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Forum: Ausbildung, Studium & Beruf DDR Ingenieur-Abschluß

Autor: Rolf (Gast)
Datum: 15.07.2007 09:44

Hallo,

was ist ein Abschluß "Ing." der DDR (damilges Fachschulstudium an einer
Ingenieurschule, Fachrichtung "Industrieelektronik") wert? Abschluß war
leider erst kurz nach der Wiedervereinigung, so dass eine Anerkennung
als "Dipl.-Ing." nach dem Einigungsvertrag nicht möglich war.

Einige Jahre Berufserfahrung bis ca. 1999 sind vorhanden.

Tschüss
Rolf
Autor: Torsten C. (tcvector)
Datum: 17.07.2007 19:00

Hallo Leute,
Ich komme aus den neuen Ländern, arbeite in den alten Ländern und bringe
gerade eine Firma wieder nach oben. Ich suche dringend 1 oder 2
Entwickler/Programmierer (Universalgenies) mit Bodenhaftung,
nicht überzogenen Gehaltsforderungen und woher die kommen ist vollkommen
egal. Die Leistung zählt ! und nicht Herkunft oder Abschluß usw.
Bei Interesse schickt mir eine Email mit Euren Kontaktdaten.
Danke
Autor: STS (Gast)
Datum: 08.08.2007 14:56

Also ich will mal versuchen, einen objektiven Beitrag nach all den
beleidigenden Worten zu formulieren.

Der Ing. in der DDR stellte einen Fachschulabschluß dar, der nach dem
Besuch einer 3jährigen Fachschule vergeben wurde. Diese Ausbildung
konnte nach der einer Berufsausbildung aufgenommen werden. Vom
schulischen Teil (Mathe, Physik) her gesehen, baute er also auf dem
Niveau der 10. Klasse der POS auf.

Im Rahmen der Ausbildung wurde fachspezifisches Wissen und nebenher der
Mathe- und Physikstoff vermittelt, der ungefähr dem Unfang, wie er an
der EOS der DDR gelehrt wurde, entspricht. Nach dem Abschluß der Fach-
oder Ingenieurschule war man dementsprechend berechtigt, ein
fachgebundenes Studium an einer Hochschule aufzunehmen (fachgebundene
Hochschulreife).

All diese Fakten stimmen ungefähr mit dem Ausbildungsgang einer heutigen
Fachschule zum staatlich geprüften Techniker überein. Unterschiede gibt
es in der Dauer der Ausbildung (heute 2 Jahre, damals 3 Jahre).
Allerdings beinhaltete der Abschluß praktisch Teilabiniveau. Ich würde
den Ing. der Fach- und Ingenieurschule der DDR also als staatl. gepr.
Techniker ++ einschätzen.

Während der Wende gab es allerdings im Rahmen des Einigungsvertrags die
Chance, den Ing. zum staatlichen Titel Dipl.-Ing. (FH) nachdiplomieren
zu lassen, wenn man 3 Jahre einschlägige Berufspraxis vorweisen konnte.

Ich halte das für ein sehr sehr großes "Geschenk", denn die
Fachhochschulen (FH's) sind Hochschulen, für dessen Studienaufnahme eben
die Hochschulreife, die erst durch den Fachschulabschluß erlangt wurde,
benötigt wird. Die Wissensvermittlung an den FH's bewegt sich ebenfalls
auf Hochschulniveau. Die Lehrkräfte sind Prof. Dr.-Ing. bzw. Prof.
Dr.-Ing. habil. Die Regelstudienzeit einer FH beträgt 8 Semester (4
Jahre) und endet mit der Anfertigung einer wissenschaftlichen
Diplomarbeit und deren Verteidigung vor einem Fachkollegium.

Ich denke, jeder Ing., der in den Genuß der Nachdiplomierung - Juristen
bezeichnen es auch als Rechtswohltat - gekommen ist, sollte über dessen
erhebliche Aufwertung wissen. Gleichzeitig muß aber auch klar sein, daß
das Niveau der Wissensvermittlung an einer FH wesentlich höher
(Hochschule) ist, gegenüber einer ehemaligen Fachschule. Die Gleichung
Fachschule (DDR) = Fachhochschule (jetzt) ist also nicht gültig, auch
wenn viele Ing.'s den staatlichen Titel - nicht akademischen Grad -
quasi kaufen konnten. All denen, die jetzt glauben, damals eine "FH"
besucht zu haben, empfehle ich einen Blick in die Modulpläne der FH's,
um ihren Stand vergleichen zu können.

Ob solch eine Nachdiplomierung sinnvoll ist und war, mag ich mal
bezweifeln. Das Ausbildungsniveau ist nicht gestiegen, benachteiligt
allerdings - zumindest im Osten Deutschland - die tatsächelichen
Absolventen einer FH, die ja doch erheblich mehr für ihren Grad
investieren mußten (Abi + 4 Jahre Hochschule). Das sollte fairerweise
jeder Nachdiplomierter im Hinterkopf behalten.
Autor: le maestro (Gast)
Datum: 08.08.2007 15:13

@ STS
mmh interessant, dann verstehe ich das jetzt auch mit Rolf (der den
Beitrag eröffnet hat). Ich war der Meinung, dass er ein Hochschulstudium
gemacht hat mit DIPLOM-Ing. Deswegen habe ich das auch nicht mit der
Anerkennung richtig kapiert.
Schon verwirrend, dass Ing. ungleich Diplom-Ing. Das muss man erst mal
wissen.

Aber runtermachen muss man die Leute jetzt trotzdem nicht... so wie es
manche hier gerne tun. Würde mich ja mal interessieren, was diese
Menschen, die sowas von sich lassen, wirklich in ihrem Leben machen...
;)
Autor: STS (Gast)
Datum: 08.08.2007 16:42

Noch eine Ergänzung für unsere "Forumsfreunde" aus dem Westen:
In der DDR gab es auch einen Dipl.-Ing. Das war der Abschluß nach einem
Hochschulstudiengang, der ein Abi voraussetzte und 4 - 5 Jahre an einer
Uni, TH oder einer Ingenieur h o c h schule stattfand. Die Absolventen
waren/sind promotionsbrechtigt und dem Dipl.-Ing. (univ.) von heute
gleichgestellt. Eine Fach h o c h schule (FH) gab es in der DDR nicht!
Die Fachschule (DDR) war keine Hochschule, auch wenn die
Nachdiplomierten einen gleichlautenden, aber staatlichen Titel tragen
dürfen.

Eine Nachdiplomierung von Fachschülern ohne Zusatzquali gab es übrigens
in den 70er Jahren auch in der BRD.

Wie gesagt, ich halte die Nachdiplomierung für unfair gegenüber den
richtigen FH-Absolventen. Es ist m. E. eine staatich gewollte
Mogelpackung.

Allerdings wird ein erfahrener Personaler beide Gruppen
(nachdiplomiert/richtige FH) anhand des Lebenslaufes auseinander halten
können und je nach Anspruch der Aufgabe auch wählen, ob ein
Fachschulabschluß reicht oder ein Hochschulabsolvent von der FH vonnöten
ist. Er wird also keinen Reinfall erleben.
Autor: Arbeiter (Gast)
Datum: 20.07.2008 16:37

Ich habe zwar auch schlechte Erfahrungen mit einigen Ossis machen müssen
was die Teamfähigkeit angeht, muss aber gestehen, dass ich schon einige
gut ausgebildeten Ossi-Kollegen hatte. Ein ehemalige HF Techniker
unserer Firma hatte bei uns das meiste Know-How gehabt und war
sicherlich nicht in der Partei.
Autor: Arbeiter (Gast)
Datum: 20.07.2008 16:42

>Ich war sehr erstaunt, wer alles im Westen Abi macht und dass da Niveau
>der 12 Klasse an das der 10. Klasse im Osten ranreicht. Opfer sind wir
>alle....

Hängt nicht von den Schülern ab, sondern von den Schulen. Ich habe in
einer West-Schule durchschnittliche Leistung erbracht, weil zwischen der
Schule und meinen Eltern keine Kommunikation bestand. Im Studium hatte
ich viel bessere Noten, denn da habe ich gelernt, wie man lernt und
hatte natürlich auch das Interesse dran gehabt die Prüfungen so gut wie
möglich abzulegen. In der DDR sind die Lehrer vom Hörensagen immer
hinterher gewesen und hatten Anschiss bekommen, wenn der
Klassendurchschnitt schlecht war. Bei uns sind teilweise pro Jahr 5/6
Leute sitzengeblieben, 10 kamen gerade mal so durch.
Autor: STS (Gast)
Datum: 21.07.2008 12:00

>Ich war sehr erstaunt, wer alles im Westen Abi macht und dass da Niveau
>der 12 Klasse an das der 10. Klasse im Osten ranreicht. Opfer sind wir
>alle....

So einfach ist das nicht. Ein großer Vorteil in der DDR war die
Vergleichbarkeit. Alle 10. Klässler bzw. EOSler hatten den gleichen
Lehrplan, die gleichen Prüfungen usw. Das Abi in Karl-Marx-Stadt hatte
das selbe Niveau wie in Rostock.

Insgesamt gesehen war die EOS-Ausbildung (Abi) so schlecht nicht. Es gab
keine Fächer zum Abwählen (außer Wahl zwischen Musik und Kunst). Zwei
Fremdsprachen waren Pflicht. Insgesamt war das Abi breiter angelegt als
heute. Allerdings reichen heute einige Leistungskurse etwas weiter als
damals. Grundkurse von heute haben ungefähr das Niveau Klasse 10 in der
DDR. Die Unterteilung in GK/LK gab es nicht, alle mußten bis Klasse 12
alle Fächer belegen, auch alle Naturwissenschaften (Che, Phy, Bio, Ma).
Prufungen waren Pflicht (schr.) in  Ma, einer Naturwissenschaft, einer
Fremdsprache. Hinzu kamen mündlich: 2. Naturwissenschaft/eine zweite
Fremdsprache, Sport, Geschichte. Die Lehrer waren berechtigt, noch
weitere 3 mdl. Prüfungen zu fordern (wenn man auf Kippe stand)
Zensuren gab es von 1 bis 5. Sitzenbleiben in der EOS aus
Leistungsmangel gab es nicht, dann flog man sofort und beendete die EOS
mit dem Abschluss Klasse 10, in denen ja alle - auch die EOSler- schon
geprüft wurden. Ein EOSler, der sitzen blieb, war ja
höchstwahrscheinlich dann nicht in der Lage eine Hochschule erfolgreich
zu beenden.

Zur EOS wurde zugelassen, wer in Klasse 9 einen Schnitt von besser
gleich 1,3 hatte. (heute: 2,5 in Klasse 4)

Nach Abschluß der EOS wurde die Aufnahme eines Hochschulstudiums und die
Verpflichtung zu 3 Jahren NVA erwartet. Wer nach der EOS an eine
Ingenieur-Fachschule ging, wurde zum Rapport bestellt, weil man
praktisch das Abi verwirkte. Zitat: "Sie sind die Elite unseres Landes,
in die wir viel investiert haben. Wir erwarten umgehen die Aufnahme
eines Hochschulstudiums"
Autor: Markus_B (Gast)
Datum: 22.07.2008 13:55

> Nach Abschluß der EOS wurde die Aufnahme eines Hochschulstudiums und die
> Verpflichtung zu 3 Jahren NVA erwartet. Wer nach der EOS an eine
> Ingenieur-Fachschule ging, wurde zum Rapport bestellt, weil man
> praktisch das Abi verwirkte. Zitat: "Sie sind die Elite unseres Landes,
> in die wir viel investiert haben. Wir erwarten umgehen die Aufnahme
> eines Hochschulstudiums"

Durchaus nachahmenswert ! Ich kriege jedesmal einen Anfall, wenn mir ein
Abiturient begegnet, der sich nach seinem Abi für eine Lehre/Ausbildung
entschieden hat. Vor allem, wenn hinterher nichts 'draufgesetzt' wird,
kein weiteres Studium, keine andere Fortbildung, nix...
Autor: Andreas Kaiser (a-k)
Datum: 22.07.2008 14:09

Abitur heisst dass er darf, nicht dass er kann. Gesunde
Selbsteinschätzung kann jemanden dazu bewegen, auf höhere Bildung zu
verzichten. Insbesondere beim Blick auf die Mathenoten.
Autor: egberto (Gast)
Datum: 22.07.2008 14:12

Das mit "es wurden 3 Jahre NVA gefordert" wurde regional sehr
verschieden gehandhabt - von der freundlichen Aufforderung bis quasi zur
Androhung des Rauswurfs aus der Schule (je nach
Intelligenz/Betonköpfigkeit des Direktors/der Lehrer).

Weiterhin wurde so gegen Ende der DDR endlich realisiert, das nach 3
Jahren NVA die Leistungen im Studium erheblich schlechter waren (3 Jahre
Verblödung halt) - hier versuchte man mit Nachhilfekursen etwas zu
retten.
Es soll sogar eine interne Vereinbahrung der Ministerien gegeben haben,
Abiturienten möglichst nicht für 3 Jahre zu werben!
Was die Betonköpfe vor Ort allerdings daraus gemacht haben, ist eine
andere Sache.

Dann kam ja (leider zu spät für mich...) die Möglichkeit, bei einem
technologisch "wichtigen" Studiengang nur 9 Monate zur NVA zu gehen, was
das Ende aber auch nicht verzögern konnte.
Autor: Jens Plappert (gravewarrior)
Datum: 22.07.2008 14:26

warum ist es dann i.o wenn ein abiturient einen Ausbildungsplatz
"wegnimmt" um dann weiterzumachen? kanner dann icht fairerwise den 2.
weg nehmen?
Autor: yxcv (Gast)
Datum: 22.07.2008 14:28

>Ich war sehr erstaunt, wer alles im Westen Abi macht und dass da Niveau
>der 12 Klasse an das der 10. Klasse im Osten ranreicht. Opfer sind wir
>alle....
Äh, wie meinen?
Wir hatte damals auch ein Mädel aus der Ehemaligen bekommen, stieg in
der achten ein und machte die gleich dreimal, zweimal auf der Realschule
und abschließend erfolgreich auf der Hauptschule.
Im übrigen hatten Lehrer in der Ehemaligen Quoten, so-und-soviel Einser-
und Zweier-Schüler müsst ihr haben und hatten sie dann auch
wundersamerweise auch. Ich möchte hier niemanden schlecht machen, mein
aktueller Chef ist Doktor, kommt auch aus der Ehemaligen und hat auch
echt was drauf, aber die DDR hat gegenüber dem "Klassenfeind" immer sehr
gut dastehen wollen, koste es, was es wolle.
Ach ja, generell gilt, "Gute sind überall gut und weniger gute überall
weniger gut!".

nichts für ungut
Autor: Frizz (Gast)
Datum: 22.07.2008 14:30

@STS (Gast)
Muß dir im Allgemeinen zu fast allen zustimmen.


>Wie gesagt, ich halte die Nachdiplomierung für unfair gegenüber den
>richtigen FH-Absolventen. Es ist m. E. eine staatich gewollte
>Mogelpackung.

War eine politisch notwendige Entscheidung.
Zusätzlich brachte es  mehr als 100 000 000 DM für die neue BRD.



>Nach Abschluß der EOS wurde die Aufnahme eines Hochschulstudiums und die
>Verpflichtung zu 3 Jahren NVA erwartet.

Vor dem Abschluss des Abis wurde das erwartet.

Für 80% war ohne Armeezeit und entsprechende Politische Einstellung kein
Studium möglich.
Autor: Frizz (Gast)
Datum: 22.07.2008 14:55

@yxcv (Gast)

>Im übrigen hatten Lehrer in der Ehemaligen Quoten, so-und-soviel Einser-
>und Zweier-Schüler müsst ihr haben und hatten sie dann auch

vergessen

In großen Ganzen stimmt das leider auch, nur waren auch hier die
Bevorzugten Politisch Staatsnahe (Eltern).
Autor: STS (Gast)
Datum: 22.07.2008 16:09

>...aber die DDR hat gegenüber dem "Klassenfeind" immer sehr
> gut dastehen wollen, koste es, was es wolle.

Das stimmt nicht immer. In der DDR hat es nie die Bildungsexpansion des
Westens gegeben. Das heißt, die Abiturientenquote betrug statisch ca. 14
% (EOS + BMA). Ein Abi auf dem dritten Bildungsweg war selten (ABF
wurden früh abgeschafft). Allerdings nahmen dann auch 90% der
Abiturienten ein Hochschulstudium auf.

>War eine politisch notwendige Entscheidung.

War es nicht. Es hätte niemandem weh getan die Fachschulabsolventen beim
"Ing." zu lassen. Im Einigungsvertrag Art. 37, Abs. 1, Fallgruppe 5
steht ja auch richtig:"Die Fach- und Ingenieurschulen der ehemaligen
DDR, deren Qualifikationsniveau zwischen der Facharbeiter- und der
Hochschulausbildung angesetzt ist, haben keine direkte Entsprechung in
den westlichen Bundesländern." und weiter: "Nach dem Beschluß der KMK
ist eine  Gleichstellung von Fach- und Ingenieurschulabschlüssen mit
Fachhochschulabschlüssen nicht möglich."

Warum also mußte man das FH-Diplom verschenken? Das Wissen der
Ex-Fachschulings entspricht ja bis heute keineswegs dem eines echten
FHlers. Mittlerweile denken hier im Osten die meisten (älteren) die FH
sei die Fachschule von früher. Dabei finde ich es schon einen
Unterschied, ob man für 3 Jahre mit Eingangsniveau Klasse 10 eine
Fachschule besucht oder  nach dem Abi für 4 Jahre eine Hochschule,
nämlich die FH. Das sind allein zeitlich gesehen 3 Jahre
Bildungsunterschied, vom Anspruch nicht zu reden. Ganz betrogen müssen
sich die Abiturienten vorkommen, die aus der FH geflogen sind (immerhin
40% pro Jahrgang), und gleichzeitig werden Leute, die durch den
Fachschulabschluß gerade mal ein Fachabi erreicht haben mit dem gefakten
FH-Diplom behangen.

Bitter auch, wenn man bedenkt, wie schwer es war, in der DDR ein Abi zu
bekommen, 3 Jahre NVA abreißen mußte, dann sich an einer TH (Leipzig)
einschrieb, die 1992 zur (echten) FH wurde und am Ende den selben Titel
hat, wie der nachdiplomierte Ex-Fachschuling. (Selbst erlebt)
Von den Wissensunterschieden ganz zu schweigen, das konnte mir
wenigstens keiner nehmen! TH inside. :-)

Ich halte die Nachdiplomiererei für bösen Etikettenschwindel. Selbst
Juristen zweifeln bis heute an der Rechtmäßigkeit der Nachdiplomierung

> Zusätzlich brachte es  mehr als 100 000 000 DM für die neue BRD.

Wohl ein ganz gewichtiger Grund.
Autor: Katapulski (Gast)
Datum: 22.07.2008 17:05

Ich habe erlebt, wie  man seinerzeit aus einer Berufsausbildung mit
Abitur
hätte herausgehen können und sofort ein Studium "Automatisierung der
Verfahrenstechnik" hätte beginnen können. Da war nichts mit 3 Jahren
NVA.

gez. Katapulski
Autor: STS (Gast)
Datum: 22.07.2008 17:23

@ Katapulski:

Dann wurden wohl damals sehr dringend "Automatisierer der
Verfahrenstechnik" gebraucht. Ich kenne das nicht. In der 11. Klasse
wurde man vom GST-GO-Leiter gefragt, wie lange man zur Armee will und
wenn man was anderes als 3 Jahre sagte, war es vorbei mit Studium, evtl.
auch mit der EOS. Das war weithin bekannt, so daß auch alle Mitschüler 3
Jahre unterschrieben.
Autor: egberto (Gast)
Datum: 22.07.2008 17:29

@STS

Wie oben schon erwähnt, war das bei uns nicht so.
Es wurde zwar für 3 Jahre mit gewissem Druck geworben - aber niemand
gezwungen oder geext.
Für Medizin war es besser (einfach weil man sich früher beworben hat)
aber ansonsten....
Ich war 1,5 Jahre und habe problemlos studieren können.
Autor: STS (Gast)
Datum: 22.07.2008 17:37

>Wie oben schon erwähnt, war das bei uns nicht so.

Ich kann nur für die EOS Thomas in Leipzig reden. Dort wurden 3 Jahre
NVA verlangt. Schließe ja nicht aus, daß es woanders anders war.
Autor: egberto (Gast)
Datum: 22.07.2008 17:47

Ich war an der OvG in Magdeburg...

Mein Kumpel aus Berlin hat erzählt, bei ihnen musste man selbst
hinrennen, wenn man 3 Jahre wollte...
Autor: STS (Gast)
Datum: 22.07.2008 17:50

Dann haste Schwein gehabt. EOS Dimitrof, EOS Karl-Marx in Leipzig, alle
3 Jahre NVA per default
Autor: Paul Baumann (Gast)
Datum: 22.07.2008 18:51

>EOS Dimitrof

Den Namen "Dimitrof" hat August der Starke in Dresden einer Brücke
verliehen und das kam so:

August fuhr mit seiner Kutsche über die Brücke, auf der eine ganze Reihe
hübscher Mädchen standen. Einige davon wollte er gerne näher
kennenlernen. Er winkte denen, die ihm gefielen zu und sagte zu seinem
Diener:
 "Die mit droff und die mit droff..."

Das nur als kleiner Geschichtsexkurs. ;-)

MfG Paul
Autor: Max (Gast)
Datum: 22.07.2008 19:15

Gäääääääääähhhhhhn!
Autor: STS (Gast)
Datum: 22.07.2008 22:53

Ach, und ich dachte schon der Name der EOS kam von Georgi Dimitrof bzw.
Dimitroff oder Dimitrow oder Георги Димитров Михайлов
Autor: Frizz (Gast)
Datum: 22.07.2008 23:27

@Paul Baumann (Gast)

Paul ...versau nicht den schönen Thread

AtomLOL

STS (Gast)
Bist super informiert
Autor: Paul Baumann (Gast)
Datum: 23.07.2008 10:03

>...versau nicht den schönen Thread

...und das aus Deinem Mund!? ;-)

MfG Paul
Autor: Frizz (Gast)
Datum: 24.07.2008 20:03

@Paul Baumann (Gast)

Mache gerade eine Persölichkeitsveränderung.

Lese deine Zeilen immer gerne.

lol
Autor: Nico Erfurth (masta79)
Datum: 24.07.2008 20:47

yxcv wrote:

> Im übrigen hatten Lehrer in der Ehemaligen Quoten, so-und-soviel Einser-
> und Zweier-Schüler müsst ihr haben und hatten sie dann auch
> wundersamerweise auch. Ich möchte hier niemanden schlecht machen, mein

Soviel anders ist das heutzutage auch nicht. Es werden zwar keine Einser
mehr verschenkt, aber Schüler werden auf Gedeih und Verderb
durchgeschliffen.

Ein guter Bekannter von mir war dieses Jahr Zweitkorrektor einer
Physik-Prüfung in der vom Erstkorrektor MASSIV punkte verschenkt wurden
um die Noten noch oben zu halten.

Heutzutage geht es da aber mehr um das Ansehen der Schule bzw. des
Lehrers. Es wird einfach nicht gern gesehen wenn zuviele durchfallen,
das könnte ja ein schlechtes Bild abgeben.
Autor: STS (Gast)
Datum: 25.07.2008 10:16

>aber die DDR hat gegenüber dem "Klassenfeind" immer sehr gut dastehen
> wollen, koste es, was es wolle.

Noch ein Beispiel, wie bescheiden die DDR gegenüber heute war:

Unterstufenlehrer wurden in der DDR am Institut für Lehrerbildung IfL
ausgebildet. Das war eine Fachschule, die 4 Jahre mit
Eingangsvoraussetzung Klasse 10 ging. Heute werden Unterstufenlehrer an
der Universität in 8 Semestern ausgebildet. Ich habe nichts gegen
Bildung, aber ob für den Unterricht der Klassen 1 bis 4 unbedingt eine
Hochschulabschluß notwendig ist?

Habe gestern in der Zeitung gelesen, daß man darüber nachdenkt, Erzieher
als Hochschulberuf zu etablieren, also weg von der Fachschule. Warum
das? Für den Kindergarten akademische Abschlüsse? Das ist doch
Geltungsdrang und Etikettenschwindel, weil man Schweden nacheifert, wo
angeblich 70% Hochschulabschlüsse haben. Nur sieht man nicht genau hin,
was da alles als Hochschulstudium gilt (Pferdewirt, Krankenschwester,
Fußpfleger usw.) In diesem Vergleich war die DDR doch bescheiden, es
gabe ca. 14% Akademiker, aber das waren dann auch wirkliche
Hochschulberufe (außer die vom Industrieinstitut).
Autor: Vickerl (Gast)
Datum: 30.07.2008 02:05

Finde eure Diskussion interessant, Österreich hat ein ähnliches
Bildungssystem wie die DDR: HTL (=Ingenieurschule, man braucht aber
keine Lehre sondern muss nur die 9. Schulstufe geschafft haben)
FH (Ingenieurhochschule) und TU.

Die Ingenieurschulen haben den HTL Stoff etwas theoretisch tiefer
begründet (Beweise...). Damit sind sie aber sehr hochschulnah. Viele DDR
Ingenieurschulbücher sind vom Westen als FH Bücher nachgedruckt und
verkauft worden. Beispiel: Technsche Thermodynamik von Meyer und
Schiffner
aus dem Fachbuchverlag Leipzig, im Westen von Verlag Chemie
nachgedruckt.

Anderes Beispiel Lehrbuch der Chemie von Kadner, jetzt ein FH Buch im
Verlag Harri Deutsch.
Was den Ingenieurschulen fehlte war Vektoranalysis - im Vergleich zur
FH.

Wie war eigentlich die gerätetechnische Ausrüstung der Ingenieurschulen?
Ist einem was beim Studium angerechnet worden?
Wie konnte man sich gegen einen Lehrer wehren, der einen abschiessen
will?

Das passiert gezielt und oft vorabgesprochen im Kollegenkreis -
plötzlich hat der Typ viele "Nichtgenügend". ( War selbst Lehrer und
habe gestaunt.)

War nicht bloss die Stoffmenge verschieden von heutigen FH, die
Erklärungen aber akademisch?
Autor: juppi (Gast)
Datum: 30.07.2008 10:51

@Vickerl (Gast)

>Wie konnte man sich gegen einen Lehrer wehren, der einen abschiessen
>will?

Wenn politische Einstellung im Spiel waren ,kaum eine Möglichkeit.

dann konnte das Nachfolgende eintreten.

>Das passiert gezielt und oft vorabgesprochen im Kollegenkreis -
>plötzlich hat der Typ viele "Nichtgenügend". ( War selbst Lehrer und
>habe gestaunt.)


2 Ungenügend ,daraus resultierte die  Exmatrikulation.

Keine Nachprüfungsmöglichkeit.

Man sollte aber bedenken das dies mir bekannte die ende 60ziger Jahre
waren
(Prager Frühling). In dieser zeit wurden härtere Gesetze erlassen.

Eine Politische Exmatrikulation erfolgte nur in äußerst extremen
Situationen.
Mir ist keine "Echte" bekannt.
Autor: STS (Gast)
Datum: 30.07.2008 11:33

>War nicht bloss die Stoffmenge verschieden von heutigen FH, die
>Erklärungen aber akademisch?

Nein, FH's hat es in der DDR nie gegeben.
Äqivalent war ab 1969 die Ingenieur h o  c h schule IHS. Man benötigte
ein Abi (BmA) und studierte 4 Jahre auf Hochschulniveau bis zum Abschluß
HS.-Ing. Ab 1975 konnte nach einem freiwilligem weiteren Jahr incl.
Anfertigung der DA den akad. Grad Dipl.-Ing. erlangen. Man war damit
promotionsberechtigt. Die Lehrkräfte waren zwingend habilitierte Profs.
mit Facultas docenti.
Im Rahmen der Wiedervereinigung wurden die Absolventen umdiplomiert zum
akademischen Grad Dipl.-Ing. (FH)

Die Ingenieur-Fachschulen IS konnte man besuchen, wenn man den Abschluß
Klasse 10 hatte und eine Berufsausbildung. Meistens wurden gute
Facharbeiter vom Betrieb delegiert. Die IS ging 3 Jahre. Lehrkräfte
waren selber Fachschuling. oder Dipl.-Ing. Am Ende erhielt man die
staatl. Bezeichnung Ing. und die fachgebundene Hochschulreife. DIe
Absolventen wurden  während der Wiedervereinigung nachdiplomiert zum
staatliche Titel Dipl.-Ing. (FH), wenn sie drei Jahre einschlägig
berufstätig waren.
Falls nicht, mußten sie um den akad. Grad Dipl.-Ing. (FH) zu erlangen,
das Abitur nachholen und 2 Jahre an einer FH einen Brückenkurs besuchen
und die DA schreiben. Das wurde nach kurzer Zeit auf den Besuch eines
einjährigen Brückenkurses und der Verpflichtung zur Nachholung des Abis
gekürzt. (Mir ist aber keiner bekannt, der das Abi tatsächlich
nachholte).

Ab 1992 wurden in der Ex-DDR die echten FH's eingeführt. DIe meisten
entstanden aus den früheren TH's und IHS. DIe TH's und einige IHS
verloren damit ihr Promotions- und Habilitationsrecht. Trotzdem sind an
den heutigen ostdeutschen FH's immer noch viele habilitierte Prof.
vorhanden (Beispiel: http://www.htw-dresden.de/).

Die meisten Ingenieurschulen wurden geschlossen oder bilden heute weiter
als Fachschulen staatl. gepr. Techniker aus, einge wurden zu echten FH's
ausgebaut.

Zum Stoffumfang:

IS: Winkelfunktionen, Integralrechnung, Differentialrechnung, teilweise
Vektorrechnung, soweit man sie für Zeigerbilder brauchte (Stoff bis ca.
Klasse 12 der EOS) - ähnlich heutiger Technikerschulen

IHS und FH: aufbauend auf Stoff Klasse 12 (EOS, IS): Mehrfachintegrale,
Raumintegrale, uneigentliche Integrale, gew. DGL, steife DGL, lineare
DGL (Variation der Konstanten/Eigenvektoren), Fourierreihenentwicklung
bis N (Cooley-Tuckey), Taylorreihe, Runge-Kutta Verfahren, Laplace
Transf., Z- Transf., (Wavelet-transf), vollst. Induktion, grad, dif,
rot, Nabla-Operator, Matrizen und Determinaten auch für DGL-Systeme

TH/TU:

zusätzlich Beweisverfahren, partielle, eliptische DGL und FEM

Nach der Wende haben viele FH's den Stoff der TH's auf 4 Jahre gekürzt
und weiterunterrichtet. Habe sehr viele Scripte noch mit Stempel TH
Leipzig bekommen, obwohl die THL schon zur FH (HTWK) gemacht wurde. So
kam es, daß man nach der Wende quasi ein TH-Studium mit dessem um ein
Jahr gekürzten Inhalt absolvierte und ein FH-Diplom bekam.

Lehrbücher an der richtigen FH (seit 1992) waren die selben wie die der
TH's (vorne im Einband stand: "Für die Ausbildung an den Hochschulen und
Universitäten der DDR vom Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen
zugelassen")

Beispiele:
K. Lunze 3 Bände "Einführung in die ET"
Elschner/Möschwitzer ELT
"Physik-Verstehen durch Üben"
Recknagel "Physik"
Seifart: "Analoge/Digitale Schaltungstechnik"
Busse/Schäfer "Mathematik"
Bronstein "Formelsammlung Mathematik"

>Ist einem was beim Studium angerechnet worden?
Der Abschluß der Ingenieurschule (Fachschule) berechtigte zum Studium an
einer IHS bzw. FH oder an einer TH.

>Wie war eigentlich die gerätetechnische Ausrüstung der Ingenieurschulen?
War höchst unterschiedlich. Es gab gute (Ingenieurschule Mittweida, ab
1969 dann Ingenieurhochschule) mit Laserlaboren, Maschinensälen usw.

Die meisten Ingenieurfachschulen waren einfache Schulgebäude ähnlich der
POS und geringer Studentenzahl (Klassenverband). Diese sind heute
meistens Fachschulen geblieben und bilden staatl. gepr. Techniker aus
(Gotha).

Insgesamt kam es doch zu erhebliche Aufwertungen der Ing.- Absolventen
der Fachschulen und dadurch auch zu Ungerechtigkeiten gegenüber den
IHS-Absolventen oder den echten FHlern.

sehr interessant zum Thema:

http://www.landtag-mv.de/dokumentenarchiv/drucksac...
Autor: Falk Brunner (falk)
Datum: 31.07.2008 19:31

@ STS (Gast)

>den heutigen ostdeutschen FH's immer noch viele habilitierte Prof.
>vorhanden (Beispiel: http://www.htw-dresden.de/).

;-)
Ist das Zufall oder was. Die HTW Dresden wird im Forum recht oft
zitiert.
Naja, spricht wahrscheinlich für deren Qualität . . .

MFG
Falk

Btw. ich hab dort auch studiert. ;-)
Autor: STS (Gast)
Datum: 01.08.2008 11:18

Verstecken braucht sie sich sicherlich nicht, v. a. nicht auf eine Stufe
stellen lassen mit der Ex-Ing.-Fachschule. Dazwischen liegen Welten.

Wahrscheinlich kommt die HTW in Dresden und die HTWK in Leipzig so oft
vor, weil das die beiden größten FH's in Sachsen sind und beide aus
universitären Hochschulen 1992 hervorgegangen sind. Entsprechend sind
das Personal und ihr Niveau.
Autor: Rumpel (Gast)
Datum: 01.08.2008 11:30

Schon Recht. Der DDR-Mief an der HTWD ist überall präsent. Trotzdem
halten sie sich für die Elite.
Autor: STS (Gast)
Datum: 01.08.2008 12:01

Wenn du die unbedingt geforderte Habilitation und fac. docenti  an den
Hochschulen der DDR meinst, hast Du Recht. Juniorprofs. gab's damals
nicht.
Autor: Rumpel (Gast)
Datum: 01.08.2008 12:27

Ich meine damit das vor allem ältere Professoren ihre autoritäre
Grundhaltung aus der DDR konserviert haben. Von der Habilitation eines
Profs haben die Studenten erstmal gar nichts...
Autor: Paul (Gast)
Datum: 01.08.2008 12:42

@Rumpel: Warst Du dort? Oder ist es "Allgemeinwissen". Sicherlich gab
und gibt es die auch. Allerdings frage ich mich auch, was mir ein
Juniorprof, der vielleicht 3 Jahre älter ist als ich und noch nie in der
Industrie tätig war, vom Fach erzählen will. Vielfach sind doch
zumindest in Dresden die Profs. an der HTW die, die von der TU Dresden
durch "Importe" verdrängt wurden. Wobei die Qualifikation der "Importe"
oftmals niedriger ist.
Autor: Rumpel (Gast)
Datum: 01.08.2008 13:26

Ja, ich war an der HTW. Und habe auch erfolgreich abgeschlossen. Nur
weil ich dort studiert habe muss ich sie aber nicht toll finden und mir
die Argumente der Betonfraktion unter den Profs zu eigen machen
(Habilitation!, früher waren die Studenten besser usw.)

Ich habe nichts von einem Professsoren die ihre "Industrieerfahrung" nur
in der DDR gemacht haben! Das ist sogar schlechter als gar keine
Industrieerfahrung!

Es ist nur zu hoffen das die alte DDR-Garde bald pensioniert oder durch
"Importe verdrängt" wird.
Autor: Paul (Gast)
Datum: 01.08.2008 14:03

>(Habilitation!, früher waren die Studenten besser usw.)

Das mit den Studenten hat hier niemand behauptet, das ist Deine
Fantasie.

>Das ist sogar schlechter als gar keine Industrieerfahrung!

Aha, da floß der Strom in der DDR also anders rum. Oder hast Du SBW
gehört?

>Es ist nur zu hoffen das die alte DDR-Garde bald pensioniert oder durch
>"Importe verdrängt" wird.

Da brauchst Du Dir zumindest an der HTW keine Sorgen machen. Wenn jemand
importiert, dann setzt er sich doch nicht auf die minderbezahlte
FH-Stelle, sondern geht in die Regierung oder wird Uni-Prof. W4 oder
wird ungelernt Flughafenchef von Leipzig.  ;-)
Autor: Rumpel (Gast)
Datum: 01.08.2008 15:42

"Früher waren die Studenten besser" ist ein sinngemäßes Zitat eines
Professors. Diese Einstellung ist mir aber bei mehreren Gelegenheiten
begegnet, auch bei unteren Chargen (Laboringenieure). Nicht mir
gegenüber, aber ich war dabei.

Industrieerfahrung sollte ein Prof. haben um zu wissen wie es in der
Industrie läuft, aktuell, hier, in diesem Land!
Die physikalischen Zusammenhänge waren natürlich immer die selben. Die
stehen aber in jedem guten Lehrbuch und das ist hier nicht die Frage!
Im Idealfall sollte ein Professor etwas mehr vermitteln können als im
Lehrbuch steht!
Autor: Paul (Gast)
Datum: 01.08.2008 17:30

Vielleicht orientiert er sich auch daran, daß eben die
Aufnahmevoraussetzungen für ein Abi früher höher waren (heute 2,5 in
Klasse 4). Somit gab es praktisch einen n.c. schon für das Abi. Damit
gab es zwar weniger Studenten, die waren aber im Durchschnitt! besser?

>sollte ein Prof. haben um zu wissen wie es in der Industrie läuft, aktuell,
>hier, in diesem Land!

in diesem Land... Leider (aus Sicht mancher Westdeutscher) gehört zu
diesem Land auch Ostdtl. Und da waren techn. Lösungen nicht immer
schlecht.

In vielen Unis/FH's auch im Westen gibt es Profs. , die schon graue
Haare haben und lange aus der Praxis raus sind. Die unterrichten
entweder altes Zeug oder haben sich in die Theorie verkrochen, die auch
in hundert Jahren diesselbe ist.

Um zum Thema zurückzukommen: Man kann den Fachschulabschluß nicht mit
dem FH-Abschluß von heute gleichsetzen, wie es die Politiker versucht
haben. Fachschule vs. Hochschule. (Ein Versuch, den Thread zu retten)
Autor: Kuno (Gast)
Datum: 04.08.2008 10:42

Wenn die früheren "Ing." mit dem gekauften FH-Diplom sich bewerben, muß
doch im Lebenslauf jedem Personaler auffallen, daß kein "echter" FHler
vor ihnen sitzt. Was passiert mit denen? Werden sie auf geringeren
Posten (Techniker) eingesetzt oder sind sie arbeitslos?
Autor: Rumpel (Gast)
Datum: 04.08.2008 12:46

Die "gekauften" Diplome sind nun mindestens 18 Jahre alt und
interessieren heute niemanden mehr. Entweder einer konnte in den letzten
Jahren eine adäquate Position als Ing. ausfüllen oder eben nicht. Wenn
nicht, kann er sich auf sein Diplom ein Ei pellen.
Autor: juppi (Gast)
Datum: 04.08.2008 17:10

Rumpel (Gast)
Nicht gekauft.... sondern vom DEUTSCHEN STAAT verkauft.
Beitrag "DDR Ingenieur-Abschluß"
Autor: Vickerl (Gast)
Datum: 04.08.2008 18:59

Einige Fragen zur Menschlichkeit an Ingenieurschulen:

Wenn man Lern - Probleme hatte, durfte sich der Lehrer für ausgiebige
Erklärungen ( nach dem Unterricht) Zeit nehmen?
Gab es für jeden leistbare Nachhilfe ?

Musste man bei der Benotung eine Gaussche Glockenkurve erreichen -
notfalls durch schwierigere Fragen, schlechtere Erklärungen ?

Bei uns in Österreich ist das leider oft so.
Als Lehrer wurde ich zum Beispiel oft angehalten die Sache nur 1* zu
erklären, damit die Schüler zu Konzentration und Stille gezwungen sind.
(Funktioniert so nicht, aber hartes Selektionsmittel, da manche
persönliche Ansprache brauchen, um was zu kapieren.)

Tut mir leid, dass eure Ingenieurschulen zu Technikerschulen abgespeckt
wurden. Dort lernt man deutlich weniger (kaum Infinitesimalrechnung...).
Normalerweise will man sich ja weiter- statt rückentwickeln.

Da die Ingenieurschüler zu FHlern erklärt wurden, hätte man die Schulen
doch
zu FHs ausbauen können. Oder wusste man schon, dass die DDR nach der
Wende reagrarisiert wird und es dort vielleicht nur wenige Ingenieurjobs
geben wird?
Autor: kurt (Gast)
Datum: 04.08.2008 22:21

Sorry, es scheint das Ihr wirklich ein Problem mit Euch habt. Ich stelle
heute auch Techniker ein, welche besser sind als mache THler oder FHler,
weil motiviert, fachkundig und teamfähig. Das quälen von Ableitungen und
surfen in n-dimensionalen Räumen kann z.B. in R&D wichtig und nützlich
sein, aber in der Berufswelt nicht immer nötig.
Tut es wirklich so sehr weh. Btw. mein ex-ex-ex Chef war ein super Ing.
grad und Einentümer eines Ing.büros. Studiert in den alten Ländern. Er
hat bevorzugt Absolventen der Ing. schule Roßwein eingestellt.
Aber es gab natürlich auch fragwürdige Abschlüsse, z.B. Ökonomen, etc...
Autor: STS (Gast)
Datum: 05.08.2008 11:57

>Tut mir leid, dass eure Ingenieurschulen zu Technikerschulen abgespeckt
>wurden. Dort lernt man deutlich weniger (kaum Infinitesimalrechnung...).

Das stimmt so nicht. An deutschen Technikerschulen werden die Integral-
und Differentialrechnung sehr wohl dran genommen (ähnlicher Umfang wie
Abi). Deshalb erhält man in manchen Ländern auch nach Abschluß der
Technikerschule die FH-Reife (in manchen erst nach weiteren Prüfungen)

>Da die Ingenieurschüler zu FHlern erklärt wurden, hätte man die Schulen
>doch zu FHs ausbauen können.

DIe Ex-Ingenieurschüler wurden nur auf dem Papier zu FHlern und das auch
nur als staatl. Titel, nicht als akad. Grad wie bei den echten FHlern.
Eine Nachqualifizierung gab es nicht (was der eigentliche Skandal ist).

In Ostdeutschland wurden einige TH's und viele IHSen zu FH's umbenannt
aus dem einfachen Grund, daß dort schon die Infrastruktur (Professoren,
Labore, Lehrpläne usw.) vorhanden waren. Wie schon beschrieben, waren
viele Ingnieurschulen kleine Klitschen, für die es sich nicht gelohnt
hätte, eine FH-Struktur zu installieren. Viele Ingenieurschulen waren
auch zu hoch spezialisiert und entsprachen nicht dem heutigem Bild eines
breit einsatzfähigem Ing's. Außerdem wurden Ingenieure auf
Fachschulebene international nicht mehr anerkannt. Das hatte schon die
DDR erkannt und gestaltete in 2 Wellen die Ingenieurausbildung um.
1. 1969 Einführung der IHS als Pendant zur westdeutschen FH
2. geplante Abschaffung des Fachschulingenieurs (1969, 1988)
3. Wiedereinführung des Technikers an der Fachschule (1988)

Da außerdem für den Besuch einer FH ein Abi oder eine FHR benötigt wird,
sind auch die Zahlen der Studenten (nach der Wende) wesentlich geringer
gewesen als an den Ingenieurfachschulen (Die DDR hatte nur 14%
Abiturienten).
Zur Zeit haben viele TU's und FH's eher das Problem der mangelnden
Abiturienten in technischen Fächern.

Interessant ist auch ein Arbeitspapier der TH karl-Marx-Stadt von 1969
zur Einführung der IHS, in der dringend vor einem Etikettenschwindel
gewarnt wurde, wenn man einfach die IS zur IHS macht ohne die Lehrkräfte
gegen Profs. auszutauschen und ohne das Niveau des Lehrstoffs zu ändern.
Das wurde damals vom Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen beachtet.
Die KMK führte diese Befürchtung mit dem Einigungsvertrag 1991 dann in
der Praxis aus (Nachdiplomierung) - Ironie.
Autor: Vickerl (Gast)
Datum: 11.08.2008 00:48

Habe mir als Ösi ein wenig die Technikerschulen angeschaut.
Entspricht in Österreich der Fachschule, nicht aber der Ingenieurschule
(HTL).
An HTL bzw. Ingenieurschule lernt man einiges über
Differentialgleichungen,
Matrizenrechnung, Laplacetransformation und wendet dies in
Regelungstechnik, Schwingungstechnik etc. an.
Bei uns dauert die HTL auch 1 Jahr länger als die Fachschule.
Es wäre also auch sehr ungerecht Ingenieurschulen als  Technikerschulen
einzuschätzen.
Autor: STS (Gast)
Datum: 11.08.2008 01:36

>Es wäre also auch sehr ungerecht Ingenieurschulen als  Technikerschulen
>einzuschätzen.

Was Du beschreibst, trifft vielleicht auf die österreichischen
Ingenieurschulen HTL zu. An den ostdeutschen Ingenieurfachschulen gab es
hunderprozentig keine DGL's, und v. a. keine Laplacetransformation. Die
Fachschulingenieure hatten ungefähr den math. Stoffumfang eines
Abiturienten der DDR.

>Ich stelle heute auch Techniker ein, welche besser sind als mache THler oder >
FHler,

Darum geht es gar nicht. Es ist einfach unfair gegenüber den echten
Absolventen einer FH, wenn man das FH-Diplom an Fachschulingenieure
verschenkt, die sich niemals den Prüfungen (und der Gefahr des
Scheiterns), der Diplomarbeit und Verteidungung an einer FH gestellt
haben. Das wäre so, als verkauft man bei den olympischen Spielen die
ersehnte echte Goldmedaille in jedem Eckladen. Wer stellt sich denn da
noch dem Kampf? Wenn man nie eine FH besucht hat, sondern eine
Bildungseinrichtung, die nicht annähernd eine Hochschulbildung bot, kann
man eben auch kein Hochschuldiplom bekommen. Wie man sich dann im Beruf
entwickelt, steht auf einem ganz anderem Blatt. Denn wenn man von einem
Ex-Fachschulingenieur eben eine DGL gelöst haben will, weil er in R&D
eingesetzt wird, was bei einem echten FHler keine Seltenheit ist, kann
er sie eben nicht aufstellen, noch lösen. Ich kenne viele
Ex-Fachschulingeniure, die nicht annähernd so einsetzbar sind wie die
echten FHler. Das war auch gar nicht die Aufgabe der Bildungseinrichtung
Fachschule der DDR. Man beachte, daß in den 50er Jahren der Techniker in
der DDR abgeschafft wurde. Diese Aufgaben nahmen die Fachschulingenieure
wahr.
Autor: Vickerl (Gast)
Datum: 13.08.2008 23:57

Ich teile Deine Meinungen über die Prüfungsgefahr und Diplomarbeit.
Bist Du Dir sicher dass an Ingenieurschulen keine DGln und Laplacetrafo
unterrichtet wurden?
Habe nämlich die DDR Bücher "Mathematik für Ingenieur-und Fachschulen 1
u. 2"
sowie die "Mathematische Ergänzungen für Elektrotechniker" wo dies
Lehrstoff ist. Ebenso in den Elektrotechniklehrbüchern von Grave.

Wenn ich das mit den Technikerschulbüchern zur Mathematik von Heinz Rapp
oder dem Elektrotechniklehrbuch von Zastrow vergleiche, dann liegt die
Ingenieurschule deutlich vor der Technikerschule.

Band 2 der Mathematik für Ingenieur-und Fachschulen enthält ein Kapitel
24
über DGln und Kapitel 21 zur Analysis bei Funktionen mehrerer
Veränderlicher.

Wurden die Lehrpläne in der DDR nur lasch erfüllt?
Im Interesse der Technikerschüler sollte die Technikerschule
lehrplanmässig
zu den Ingenieurschulen bzw.HTL aufgewertet werden. Deutschland ist doch
reicher als die DDR und könnte sich das leisten.

Unsere österreichischen HTLer müssten ann keine Abqualifikation zu
heutigen Technikerschülern hinnehmen, denn FHler sind sie nun mal auch
nicht.
Autor: Katapulski (Gast)
Datum: 14.08.2008 10:27

Selbst Facharbeiter für BMSR-Technik*
mußten sich mit Differentialrechnung befassen. Es gab ein eigenes
Unterrichtsfach: Fachbezogene Mathematik. Da hatten es die Ingenieure
scheinbar besser, wenn sie sich nicht mit etwas komplizierteren
Rechnungen befassen mußten. Aber egal: Heute ist das alles keinen Schuß
Pulver mehr wert. Wichtig ist, nebulöse Formulierungen zu beherrschen,
um sein Nicht-Wissen verschleieren zu können.

*Betriebsmeß-, Steuer- und Regelungstechnik

gez. Katapulski
(weder Hoch- noch Fachschul- noch sonstwie Ingenieur und nicht im Besitz
einer Visitenkarte)
Autor: STS (Gast)
Datum: 14.08.2008 10:36

>Bist Du Dir sicher dass an Ingenieurschulen keine DGln und Laplacetrafo
>unterrichtet wurden?

Ja, das bin ich. Man kann dazu auch in die deutsche Bücherei (Frankfurt
oder Leipzig) gehen und sich den Script "Lehrprogramm für das Fach
Mathematik" vom Ministerium für Fachschulwesen ansehen. Keine DGL und
keine Laplacetrafo. Alle Ingenieurschulen hatten Einheitslehrpläne.

Um nochmal deutlicher zu werden. Ich möchte nicht die Ingenieurschule
als Technikerschule abstempeln. Schließlich ging sie 3 Jahre, man hatte
danach eine fachg. Hochschulreife. Aber die Eingangsvoraussetzung und
das Klientel waren dieselben.

Es ist aber auch nicht fair, einfach aus den Fachschulings. über Nacht
ohne Qualifizierung einen Dipl.-Ing. (FH) zu machen. Schließlich ist
eine FH eine Hochschule und hierfür wurde ja erstmal eine Hochschulreife
verlangt, die eben durch den Abschluß der Ing.-Schule erreicht wurde. Es
ist also ein Treppenwitz, wenn man einfach das FH-Abschlußdiplom
verkauft, das ganze ohne Stellungnahme, so daß die
Ingenieurschulabsolventen denken, sie wären an einer FH gewesen. Das
waren sie nicht, denn ohne eine Hochschulreife wäre die nicht zu
schaffen gewesen.

Ich teile mit kleinen Differenzen die Ing.-Ausbildungsäquivalente für
die DDR und Ö. so ein:

Ö: HTL < FH < Uni
DDR: Fachschule < IHS < TH
Autor: STS (Gast)
Datum: 14.08.2008 10:40

>Selbst Facharbeiter für BMSR-Technik* mußten sich mit Differentialrechnung
>befassen.

Es gibt einen Unterschied zwischen Differentialrechnung und
Differentialgleichungen

Zu den DGL zählen u. a. gew., steife, lineare, partielle, elyptische DGL
Lösung von Randwertproblemen (Dirichlet-Prob.), Anfangswertprobleme,
FEM.

Würde mich wundern, wenn das an der Berufsschule kam, dann hättet ihr
neben dem Beruf ja die Abiturienten (EOS/BmA) überholt.
Autor: Katapulski (Gast)
Datum: 14.08.2008 13:33

Das war eine Berufsausbildung mit Abitur, d.h. man kam von der 10.Klasse
der POS und durfte in Mathematik und Physik nicht gerade der größte
"Reddel" sein. Die Ausbildung ging über 3 Jahre. Wenn man diesen
Facharbeiterbrief "im Sack" hatte, konnte man ein Studium beginnen, was
aber die Wenigsten taten, weil sie erst einmal Geld verdienen wollten.
Seinerzeit waren die Leute gefragt.....

Differentialgleichungen brauchte man, um alle möglichen Regler,
Durchflussmengen, Staudrücke und pneumatische Späße berechnen zu können.

Ich gebe aber zu, von einigen der von Dir aufgeführten Sachen noch nie
Etwas gehört zu haben.

gez. Katapulski

P.S. Lernt man an einer heutigen Regelschule etwas über PID-Regler? ;-)
Autor: STS (Gast)
Datum: 14.08.2008 14:15

Dann hättest Du auch schreiben müssen, daß es BmA ist und keine normale
Berufsausbildung, denn das beeinhaltete ja den Abistoff der EOS zu ca.
90% (Infinitesimalrechnung).

>P.S. Lernt man an einer heutigen Regelschule etwas über PID-Regler? ;-)

Ja, die Grundlagen lernt man auch heute in der Berufsschule.
Autor: Vickerl (Gast)
Datum: 15.08.2008 23:08

Hallo STS,

Deine Einteilung für Ö: HTL<FH<UNI stimmt. (Bis auf einige Elite FHs,
die
speziell auf einige Hochtechnologie-Betriebe orientiert sind.)

Übrigens gab es in der Schweiz auch HTL Ingenieurschulen, diese wurden
zu FHs aufgewertet. Etwa die Ingenieurschule Rapperswill.
Autor: j.... (Gast)
Datum: 17.08.2008 22:35

Was soll diese Diskussion....
will jeder etwas be