Forum: Offtopic Blackout in Spanien: Abschlussbericht


von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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Ein T. schrieb:
> also zu doof,...

Das ganz sicher nicht. Ohne die Abgabe der Atomwaffen für eine 
Schutzgarantie wäre die Ukraine sehr wahrscheinlich nicht überfallen 
worden. Daher sind KKW dringend notwendig um an Atomwaffen zu kommen um 
wieder ein Abschreckungspotential aufzubauen. Wobei bald auch ein 
Abschreckungspotential aus Roboterarmeen denkbar wäre. Aber da wären 
auch wieder strategische Atombomben eine Gegenmaßnahme.

von Dieter D. (Firma: Hobbytheoretiker) (dieter_1234)


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(prx) A. K. schrieb:
> Dieter D. schrieb:
>> Solange aber jeder, der Kritik äußert, in die rechte Ecke gestellt wird
>
> Oder in Bayern in die linke. 😀

Logisch, wer bereits alles ab der Mitte in die rechte Ecke stellt, muss 
ganz klar links sein. Und was richtig ist, darf immer gesagt werden. 😀

Heute hat sich der Bund selbst gelobt, wie lange es ein 
Bundensumweltministerium gibt. Dabei hatte Bayern schon viel früher 
sowas auf der Landesebene.

Und was sagt Wiki dazu:
Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz 
(StMUV) wurde am 8. Dezember 1970 gegründet. Es war das weltweit erste 
Umweltministerium und ist somit seit über 55 Jahren aktiv (Stand Ende 
2025). Gegründet als Ministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen, 
war es ein Vorreiter im Naturschutz.

von G. K. (zumsel)


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Dieter D. schrieb:

> Das ganz sicher nicht. Ohne die Abgabe der Atomwaffen für eine
> Schutzgarantie wäre die Ukraine sehr wahrscheinlich nicht überfallen
> worden. Daher sind KKW dringend notwendig um an Atomwaffen zu kommen um
> wieder ein Abschreckungspotential aufzubauen. Wobei bald auch ein
> Abschreckungspotential aus Roboterarmeen denkbar wäre. Aber da wären
> auch wieder strategische Atombomben eine Gegenmaßnahme.

Wenn die Entwicklung noch ein wenig weitergeht wird man bald den Gegner 
nur mit Drohnen und Robotern zurück in die Steinzeit drohnen und 
robotern können, was ja die zentrale Drohung bzw. Eigenschaft (MAD) von 
Nuklearwaffen ist.

von Thomas S. (thommi)


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Chris D. schrieb:
> Nicht ganz. Der Reaktor war schon für eine Nachrüstung beim
> Notfallabwurf vorgesehen, weil der problematisch war und schon vorher in
> einem anderen Kraftwerk fast zu einer Katastrophe geführt hatte .
> Offenbar war die Konstruktion nicht wirklich gut.

Im Prinzip war die Konstruktion schon nicht schlecht, weil man im 
laufenden Betrieb Brennstäbe wechseln konnte, aber betreffs 
Sicherheitsaspekten bin ich bei dir. Der RBMK liess zu viel Freiraum für 
fatale Fehler zu. Da waren unsere AKWs sicherer, aber eben auch nicht 
unfehlbar.

Ich habe ja Gundremmingen vor der Haustüre, ca 30 km, und da ging beim 
Block A auch gewaltig was schief, Totalschaden. B und C liefen aber 
zuverlässig bis auf kleinere Störfälle.

Habe damals den Bau von Block B und C miterlebt, weil wir im Sommer 
immer am Baggersee in der Nähe waren. Irgendwie fehlt mir die Landmarke. 
Immer wenn ich heim kam waren die zwei Dampfwolken quasi ein 
Willkommensgruss, war auch schon öfters mal drin, weil ein Bekannter von 
mir dort als Reaktorfahrer arbeitet.

Aber die Ideen einer Alternativen Partei oder von Von der Leyen, diese 
AKWs zu reaktivieren ist irrsinn, da viel zu aufwändig, zumal die 
Neuzulassung heute sehr viele deutlich höhere neue 
Sicherheitsvorschriften beinhaltet.

Wo der Strom in Zukunft herkommt, ist noch offen. Bisher gab es noch 
keinen wirklichen Engpass, aber die Schweden beschweren sich schon, wenn 
es bei uns knapp wird, und wir über das Verbundnetz Strom von ihnen 
abrufen, was den Strom in Schweden verteuert. Windenergie ist in .de 
auch nicht unendlich abschöpfbar, denn die kinetische Energie des 
Windes, welche über Deutschland zieht, ist begrenzt.

Wenn in BeNeLux und Frankreich auch überall Windkraftanlagen installiert 
würden, dann käme bei uns noch weniger an. Das ist auf den Wind durch 
die Erdrotation bezogen. Lokale Stürme meteorologische Einflüsse sind da 
ausgenommen.

Wenn Wendelstein 7 oder Cadarache mal Serienreife erreicht, dann wäre 
das Energieproblem wohl gelöst, Bayern meint ja, dass in 15 Jahren der 
erste Fusionsreaktor in Gundremmingen
 ans Netz geht. Ein sehr ambitioniertes Ziel, wenn man den 
Entwicklungsverlauf der Fusionsforschung so beobachtet.

Es ist schwierig, vorherzusagen, wie sich unsere Stromerzeugung vs 
Strombedarf entwickelt. BEVs und Wärmepumpen kommen immer mehr, aber 
auch der Solarausbau bei Hausbesitzern. Im Winter kann das aber eng 
werden.

Im Prinzip können wir nur abwarten, wie es sich entwickelt.

von Christoph M. (mchris)


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Thomas S. schrieb:
> Wenn Wendelstein 7 oder Cadarache mal Serienreife erreicht, dann wäre
> das Energieproblem wohl gelöst, Bayern meint ja, dass in 15 Jahren der
> erste Fusionsreaktor in Gundremmingen

Das passiert wahrscheinlich zeitgleich mit dem Erscheinen des ersten 
nützlichen Quantencomputers.

von Ein T. (ein_typ)


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Chris D. schrieb:
> Allerdings findet sich im Artikel die Anmerkung, dass nicht klar ist, ob
> ÜBERHAUPT weitere AKWs gebaut werden. Selbst das ist offenbar noch nicht
> einmal sicher. Soviel zu "Schweden plant!".

Naja, jede Planung kostet Zeit und Geld. Außerdem müssen meist einige 
Dinge zumindest halbwegs feststehen, bevor eine Investitionsentscheidung 
getroffen werden kann, allem voran natürlich die Kosten und die 
Kostenträger. Von daher finde ich es schon bemerkenswert, daß jemand 
überhaupt die Zeit und das Geld für entsprechende Planungen für etwas 
investiert, bei dem doch zumindest nach auch Deinen Aussagen klar sein 
müßte, daß es sich nicht rechnen kann.

> Denn die Schweden hatten es ja marktwirtschaftlich versucht - mit dem
> Ergebnis: keine Angebote. Jetzt sucht man einen Weg, das doch irgendwie
> schmackhaft zu machen. Natürlich mit viel staatlichem Geld und
> Garantien.

Das ist mir durchaus aufgefallen, aber ich habe meine Zweifel daran, daß 
das ein wirklich stichhaltiges Argument ist. Einem erfolgreichen 
Unternehmer wie Dir muß sicherlich niemand erklären, das Unternehmen 
unkalkulierbare Risiken scheuen wie der berühmte Teufel das Weihwasser.

Und diese Unkalkulierbarkeit betrifft ja beide Seiten, sowohl die 
Einnahmen- aus auch die Ausgabenseite. Wir alle wissen, daß Großprojekte 
während ihrer Realisierung eine sehr starke Neigung zu 
Kostensteigerungen haben. Und wenn zudem eine politische Entscheidung 
mit einer minimalen Stimmenmehrheit von gerade einmal 154 zu 151 Stimmen 
getroffen wird, stellt sich natürlich auch die Frage, wie langfristig 
diese Entscheidung hält. Auch in Schweden sollen Wahlen stattfinden und 
sich politische Mehrheiten und Entscheider ändern.

Würdest Du eine neue, teure Maschine anschaffen, wenn Du einerseits nur 
weißt, daß die Kosten ohne Amortisation am Ende existenzbedrohlich sein 
werden, und Du andererseits ebenso nicht weißt, ob, in welcher Stückzahl 
und zu welchem Stückpreis Du die solcherart angefertigten Produkte 
verkaufen kannst?

Das ist für Dich ja nur eine reine Abwägung ökonomischer Risiken, 
während es beim Errichten von Kernkraftwerken auch noch eine 
unkalkulierbare politische Komponente gibt. Der politische Rückhalt für 
die Kernenergie kann in kurzer, um nicht zu sagen kürzester Zeit 
wegbrechen. Und das sogar innerhalb von ein und derselben Partei, wie 
wir -- und sicherlich auch Vattenfall -- bei uns in Deutschland gesehen 
haben. Es reicht schon eine einzige Flutwelle am anderen Ende der Welt, 
damit eine Partei genau jenen Atomausstieg rückgängig gemacht hat, den 
sie selbst erst wenige Jahe zuvor kassiert hatte!

Erweitern wir also die im vorvorherigen Absatz gestellten Frage nach 
Deiner Investitionsentscheidung um die zusätzliche Unwägbarkeit, daß die 
Produkte, welche mit der Maschine gefertigt werden sollen, vielleicht 
morgen verboten werden. Selbst wenn Du für die reine Investitionssumme 
entschädigt würdest, erhieltest Du ja dennoch keine Entschädigung für 
die Fehlallokation Deines Kapitals, mithin für das, was Du verdient 
hättest, wenn Du anstelle dieser Maschine in ein anderes Geschäftsfeld 
investiert hättest.

Insofern kann ich auch unter Berücksichtigung der Tatsache, daß 
Unternehmertum natürlich immer auch das kalkulierte Eingehen von Risiken 
beinhaltet, sowohl die Entscheidungen als auch die der potentiellen 
Finanzierer und die Position von Vattenfall sehr gut nachvollziehen. 
Diese Risiken von den Kosten über den Nutzen bis hin zum politischen 
Klima würde sicher kein verantwortungsbewußter Unternehmer mit klarem 
Verstand eingehen.

Die Feststellung, daß die Risiken unkalkulierbar sind, wie Frau Borg ja 
auch ausdrücklich gesagt hat, ist meines Erachtens noch kein Beleg 
dafür, daß die Kernenergie in jedem Fall unwirtschaftlich sei. Wenn das 
so eindeutig wäre, wie es hier auch von Dir dargestellt wird, dann würde 
doch niemand auch nur eine Sekunde seiner Zeit oder einen Cent seines 
Geldes in solche Planungen investieren und es gäbe gar keine Diskussion. 
Wenn es so offensichtlich wäre, würde Frau Borg das zweifellos sagen, 
statt sich auf Risiken zu berufen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte 
sie das ihren politischen Entscheidern schon vorher klargemacht und die 
Diskussionen, Entscheidungen und Planungen damit ebenso augenblicklich 
wie endgültig beendet.

Aber das ist nicht geschehen, Frau Borg hat nichts dergleichen gesagt, 
und aus dem, womit sie im verlinkten Artikel zitiert worden ist, kann 
ich beim besten Willen nicht die Schlüsse ziehen, die hier gezogen 
werden, und schon gar nicht in der definitiven Bestimmtheit, mit der sie 
hier postuliert werden.

Schau, ich bin unschlüssig und hätte selbst gerne eine Antwort. Aber 
bisher ist das Schlüssigste, das ich sehe, das Argument von Udo in 
diesem Beitrag [1], verkürzt: wie kann man Atomkraft in einem Land 
wollen, in dem laut der eigenen Aussagen doch angeblich rein gar nichts 
funktioniert. Das ist eine schöne Polemik, vor allem wegen des Körnchen 
Wahrheit darin, aber leider irgendwie auch kein wirkliches Argument in 
der Sache.

Anstelle solcher Argumente wird mir hingegen erklärt, daß das alles 
sowieso viel zu teuer sei -- wobei ich mich dann frage, warum dann so 
viele Staaten trotzdem ihre Zeit und ihr Geld in Planungen und Bauten 
davon investieren -- und dann wird argumentiert, die CEO von Vattenfall 
hätte das gesagt, obwohl sie tatsächlich über Risiken und 
Risikoaffinitäten gesprochen hat. Verstehst Du vielleicht, warum es mir 
so schwer fällt, das überzeugend zu finden? Daß ich oft das Gefühl habe, 
daß der Wunsch der Vater solcher Argumente ist? Es wird mir erklärt, es 
gebe ja kein Endlager und könne auch keines geben weil nirgendwo eine 
ausreichende geologische Stabilität über so lange Zeiträume garantiert 
werden könne, und auf den ersten Blick ist das auch alles nicht von der 
Hand zu weisen. Aber dann lese ich über Transmutation, die im Labor wohl 
schon funktionieren soll, und daß in Schweden so ein Endlager gebaut 
wird (schon wieder diese Schweden, verdammt!).

Und das gilt für beide Seiten. Funktioniert das mit der Transmutation 
denn wirklich, kann man deren Laborergebnisse auf einen industriellen 
Maßstab skalieren -- und womöglich dabei sogar Energie gewinnen? Hm, das 
weiß ich wieder nicht und kann es nicht beurteilen. Spart die 
Kernenergie wirklich signifikante Mengen beim CO2-Ausstoß? Und das ist 
das größere Risiko, ein schwerer Nuklearunfall, die globale Erwärmung 
oder der politische Umsturz durch Bürger, die sich keinen Strom mehr 
leisten können?

Fragen über Fragen, aber irgendwie... wenn ich ein ängstlicher Mensch 
wäre, dann hätte ich vielleicht eine Antwort. Bin ich aber nicht und hab 
ich aber nicht, so ein Mist. Und je mehr schwammige Argumente, 
merkwürdige Schlüsse, seltsame Argumentationsketten dabei kommen, desto 
klarer wird mir, daß es möglicherweise gar keine eindeutige, endgültige 
Wahrheit gibt. Verdammt!


[1] Beitrag "Re: Blackout in Spanien: Abschlussbericht"

von G. K. (zumsel)


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Ein T. schrieb:

> Naja, jede Planung kostet Zeit und Geld. Außerdem müssen meist einige
> Dinge zumindest halbwegs feststehen, bevor eine Investitionsentscheidung
> getroffen werden kann, allem voran natürlich die Kosten und die
> Kostenträger.

Große und lange Projekte haben halt große Risiken, sowohl in der 
Privatwirtschaft als auch in staatlichen Projekten. (Kaputte private 
Projekte haben weniger Aufmerksamkeit)

Daher sollte man derartiges nur in Betracht ziehen wenn diese 
alternativlos sind, und hohe Risiken ziehen auch höhere Kosten für 
Management dieser nach sich.

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