es scheint beim Schwingkreis keine Rolle zu spielen, ob eine 50µH oder 
100µH Induktivität verwedet wird, solange die Gesamtresonanz mit Hilfe 
des parallelgeschalteten Kondensators wieder auf Quarzfrequenz gebracht 
wird.

Abgleich:
Um den Ziehbereich optimal nutzen zu können, empfiehlt sich die 
Verwendung einer Spule mit verstellbarem Kern. Die Schwingkreisfrequenz 
sollte am Anfang ca. 100 kHz über der Quarzfrequenz liegen. Der 
Drehkondensator wird ganz eingedreht. Mit dem Spulenkern wird die 
minimal erreichbare Frequenz eingestellt, in meinem Fall z.B. 3540 oder 
3530kHz. Dreht man den Kern zu weit, kommt man zu einem Kippunkt, an 
welchem der Zieheffekt nahezu verschwindet. Der komplette Abstimmbereich 
überstreicht dann ca. die Nennfrequenz des Quarzes bis runter zum gerade 
eingestellten Wert.

Der Oszillator funktioniert auch in der Realität. Ich habe mich 
konservativ für 3540kHz als minimale Frequenz entschieden, da es weiter 
unten etwas instabil wird.

Fortsetzung folgt...

von B e r n d W. (smiley46)


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Teil5:
Als kleines Problem stellte sich ein RIT heraus. Wird eine 
Kapazitätsdiode auf der linken Seite der Induktivität nach GND 
vorgesehen, wirkt die RIT-Abstimmung nur beim oberen Frequenzende. Wird 
die Kapazitätsdiode auf der rechten Seite der Induktivität nach GND 
verdrahtet, ist die Wirkung am oberen Ende gleich Null und bei der 
minimalen Frequenz funktioniert nichts mehr. Abhilfe schaffte eine 
1N4148 mit ihrer sehr kleinen Kapazität. Mit der 1N4148 auf der rechten 
und z.B. einer BB135 (evtl. auch 1N4007) auf der linken Seite 
funktioniert der experimentelle Aufbau.

Viel Spaß beim Basteln
Bernd, DF3DL

PS.
Falls jemand mal die Idee mit dem Schwingkreis erfolgreich nachbaut, 
würde mich ich mich über ein Feedback freuen.

: Bearbeitet durch User
von B e r n d W. (smiley46)


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Sorry, hab das letzte Bild vergessen.

von Hp M. (nachtmix)


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B e r n d W. schrieb:
> Hat dieser Schwingkreis seine Resonanz bei
> der Quarzfrequenz, geht das "Ziehen" am Besten

...und wie verhält es sich mit der Frequenzstabilität, wenn du den Quarz 
mit einem Schwingkreis aus wenig stabilen Teilen verzierst?

Da gibt es ja noch die Möglichkeit dem Quarz Resonator einen weiteren 
gleichen Quarz Resonator nicht plump parallel zu schalten, sondern mit 
passend gewählter Kopplung.
Wie wir wissen, bilden passend gekoppelte Schwingkreise gleicher 
Frequenz einen Bandfilter mit immer noch bekannter Mittenfrequenz.
Damit kann man dann sogar FM machen.

von herbert (Gast)


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Wichtig ist ,dass man die Quarze ohne Sockel kurz einlötet. 
Zieh-Induktivität ist gut , aber auch hier muss man Obacht geben dass 
der TK der Spule einem nicht die Stabilität versaut. Ich habe im 20 
Meter Band schon 150 KHz gezogen, damit lässt sich CW mäßig schon 
einiges abdecken.Aber auch 100 kHz rund um die Qrp Frequenz 14060 
reichen auch schon.

von Domi (Gast)


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Interessanter Beitrag!

B e r n d W. schrieb:
> Typische Tricks, die der Oszillatorbauer aus der Schublade zieht, sind
> parallelgeschaltete Quarze, eine oder mehrere Induktivitäten plus eine
> variable Kapazität in Reihe.

Hans Summers? Wenn mehrere Induktivitäten plus eine variable Kapazität 
in Reihe benutzt werden, frage ich mich, ob jede der Induktivitäten für 
sich wie ein Parallelschwingkreis wirkt (also mit Cparasitär).

https://www.mikrocontroller.net/attachment/521645/Quarze_ziehen3.jpg
Was passiert denn, wenn man hier nicht nur einen, sondern mehrere 
Parallelschwingkreise in Reihe schaltet?
Wird der stabile Ziehbereich nach unten noch größer?

von B e r n d W. (smiley46)


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@Domi
> jede der Induktivitäten für sich wie ein Parallelschwingkreis wirkt
Ich vermute, daß man sich mit mehreren kleinen Induktivitäten sukzessive 
in die Nähe des optimalen Werts herantasten kann.

Danke für die Idee mit zwei Schwingkreisen. Falls man wirklich einen so 
großen Ziehbereich benötigt, scheint das eine Option zu sein. Ein 
Schwingkreis wirkt genau bei seiner Resonanz als Sperrkreis. Zwei 
Schwingkreise auf der anderen Seite müssen nicht bis an die Grenze 
ausgereizt werden. Der Ziehbereich wird so auf jeden Fall größer. Der 
Oszillator schwingt auf der Frequenz beim Nulldurchgang der Phase, aber 
achte mal auf die Amplitude. Es sieht so aus, als ob bei zwei 
Schwingkreisen die Dämpfung geringer ist, der Oszillator ist leichter 
zum Schwingen zu bewegen.

@Hp M. (nachtmix)
> die Möglichkeit dem Quarz Resonator einen weiteren
> gleichen Quarz Resonator nicht plump parallel zu schalten,
> sondern mit passend gewählter Kopplung.
Danke für die Idee, bestimmt gibt es bei kritischer Kopllung einen 
linearen Bereich.

> ...und wie verhält es sich mit der Frequenzstabilität
Für die Kondensatoren (außer dem Drehko) sollten grundsätzlich NP0 
gewählt werden. Die Eigenschaften von Filtern mit Kern sind vorher oft 
nicht bekannt, da muß man probieren. Der reale Aufbau war auf jeden Fall 
deutlich stabiler als ein gezogener Keramikresonator.

@herbert
150kHz auf 20m sind ca. 1,1%, 50kHz auf 80m sind schon 1,4%.
Hab einen 10140kHz Quarz, der läßt sich locker ohne großen Aufwand bis 
unter 10100kHz ziehen. Ein anderer mit 10111kHz (von Po..in) weigert 
sich hartnäckig.

> Aber auch 100 kHz rund um die Qrp Frequenz 14060
Mir würden 50kHz schon reichen. Es geht mir um den systematischen 
Ansatz, einen ordentlichen Ziehbereich zu erreichen.

Hab hier einen Trx: SST80, der deckt momentan 7030..7037kHz ab. Mal 
sehen, ob da noch was geht.

: Bearbeitet durch User
von Christoph db1uq K. (christoph_kessler)


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Bernd Neubig (sein Quarzkochbuch wurde oben genannt) hat mal eine 
Alternative zu Quarzen empfohlen, irgendwas mit Lithium:
https://www.axtal.com/English/Products/PiezoelectricCrystals/LithiumNiobateLiTantalateLiTetraborate/
die haben ähnliche Güten aber einen deutlich größeren Ziehbereich. Aber 
das dürfte sich auch reziprok zueinander verhalten.
In letzter Zeit sind noch mikromechanische Oszillatoren dazugekommen, 
die könnten eventuell noch eine Alternative sein.

von Sebastian S. (amateur)


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Was mehr oder weniger unter dem Tisch zu suchen ist ist: Papierene 
Quarze (SPICE oder LTSPICE) verhalten sich zwangsläufig supergenau 
definiert - im Gegensatz zu denen aus Kristall. Das ist auch der Grund, 
weshalb ich immer skeptisch bin, wenn mir jemand eine Simulation zeigt. 
Um die Plausibilität zu zeigen: OK, aber mehr auch nicht.
Egal wie weit man diese zieht bzw. ziehen kann, sie verlieren durch die 
"äußere" Beschaltung was von ihrer sprichwörtlichen Quarzstabilität.
Würde mich nicht wundern, wenn das "Ergebnis" nur noch die 
(Stabilitäts-)Qualität eines einfachen Resonators hätte. Und damit würde 
sich die Frage stellen: Wozu dann noch einen Quarz verwenden?

von Christoph db1uq K. (christoph_kessler)


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MEMS-Oszillatoren scheinen eine moderne Alternative zu sein, auch 
bezüglich Temperaturstabilität:
https://www.sitime.com/products/mhz-oscillators#cat241
Best (0.1%) and widest (±25 to ±3200 ppm) pull range linearity, 50x 
better than quartz

von Bernd W. (berndwiebus) Benutzerseite


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Hallo Sebastioan.

Sebastian S. schrieb:

> Egal wie weit man diese zieht bzw. ziehen kann, sie verlieren durch die
> "äußere" Beschaltung was von ihrer sprichwörtlichen Quarzstabilität.

Richtig.

> Würde mich nicht wundern, wenn das "Ergebnis" nur noch die
> (Stabilitäts-)Qualität eines einfachen Resonators hätte.

Für Extremfälle ist das auch so, und auch dann in erster Linie zusammen 
mit dem Anschwingverhalten.

Werden Quarze nur wenig gezogen, spielt die Ziehkapazität oder 
Ziehinduktivität mit ihrer eigenen Instabilität eben auch nur eine 
kleinere Rolle.

> Und damit würde
> sich die Frage stellen: Wozu dann noch einen Quarz verwenden?

Weil es in den fraglichen Bereichen immer noch einfacher ist, einen 
Quarz zu ziehen als einen vergleichbar stabilen LC Oszillator 
aufzubauen.

Mit freundlichen Grüßen: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de

von Schwarzer H. (Gast)


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herbert schrieb:
> Wichtig ist ,dass man die Quarze ohne Sockel kurz einlötet.

also den Halbleiter ohne Platinengedöns direkt an den X-tal lötet?

> Zieh-Induktivität ist gut , aber auch hier muss man Obacht geben dass
> der TK der Spule einem nicht die Stabilität versaut.

hätte da X-förmige Spulenwindungshalter aus MIL-Geräte mit ca. 1 mm 
Windungsabstand, OK, müsste ein Spulentool ausm Netz anwerfen.

> Ich habe im 20 Meter Band schon 150 KHz gezogen.

Gute Idee - noch bessere Idee?

Hätte da Messingspindel- Mechaniken von 4,2 k Porzelantrimmern ca 13 cm 
lang ca 1960-70-er von Siemens, damals schon HiTec.

Draht Abwickeln, mit blankem Cu-Draht neue Spule aufwickeln, Knopf 
drauf, Skala drumherum und gut ist.

von uli (Gast)


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B e r n d W. schrieb:
> Anscheinend läßt sich so ein NTSC-Bildträgerquarz
> von 3579kHz mindestens bis runter auf 3540kHz ziehen.

Mit diesen Quarzen von Mouser könnte man das Ziehen nach unten auch mal 
ausprobieren (die Suchmaske zum Frequenzsuchen ist unten, es gibt dort 
noch viel mehr Quarze in den AFU-Bändern):


7,02MHz
7,03MHz
7,04MHz:
https://www.mouser.de/Passive-Components/Frequency-Control-Timing-Devices/Crystals/_/N-6zu9f?P=1y9onj1Z1y9nyk8Z1y9oni2
(mit den dreien oben und einer Umschaltung kann man vielleicht schon 
7,000 bis 7,045MHz sauber überstreichen)

1,8432MHz:
https://www.mouser.de/Passive-Components/Frequency-Control-Timing-Devices/Crystals/_/N-6zu9f?P=1z0wmtcZ1z0wnts


14,05MHz
14,07MHz:
https://www.mouser.de/Passive-Components/Frequency-Control-Timing-Devices/Crystals/_/N-6zu9f?P=1yzskcmZ1z0iwyc


Hier die reine Suchmaske:
https://www.mouser.de/Search/Refine?N=11749875

von Signalmann (Gast)


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uli schrieb:
> einer Umschaltung

Geht aber auch nur im zweistelligen MHz-Bereich noch vernünftig.

von herbert (Gast)


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Signalmann schrieb:
> Geht aber auch nur im zweistelligen MHz-Bereich noch vernünftig.

Denke mal an die Möglichkeiten die so einen gezogenen Quarzoszillator 
nach einer Frequenzvervielfachung bietet.
Ich denke an 18.100 MHz 62,5kHz gezogen x2 x2= 2 Meter Band. Schon kann 
man 500 kHz quarzstabil überstreichen...

von herbert (Gast)


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herbert schrieb:
> Ich denke an 18.100 MHz 62,5kHz gezogen x2 x2= 2 Meter Band. Schon kann man 500 
kHz quarzstabil überstreichen...

Korrektur... Ich denke an 18.100 MHz 62,5kHz gezogen x2 x2x2 = 2 Meter 
Band. Schon kann man 500 kHz quarzstabil überstreichen...

von domi (Gast)


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Kann man, wenn man die Quarzparameter von einem Quarz kennt ( also L1, 
C1, C0), Rückschlüsse darauf ziehen, welche Quarze sich besonders gut 
nach unten ziehen lassen?

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Schwingquarz-Ersatzschaltbild.png

von domi (Gast)


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kleine Versuchsreihe mit einem 1.8432MHz-Quarz in einer seriellen 
Messbrücke:


         o---L---o
         |       |
o--||----o---L---o----|Q|---o
   Cp    |       |
         o--||---o
          Trimmer

L = 450uH Hantelkern (470uH lt. Aufdruck)

Trimmer = 3 bis 12 pF keramisch


Peak:
------------------
Cp =  390pF :  1810kHz
Cp =  220pF :  1812kHz
Cp =  100pF :  1818kHz
Cp =   68pF :  1834kHz
Cp =   15pF :  1836kHz
Cp =  5,6pF :  1841kHz

Ob es in einem Oszillator tatsächlich auf der Peakfrequenz schwingt, 
weiß ich nicht.
Mit dem Trimmer ist das ganze Gebilde gar nicht so einfach einstellbar.

von domi (Gast)


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domi schrieb:
> kleine Versuchsreihe mit einem 1.8432MHz-Quarz in einer seriellen
> Messbrücke:
>
>          o---L---o
>          |       |
> o--||----o---L---o----|Q|---o
>    Cp    |       |
>          o--||---o
>           Trimmer
>
> L = 450uH Hantelkern (470uH lt. Aufdruck)
>
> Trimmer = 3 bis 12 pF keramisch
>
> Peak:
> ------------------
> Cp =  390pF :  1810kHz
>...
> Cp =  5,6pF :  1841kHz
>
> Ob es in einem Oszillator tatsächlich auf der Peakfrequenz schwingt,
> weiß ich nicht.
> Mit dem Trimmer ist das ganze Gebilde gar nicht so einfach einstellbar.

Alles zurück, das Quarz arbeitet hier nur noch als 5pF-Kondensator, die 
Resonanzpeaks kommen alleine vom LC-Kreis (L + L + Trimmer).

Mit kleineren Spulen (130uH) lässt sich die f aber tatsächlich niedriger 
machen, ist aber noch nicht genauer getestet.

von domi (Gast)


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Beitrag "Re: Ziehen von Quarzen"

Beitrag "Re: Ziehen von Quarzen"

Vielleicht kann ein Mod dann einfach diese beide letzten Beiträge von 
mir löschen?!
(und diesen auch - das verwirrt sonst alles nur)

von B e r n d W. (smiley46)


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Hier sind doch noch einige Beiträge gekommen. Ich habe inzwischen an 
meinem SST40 gebastelt. Ein niedliches Gerätchen, etwas größer als eine 
Zigarettenschachtel.

Im Original ist im VXO ein einzelner 11040kHz Quarz verbaut. Die 
Frequenz des eingebauten 4MHz Quarzfilters muss davon abgezogen werden, 
um auf das 40m Band zu kommen. Den einzelnen Quarz zu ziehen war nicht 
der Brüller. Der Ziehbereich des Gerätes hat zuvor 7030..7037kHz 
abgedeckt, nach dem Umbau (Einzelquarz mit Schwingkreis) 7028..7035kHz. 
Eines der Probleme hierbei ist sicherlich die Diodenabstimmung. Bei der 
Verwendung von zwei Quarzen oder/und einem Polyester-Drehko. würde sich 
die Frequenz deutlich besser ziehen lassen.

Dann habe ich meiner Bastelkiste eine Tüte mit 11056kHz Quarzen 
gefunden. Davon habe ich zwei genommen, eine Drossel mit ca. 20µH in 
Reihe und parallel zur Drossel einen Gimmik-Kondensator (verdrillter 
Draht ~3pF). Damit konnte der SST von <7000 bis 7042kHz abgestimmt 
werden. Beim Senden hat sich aber leider hartnäckig ein Chirp etabliert. 
Der Oszillator erzeugt diesen minimalen Chirp, welcher sich bei zu 
weitem Ziehbereich deutlich verstärkt. Hab dann den Abstimmbereich auf 
7020..7043 reduziert. Der Ton ist damit akzeptabel und der Ziehbereich 
deckt bequem den QRP-Bereich ab.

von herbert (Gast)


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B e r n d W. schrieb:
> Der Oszillator erzeugt diesen minimalen Chirp, welcher sich bei zu
> weitem Ziehbereich deutlich verstärkt.

Chirp hat mich bei CW noch nie wirklich gestört. Im QRP-Bereich wird 
viel selber gebaut da geht schon mal ein Sender "spazieren" oder chirpt 
was den Vorteil hat , dass man im hörbaren Umfeld von Nachbarstationen 
seine Station nicht aus den Ohren verliert.:-)
Benutzt du in deinen Spulen einen Kern?
Eine Tauchkern-Abstimmung eventuell mit unterschiedlichem Kernmaterial 
wäre auch mal ein Testfeld...

von B e r n d W. (smiley46)


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> Beim Senden hat sich aber leider hartnäckig ein Chirp etabliert.

Ich muss bei dieser Aussage zurückrudern. Der Chirp kam vom 
übersteuerten Weltempfänger, mit welchen ich das Signal abgehört hatte. 
Der SST40 ließ sich bei einem erneuten Test im Bereich von 7000..7041kHz 
abstimmen. Im Vergleich dazu wäre ein Vergleich mit einen Schwingkreis 
mit höherer Kapazität interessant, bestehend aus einem NP0 Kondensator 
mit z.B. 22pF und der dazu passenden Induktivität.

von domi (Gast)


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Ich habe in der Zwischenzeit noch etwas mit dem 1.843MHz-Quarz 
experimentiert.
Mit einer in Reihe geschalteten Hantelkernspule von 470uH kann man die 
Frequenz um fast 2kHz senken.
Schaltet man dagegen 4 serielle Hantelkernspulen mit 130uH in Reihe zum 
Quarz, sinkt die Frequenz nur um 500Hz. Obwohl die Induktivität deutlich 
größer ist als im ersten Fall.
Das ist schon merkwürdig.



B e r n d W. schrieb:
> Als kleines Problem stellte sich ein RIT heraus. Wird eine
> Kapazitätsdiode auf der linken Seite der Induktivität nach GND
> vorgesehen, wirkt die RIT-Abstimmung nur beim oberen Frequenzende. Wird
> die Kapazitätsdiode auf der rechten Seite der Induktivität nach GND
> verdrahtet, ist die Wirkung am oberen Ende gleich Null und bei der
> minimalen Frequenz funktioniert nichts mehr.
Wäre es vielleicht besser, einen Keramikresonator mit seriellem Drehko 
und ohne Induktivität zu verwenden, wenn eine RIT benutz wird? Der 
Ziehbereich von so einem Resonator ist normalerweise deutlich größer als 
von einem Quarz. Allerdings auch die Drift. Deshalb sollte man den 
Resonator und den Oszillator-Transistor dann vielleicht besser in einem 
kalten Thermostaten unterbringen.

B e r n d W. schrieb:
> Abhilfe schaffte eine
> 1N4148 mit ihrer sehr kleinen Kapazität. Mit der 1N4148 auf der rechten
> und z.B. einer BB135 (evtl. auch 1N4007) auf der linken Seite
> funktioniert der experimentelle Aufbau.
Hochachtung, dass du das in den Griff bekommen hast!

von Mohandes H. (Firma: مهندس) (mohandes)


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domi schrieb:
> Mit einer in Reihe geschalteten Hantelkernspule von 470uH kann man die
> Frequenz um fast 2kHz senken.

Mit dem Ziehen des Quarzes verschlecht sich natürlich auch der TK. Also 
gute Kondensatoren (NP0) bzw. Induktivitäten verwenden!

Hatte ich schon gestern im anderen Thread geschrieben: das 
Ersatzschaltbild eines Quarzes besteht aus L-C-R in Reihe, dazu ein Cp 
parallel. Damit kann man dann den entspechenden Gesamt-TK abschätzen.

von Mohandes H. (Firma: مهندس) (mohandes)


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domi schrieb:
> https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Schwingquarz-Ersatzschaltbild.png

Bei Parallelresonanz wird der C (typ. >10p) auch parallel geschaltet, 
bei Serienresonanz in Reihe (typ. <100p).

Parallelresonanz: max. Impedanz (verkleinert sich beim Ziehen),
Serienresonanz: min. Impedanz (vergrößert sich beim Ziehen).

Die Güte sinkt also (unerheblich) in beiden Fällen.

von Elliot (Gast)


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domi schrieb:
> it einer in Reihe geschalteten Hantelkernspule von 470uH kann man die
> Frequenz um fast 2kHz senken.
> Schaltet man dagegen 4 serielle Hantelkernspulen mit 130uH in Reihe zum
> Quarz, sinkt die Frequenz nur um 500Hz. Obwohl die Induktivität deutlich
> größer ist als im ersten Fall.
> Das ist schon merkwürdig.

Spule ist nicht gleich Spule. Die haben auch Parallelkapazitäten, 
Eigenresonanzfrequenzen und Eigenzeitkonstanten. Das hat natürlich alles 
Einfluß auf die Wirkung als Ziehinduktivität.

von B e r n d W. (smiley46)


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Hab nochmals einige Versuche mit einer einstellbaren Induktivität mit 
Abschirmung durchgeführt. Die Schwingung reisst bei den Varianten A, B 
und C relativ früh ab. Variante D schwingt runter bis ca. 10995kHz und 
die Variante E bis 10985kHz, wobei letztere durch die geringe 
Schwingkreiskapazität von 3pF ziemlich handempfindlich ist.

Eigenartig ist, daß sich die Varianten D + E mit Hilfe der zusätzliche 
Induktivität von 5µH sehr weit ziehen lassen, diese Methode jedoch bei 
Variante B nicht funktioniert.

Zur Erinnerung, in meinem SST40 sind momentan zwei Quarze mit jeweils 
11059kHz parallelgeschaltet. Man könnte als nächsten Schrit weitere 
Versuche mit 3 Quarzen anstellen.

von B e r n d W. (smiley46)


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: Bearbeitet durch User
von B e r n d W. (smiley46)


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> Versuche mit 3 Quarzen anstellen.
Sorry, ich meinte Schritt!

Hab noch schnell die Variante D, jedoch mit 3 Quarzen getestet. Der 
Ziehbereich geht weiter als 200kHz runter (11034..10834). Der Ton klingt 
dort etwas wobbelig. Übertreibt man es nicht und begnügt sich mit 100kHz 
Abstimmbereich, hört sich das gut an.

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Das Paradebeispiel für gezogene Quarze in kommerziellen Geräten ist 
natürlich das IC-202 VHF SSB Gerät von ICOM und sein 70cm Brüderchen 
IC-402.
Aus den Schaltplänen kann man immer noch eine Menge lernen.

: Bearbeitet durch User
von domi (Gast)


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Matthias S. schrieb:
> Das Paradebeispiel für gezogene Quarze in kommerziellen Geräten ist
> natürlich das IC-202 VHF SSB Gerät von ICOM

Here we go...

https://elektrotanya.com/icom_ic-202s_schematic.pdf/download.html#dl

von domi (Gast)


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domi schrieb:
> Matthias S. schrieb:
>> Das Paradebeispiel für gezogene Quarze in kommerziellen Geräten ist
>> natürlich das IC-202 VHF SSB Gerät von ICOM
>
> Here we go...

Ist das Quarz zum Ziehen das auf Seite 2 rechts mit der Bezeichnung X1 
(10.7915MHz)?

von B e r n d W. (smiley46)


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Hallo Domi

Auf der 1. Seite links unten steht "VXO". Der andere Oszillator wird 
auch gezogen, dabei könnte es sich um den BFO handeln.

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Man sieht links die vier Bereiche, die das IC-202 unterstützt, davon 
sind beim Kauf die ersten beiden bestückt (144,0-144,4 MHz). Jeder 
Bereich überstreicht 200kHz.
Gezogen wird mit dem Doppeldrehko, fein gezogen mit der Kapazitätsdiode.
Rechts daneben noch der 800Hz Generator für CW senden.
Die Kapazitätsdiode ist die RIT (Empfangsversatz).

: Bearbeitet durch User
von Christoph db1uq K. (christoph_kessler)


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Beitrag "Re: 162.075 MHz FM Testsender"
Sepp Reithofer konnte einen 18,1 MHz Quarz für das 2m-Band um 600kHz auf 
der Endfrequenz ziehen.

von Matthias S. (Firma: matzetronics) (mschoeldgen)


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Christoph db1uq K. schrieb:
> Sepp Reithofer

Haha, der Josef und seine Senderchen :-) Ich habe seine Büchlein gerne 
gelesen.
Aber das geniale am IC-202 war ja die Frequenzaufbereitung, die mit 
einem Quarz für Senden und Empfangen auskam. Alles recht gut 
ausgetüftelt und das Gerät war sehr lange auch als Nachsetzer beliebt 
und als Satellitenfunke.

von Christoph db1uq K. (christoph_kessler)


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Ja der ist mal im Hörsaal der Münchener VHF/UHF-Tagung neben mir 
gesessen.

Es soll vom IC202 sogar Nachbauten gegeben haben, als es nicht mehr 
produziert wurde.

von Joachim B. (jar)


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ich löte sie immer aus, ist schonender (scnr)

von herbert (Gast)


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Christoph db1uq K. schrieb:
> Sepp Reithofer konnte einen 18,1 MHz Quarz für das 2m-Band um 600kHz auf
> der Endfrequenz ziehen.

Jo, und er benutzte dazu nur eine Spule mit 9µH und den Drehko 15pF in 
Serie. Scheinbar hängt es sehr von der Güte des Quarzes ab wie 
"ziehfreudig" er ist.

von Christoph db1uq K. (christoph_kessler)


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Und der Harmonischen, die Grundfrequenz scheint am weitesten ziehbar zu 
sein.

von Norbert G. (schnobbi)


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Christoph db1uq K. schrieb:
> Ja der ist mal im Hörsaal der Münchener VHF/UHF-Tagung neben mir
> gesessen.
> Es soll vom IC202 sogar Nachbauten gegeben haben, als es nicht mehr
> produziert wurde.

War das nicht imho der R2CW? Das IC-202 war viele Jahre lang mein 
Hauptgerät für 2-m-DX mit PA und Langyagi.

von herbert (Gast)


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Christoph db1uq K. schrieb:
> Sepp Reithofer konnte einen 18,1 MHz Quarz für das 2m-Band um 600kHz auf
> der Endfrequenz ziehen.

Die 600kHz beziehen sich auf die Endfrequenz, nach einer 
Frequenzvervielfachung x2 =36,2MHz,x2 =72,4MHz,x2 =144,8 MHz.Da der 
Quarz seine Nennfrequenz nicht erreicht hat und nur nach unten gezogen 
werden kann,passt das ganz gut für 2m. Mit 4 Quarzen wären das komplette 
Band zu überstreichen.
Andere Methode wäre so einen gezogenen Oszillator als "VFO "und 
"mischen" zu verwenden.
Bei Betriebsarten wie CW kommt man in der Praxis auch mit 50kHz gut 
zurecht.Da liegt dann die Priorität auf Stabilität und nicht auf 
maximale Frequenzvariation.

von Bernd W. (berndwiebus) Benutzerseite


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Hallo Herbert.

herbert schrieb:
> Christoph db1uq K. schrieb:
>> Sepp Reithofer konnte einen 18,1 MHz Quarz für das 2m-Band um 600kHz auf
>> der Endfrequenz ziehen.
>
> Jo, und er benutzte dazu nur eine Spule mit 9µH und den Drehko 15pF in
> Serie.

Sepp Reithofer war oft auch der "Chuck Norris" des Amateurfunks. Ich 
habe auch vieles von ihm gelesen, aber vieles stellte sich beim Nachbau 
dann als fragwürdig heraus. Auch bei "nicht HF" Themen. Ich erinnere 
mich an einen Bauvorschlag für einen 1750Hz Tonruf aus zwei TTL-Inverter 
Stufen, der sich bei mir wegen seines Temperaturganges als letztlich 
unbrauchbar herausstellte.
Ein 555 ist dagegen eine wirklich robuste Lösung.

> Scheinbar hängt es sehr von der Güte des Quarzes ab wie
> "ziehfreudig" er ist.

Auch die grundsätzliche Idee des Ziehens von Quarzen ist problematisch, 
wenn es um weite Bereiche geht. Gerade der IC-202 ist ein Beispiel für 
einen Grenzfall. Ich verwende ihn selber immer noch portabel, aber die 
Quarze haben in den Randbereichen oft Anschwingprobleme, wenn es zu kalt 
oder zu warm ist, und die Akkuspannung deutlich unter 13V fällt.

Wenn er aber als Empfänger direkt oder nach dem Transverter stationär 
verwendet wird, ist das aber eher nebensächlich, weil die Temperatur und 
Versorgungsspannung hoffentlich nicht so variieren. Dann zählt nur das 
geringe Phasenrauschen sehr positiv.


Mit freundlichem Gruß: Bernd Wiebus alias dl1eic
http://www.l02.de

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