Datum: 20.05.2008 12:20
Über die Publikationen der Teslapress bin ich auf ein vergessenes Stück Technikgeschichte gestoßen - den magnetischen Verstärker. Da dieser aufgrund seiner Einfachheit auch heute als interessante Facette seine Einsatzgebiete hätte will ich kurz sein Grundprinzip beschreiben. Dazumals war (oder ist?) er Bestandteil von Leistungsreglern, Leistungsoszillatoren, Radartechnik, Regelschaltungen (Servomotoren, automatische Landegeräte). Gerade die deutsche Luftwaffe hatte dieses Bauelement perfektioniert. Sein Vorteil ist die Fast-Unverwüstlichkeit. So wird dieses Bauelement auch heute noch in der Weltraumtechnik eingesetzt. Doch nun zur Funktion. Bekanntermaßen ist der komplexe Scheinwiderstand einer Spule

Die Induktivität L berechnet sich für eine lange Spule gemäß

Interessant ist dabei der Faktor

. Er beschreibt als Faktor der Vakuumgrundstärke das Verhältnis zwischen magnetischer Feldstärke H und magnetischer Flußdichte B. Ist er größer 1 so wird durch das Kernmaterial die Flußdichte gegenüber einem Vakuumkern verstärkt. Wichtig ist das die Induktivität und damit der Scheinwiderstand der Spule proportional zu

sind. Dies kann man ausnutzen wenn man bedenkt das der Zusammenhang zwischen B und H nur für kleine magnetische Feldstärken linear ist; wird H größer, geht der Kern in die Sättigung und das Feld wird nicht mehr verstärkt. Das bedeuted wiederum das [math]\mu_r[\math] kleiner wird. Dies kann man durch eine Vorsättigung mittels einer Hilfswicklung erreichen, welche durch einen Gleichstromfluß die Vorsättigung regelt. So variiert ein recht kleiner Steuerstrom die Induktivität und damit den Scheinwiderstand der Spule. Eine seriengeschaltete Glühlampe kann so in ihrer Helligkeit geregelt werden. Interessant ist auch die Rückkoppelmöglichkeit: Indem man einen Teil des Flußstroms durch eine weitere Hilfswicklung zurückkoppelt kann man erreichen das durch einen steigenden Laststrom die Feldstärke im Kern durch einen Gegenfluß verringert wird. Somit steigt die Reaktanz der Spule, der Strom wird geregelt. In der Publikation wurden auch Audioverstärker bzw. Verstärker/Oszillatoren für Radar und Sonar gezeigt. Auch in der Spannungsstabilisierung sowie Servostabilisierung der Geschütze haben solche magnetischen Verstärker bei der US Navy eine große Rolle gespielt. Auch heutzutage scheinen diese Bauelemente nicht wirklich vergessen zu sein: "Magnetic amplifiers were used extensively as the switching element in early switched-mode (SMPS) power supplies[1], as well as in lighting control. They have been largely superseded by semiconductor based solid-state switches, though recently there has been some regained interest in using mag amps in compact and reliable switching power supplies. PC ATX power supplies often use mag amps for secondary side voltage regulation." http://en.wikipedia.org/wiki/Magnetic_amplifier http://focus.ti.com/lit/ml/slup129/slup129.pdf http://en.wikipedia.org/wiki/Magnetic_amplifier#cite_note-1
Datum: 20.05.2008 12:32
Interessant... Früher (?) gab es Spannungskonstanthalter, die aussahen, wie ein Trafo. Wenn ich mich recht erinnere, war auch noch ein Kondensator dran. Ich habe mich immer gefragt, wie das funktioniert - was du beschreibst, könnte die Lösung sein. Nachtrag: Hier ist das Teil erwähnt http://de.wikipedia.org/wiki/Spannungskonstanthalt... Weiß jemand Einzelheiten?
Datum: 20.05.2008 12:40
Ja, ich denke auch, dass manche Spannungskonstanthalter früher mit Transduktoren gebaut worden sind. So'n Teil gab's auch noch lange Zeit im Modul für die Konvergenz- korrektur der Farbfernsehgeräte (bei den Lochmaskenröhren).
Datum: 20.05.2008 12:48
Jörg Wunsch wrote: > Ja, ich denke auch, dass manche Spannungskonstanthalter früher mit > Transduktoren gebaut worden sind. Das war das richtige Stichwort... http://de.wikipedia.org/wiki/Transduktor_%28Elektronik%29
Datum: 20.05.2008 13:06
Noch eine alte Anwendung, ein AM-Modulator http://www.cdvandt.org/lorenz_pungs.htm "Zur Modulation dieser beiden Senderarten fand in erster Linie die bereits von Pungs im Jahre 1913 angegebene Telephoniedrossel Anwendung."
Datum: 20.05.2008 13:20
Electronic Transformers and Circuits - Reuben Lee Magnetic Amplifiers http://www.vias.org/eltransformers/wrapnt_magnetic...
Datum: 20.05.2008 13:34
@Rüdiger Knörig Sie schneinen im Gebiet Magnetismus bewandert zu sein. Können Sie mir vielleicht in meinem Posting "wirbelstrom impedanzebene" auf die Sprünge helfen. Ich komme einfach nicht weiter. Und die Themen liegen ja thematisch und zeitlich relativ nah beianeiander. Vielen Dank. MfG
Datum: 21.05.2008 14:45
Angehängte Dateien:Zur Veranschaulichung hier ein Bild eines Transduktors, wie er bis vor einigen Jahren in CRT-Monitoren und TV-Geräten eingesetzt wurde. In der Mitte ist die Steuerspule zur Vormagnetisierung zu sehen. Auf den Außenschenkeln befinden sich die Lastkreisspulen, die üblicherweise so in Serie geschaltet werden, dass sich ihre magnetischen Felder in der Steuerspule weitgehend auslöschen. Jörg
