Datum: 15.07.2007 09:44
Hallo, was ist ein Abschluß "Ing." der DDR (damilges Fachschulstudium an einer Ingenieurschule, Fachrichtung "Industrieelektronik") wert? Abschluß war leider erst kurz nach der Wiedervereinigung, so dass eine Anerkennung als "Dipl.-Ing." nach dem Einigungsvertrag nicht möglich war. Einige Jahre Berufserfahrung bis ca. 1999 sind vorhanden. Tschüss Rolf
Datum: 17.07.2007 19:00
Hallo Leute, Ich komme aus den neuen Ländern, arbeite in den alten Ländern und bringe gerade eine Firma wieder nach oben. Ich suche dringend 1 oder 2 Entwickler/Programmierer (Universalgenies) mit Bodenhaftung, nicht überzogenen Gehaltsforderungen und woher die kommen ist vollkommen egal. Die Leistung zählt ! und nicht Herkunft oder Abschluß usw. Bei Interesse schickt mir eine Email mit Euren Kontaktdaten. Danke
Datum: 08.08.2007 14:56
Also ich will mal versuchen, einen objektiven Beitrag nach all den beleidigenden Worten zu formulieren. Der Ing. in der DDR stellte einen Fachschulabschluß dar, der nach dem Besuch einer 3jährigen Fachschule vergeben wurde. Diese Ausbildung konnte nach der einer Berufsausbildung aufgenommen werden. Vom schulischen Teil (Mathe, Physik) her gesehen, baute er also auf dem Niveau der 10. Klasse der POS auf. Im Rahmen der Ausbildung wurde fachspezifisches Wissen und nebenher der Mathe- und Physikstoff vermittelt, der ungefähr dem Unfang, wie er an der EOS der DDR gelehrt wurde, entspricht. Nach dem Abschluß der Fach- oder Ingenieurschule war man dementsprechend berechtigt, ein fachgebundenes Studium an einer Hochschule aufzunehmen (fachgebundene Hochschulreife). All diese Fakten stimmen ungefähr mit dem Ausbildungsgang einer heutigen Fachschule zum staatlich geprüften Techniker überein. Unterschiede gibt es in der Dauer der Ausbildung (heute 2 Jahre, damals 3 Jahre). Allerdings beinhaltete der Abschluß praktisch Teilabiniveau. Ich würde den Ing. der Fach- und Ingenieurschule der DDR also als staatl. gepr. Techniker ++ einschätzen. Während der Wende gab es allerdings im Rahmen des Einigungsvertrags die Chance, den Ing. zum staatlichen Titel Dipl.-Ing. (FH) nachdiplomieren zu lassen, wenn man 3 Jahre einschlägige Berufspraxis vorweisen konnte. Ich halte das für ein sehr sehr großes "Geschenk", denn die Fachhochschulen (FH's) sind Hochschulen, für dessen Studienaufnahme eben die Hochschulreife, die erst durch den Fachschulabschluß erlangt wurde, benötigt wird. Die Wissensvermittlung an den FH's bewegt sich ebenfalls auf Hochschulniveau. Die Lehrkräfte sind Prof. Dr.-Ing. bzw. Prof. Dr.-Ing. habil. Die Regelstudienzeit einer FH beträgt 8 Semester (4 Jahre) und endet mit der Anfertigung einer wissenschaftlichen Diplomarbeit und deren Verteidigung vor einem Fachkollegium. Ich denke, jeder Ing., der in den Genuß der Nachdiplomierung - Juristen bezeichnen es auch als Rechtswohltat - gekommen ist, sollte über dessen erhebliche Aufwertung wissen. Gleichzeitig muß aber auch klar sein, daß das Niveau der Wissensvermittlung an einer FH wesentlich höher (Hochschule) ist, gegenüber einer ehemaligen Fachschule. Die Gleichung Fachschule (DDR) = Fachhochschule (jetzt) ist also nicht gültig, auch wenn viele Ing.'s den staatlichen Titel - nicht akademischen Grad - quasi kaufen konnten. All denen, die jetzt glauben, damals eine "FH" besucht zu haben, empfehle ich einen Blick in die Modulpläne der FH's, um ihren Stand vergleichen zu können. Ob solch eine Nachdiplomierung sinnvoll ist und war, mag ich mal bezweifeln. Das Ausbildungsniveau ist nicht gestiegen, benachteiligt allerdings - zumindest im Osten Deutschland - die tatsächelichen Absolventen einer FH, die ja doch erheblich mehr für ihren Grad investieren mußten (Abi + 4 Jahre Hochschule). Das sollte fairerweise jeder Nachdiplomierter im Hinterkopf behalten.
Datum: 08.08.2007 15:13
@ STS mmh interessant, dann verstehe ich das jetzt auch mit Rolf (der den Beitrag eröffnet hat). Ich war der Meinung, dass er ein Hochschulstudium gemacht hat mit DIPLOM-Ing. Deswegen habe ich das auch nicht mit der Anerkennung richtig kapiert. Schon verwirrend, dass Ing. ungleich Diplom-Ing. Das muss man erst mal wissen. Aber runtermachen muss man die Leute jetzt trotzdem nicht... so wie es manche hier gerne tun. Würde mich ja mal interessieren, was diese Menschen, die sowas von sich lassen, wirklich in ihrem Leben machen... ;)
Datum: 08.08.2007 16:42
Noch eine Ergänzung für unsere "Forumsfreunde" aus dem Westen: In der DDR gab es auch einen Dipl.-Ing. Das war der Abschluß nach einem Hochschulstudiengang, der ein Abi voraussetzte und 4 - 5 Jahre an einer Uni, TH oder einer Ingenieur h o c h schule stattfand. Die Absolventen waren/sind promotionsbrechtigt und dem Dipl.-Ing. (univ.) von heute gleichgestellt. Eine Fach h o c h schule (FH) gab es in der DDR nicht! Die Fachschule (DDR) war keine Hochschule, auch wenn die Nachdiplomierten einen gleichlautenden, aber staatlichen Titel tragen dürfen. Eine Nachdiplomierung von Fachschülern ohne Zusatzquali gab es übrigens in den 70er Jahren auch in der BRD. Wie gesagt, ich halte die Nachdiplomierung für unfair gegenüber den richtigen FH-Absolventen. Es ist m. E. eine staatich gewollte Mogelpackung. Allerdings wird ein erfahrener Personaler beide Gruppen (nachdiplomiert/richtige FH) anhand des Lebenslaufes auseinander halten können und je nach Anspruch der Aufgabe auch wählen, ob ein Fachschulabschluß reicht oder ein Hochschulabsolvent von der FH vonnöten ist. Er wird also keinen Reinfall erleben.
Datum: 20.07.2008 16:37
Ich habe zwar auch schlechte Erfahrungen mit einigen Ossis machen müssen was die Teamfähigkeit angeht, muss aber gestehen, dass ich schon einige gut ausgebildeten Ossi-Kollegen hatte. Ein ehemalige HF Techniker unserer Firma hatte bei uns das meiste Know-How gehabt und war sicherlich nicht in der Partei.
Datum: 20.07.2008 16:42
>Ich war sehr erstaunt, wer alles im Westen Abi macht und dass da Niveau >der 12 Klasse an das der 10. Klasse im Osten ranreicht. Opfer sind wir >alle.... Hängt nicht von den Schülern ab, sondern von den Schulen. Ich habe in einer West-Schule durchschnittliche Leistung erbracht, weil zwischen der Schule und meinen Eltern keine Kommunikation bestand. Im Studium hatte ich viel bessere Noten, denn da habe ich gelernt, wie man lernt und hatte natürlich auch das Interesse dran gehabt die Prüfungen so gut wie möglich abzulegen. In der DDR sind die Lehrer vom Hörensagen immer hinterher gewesen und hatten Anschiss bekommen, wenn der Klassendurchschnitt schlecht war. Bei uns sind teilweise pro Jahr 5/6 Leute sitzengeblieben, 10 kamen gerade mal so durch.
Datum: 21.07.2008 12:00
>Ich war sehr erstaunt, wer alles im Westen Abi macht und dass da Niveau >der 12 Klasse an das der 10. Klasse im Osten ranreicht. Opfer sind wir >alle.... So einfach ist das nicht. Ein großer Vorteil in der DDR war die Vergleichbarkeit. Alle 10. Klässler bzw. EOSler hatten den gleichen Lehrplan, die gleichen Prüfungen usw. Das Abi in Karl-Marx-Stadt hatte das selbe Niveau wie in Rostock. Insgesamt gesehen war die EOS-Ausbildung (Abi) so schlecht nicht. Es gab keine Fächer zum Abwählen (außer Wahl zwischen Musik und Kunst). Zwei Fremdsprachen waren Pflicht. Insgesamt war das Abi breiter angelegt als heute. Allerdings reichen heute einige Leistungskurse etwas weiter als damals. Grundkurse von heute haben ungefähr das Niveau Klasse 10 in der DDR. Die Unterteilung in GK/LK gab es nicht, alle mußten bis Klasse 12 alle Fächer belegen, auch alle Naturwissenschaften (Che, Phy, Bio, Ma). Prufungen waren Pflicht (schr.) in Ma, einer Naturwissenschaft, einer Fremdsprache. Hinzu kamen mündlich: 2. Naturwissenschaft/eine zweite Fremdsprache, Sport, Geschichte. Die Lehrer waren berechtigt, noch weitere 3 mdl. Prüfungen zu fordern (wenn man auf Kippe stand) Zensuren gab es von 1 bis 5. Sitzenbleiben in der EOS aus Leistungsmangel gab es nicht, dann flog man sofort und beendete die EOS mit dem Abschluss Klasse 10, in denen ja alle - auch die EOSler- schon geprüft wurden. Ein EOSler, der sitzen blieb, war ja höchstwahrscheinlich dann nicht in der Lage eine Hochschule erfolgreich zu beenden. Zur EOS wurde zugelassen, wer in Klasse 9 einen Schnitt von besser gleich 1,3 hatte. (heute: 2,5 in Klasse 4) Nach Abschluß der EOS wurde die Aufnahme eines Hochschulstudiums und die Verpflichtung zu 3 Jahren NVA erwartet. Wer nach der EOS an eine Ingenieur-Fachschule ging, wurde zum Rapport bestellt, weil man praktisch das Abi verwirkte. Zitat: "Sie sind die Elite unseres Landes, in die wir viel investiert haben. Wir erwarten umgehen die Aufnahme eines Hochschulstudiums"
Datum: 22.07.2008 13:55
> Nach Abschluß der EOS wurde die Aufnahme eines Hochschulstudiums und die > Verpflichtung zu 3 Jahren NVA erwartet. Wer nach der EOS an eine > Ingenieur-Fachschule ging, wurde zum Rapport bestellt, weil man > praktisch das Abi verwirkte. Zitat: "Sie sind die Elite unseres Landes, > in die wir viel investiert haben. Wir erwarten umgehen die Aufnahme > eines Hochschulstudiums" Durchaus nachahmenswert ! Ich kriege jedesmal einen Anfall, wenn mir ein Abiturient begegnet, der sich nach seinem Abi für eine Lehre/Ausbildung entschieden hat. Vor allem, wenn hinterher nichts 'draufgesetzt' wird, kein weiteres Studium, keine andere Fortbildung, nix...
Datum: 22.07.2008 14:09
Abitur heisst dass er darf, nicht dass er kann. Gesunde Selbsteinschätzung kann jemanden dazu bewegen, auf höhere Bildung zu verzichten. Insbesondere beim Blick auf die Mathenoten.
Datum: 22.07.2008 14:12
Das mit "es wurden 3 Jahre NVA gefordert" wurde regional sehr verschieden gehandhabt - von der freundlichen Aufforderung bis quasi zur Androhung des Rauswurfs aus der Schule (je nach Intelligenz/Betonköpfigkeit des Direktors/der Lehrer). Weiterhin wurde so gegen Ende der DDR endlich realisiert, das nach 3 Jahren NVA die Leistungen im Studium erheblich schlechter waren (3 Jahre Verblödung halt) - hier versuchte man mit Nachhilfekursen etwas zu retten. Es soll sogar eine interne Vereinbahrung der Ministerien gegeben haben, Abiturienten möglichst nicht für 3 Jahre zu werben! Was die Betonköpfe vor Ort allerdings daraus gemacht haben, ist eine andere Sache. Dann kam ja (leider zu spät für mich...) die Möglichkeit, bei einem technologisch "wichtigen" Studiengang nur 9 Monate zur NVA zu gehen, was das Ende aber auch nicht verzögern konnte.
Datum: 22.07.2008 14:26
warum ist es dann i.o wenn ein abiturient einen Ausbildungsplatz "wegnimmt" um dann weiterzumachen? kanner dann icht fairerwise den 2. weg nehmen?
Datum: 22.07.2008 14:28
>Ich war sehr erstaunt, wer alles im Westen Abi macht und dass da Niveau >der 12 Klasse an das der 10. Klasse im Osten ranreicht. Opfer sind wir >alle.... Äh, wie meinen? Wir hatte damals auch ein Mädel aus der Ehemaligen bekommen, stieg in der achten ein und machte die gleich dreimal, zweimal auf der Realschule und abschließend erfolgreich auf der Hauptschule. Im übrigen hatten Lehrer in der Ehemaligen Quoten, so-und-soviel Einser- und Zweier-Schüler müsst ihr haben und hatten sie dann auch wundersamerweise auch. Ich möchte hier niemanden schlecht machen, mein aktueller Chef ist Doktor, kommt auch aus der Ehemaligen und hat auch echt was drauf, aber die DDR hat gegenüber dem "Klassenfeind" immer sehr gut dastehen wollen, koste es, was es wolle. Ach ja, generell gilt, "Gute sind überall gut und weniger gute überall weniger gut!". nichts für ungut
Datum: 22.07.2008 14:30
@STS (Gast) Muß dir im Allgemeinen zu fast allen zustimmen. >Wie gesagt, ich halte die Nachdiplomierung für unfair gegenüber den >richtigen FH-Absolventen. Es ist m. E. eine staatich gewollte >Mogelpackung. War eine politisch notwendige Entscheidung. Zusätzlich brachte es mehr als 100 000 000 DM für die neue BRD. >Nach Abschluß der EOS wurde die Aufnahme eines Hochschulstudiums und die >Verpflichtung zu 3 Jahren NVA erwartet. Vor dem Abschluss des Abis wurde das erwartet. Für 80% war ohne Armeezeit und entsprechende Politische Einstellung kein Studium möglich.
Datum: 22.07.2008 14:55
@yxcv (Gast) >Im übrigen hatten Lehrer in der Ehemaligen Quoten, so-und-soviel Einser- >und Zweier-Schüler müsst ihr haben und hatten sie dann auch vergessen In großen Ganzen stimmt das leider auch, nur waren auch hier die Bevorzugten Politisch Staatsnahe (Eltern).
Datum: 22.07.2008 16:09
>...aber die DDR hat gegenüber dem "Klassenfeind" immer sehr > gut dastehen wollen, koste es, was es wolle. Das stimmt nicht immer. In der DDR hat es nie die Bildungsexpansion des Westens gegeben. Das heißt, die Abiturientenquote betrug statisch ca. 14 % (EOS + BMA). Ein Abi auf dem dritten Bildungsweg war selten (ABF wurden früh abgeschafft). Allerdings nahmen dann auch 90% der Abiturienten ein Hochschulstudium auf. >War eine politisch notwendige Entscheidung. War es nicht. Es hätte niemandem weh getan die Fachschulabsolventen beim "Ing." zu lassen. Im Einigungsvertrag Art. 37, Abs. 1, Fallgruppe 5 steht ja auch richtig:"Die Fach- und Ingenieurschulen der ehemaligen DDR, deren Qualifikationsniveau zwischen der Facharbeiter- und der Hochschulausbildung angesetzt ist, haben keine direkte Entsprechung in den westlichen Bundesländern." und weiter: "Nach dem Beschluß der KMK ist eine Gleichstellung von Fach- und Ingenieurschulabschlüssen mit Fachhochschulabschlüssen nicht möglich." Warum also mußte man das FH-Diplom verschenken? Das Wissen der Ex-Fachschulings entspricht ja bis heute keineswegs dem eines echten FHlers. Mittlerweile denken hier im Osten die meisten (älteren) die FH sei die Fachschule von früher. Dabei finde ich es schon einen Unterschied, ob man für 3 Jahre mit Eingangsniveau Klasse 10 eine Fachschule besucht oder nach dem Abi für 4 Jahre eine Hochschule, nämlich die FH. Das sind allein zeitlich gesehen 3 Jahre Bildungsunterschied, vom Anspruch nicht zu reden. Ganz betrogen müssen sich die Abiturienten vorkommen, die aus der FH geflogen sind (immerhin 40% pro Jahrgang), und gleichzeitig werden Leute, die durch den Fachschulabschluß gerade mal ein Fachabi erreicht haben mit dem gefakten FH-Diplom behangen. Bitter auch, wenn man bedenkt, wie schwer es war, in der DDR ein Abi zu bekommen, 3 Jahre NVA abreißen mußte, dann sich an einer TH (Leipzig) einschrieb, die 1992 zur (echten) FH wurde und am Ende den selben Titel hat, wie der nachdiplomierte Ex-Fachschuling. (Selbst erlebt) Von den Wissensunterschieden ganz zu schweigen, das konnte mir wenigstens keiner nehmen! TH inside. :-) Ich halte die Nachdiplomiererei für bösen Etikettenschwindel. Selbst Juristen zweifeln bis heute an der Rechtmäßigkeit der Nachdiplomierung > Zusätzlich brachte es mehr als 100 000 000 DM für die neue BRD. Wohl ein ganz gewichtiger Grund.
Datum: 22.07.2008 17:05
Ich habe erlebt, wie man seinerzeit aus einer Berufsausbildung mit Abitur hätte herausgehen können und sofort ein Studium "Automatisierung der Verfahrenstechnik" hätte beginnen können. Da war nichts mit 3 Jahren NVA. gez. Katapulski
Datum: 22.07.2008 17:23
@ Katapulski: Dann wurden wohl damals sehr dringend "Automatisierer der Verfahrenstechnik" gebraucht. Ich kenne das nicht. In der 11. Klasse wurde man vom GST-GO-Leiter gefragt, wie lange man zur Armee will und wenn man was anderes als 3 Jahre sagte, war es vorbei mit Studium, evtl. auch mit der EOS. Das war weithin bekannt, so daß auch alle Mitschüler 3 Jahre unterschrieben.
Datum: 22.07.2008 17:29
@STS Wie oben schon erwähnt, war das bei uns nicht so. Es wurde zwar für 3 Jahre mit gewissem Druck geworben - aber niemand gezwungen oder geext. Für Medizin war es besser (einfach weil man sich früher beworben hat) aber ansonsten.... Ich war 1,5 Jahre und habe problemlos studieren können.
Datum: 22.07.2008 17:37
>Wie oben schon erwähnt, war das bei uns nicht so.
Ich kann nur für die EOS Thomas in Leipzig reden. Dort wurden 3 Jahre
NVA verlangt. Schließe ja nicht aus, daß es woanders anders war.
Datum: 22.07.2008 17:47
Ich war an der OvG in Magdeburg... Mein Kumpel aus Berlin hat erzählt, bei ihnen musste man selbst hinrennen, wenn man 3 Jahre wollte...
Datum: 22.07.2008 17:50
Dann haste Schwein gehabt. EOS Dimitrof, EOS Karl-Marx in Leipzig, alle 3 Jahre NVA per default
Datum: 22.07.2008 18:51
>EOS Dimitrof
Den Namen "Dimitrof" hat August der Starke in Dresden einer Brücke
verliehen und das kam so:
August fuhr mit seiner Kutsche über die Brücke, auf der eine ganze Reihe
hübscher Mädchen standen. Einige davon wollte er gerne näher
kennenlernen. Er winkte denen, die ihm gefielen zu und sagte zu seinem
Diener:
"Die mit droff und die mit droff..."
Das nur als kleiner Geschichtsexkurs. ;-)
MfG Paul
Datum: 22.07.2008 22:53
Ach, und ich dachte schon der Name der EOS kam von Georgi Dimitrof bzw. Dimitroff oder Dimitrow oder Георги Димитров Михайлов
Datum: 22.07.2008 23:27
@Paul Baumann (Gast) Paul ...versau nicht den schönen Thread AtomLOL STS (Gast) Bist super informiert
Datum: 23.07.2008 10:03
>...versau nicht den schönen Thread
...und das aus Deinem Mund!? ;-)
MfG Paul
Datum: 24.07.2008 20:03
@Paul Baumann (Gast) Mache gerade eine Persölichkeitsveränderung. Lese deine Zeilen immer gerne. lol
Datum: 24.07.2008 20:47
yxcv wrote: > Im übrigen hatten Lehrer in der Ehemaligen Quoten, so-und-soviel Einser- > und Zweier-Schüler müsst ihr haben und hatten sie dann auch > wundersamerweise auch. Ich möchte hier niemanden schlecht machen, mein Soviel anders ist das heutzutage auch nicht. Es werden zwar keine Einser mehr verschenkt, aber Schüler werden auf Gedeih und Verderb durchgeschliffen. Ein guter Bekannter von mir war dieses Jahr Zweitkorrektor einer Physik-Prüfung in der vom Erstkorrektor MASSIV punkte verschenkt wurden um die Noten noch oben zu halten. Heutzutage geht es da aber mehr um das Ansehen der Schule bzw. des Lehrers. Es wird einfach nicht gern gesehen wenn zuviele durchfallen, das könnte ja ein schlechtes Bild abgeben.
Datum: 25.07.2008 10:16
>aber die DDR hat gegenüber dem "Klassenfeind" immer sehr gut dastehen > wollen, koste es, was es wolle. Noch ein Beispiel, wie bescheiden die DDR gegenüber heute war: Unterstufenlehrer wurden in der DDR am Institut für Lehrerbildung IfL ausgebildet. Das war eine Fachschule, die 4 Jahre mit Eingangsvoraussetzung Klasse 10 ging. Heute werden Unterstufenlehrer an der Universität in 8 Semestern ausgebildet. Ich habe nichts gegen Bildung, aber ob für den Unterricht der Klassen 1 bis 4 unbedingt eine Hochschulabschluß notwendig ist? Habe gestern in der Zeitung gelesen, daß man darüber nachdenkt, Erzieher als Hochschulberuf zu etablieren, also weg von der Fachschule. Warum das? Für den Kindergarten akademische Abschlüsse? Das ist doch Geltungsdrang und Etikettenschwindel, weil man Schweden nacheifert, wo angeblich 70% Hochschulabschlüsse haben. Nur sieht man nicht genau hin, was da alles als Hochschulstudium gilt (Pferdewirt, Krankenschwester, Fußpfleger usw.) In diesem Vergleich war die DDR doch bescheiden, es gabe ca. 14% Akademiker, aber das waren dann auch wirkliche Hochschulberufe (außer die vom Industrieinstitut).
Datum: 30.07.2008 02:05
Finde eure Diskussion interessant, Österreich hat ein ähnliches Bildungssystem wie die DDR: HTL (=Ingenieurschule, man braucht aber keine Lehre sondern muss nur die 9. Schulstufe geschafft haben) FH (Ingenieurhochschule) und TU. Die Ingenieurschulen haben den HTL Stoff etwas theoretisch tiefer begründet (Beweise...). Damit sind sie aber sehr hochschulnah. Viele DDR Ingenieurschulbücher sind vom Westen als FH Bücher nachgedruckt und verkauft worden. Beispiel: Technsche Thermodynamik von Meyer und Schiffner aus dem Fachbuchverlag Leipzig, im Westen von Verlag Chemie nachgedruckt. Anderes Beispiel Lehrbuch der Chemie von Kadner, jetzt ein FH Buch im Verlag Harri Deutsch. Was den Ingenieurschulen fehlte war Vektoranalysis - im Vergleich zur FH. Wie war eigentlich die gerätetechnische Ausrüstung der Ingenieurschulen? Ist einem was beim Studium angerechnet worden? Wie konnte man sich gegen einen Lehrer wehren, der einen abschiessen will? Das passiert gezielt und oft vorabgesprochen im Kollegenkreis - plötzlich hat der Typ viele "Nichtgenügend". ( War selbst Lehrer und habe gestaunt.) War nicht bloss die Stoffmenge verschieden von heutigen FH, die Erklärungen aber akademisch?
Datum: 30.07.2008 10:51
@Vickerl (Gast) >Wie konnte man sich gegen einen Lehrer wehren, der einen abschiessen >will? Wenn politische Einstellung im Spiel waren ,kaum eine Möglichkeit. dann konnte das Nachfolgende eintreten. >Das passiert gezielt und oft vorabgesprochen im Kollegenkreis - >plötzlich hat der Typ viele "Nichtgenügend". ( War selbst Lehrer und >habe gestaunt.) 2 Ungenügend ,daraus resultierte die Exmatrikulation. Keine Nachprüfungsmöglichkeit. Man sollte aber bedenken das dies mir bekannte die ende 60ziger Jahre waren (Prager Frühling). In dieser zeit wurden härtere Gesetze erlassen. Eine Politische Exmatrikulation erfolgte nur in äußerst extremen Situationen. Mir ist keine "Echte" bekannt.
Datum: 30.07.2008 11:33
>War nicht bloss die Stoffmenge verschieden von heutigen FH, die >Erklärungen aber akademisch? Nein, FH's hat es in der DDR nie gegeben. Äqivalent war ab 1969 die Ingenieur h o c h schule IHS. Man benötigte ein Abi (BmA) und studierte 4 Jahre auf Hochschulniveau bis zum Abschluß HS.-Ing. Ab 1975 konnte nach einem freiwilligem weiteren Jahr incl. Anfertigung der DA den akad. Grad Dipl.-Ing. erlangen. Man war damit promotionsberechtigt. Die Lehrkräfte waren zwingend habilitierte Profs. mit Facultas docenti. Im Rahmen der Wiedervereinigung wurden die Absolventen umdiplomiert zum akademischen Grad Dipl.-Ing. (FH) Die Ingenieur-Fachschulen IS konnte man besuchen, wenn man den Abschluß Klasse 10 hatte und eine Berufsausbildung. Meistens wurden gute Facharbeiter vom Betrieb delegiert. Die IS ging 3 Jahre. Lehrkräfte waren selber Fachschuling. oder Dipl.-Ing. Am Ende erhielt man die staatl. Bezeichnung Ing. und die fachgebundene Hochschulreife. DIe Absolventen wurden während der Wiedervereinigung nachdiplomiert zum staatliche Titel Dipl.-Ing. (FH), wenn sie drei Jahre einschlägig berufstätig waren. Falls nicht, mußten sie um den akad. Grad Dipl.-Ing. (FH) zu erlangen, das Abitur nachholen und 2 Jahre an einer FH einen Brückenkurs besuchen und die DA schreiben. Das wurde nach kurzer Zeit auf den Besuch eines einjährigen Brückenkurses und der Verpflichtung zur Nachholung des Abis gekürzt. (Mir ist aber keiner bekannt, der das Abi tatsächlich nachholte). Ab 1992 wurden in der Ex-DDR die echten FH's eingeführt. DIe meisten entstanden aus den früheren TH's und IHS. DIe TH's und einige IHS verloren damit ihr Promotions- und Habilitationsrecht. Trotzdem sind an den heutigen ostdeutschen FH's immer noch viele habilitierte Prof. vorhanden (Beispiel: http://www.htw-dresden.de/). Die meisten Ingenieurschulen wurden geschlossen oder bilden heute weiter als Fachschulen staatl. gepr. Techniker aus, einge wurden zu echten FH's ausgebaut. Zum Stoffumfang: IS: Winkelfunktionen, Integralrechnung, Differentialrechnung, teilweise Vektorrechnung, soweit man sie für Zeigerbilder brauchte (Stoff bis ca. Klasse 12 der EOS) - ähnlich heutiger Technikerschulen IHS und FH: aufbauend auf Stoff Klasse 12 (EOS, IS): Mehrfachintegrale, Raumintegrale, uneigentliche Integrale, gew. DGL, steife DGL, lineare DGL (Variation der Konstanten/Eigenvektoren), Fourierreihenentwicklung bis N (Cooley-Tuckey), Taylorreihe, Runge-Kutta Verfahren, Laplace Transf., Z- Transf., (Wavelet-transf), vollst. Induktion, grad, dif, rot, Nabla-Operator, Matrizen und Determinaten auch für DGL-Systeme TH/TU: zusätzlich Beweisverfahren, partielle, eliptische DGL und FEM Nach der Wende haben viele FH's den Stoff der TH's auf 4 Jahre gekürzt und weiterunterrichtet. Habe sehr viele Scripte noch mit Stempel TH Leipzig bekommen, obwohl die THL schon zur FH (HTWK) gemacht wurde. So kam es, daß man nach der Wende quasi ein TH-Studium mit dessem um ein Jahr gekürzten Inhalt absolvierte und ein FH-Diplom bekam. Lehrbücher an der richtigen FH (seit 1992) waren die selben wie die der TH's (vorne im Einband stand: "Für die Ausbildung an den Hochschulen und Universitäten der DDR vom Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen zugelassen") Beispiele: K. Lunze 3 Bände "Einführung in die ET" Elschner/Möschwitzer ELT "Physik-Verstehen durch Üben" Recknagel "Physik" Seifart: "Analoge/Digitale Schaltungstechnik" Busse/Schäfer "Mathematik" Bronstein "Formelsammlung Mathematik" >Ist einem was beim Studium angerechnet worden? Der Abschluß der Ingenieurschule (Fachschule) berechtigte zum Studium an einer IHS bzw. FH oder an einer TH. >Wie war eigentlich die gerätetechnische Ausrüstung der Ingenieurschulen? War höchst unterschiedlich. Es gab gute (Ingenieurschule Mittweida, ab 1969 dann Ingenieurhochschule) mit Laserlaboren, Maschinensälen usw. Die meisten Ingenieurfachschulen waren einfache Schulgebäude ähnlich der POS und geringer Studentenzahl (Klassenverband). Diese sind heute meistens Fachschulen geblieben und bilden staatl. gepr. Techniker aus (Gotha). Insgesamt kam es doch zu erhebliche Aufwertungen der Ing.- Absolventen der Fachschulen und dadurch auch zu Ungerechtigkeiten gegenüber den IHS-Absolventen oder den echten FHlern. sehr interessant zum Thema: http://www.landtag-mv.de/dokumentenarchiv/drucksac...
Datum: 31.07.2008 19:31
@ STS (Gast) >den heutigen ostdeutschen FH's immer noch viele habilitierte Prof. >vorhanden (Beispiel: http://www.htw-dresden.de/). ;-) Ist das Zufall oder was. Die HTW Dresden wird im Forum recht oft zitiert. Naja, spricht wahrscheinlich für deren Qualität . . . MFG Falk Btw. ich hab dort auch studiert. ;-)
Datum: 01.08.2008 11:18
Verstecken braucht sie sich sicherlich nicht, v. a. nicht auf eine Stufe stellen lassen mit der Ex-Ing.-Fachschule. Dazwischen liegen Welten. Wahrscheinlich kommt die HTW in Dresden und die HTWK in Leipzig so oft vor, weil das die beiden größten FH's in Sachsen sind und beide aus universitären Hochschulen 1992 hervorgegangen sind. Entsprechend sind das Personal und ihr Niveau.
Datum: 01.08.2008 11:30
Schon Recht. Der DDR-Mief an der HTWD ist überall präsent. Trotzdem halten sie sich für die Elite.
Datum: 01.08.2008 12:01
Wenn du die unbedingt geforderte Habilitation und fac. docenti an den Hochschulen der DDR meinst, hast Du Recht. Juniorprofs. gab's damals nicht.
Datum: 01.08.2008 12:27
Ich meine damit das vor allem ältere Professoren ihre autoritäre Grundhaltung aus der DDR konserviert haben. Von der Habilitation eines Profs haben die Studenten erstmal gar nichts...
Datum: 01.08.2008 12:42
@Rumpel: Warst Du dort? Oder ist es "Allgemeinwissen". Sicherlich gab und gibt es die auch. Allerdings frage ich mich auch, was mir ein Juniorprof, der vielleicht 3 Jahre älter ist als ich und noch nie in der Industrie tätig war, vom Fach erzählen will. Vielfach sind doch zumindest in Dresden die Profs. an der HTW die, die von der TU Dresden durch "Importe" verdrängt wurden. Wobei die Qualifikation der "Importe" oftmals niedriger ist.
Datum: 01.08.2008 13:26
Ja, ich war an der HTW. Und habe auch erfolgreich abgeschlossen. Nur weil ich dort studiert habe muss ich sie aber nicht toll finden und mir die Argumente der Betonfraktion unter den Profs zu eigen machen (Habilitation!, früher waren die Studenten besser usw.) Ich habe nichts von einem Professsoren die ihre "Industrieerfahrung" nur in der DDR gemacht haben! Das ist sogar schlechter als gar keine Industrieerfahrung! Es ist nur zu hoffen das die alte DDR-Garde bald pensioniert oder durch "Importe verdrängt" wird.
Datum: 01.08.2008 14:03
>(Habilitation!, früher waren die Studenten besser usw.) Das mit den Studenten hat hier niemand behauptet, das ist Deine Fantasie. >Das ist sogar schlechter als gar keine Industrieerfahrung! Aha, da floß der Strom in der DDR also anders rum. Oder hast Du SBW gehört? >Es ist nur zu hoffen das die alte DDR-Garde bald pensioniert oder durch >"Importe verdrängt" wird. Da brauchst Du Dir zumindest an der HTW keine Sorgen machen. Wenn jemand importiert, dann setzt er sich doch nicht auf die minderbezahlte FH-Stelle, sondern geht in die Regierung oder wird Uni-Prof. W4 oder wird ungelernt Flughafenchef von Leipzig. ;-)
Datum: 01.08.2008 15:42
"Früher waren die Studenten besser" ist ein sinngemäßes Zitat eines Professors. Diese Einstellung ist mir aber bei mehreren Gelegenheiten begegnet, auch bei unteren Chargen (Laboringenieure). Nicht mir gegenüber, aber ich war dabei. Industrieerfahrung sollte ein Prof. haben um zu wissen wie es in der Industrie läuft, aktuell, hier, in diesem Land! Die physikalischen Zusammenhänge waren natürlich immer die selben. Die stehen aber in jedem guten Lehrbuch und das ist hier nicht die Frage! Im Idealfall sollte ein Professor etwas mehr vermitteln können als im Lehrbuch steht!
Datum: 01.08.2008 17:30
Vielleicht orientiert er sich auch daran, daß eben die Aufnahmevoraussetzungen für ein Abi früher höher waren (heute 2,5 in Klasse 4). Somit gab es praktisch einen n.c. schon für das Abi. Damit gab es zwar weniger Studenten, die waren aber im Durchschnitt! besser? >sollte ein Prof. haben um zu wissen wie es in der Industrie läuft, aktuell, >hier, in diesem Land! in diesem Land... Leider (aus Sicht mancher Westdeutscher) gehört zu diesem Land auch Ostdtl. Und da waren techn. Lösungen nicht immer schlecht. In vielen Unis/FH's auch im Westen gibt es Profs. , die schon graue Haare haben und lange aus der Praxis raus sind. Die unterrichten entweder altes Zeug oder haben sich in die Theorie verkrochen, die auch in hundert Jahren diesselbe ist. Um zum Thema zurückzukommen: Man kann den Fachschulabschluß nicht mit dem FH-Abschluß von heute gleichsetzen, wie es die Politiker versucht haben. Fachschule vs. Hochschule. (Ein Versuch, den Thread zu retten)
Datum: 04.08.2008 10:42
Wenn die früheren "Ing." mit dem gekauften FH-Diplom sich bewerben, muß doch im Lebenslauf jedem Personaler auffallen, daß kein "echter" FHler vor ihnen sitzt. Was passiert mit denen? Werden sie auf geringeren Posten (Techniker) eingesetzt oder sind sie arbeitslos?
Datum: 04.08.2008 12:46
Die "gekauften" Diplome sind nun mindestens 18 Jahre alt und interessieren heute niemanden mehr. Entweder einer konnte in den letzten Jahren eine adäquate Position als Ing. ausfüllen oder eben nicht. Wenn nicht, kann er sich auf sein Diplom ein Ei pellen.
Datum: 04.08.2008 17:10
Rumpel (Gast) Nicht gekauft.... sondern vom DEUTSCHEN STAAT verkauft. Beitrag "DDR Ingenieur-Abschluß"
Datum: 04.08.2008 18:59
Einige Fragen zur Menschlichkeit an Ingenieurschulen: Wenn man Lern - Probleme hatte, durfte sich der Lehrer für ausgiebige Erklärungen ( nach dem Unterricht) Zeit nehmen? Gab es für jeden leistbare Nachhilfe ? Musste man bei der Benotung eine Gaussche Glockenkurve erreichen - notfalls durch schwierigere Fragen, schlechtere Erklärungen ? Bei uns in Österreich ist das leider oft so. Als Lehrer wurde ich zum Beispiel oft angehalten die Sache nur 1* zu erklären, damit die Schüler zu Konzentration und Stille gezwungen sind. (Funktioniert so nicht, aber hartes Selektionsmittel, da manche persönliche Ansprache brauchen, um was zu kapieren.) Tut mir leid, dass eure Ingenieurschulen zu Technikerschulen abgespeckt wurden. Dort lernt man deutlich weniger (kaum Infinitesimalrechnung...). Normalerweise will man sich ja weiter- statt rückentwickeln. Da die Ingenieurschüler zu FHlern erklärt wurden, hätte man die Schulen doch zu FHs ausbauen können. Oder wusste man schon, dass die DDR nach der Wende reagrarisiert wird und es dort vielleicht nur wenige Ingenieurjobs geben wird?
Datum: 04.08.2008 22:21
Sorry, es scheint das Ihr wirklich ein Problem mit Euch habt. Ich stelle heute auch Techniker ein, welche besser sind als mache THler oder FHler, weil motiviert, fachkundig und teamfähig. Das quälen von Ableitungen und surfen in n-dimensionalen Räumen kann z.B. in R&D wichtig und nützlich sein, aber in der Berufswelt nicht immer nötig. Tut es wirklich so sehr weh. Btw. mein ex-ex-ex Chef war ein super Ing. grad und Einentümer eines Ing.büros. Studiert in den alten Ländern. Er hat bevorzugt Absolventen der Ing. schule Roßwein eingestellt. Aber es gab natürlich auch fragwürdige Abschlüsse, z.B. Ökonomen, etc...
Datum: 05.08.2008 11:57
>Tut mir leid, dass eure Ingenieurschulen zu Technikerschulen abgespeckt >wurden. Dort lernt man deutlich weniger (kaum Infinitesimalrechnung...). Das stimmt so nicht. An deutschen Technikerschulen werden die Integral- und Differentialrechnung sehr wohl dran genommen (ähnlicher Umfang wie Abi). Deshalb erhält man in manchen Ländern auch nach Abschluß der Technikerschule die FH-Reife (in manchen erst nach weiteren Prüfungen) >Da die Ingenieurschüler zu FHlern erklärt wurden, hätte man die Schulen >doch zu FHs ausbauen können. DIe Ex-Ingenieurschüler wurden nur auf dem Papier zu FHlern und das auch nur als staatl. Titel, nicht als akad. Grad wie bei den echten FHlern. Eine Nachqualifizierung gab es nicht (was der eigentliche Skandal ist). In Ostdeutschland wurden einige TH's und viele IHSen zu FH's umbenannt aus dem einfachen Grund, daß dort schon die Infrastruktur (Professoren, Labore, Lehrpläne usw.) vorhanden waren. Wie schon beschrieben, waren viele Ingnieurschulen kleine Klitschen, für die es sich nicht gelohnt hätte, eine FH-Struktur zu installieren. Viele Ingenieurschulen waren auch zu hoch spezialisiert und entsprachen nicht dem heutigem Bild eines breit einsatzfähigem Ing's. Außerdem wurden Ingenieure auf Fachschulebene international nicht mehr anerkannt. Das hatte schon die DDR erkannt und gestaltete in 2 Wellen die Ingenieurausbildung um. 1. 1969 Einführung der IHS als Pendant zur westdeutschen FH 2. geplante Abschaffung des Fachschulingenieurs (1969, 1988) 3. Wiedereinführung des Technikers an der Fachschule (1988) Da außerdem für den Besuch einer FH ein Abi oder eine FHR benötigt wird, sind auch die Zahlen der Studenten (nach der Wende) wesentlich geringer gewesen als an den Ingenieurfachschulen (Die DDR hatte nur 14% Abiturienten). Zur Zeit haben viele TU's und FH's eher das Problem der mangelnden Abiturienten in technischen Fächern. Interessant ist auch ein Arbeitspapier der TH karl-Marx-Stadt von 1969 zur Einführung der IHS, in der dringend vor einem Etikettenschwindel gewarnt wurde, wenn man einfach die IS zur IHS macht ohne die Lehrkräfte gegen Profs. auszutauschen und ohne das Niveau des Lehrstoffs zu ändern. Das wurde damals vom Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen beachtet. Die KMK führte diese Befürchtung mit dem Einigungsvertrag 1991 dann in der Praxis aus (Nachdiplomierung) - Ironie.
Datum: 11.08.2008 00:48
Habe mir als Ösi ein wenig die Technikerschulen angeschaut. Entspricht in Österreich der Fachschule, nicht aber der Ingenieurschule (HTL). An HTL bzw. Ingenieurschule lernt man einiges über Differentialgleichungen, Matrizenrechnung, Laplacetransformation und wendet dies in Regelungstechnik, Schwingungstechnik etc. an. Bei uns dauert die HTL auch 1 Jahr länger als die Fachschule. Es wäre also auch sehr ungerecht Ingenieurschulen als Technikerschulen einzuschätzen.
Datum: 11.08.2008 01:36
>Es wäre also auch sehr ungerecht Ingenieurschulen als Technikerschulen >einzuschätzen. Was Du beschreibst, trifft vielleicht auf die österreichischen Ingenieurschulen HTL zu. An den ostdeutschen Ingenieurfachschulen gab es hunderprozentig keine DGL's, und v. a. keine Laplacetransformation. Die Fachschulingenieure hatten ungefähr den math. Stoffumfang eines Abiturienten der DDR. >Ich stelle heute auch Techniker ein, welche besser sind als mache THler oder > FHler, Darum geht es gar nicht. Es ist einfach unfair gegenüber den echten Absolventen einer FH, wenn man das FH-Diplom an Fachschulingenieure verschenkt, die sich niemals den Prüfungen (und der Gefahr des Scheiterns), der Diplomarbeit und Verteidungung an einer FH gestellt haben. Das wäre so, als verkauft man bei den olympischen Spielen die ersehnte echte Goldmedaille in jedem Eckladen. Wer stellt sich denn da noch dem Kampf? Wenn man nie eine FH besucht hat, sondern eine Bildungseinrichtung, die nicht annähernd eine Hochschulbildung bot, kann man eben auch kein Hochschuldiplom bekommen. Wie man sich dann im Beruf entwickelt, steht auf einem ganz anderem Blatt. Denn wenn man von einem Ex-Fachschulingenieur eben eine DGL gelöst haben will, weil er in R&D eingesetzt wird, was bei einem echten FHler keine Seltenheit ist, kann er sie eben nicht aufstellen, noch lösen. Ich kenne viele Ex-Fachschulingeniure, die nicht annähernd so einsetzbar sind wie die echten FHler. Das war auch gar nicht die Aufgabe der Bildungseinrichtung Fachschule der DDR. Man beachte, daß in den 50er Jahren der Techniker in der DDR abgeschafft wurde. Diese Aufgaben nahmen die Fachschulingenieure wahr.
Datum: 13.08.2008 23:57
Ich teile Deine Meinungen über die Prüfungsgefahr und Diplomarbeit. Bist Du Dir sicher dass an Ingenieurschulen keine DGln und Laplacetrafo unterrichtet wurden? Habe nämlich die DDR Bücher "Mathematik für Ingenieur-und Fachschulen 1 u. 2" sowie die "Mathematische Ergänzungen für Elektrotechniker" wo dies Lehrstoff ist. Ebenso in den Elektrotechniklehrbüchern von Grave. Wenn ich das mit den Technikerschulbüchern zur Mathematik von Heinz Rapp oder dem Elektrotechniklehrbuch von Zastrow vergleiche, dann liegt die Ingenieurschule deutlich vor der Technikerschule. Band 2 der Mathematik für Ingenieur-und Fachschulen enthält ein Kapitel 24 über DGln und Kapitel 21 zur Analysis bei Funktionen mehrerer Veränderlicher. Wurden die Lehrpläne in der DDR nur lasch erfüllt? Im Interesse der Technikerschüler sollte die Technikerschule lehrplanmässig zu den Ingenieurschulen bzw.HTL aufgewertet werden. Deutschland ist doch reicher als die DDR und könnte sich das leisten. Unsere österreichischen HTLer müssten ann keine Abqualifikation zu heutigen Technikerschülern hinnehmen, denn FHler sind sie nun mal auch nicht.
Datum: 14.08.2008 10:27
Selbst Facharbeiter für BMSR-Technik* mußten sich mit Differentialrechnung befassen. Es gab ein eigenes Unterrichtsfach: Fachbezogene Mathematik. Da hatten es die Ingenieure scheinbar besser, wenn sie sich nicht mit etwas komplizierteren Rechnungen befassen mußten. Aber egal: Heute ist das alles keinen Schuß Pulver mehr wert. Wichtig ist, nebulöse Formulierungen zu beherrschen, um sein Nicht-Wissen verschleieren zu können. *Betriebsmeß-, Steuer- und Regelungstechnik gez. Katapulski (weder Hoch- noch Fachschul- noch sonstwie Ingenieur und nicht im Besitz einer Visitenkarte)
Datum: 14.08.2008 10:36
>Bist Du Dir sicher dass an Ingenieurschulen keine DGln und Laplacetrafo >unterrichtet wurden? Ja, das bin ich. Man kann dazu auch in die deutsche Bücherei (Frankfurt oder Leipzig) gehen und sich den Script "Lehrprogramm für das Fach Mathematik" vom Ministerium für Fachschulwesen ansehen. Keine DGL und keine Laplacetrafo. Alle Ingenieurschulen hatten Einheitslehrpläne. Um nochmal deutlicher zu werden. Ich möchte nicht die Ingenieurschule als Technikerschule abstempeln. Schließlich ging sie 3 Jahre, man hatte danach eine fachg. Hochschulreife. Aber die Eingangsvoraussetzung und das Klientel waren dieselben. Es ist aber auch nicht fair, einfach aus den Fachschulings. über Nacht ohne Qualifizierung einen Dipl.-Ing. (FH) zu machen. Schließlich ist eine FH eine Hochschule und hierfür wurde ja erstmal eine Hochschulreife verlangt, die eben durch den Abschluß der Ing.-Schule erreicht wurde. Es ist also ein Treppenwitz, wenn man einfach das FH-Abschlußdiplom verkauft, das ganze ohne Stellungnahme, so daß die Ingenieurschulabsolventen denken, sie wären an einer FH gewesen. Das waren sie nicht, denn ohne eine Hochschulreife wäre die nicht zu schaffen gewesen. Ich teile mit kleinen Differenzen die Ing.-Ausbildungsäquivalente für die DDR und Ö. so ein: Ö: HTL < FH < Uni DDR: Fachschule < IHS < TH
Datum: 14.08.2008 10:40
>Selbst Facharbeiter für BMSR-Technik* mußten sich mit Differentialrechnung >befassen. Es gibt einen Unterschied zwischen Differentialrechnung und Differentialgleichungen Zu den DGL zählen u. a. gew., steife, lineare, partielle, elyptische DGL Lösung von Randwertproblemen (Dirichlet-Prob.), Anfangswertprobleme, FEM. Würde mich wundern, wenn das an der Berufsschule kam, dann hättet ihr neben dem Beruf ja die Abiturienten (EOS/BmA) überholt.
Datum: 14.08.2008 13:33
Das war eine Berufsausbildung mit Abitur, d.h. man kam von der 10.Klasse der POS und durfte in Mathematik und Physik nicht gerade der größte "Reddel" sein. Die Ausbildung ging über 3 Jahre. Wenn man diesen Facharbeiterbrief "im Sack" hatte, konnte man ein Studium beginnen, was aber die Wenigsten taten, weil sie erst einmal Geld verdienen wollten. Seinerzeit waren die Leute gefragt..... Differentialgleichungen brauchte man, um alle möglichen Regler, Durchflussmengen, Staudrücke und pneumatische Späße berechnen zu können. Ich gebe aber zu, von einigen der von Dir aufgeführten Sachen noch nie Etwas gehört zu haben. gez. Katapulski P.S. Lernt man an einer heutigen Regelschule etwas über PID-Regler? ;-)
Datum: 14.08.2008 14:15
Dann hättest Du auch schreiben müssen, daß es BmA ist und keine normale
Berufsausbildung, denn das beeinhaltete ja den Abistoff der EOS zu ca.
90% (Infinitesimalrechnung).
>P.S. Lernt man an einer heutigen Regelschule etwas über PID-Regler? ;-)
Ja, die Grundlagen lernt man auch heute in der Berufsschule.
Datum: 15.08.2008 23:08
Hallo STS, Deine Einteilung für Ö: HTL<FH<UNI stimmt. (Bis auf einige Elite FHs, die speziell auf einige Hochtechnologie-Betriebe orientiert sind.) Übrigens gab es in der Schweiz auch HTL Ingenieurschulen, diese wurden zu FHs aufgewertet. Etwa die Ingenieurschule Rapperswill.
Datum: 17.08.2008 22:35
Was soll diese Diskussion.... will jeder etwas be