Gleich vorab: Ich will ihn weder verschenken noch verkaufen, sondern nur
verstehen und evtl. weiter nutzen!
Das Gerät hat unser Verein vor 20 Jahren mit dem restlichen Inventar der
alten Unisternwarte geerbt. Diese ist Baujahr 1965, ebenso wie der
Zeitzeichenempfänger. Hersteller ist die Ebauches SA, Neuchatel VD,
Schweiz; Modell-Nr. B-550. Auf der Vorderseite steht
"Zeitzeichen-Empfänger HBB", was mich wundert - ich finde nur einen mit
Kennung HBG in Prangins, Schweiz, der 2012 gesprengt wurde. Bis vor etwa
10 Jahren konnte man mit dem Empfänger auch noch ein Zeitzeichensignal
hören, aktuell hört man nur noch Rauschen, er stand jetzt 10 Jahre in
einer Vitrine und konnte von Besuchern bestaunt werden.
Anbei Fotos vom Äußeren und Inneren, dieses ist sauber gegliedert in
HF-Teil mit Demodulation, ich sehe OC44 und OA5 etc., einen NF-Teil mit
2 Trafos, möglicherweise zwei unabhängige Verstärker - einer für
Lautsprecher, einer für ein Relais, was aber offenbar fehlt. Und ein
Netzteil mit Trafo und einem TF78, offenbar eine
Spannungsreglerschaltung. Aufgesteckt ist die übliche drehbare
Ferritantenne, in der bereits ein Schwingkreiskondensator mit enthalten
ist (2 parallele Styros).
Zum Erstellen eines Schaltplans bin ich noch nicht gekommen -
insbesondere der HF-Teil ist offenbar kompliziert, vor allem wegen der
vielen parallelen Styros, um die genauen Filterwerte zu erhalten.
Für mich ergeben sich folgende Fragen:
- Hat jemand ein Schaltbild dieses Gerätes??
- Gab es tatsächlich einen Sender HBB, oder hat sich Ebauches da einen
Schnitzer geleistet? Welche Frequenz empfängt der Sender? (Ja, ich weiß,
ich könnte meinen nanoVNA mit einer Drahtschlinge um die Ferritantenne
einkoppeln, der geht ab 50 kHz - aber keine Ahnung inwieweit die Messung
den Schwingkreis verstimmt...)
- Da der Sender offenbar nicht mehr sendet, lässt sich der Empfänger auf
DCF77 umstimmen? Von 75 auf 77.5 kHz müsste doch gehen?
- Und eigentlich würde ich ihn sowieso gleich als Empfänger für SAQ
Grimeton nutzen, aber das wäre ein Faktor 5-6 sowohl in den L- als auch
C-Werten. Also nur Antenne und Gehäuse nutzen und die drei Platinen neu
aufbauen, mit komplett neuer, modernerer Beschaltung?
Josef L. schrieb:> Diese ist Baujahr 1965, ebenso wie der> Zeitzeichenempfänger.
Da stellt sich die Frage, ob damit überhaupt der erst später (1966)
gestartete Zeitzeichensender HBG empfangen werden sollte oder irgendein
'Vorläufer'.
Es kommen einige Institutionen für den Betrieb eines eigenen
Zeitzeichens in betracht:
Militär, Bahn, Post, ne Hochschule mit angeschlossenen Observatorien.
Und wurde Überhaupt ein Zeitzeichen oder lediglich ein Frequenznormal
empfangen (beispielsweise der Träger einer Rundfunkstation), das dann
selbstständig gestartet werden muß. Eine Sternwarte benötigt eher eine
Kalibrierung auf die lokale zeit, weil ja bekanntlich nicht überall
gleichzeitig Sonnenuntergang ist wenn in greenwich die Lichter angehen.
Und was wird als zeitzeichen erwartet? wohl eher was akustisches als was
binär codiertes wie heutzutage bei DCF77.
Zeigerspitzer schrieb:> Und wurde Überhaupt ein Zeitzeichen oder lediglich ein Frequenznormal> empfangen
Das war eindeutig ein Zeitzeichen, also im (reichlich dimensionierten!)
Lautsprecher war ein 800Hz oder 1kHz-Ton zu hören, der jede Sekunde kurz
ausgesetzt hat. Ich meine, dass die Pausen auch unterschiedlich lang
waren (0.1/0.2s) und gelegentlich 2 kurze Pausen waren (Minutenanfang?
Stundenanfang?). Im Empfänger fehlt das Relais sowie die Kabel vom
Relais zu den 6 Buchsen auf der Frontseite. Kann sein dass das mal drin
war, es ist auch am NF-teil offenbar herumgebastelt worden (den
Techniker kannte ich noch persönlich). Wir haben auch eine Quarzuhr aus
dieser Zeit, steht in der Rumpelkammer, ich weiß jetzt aber nicht ob die
auch von Ebauches ist, ich glaube eher von R&S. Die sollte wohl immer
mal mit dem Empfänger synchronisiert werden.
Mir sind aber keine Beobachtungsprogramme aus dieser Zeit bekannt, die
eine Genauigkeit der Zeitmessung von besser als 1 Sekunde erfordert
hätten, das lag eher im Minutenbereich.
Feiertagskenner schrieb:> Das Gerät der Nachwelt erhalten und zurück in die Vitrine stellen.
Das wird sicher passieren wenn sich nichts besseres findet. Aber
trotzdem würde ich dann den Lautsprecher von der vorhandenen Schaltung
trennen und an einen NF-Verstärker-IC hängen, davor eunen
DFC77-Empfänger aus einem alten Funkwecker. Damit man das Gerät auch mal
vorführen kann.
Josef L. schrieb:> Aber trotzdem würde ich dann den Lautsprecher von der vorhandenen> Schaltung trennen und an einen NF-Verstärker-IC hängen, davor eunen> DFC77-Empfänger aus einem alten Funkwecker.
Du brauchst noch einen Oszillator zur Erzeugung
des Lautsprechertons. Den baut man am einfachsten
mit einem Ein-Transistor-Phasenschieberoscillator.
Einen Umbau auf 77,5kHz halte ich für vertretbar, um dieses Altertum in
Verwendung zu halten. Das sieht alles aus wie einfaches Geradeaus da
drin. Erst Antenne neu abstimmen, dann einen Resonanzkreis nach dem
anderen.
Frag doch mal den Hersteller an, scheints ja noch zu geben
https://www.oscilloquartz.com/
Josef L. schrieb:> Zum Erstellen eines Schaltplans bin ich noch nicht gekommen -> insbesondere der HF-Teil ist offenbar kompliziert, vor allem wegen der> vielen parallelen Styros, um die genauen Filterwerte zu erhalten.
Letzteres sollte sich einigermaßen in den Griff bekommen lassen, indem
(zunächst) jeweils nur ein einziger in den Stromlaufplan übernommen
wird.
Helge schrieb:> Frag doch mal den Hersteller an, scheints ja noch zu geben
Kann ich machen - falls die noch jemand haben der damit umgehen kann,
ist ja alles Hardware! Aber ich befürchte, dass für die Aufarbeitung
einige 1000 Schweizer Fränkli fließen müssten. Selber machen wäre an
sich kein Problem, bis auf die Beschaffung "standesgemäßer" Bauteile.
Ich sehe da etwa 15 Elkos und 17 Uralt-Halbleiter, und die sind allesamt
Risiko-Kandidaten, ebenso der Netztrafo und die zwei Potis.
Percy N. schrieb:> jeweils nur ein einziger in den Stromlaufplan übernommen wird.
Das ist klar, parallele wirken ja wie ein einziger - es sind nur so
viele dass sie die halbe Schaltung verdecken und die Erfassung schwierig
machen. Ich will vor allem erstmal nichts auseinanderschrauben, wegen
der vielen Verbindungskabel. Ich glaube, ich muss mir eine Art
Zahnarztspiegel basteln...
Josef L. schrieb:> Mit etwas um die Ecke Denken habe ich den Sender gefunden:
Super! Ich hab mir hier schon nen Wolf gesucht und immer nur den
späteren HBG gefunden.
> Nun habe ich aber mal> 3 Windungen Klingeldraht um die Ferritantenne geschlungen und zwischen> Port 1+2 des nanoVNA eingeschleift - Ergebnis anbei: Die Resonanz isz> auf 75 kHz, das würde doch eher auf HBG deuten, oder?
Nun wissen wir aber nicht, wieviel und welche Wicklungen am Original
sind und ob dort noch mit C's die Resonanz getrimmt wird ...
Vielleicht misst Du die Resonanz mit Sin-Generator und Scope im xy-mode
aus (mit Lissajous die Phase messen, bei resonanz ist sie 90° ), ggf
muss du vorher den Empfangskreis vom Rest abtrennen.
Josef L. schrieb:> Percy N. schrieb:>> jeweils nur ein einziger in den Stromlaufplan übernommen wird.>> Das ist klar, parallele wirken ja wie ein einziger - es sind nur so> viele dass sie die halbe Schaltung verdecken und die Erfassung schwierig> machen. Ich will vor allem erstmal nichts auseinanderschrauben, wegen> der vielen Verbindungskabel. Ich glaube, ich muss mir eine Art> Zahnarztspiegel basteln...
Vielleicht wäre es einfacher, einen einfachen Frequenzumsetzer von
77,5 auf 75 kHz vor Deinen Emfänger zu setzen.
Vermutlich waren die Kreise des Empfängers mal auf 150kHz, und dann
wurde der auf HBG umgebaut. Wenn der Hersteller einen Schaltplan
rausrückt, ist noch schöner. Umbauen kann man selber. Vielleicht läßt
sich da einer bewegen, in den staubigen Archiven zu suchen :-)
96kHz, lese ich grade. Vielleicht läßt sich das neu abstimmen nur durch
entfernen einiger der zugebauten Kondensatoren. Die Spulen sind ja
einstellbar.
Helge schrieb:> 96kHz, lese ich grade.
Die 96 (genauer 95.85) kHz beziehen sich auf den im PDF genannten Sender
HBB Münchenbuchsee mit Wellenlänge 3130m. Auf der Vorderseite des Geräts
steht ja "Zeitzeichen-Empfänger HBB".
Ich habe jetzt nochmal mit nur 1 Windung das nanoVNA angehangen, der Dip
ist erheblich kleiner, aber immer noch exakt an derselben Stelle bei
75.0 kHz - der Empfänger war also auf den Sender HBG Prangins
abgestimmt. Eventuell ist das nachträglich geschenen und deswegen die
vielen Parallelkondensatoren am Filter.
Ich habe versucht auf dem Kontaktformular bei oscilloquartz.com eine
Anfrage zu starten, bekam aber nur eine Fehlermeldung.
Zeigerspitzer schrieb:> Jetzt ist die Frage, wann HBB abgeschaltet wurde
Das von mir genannte PDF ist von 1934, da kann also nichts darüber
enthalten. Darin ist auch zu finden, dass Prangins 1928 mit einem
50kW-LW-Sender ausgestattet wurde, der auf 4225m sendete (71.0 kHz),
allerdings kein Zeitzeichen, sondern offenbar wie die 1934
hinzugekommenen KW-Sender für drahtlosen Gegensprechverkehr diente.
Auf https://www.radioempfang.ch/sendeanlagen/schweiz/hbg-prangins/
steht, dass HBG 1966 in Betrieb ging, mit 20kW. Unsere Sternwarte
öffnete am 5.5.1966 - das passt zeitlich.
Ach ja, der Kontaktversuch mit oscilloquartz hatte offenbar doch Erfolg,
ich bekam inzwischen immerhin eine automatische Antwort "Hello and
thanks for contacting us. A member of our team will reach out to you
soon. Best wishes,
Your OSA support team".
Josef L. schrieb:> lässt sich der Empfänger auf DCF77 umstimmen? Von 75 auf 77.5 kHz müsste> doch gehen?> Und eigentlich würde ich ihn sowieso gleich als Empfänger für SAQ> Grimeton nutzen,
Ich wurde das Ding unverändert lassen (Elkos tauschen, Relais anbauen,
eventuell Modifikation rückgängig machen) und die 75kHz mit einem
eigenen Kleinsender ersatzweise senden, der sich zeitlich auf DCF77
synchronisiert.
Also zusätzlich was bauen.
MaWin schrieb:> 75kHz mit einem eigenen Kleinsender ersatzweise senden,> der sich zeitlich auf DCF77 synchronisiert.
Also 77.5 kHz DCF77-Empfänger, 75 kHz Testsender mit DCF77-Signal
moduliert und danach 75 kHz-Empfänger?? Klingt etwas aufwendig.
Ich warte jetzt erstmal ab ob ich von der Firma eine Antwort oder gar
ein Schaltbild bekomme.
Josef L. schrieb:> Also 77.5 kHz DCF77-Empfänger, 75 kHz Testsender mit DCF77-Signal> moduliert und danach 75 kHz-Empfänger?? Klingt etwas aufwendig.
Ein Frequenzumsetzer 77,5 kHz --> 75kHz sollte einfacher zu realisieren
sein.
Harald W. schrieb:> Ein Frequenzumsetzer 77,5 kHz --> 75kHz sollte einfacher zu realisieren> sein.
Der braucht doch auch einen Oszillator (152,5 kHz) und einen Mischer,
und wegen der geringen Signalstärke des Mischprodukts einen Verstärker
davor oder dahinter. Ich denke, mit einer Veringerung der Kreis- und
Filterkapazitäten um 6.35% geht es mit weniger Aufwand, und Mainflingen
sendet noch eine Weile.
Zur reinen Demo "wie sich sowas angehört hat" kann ich notfalls einen
nicht mehr benötigten MP3-Player einbauen, und einen Mitschnitt von
DCF77 aufspielen.
Harald W. schrieb:> Ein Frequenzumsetzer 77,5 kHz --> 75kHz sollte einfacher zu realisieren> sein.
Nein.
Das wurde auch voraussetzen, dass das Zeitsignal ebenso codiert ist wie
DCF77.
Er musste nur einen fertigen DCF77 Empfänger an einen Attiny/Arduino
koppeln, Software zur Zeiterfassung gibts fertig, und den die 75kHz an
einem Pin ausgeben lassen, unterbrochen passend zum code und ein
bisschen gefiltert, die Phasenlage wird ja egal sein bei dem alten Teil.
HBG war die letzen Jahre genau gleich codiert wie DCF77. Von daher, und
aufgrund des damals erfolgten Umbaus von HBB auf HBG ist eine Adaption
auf DCF vertretbar.
Josef L. schrieb:> Zur reinen Demo "wie sich sowas angehört hat" kann ich notfalls einen> nicht mehr benötigten MP3-Player einbauen, und einen Mitschnitt von> DCF77 aufspielen.
Genau das ist die Gretchenfrage, "Was will man mit diesem Gerät zeigen?
(a)Was Zeit und Observatorium gemeinsam haben und wie sich das
Verhältnis zwischen Zeitverteilung und Astronomie im lAufe der letzten
150 Jahre verändert hat
(b)oder das es alte Kästen gibt die rhythmisch vor sich hin krätzen ?!?
Persönlich tippe ich auf (a) und würd also eine Schautafel oder ein
Lernvideo machen das zeigt:
-das früher die physikalische Einheit Zeit nicht über eine Atomuhr
definiert war, sondern über die Dauer der Erdrotation
-das deshalb bspw das Observatorium in Neuchâtel (1858-) sozusagen als
'Eichamt' die Zeit bestimmte und als "Zeitzeichen" über verschiedenen
Sender (HBB, süäter HBG) verteilte und das insbesonders für die
Überseeschiffahrt wichtig ist (Positionsbestimmung über Kenntnis Zeit
und Sonnenstand)
-das erst in den 1950 die Sekunde nicht mehr über astronomische
Beobachtungen bestimmt wurde (1967: Änderung der Sekundendefinitionvon
Erdrotation auf 'Atomschwingungen')
-und das deshalb die Empfangsgeräte für das zeitzeichen umgebaut werden
mussten (anderer Sender, anderes Zeitzeichen) oder gar durch eine eigene
Atomuhr ersetzt.
Allein für die Anfertigung dieser Lehrtafel, -video könnte man das Gerät
in Gang setzen (wobei es IMHO die "piep,piep,pieeep-demo" genauso macht)
aber danach würde ich es geöffnet neben der Erklärtafel stehen lassen,
weil man an den Umbauten schön den Wandel der technischen Zeitbestimmung
und Zeitverteilung sieht.
Und natürlich sollte nicht der Hinweis fehlen, was ein Observatorium mit
so einer übermittelten Zeit alles anfing. (bestimmung der Taumelbewegung
der Erde, erstellung astronomischer Tafel für Navigation)
Sehr spannemder Artikel über Zeitbestimung im Observatorim, der auch auf
Oscilloquartz eingeht:
https://www.goldor.ch/artikel/wie-die-schweiz-die-genaue-zeit-bestimmt/
Josef L. schrieb:> und die zwei Potis
Die anderen Bauteile sehe ich erstmal noch nicht so sehr als Problem.
Ich hatte auch schon ein deutlich älteres Funkgerät und das lief auch
noch.
Aber Potis, an alten Geräten, die nicht mehr benutzt wurden, die habe
ich schon häufiger erlebt.
Ordentlich reinigen und dran drehen hat so manches Mal geholfen.
Ich weiß ja nicht wie weit du gehen willst, aber ich habe auch einige
Potis aufgemacht und repariert (aber meistens aus Not).
Anbei ein Foto von einem funktionsfähigen Zeitzeichensender, der bis
1948 in Berlin-Tegel stand. Jetzt im Museum 'Funkerberg' in
Königs-Wusterhausen.
Ganz links sieht man die Vitrine mit einem Funkzeichenempfänger, wohl
ähnlich dem vom TO, nicht im Bild die (Dreh?-)Pendeluhr, die wohl als
Taktgeber diente.
Fpgakuechle K. schrieb:> Anbei ein Foto von einem funktionsfähigen Zeitzeichensender, der bis> 1948 in Berlin-Tegel stand.
Bizarr - ein Frankenstein-Requisit mit moderner Digitalanzeige! So etwas
hätte sich nicht einmal Fritz Lang ausgedacht.
Fpgakuechle K. schrieb:> Persönlich tippe ich auf (a)
genau. Wir sind ja keine Forschungssternwarte, sondern zählen zu den
Einrichtungen der Erwachsenenbildung, auch wenn Kinder und Jugendliche
zu 50% die Besucher stellen. Ein Museum eben, in dem gezeigt wird, was
und mit welchen Geräten in einer Sternwarte gemacht wurde und wird. Und
da zu über 50% schlechtes Wetter ist und kein Blick durchs Fernrohr auf
Mond oder Planeten möglich ist, braucht man ein Ersatzprogramm, und
nicht alles wirkt per Beamer, manches "begreift" man besser durch
Drumrumgehen oder Anfassen. Und wenn's dann noch blinkt oder piept, umso
besser. Und wenn es realistisch piept (Doppelpiep zur vollen Minute,
Rauschen im Hintergrund, Änderung der Lautstärke wenn man die
Ferritantenne dreht), bleibt vielleicht eher etwas in den Köpfen hängen.
Ich habe übrigens auch beim Eidgenössischen Institut für Metrologie
(METAS) in Bern wegen der Sender HBB/HBG angefragt und eine nette
Vorabantwort erhalten, dass man diesbezüglich die Archive durchforschen
wird.
F. F. schrieb:> aber ich habe auch einige Potis aufgemacht und repariert
Aktuell ist das Lautstärkepoti völlig ohne Funktion, Drehen hat keine
Wirkung, NF ist auf maximale Lautstärke. Aber es ist offenbar ein
einfaches Poti ohne Schalter und ohne Anzapfungen, mit 6mm-Achse und
üblichem Schraubgewinde, da wäre es ein Wunder wenn ich keinen passenden
Ersatz aus den 1970er Jahren in der Bastelkiste hätte.
Das Andere sitzt als Trimmer hinter einem Loch in der Rückwand, seine
Funktion habe ich noch nicht ermittelt, da ich erstmal warte, ob mir ein
Schaltbild "zufliegt".
@Fpgakuechle
Sind das im Vordergrund zwei Sende-Endröhren? Sieht mir danach aus. Eine
Pendeluhr hatten wir auch, die stand aber im Professorenzimmer, ohne
Verbindung zu irgendwelchen anderen Geräten. In der Bamberger
Remeis-Sternwarte habe ich im Keller eine gesehen, unter Glasglocke, die
dort früher zur Steuerung der Teleskope diente.
Außerdem möchte ich mich jetzt mal für die vielen Anregungen und den
netten Ton hier bedanken!
MaWin schrieb:>> Ein Frequenzumsetzer 77,5 kHz --> 75kHz sollte einfacher zu realisieren>> sein.>> Nein.>> Das wurde auch voraussetzen, dass das Zeitsignal ebenso codiert ist wie> DCF77.
Das ist (war) bei HBG der Fall. Der Empfänger des TEs enthält aber
sowieso keine Kodierung. Der piept nur.
Versuche mal deinen nanoVNA an die 4 Resonanzkreise zu koppeln. Wenn du
da was erkennen kannst, lassen sich erst die Antenne und dann die
einzelnen Kreise nacheinander auf 77,5kHz ändern. Styroflexkondensatoren
dieser Bauart gibts z.B. bei Reichelt. Kapazitäten abschätzen: 75/77,5*C
ist der interessante Bereich. Feineinstellung mit den Kernen der Spulen.
Harald W. schrieb:> Der Empfänger des TEs enthält aber> sowieso keine Kodierung. Der piept nur.
Genau. Für die Verwendung der Relais wäre nur die absteigende Flanke des
0.1s dauernden Sekundenimpulses infrage gekommen, zusätzlich eine
Abfallverzögerung wegen des doppelten Minutenimpulses. Die alte (nicht
mehr vorhandene) Teleskopsteuerung hatte einen Motor, der geringfügig
schneller lief als benötigt und der durch den Sekundenimpuls
synchronisiert wurde (sog. "Uhrgan", ohne "g" am Ende - kommt von
"uhrengesteuert" + "Antrieb", siehe
https://volkssternwarte-erfurt.de/sternwarte/instrumente/montierunghttps://www.astw.de/projekte/pendeluhren.php
Oder zum Synchronisieren der Quarzuhr - dazu gleich ein Foto.
Hier das Foto von der auf unseren Verein gekommenen Quarzuhr; wie an dem
extra angebrachten Schildchen "sid." zu ersehen ist, ist es die
Sternzeituhr, die um 1/365.25 schneller läuft, da wegen des Umlaufs der
Erde um die Sonne die Sterne täglich um knapp 4 Minuten eher aufgehen.
Die angegebenen Frequenzen sind also alle um 0.2738% höher als
angegeben, also z.B. 100.2738 kHz statt 100 kHz.
Abhängig von Längengrad, Datum, Uhrzeit kann man die anzuzeigende Zeit
berechnen und dann mit dem Zeitzeichensignal synchronisieren (zumindest
einige Minuten, bevor das wieder auseinanderläuft. Die Uhr hat einen
Quarzofen, die genaue Frequenzeinstellung geht über ein geschütztes
fensterchen an der Seite (1. Bild).
Datenblatt unter
https://www.opweb.de/english/company/Rohde_and_Schwarz/CAQ
Josef L. schrieb:> @Fpgakuechle> Sind das im Vordergrund zwei Sende-Endröhren? Sieht mir danach aus.
Das ist eine komplette Sendeanlage, also Ja, das werden wohl die
Senderöhren sein. Das war Übrigens der 'kleinste' der dort ausgestellten
Sender und da Langwelle und Zeitzeichen eher 'fremdelnd' zwischen den
anderen Mittel- und Kurzwellensender aus dem Bereich Hörfunk.
https://museum.funkerberg.de/> Eine> Pendeluhr hatten wir auch, die stand aber im Professorenzimmer, ohne> Verbindung zu irgendwelchen anderen Geräten.
Ich hämg mal weitere Bilder aus dem Bereich Zeitzeichensender (farbig
hervorgehoben, die erwähnte Standuhr an der Stirnwand stehend) an, sind
aber nicht besonders, weil mein Interesse eher den anderen Exponaten
galt.
Und ich fand die Erläuterungen zu DCF77 zu einem Sender, der aus der
Zeit vor DCF77 stammt, etwas deplaziert und nicht sonderlich das Exponat
erhellend.
Fpgakuechle K. schrieb:> Und ich fand die Erläuterungen zu DCF77 zu einem Sender, der aus der> Zeit vor DCF77 stammt
Nachdem DCF77 auch um 1999 modernisiert wurde war bei mir die Vermutung,
es könnte sich bei dem Exponat tatsächlich um den alten DCF-Röhrensender
handeln, aber:
"Seit Januar 1998 steht als Betriebssender ein 50-kW-Halbleitersender
zur Verfügung. Der zuvor verwendete 50-kW-Röhrensender steht auch
weiterhin als Ersatzsender bereit." ist auf
https://www.ptb.de/cms/de/ptb/fachabteilungen/abt4/fb-44/ag-442/verbreitung-der-gesetzlichen-zeit/dcf77/sendereinrichtungen.html
zu lesen. Kann aber sein, dass es sich um einen gleichartigen Sender
handelt. Man sieht auch, dass ein Halbleitersender wegen der nötigen
Kühlung auch nicht wesentlich weniger Platz beansprucht. Ich nehme an
dass da auch genügend Redundanz mit vorgesehen ist, um das Zeitsignal
ununterbrochen senden zu können. Von Dieselgeneratoren mal ganz
abgesehen. Vielleicht sogar noch 'ne Dampfmaschin' falls das Öl
ausgeht...
Was mich bei unserem Empfänger überhaupt wundert ist, wieso ein
Empfänger aus der Schweiz für einen Schweizer Zeitzeichenempfänger
angeschafft wurde - halt, zurück, habs grad gelesen: DCF77 sendete bis
1973 nur eine Normalfrequenz, erst ab dann das Zeitsignal! Damit ist das
klar!
Heiner schrieb:> Wer sich tiefgründiger für die Historie und die Technik der> Zeitaussendung interessiert, dazu gab es 2009 interessantes Themenheft> der PTB "50 Jahre Zeitaussendung mit DCF-77":
Grad der interessante Teil zwischen 1913 und 1959 fehlt ... gab es zu
dieser zeit keine Zeit in .de? Gestohlenen Jahrzehnte ? ;-)
https://de.wikipedia.org/wiki/Chronologiekritik
Zeigerspitzer schrieb:> Grad der interessante Teil zwischen 1913 und 1959 fehlt ... gab es zu> dieser zeit keine Zeit in .de?
Na klar gabs da ein Zeit, aber nicht über Funk, sondern über Draht
verbreitet von der Normalzeit GmbH. Das ist in dem Artikel ja
beschrieben.
Zitat:
"Denn die Normal- Zeit GmbH lieferte nicht
nur innerhalb Berlins, sondern reichsweit überall
dorthin die amtliche Zeit, wo es ein Telefon gab.
Auch die Stadtuhrenanlagen in vielen anderen
deutschen Städten wurden so indirekt vom Re-
gulator in der Berliner Sternwarte gesteuert.
Zur Übermittlung der Zeit hatte das Unter-
nehmen vom Reichs-Postamt die Erlaubnis zur
Nutzung der Telefonleitungen erhalten und da-
rüber hinaus von der Reichsbahnverwaltung das
Recht zur Übertragung der Zeitsignale über die
Telegraphenleitungen entlang der Eisenbahn."
Von Drahtfunk hatte ich vor allem die Verwendung für Bomberwarnungen im
2.Weltkrieg in Erinnerung
https://de.wikipedia.org/wiki/Drahtfunk
Aber die Schweiz hat das noch bis 1998 fortgeführt, bei einem
bergreichen Land auch sinnvoll. Die haben auch viel Kabelfernsehen aus
demselben Grund.
Interessant ist ja die zeitliche Entwicklung der Zeitmessung,
insbesondere die Genauigkeit. Bis in die 1950er waren da die Sternwarten
maßgeblich; die Positionen der Sterne waren mindestens auf etwa 0.15"
genau bekannt (1" = 1/3600°), und da 1 Tag 24*3600 Sekunden, der
Vollkreis 360*3600" hat, dreht sich der Sternhimmel in 1s um 15" weiter.
0.15" Positionsgenauigkeit bei der Messung sind also gerade 1/100
Sekunde Genauigkeit in der Zeitmessung. Genauer konnte also die
Pendeluhr in der Sternwarte sowieso nicht gestellt werden, deren
Genauigkeit der Grafik zufolge bei 30s/Jahr, also etwa 0.1s/Tag lag.
Bereits die professionellen Quarzuhren waren 1930 schon 30x genauer,
unsere CAQ hat <2ms/Tag, also < 0.7s/Jahr; damit ist klar dass sie
gelegentlich nachgestellt werden musste. Inzwischen (seit 40 Jahren) ist
es so, dass man mit den Atomuhren die Ganggenauigkeit der Erdrotation,
sogar den Blätterfall im Herbst, messen kann...
Grafik aus: "IMHOF Pendulette réceptrice.pdf" auf
https://clockdoc.org/default.aspx?aid=12634
Ach ja, von METAS und Oscilloquartz habe ich noch keine Antwort.
Josef L. schrieb:
Inzwischen (seit 40 Jahren) ist
> es so, dass man mit den Atomuhren die Ganggenauigkeit der Erdrotation,> sogar den Blätterfall im Herbst, messen kann...
Ja spannend, In den alten Gangsterfilmen machen die Ganoven vor 'dem
Bruch' einen Uhrenabgleich.
https://www.youtube.com/watch?v=Cms-CIGbuXI
in den Siebzigern wurde früh mit dem Zeitzeichen vor den nachrichten
die Analoguhr um die 1 Minute Gangabweihung pro 24h berichtigt, ein
Jahrzehnt später musst man schon die Quartzuhr auf Sekundenanzeige
stellen um den Tagesfehler zu sehen und jetzt stellt man garkeine Uhr
mehr wartet auch nicht auf den Zeitgong und läßt sih einfach treiben
https://www.youtube.com/watch?v=6-t5LHTjDk0> Ach ja, von METAS und Oscilloquartz habe ich noch keine Antwort.
Ja wenn es um Zeit geht, läßt man sich halt Zeit ... ;-)
Aber auf die Veröfentlichung der Antwort bin ich auch mal gespannt.
> Was mich bei unserem Empfänger überhaupt wundert ist, wieso ein> Empfänger aus der Schweiz für einen Schweizer Zeitzeichenempfänger> angeschafft wurde
Kann auch ne Nachkriegsgeschichte sein: Verfügbarkeit,
Sende-/Betriebsgenehmigungen für den Kriegsgegner Deutschland. Dazu kam
die Zweistaatlichkeit, zwei Eichämter, zwei Kilogramm-normale, zwei
Zeitzeichensender, ...
https://de.wikipedia.org/wiki/DIZ_(Zeitzeichensender)
Vielleicht wollte man dem Streit zw. DAMG und PTB entziehen und setzte
auf die 'neutrale' Schweiz.
https://de.wikipedia.org/wiki/Physikalisch-Technische_Bundesanstalt#Die_Neugr%C3%BCndung_der_PTB_in_Braunschweig_und_andere_PTR-Nachfolger
Oder es entschied welcher 'Trägerverein' mit welchen Verbindungen beim
Aufbau der Warte beteiligt war, da gab es ja auch nicht nur einen:
https://sternfreunde.de/astronomie-fuer-mitglieder/die-vds-stellt-sich-vor/eine-kurze-geschichte-der-vds/
--
Am Rande:
Auch mit den Höhenangaben gibt es Unterschiede, da hätten die
Brückenbauer in der Schweiz kürzlich was versemmelt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hochrheinbr%C3%BCcke#Baufehler (obwohl der
halbe Meter einen Atsronomen, der nach AE ound Parsec rechnet wohl kaum
schocken dürften)
Fpgakuechle K. schrieb:> in den Siebzigern wurde früh mit dem Zeitzeichen vor den nachrichten> (...)
Das würde heute zu wildem Chaos führen. Die Latenzen von terrestrischem
Analogfernsehen, DVB-T, Analogfernsehen im Kabel, DVB-C im Kabel,
IPTV-Streaming und Satellit unterscheiden sich doch sehr gewaltig. Merkt
man immer wieder beim Fussball, der Torjubel hat einige Minuten Versatz.
Fpgakuechle K. schrieb:> Man wartet auch nicht auf den Zeitgong
Ja, der Zeitgong vor den Nachrichten kommt bei mir auch immer
mit ca. 10 Sekunden Verspätung.
Harald W. schrieb:> mit ca. 10 Sekunden Verspätung.
Ja, und das bei Kabel! Und außerdem existiert sogar eine Differenz
zwischen dem normalen und in HD, auch wenn beides bei uns digital kommt
(?).
Außerdem hat man bei Direktempfang wie beim Zeitzeichensender immer noch
die Funkstrecke - gut, Mainflingen ist von mit 75 km, das sind 0.25
Millisekunden, MSF in Anthorn/GB ist mit 1065 km fast 1000 km weiter weg
und sollte somit 3.55 ms verzögert ankommen, zwischen beiden Signalen
sollten also 3.3 ms liegen; wenn man Sender aus USA/Kanada, Russland
oder China empfängt sind Differenzen bis 1/20 s drin. Da ist dann die
Frage, ob die alle synchron gehen? Und ob da evtl. frequenzabhängige
Laufzeitdifferenzen im Empfänger dazu kommen.
Letzlich funktioniert ja GPS nach demselben Prinzip, aus den
Laufzeitunterschieden die Entfernungen zu den Satelliten zu bestimmen
und daraus dann die Position.
Josef L. schrieb:> Außerdem hat man bei Direktempfang wie beim Zeitzeichensender immer noch> die Funkstrecke
Garantiert wird bei DCF77 ja auch nur die Langzeitstabilität
der Frequenz.
:-]
Stimmt, dass kann man auch nicht verstehen - weil falsch. Ich selber
musste erst überlegen:
Gemessen wurde im Münsterland. Bei allen Entfernungsangaben fehlen die
270km bis zum DCF77. Das 'd/km' ist also tatsächlich ein 'dd/km'.
Josef L. schrieb:>> Letzlich funktioniert ja GPS nach demselben Prinzip, aus den> Laufzeitunterschieden die Entfernungen zu den Satelliten zu bestimmen> und daraus dann die Position.
Und dabei ist, wenns genau sein soll, die Erdrotation in die Laufzeit
mit einzubeziehen.
Kurt
Kurt schrieb:> Und dabei ist, wenns genau sein soll, die Erdrotation in die Laufzeit> mit einzubeziehen.
Hallo Kurt!
Jein - und doch wieder ja - und noch viel mehr! Letztlich die Position
und der Geschwindigkeitsvektor jedes beteiligten Objekts sowie die
Massenverteilung der Erde darunter. Kann man reduzieren auf die
Relativgeschwindigkeiten der Objekte zueinander und die jeweils wirkende
Schwerebeschleunigung im Moment der Messung. Dann muss man nur noch die
Formeln der Relativitätstheorie (welcher?) anwenden.
Genaueres auf https://de.wikipedia.org/wiki/Global_Positioning_System
Dort steht auch: " Gleichzeitig wird damit ein weltweit einheitliches
Zeitsystem zur Verfügung gestellt." - auch darauf muss ich natürlich in
unsrerer Vitrine mit dem alten Zeitzeichenempfänger hinweisen. Dass
nämlich inzwischen nahezu jeder sowas mit sich rumträgt, was vor 50-60
Jahren nur an wenigen ausgewählten Stellen zur Verfügung stand.
Naja, IBM war ja damals auch der Meinung, dass der Markt für
Elektronengehirne auf ein halbes Dutzend pro Erdkugel beschränkt sei...
Josef L. schrieb:> Kurt schrieb:>>> Und dabei ist, wenns genau sein soll, die Erdrotation in die Laufzeit>> mit einzubeziehen.>> Kann man reduzieren auf die> Relativgeschwindigkeiten der Objekte zueinander ...
Josef,
die Relativgeschwindigkeit zwischen Sender und Empfänger spielt beim GPS
keine Rolle.
Es ist einzig die Laufdauer zwischen zwei Punkten von Interesse.
Die Laufdauer des Signals muss um den Wert korrigiert werden der sich
durch die Erddrehung, während das Signal läuft, ergibt.
Kurt
Percy N. schrieb:> Doppler-Effekt?
Interessiert beim GPS nicht.
Es wird die Laufzeit zwischen zwei Punkten ausgewertet, einem Sendepunkt
und einem Empfangspunkt.
Da sich die Erde während der Signallaufzeit vom Sendepunkt zum
Empfangspunkt dreht muss das berücksichtigt werden.
Heisst: (ja was heisst/bedeutet denn das?)
Kurt
Kurt schrieb:> Percy N. schrieb:>>> Doppler-Effekt?>> Interessiert beim GPS nicht.Josef L. schrieb:> Die Relativgeschwindigkeit ändert die Frequenz und die Abstände der> Zeitsignale.
Ja, was denn nun?
Kurt schrieb:> Es wird die Laufzeit zwischen zwei Punkten ausgewertet, einem Sendepunkt> und einem Empfangspunkt.
Wie? Um diese Laufzeit bestimmen zu können, bräuchte man ein bekanntes
fixes Zeitsignal.
Meine Vermutung geht dahin, das eher der Laufzeitinterschied bzw der
Zeitversatz von Relevanz ist.
Percy N. schrieb:> Kurt schrieb:>> Percy N. schrieb:>>>>> Doppler-Effekt?>>>> Interessiert beim GPS nicht.>> Josef L. schrieb:>> Die Relativgeschwindigkeit ändert die Frequenz und die Abstände der>> Zeitsignale.>> Ja, was denn nun?>> Kurt schrieb:>> Es wird die Laufzeit zwischen zwei Punkten ausgewertet, einem Sendepunkt>> und einem Empfangspunkt.>> Wie? Um diese Laufzeit bestimmen zu können, bräuchte man ein bekanntes> fixes Zeitsignal.>> Meine Vermutung geht dahin, das eher der Laufzeitinterschied bzw der> Zeitversatz von Relevanz ist.
Beim GPS gibts eine Zeitreferenz (die GPS-Zeit), alle Empfänger werden
darauf synchronisiert.
Die Bahndaten eines SAT sind direkt mit der Systemzeit verknüpft,
heisst: jeder Punkt der Bahn gehört zu einem "Zeitpunkt".
Der Empfänger weiss also zu welchem Zeitpunkt (durch auswerten des
Empfangssignals) der SAT das Signal das er empfangen hat gesendet hat,
und damit auch den Sendeort.
Die Laufzeit dieses Signals zu ihm ergibt den Abstand den er zu diesem
Sendepunkt im Empfangsmoment hat.
Hat er von drei SAT diese Information kann er seine Pos berechnen.
Kurt
Percy N. schrieb:> Doppler-Effekt?
Ich nehme an das bezog sich auf die seltsamen Töne die die
Apollo-10-Astronauten hinter dem Mond hörten. Und ja, da wird vermutet,
dass das durch die veränderliche Geschwindigkeit zwischen Landefähre und
Kommandomodul entstand. Temperaturschwankungen könnten imho auch
mitgespielt haben.
Zur Frage wie bei GPS die Position ermittelt wird habe ich ja auf
Wikipedia verwiesen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Global_Positioning_System
Dort ist auch speziell was zu den relativistischen Effekten besprochen.
Wichtig ist, dass alle Satelliten ihre Zeit untereinander gleich halten
und der Empfänger keine eigene Uhr hat, sondern dazu die Signale der
Satelliten auswertet. Hätte man eine Atomuhr, die mit denen der
Satelliten synchronisiert ist, würden 3 Satelliten zur 3D-Ortsbestimmung
reichen, so braucht man halt 4 für den fehlenden Parameter. Also 3
Zeitdifferenzen zu einem 4. Satelliten ist identisch zu 3
Zeitdifferenzen zu einer eigenen Uhr.
Kurt schrieb:> Hat er von drei SAT diese Information kann er seine Pos berechnen.
Dann bräuchte man aber eine Atomuhr im Empfänger. Das kann man
vermeiden, wenn man das Signal von vier Satelliten auswertet.
Harald W. schrieb:> Dann bräuchte man aber eine Atomuhr im Empfänger. Das kann man> vermeiden, wenn man das Signal von vier Satelliten auswertet.
sag ich doch...
Kurt schrieb:> Beim GPS gibts eine Zeitreferenz (die GPS-Zeit), alle Empfänger werden> darauf synchronisiert.
Das wird bei drei Sendern nicht reichen, da die Entfernung und damit die
Laufzeit unbekannt ist.
Josef L. schrieb:> Dort steht auch: " Gleichzeitig wird damit ein weltweit einheitliches> Zeitsystem zur Verfügung gestellt." - auch darauf muss ich natürlich in> unsrerer Vitrine mit dem alten Zeitzeichenempfänger hinweisen.
Ja das ist auch Wissen, das immer mehr verdrängt wird, das es eben auch
'Zeitverteilsysteme' gab und bei der Spezifikation von GPS war das ein
klar definierte Anfordeung - eine Referenzzeit zu übermitteln.
Das ist den Militärs seit Jahrzehnten wichtig, weil das zu Koordination
von Bewegungen wichtig ist. Diese Bewegungskoordination, konkret bei der
Eisenbahn mit ihren Fahrplänen auf eingleisigen Strecken) soll ja auch
der 'Beschleuniger' gewesenen eine Einheitszeit zu etablieren, lange
Zeit galt die Bahnhhofsuhr als die wahre Zeit und man stellte nach
dieser seine Taschenuhr. Auch im Funk/Telegraphiewesen ist eine
Einheitszeit wichtig, da gab es im Dienstplan immer den Arbeitsschritt
"Uhrenabgleich". Das war bspw. wichtig um zeinen Sendeteitslot zu
erwischen und später auch zum Ent- und Verschlüßeln von Nachrichten
oder um beim Frequenzsprungverfahren die richte Folge von
Trägerfrequenzen 'zu erwischen'
https://de.wikipedia.org/wiki/Have_Quick.
Die Zeit wurde auch vor GPS mit Satellit übertragen (1967 Transit
https://de.wikipedia.org/wiki/Transit_(Satellitensystem). Oder man rief
die Zeitansage an, die lief schon seit 1935 automatisiert, wenn auch
nicht so schön wie damals in der legendären 'Sendung mit der Maus'
erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=4aMqKr0D-7o
Heiner schrieb:> Wer sich tiefgründiger für die Historie und die Technik der> Zeitaussendung interessiert, dazu gab es 2009 interessantes Themenheft> der PTB "50 Jahre Zeitaussendung mit DCF-77":>> https://www.ptb.de/cms/fileadmin/internet/publikationen/ptb_mitteilungen/mitt2009/Heft3/PTB-Mitteilungen_2009_Heft_3.pdf
Obwohl verglichen mit "Have Quick" technologisch etwas überholt, ist der
Abschnitt über "Wilhelm Julius Foerster" in der PTB-Veröffentlichung
auch sehr interessant. Er erlaubt eine schöne Gedankenreise in das
deutsche Kaiserreich.
Franz schrieb:> Heiner schrieb:>> Wer sich tiefgründiger für die Historie und die Technik der>> Zeitaussendung interessiert, dazu gab es 2009 interessantes Themenheft>> der PTB "50 Jahre Zeitaussendung mit DCF-77":>>>>> https://www.ptb.de/cms/fileadmin/internet/publikationen/ptb_mitteilungen/mitt2009/Heft3/PTB-Mitteilungen_2009_Heft_3.pdf>> Obwohl verglichen mit "Have Quick" technologisch etwas überholt,
'technologisch überholt" ist und war meines Erachtens kein gutes
Argument, sich nicht mit den 'alten Techniken und Theorien zu
beschäftigen. Also danke für den Link auf den alten Foerster. Im
Zusammenhang mit der Schweiz (HBB,HBG) sollte man sich auch den Namen
Adolphe Hirsch (ein deutscher Astronom, der in der Schweiz die
Zeitmessung 'aufbaute') https://en.wikipedia.org/wiki/Adolphe_Hirsch
merken.
--
Im Zusammenhang mit GPS gab es auf der IAC - Tagung (International
Astronautical Congress) 2010 den sehr interessanten Vortrag von Bradford
W. Parkinson über die Geschichte der Entwicklung des GPS.
Dabei spricht auch auch über ein 'Zeitverteilungssystem per Satellite'
von 1964 ("Timation"), bei dem wichtige Erkenntnisse über die
(Un-)brauchbarkeit damaliger (Rubidium) Atomuhren im Erdorbit gewonnen
wurden.
https://youtu.be/Flo-lQ1uyP0?t=1941https://en.wikipedia.org/wiki/Timation
Josef L. schrieb:> Harald W. schrieb:>> Dann bräuchte man aber eine Atomuhr im Empfänger. Das kann man>> vermeiden, wenn man das Signal von vier Satelliten auswertet.>> sag ich doch...
Es reicht der Taktgeber des Prozessors.
Die Systemzeit wird unter Hilfe von vier SAT ermittelt und als direkte
Zeitzahl oder im Offset laufend, als Systemzeit im Empfänger verwendet.
Entscheidend für die Funktion vom GPS ist das Kennen der Systemzeit und
das kennen der Verknüpfung der Bahnpunkte der SAT mit der Systemzeit.
Die Bahnpunkte sind direkt mit der Systemzeit verknüpft. Hat er die
nicht kann er auch keine (fürs Autofahren ausreichend genaue) POS
ermitteln
Dem Empfänger werden die Bahnpunkte mitgeteilt und dadurch kann er die
Laufzeit des Sendesignals von Punkten zu seinem Momentanstandort
ermitteln.
Hat er drei solcher Laufzeiten kann er daraus seine POS ermitteln.
Bei drei SAT wird angenommen das er sich auf/in Nähe der Erdoberfläche
befindet, das Ergebnis ist nämlich zweideutig.
Solls genau gehen muss die Erdrotation mitberücksichtigt werden.
Was das in Bezug zum Lichtlaufen aussagt ist leicht einzusehen.
Kurt
Fpgakuechle K. schrieb:> --> Im Zusammenhang mit GPS gab es auf der IAC - Tagung (International> Astronautical Congress) 2010 den sehr interessanten Vortrag von Bradford> W. Parkinson über die Geschichte der Entwicklung des GPS.> Dabei spricht auch auch über ein 'Zeitverteilungssystem per Satellite'> von 1964 ("Timation"), bei dem wichtige Erkenntnisse über die> (Un-)brauchbarkeit damaliger (Rubidium) Atomuhren im Erdorbit gewonnen> wurden.
Die Uhren in den SAT müssen ausreichend kurzzeitstabil sein.
Sie werden nicht auf die Systemzeit synchronisiert, sondern laufen frei.
Kurt
Kurt schrieb:> Die Uhren in den SAT müssen ausreichend kurzzeitstabil sein.> Sie werden nicht auf die Systemzeit synchronisiert, sondern laufen frei.
Da würde ich an deiner Stelle nochmal darüber meditieren - oder
nachlesen.
https://de.wikipedia.org/wiki/GPS-Zeit
Heiner schrieb:> Kurt schrieb:>> Die Uhren in den SAT müssen ausreichend kurzzeitstabil sein.>> Sie werden nicht auf die Systemzeit synchronisiert, sondern laufen frei.>> Da würde ich an deiner Stelle nochmal darüber meditieren - oder> nachlesen.>> https://de.wikipedia.org/wiki/GPS-Zeit
Ich sehe nicht was an meiner Aussage falsch sein soll, erklärs mir.
Kurt
Kurt schrieb:> Ich sehe nicht was an meiner Aussage falsch sein soll, erklärs mir.
Ja, es sind "freilaufende Atomuhren", und da keine Bodenhaltung, muss
die daraus abgeleitete Zeit noch mit der jeweiligen Flughöhe
(Gravitationsrotverschiebung) und Relativgeschwindigkeit
(Dopplerverschiebung) korrigiert werden. Dann kannst du aus den
Laufzeitunterschieden wie bei stationären Sendern/Empfängern die
Distanzen und Position des Empfängers ableiten.
Du solltest erst die schon mehrfach genannten Wikipedia-Texte zu GPS und
GPS-Zeit lesen und verstehen, dann hätte sich deine Nachfrage vermutlich
bereits erübrigt. Ja, und es ist eine komplizierte Materie.
Josef L. schrieb:> Kurt schrieb:>> Ich sehe nicht was an meiner Aussage falsch sein soll, erklärs mir.>> Ja, es sind "freilaufende Atomuhren", und da keine Bodenhaltung, muss> die daraus abgeleitete Zeit noch mit der jeweiligen Flughöhe> (Gravitationsrotverschiebung) und Relativgeschwindigkeit> (Dopplerverschiebung) korrigiert werden.
Hallo Josef,
der Gang einer Uhr, hier Atomuhr, hat mit einer irgendwie gearteten
Gravitionsannahme nichts zu tun.
Wenn sie auf Gravitation reagiert dann gehört sie in die Tonne.
Oben im SAT laufen Uhren schneller weil die Atome dort oben anderen
Ortsumständen ausgesetzt sind.
Sie laufen langsamer weil sie bewegt sind.
Da dort oben die Ortsumstände stärker wirken takten die Uhren zu
schnell.
Ob der Gang der Uhren angepasst wird oder nicht spielt keine Rolle.
Was der Uhrengang, ob korrigiert oder nicht, mit Doppler zu tun hat
erschliesst sich mir nicht, erklär uns das mal.
> Dann kannst du aus den> Laufzeitunterschieden wie bei stationären Sendern/Empfängern die> Distanzen und Position des Empfängers ableiten.>
Da beim GPS quasi nur Punkte zählen ist es egal ob sich Sender und/oder
Empfänger bewegen oder nicht.
Es wird die Laufzeit zwischen den Punkten ermittelt. Da sich während der
Laufzeit die Erde dreht, die Signale aber nicht an die Erde angenagelt
laufen, muss das korrigiert werden.
Dieses Verhalten zeigt sehr schön das die Signale im Nahbereich der Erde
so laufen als sei das Trägermedium dafür an die Erde angenagelt, aber
doch nicht ganz, sie dreht sich nämlich darin.
> Du solltest erst die schon mehrfach genannten Wikipedia-Texte zu GPS und> GPS-Zeit lesen und verstehen, dann hätte sich deine Nachfrage vermutlich> bereits erübrigt. Ja, und es ist eine komplizierte Materie.
Was kapiere ich denn nicht?
Kurt
Josef L. schrieb:> Harald W. schrieb:>> Dann bräuchte man aber eine Atomuhr im Empfänger. Das kann man>> vermeiden, wenn man das Signal von vier Satelliten auswertet.>> sag ich doch...
Hab ich irgendwie übersehen, Entschuldigung. So oder so,
die Berechnungen zur Bestimmung des genauen Ortes sind
recht kompliziert. Welche davon bereits in den Satelliten
und welche erst unten im Empfängerchip gemacht werden,
weiss ich nicht. Der Empfänger ("GPS-Maus" o.ä.) gibt ja
bereits den korrekten Standort aus. Der µC im Anzeigege-
rät muss sich dann nur noch um die Karten und die Navi-
giervorschläge ("Bitte nicht in den Fluss fahren, wenn
die Fähre nicht da ist.") kümmern.
Harald W. schrieb:> Josef L. schrieb:>>> Harald W. schrieb:>>> Dann bräuchte man aber eine Atomuhr im Empfänger. Das kann man>>> vermeiden, wenn man das Signal von vier Satelliten auswertet.>>>> sag ich doch...>> Hab ich irgendwie übersehen, Entschuldigung. So oder so,> die Berechnungen zur Bestimmung des genauen Ortes sind> recht kompliziert. Welche davon bereits in den Satelliten> und welche erst unten im Empfängerchip gemacht werden,> weiss ich nicht. Der Empfänger ("GPS-Maus" o.ä.) gibt ja> bereits den korrekten Standort aus.
Die SAT übermitteln eigentlich nur die Systemzeit und die Bahndaten der
SAT. Da besteht eine feste Verknüpfung (das mit den Sendepunkten).
Den Rest muss der Empfänger machen.
Kurt
Kurt schrieb:> der Gang einer Uhr, hier Atomuhr, hat mit einer irgendwie gearteten> Gravitionsannahme nichts zu tun.> Wenn sie auf Gravitation reagiert dann gehört sie in die Tonne.
Du hast Recht, es ist nicht die Uhr, sondern die Zeit, die in
Abhängigkeit von Gravitation und Bewegung anders abläuft.
> Was kapiere ich denn nicht?
Das es ein Unterschied macht, ob eine Uhr oder die Zeit selbst
beeinflusst wird. Ich behaupte nicht, das ich die Relativitäts-
Theorie wirklich verstehe, ich weiss aber das es sie gibt und
das man deren Einfluss herausrechnen kann. Das musste man bereits
bei Uhrenvergleichen zwischen den Atomuhren in Braunschweig (D),
geographische Höhe ca. 50m und Boulder (USA) geographische Höhe
ca. 1600m.
Harald W. schrieb:> und das man deren Einfluss herausrechnen kann.
Ich gehe jetzt davon aus dass Kurt insofern recht hat: Es reichen die
Positionen und die Zeitpunkte zu diesen Positionen. Daiese Informationen
sind in den gesendeten Daten enthalten. Alles andere
(Gravitationsrotverschiebung etc) ist in der zuvor abgelaufenen
Korrektur der Uhren in den Satelliten bereits enthalten. Notwendige
nachträglich anzubringende Korrekturen betreffen dann nur
Laufzeitunterschiede infolge der variablen Lichtgeschwindigkeit in der
Atmosphäre, siehe zB https://de.wikipedia.org/wiki/GPS-Technik, weil das
der Sender ja nicht wissen kann.
Harald W. schrieb:> Kurt schrieb:>>> der Gang einer Uhr, hier Atomuhr, hat mit einer irgendwie gearteten>> Gravitionsannahme nichts zu tun.>> Wenn sie auf Gravitation reagiert dann gehört sie in die Tonne.>> Du hast Recht, es ist nicht die Uhr, sondern die Zeit, die in> Abhängigkeit von Gravitation und Bewegung anders abläuft.>
Es ist die Uhr die oben schneller taktet als herunten, die Gründe sind
benannt.
Was ist "die Zeit", was ist das für ein Ding?
>> Was kapiere ich denn nicht?>> Das es ein Unterschied macht, ob eine Uhr oder die Zeit selbst> beeinflusst wird.
Was ist "die Zeit" selbst, was ist das für ein Ding?
Kurt
Josef L. schrieb:> Harald W. schrieb:>> und das man deren Einfluss herausrechnen kann.>> Ich gehe jetzt davon aus dass Kurt insofern recht hat: Es reichen die> Positionen und die Zeitpunkte zu diesen Positionen. Daiese Informationen> sind in den gesendeten Daten enthalten. Alles andere> (Gravitationsrotverschiebung etc) ist in der zuvor abgelaufenen> Korrektur der Uhren in den Satelliten bereits enthalten.
Es gibt keine Gravitationsrotverschiebung.
Ein Signal kommt so an wie es gesendet wurde (kein "Doppler" aktiv).
Ausserdem ist es egal ob der Gang der SAT-Uhr verlangsamt wird oder
nicht.
Dieser "Fehler" würde nur mit ca. 1% der üblichen Fehler zu Buche
schlagen.
> Notwendige> nachträglich anzubringende Korrekturen betreffen dann nur> Laufzeitunterschiede infolge der variablen Lichtgeschwindigkeit in der> Atmosphäre, siehe zB https://de.wikipedia.org/wiki/GPS-Technik, weil das> der Sender ja nicht wissen kann.
Und, nicht vergessen, die Korrektur der Erdrotation während der
Signallaufzeit.
Kurt
Josef L. schrieb:> Auch die alten Zeiten mit Signalbällen sind definitiv vorbei!
Interessant, wobei mich wundert, warum man nicht einen Mittagsschuß
setzte, die wenigen Sekunden Laufzeit sollten bei der damals in der
Seefahrt geforderten Genauigkeit kaum ins Gewicht fallen, Und vom
Hafenliegeplatz kann man die Entfernung auch gut genug abschätzen.
Bein den Russen wird heute noch zur Mittagsstunde geballert:
https://www.spbmuseum.ru/events/61/1816/?lang_ui=en
Augenscheinlich in den Achtzigern per Hand, also ohnehin mit der
Genauigkeit von wenigen Sekunden.
Josef L. schrieb:> Kurt schrieb:>> Es gibt keine Gravitationsrotverschiebung.>> Kann bitte mal jemand diesen Thread entkurten?
Siehste wie sich die Zeiten ändern, früher wurde nach dem Scheiterhaufen
gerufen, heute reicht es einen Mod aufzuscheuchen/anzuhetzen.
Josef, erklär uns mal, ohne einen Link zu bemühen, was dieses
Rotverschieben sein soll, wie es möglich ist das irgendwas ein in der
Vergangenheit erstelltes Signal in seiner Wiederholrate ändert.
Kurt
Kurt schrieb:> Josef, erklär uns mal, ohne einen Link zu bemühen, was dieses> Rotverschieben sein soll
Das ist ein Thread in dem es um Zeitzeichenempfänger und -sender geht
und um GPS nur am äußersten Rand. Dir sind jetzt mehrere Quellen genannt
worden wo du das alles genau nachlesen kannst, und bitte versuche nicht
weiter diesen Thhread für deine kruden Theorien zu kapern!
Josef L. schrieb:> Kurt schrieb:>>> Josef, erklär uns mal, ohne einen Link zu bemühen, was dieses>> Rotverschieben sein soll>> Das ist ein Thread in dem es um Zeitzeichenempfänger und -sender geht> und um GPS nur am äußersten Rand. Dir sind jetzt mehrere Quellen genannt> worden wo du das alles genau nachlesen kannst, und bitte versuche nicht> weiter diesen Thhread für deine kruden Theorien zu kapern!
So kann man auch versuchen sich aus der Verantwortung (Antworten) zu
ziehen.
(Naja, vill regts zum Nachdenken an.)
Kurt
Nochmal zum HBB-Gerät:
Da der Empfänger eh nicht mehr im Originalzustand ist, könnte er
eigentlich auf 77.5 kHz umgestimmt werden.
Schöner fände ich aber den Rückbau in den Originalzustand und den Bau
eines kleinen Senders, wie es MaWin bereits vorgeschlagen hat. Das
Sendesignal sollte selbstverständlich dem des ursprünglichen Senders
entsprechen. Dazu reicht ein Arduino - einen DCF77-Empfänger braucht man
nicht. Neben der Sternwarte liegt doch eine Schule. Dort gibt es doch
sicher ambitionierte Lehrer*innen.
Franz schrieb:> Nochmal zum HBB-Gerät:>> Da der Empfänger eh nicht mehr im Originalzustand ist, könnte er> eigentlich auf 77.5 kHz umgestimmt werden.
Sehe ich persönlich anders.
Der HBB-Empfänger ist kein Zeitcodeempfänger nach DCF77, weder im
Originalzustand, noch umgestimmt auf HBG. Da würde nichts wie bei DCF
decodiert ob 1 oder 0, da wurde lediglich die demoduliert, das man den
Sekundentakt hören konnte. Oder was auch sonst soundtechnisch von HBB
oder HBG als hörbares Zeitzeichen gesendet wurde.
Ich würde den Empfänger so belassen wie er all die Jahre benutzt wurde,
also auf HBG gestimmt.
Falls man DCF77 demonstrieren will, dann würde ich eine neuen Empfänger
nehmen und dessen Signal auf ein Scope mit langsamer Ablenkung geben,
das man schön die einlaufenden Bits sieht. Auch bei einem neuen
Empfänger kann das Drehen der Ferritantenne demonstrieren, auch wenn man
den gesamten Receiver samt antenne auf einen Drehteller legt.
Es wäre auch zu klären, wer den Umbau getätigt hat.
Vielleicht war es ja der Hersteller selbst, der diese durch die
Sender-Abschaltung unbrauchbar gewordene Gerät kostengünstig an
Volkssternwarten abgab und sich die Neuanfertigung einer Frontplatte
sparte. Das ein Schweizer Fabrikat für die UmstimmKondensatoren
verwendet wurde (Leclanché SA) könnte ein Indiz für diese Medifikation
ab Hersteller selbst sein. Insofern doch eine Art 'Originalzustand',
aber auf jeden Fall der Zustand wie benutzt.
PS: Ich bin mir aber anhand der Fotos nicht wirklich sicher, ob die/alle
Umstimm-C vom selben Schweizer Fabrikat sind.
Fpgakuechle K. schrieb:> ... Hersteller selbst sein. Insofern doch eine Art 'Originalzustand',> aber auf jeden Fall der Zustand wie benutzt.> ...
Zumindest sollte man die neuesten Änderungen nach der
Außerbetriebsetzung nach möglich (das Gerät muss heil bleiben)
entfernen.
Der "Sound" sollte gleichermaßen 'Original' bleiben. Das
DCF77-AM-Sendesignal würde ich nicht gerne hören wollen.
Danke für die drei letzten Beiträge - werde ich alles in Erwägung
ziehen.
Schule nebenan: Das ist eine Teil-Grundschule, entsprechend sieht es mit
technischen Fähigkeiten aus - immerhin würde wohl beim Lötkolben die
Frage kommen, wo man besser nicht anfasst.
Umbau: Ich nehme stark an, dass das der Techniker des hiesigen
astronomischen Instituts war. Der konnte sowas, auch Anspruchsvolleres,
wie S-Band Empfänger mit Scheibentriode EC57.
Da sich von METAS und Oscilloquartz bisher niemand gemeldet hat, habe
ich mich selber mal ans Schaltbild erstellen gemacht und mit dem
Netzteil angefangen - hier ohne Netzkabel, Netzschalter, Sicherung und
Spannungswahl am Trafo (6 Anzapfungen von -10 bis +15%). Klassische
Schaltung, Minimalbestückung. 275mV Ripple bei 175mA Laststrom.
Fpgakuechle K. schrieb:> Da mal der Sound von DCF77:> https://www.youtube.com/watch?v=e-1LyErPj-A>> leider keine volle Minute, so dass Minutenmarke nicht unbedingt drauf> ist. Eventuell hört man den Unterschied zwischen kurzer und langer> Pause:> http://www.netzmafia.de/skripten/hardware/RasPi/Projekt-DCF77/
Der HBG hatte wie gesagt einen Doppel-/Dreifach- und einen Vierfachpuls
zur vollen Minute, Stunde bzw. Tag. Alles 0.1s-Austatsungen. Die
restlichen Sekunden waren dann wie DCF77 kodiert, zumindest ab 2001
(siehe https://de.wikipedia.org/wiki/HBG_(Zeitzeichensender) ).
Der nächste verfeinerte Vorschlag ist dann sicher ein DCF77-Empfänger
mit Zusatzschaltung, die den Minutenimpuls umcodiert, und daran ein
75kHz-Sender angeschlossen :-))
Uberlegenswert! Nur: Die Kennung "HBG" bzw. "DCF" wird offenbar nicht
mitcodiert?
Josef L. schrieb:> Schule nebenan: Das ist eine Teil-Grundschule, entsprechend sieht es mit> technischen Fähigkeiten aus - immerhin würde wohl beim Lötkolben die> Frage kommen, wo man besser nicht anfasst.
Ok, die riesige Schüssel auf dem Schuldach war da etwas irreführend.
Franz schrieb:> die riesige Schüssel auf dem Schuldach
Die hat 3m und war die Antenne zu dem (nicht mehr existierenden)
S-Band-Empfänger mit EC57. Die gehört seit 2001 unserem Verein, und
obwohl da mindestens 4 OMs Mitglied sind, habe ich bisher keinen dafür
begeistern können. Ja, das ist ein anderes Projekt.
Josef L. schrieb:> Der HBG hatte wie gesagt einen Doppel-/Dreifach- und einen Vierfachpuls> zur vollen Minute, Stunde bzw. Tag. Alles 0.1s-Austatsungen.
Ja hätt ich doch gleich die Wikipedia benutzt, da ist auch ein
Audiobeispiel für HBG dabei:
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:HBG_(Prangins,_Switzerland)?uselang=de>Der nächste verfeinerte Vorschlag ist dann sicher ein DCF77-Empfänger>mit Zusatzschaltung, die den Minutenimpuls umcodiert,
Genau, ich frag mich schon die ganze Zeit wie die Teleskopsteuerung oben
mit dem DCF umgehen soll, wenn bei diesem Pulse fehlen.
Fpgakuechle K. schrieb:> wie die Teleskopsteuerung oben> mit dem DCF umgehen soll, wenn bei diesem Pulse fehlen
Das war wohl allenfalls bis Mitte der 1970er Jahre (also nur 10-12
Jahre) so wie ursprünglich gedacht in Betrieb. Dann hat der besagte
Techniker ein 220V-Netzteil, genauer einen Frequenzumsetzer, also
AC/AC-Netzteil mit variabler Frequenz gebaut, an dem drei verschiedene
feste (mit Trimmpoti) und eine variable Frequenz umgeschaltet werden
konnten, die dann dem Motor mit angehängtem Getriebe und abgeschalteter
("Uhrgan"-)Regelung mit jeweils der richtigen Geschwindigkeit ansteuern
konnte.
Aufgrund der Refraktion in der Atmosphäre, die am Horizont sowieso 0.7°
ausmacht, in 50° Höhe noch 1', ändert sich die nötige Geschwindigkeit eh
um mehr als 1/10000 - es genügt eine auf 0.1% genaue Geschwindigkeit
fürs visuelle Beobachten, und fürs Fotografieren muss man einen sog.
Leitstern im Fadenkreuz halten, heute meist elektronisch gelöst.
Zur "richtigen" Zeitmessung wie in den großen Sternwarten (zB Hamburg)
waren wir eh nie ausgerüstet, da braucht es Spezialinstrumente, siehe
https://de.wikipedia.org/wiki/Passageninstrument . Man hat aber da nie
die Uhrzeiger korrigiert, wie man das bei Wecker oder Armbanduhr gemacht
hätte, sondern immer nur den Uhrgang ermittelt, also zu der Zeit, zu der
gemessen wurde, die gemessene Zeitabweichung notiert.
Franz schrieb:> Der "Sound" sollte gleichermaßen 'Original' bleiben. Das> DCF77-AM-Sendesignal würde ich nicht gerne hören wollen.
Wie willst Du denn auch eine Modulation mit 1 Herz hören?
Harald W. schrieb:> Wie willst Du denn auch eine Modulation mit 1 Herz hören?
Nun nimm das doch nicht so wörtlich, sonst müsstest du sagen, mit 77.5
kHz wäre das ja etwas oberhalb der Hörgrenze :-)
Nach der Demodulation hört man es, nämlich durch die an- und
absteigenden Flanken, weil die Lautsprecher zwar nicht mitkommen
(Hochpass), aber die Flanken steil genug sind um ein kurzes "plopp" zu
erzeugen.
Aber im HBB-Empfänger war eindeutig ein 800- bis 1000Hz-Ton zu hören. Da
bin ich gespannt auf das Schaltbild wie das gelöst wurde. Ich habe noch
keine Ahnung.
Josef L. schrieb:> Aber im HBB-Empfänger war eindeutig ein 800- bis 1000Hz-Ton zu hören. Da> bin ich gespannt auf das Schaltbild wie das gelöst wurde. Ich habe noch> keine Ahnung.
Durch Mischung, so wie man Morsezeichen hörbar macht? Du bräuchstest
einen auf 78,5 kHz abgestimmten lokalen Oszillator, und zusammen mit dem
Signal von der Antenne gibt das eine ZF von 1 kHz. Und die kann man
hören.
Wäre bei DCF-77 aber langweilig. Das wäre ein Piepton, der im
Sekundentakt kurz etwas leiser wird.
Harald W. schrieb:> Franz schrieb:>>> Der "Sound" sollte gleichermaßen 'Original' bleiben. Das>> DCF77-AM-Sendesignal würde ich nicht gerne hören wollen.>> Wie willst Du denn auch eine Modulation mit 1 Herz hören?
Die sekündlichen Pausenzeiten beim DCF77 sind 0.0s,0.1s oder 0.2s. Das
ist beim HBG halt deutlich hörbar (Wikipedia) anders.
Eine Übersetzung von DCF77-Daten nach HBG-Daten braucht man nur dann,
wenn tatsächlich eine Teleskopsteuerung dran hängen soll und auch eine
Beobachtung geplant ist. Wenn nicht, dann reicht das Senden einer
HBG-Fake-Sequenz.
Ein richtiges HBG-Signal mit korrektem und genauen Zeitcode zu senden
wäre aber auch nicht wirklich schwierig. Wenn man einen STM32 statt
einem Arduino verwendet, dann reicht folgendes:
- zwei Mignonzellen bzw. Steckernetzteil
- ein STM32F103
- "Sender": Speicherdrossel, Kondensator und Widerstand
- "Empfänger" (sogar ein SDR-PRN-Empfänger!): Speicherdrossel,
Kondensator und zweifache Emitterschaltung
Die Programmierung ist einfach (aber langwierig).
Franz schrieb:> Die Programmierung ist einfach (aber langwierig).
Da ich eh mehr auf Visual Studio stehe: Ich kann 0.1...0.9 s lange Töne
(was davon nötig ist) als WAV abspeichern und in der korrekten
Reihenfolge über die Soundkarte ausgeben, meinetwegen sogar über die
interne Uhr gesteuert; die Soundkarte kann dann einen 75kHz-Minisender
über den Kopfhöreranschluss modulieren. Ich habe da noch einige
Sperrschwinger-Module, die eigentlich die Hochspannung für
Kaltlichtlampen erzeugen (zB Scanner), die haben etwa 130kHz und lassen
sich leicht auf andere Frequenzen umbauen.
Es ist viel einfacher:
Töne werden ja nicht gesendet. Die Modulation ist "Sender An" oder
"Sender Aus".
Selbst mit einer Teleskopsteuerung wird eine absolute Zeitinformation
(so wie ich das verstanden habe) nicht benötigt. Außerdem ist eine
Taktgenauigkeit mit 0.1% anscheinend ausreichend. Für die
75kHz-Sendefrequenz (PWM) und die Modulation (An/Aus) reicht dann ein
Arduino mit den eingebauten Quarz.
Franz schrieb:> ...> Die Programmierung ist einfach (aber langwierig).
Ich dachte an die Fummelei um mit Sicherheit eine korrekte Kodierung
nachzubilden. Die braucht man aber anscheinend nicht.
Josef L. schrieb:> ...> Aber im HBB-Empfänger war eindeutig ein 800- bis 1000Hz-Ton zu hören. Da> bin ich gespannt auf das Schaltbild wie das gelöst wurde. Ich habe noch> keine Ahnung.
Es ist vielleicht so wie es Soul E. geschrieben hat. Den Oszillator (75
kHz +- x kHz) im HBB-Empfänger sollte man dann mit einem Oszilloskop
finden können.
Franz schrieb:> 2.5kHz-Mischton
Nein, sicher nicht. Ich habe mir mit einem Online-Tongenerator
verschiedene Frequenzen angehört (OK, geht mit SDR Twente auf SSB und
dem DCF genauso, aber da muss man noch Differenzen berechnen :-) und das
war definitiv deutlich niedriger als 2 kHz, also so etwa 1 Oktave.
PS. Bin grade beim Schaltbild vom HF-Teil. Bild oben auf blasse Farben
gestellt ausgedruckt und Bauteile eingetragen.
Zwischenergebnis: Die 5ursprünglich angebrachten
Parallelkondensator-Kombinationen an den 5 Spulen hatten im Schnitt
10.1nF; mit den zusätzlichen sind es exakt 50% mehr. Also lag die
ursprüngliche Empfangsfrequenz etwa bei 75kHz x √1.5 ≈ 92kHz; um wieviel
sich die Spulen verstellen lassen weiß man ja nicht.
Josef L. schrieb:> Aber im HBB-Empfänger war eindeutig ein 800- bis 1000Hz-Ton zu hören. Da> bin ich gespannt auf das Schaltbild wie das gelöst wurde.
Ich vermute mal, da ist ein einfacher NF-Generator verbaut.
Wieder ein Zwischenergebnis: Es müsste ein einfacher Geradeausempfänger
sein soweit ich sehe: enthält dreimal OC44, am Ende dann zur
Gleichrichtung 2x OA5 und einen Tiefpass 2x 5nF + R mit 560 Ohm. Die 1.
und 2. Stufe haben jeweils 2 Spulenkörper, den ersten immer mit nur 2,
den 2. mit 3 Anschlüssen; die 5. Spule hat 4 Anschlüsse - wie es drinnen
aussieht weiß ich nicht, da müsste ich sie auslöten und mit Multimeter
und dem nanoVNA vermessen.
Da ich bisher nur die Bauteile mit Werten auf dem Ausdruck eingezeichnet
habe und die Spaghettis noch nicht entwirrt, könnte es noch sein dass es
sich um einen Superhet handelt, ich glaube es aber nicht. Nur wozu
jeweils 2 Spulen pro Stufe ist mir noch nicht ersichtlich. Vergleichbare
Schaltungen habe ich noch nicht gefunden, obwohl viele DFC77-Schaltungen
kursieren, auch die Elektorhefte sind voll davon.
Ein vorläufiges Schaltbild habe ich - aber es gibt mir Rätsel auf!
Zunächst mal sind da 2 HF-Stufen mit kapazitiv (Hochpunkt-)gekoppelten
Bandfiltern, danach eine Gleichrichterstufe, und offenbar sowas wie eine
AGC, die auf die eine Wicklung mit Anzapfung und eine Koppelspule
enthält, wohl ein Oszillator mit ähnlicher Frequenz wie die 75kHz
Empfangsfrequenz aufgebaut, der aber nur zusätzlich mit RC-Glied in die
Detektorstufe eingekoppelt ist. Ich nehme an der dient als BFO um eine
Überlagerungsfrequenz um 1 kHz zu erzeugen?
In dieser letzten Spule sind die Wicklungssinne von Schwingkreisspule
und Koppelspule nicht sicher; außerdem habe ich in PSpice keine Spule
mit Anzapfung gefunden und muss 2 Spulen hintereinanderschalten. Aber
das Schaltbild sollte klar sein. Im BFO bin ich allerdings nicht ganz
sicher ob die Anschlüsse stimmen - ich ging mal davon aus dass der 10k
der Kollektor- und der 1.5k der Emitterwiderstand ist.
Die Werte der Schwingkreiskondensatoren sind die Summen der jeweils
parallelgeschalteten Styros, die Induktivitäten daraus mit f=75kHz
berechnet; dabei habe ich für die Anzapfungen willkürlich mal 1:3
angenommen, also die L-Werte 1:9 - das kann ich natürlich noch
ausmessen.
Schick!
Die Induktivitäten mit Alubecher dürften für die Trennschärfe eine zu
geringe Güte gehabt haben, daher wurden jeweils 2 gekoppelt.
BFO stimmt, die OA5 wurde als Mischer-Demodulator genommen.
Mir kommt beides irendwoher bekannt vor, dürfte in einem meiner früheren
Radios gewesen sein.
Josef L. schrieb:> und offenbar sowas wie eine> AGC, die auf die eine Wicklung mit Anzapfung und eine Koppelspule> enthält,
Entschuldigung, da ist eine Zeile verschwunden...
Soll heißen:
... und offenbar sowas wie eine AGC, die auf die
1. HF-Stufe wirkt, sowie eine weitere Stufe mit einem Spulenbecher, der
eine Wicklung mit Anzapfung und eine Koppelspule enthält, ...
Hallo zusammen, hallo Helge.
> Die Induktivitäten mit Alubecher dürften für die Trennschärfe eine zu> geringe Güte gehabt haben, daher wurden jeweils 2 gekoppelt.
2 gekoppelte Kreise nennt man ein 2-Kreis Bandfilter. Das bringt die
Trennschärfe. Über die Güte solcher Kreise muss man separat verhandeln.
Das Verpacken von Kreisen in 'Blechdosen' ist Standard; sieh dir das
Innenleben von Radio- und Fernsehgeräten aus den 50er 60er mehr an:
Filter in Dosen -> zigfach. Selbst heute noch zu kaufen. Ein Beispiel
hier:
> https://vintage-elektronik.de/Filter/Bandfilter-im-Aluminiumgehaeuse> Hersteller-HFW-Versch-Typen
Es dient der Schirmung und hat auf die Güte der Spule erstmal keinen
(entscheidenden) Einfluss.
73
Wilhelm
Ich verstehe die Schaltung wegen der vielen Spulen kaum. Aber der Wert
für R1 scheint mir zu klein (-> schlechte Güte) und der Tiefpass C18,...
sollte doch eigentlich bei etwa 1kHz trennen?
Ist hinter NF_OUT evtl. noch ein LC-Schwingkreis um die vermutlichen
1kHz besser zu filtern? Nur der RC-Tiefpass wäre doch etwas schwach.
Funktionieren die einfacheren Dinge wie Netzteil und Verstärker
eigentlich?
Falls ja, was hört man am Lautsprecher?
Mit dem Schaltplan könnten jetzt gezielt Messungen gemacht werden. Die
Frequenz am Oszillatorausgang R18 sollte etwa 74kHz (bzw. 76 kHz)
betragen.
Eigentlich müsste man den DCF77 zumindest leise hören. Der Sender liegt
ja nur 100km entfernt.
Wilhelm S. schrieb:> 2 gekoppelte Kreise nennt man ein 2-Kreis Bandfilter. Das bringt die> Trennschärfe. Über die Güte solcher Kreise muss man separat verhandeln.
Güte, Kopplungsfaktor und Bandbreite sind fest miteinander verknüpft und
nicht verhandelbar. Schon gar nicht separat.
Wilhelm S. schrieb:> Es dient der Schirmung und hat auf die Güte der Spule erstmal keinen> (entscheidenden) Einfluss.
Aber klar hat eine Alu-Abschirmbüchse einen entscheidenden Einfluss auf
die Güte. Sie wirkt als Kurzschlusswindung und die in dieser Windung
dissipierten Wirbelstromverluste mindern die Güte der Spule.
Hallo zusammen, hallo Heiner
> Aber klar hat eine Alu-Abschirmbüchse einen entscheidenden Einfluss auf> die Güte. Sie wirkt als Kurzschlusswindung und die in dieser Windung> dissipierten Wirbelstromverluste mindern die Güte der Spule.
..und warum wurde das über Jahrzehnte millionenfach gemacht? Selbst in
unserem Zeitzeichenempfänger. Unsere Altforderen waren schon nicht auf
den Kopf gefallen und haben sich dabei sicher etwas gedacht.
73
Wilhelm
Wilhelm S. schrieb:> ..und warum wurde das über Jahrzehnte millionenfach gemacht? Selbst in> unserem Zeitzeichenempfänger. Unsere Altforderen waren schon nicht auf> den Kopf gefallen und haben sich dabei sicher etwas gedacht.
Aber sicher haben die sich dabei was gedacht. Den "Altvorderen" im
hochohmigen Röhrenzeitalter war die Abschirmwirkung eines Schirmbechers
zur Verhinderung von Rückkopplung und Schwingen wichtiger, als der
Güteverlust. Insbesondere bei einem Geradeausempfänger.
Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ein Abschirmbecher
grundsätzlch die Güte einer Spule verringert und auch die Induktivität
beeinflusst.
...und warum gibt es die selbst heute noch zuhauf?
z.B. Fertigspulen:
Neosid in unendlichen vielen Typen incl. Helix
Toko grün 10.7MHz ZF Spulen; schwarz, weiss und gelb für 455kHz u.v.a.m.
So schlecht, wie du sie machts, können sie wohl kaum sein. Dass man es
besser machen kann, keine Diskussion.
73
Wilhelm
Franz schrieb:> Funktionieren die einfacheren Dinge wie Netzteil und Verstärker> eigentlich? Falls ja, was hört man am Lautsprecher?
Netzteil und NF funktionieren - man hört aber nur Rauschen, da ja immer
noch auf 75 kHz abgestimmt ist, und die beiden Bandfilter wohl sauber
genug die 77.5 kHz unterdrücken.
Anbei nach korrektem Einbau des OC44-Modells die Arbeitspunkte der
Schaltung, für die Diode habe mein eigenes Modell der selbst vermessenen
OA85 verwendet.
Leider schwingt der BFO in der Simulation noch nicht, auch nicht nach
Drehen der Koppelwicklung, ich muss mir nochmal das Kapitel mit den
verschiedenen Oszillatorschaltungen vornehmen, oder doch die Spule
auslöten und messen. Die Simulation bringt die -180mV DC am Ausgang.
Wenn das gelöst ist erweitere ich die Simulationsschaltung um eine
primitiv pulsmodulierte (0.9s an, 0.1s aus) 75kHz-Quelle, dann kann ich
auch die Selektionskurve simulieren. Den Empfänger selber könnte ich mit
meinem Selbstbau-NF-Generator testen, der geht ja bis 400kHz - manchmal
fallen einem die einfachsten Dinge nicht ein...
Ach ja, R10 habe ich auf 1k51 gesetzt - wie hoch der Wert tatsächlich
ist weiß ich noch nicht, ist durch den drüberliegenden Kondensator
komplett verdeckt!
Wilhelm S. schrieb:> ...und warum gibt es die selbst heute noch zuhauf?>> z.B. Fertigspulen:> Neosid in unendlichen vielen Typen incl. Helix> Toko grün 10.7MHz ZF Spulen; schwarz, weiss und gelb für 455kHz u.v.a.m.> So schlecht, wie du sie machts, können sie wohl kaum sein. Dass man es> besser machen kann, keine Diskussion.
Was soll uns diese Argumentation sagen? Natürlich gibt es auch
abgeschirmte Spulen heute noch zu hauf. Und überall dort, wo es nicht
auf hohe Güten ankommt, werden sie verwendet. Sogar Ferritspulen mit
noch geringeren Güten und hohen Verlusten finden Verwendung - die sind
als Drosseln ideal. Es kommt doch auf den Verwendungszweck an, welche
Eigenschaften einer Spule wichtig sind.
Davon unabhängig ist deine Behauptung, dass ein Schirmbecher keinen
Einfluss definitiv die Güte einer Spule.
Davon unabhängig ist deine Behauptung, dass ein Schirmbecher keinen
Einfluss die Güte einer Spule haben soll nicht richtig. Ein Schirmbecher
verringert definitiv die Güte einer Spule.
Franz schrieb:> Aber der Wert für R1 scheint mir zu klein (-> schlechte Güte)
R1 ist parallel zu den Anschlüssen der Antennenbuchse gelötet. Ich nehme
an, er soll die Schaltung schützen, wenn die Antenne im laufenden
Betrieb abgezogen wird. Außer den 3 Styros in der Antenne
(220+100+100pF) habe ich keine anderen relevanten Kondensatoren im
Bereich der Ferritantenne gesehen. Diese hat auch weit über 100
Windungen. Bei C=420pF müsste die Impedanz von L und C jeweils 5kΩ sein,
da dämpfen 1.5kΩ natürlich ziemlich. Ich habe grade nochmal nachgesehen,
es sind tatsächlich 1.5kΩ.
Und R10 ist rot-rot-rot-gold, also 2.2kΩ.
Heiner schrieb:> Ein Schirmbecher verringert definitiv die Güte einer Spule.
Das sollte aber minimal sein, wenn unter dem Schirmbecher ein Topfkern
o.ä. aus Ferrit oder Pulver sitzt. Der hält doch das Magnetfeld im
Inneren zusammen. Ich würde das jetzt mal nach den Bildern in meinem
Eröffnungspost vermuten, ohne die Spulen auseinandernehmen zu wollen.
Vielleicht kennt ja jemand das Fabrikat?
Der BFO ist offensichtlich eine Meißner-Schaltung, da lag ich mit dem
Schaltbild (5 Spulenanschlüsse, an einem sind 2 Drähte zusammengelötet,
also eine Anzapfung) gar nicht so verkehrt:
https://www.electronicdeveloper.de/SinusMeissner.aspx
Josef L. schrieb:> ...müsste die Impedanz von L und C jeweils 5kΩ sein...
Den Resonanzwiderstand einer anständigen Ferritantenne mit 10mH und
420pF schätze ich eher auf 100k. Die Widerstandsfarben können sich über
die Jahre auch nicht so stark verfärbt haben. Seltsam. Für die
Simulation ist es aber egal. Der BFO ist wichtiger.
Franz schrieb:> Den Resonanzwiderstand einer anständigen Ferritantenne mit 10mH und> 420pF schätze ich eher auf 100k.
Huhu - Zaunpfahl winkt!!! Ich schreibe extra "Impedanz" und meine damit
Z = 1/2πfC
und du meinst Resonanzwiderstand
X = Z x Q
Und kannst daraus die Güte errechnen
Q = X / Z = 20
Einverstanden?
Josef L. schrieb:> ...müsste die Impedanz von L und C jeweils 5kΩ sein,> da dämpfen 1.5kΩ natürlich ziemlich. Ich ...
Selber Huhu. Der Wink kam da eher von mir. :-)
Der "Resonanzwiderstand" ist aber für Dämpfung wichtig, nicht die
"Impedanz".
Ja, ich kann eh nicht glauben dass die 420pF die tatsächliche
Kreiskapazität sind, und in der Spule sind allenfalls noch 100pF
versteckt, wenn sie tatsächlich mehrlagisg ist, sonst eher weniger. Das
gäbe ein schlechtes L/C-Verhältnis. Wenn bei MW (500-1500kHz) Werte
500...50pF üblich waren, sollten es hier eher 1-3 nF sein.
Die Werte bei MW kenne ich überhaupt nicht. Aber bei LW (genauer
77.5kHz) liegen die Werte meist höher als 3nF. Anderseits wurden die
420pF abgelesen. Wird wohl stimmen.
Also ich muss noch 2 Werte korrigieren - nicht alle Teile sieht man auf
dem Foto hier. R14 hat 27k, nicht nur 2.7k, während R15 nur 1.0k statt
10k hat - zwischen orange und rot zu unterscheiden ist teilweise
schwierig.
Mit den Werten bekomme ich aktuell in der Simulation bei eingekoppelten
2mVss HF an der Basis von Q1 vor der Diode U1 2.2Vss HF (75 kHz), also
eine Spannungsverstärkung von 1100-fach! Am Ausgang NF-out sind es noch
200mVss HF, da nehme ich auch an wie jemand vermutet hat, dass die
nachfolgenden NF-Stufen das noch weiter unterdrücken.
Nur der Oszillator mag in der Simulation noch nicht schwingen.
Ist es vielleicht möglich, daß C1 mit 420p eine der nachträglichen
Modifikationen ist für 95 -> 75kHz? Die Ferritantenne dürfte Teil eines
absichtlich sehr breitbandigen Schwingkreises sein (R1).
der BFO schwingt, wenn die Werte von R12 und R14 vertauscht sind.
Helge schrieb:> der BFO schwingt, wenn die Werte von R12 und R14 vertauscht sind.
Wie gesagt: In der PSpice Simulation! R12=4.7k, R14=27k, so
interpretiere ich die Farbringe. Und während ich oben noch der Meinung
war, der BFO würde nicht schwingen: die 2.2Vss die ich an U1 ablese ist
der BFO! Ich sehe ganze 26Vss am Kollektor von Q3 - aber mit etwa 59
kHz! Wenn ich die Spulen L9-10-11 auf 162-18-40µH setze, bekomme ich
etwa 74kHz raus (Bild).
Josef L. schrieb:> Nur der Oszillator mag in der Simulation noch nicht schwingen.
Simulation und Realität, passt meist nicht so ganz zusammen besonders
bei HF.
Helge schrieb:> Hast du die Induktivitäten gemessen oder geschätzt? Das hier schwingt> auch
Werden wohl eher geschätzt sein, oder in der Schaltung gemessen und
deshalb die Abweichung.
Helge schrieb:> Hast du die Induktivitäten gemessen oder geschätzt? Das hier schwingt> auch
Ich habe die Induktivitäten blauäugig anhand der 75kHz und der
abgelesenen und aufaddierten Kapazitätswerte berechnet und die
Gegeninduktivität M vergessen. Bei deinen 2x 140µH kommt zusammen 560µH
raus (doppelte Windungszahl --> vierfache Induktivität auf 1 gemeinsamen
Kern!), also müsste deine Schaltung auf 54.9 kHz schwingen.
Meine bekommt vorne an der Ferritantenne 75 kHz rein, und der BFO
schwingt auf 74.1 kHz; vor der Diode bekomme ich eine Schwingung mit den
Frequenzen im Bild oben, aber nichts auf ca. 0.9 kHz, schon komisch.
Aber immerhin ist die Schaltung schon verstanden. In der Simulation kann
ich jetzt noch machen was man in der realen Schaltung auch macht,
nämlich die Spulen abgleichen, dass sie tatsächlich incl. Schaltungs-
und transformierten Kapazitäten eine Resonanz auf 75 kHz aufweisen. Im
realen Aufbau werde ich die Kapazitätswerte der Schwingkreise etwa um 6%
verringern und auf 77.5 kHz abgleichen. Dann müsste DCF77 zu hören sein.
Heiner schrieb:>> Es dient der Schirmung und hat auf die Güte der Spule erstmal keinen>> (entscheidenden) Einfluss.>> Aber klar hat eine Alu-Abschirmbüchse einen entscheidenden Einfluss auf> die Güte. Sie wirkt als Kurzschlusswindung und die in dieser Windung> dissipierten Wirbelstromverluste mindern die Güte der Spule.
So oder so, die Güte eines Filters darf ja auch garnicht beliebig
gross sein, denn dann würde ja auch die Modulation weggefiltert.
noch'n Kurt schrieb:> Vorsicht! Alte Kerne sitzen oft sehr fest> und brechen beim Versuch zu drehen.
egal ob Kurt oder Kurtklon oder Kurt II, für sinnvolle Tipps bin ich
immer empfänglich - danke, aber schau dir das Bild
https://www.mikrocontroller.net/attachment/535395/HF-Teil-unten.jpg
im Eingangspost an, das sind schon spezielle Spulenkörper, mit dem
Schraubflansch wie ein Poti, und einer allerdings nicht herausgeführten
6mm-Achse (Plastik) - ich habe grade versucht dran zu drehen, es ist
ziemlich leichtgängig, eben wie ein Poti mit Plastik-Achse.
Ich werde jetzt von jedem der 5 Schwingkreise etwa 1nF ablöten, rein
rechnerisch sind es Werte zwischen 850 und 1060pF, bei 3 kann ich
einfach einen der parallel gelöteten 1000pF ablöten (erstmal nur
einseitig), bei den beiden anderen muss ein größerer weg und dafür ein
kleinerer ran. Die ausgesteckte Ferritantenne kann ich mit dem nanoVNA
vorab auf die neue Frequenz justieren.
Die Ferritantenne habe ich schon mal umgestellt! Die Höhe des Peaks
kommt durch die Stärke der Ankopplung der 1 Windung vom nanoVNA, das
kann ich nicht so genau gleich justieren. Beeinflusst aber nur die Höhe
des Peaks, nicht die Frequenzlage.
Falls dort db-Werte dargestellt sind, dann beträgt die Bandbreite 750Hz.
Das mit den 1.5k Widerstand könnte dann unmöglich stimmen. Egal, die
Bandbreite ist jedenfalls so wie sie sein sollte.
Der HBG-Sender müsste übrigens in Würzburg vermutlich mit einer
Antennenspannung von 100µV zu empfangen gewesen sein. Das würde
jedenfalls für eine normale DCF77 artige Ferritantenne mit einer Güte
von 100 gelten. Mit dem DCF77 müsste die Spannung dann etwa bei 700µV
liegen.
Franz schrieb:> Das mit den 1.5k Widerstand könnte dann unmöglich stimmen.
Also: zum einen ist die Messung an der abgeschraubten Antenne, folglich
ohne den Widerstand. Und dann kann es immer noch sein, dass ich die
Verdrahtung falsch interpretiere: Der Antennenanschluss ist sowas wie
eine PL-Buchse, aber mit 2 Innenanschlüssen, und drehbar. Zwischen den
beiden Innenanschlüssen ist an der Buchse der 1.5k-Widerstand angelötet,
aber es ist auch der Masseanschluss mit der Masse auf der Platine
verbunden. In der Antenne gehen aber offebar nur zwei Drähte in das
senkrechte Rohr runter. Was wohin geht, evtl. einer an Masse, habe ich
noch nicht gemessen, da die Drähte isoliert schon aus der Wicklung
rauskommen, ich müsste sie auftrennen.
Franz schrieb:> Falls dort db-Werte dargestellt sind, dann beträgt die Bandbreite 750Hz.
Richtig, ist eine dB-Skala. 750Hz, so sehe ich das auch, also etwa 1/2
Teilstrich, die haben 1.5kHz.
> Mit dem DCF77 müsste die Spannung dann etwa bei 700µV liegen.
Auf jeden Fall unter 1mV, weil ich mit der Antenne direkt am
Oszilloskopeingang (1:1-Tastkopf) bei 5mV/div nichts sehe, außer etwas
wackligen 50Hz.
Josef L. schrieb:> weil ich mit der Antenne direkt am> Oszilloskopeingang (1:1-Tastkopf) bei 5mV/div nichts sehe
Bei vielen Digitaloszis gibt es eine high-resolution Funktion. Wenn man
dann noch die FFT aktiviert und passend einstellt, könnte es gehen. So
kann ich mit dem Tastkopf als Antenne das komplette UKW-Band sehen.
Bernd schrieb:> Digitaloszis
Mein Hameg 605 ist leider nicht digital, und unter 1mVss triggert es
auch nicht mehr sauber.
Ich habe mich jetzt doch entschieden erstmal noch das Schaltbild des
NF-Teils aufzunehmen, bevor ich mehr dran ändere, und insbesondere im
Netzteil Trafo, Elkos und den Gleichrichter einzeln prüfe. Es ist wohl
ein Wunder dass bisher beim kurzen Einschalten nichts abgeraucht ist,
das letzte Mal war er wohl vor 10 Jahren mal testweise in Betrieb, als
es HBG noch gab.
Halt - ich habe grad das exakte Datum gefunden, 21.04.2007, da hat uns
ein befreundeter Amateurastronom seine Videokamera mit eingeblendeter
Zeitanzeige (auf 1/1000s) vorgeführt. Da war der Vergleich mit unserem
Empfänger natürlich ein eisiger Hauch aus der Vergangenheit :-)
Ob der DCF77 in weiteren 14 Jahren noch senden wird? Fest steht erstmal
nur der Betrieb bis 2031. Die Zeitzeichensender in Finnland und der
Schweiz sind weg. In Europa gibt es glaube ich noch fünf
LW-Zeitzeichensender. Wobei beim französischen ALS162 die Sendeleistung
bereits mehrfach reduziert wurde und beim englischen BBC198 der
Sendebetrieb - die letzten Senderöhren sind verbaut - am seidenen Faden
hängt. Nur beim englischen MSF60 und deutschen DCF77 gibt noch keine
Anzeichen. Trotzdem tippe ich etwas darauf, dass der Flash von einem
Arduino-Fake-Sender länger halten würde.
Franz schrieb:> Trotzdem tippe ich etwas darauf, dass der Flash von einem> Arduino-Fake-Sender länger halten würde.
Da hast du sicher recht. Aber ich habe ja noch einige Jahre Zeit, die
verschlafenen letzten 40 Jahre auf- und mich in die Arduinomaterie
einzuarbeiten. Und ob der dann auf 75 oder 77.5kHz sendet ist
nebensächlich.
Zum Abschalten:
Wie in Frankreich (Allouis 162kHz) argumentiert wird, man könne den
Sender wegen der Bahnhofsuhren nicht abschalten, wird das mit DCF wohl
auch noch eine Weile dauern, denn dann müsste die Bahn ja die Umrüstung
auf die Reihe kriegen, zB auf GPS - aber GPS liegt wie andere derartige
Satellitenprojekte außerhalb der Reichweite und Verantwortung der Bahn
oder der Bundesregierung. Da müsste eher die Bundesnetzagentur was auf
die Beine stellen. Oder die Bahn sagt sich, wir sind eh nicht pünktlich,
wieso sollen unsere Uhren dann genau gehen??? Man schaltet ja auch
überall LW-, MW- und KW-Sender ab und verweist auf UKW bzw. DAB+ usw.
ohne dass eine ausreichende Reichweite bzw. überhaupt Abdeckung
sichergestellt wird. Von den unbrauchbar gewordenen Geräten ganz zu
schweigen. Mein Funkwecker ist fast 30 Jahre alt - was außer der
Batterie - soll an dem kaputt gehen? Ich brauche auch keine neuen
Funktionen und kein Weckerlebnis :-) und trotzdem müsste ich dann einen
neuen kaufen...
Für EU gäbe es Galileo. Aber die Technik für DCF77 ist sehr einfach und
millionenfach verbaut. Das dürfte noch länger laufen, immerhin ist das
die offizielle Zeit.
Ich würde als nächstes C6 einseitig auslöten und den Kreis C3-L2 auf DCF
abgleichen. Dann C6 wieder rein und den nächsten Kreis abgleichen.
Hallo zusammen, hallo Helge.
> Ich würde als nächstes C6 einseitig auslöten und den Kreis C3-L2 auf DCF> abgleichen. Dann C6 wieder rein und den nächsten Kreis abgleichen.
Das geht so nicht; man muss zumindest den halben Wert des Koppel-Cs mit
einbeziehen.
Nachzulesen an vielen Stellen im Net; leider ad hoc nichts Zitierfähiges
gefunden. Die Herren Norton und Thevenin spielen da eine Rolle. Dann
gibt es noch das Zitat aus (1) in dem auf (2) hingewiesen wird. Das
Original (2) habe ich nie im Originaltext gefunden. Bezüge dazu gibt es
reichlich.
73
Wilhelm
(1) 'Solid State Design for the Radio Amateur' ARRL 1977
(2) Dishal: 'Alignment and Adjustment of Synchronously tuned
Multiple-Resonant Circuit Filters'
aus 'Electronic Communications' Juni 1952
Heiner schrieb:> um 10 Jahre bis Ende 2031 verlängert.
Danke auch für die weiterführenden Links!
Helge schrieb:> C6 einseitig auslöten und den Kreis C3-L2 auf DCF abgleichen
Ich würde mit genug Input erst das erste, dann das 2. BF abgleichen so
wie sie sind, also mit je 1nF-Kondensator zuvor abgelötet, und die
Koppel-Cs so lassen. Als HF-Input meinen NF-Generator auf 77.5kHz
gestellt und mit dem nanoVNA die Frequenz kontrolliert, da ich das
zugehörige Frequenzzählermodul (auch Eigenbau) nicht mehr habe;
Einspeisung per Koppelspule neben die Ferritantenne gehalten. Abgleich
kontrollieren mit Hameg 605, oder auch mit dem nanoVNA. Alternativ kann
ich testen, alles nur mit dem nanoVNA zu machen, also dessen Port1 mit
ein paar Windungen um die Ferritantenne gegen Masse, und Port2 mit einem
100pF ans Ende des jeweiligen Bandfilters, und zwischen 75 und 80 kHz
wobbeln lassen.
Wilhelm S. schrieb:> den halben Wert des Koppel-Cs mit einbeziehen
Gilt das nicht nur für Filter mit bestimmter Bandbreite (z.B. SSB, TV),
im Gegensatz zu diesen Gerät mit beiden Filtern auf gleicher Frequenz?
Durch den BFO ist ja die Modulation eher störend.
Ich habe jetzt doch erstmal den nanoVNA mit 3 Windungen um die
Ferritantenne in den Empfänger eingekoppelt, und ohne was zu ändern
Port2 am Kollektor von Q1 angeklemmt. Anbei der Scan zwischen 77 und
80kHz, einmal ohne, einmal mit Stromversorgung. S11 bleibt jeweils
gleich, S21 steigt um ca. 44dB.
Mit dem Abgleich von Bandfiltern lese ich lieber noch etwas Literatur,
da gibt es genug Anleitungen. Allerdings ist das Verhältnis Koppel- zu
Schwingkreiskapazität mit 150pF/15nF etwa 0.01, damit liegt die zu
erwartende Bandbreite genauso hoch wie die gemessene Bandbreite der
Ferritantenne, nämlich um 750-800 Hz; lediglich die Flanken sollten
steiler werden.
Wie gesagt, mit dem Abgleich lasse ich mir Zeit, aber offensichtlich
eignet sich das nanoVNA dafür. Im Bild hier sind es 501 Frequenzpunkte;
beim Abgleich reduziere ich erstmal auf 51, dann dauert ein Sweep etwa 2
Sekunden.
Was ich auf die Schnelle gefunden habe ist, wenn man den gesamten
Empfänger misst, die Spulen von hinten nach vorn abzugleichen. Man kann
dazu von den beiden Filtern eines Bandfilters jeweils eines bedämpfen,
um das andere separat auf die gewünschte Frequenz einzustellen. Der
Koppelfaktor kann ja nicht geändert werden, die jeweils 150pF liegen ja
fest.
Ich habe inzwischen mit Pspice mal simuliert, wie die ideale
Selektionskurve mit den beiden Bandfiltern aussehen könnte; dabei sind
die 1. Spulen jeweils mit 288µH, die zwei Teilspulen der 2. Spulen mit
162+18µH und die entsprechenden ohmschen Verluste mit 1, 0.75/0.25 Ohm
angenommen. Kreiskapazitäten sind 14.5nF, Koppelkapazitäten 150pF. Die
Darstellung ist in dB, und nur deswegen so stark gedämpft (-130 und
niedriger), weil ich die Quelle mit 1pF und die beiden Bandfilter
untereinander ebenfalls mit 1pF angekoppelt habe. In der Realität
entkoppelt ja die Transistorstufe mit ca. 100-facher
Spannungsverstärkung.
Josef L. schrieb:> Ich habe inzwischen mit Pspice mal simuliert, wie die ideale> Selektionskurve mit den beiden Bandfiltern aussehen könnte;
Normalerweise werden Bandfilter so dimensioniert, das die beiden
Maxima der beiden Kreise nebeneinander liegen, sodas sich eine
sog. Sattelkurve ergibt. Schliesslich will man nicht nur die
Hauptfrequenz, sondern auch die daneben liegenden Frequenzen
verstärken, weil diese ja die Modulation beinhalten. Bei Zeit-
zeichensignalen ist die Bandbreite der Signale aber sehr gering,
sodas man die Maxima übereinander legen kann, und damit eine
erhöhte Verstärkung bekommt.
Harald W. schrieb:> Normalerweise werden Bandfilter so dimensioniert, das die beiden> Maxima der beiden Kreise nebeneinander liegen
Dazu müssen beide Teilkreise exakt auf dieselbe Frequenz, nämlich die
Mittenfrequenz, abgestimmt sein. Die beiden Höcker links und rechts
kommen dann durch die gegenseitige Verstimmung durch die Kopplung der
beiden Schwingkreise, egal ob induktiv oder kapazitiv oder beides. Beim
Verhältnis 150pF/14.5nF ist der Koppelfaktor etwa 0.01 und gerade eben
kritisch. Anbei die Kurven mit (grün) 100-150-300-450 (gelb) pF - drei
Höcker da sich hier wohl die beiden Bandfilter gegenseitig beeinflussen.
Aber ich will's mit den Simulationen vorerst lassen, es genügt mir zu
wissen dass viel besser als 750Hz Bandbreite kaum erreichbar ist, und
die 40dB-Bandbreite bei etwa 4kHz liegen sollte.
Harald W. schrieb:> Normalerweise werden Bandfilter so dimensioniert, das die beiden> Maxima der beiden Kreise nebeneinander liegen, sodas sich eine> sog. Sattelkurve ergibt.
Dieser Irrtum hält sich hartnäckig. Um die Sattelkurve zu kriegen,
müssen beide Kreise eines Bandfilters auf die gleiche Frequenz
abgestimmt sein. Die Sattelkurve ergibt sich durch den Koppelfaktor.
Heiner schrieb:> Dieser Irrtum hält sich hartnäckig. Um die Sattelkurve zu kriegen,> müssen beide Kreise eines Bandfilters auf die gleiche Frequenz> abgestimmt sein. Die Sattelkurve ergibt sich durch den Koppelfaktor.
Das hatte ich mal in einem anderen Thread (wo über Bandfilter diskutiert
wurde, den ich aber gerade nicht finde) simuliert. Tatsächlich erhält
man durch verschiedene Koppelfaktoren bei zwei identisch abgestimmten
Kreisen die typischen Kurven (über/unterkritische Abstimmung).
So wurde das auch in der Praxis gemacht. Beide Filter identische
Frequenz, der Koppelfaktor wird dann durch den Abschirmbecher auf des
richtige Maß gebracht. Oft hat der Abschirmbecher noch Kerben für die
Feinabstimmung. Beim RM.org gibt es darüber eine Abhandlung.
Mohandes H. schrieb:> Mohandes H. schrieb:>> Beim RM.org gibt es darüber eine Abhandlung.>> Hier die interessante Abhandlung. 'Höcker beim Zweikreis-Bandfilter':>> https://www.radiomuseum.org/forum/die_hoecker_beim_zweikreis_bandfilter2.html
Im Web kann man sich das "RCA Radiotron Designers Handbook" runterladen.
Ein dickes Standardwerk von RCA aus der Röhrenära (pdf, 1498 Seiten)
http://www.tubebooks.org/books/rdh4.pdf
Dort findet man in Chapter 9,(Seite 407ff) grundsätzliche Informationen
zu abgestimmten Kreisen.
Ab Seite 417 Grafiken, Berechnungen und Grundlagen zu Selektrivität,
Bandbreite und Kopplung von Zweikreis-Bandfiltern (double tuned
circuits)-
Ab Seite 423, Section 11 die Zusammenfassung der relevanten Formeln. In
den Gleichungen (34) bis (48) finden sich die Zusammenhänge zwischen
Kopplungsfaktor und Bandreite/Höckerabstand von Zweikreis-Bandfiltern.
Mohandes H. schrieb:> der Koppelfaktor wird dann durch den Abschirmbecher auf des> richtige Maß gebracht.
Hallo Mohandes, aber das ist ja nur ein Spezialfall. Kann sein dass in
frühen Empfängern sich sowas längerfristig durchgesetzt hat aus
Kostengründen. Bei Bandfiltern gibt es ja mehr als eine Handvoll
möglicher einfacher und kombinierter Koppelschaltungen. Theoretisch ist
es wohl so, dass ohne die Zusatzbeschaltung (Ein-/Auskopplung und dort
wirksame Kapazitäten/Induktivitäten) zwei auf dieselbe Frequenz (die des
höherfrequenten Höckers, zumindest bei kapazitiver Kopplung) abgestimmte
Schwingkreise sind. Induktive Kopplung geht über Abstand der beiden
Spulen, könnte aber auch über Anzapfungen gehen, oder Auskopplung über
kleine Zusatzwicklung. Im ersten Fall können die Spulen nebeneinander
stehen, oder übereinander auf denselben Spulenkörper gewickelt.
Bei kapazitiver Kopplung oder über induktive Koppelschleife können die
Spulen auf getrennten und abgeschirmten Spulenkörpern sitzen. Wenn die
einen - wie im Fall unsres HBG-Empfängers - gschlossenen Topfkern haben,
wirkt die zusätzliche Aluabschirmung nicht als Kurzschlusswindung, da
außerhalb des Spulenmagnetfelds! Vorteil der kapazitiven Kopplung ist
der numerisch exakt einstellbare Koppelfaktor, da der induktive faktisch
Null ist und die Kapazitäten und deren Toleranzen feststehen.
Warum jetzt in diesem speziellen Empfänger die Schwingkreiskapazitäten
zwischen 13.4 und 16.7 nF variieren erschließt sich mir nicht, wenn alle
5 Spulen identische Wicklungsdaten haben sollten. So groß sollten die
Unterschiede in Ein-/Ausgangsimpedanzen der Transistorstufen nicht sein.
Na, die Anpassung HBB auf HBG wurde vermutlich experimentell gemacht.
Die Spulenkerne sind einstellbar, also wurden so viele Kondensatoren
draufgelötet, bis die Resonanz irgendwo im L-Einstellbereich gefunden
wurde.
Ich hab den Verdacht, daß sich alle Filter mit 13..15nF einstellen
lassen.
Helge schrieb:> Ich hab den Verdacht, daß sich alle Filter mit 13..15nF einstellen> lassen.
Nachdem das Schaltbild feststeht kann ich die Spulen ja separat testen,
muss dazu ja nur die Kondensatoren einseitig ablöten bzw. mal mit, mal
ohne Schwingkreiskondensator ans nanoVNA hängen.
Josef L. schrieb:> Helge schrieb:>> Ich hab den Verdacht, daß sich alle Filter mit 13..15nF einstellen>> lassen.>> Nachdem das Schaltbild feststeht kann ich die Spulen ja separat testen,
Dann funktioniert die Schaltung nicht mehr.
> muss dazu ja nur die Kondensatoren einseitig ablöten bzw. mal mit, mal> ohne Schwingkreiskondensator ans nanoVNA hängen.
In dieser Schaltung sind zwei Generatoren vorhanden.
der erste: V1 mit 77.5 KHz.
Dieser versorgt den Resonanzkörper, bestehend aus L1/C1 und auch ein
wenig mit den Kondensatoren C3 und C4.
Dieser regt L1/C1 zu resonantem Schwingen an.
Der zweite: L1/C1 und ein wenig C4.
Dieser baut an an L2/C2 ebenfalls eine resonante Schwingung auf.
Beide schwingen auf 77.5 kHz.
Dadurch das der zweite Resonanzkörper (L2/C2) belastet ist muss der
zweite Generator ständig nachliefern.
Dieses Nachliefern belastet L1/C1 (Generator 2) und bringt dessen Güte
in den Keller.
Die Einbuchtung entsteht durch die Belastung von L2/C2 bei dessen
Resonanzfrequenz.
Da ist nämlich die Schwingamplitude (L2/C2) am höchsten und damit auch
die Belastung für das Nachliefern vom 2ten Generator.
Kurt
.
Josef L. schrieb:> die Spulen .. separat testen, ... ablöten
noch einfacher: deinen nano vna dranhängen und den Abstimmbereich der
Schwingkreise rausfinden. Also ohne ablöten. Vielleicht brauchst kaum
was bzw. gar nichts umbauen.
Kurt schrieb:> Dann funktioniert die Schaltung nicht mehr.
Natürlich nicht, Kurt. Ich vergaß zu erwähnen, dass ich nach dem Test
die unterbrochenen Verbindungen wiederherstellen werde. Wobei ich mir
jetzt die Bemerkung verkneife, dass ich das mit Lötzinn und -kolben
bewerkstelligen können sollte.
> In dieser Schaltung sind zwei Generatoren vorhanden.
Nicht ganz. Ein Schwingkreis ist kein Generator, und zwei gekoppelte
Schwingkreise auch nicht. Sie verhalten sich - wie in diesem Forum
sicher bereits andernorts ausgeführt - wie zwei gekoppelte Pendel, indem
sie die Energie von einem auf den anderen und wieder zurück übertragen,
wobei ständig durch ohmschen Widerstand, Ummagnetisierung, Abstrahlung
etc. pp. Energie verloren geht - die durch einen Generator nachgeliefert
werden muss. Die hier vorhandenen 2 Generatoren sind einerseits die
Ferrritantenne, die von DCF77 ausgesandte Energie einfängt und
andererseits Q3 mit seiner Beschaltung, der der Spule L5
phasenverschoben einen Teil ihrer Energie rückführt und so eine durchs
Rauschen angeregte und mit L5 gefilterte Schwingung aufrechterhält.
Aber ich will mit dir darüber hier nicht diskutieren, hier geht es nicht
um Grundlagen, sondern um den Abgleich von Schwingkreisen bzw.
Bandfiltern, und ob nun Elektronen oder Positronen sich durch die Drähte
schlängeln oder Wellen dran entlangstreichen ist schnurzegal, es geht
nicht ums Prinzip, sondern um die Funktion.
Helge schrieb:> noch einfacher
Im Prinzip hast du recht, das geht so. Ich würde aber gern den
Einstellbereich der Spulen kennen sowie das Windungsverhältnis der
Anzapfungen. Es ist ja keine Sache ein Drähtchen abzulöten: Das sind ja
keine Spulenkörper mit in der Platine verlöteten Beinchen, sondern sie
sitzen "mit dem Kopf im Sand", sprich, die Anschlüsse sind oben auf der
Spule und mit 3cm Draht von da auf die Platine gelötet. Siehe
https://www.mikrocontroller.net/attachment/535394/HF-Teil-oben.jpg
Da habe ich ein größeres Problem mit der Steuer bis Monatsende :-)
Falls ich also mal nicht gleich antworte, sofern das nötig wäre, sitze
ich über den Kisten und Stapeln.
> von Josef L. (Firma: Volkssternwarte Würzburg e.V.) (joe88349)> von Heiner (Gast)> von Mohandes H. (Firma: مهندس) (mohandes)
Nach derart massiven Protest muss ich wohl zugeben, das ich da falsch
gelegen habe. Aber ich bin immer noch lernfähig. :-)
Harald W. schrieb:> ... ich da falsch gelegen habe
Ja, auch bei "uns" gibt es "urban legends" die sich ewig halten obwohl
schon längst wiederlegt, die teilweise in Lehrbüchern als Tatsache
auftauchen und dadurch weitergebene werden. Oder in
populärwissenschaftlichen Büchern, vor allem wenn die Autoren nur
"Wissenschaftsjournalisten" sind - die meisten also nur den
einschlägigen Wortschatz zu beherrschen glauben, und das dann nicht mal
korrekt und durchgängig können.
Aus der Elektronik kann ich das Beispiel vom Skineffekt bringen, aus
einem anderen Bereich - Astronomie - z.B. die Gezeiten, die sehr oft
falsch erklärt werden. Und dann gibt es noch Seiten, die behaupten, das
wäre noch gar nicht geklärt, wie
https://www.kindernetz.de/wissen/gezeiten-ebbe-und-flut-100.html
(Erklärung mit Historie unter https://de.wikipedia.org/wiki/Gezeiten )
Josef L. schrieb:> Kurt schrieb:>> Dann funktioniert die Schaltung nicht mehr.>> Natürlich nicht, Kurt. Ich vergaß zu erwähnen, dass ich nach dem Test> die unterbrochenen Verbindungen wiederherstellen werde. Wobei ich mir> jetzt die Bemerkung verkneife, dass ich das mit Lötzinn und -kolben> bewerkstelligen können sollte.
Das war ja auch nicht gemeint, sondern die Schaltung selber macht nicht
mehr das was sie im Normalzustand macht.
Und somit kannst du auch wohl nicht mehr richtig messen.
Du betrachtest dann nämlich einzelne Komponenten, diese sind aber "in
Arbeit" ganz anderen Umständen ausgesetzt und haben deswegen wohl auch
andere Resonanzfrequenz, zumindest eine andere Bandbreite.
Belaste den L1/C1 mit nichtliearer Last (Nachbildung der Belastung durch
L2/C2 und dessen Last) , es wird sich ein Einbruch bei der
Resonanzfrequenz ergeben.
Und Ja, es sind zwei Generatoren vorhanden.
Und ein Schwingkreis ist nunmal ein akkumulierendes Gebilde.
Der erste Schwingkreis wird zum Lieferanten für den zweiten.
Die Rückwirkung, sein "RI" (des Zweiten) bedämpft den Lieferanten, darum
der Einbruch in der Mitte.
...
> Aber ich will mit dir darüber hier nicht diskutieren, hier geht es nicht> um Grundlagen, sondern um den Abgleich von Schwingkreisen bzw.> Bandfiltern, und ob nun Elektronen oder Positronen sich durch die Drähte> schlängeln oder Wellen dran entlangstreichen ist schnurzegal, es geht> nicht ums Prinzip, sondern um die Funktion.
Mir auch. Die Grundlagen und physikalischen Vorgänge sind mir wichtig.
Kurt
Josef L. schrieb:> Harald W. schrieb:>> ... ich da falsch gelegen habe>> Ja, auch bei "uns" gibt es "urban legends" die sich ewig halten obwohl> schon längst wiederlegt, die teilweise in Lehrbüchern als Tatsache> auftauchen und dadurch weitergebene werden.
Wenn ich mich recht erinnere, hab ich das (falsche) sogar bei meinem
Berufsschullehrer so gelernt.
Kurt schrieb:> sondern die Schaltung selber macht nicht> mehr das was sie im Normalzustand macht.
Wie ich schon Helge geantwortet habe: Auch du hast natürlich im Prinzip
recht. Ich will aber auch die Simulation in PSpice korrekt zum Laufen
bekommen, und dafür brauche ich die einzelnen Bauteilewerte, also
separat gemessen. Das was du meinst kommt dann durchs Einsetzen des
Bauteils in die Schaltung ja dazu. Die Simulation berücksichtigt das
Drumrum und das Zusammenspiel aller Komponenten.
Je nach Modell sind die Kapazitäten vom OC44 zwischen ca. 30 und 100pF,
es ist ja ein Legierungstyp, aber das liegt deutlich unter 1% der
Schwingkreiskapazitäten. Wirkt sich sicher aus, aber die
Frequenzverschiebungen sollten unter 500Hz liegen.
Josef L. schrieb:> Ja, auch bei "uns" gibt es "urban legends" die sich ewig halten obwohl> schon längst wiederlegt, die teilweise in Lehrbüchern als Tatsache> auftauchen und dadurch weitergegeben werden.
Das beste Beispiel ist das Märchen von den elektrischen und magnetischen
Antennen. Schon vor über 100 Jahren vom Erfinder der Rahmenantenne
Ferdinand Braun widerlegt, aber noch heute von den meisten 'Amateuren
und Amateusen' widergekäut.
Siehe dazu Rothammel, 13.Auflage, Kapitel 14.1, Seite 421, linke Spalte:
Zeilen 7-9 "Die kleinen..." sind ein falscher Rest aus einer früheren
Auflage, und in Zeile 14-20 kommt die richtige Erklärung:
"Die Bezeichnung Magnetantennen oder auch Magnetfeldantennen ist etwas
unglücklich, um nicht zu sagen irreführend, denn Antennen wandeln nicht
nur einzelne Feldkomponenten, sondern das ganze elektromagnetische
Feld."
Wahrscheinlich bricht jetzt ein Shitstorm über mich los.
eric schrieb:> Rothammel
Ich hoffe der reicht als Autorität. Obwohl, Autoritäten können
(zumindest in Teilbereichen, wenn sie sich auf dünnem Eis zu weit
vorgewagt haben in Fachgebieten, auf denen sie nicht so firm waren,
obwohl sie von sich überzeugt waren) auch nach Jahrhunderten noch
widerlegt werden. Ich sage nur "Aristoteles"...
Wer dagegen nur bastelt, dabei was Brauchbares rausbekommt, ohne zu
versuchen es zu erklären, kommt meist besser weg: Heron von Alexandria,
Archimedes, da Vinci, Röntgen ...
eric schrieb:> Josef L. schrieb:>> Ja, auch bei "uns" gibt es "urban legends" die sich ewig halten obwohl>> schon längst wiederlegt, die teilweise in Lehrbüchern als Tatsache>> auftauchen und dadurch weitergegeben werden.>> Das beste Beispiel ist das Märchen von den elektrischen und magnetischen> Antennen. Schon vor über 100 Jahren vom Erfinder der Rahmenantenne> Ferdinand Braun widerlegt, aber noch heute von den meisten 'Amateuren> und Amateusen' widergekäut.>> Siehe dazu Rothammel, 13.Auflage, Kapitel 14.1, Seite 421, linke Spalte:> Zeilen 7-9 "Die kleinen..." sind ein falscher Rest aus einer früheren> Auflage, und in Zeile 14-20 kommt die richtige Erklärung:> "Die Bezeichnung Magnetantennen oder auch Magnetfeldantennen ist etwas> unglücklich, um nicht zu sagen irreführend, denn Antennen wandeln nicht> nur einzelne Feldkomponenten, sondern das ganze elektromagnetische> Feld.">> Wahrscheinlich bricht jetzt ein Shitstorm über mich los.
Daran gewöhnt man sich mit der Zeit.
Licht, also auch Funk:
Licht ist longitudinaler Druckausgleich im Medium.
Licht ist ein rein mechanischer Vorgang.
Kurt
Kurt schrieb:> Licht ist ein rein mechanischer Vorgang.
Du kannst jede Welle in Teilchen umrechen.
Und jedes bewegte Teilchen in eine Welle. Auch ein rollender Fußball hat
eine Wellenlänge lambda = h /( m * v).
So - die Spule L1 aus dem HBB-Empfänger habe ich mal durchgemessen, mal
ohne, dann mit 4 verschiedenen Kapazitätswerten parallel. Die
ermittelten Werte: 236µH und Eigenkapazität etwa 10pF. Die Güte ist
stark von der Resonanzfrequenz abhängig und unverständlicherweise im
angepeilten Frequenzbereich viel niedriger als bei höheren Frequenzen:
84 kHz Q=103
101 kHz Q=152
152 kHz Q=289
und sinkt dann wieder auf Werte um 230 bis 470 kHz. Bei der Messung im
Gerät "über alles" wurde ja auch etwa Q=100 festgestellt. Die
Einstellmöglichkeit über den Kern ist minimal, mit 4700pF parallel zB
nur zwischen 100 und 102 kHz, also ±2% (Achtung: Frequenz geht mit 1/√,
daher +2% in L => -1% in f).
Daher ist es kein Wunder, dass der Abgleich über mehrere parallel
geschaltete Styroflex erfolgte!
Außerdem: 236µH ist eigentlich ein Wert, den ich eher im MW-Bereich
verorten würde, der wird mit 40-400pF überdeckt, und zwar bei Q > 200.
Josef L. schrieb:> Die Güte ist stark von der Resonanzfrequenz abhängig und> unverständlicherweise im angepeilten Frequenzbereich viel niedriger> als bei höheren Frequenzen
Wieso unverständlich?
Schon beim Detektor hattest Du die Erfahrung
mit dem Gütemaximum gemacht.
Aber der geringe Abgleichbereich der Spulen ist etwas verwunderlich.
Bei einer Serienfertigung ist normalerweise kein grosser Variations-
bereich notwendig, aber etwas mehr sollte es schon sein, denn sooo
genau kann man die Spulen auch wieder nicht fertigen.
Josef L. schrieb:> @ Kurt> Anbahnen von fruchtlosen Diskussionen über Alternativen> zu etablierten Theorien hier definitiv nicht!
Wenn ich mir ansehe, was heutzutage an Erklärungen für die
ungeklärten Phänomene der Welt (dunkle Materie und Energie,
Teilchenzoo, Urknall, Überlichtgeschwindigkeit usw.), teilweise
an den Haaren herbei gezogen wird, dann würde es mich nicht wundern,
wenn sogar "de lewe Kurt" eines Tages ein wenig recht bekommt.
Josef L. schrieb:> Einstellmöglichkeit über den Kern ist minimal, mit 4700pF parallel zB> nur zwischen 100 und 102 kHz, also ±2% (Achtung: Frequenz geht mit 1/√,> daher +2% in L => -1% in f).
Etwas seltsam mit den ±2% bei Abgleich mit dem Kern. Ist da eventuell
beim Messen was schief gegangen ?
eric schrieb:> Wieso unverständlich?> Schon beim Detektor hattest Du die Erfahrung> mit dem Gütemaximum gemacht.
Ja das ist mir auch noch so in Erinnerung.
eric schrieb:> Wieso unverständlich?
Moment: Das Gütemaximum und seine Lage bei 236µH passen zusammen!
Unverständlich ist mir, warum man für einen Empfänger für einen
Frequenzbereich definitiv unter 100kHz Spulen für den MW-Bereich und
nicht wenigstens für den LW-Bereich einsetzt! Mir kam das L/C-Verhältnis
eh schon komisch vor; der einzige Vorteil liegt wahrscheinlich in der
geringeren Empfindlichkeit auf Schaltungskapazitäten - wie gesagt die
Transistoren können 100pF haben. Aber bei L um 2mH und C um 2nF wären
die Auswirkungen gering genug und das Gütemaximum zwischen 60 und 100
kHz.
Anbei Foto vom Abgleichkern (Länge 2cm) - der ist voll aus Plastik, und
im Inneren des Spulenkörpers ist nicht etwa ein Ferrit- oder
Eisenpulverkern, der mal da dran geklebt war, da ist nichts!
Josef L. schrieb:> Anbei Foto vom Abgleichkern (Länge 2cm) - der ist voll aus Plastik, und> im Inneren des Spulenkörpers ist nicht etwa ein Ferrit- oder> Eisenpulverkern, der mal da dran geklebt war, da ist nichts!
Wie sehen denn die Messwerte ganz ohne Kern aus.
eric schrieb:> wenn sogar "de lewe Kurt" eines Tages ein wenig recht bekommt.
Warum nicht? Solange der "Welle-Teilchen-Dualismus" das Gelbe vom Ei ist
und trotzdem laut nach was Sinnvollerem schreit, haben alle besseren
Versuche eine Chance. Deshalb auch mit Tipp mit der Tagung. Nur tut man
sich vor Fachleuten schwerer als vor Halblaien wie uns. Das ist noch
fast genauso wie vor 100-200-400 Jahren, nur kommt nicht gleich die
Inquisition.
OMG schrieb:> Wie sehen denn die Messwerte ganz ohne Kern aus?
Weil der Kern schwer ging hatte ich mich nicht getraut die
Extrempositionen auszuloten. Da er nur aus Plastik zu sein scheint
(wenigstens außen?) habe ich das nachgeholt: Mit 10500pF parallel und
ganz ohne Kern bekomme ich Resonanzfrequenz 102.0 kHz; wenn ich den Kern
reindrehe bekomme ich ein Minimum bei etwa 92.5 kHz, noch weiter rein
Drehen lässt die Frequenz wieder steigen. Das ist also ein
Frequenzverhältnis von ±5%, also L-Verhältnis ±10%.
Soul E. schrieb:> Kurt schrieb:>>> Licht ist ein rein mechanischer Vorgang.>> Du kannst jede Welle in Teilchen umrechen.
Umrechnen bestimmt.
Was ist es dann, und vor allem: was war es vorher!
>> Und jedes bewegte Teilchen in eine Welle. Auch ein rollender Fußball hat> eine Wellenlänge lambda = h /( m * v).
Schon klar, Papier ist ungemein geduldig.
Was hältst du davon:
Ein Teilchen, hier der Grundbaustein der Materie (BT) ist nichts weiter
als eine Menge der Trägersubstanz (TS) die durch einen Schwingvorgang
als Einheit erhalten bleibt.
Ist die Schwingung weg ist es das Teilchen auch. (der "Urknall" lässt
grüssen)
Nachdem meine Antwort an Josef wegen "verdächtiger Adresse" nicht
gesendet werden kann wünsche ich euch halt von hier aus eine gute Nacht.
Gute Nacht allemiteinander.
Kurt
Mir sieht das so aus, als wäre das der Abgleichstift, der einen Kern
bewegen müßte. Dessen Einfluß beim reindrehen ist natürlich klein. Es
könnte sein, daß jemand vor langer Zeit den Kern schon abgestreift hatte
bei zu argem rumkurbeln. Diese uralten Kerne waren häufig sehr spröde.
Da hilft jetzt nur noch, die Kondensatoren passend draufzulöten.
Helge schrieb:> Mir sieht das so aus, als wäre das der Abgleichstift, der einen Kern> bewegen müßte.
Ich habe grade mittels 1cm-Neodym-Magnet festgestellt, dass der
vorderste, dünne Teil (1.16mm Durchmesser) des Abgleichstifts offenbar
Ferrit ist! Kann durchaus 10-15mm lang sein, ist in das restliche
Röhrchen eingeklebt. Ohne genaues Hinsehen schaut alles grauschwarz aus.
Problem geklärt - die 10% Induktivitätsänderung sind plausibel.
Inzwischen habe ich auch L2 vermessen: Von einem zum anderen Ende 88.2
kHz = 310µH, von unten bis zur Anzapfung 189 kHz = 67.5µH, Anzapfung
nach oben 110 kHz = 200µH. Windungsverhältnis sollte also 1:1.72 sein,
Anzapfung also bei 37%. Bei idealer Kopplung würde man gesamt 67.5µH x
(1+1.72)² = 480µH sein. Da es nur 310µH sind, ist K < 1. Alles bei Kern
soweit eingedreht auf minimale Resonanzfrequenz; maximale wieder etwa
10% höher.
Ich habe gerade über die Simulation von L2 die Formel zur Berechnung der
Gesamtinduktivität zweier Spulen "nachentdeckt" - es ist immer schön
wenn man was selbst entdecken kann:
Klar ist: Zwei Spulen weit auseinander ohne Kopplung in Serie
geschaltet, da addieren sich die Induktivitäten einfach. L2 mit K=0 hat
also
L⁰ = 199.5 + 67.4 = 266.9 [µH] (genau gemessene Werte eingesetzt)
Ebenso: Beide Wicklungen eng zusammen addieren sich die Windungszahlen,
und die Induktivität geht mit W². Ich ziehe einfach die Wurzel aus jeder
Teilinduktivität, das sind sozusagen symbolische Windungszahlen. Die
addiere ich und quadriere das Ergebnis:
L¹ = (√199.5 + √67.4)² = (14.12 + 8.21)² = 22.3² = 498.8 [µH]
Die Gegeninduktivität bei K=1 ist damit
M = L¹ - L⁰ = 498.8 - 266.9 = 231.9 [µH]
Und für jeden Wert von K zwischen 0 und 1 wird L = L⁰ + K x M
Bei der gemessenen Induktivität von L = 310µH ist dann
K = (310 - 266.9) / 231.9 = 0.186
Also ich hab's jetzt nicht auf den Nobelpreis abgesehen ;-) aber zu
wissen, dass die Anzapfung bei 37% und nicht bei 25% ist sowie vor allem
dass der Koppelfaktor nicht 1 sondern nur 0.186 ist, ist schon fürs
genauere Verstehen der Schaltung wichtig, denke ich.
Im Bild die Resonanzfrequenzen mit C=10500pF für K=1, 0.186 und 0, das
sind 69.5433, 88.2102 und 95.0716 kHz.
Noch ein Messergebnis: Ich habe die Oszillatorspule (L8/L9/L10)
durchgemessen (siehe Schaltbild HF-Teil
https://www.mikrocontroller.net/attachment/536177/HBB-Schematic.gif )
Jeweils mit einem 3500pF-Kondensator parallel messe ich für L8 205.1
kHz, L9 654.6 kHz, und für beide in Serie 132.4 kHz. Für L10 alleine
sind es 678.6 kHz. Um die Kopplung zwischen L10 und den anderen zu
messen, habe ich sie in Serie zu L8+L9 gemessen: einmal 132.4 kHz und
mit vertauschten Anschlüssen 204.1 kHz; dabei ist es egal, ob auf der
Seite von L8 oder L9 angeschlossen.
Fazit: L8 = 172µH, L9=16.9µH, L10=15.7µH, K=0.834 in allen Fällen. L10
sitzt symmetrisch auf L8+L9. Induktivität L8+L9=279µH und die Anzapfung
liegt etwa bei 0.24, auch die Rückkopplungswicklung hat etwa 1/4 der
Windungszahl von L8+L9.
Das zeigt, dass die Abschätzung mit 252+28µH zwar etwas überschätzt
habe, das Windungsverhältnis ist aber ähnlich, ebenso die
Kopplungswicklung mit 70µH. Damit kann ich jetzt prüfen, ob der
Arbeitspunkt einigermaßen sinnvoll eingestellt ist. Bei den beiden
HF-Stufen passt das, Emitter- und Kollektorwiderstände könnten noch
etwas größer sein, aber nicht viel, sonst bricht die Verstärkung ein,
viel geringere Werte erhöhen zwar die Kollektorströme, aber kaum mehr
die Verstärkung. Bei 1mV HF an der Basis von Q1 sollte 1V HF am
Kollektor von Q2 anstehen.
Die Messungen vom Oszillator passen offenbar. Die Spulendaten habe ich
in PSpice eingegeben, und mit den aufaddierten Kapazitätswerten für
C15=15.7nF schwingt die Simulation auf 76085 Hz, also gut 1 kHz über der
Empfangsfrequenz - das hohe C sozusagen. Und zwar zwischen -24V und +4V
am Kollektor von Q3, wenn ich den Kollektorwiderstand auf 3.3k
verringere.
Naja, die werden 1965 bereits mit Oszilloskop kontrolliert haben -
soviel hält ein OC44 ja auch nicht aus. Ich muss aufpassen, ich habe nur
noch 2x OC45 und jeweils einen OC70 und OC71. aber ich traue mich schon,
demnächst nur den HF-Teil mit externem Netzteil separat in Betrieb zu
nehmen.
Im Bild oben die 75 kHz vom Sender gemischt mit den 76 kHz vom BFO vor
der Demodulator-Diode OA5, unten die "geglättete" NF am Ausgang.
Josef L. schrieb:> ...> soviel hält ein OC44 ja auch nicht aus. Ich muss aufpassen, ich habe nur> noch 2x OC45 und jeweils einen OC70 und OC71...
(Funktionierender aber nicht ernst gemeinter) Tipp:
Den BFO kannst du auch durch einen ATTINY ersetzen. Wenn der über den
internen RC- statt Quarzoszillator getaktet wird, dann erhält du sogar
einen ganz besonderen Retro-/Sputnik-Sound. Das klingt dann so, als ob
du das Sendesignal von der HBG-Inbetriebnahme 1966 empfangen würdest.
:-)
Franz schrieb:> Funktionierender aber nicht ernst gemeinter
Kann man sicher machen. Was gar nicht geht, ist ein RC-Oszillator mit
"modernen" SMD-Keramik-Vielschicht-Kondensatoren, die für den
Frequenzbereich 78kHz ja Werte haben müssen, die es nur mit -20/+50%
gibt; da hängt die Überlagerungs-Tonhöhe von Temperatur und
Luftfeuchtigkeit ab und mit der gefühlten Temperatur könnte man dann die
Luftfeutigkeit "hören" :-))
Franz schrieb:> alten Scheibenkondensatoren
Das geht natürlich gar nicht. Insofern ist der HBB-Empfänger vor 55
Jahren schon sinnvoll mit Styroflex bestückt worden. Wenn das anfangs
für 92 kHz war, machen 1% Kapazitätsänderung 0.5% in Frequenz oder 460
Hz aus, und wenn das auf 1 kHz eingestellt war, dürfte das wirklich das
absolute Maximum an Abweichung darstellen was möglich war. Auch die
vielleicht 100 pF Änderung der Restschaltung (Transistor, weitere
Kondensatoren) machen deutlich weniger aus.