Hallo! Wie der eine oder andere bereits mitbekommen hat, beschäftige ich mich schon seit mehr als 25 Jahren mit der Umsetzung experimenteller Physikprojekte. Vieles habe ich schon mehr oder weniger erfolgreich umgesetzt, einiges geistert mir noch im Kopf herum. Zu letzterem zählt auch ein Startosphärenballon. Ich bekomme nachwievor echte Gänsehaut, wenn ich Aufnahmen von Stratosphärenballons anderer Bastler sehe, welche erstens die Erdkrümmung und zweitens den tiefschwarzen Weltraum zeigen. Genau so etwas wäre ein echter Traum von mir. Von daher unterscheide ich mich wohl in keinster Weise von einem 5 jährigen Kind ;-) Was mich immer davon abhalten ließ, war die in meinen Augen große Gefährlichkeit eines solchen Stratosphärenballons. Denn ich möchte niemals im schlimmsten Fall für einen Flugzeugabsturz verantwortlich sein. Da würde es mir auch ehrlich gesagt nichts helfen, wenn ich durch die notwendigen und eingebrachten Genehmigungen rechtlich unschuldig wäre. AATiS hat ja mit ihrem AS825 Phönix ein Miniballonprojekt in ihrem Portfolio: https://aatis.de/content/bausatz/AS825_Phoenix-Der_Stratosph%C3%A4renfl%C3%BCsterer Vom Gewicht her dürfte dieses eigentlich keinerlei Gefahr für den Flugverkehr bedeuten und wäre so weit ich das überblicke sogar genehmigungsfrei. Man bräuchte halt eine Amateurfunklizenz. Einziges Manko: Die aufgezeichnete Position, Druck und Temperatur sind nur ein schwacher Erssatz für Bilder des Weltraums und der Erdkrümmung. Könnte man das AATiS-Projekt mit einer federleichten Drohenkamera ergänzen und so noch weiterhin weitestgehend "genehmigungsfrei" bleiben? Wohl nicht oder? Und was mich zum Schluß auch noch brennend interessieren würde: Hat jemand von euch bereits einen Stratosphärenballon gestartet? Falls ja, was waren die Erfahrungen daraus bzw. welche Tipps könnte er/sie einem Inspiranten wie mir geben? Ich hatte sogar einmal im Rahmen einer sog. Fachbereichsarbeit für die Matura/Abitur das Thema Stratosphärenballon. Leider legte sich der Schüler nicht wirklich ins Zeug und so blieb es letztlich nur bei einem Ballonstart an der Schnur im Schulhof mit Heliumballon und meinem Handy zur Videoaufnahme. Das Thema war aber ehrlich gestanden auch zu komplex für einen Schüler und mich, da ich diesbezüglich auch auf keinerlei Erfahrungen zurückgreifen konnte...
Christoph E. schrieb: > Und was mich zum Schluß auch noch brennend interessieren würde: Hat > jemand von euch bereits einen Stratosphärenballon gestartet? Falls ja, > was waren die Erfahrungen daraus bzw. welche Tipps könnte er/sie einem > Inspiranten wie mir geben? Nein. Bin nicht wirklich der Experte, aber ich habe erst kürzlich einen Artikel gelesen, bei dem es auch um das Thema geht. https://spectrum.ieee.org/explore-stratosphere-diy-pico-balloon
Christoph E. schrieb: > Vom Gewicht her dürfte dieses eigentlich keinerlei Gefahr für den > Flugverkehr bedeuten und wäre so weit ich das überblicke sogar > genehmigungsfrei. Sieht für mich nicht danach aus: https://www.gesetze-im-internet.de/luftvo_2015/__20.html In der EU-Durchführungsverordnung, auf die dort verwiesen wird, steht dann drin, was bei der Kategorie "light" einfacher ist: "An unmanned free balloon, other than a light balloon used exclusively for meteorological purposes and operated in the manner prescribed by the competent authority, shall not be operated across the territory of another State without authorisation from the other State concerned." Quelle: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX%3A02012R0923-20250501 Du bräuchtest also weiterhin eine Genehmigung, bloss nicht zusätzlich von anderen Staaten, die überflogen werden. Aber ich bezweifle, dass das, was Du vorhast, unter "exclusively for meteorological purposes" fällt.
Es gibt auch ein Video, wo etwas zu sehen ist: https://www.youtube.com/watch?v=e0HLbov2EO8 Die Teile hätten bei einem Zusammenstoß mit einem Flugzeug auf dem Weg bis nach oben und beim wieder Herunterkommen ein nicht unerhebliches Schadenspotential. Das ungünstigste Szenario wäre, wenn im Cockpit eine Scheibe defekt ginge. Durch den Unterdruck würde auch niemand mehr die Cockpit-Tür öffnen können. Da nutzt es nichts mehr, wenn die Piloten die Verriegelung lösen könnten. Als kleine Aufgabe könntest Du ja mal die Klasse ausrechnen lassen, welche Kraft auf einer Tür mit 70x160cm bei 100mbar lasten. Mit dem Hebelgesetz welche Kraft am Türgriff notwendig wäre, wäre auch eine schöne Aufgabe. Aus diesem Grunde würde ich so einen Flug immer anmelden, Es gibt bestimmt auch Auflagen, wieviel Aluminiumfolien oder versilbertes Drahtgeflecht für genügend Radarrückstrahlung vorhanden sein muss. Beim Nachfragen zum Anmeldeverfahren wird diese Information bestimmt abgegriffen werden können.
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> Und was mich zum Schluß auch noch brennend interessieren würde: Hat > jemand von euch bereits einen Stratosphärenballon gestartet? Falls ja, > was waren die Erfahrungen daraus bzw. welche Tipps könnte er/sie einem > Inspiranten wie mir geben? Frag mal unter den Funkamateuren, die machen das öfters. Ein paar Tipps auf die Schnelle: * bei der Flusicherung anmelden, die Freigabe ist an einem bestimmten Bedeckungsgrad gebunden, den sollte man abschätzen können * Handschuh anziehen, die abgleitende Schnur hat schon manche Striemen hinterlassen * Das Bergungsteam erst losschicken wenn der Ballon tief gefallen ist, der ändert im Fallen schon mal wegen der vertikalen Wirbel die Position. Die Landung zu beobachten ist eher illusiorisch. *Wenn der Peilsender nicht einschaltet weil falsche bedingung programmiert wird suchen langwierig. *beim APRS führen in großere Höhe viele Hops eher zu Beschwerden wegen Mehrfachpaketen; in geringer Höhe ist man froh das man eine Station sieht an die man das Paket los wird. * https://www.heise.de/ratgeber/Einen-eigenen-Wetterballon-basteln-und-starten-10250817.html * https://www.darc.de/der-club/distrikte/c/ortsverbaende/19/stratosphaerenballon/
Dieter D. schrieb: > Das ungünstigste Szenario wäre, wenn im Cockpit eine Scheibe defekt > ginge. Durch den Unterdruck würde auch niemand mehr die Cockpit-Tür > öffnen können. Du hast noch vergessen, dass beide Piloten durch das Loch gesaugt werden, während Crew und Passagiere verzweifelt an der Cockpittür rütteln. Paranoide Wahnvorstellungen durch zuviel RTL? Die Realität sieht natürlich anders aus. Hier der Bericht (mitsamt Fotos) zu einer Kollision mit einem Wetterballon im vergangenen Jahr: https://www.flightradar24.com/blog/wp-content/uploads/2025/11/Report_DCA26LA012_201877_11_20_2025-2_59_20-PM.pdf "The cabin pressurization remained stable, with no fluctuations throughout the flight." "Windshields are certified to withstand the impact of a four-pound bird without penetration, to be capable of withstanding the maximum cabin pressurization loads with the failure of a single pane, and the internal pane must be non-splintering."
* https://www.u08.de/archive/479 (war dabei) * https://sfz-bw.de/wp-content/uploads/2024/03/Abgabe-Jufo.pdf (dabei nicht) * Beitrag "Stratosphären-APRS-Ballon gerade gestartet" im Forum dokumentiert * Beitrag "(S) Sachen fuer Funkamateure Ballon" (noch mehr aus alten Forumszeiten) * Beitrag "Stratosphärenballon" (frag mal den Feinmechaniker)
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Keine Ahnung ob das was taugt bin da gerade zufällig drübergestolpert als ich auf Heise war: https://www.heise.de/news/Wetterballon-im-Selbstbau-c-t-uplink-11201154.html https://www.heise.de/news/c-t-Videoreihe-Wir-starten-einen-eigenen-Wetterballon-11166579.html https://www.heise.de/news/c-t-Videoreihe-Wir-basteln-unseren-Wetterballon-zusammen-Teil-2-11200245.html https://www.heise.de/news/c-t-Videoreihe-Wir-verfolgen-unseren-Wetterballon-Teil-3-11208785.html https://www.heise.de/news/c-t-Videoreihe-Das-haben-wir-aus-unserem-Wetterballon-Flug-gelernt-Teil-4-11217818.html
Hmmm schrieb: > Du hast noch vergessen, dass beide Piloten durch das Loch gesaugt > werden, Oh ja, die sind aber meistens auch angeschnallt. Warum eigentlich? ;) > Hier der Bericht (mitsamt Fotos) zu einer Kollision mit einem Wetterballon im vergangenen Jahr: Um so einen Schaden zu begleichen, ist Christophs Taschengeldbudget einfach viel zu klein. Oder bist Du da anderer Ansicht?
Vielen Dank einmal für eure Antworten und links. Österreich ist halt auch ein ziemlich ungünstiges Land für solch ein Projekt. Erstens gibt es hier in den Alpen sehr viele, schwer zugängliche Orte u.a. Mit Funkloch und zweitens ist der Ballon bald einmal außer Landes. Ich hatte vor gut 18 Jahren schon einmal so einen GPS tracker mit Sim-Karte gekauft. Der schlummert seitdem in einer meiner Physikkisten. Das gibt es heute mit Sicherheit deutlich kleiner und leichter... P.S.: Schäden am Linienflugzeug zahle ich aus meiner Portokassa 😉 Aber im Ernst: Bei schwereren Stratosphärenballons ist eine Haftpflichtversicherung vorgeschrieben. Ich könnte wohl nicht einmal den Verlust des Pilotenkoffers begleichen...
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Ich habe das schon dreimal gemacht. Hat wirklich Suchtpotential: https://youtube.com/playlist?list=PLvhZUtKHKChwbAkUqxiH3drvAtvwRBWAX Ein Einstieg könnte diese Seite hier sein: https://www.stratoflights.com/ Ist zwar letztendlich ein Shop für alles was man so braucht. Aber es gibt viele praktische Tipps und Infos. Es gibts neben der Technik leider auch relativ viel Papierkram. Man braucht eine Genehmigung und muss Eine Versicherung nachweisen. Der Ballon oder besser die Nutzlast muss gewisse Kriterien erfüllen. Sonst gibt's keine Genehmigung. Und Abstand zu Flughäfen muss auch eingehalten werden. Aber das ist alles machbar. Die Technik sollte gut getestet sein und vor allem die Positionsmeldung sollte redundant sein. Einmal ist uns der Ballon beim start kurz in einem Baum hängen geblieben wodurch Teile der Technik ihre Stromversorgung eingebüßt hatten. Zum Glück hatten wir aber ein zweites GPS Modul an Bord, dass mit einem kleinen Arduinoboard gekoppelt war. Das hatte noch autark Strom und hat die Position munter weiter verschickt. So haben wir den Ballon dann auch wieder gefunden.
Christoph E. schrieb: > Hat jemand von euch bereits einen Stratosphärenballon gestartet? Falls > ja, was waren die Erfahrungen daraus Nein, aber von einem gehört. Der brauchte eine Aufstiegsgenehmigung, gab eine NOTAM heraus und meldete das bei der Flugsicherung DFS. Das geht auch als Privatperson. Keine Ahnung, ob der Ballon bestimmte Regeln einhalten musste, Radarreflektoren oder so.
> Österreich ist halt auch ein ziemlich ungünstiges Land für solch ein > Projekt. Erstens gibt es hier in den Alpen sehr viele, schwer > zugängliche Orte u.a. Also in der Haupstadt Niederbayerns, in Landshut, war der Aufwand überschaubar. Je nach Ort in Österreich ist Landshut als Startpunkt nicht soweit weg... so 2h von Linz oder Salzburg. Aber sicher sollte auch was direkt in Österreich gehen. > Ich hatte vor gut 18 Jahren schon einmal so einen GPS tracker mit > Sim-Karte gekauft. Der schlummert seitdem in einer meiner Physikkisten. > Das gibt es heute mit Sicherheit deutlich kleiner und leichter... Statt GSM-SIM nimmt man APRS. OK, dafür sollte eine amateurfunklizenz haben und da sollte sich auch in Österreich genügend finden lassen. https://aprs.at/
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Solange die Statosphärenballone nicht so weit fliegen, dass die Nichtscheibenform der Erde zu gut sichbar wird, ist alles in Ordnung. ;) Christoph E. schrieb: > Ich hatte vor gut 18 Jahren schon einmal so einen GPS tracker mit > Sim-Karte gekauft. Der schlummert seitdem in einer meiner Physikkisten. Den kannst Du wahrscheinlich nicht mehr lange nutzen, weil der sicherlich noch nicht LTE-tauglich ist und 2G abgeschaltet wird. Früher hättest Du durch einbringen des Trackers (oder nur der Platine daraus wegen des Gewichts) bei so einem Projekt mitmachen können.
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