Forum: HF, Funk und Felder Stratosphärenballon


von Christoph E. (stoppi)



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Hallo!

Wie der eine oder andere bereits mitbekommen hat, beschäftige ich mich 
schon seit mehr als 25 Jahren mit der Umsetzung experimenteller 
Physikprojekte. Vieles habe ich schon mehr oder weniger erfolgreich 
umgesetzt, einiges geistert mir noch im Kopf herum. Zu letzterem zählt 
auch ein Startosphärenballon.

Ich bekomme nachwievor echte Gänsehaut, wenn ich Aufnahmen von 
Stratosphärenballons anderer Bastler sehe, welche erstens die 
Erdkrümmung und zweitens den tiefschwarzen Weltraum zeigen. Genau so 
etwas wäre ein echter Traum von mir. Von daher unterscheide ich mich 
wohl in keinster Weise von einem 5 jährigen Kind ;-)

Was mich immer davon abhalten ließ, war die in meinen Augen große 
Gefährlichkeit eines solchen Stratosphärenballons. Denn ich möchte 
niemals im schlimmsten Fall für einen Flugzeugabsturz verantwortlich 
sein. Da würde es mir auch ehrlich gesagt nichts helfen, wenn ich durch 
die notwendigen und eingebrachten Genehmigungen rechtlich unschuldig 
wäre.

AATiS hat ja mit ihrem AS825 Phönix ein Miniballonprojekt in ihrem 
Portfolio: 
https://aatis.de/content/bausatz/AS825_Phoenix-Der_Stratosph%C3%A4renfl%C3%BCsterer

Vom Gewicht her dürfte dieses eigentlich keinerlei Gefahr für den 
Flugverkehr bedeuten und wäre so weit ich das überblicke sogar 
genehmigungsfrei. Man bräuchte halt eine Amateurfunklizenz.

Einziges Manko: Die aufgezeichnete Position, Druck und Temperatur sind 
nur ein schwacher Erssatz für Bilder des Weltraums und der Erdkrümmung. 
Könnte man das AATiS-Projekt mit einer federleichten Drohenkamera 
ergänzen und so noch weiterhin weitestgehend "genehmigungsfrei" bleiben? 
Wohl nicht oder?

Und was mich zum Schluß auch noch brennend interessieren würde: Hat 
jemand von euch bereits einen Stratosphärenballon gestartet? Falls ja, 
was waren die Erfahrungen daraus bzw. welche Tipps könnte er/sie einem 
Inspiranten wie mir geben?

Ich hatte sogar einmal im Rahmen einer sog. Fachbereichsarbeit für die 
Matura/Abitur das Thema Stratosphärenballon. Leider legte sich der 
Schüler nicht wirklich ins Zeug und so blieb es letztlich nur bei einem 
Ballonstart an der Schnur im Schulhof mit Heliumballon und meinem Handy 
zur Videoaufnahme. Das Thema war aber ehrlich gestanden auch zu komplex 
für einen Schüler und mich, da ich diesbezüglich auch auf keinerlei 
Erfahrungen zurückgreifen konnte...

von Giovanni (sqrt_minus_eins)


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Christoph E. schrieb:
> Und was mich zum Schluß auch noch brennend interessieren würde: Hat
> jemand von euch bereits einen Stratosphärenballon gestartet? Falls ja,
> was waren die Erfahrungen daraus bzw. welche Tipps könnte er/sie einem
> Inspiranten wie mir geben?

Nein. Bin nicht wirklich der Experte, aber ich habe erst kürzlich einen 
Artikel gelesen, bei dem es auch um das Thema geht.


https://spectrum.ieee.org/explore-stratosphere-diy-pico-balloon

von Hmmm (hmmm)


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Christoph E. schrieb:
> Vom Gewicht her dürfte dieses eigentlich keinerlei Gefahr für den
> Flugverkehr bedeuten und wäre so weit ich das überblicke sogar
> genehmigungsfrei.

Sieht für mich nicht danach aus:

https://www.gesetze-im-internet.de/luftvo_2015/__20.html

In der EU-Durchführungsverordnung, auf die dort verwiesen wird, steht 
dann drin, was bei der Kategorie "light" einfacher ist:

"An unmanned free balloon, other than a light balloon used exclusively 
for meteorological purposes and operated in the manner prescribed by the 
competent authority, shall not be operated across the territory of 
another State without authorisation from the other State concerned."

Quelle: 
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/?uri=CELEX%3A02012R0923-20250501

Du bräuchtest also weiterhin eine Genehmigung, bloss nicht zusätzlich 
von anderen Staaten, die überflogen werden. Aber ich bezweifle, dass 
das, was Du vorhast, unter "exclusively for meteorological purposes" 
fällt.

von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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Es gibt auch ein Video, wo etwas zu sehen ist:
https://www.youtube.com/watch?v=e0HLbov2EO8

Die Teile hätten bei einem Zusammenstoß mit einem Flugzeug auf dem Weg 
bis nach oben und beim wieder Herunterkommen ein nicht unerhebliches 
Schadenspotential.

Das ungünstigste Szenario wäre, wenn im Cockpit eine Scheibe defekt 
ginge. Durch den Unterdruck würde auch niemand mehr die Cockpit-Tür 
öffnen können. Da nutzt es nichts mehr, wenn die Piloten die 
Verriegelung lösen könnten.

Als kleine Aufgabe könntest Du ja mal die Klasse ausrechnen lassen, 
welche Kraft auf einer Tür mit 70x160cm bei 100mbar lasten. Mit dem 
Hebelgesetz welche Kraft am Türgriff notwendig wäre, wäre auch eine 
schöne Aufgabe.

Aus diesem Grunde würde ich so einen Flug immer anmelden, Es gibt 
bestimmt auch Auflagen, wieviel Aluminiumfolien oder versilbertes 
Drahtgeflecht für genügend Radarrückstrahlung vorhanden sein muss. Beim 
Nachfragen zum Anmeldeverfahren wird diese Information bestimmt 
abgegriffen werden können.

: Bearbeitet durch User
von Bradward B. (Firma: Starfleet) (ltjg_boimler)


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> Und was mich zum Schluß auch noch brennend interessieren würde: Hat
> jemand von euch bereits einen Stratosphärenballon gestartet? Falls ja,
> was waren die Erfahrungen daraus bzw. welche Tipps könnte er/sie einem
> Inspiranten wie mir geben?

Frag mal unter den Funkamateuren, die machen das öfters. Ein paar Tipps 
auf die Schnelle:
* bei der Flusicherung anmelden, die Freigabe ist an einem bestimmten 
Bedeckungsgrad gebunden, den sollte man abschätzen können
* Handschuh anziehen, die abgleitende Schnur hat schon manche Striemen 
hinterlassen
* Das Bergungsteam erst losschicken wenn der Ballon tief gefallen ist, 
der ändert im Fallen schon mal wegen der vertikalen Wirbel die Position. 
Die Landung zu beobachten ist eher illusiorisch.
*Wenn der Peilsender nicht einschaltet weil falsche bedingung 
programmiert wird suchen langwierig.
*beim APRS führen in großere Höhe viele Hops eher zu Beschwerden wegen 
Mehrfachpaketen; in geringer Höhe ist man froh das man eine Station 
sieht an die man das Paket los wird.

* 
https://www.heise.de/ratgeber/Einen-eigenen-Wetterballon-basteln-und-starten-10250817.html
* 
https://www.darc.de/der-club/distrikte/c/ortsverbaende/19/stratosphaerenballon/

von Hmmm (hmmm)


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Dieter D. schrieb:
> Das ungünstigste Szenario wäre, wenn im Cockpit eine Scheibe defekt
> ginge. Durch den Unterdruck würde auch niemand mehr die Cockpit-Tür
> öffnen können.

Du hast noch vergessen, dass beide Piloten durch das Loch gesaugt 
werden, während Crew und Passagiere verzweifelt an der Cockpittür 
rütteln. Paranoide Wahnvorstellungen durch zuviel RTL?

Die Realität sieht natürlich anders aus. Hier der Bericht (mitsamt 
Fotos) zu einer Kollision mit einem Wetterballon im vergangenen Jahr:

https://www.flightradar24.com/blog/wp-content/uploads/2025/11/Report_DCA26LA012_201877_11_20_2025-2_59_20-PM.pdf

"The cabin pressurization remained stable, with no fluctuations 
throughout the flight."

"Windshields are certified to withstand the impact of a four-pound bird 
without penetration, to be capable of withstanding the maximum cabin 
pressurization loads with the failure of a single pane, and the internal 
pane must be non-splintering."

von Bradward B. (Firma: Starfleet) (ltjg_boimler)


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: Bearbeitet durch User
von Frank D. (Firma: LAPD) (frank_s634)


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von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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Hmmm schrieb:
> Du hast noch vergessen, dass beide Piloten durch das Loch gesaugt
> werden,

Oh ja, die sind aber meistens auch angeschnallt. Warum eigentlich? ;)

> Hier der Bericht (mitsamt Fotos) zu einer Kollision mit einem Wetterballon im 
vergangenen Jahr:

Um so einen Schaden zu begleichen, ist Christophs Taschengeldbudget 
einfach viel zu klein. Oder bist Du da anderer Ansicht?

von Christoph E. (stoppi)



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Vielen Dank einmal für eure Antworten und links.

Österreich ist halt auch ein ziemlich ungünstiges Land für solch ein 
Projekt. Erstens gibt es hier in den Alpen sehr viele, schwer 
zugängliche Orte u.a. Mit Funkloch und zweitens ist der Ballon bald 
einmal außer Landes.
Ich hatte vor gut 18 Jahren schon einmal so einen GPS tracker mit 
Sim-Karte gekauft. Der schlummert seitdem in einer meiner Physikkisten. 
Das gibt es heute mit Sicherheit deutlich kleiner und leichter...

P.S.: Schäden am Linienflugzeug zahle ich aus meiner Portokassa 😉 Aber 
im Ernst: Bei schwereren Stratosphärenballons ist eine 
Haftpflichtversicherung vorgeschrieben. Ich könnte wohl nicht einmal den 
Verlust des Pilotenkoffers begleichen...

: Bearbeitet durch User
von Andi M. (andi6510) Benutzerseite


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Ich habe das schon dreimal gemacht. Hat wirklich Suchtpotential:
https://youtube.com/playlist?list=PLvhZUtKHKChwbAkUqxiH3drvAtvwRBWAX
Ein Einstieg könnte diese Seite hier sein: 
https://www.stratoflights.com/
Ist zwar letztendlich ein Shop für alles was man so braucht. Aber es 
gibt viele praktische Tipps und Infos.
Es gibts neben der Technik leider auch relativ viel Papierkram. Man 
braucht eine Genehmigung und muss Eine Versicherung nachweisen. Der 
Ballon oder besser die Nutzlast muss gewisse Kriterien erfüllen. Sonst 
gibt's keine Genehmigung. Und Abstand zu Flughäfen muss auch eingehalten 
werden. Aber das ist alles machbar. Die Technik sollte gut getestet sein 
und vor allem die Positionsmeldung sollte redundant sein. Einmal ist uns 
der Ballon beim start kurz in einem Baum hängen geblieben wodurch Teile 
der Technik ihre Stromversorgung eingebüßt hatten. Zum Glück hatten wir 
aber ein zweites GPS Modul an Bord, dass mit einem kleinen Arduinoboard 
gekoppelt war. Das hatte noch autark Strom und hat die Position munter 
weiter verschickt. So haben wir den Ballon dann auch wieder gefunden.

von Michael B. (laberkopp)


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Christoph E. schrieb:
> Hat jemand von euch bereits einen Stratosphärenballon gestartet? Falls
> ja, was waren die Erfahrungen daraus

Nein, aber von einem gehört.

Der brauchte eine Aufstiegsgenehmigung, gab eine NOTAM heraus und 
meldete das bei der Flugsicherung DFS.

Das geht auch als Privatperson.

Keine Ahnung, ob der Ballon bestimmte Regeln einhalten musste, 
Radarreflektoren oder so.

von Bradward B. (Firma: Starfleet) (ltjg_boimler)


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> Österreich ist halt auch ein ziemlich ungünstiges Land für solch ein
> Projekt. Erstens gibt es hier in den Alpen sehr viele, schwer
> zugängliche Orte u.a.

Also in der Haupstadt Niederbayerns, in Landshut, war der Aufwand 
überschaubar. Je nach Ort in Österreich ist Landshut als Startpunkt 
nicht soweit weg... so 2h von Linz oder Salzburg. Aber sicher sollte 
auch was direkt in Österreich gehen.

> Ich hatte vor gut 18 Jahren schon einmal so einen GPS tracker mit
> Sim-Karte gekauft. Der schlummert seitdem in einer meiner Physikkisten.
> Das gibt es heute mit Sicherheit deutlich kleiner und leichter...

Statt GSM-SIM nimmt man APRS. OK, dafür sollte eine amateurfunklizenz 
haben und da sollte sich auch in Österreich genügend finden lassen.

https://aprs.at/

: Bearbeitet durch User
von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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Solange die Statosphärenballone nicht so weit fliegen, dass die 
Nichtscheibenform der Erde zu gut sichbar wird, ist alles in Ordnung. ;)

Christoph E. schrieb:
> Ich hatte vor gut 18 Jahren schon einmal so einen GPS tracker mit
> Sim-Karte gekauft. Der schlummert seitdem in einer meiner Physikkisten.

Den kannst Du wahrscheinlich nicht mehr lange nutzen, weil der 
sicherlich noch nicht LTE-tauglich ist und 2G abgeschaltet wird. Früher 
hättest Du durch einbringen des Trackers (oder nur der Platine daraus 
wegen des Gewichts) bei so einem Projekt mitmachen können.

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