Hallo Leute, Bei mir steht aktuell die Anschaffung eines Prototyping-Werkzeuges an. Die Auswahl dieser Geräte ist ja mittlerweile wirklich riesig. Zudem unterscheiden sich diese auch noch in ihren Arbeitsweisen grundlegend, Laser, klassisches Milling und Material-Dispensing. Ich habe mir dazu unzähle Videos (hauptsächlich jene der enstsprechenden Hersteller) angeschaut und auch die Produktbeschreibungen gelesen, aber so richtig herausfinden wo hier die feinen Unterschiede (also Stärken und Schwächen) der einzelnen Verfahren und Produkte sind, konnte ich leider nicht. Somit fällt es mir natürlich entsprechend schwer, dass richtige Produkt für mich zu finden und da hoffe ich auf ein wenig Unterstützung eurerseits und natürlich massig Erfahrungsberichte ;-) die mir die Entscheidung etwas erleichtern. Hier kurz meine Anforderungen: 1.) Ich möchte ein- und zweiseitig Platinen in kleinen Stückzahlen fertigen, sowohl klassiche (also in Durchstecktechnik) als auch SMDs, evtl. auch kombinierte. 2.) Bei der PlatinenGröße bin ich mir im Moment noch etwas unsicher, EurokartenFormat würde vermutlich in 95% der Fälle reichen, wenn es etwas gibt das auch etwas größere Platinen fertigen kann wäre das (in Hinblick auf zukünftige Projekte) eventuell auch eine Option 3.) Ich arbeite derzeit ausschließlich mit einer älteren (freien) EAGLE Lizenz und da ich da mittlerweile einigermaßen fit und schnell bin, möchte ich ehlichgesagt auch nicht auf eine andere Software umsteigen. Auch die FUSION-Ka**e ist da keine echte Option für mich, da ich dass was diese mehr kann als das alte EAGLE, schlichtweg nicht brauche. By the way: Wenn jemand eine gebrauchte EAGLE-Lizenz 6.x oder 7.x zu verkaufen mich hat, bitte per PN oder eMail bei mir melden. 4.) Bei den meisten Geräten sind (zumindest soweit ich das den Videos entnommen habe) extrem viele Einstellungen für den eigentlichen Fräs/Laser Prozess zu machen. Da ich damit keinerlei Erfahrung habe und nicht zig Platinen nur für die "Grundlagenforschung" verbrauchen, und auch nicht wahnsinnig viel Zeit in dieselbe investieren will, käme mir eine möglichst einfache Bedienung der Software, oder zumindest eine die eine gewisse "Nutzerführung" abietet, sehr entgegen. Der Fokus liegt hier also auf einfache und möglichst fehlertolerante Bedienung und weniger hunderte Optionen und Funktinen die man für einfache Standardanwendung nicht braucht. Je einfacher umso besser. 5.) Automatischer Werkzeugwechsel bei den Milling-Modellen ist definitiv kein "must have", aber ich würde es speziell für mich als Anfäger dieser Technik cool finden, weil wieder eine Fehlerquelle (falsches Werkzeug eingespannt) wegfällt und weniger wegen der Bequemlichkeit. Damit das nicht mißverstanden wird: Anfäger bin ich nur was diese Technik betrifft, mit Elektronik und Prototyping beschäftige ich mich schon mein ganzes Leben, mehrere Jahrzehnte, lang. 6.) Die Geräte die mit Laser arbeiten, sind soweit ich das verstanden habe eher Geräte die zum gravieren gedacht sind und der PCB-Bereich ist mehr ein "Abfallprodukt" dieser Geräte. Stimmt ihr mir da zu, oder schätze ich das völlig falsch ein ? Sind diese trotzdem genausogut dafür geeignet oder eher nicht ? 7.) Der Preis ist definitiv nicht das Kriterium: Ich wäre druchaus bereit für ein Produkt das meinen Anforderungen und Bedürfnissen besser entspricht, deutlich mehr auszugeben. 8.) Im Zuge der Recherche bin ich natürlich auch über "LPKF Laser & Electronics" gestolpert. Das scheinen mir doch schon eher semiprofessionelle Geräte zu sein. Gibt es zu diesen Erfahrungen ? So und jetzt immer her mit den Infos ich bin schon echt gespannt was ihr dazu zu sagen habt. Grüße Electronixs
Navratil schrieb: > Bei mir steht aktuell die Anschaffung eines Prototyping-Werkzeuges an. Wozu? der Advocatus Diaboli sagt: https://jlcpcb.com/ https://aisler.net/
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Navratil schrieb: > 1.) Ich möchte ein- und zweiseitig Platinen in kleinen Stückzahlen > fertigen, sowohl klassiche (also in Durchstecktechnik) als auch SMDs, > evtl. auch kombinierte. Da müsstest du schon schon ein paar mehr Details nennen. SMD ist bezüglich der Anforderungen an die Strukturgrößen auf der Platine ein weites Feld. Zeig doch einmal, welche Art von Platinen du fertigen möchtest.
> 1.) Ich möchte ein- und zweiseitig Platinen in kleinen Stückzahlen > fertigen, sowohl klassiche (also in Durchstecktechnik) als auch SMDs, > evtl. auch kombinierte. Das ist 'ne Kleinstserie (geraten: 10 Stk. willste machen) aber kein Prototyp mehr, nach Fädeltechnik wie bei Lochraster/TH klingt das auch nicht mehr, also SMD. Bei SMD kommt man ums "Extern fertigen lassen" nicht mehr drumerheum, negativ Kupferfräsen/-ritzen ( " ... gravieren ...") ist nicht wirklich ne Option, händisch zu ungenau, für nen x-y Plotter/schneider sind IMHO die Kosten/Aufwand zu hoch. Vielleicht hat es einen makerspace mit entsprechenden Equipment in der Nähe wo man man reinschauen kann, ansonsten ist Beitrag "Hilfestellung" schon der richtige Hinweis. Ich hab mal auf der Embedded nen Vortrag/demo zur Inhouse-Prototypenfertigung im eigenen Labor gesehen, hat mich nicht wirklich überzeugt. War eventuell das: https://www.lpkf.com/de/branchen-technologien/forschung-in-house-pcb-prototyping/warum-in-house-pcb-prototyping
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Für den Preis selbst der billigsten Maschine die einigermaßen taugt kannst du einige hundert Packl aus China bestellen, und das sind zusätzlich professionell hergestellte Boards inklusive Bestückungsdruck, Durchkontaktierung und Oberflächenveredlung in Industriestandard und feinster Auflösung. Eine eigene Maschine egal welchen Typs bringt nur Vorteile wenn du nicht eine Woche auf die Muster warten kannst, also "das muss heute fertig!!!" die Regel ist. Und die Betonung ist auf "muss", nicht weil du das willst oder geil findest, sondern weil da eine Strafe dranhängt. Fräsen macht Dreck und ist relativ grob. Glasfaserstaub ist krebserregend, da brauchts eine staubfähige Absaugung zu, und die kleinen Werkzeuge verschleißen wegen des Glases schnell. Und die sind auch sehr "günstig"... Fräsen haben auch gern mal Probleme weil das Material nicht 100% gerade ist. Lasern macht noch ekligeren Gestank und Rauch, aber wenigstens keinen Staub. Dafür sind die Maschinen wesentlich teurer und gleichzeitig schlechter, denn eine Fräse schert sich einen Dreck um die Oberfläche, ein Laser kann auch mal dieses Material nicht vernünftig schneiden weil es einfach zu stark reflektiert, da ist dann tricksen nötig. Plus: so ein günstiger Powerlaser hält nicht lange, ein wirklich guter der lange hält kostet ein Vermögen. Und: die Strahlung ist saugefährlich, weil man sie nicht sieht. Wenn die Fräse leise ist ist sie gefahrlos, der Laser macht keinen Krach und schwupps bist du blind. 3D-Drucken braucht man bei Platinen nur wenn es Formen ungleich der Platte sein müssen (!). Das Material ist scheiße und schlecht, weil man weder Isolation noch Leiter als Thermoplast vernünftig herstellen kann. Alle drei Maschinen ziehen ihren Nutzen aber aus "die kann das auch!". Will sagen du kannst Gehäuse oder Frontplatten auch machen und die Elektronik ist ein Abfallprodukt, wobei man heutzutage durchaus Maschinen kaufen kann die den Fokus eher auf LP-Herstellung haben, und dann können sie nichtmal andere Materialien grundlegendst bearbeiten. Da bist du dann doppelt gearscht.
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Hmmm so viel Negatives hab ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Und ja es ist in dem Fall tatsächlich ein Luxus den ich mir leisten WILL und nicht muss, dass ich nicht eine Woche warten muss. Und nein Fädeltechnik ist das natürlich nicht, das meiste was ich bisher gemacht habe war ganz normale klassische Durchstecktechnik, aber auch vereinzeot SMD Gibts hier auch noch Anwender von solchen Geräten die mit Erfahrungen helfen können ? Dass man das Zeugs in China, oder sonstwo fertigenden lassen kann, war mir bekannt, dazu benötige ich zumindest im Moment, keine Empfehlungen. ;-) Ich möchte mir tatsächlich so ein Gerät anschaffen und muss mir dazu ein entsprechendes Bild von den Dingern machen. Da würde ich mir Unterstützung wünschen. Die Nachteile der Lasergeräte (Dämpfe, Gestank) und der Gravierer (krebserregender Staub usw.) haben wir hiermit ausreichend besprochen. Wie sieht es mit den anderen Vor- und Nachteilen aus ? Was haltet ihr von der dritten Gattung, den Material-Dispensern, so wie das die Voltera V1 macht ? Zu den Platinen die ich machen will, ja das kann alles mögliche sein, von winzigen 2x2cm Dingern die nur ein Signal verstärken bis zu Steuerungen mittels Mikrokontroller. Und selbst da ist das Spektrum breit, manches mal reicht ein AT Tiny85 für einfache Aufgaben, häufig verwende ich AT Mega328 oder direkt einen Arduino, manches mal hab ich auch schon einen Motorolla 68H12 oder einen AT Mega2560 verwendet. Je nach dem was am ehesten zu der Aufgabe gepasst hat. Grüße Electronixs
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So lange du normale SMDs mit 1.27er Raster und 0805 nutzt, kauf eine Fräse. Das ist robuste einfach beherrschbare Technik, wenn es keine 100€-Aliexpress-Maschine ist. Und die kann evtl. auch gleich Löcher in Frontplatten machen usw., das geht mit Laser nur schlecht. Navratil schrieb: > Was haltet ihr von der dritten Gattung, den Material-Dispensern Durfte ich mir mal ansehen, eine absolut geile Maschine, die als Lösung klasse funktioniert, wenn man das sehr spezifische Problem dazu hat. Und die Kohle.
Ein weiteres Verfahren wäre LDI Laser Direct Imaging. Dabei wird eine photosensitive Leiterplatte mit einem UV-Laser direkt beschrieben. Der zwischenschritt über einen Film entfällt also. Anschließend wie gehabt entwickeln, fixieren, ätzen, reinigen, bohren. Wie möchtest Du Lötstopplack auftragen? SMD ohne Lötstop kann lästig werden. Wie stellst Du Dir das mit dem Durchkontaktieren vor? Galvanisch? Draht durchstecken und auf beiden Seiten löten? Als Jugendlicher habe ich mir meine Sachen mit Eisen-3-Chlorid versaut. Aus dem Alter bin ich raus. Muss ich nicht mehr haben. fchk
Frank K. schrieb: > LDI Laser Direct Imaging Das ist im Grunde das was professionelle Hersteller machen. Nur das die dann auch gleich Lötstop (auf gleiche Art) und Dukos machen können, was hier ausdrücklich nicht gewünscht ist. Da ist ein LDI dann nur das sparen der Folie und der UV-Lampe, die ganze Sauerei hat man trotzdem und die LDI-Maschine ist sonst zu nix nutze.
LDI Laser Direct Imaging finde ich persönlich Quatsch, da kann ich gleich mit UV-Belichtung arbeiten, das bringt m.E. kaum Vorteile. Lötstoplack auftragen ? Klassisch würde ich sagen, an den entprechenden Stellen wieder entfernen können eigentlich alle Systeme soweit ich das verstanden habe. Durchkontaktierungen hätte ich erstmal nur mit Draht gemacht, aber es gibt ja auch enstprechende "Einstecker" zu kaufen. >Als Jugendlicher habe ich mir meine Sachen mit Eisen-3-Chlorid versaut. >Aus dem Alter bin ich raus. Muss ich nicht mehr haben. Ja das hab ich vor (mehr als) 30 Jahren auch gemacht, und genauso wie Du kann ich heute gern darauf verzichten, deswegen der Gedanke mir so eine Maschine zu kaufen.
Navratil schrieb: > Klassisch würde ich sagen, an den entprechenden Stellen wieder entfernen > können eigentlich alle Systeme soweit ich das verstanden habe. Fotolack als Folie auflaminieren und dann Laserbelichten, mit stark reduzierter Leistung. Die Fräse kann so dünne Schichten nicht zuverlässig ohne Untergrundbeschädigung, und der FDM-Apparat kann nur zufügen, nicht wegnehmen. Also, wenn du Lötstoppen willst brauchts evtl. was anderes. Für Dukos kann man nieten, oder man tut sich doch wieder Chemie an und galvanisiert. Wenn man Nieten und oder Chemie noch bekommt. Nieten und das ganze andere Zeug stirbt aus weil's kaum noch privat gebraucht wird, Chemie ist verboten wegen Terror und zunehmender Volksverdummung. Du siehst: das ist komplexer als man meint, und kostet auch derbe 4-stellig, mindestens. Aber so ist das mit Hobbies: möglichst viel Geld rauswerfen um damit möglichst wenig Nutzen zu erzielen.
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Jens M. schrieb: > Lasern macht noch ekligeren Gestank und Rauch, aber wenigstens keinen > Staub. Rauchpartikel sind kein Staub?
Rainer W. schrieb: > Jens M. schrieb: >> Lasern macht noch ekligeren Gestank und Rauch, aber wenigstens keinen >> Staub. > > Rauchpartikel sind kein Staub? Feinstaub.
"Derb 4-stellig" wäre nicht das Problem, wenn das Teil das macht was ich mir wünsche. Schön wären Erfahrtungsberichte von Leuten die sowas in Verwendung haben, idealerweise vieleicht sogar mit verschiedenen Arbeitsweisen und/oder Fabrikaten. Grüße Electronixs
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Navratil schrieb: > Erfahrtungsberichte von Leuten die sowas in Verwendung > haben Es wird Gründe geben, warum es so wenig davon gibt, und warum es immer weniger werden.
Du musst dir überlegen, was du willst und dann entsprechend handeln. Eins vorweg: Wenn du keine Anwendung hast, bei der ein Kunde unbedingt innerhalb von 2 Stunden eine bestückte Platine braucht, ist die Fertigung mehr als einer Platine völlig unsinnig. Das ist toll für Prototyping, aber schon sowas wie eine Kleinserie lässt man besser extern fertigen. Das ist einfacher, die Qualität ist besser und es ist auch noch kostengünstiger. Ich habe Erfahrung mit einigen Verfahren, aber kann dir eigentlich nur zur UV-Direktbelichtung raten, da die die feinen Strukturen, die du vielleicht brauchst, ordentlich auflösen kann. Ich benutze dafür meinen Harz-3d-Drucker. Das lichtempfindlich beschichtete Platinenmaterial wird anstelle des Harztanks auf den Bildschirm gelegt und dann wird mittels einer Datei, die lediglich die Platine zeigt (UVTools!) belichtet. Danach entwickeln, ätzen, der ganze Aufwand. Wer mag, kann wohl noch Lötstoplack auflaminieren und belichten, ist mir aber zu viel Aufwand. Achso: Bohren musst du die Platine danach natürlich auch noch, das kann man aber durch weitgehende SMD-Verwendung stark reduzieren. Vorteil: Platine wird weitgehend so, wie du sie designst. Nachteil: Du musst halt ätzen und das Basismaterial vorrätig haben bzw. vorbereiten. Außerdem Bohren. Über die Sinnhaftigkeit des ganzen Vorhabens müssen wir uns nicht unterhalten; du weißt, was du willst und brauchst. Ich finde Design für Platinen zum Selberätzen immer sehr anstrengend, Durchkontaktierungen sind ein irrer Aufwand und die Materialien und Prozesschemie sind auch nicht ganz billig. Da ist man bei Kleinserien mit einem professionellen Fertiger (muss nicht mal jlcpcb sein) einfach besser bedient.
Rainer W. schrieb: > Rauchpartikel sind kein Staub? In dem Sinne nicht. Der Frässtaub lässt sich nicht durch einfache Luftströmung durch das Gehäuse einsammeln, da brauchts einen Staubsauger mit Staubzulassung sonst ist die Scheiße in der Lunge. Laserrauch dagegen lässt sich hervorragend mit einer Ablufteinheit nach draußen befördern und die Maschine ist direkt sauber. Aber ja, Rauch ist Feinstaub, das stimmt.
Jens M. schrieb: > Für Dukos kann man nieten, Und das geht halbwegs ordentlich nur mit solch einem fetten Nietgerät wie z.B. Bungard Favorit. Trotzdem ist nicht sichergestellt, dass die Nieten dauerhaft halten, weil die Verpressung mit den Leiterbahnen nicht immer perfekt ist. Daher ggf. beidseitig nachlöten... > oder man tut sich doch wieder Chemie an und galvanisiert. Exakt. Und damit hierbei eine brauchbare Qualität herauskommt und das nicht nur Glückssache ist, muss man die Leiterplatte vor dem Ätzen bohren, entgraten und durchkontaktieren, so wie "die Profis". Das will man sich auch nicht wirklich antun, denn dafür benötigt man doch einen Haufen verschiedener Chemikalien und natürlich eine fette Stromversorgung. Aus meiner Sicht sind genau diese Durchkontaktierungen meist DER Grund schlechthin, nur noch professionell hergestellte Leiterplatten zu verwenden. > Wenn man Nieten und oder Chemie noch bekommt. Nieten und das ganze > andere Zeug stirbt aus weil's kaum noch privat gebraucht wird, Chemie > ist verboten wegen Terror und zunehmender Volksverdummung. Bungard bietet auch heute noch sowohl Nietmaschinen als auch galvanische Durchkontaktiermaschinen an, ebenso die Nieten und Chemikalien. Die Nieten gibt es im Online-Shop oder z.B. bei TME. Für die Chemikalien muss man registrierter Kunde sein, wobei sie eventuell nur an gewerbliche Abnehmer verkauft werden, die das Zeug auch fachgerecht entsorgen können. https://www.bungard.de/de/produkte/durchkontaktierung
Hallo, Navratil schrieb: > Hmmm so viel Negatives hab ich ehrlich gesagt nicht erwartet. ... > Gibts hier auch noch Anwender von solchen Geräten die mit Erfahrungen > helfen können ? Ich habe mir vor rund 30 Jahren (also in der Zeit, als die meisten noch keinen Internet-Zugang hatten) eine Tischfräsmaschine gebaut, u.a. zum Platinenfräsen. Mehr als ein paar Muster habe ich damit nicht gemacht. Ansonsten eher Frontplatten oder mechanische Nacharbeiten. In den letzten Jahren steht das Teil eigentlich nur noch rum. Wenn man die eigene Arbeitszeit mit einrechnet und das nur sehr selten macht, lohnt sich das eigentlich nie, weil man immer erstmal probieren muss oder eine spezielle Vorrichtung bauen muss. Für Platinen aus den bereits genannten Gründen schon gar nicht. Mit freundlichen Grüßen Thorsten Ostermann
Navratil schrieb: > "LPKF Laser & Electronics" gestolpert. > Das scheinen mir doch schon eher semiprofessionelle Geräte zu sein. > Gibt es zu diesen Erfahrungen ? Von denen hatten wir eine Maschine in der Lehrwerkstatt, vor ca. 10 Jahren saß ich da zuletzt dran. Mein Fazit von damals: Für Prototypen bis runter zu SMD 0603 und TQFP absolut brauchbar. Aaaber: Die Maschine hat eine Lernkurve und du musst schon im Layout Dinge beachten, die bei Profi-Platinen egal sind oder evtl. sogar unnötige Probleme machen. Außerdem ist der Betrieb relativ teuer. Du brauchst unbedingt noch die Absaugung, darüber lief der Vakuumtisch und den Glasfaser Staub willst du nicht in der Bude haben. Ohne das Mikroskop zum Fräser einstellen ging es auch nicht, trotz vorhandener Granit Messplatte und Zubehör. Außerdem kannst du damit rechnen, dass du quasi pro Eurokarte einen Gravierstichel (10-20€) abschreiben kannst. Die funktionieren zwar noch länger, aber die Kupfer-Kanten fransen dann aus und du bekommst SMD nicht mehr schön genug hin. Entgraten mit Poliervlies geht wenn man vorsichtig ist, rettet aber auch nicht alles. Flächen freistellen dauert ewig und kostet dir auch quasi einen Fräser pro blank gemachter Karte, da der nur an der Stirnseite abgenutzt wird. Heutzutage würde ich für die ganze Kohle lieber einen Vertrag mit einem Fertiger aushandeln, wenn man das Zeug wirklich so schnell braucht. Persönlich weiß ich, mal eine Kaffeepause in sich gehen bevor man abschickt, ist eh sinnvoller als sein Labor auf Schnellschüsse zu trimmen.
Navratil schrieb: > Schön wären Erfahrtungsberichte von Leuten die sowas in Verwendung > haben, Habe ich: Bestell bei JLCPCB! Ich habe eine CNC3018 mit Laser, einen 40W CO2-Laser, ich habe belichtet, geätzt, gebohrt. Was hier nach meiner Meinung noch fehlte: Jedes Verfahren braucht ausgewogene Prozessparameter. Mit anderen Worten > 80% Ausschuss!
Navratil schrieb: > Und selbst da ist das Spektrum breit, manches mal reicht ein AT Tiny85 > für einfache Aufgaben, häufig verwende ich AT Mega328 oder direkt einen > Arduino, manches mal hab ich auch schon einen Motorolla 68H12 oder einen > AT Mega2560 verwendet Ist doch alles total harmlos, diese MCUs kannst du doch freifliegend verdrahten wenn du nicht gerade die BGA-Version nimmst. Die fliegenden Drähte dann auf Lochraster oder Eval-Boards o.ä. . Kostet wahrscheinlich im Endeffekt weniger Lebenszeit als die Inbetriebnahme so einer Maschine... Und für Stückzahl > 1 halt JLPCB.
Navratil schrieb: > ich bin schon echt gespannt was ihr dazu zu sagen habt. Navratil schrieb: > zweiseitig Platinen Vergiss es. Du bekommst keine vernünftigen Durchkontaktierungen hin. Nicht mit endlichem Aufwand. Nicht zuverlässig. Nicht irgendwie erschwinglich. Echte Durchkontaktierungen wie du sie bei professionellen Platinenfertigern bekommst, mit Epoxyplatinen die mit so scharfen VHM Bohrern so schnell gebohrt werden dass sie nicht anschmelzen, mit heissem Kaliumpermanganat aufgerauht werden, mit kollodolialem Palladium grundiert werden, mit Kupfer elektrolytisch beschichtet werden und erst danach im Negativverfahren belichtet, galvanisch mit ätzfestem Metall (Zinn oder Gold) überzogen werden, gestrippt, basisch geätzt werden, sind dermassen prozessaufwändig, dass du täglich dabei bleiben musst um die Prozesse zu beherrschen. Andere Methoden, wie Silberpaste oder Durchkontaktiernieten, sind eine Qual und unzuverlässig. Als Hobbyist geht nur einseitig. Immerhin kann man damit so 50% der Platinen erschlagen. Wenn du dich darauf beschränken kannst und doppelseitige herstellen lässt, dann empfiehlt sich heute ein UV Tintenstrahlflachbettdrucker, der kostet so um 2000€. https://www.ebay.de/itm/388563983261 Damit wird die kupferbeschichtete Platine erst mit Ätzresist bedruckt, dann geätzt im Ätzbad, dann der Ätzresist gestrippt, dann der Lötstop und Bestückungsdruck gedruckt. Gebohrt wird mit einer CNC (3020 oder so), wenn 0.8mm Löcher reichen Beitrag "Re: Mini CNC Fräse..welche ist brauchbar?" (vielleicht geht bis 0.6) muss man keinen Werkzeugwechsler haben (alte Lenz PT415 oder TB500 kaufen, so um 1000€). Da man die CNC sowieso braucht könnte man auch Isolationsfräsen, z.B. wie oben gezeigt Voronoi, aber damit bekommt man keine feinen Strukturen hin, Ätzen ist schneller und genauer.
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Nicht dass ich Ahnung habe, aber nach dem was hier geschrieben wurde solltest Du auch das Thema Arbeitsschutz unbedingt ausarbeiten. Wenn sich Haustiere Putzfrau Kinder unerlaubt Zutritt verschaffen können, fast noch wichtiger als die Fertigung selbst.
Hallo Andreas und Jens. Andreas S. schrieb: > Jens M. schrieb: >> Für Dukos kann man nieten, > > Und das geht halbwegs ordentlich nur mit solch einem fetten Nietgerät > wie z.B. Bungard Favorit. Trotzdem ist nicht sichergestellt, dass die > Nieten dauerhaft halten, weil die Verpressung mit den Leiterbahnen nicht > immer perfekt ist. Daher ggf. beidseitig nachlöten... Ich habe früher privat und beruflich viele Stunden damit verbracht, unzuverlässig gewordene Durchkontaktierungsnieten nachträglich zu verlöten. Und zu den Herstellern zählten renomierte große Firmen. Es ist also nicht leicht, solche Nietdurchkontaktierungen herzustellen. Ich persönlich sehe darum vernietete Durchkontaktierungen als sehr unzuverlässig an. Selbst als "Messemuster", wenn es länger als ein halbes Jahr funktionieren soll. > Aus meiner Sicht sind genau diese Durchkontaktierungen meist DER Grund > schlechthin, nur noch professionell hergestellte Leiterplatten zu > verwenden. Richtig. Man kann zwar seine Leiterplatte dahin optimieren, möglichst wenig Durchkontaktierungen zu haben, SMD ist da ideal, aber in allerletzter Konsequenz liefe das auf einseitige Leiterplatten hinaus. Mal ganz abgesehen davon, das die verkrampfte Leiterführung dadurch zu anderen Problemen führt. Wenn man kleinere Schaltungen ganz in SMD einseitig hinbekommt, hätte das selber ätzen aber durchaus seinen Charm. Ich hatte schon Cheffs die begeistert waren, wenn ich ihnen über Nacht oder übers WE eine kleine bestückte Problemlöserplatine präsentieren konnte. ;O) Mit freundlichem Grund: Bernd Wiebus alias dl1eic http://www.dl0dg.de
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Moin, hier stehen bei uns am Institut ein Fräsbohrplotter S103 und ein Laser ProtoLaser U3, beide von LPKF. Grund für die Anschaffung war, das hier der Einsatz von Chemie bei der PCB Fertigung vermieden werden sollte... Mit den Fräsbohrplotter werden als erstes 4 Passer Marken gebohrt, dann geht es weiter zum Laser. Der Laser strukturiert das Material, in der Regel FR4. Es wird aber nicht komplett verdampft, sondern nur "geritzt" und dann im nächsten Schritt erwärmt, so das der Klebstoff vom Kupfer "flüssig" wird, seitlich wird dann mit Druckluft das Material weg gepustet - sieht aus wie feine Haare. Ausrichtung erfolgt mit Hilfe der Bohrungen, die durch eine Kamera erkannt werden, damit sind doppelseitige Leiterplatten kein Problem. Dann kommt das Material wieder auf den Fräsbohrplotter, dort werden die Löcher gebohrt und im letzten Schritt die Kontur der PCB gefräst. Warum da ganze und was kann ich nach über 10 Jahren Nutzung dazu sagen.: Wir machen viel analoge Entwicklung, dort gibt es oft eine Handvoll oder mehr Iterationen der Schaltungen, wenn die Schaltung dann steht, lassen wir meistens professionelle PCBs fertigen... Des weiteren haben wir viele einseitige Leiterplatten, die als Probenträger verwendet werden. Das Design ist meistens relativ simpel, dafür sind die Kontur und Befestigungsbohrungen aufwendig, oft Rund mit Aussparungen. Dazu hat sich manchmal das Design für diese PCBs gefühlt täglich geändert... Duschkontaktierungen machen wir mit 0,6mm und 0,8mm Bungard Nieten, verlöten diese aber auch zusätzlich - nur auf die Niete würde ich mich nicht verlassen. Wäre es bei der PCB Fertigung geblieben, würde ich diesen Gerätepark nicht noch einmal anschaffen - aber der ProtoLaser hat sich zum Schweizer Taschenmesser am Institut entwickelt! 90% der Anwendung haben nichts mehr mit PCB Prototyping mehr zu tun. Wir haben damit Kleine Stücke aus Wafern ausgeschnitten, um die Probe auf eine brauchbare Größe für die Probenstäbe zu bekommen. Kaptonfolien und andere Materialien als Masken für Versuche und Beschichtungen in der Spatter- / Aufdampfanlage. Bleche bis 0,3mm aus Kupfer, Edelstahl, Aluminium ausgeschnitten für Klammern, Befestigungen usw... Auch Saphir und Diamant Platten hab ich damit schon geschnitten... Sogar Deckgläser (die man für Mikroskopie verwendet) ließen sich auf die notwendige Größe zu schneiden... Preislich liegt man bei der Fräse im fünfstelligen Bereich, komplett mit Staubsauger usw... für den Laser muss man Faktor 10 mehr auf den Tisch legen.
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